28. Februar 2017

'Verbannt seist du' von Linea Harris

Elaos – eine Stadt, die der Wildnis trotzt. Umgeben von hohen Mauern ist Elaos die einzig verbliebene Stadt, die noch Schutz vor den Bestien des Waldes bietet. Wer die Mauern verlässt, ist dem Tod geweiht. Doch innerhalb der Mauern steht der Friede auf Messers Schneide.

Angeführt von den Priestern und den Magoi, die auf der Festung in Saus und Braus leben, muss das gemeine Volk gegen Hunger und Armut kämpfen. Die Lage scheint aussichtslos. Wer sich auflehnt, wird in die Wildnis verbannt und kehrt nie wieder zurück.

Leah ist einzigartig, obwohl sie aus dem gemeinen Volk stammt. Sie hat eine Gabe, die nicht einmal die Magoi in der gewaltigen Festung ihr eigen nennen können. Umso gefährlicher wird es für sie, als sie auf der Burg als Magd zu arbeiten beginnt und auf den Magierschüler Neo trifft. Er ist überzeugt, dass Leah zu den Seinen gehört. Wird Leah ihre Fähigkeiten vor den rachsüchtigen Herrschern der Stadt verbergen können? Andernfalls droht ihr die Verbannung, die einem Todesurteil gleicht.

„Im Wald gibt es auch Magie“, sprudelte es aus dem Mädchen heraus und die Alte erstarrte.
„Nein“, flüsterte sie. „Im Wald gibt es nur den Tod.“


Gleich lesen: Verbannt seist du

Leseprobe:
Sie erreichten die ersten Hütten und bogen in eine enge, schmutzige Gasse ein. Leah kannte den armen Teil der Stadt wie ihre Westentasche und nahm so viele Abkürzungen wie möglich, um dem schrecklichen Szenario zu entkommen.
Trotz allem konnte sie das Jubeln und die Pfiffe der Menge hören, und vor ihren Augen spielte sich eine Szene ab, in der sich das knarrende Tor öffnete und Sallya von den Wachen hinaus gestoßen wurde. Das Tor schloss sich mit einem dumpfen Schlag von Holz auf Stein. Sie hatten Sallya in die Wildnis geschickt. Es brachte nichts, Leah würde es nicht rechtzeitig schaffen, um dem Albtraum zu entgehen. Sie blieb atemlos stehen, lehnte sich an eine alte Steinmauer und schloss die Augen.
Bitte, bitte, lass sie überleben. Nach einer kurzen Zeit der Stille hörte sie jedoch das Geräusch, das jeden Stadtbewohner die Angst in Mark und Bein spüren ließ. Das bedrohliche Brüllen einer Kreatur, die ihre Beute gewittert hatte und mit der Jagd begann. Sallyas Schreie endeten abrupt und Leah lief ein Schauder über den Rücken. Sie zog scharf die Luft ein und drängte die Tränen zurück. Es dauerte, bis sie sich gesammelt hatte. Ihre Stimme klang schwach und rau.
„Wenigstens ging es schnell.“
Marik brummte zustimmend, bevor sie schweigend ihren Weg fortsetzten und ihren trübseligen Gedanken nachhingen.
„Lass uns an den See gehen“, sagte er, „solange die Wachen abgelenkt sind. So eine Chance bekommen wir so schnell nicht wieder.“
Sie wusste, dass er sich Sorgen um sie machte.
„Ja, ein bisschen Ablenkung wäre ganz gut“, stimmte sie zu, kam aber nicht umhin sich vorzustellen, wie es wäre, wenn sie eines Tages die Worte des Verwalters würde hören müssen. Verbannt seist du ... Marik würde sie für verrückt erklären, wenn sie ihm von diesen Ängsten erzählen würde. Wenn er doch nur wüsste, wie nahe sie am Abgrund wandelte.

Im Kindle-Shop: Verbannt seist du

Mehr über und von Linea Harris auf ihren Blogseiten.



