12. Januar 2018

'Das Auge des Horus: Erwachen' von Pascal Wokan

Vergiss alles, was du bislang geglaubt hast, zu wissen!

Vor über zweitausend Jahren wurden die altägyptischen Götter geächtet und die Splitter ihrer Seele in mächtige Artefakte gebunden. Verborgen vor Menschenaugen befinden sich Ordnung und Chaos im Gleichgewicht, doch im Untergrund tobt ein uralter Krieg. Simon Contewill ist ein Magier des Horus. Als in Sky Baker der Splitter eines mächtigen Gottes erwacht, ahnt Simon bereits, dass das Gleichgewicht der Kräfte außer Kontrolle geraten ist. Ihre Feinde holen zum entscheidenden Schlag aus und wecken etwas in der Finsternis, das besser verborgen geblieben wäre.

Mystische Artefakte, mächtige Götter und uralte Geheimnisse. Tritt dem Auge des Horus bei, um den Verlauf des Schicksals zu ändern.

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Leseprobe:
An einer der beiden Säulen des Tempels in der Abteilung für ägyptische Kunst kam Jesper Blake zum Stillstand. Sein Atem rasselte und seine Lungen brannten, während er sich an der rauen Oberfläche der Sandsteinsäule abstützte. Sie war mit einer feinen Staubschicht bedeckt und wurde von gelben Neonscheinwerfern beleuchtet.
Zu langsam.
Jesper wischte sich den Schweiß von der Stirn, stolperte an der Säule vorbei und stürzte auf das Kapitell des Tempels von Dendur zu. Als seine Hände an den steinernen Ausbuchtungen entlangfuhren, schürfte er sich schmerzhaft die Finger auf. Dabei hätte er vor Aufregung fast den Knopf übersehen, der ihm das Leben retten könnte. Mit einem leisen Stöhnen drückte er darauf und wartete gespannt.
Irgendwo in der Ferne schrillte eine Alarmglocke. Einen Augenblick später fuhr am Eingang der Abteilung mit einem lauten Krachen das stählerne Sicherheits-Trenngitter herunter. Der Boden bebte unter der Wucht des Aufpralls.
Wenigstens etwas …
Jesper rutschte kraftlos zu Boden und gönnte sich einen tiefen Atemzug. Zaghaft lugte er hinter dem Tempel in Richtung des Trenngitters hervor.
Niemand war zu sehen.
Habe ich es mir nur eingebildet?
Die Alarmglocken gingen aus.
Mit einem Fluch stemmte er sich wieder nach oben und konnte spüren, wie seine Beine zitterten. Er war es nicht gewohnt zu rennen oder um sein Leben zu fürchten. Das war etwas für jüngere Männer, aber nichts für den Kurator des Metropolitan Museum of Art.
Erneut wischte er sich über die Stirn und sah sich verstohlen um. Am anderen Ende konnte er eine große Statue der Hatschepsut erkennen, direkt daneben einen detaillierten Nachbau eines Gartens aus dem Grab von Meketre.
Es war still, einzig sein tiefes Schnaufen war zu hören und verlor sich am anderen Ende der Abteilung. Nichts gab Hinweis darauf, dass er vor wenigen Minuten noch verfolgt worden war.
Ich hätte nicht mehr hier sein sollen.
Sein ganzes Streben war nun darauf gerichtet, zu überleben. Sollte allerdings eines der besonderen Artefakte an diesem Ort vermutet werden, dann musste er schnell handeln und alle nötigen Schritte in die Wege leiten. Zu viel stand auf dem Spiel.
Das Blut rauschte ihm in den Ohren, als er hinter dem Tempel hervortrat und durch den Raum in Richtung der nächsten Abteilung wanderte.
»Du hättest nicht weglaufen sollen«, sagte eine Stimme hinter ihm.
Jesper blieb stehen und spürte, wie es ihm eiskalt den Rücken hinunterlief.
»Wenn du es nicht getan hättest, dann würde ich nichts an diesem Ort vermuten.«
Langsam wandte sich Jesper um und blickte in das hagere Gesicht eines hochgewachsenen Mannes, mit mittellangen grauen Haaren und einem vorspringenden Kinn. Hinter den Gläsern seiner braunen Hornbrille lugten zwei kalte Augen hervor, die ihn geringschätzig musterten. Aufgrund seines grau karierten Tweedanzugs hätte man ihn für einen Versicherungsvertreter halten können. Das war er aber nicht. Dr. Noah Brenner war ein Mann mit einem großen Geheimnis.
»Noah«, sagte Jesper und versuchte einen Hauch von Selbstbewusstsein zu verströmen.
»Jesper.« Der hagere Mann nickte knapp. »Es ist schade, dass wir uns unter diesen Umständen wiederbegegnen.«
»Es scheint so.«
Noah verzog das Gesicht und kam langsam auf ihn zu. »Wo ist es?«, fragte er mit einer Stimme, die keinerlei Wärme beinhaltete. Nichts erinnerte mehr daran, dass sie einst Freunde gewesen waren.
»Wo ist was
Noahs Gesicht verhärtete sich. »Du weißt, wovon ich rede!«
Jesper stolperte einige Schritte zurück, während ihm der Schweiß mittlerweile den Nacken hinunter rann und seine Kleidung unangenehm auf der Haut kleben ließ.
»Vielleicht weiß ich das. Ich werde es dir aber nicht sagen. Nicht dir und nicht der Organisation, der du dienst.«
Der hagere Mann schüttelte den Kopf. »Es war ein Freundschaftsdienst, den ich dir erwiesen habe, als ich alleine gekommen bin. Ich wollte mich vergewissern.« Er zögerte. »Stell dir vor, was es für eine Überraschung war, als ich festgestellt habe, was sich in deinem Besitz befindet.«
Mit einem schweren Seufzer blieb Jesper stehen und begegnete dem vorwurfsvollen Blick. »Du weißt schon lange, wofür ich stehe. Erinnere dich an unsere gemeinsamen Jahre des Forschens. Erinnere dich daran, warum sich unsere Wege einst getrennt haben.«
»Natürlich weiß ich das.«
»Dann verstehst du auch, warum ich dir nicht weiterhelfen kann.«
»Oh, du kannst mir durchaus weiterhelfen.« Noah gab ein raues Lachen von sich. »Du hast es versteckt, Jesper Blake. Vor uns.« Er blieb direkt vor ihm stehen und zog etwas aus der Jacke. Es war ein gebogener Dolch aus purem Gold mit einem elfenbeinfarbenen Griff in dessen Ende rote Edelsteine eingelassen waren.
»Du willst mich also wirklich ermorden? Das hätte ich dir nicht zugetraut, Noah.«
»Du weißt, dass dies auch anders ausgehen kann, alter Freund.«
»Deine Drohungen sind überflüssig. Egal, was du auch tust, du wirst von mir nichts erfahren.« Er wagte einen schnellen Blick ans andere Ende der Abteilung. Der Ausgang stand einladend offen. Seine letzte Rettung.
Noah grinste wölfisch. »Versuche es erst gar nicht!«
Jesper rannte los, so schnell ihn seine Füße tragen konnten. Seine Schritte trommelten auf dem kalten Marmor, während er auf den Ausgang zustürzte. Mit einem flüchtigen Blick zurück erkannte er, dass Noah ihm nicht folgte. Der Mann stand weiterhin dort und sah ihm mit gerunzelter Stirn nach.
Er wird mich wieder finden … schneller!

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Mehr über und von Pascal Wokan auf seiner Website.



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