27. Februar 2017

'Michael Lindqvist: Herz aus Stein' von Jo Hess

Band 6: Michael und Konstantin haben sich von den schrecklichen Ereignissen in Neuseeland kaum erholt, als ein ungewöhnlich grausamer Mord in einer verfallenen Villa alle Anzeichen eines übernatürlichen Ursprungs zeigt. Auf der Suche nach Hinweisen, verschwindet Konstantin. Verzweifelt wendet sich Michael an seinen Mentor Pater Henry. Gemeinsam entdecken sie Konstantin im Keller der Villa umgeben von steinernen Statuen. Er hat keine Erinnerung an die vergangenen Stunden und ist seltsam apathisch.

Die Horror-Serie {ML}
Michael Lindqvist {ML} ist ein Student, der sich nach einem tragischen Schicksalsschlag dazu entschließt, neben seinem Studium Monster zu jagen. Die Buchserie ist in einzelne, jeweils in sich abgeschlossene Geschichten unterteilt. Nebenher existiert ein fortlaufender Handlungsstrang, der sich durch alle Bände zieht.

Gleich lesen:
Für Kindle: Michael Lindqvist: Herz aus Stein
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Die Frau ließ das Haus nicht aus den Augen. Eigentlich sollte sie nach ihrem Hund sehen, der schon seit einer Weile nicht mehr aufgetaucht war. Doch sie traute sich nicht, dem Haus den Rücken zuzuwenden. Sie überlegte, ob es den Jack Russell Terrier gefressen hatte, was natürlich ein unsinniger Gedanke war.
„Xaverl?“, rief sie.
Kleine Äste knackten, als ein Sperling aus einem Strauch flog und sie zuckte zusammen. Der Hund kam nicht. Sie lauschte auf das leise Rascheln der Zweige im Wind. Ihr Blick fiel auf das schmutzige, gelbe Schild, das an einer rostigen Kette hing und auf welchem Unbefugten der Zutritt zum Gelände verboten wurde.
„Xaverl, komm her“, rief sie laut, doch noch immer war nichts von dem Jack Russell zu sehen. Sie ließ ihren Blick über die alten Mauern schweifen, denen die vielen wechselnden Jahreszeiten übel mitgespielt hatten. Farbe und Verputz waren größtenteils abgeblättert, einige Dachschindeln waren eingebrochen oder fehlten gänzlich und überall um das Haus herum lag Unrat. Sie nahm an, Jugendliche oder Obdachlose würden hier manchmal eine Nacht verbringen. Warum das jemand tun sollte, war ihr jedoch schleierhaft. Das Haus war böse.
Sie wusste, es war dumm, so etwas zu denken, denn wie konnten ein paar alte Steine böse sein? Doch sie hatte schon so manches Gerücht über dieses Gebäude gehört.
Sie stütze sich an einem Baumstumpf ab, zog einen ihrer bunten Gummistiefel aus um die Seidenstrumpfhose wieder gerade zu rücken und wischte sich danach schwer atmend den Schweiß von der Stirn. Eigentlich hatte sie immer eine angebrochene Packung Luckys in der Tasche ihrer Schürze, doch ausgerechnet heute Morgen war ihr ein Glas Eingemachtes aus der Hand gerutscht und auf der Anrichte explodiert wie eine Bombe. Der halbe Inhalt war auf ihrer Lieblingsschürze, der gelben mit den lilafarbenen Chrysanthemen darauf, gelandet, und sie hatte die Schürze zusammen mit ihrer Hose und der frischen Bluse in die Wäsche werfen müssen. Als sie die neue Schürze angezogen hatte - die, die sie jetzt trug und abgrundtief hasste, da sie ein Geschenk ihrer grauenvollen Schwiegermutter war - hatte sie vergessen, die Zigaretten einzustecken. Dabei hätte sie jetzt nichts lieber getan, als sich auf diesen Baumstumpf zu setzen, eine Lucky anzuzünden, das schlimme Haus zu beobachten und darauf zu warten, dass dieser schreckliche Terrier wieder zurückkam.
„Xaverl, komm hier“, rief sie noch lauter.
Ein Motor startete knallend und sie zuckte erneut zusammen. Als das Brummen des Fahrzeugs immer leiser wurde und schließlich verklang, beruhigte sich auch ihr Herzschlag. Unbewusst wischte sie ihre verschwitzten Hände an ihrer Schürze trocken. Scharf sog sie die kalte Luft ein und ließ sie mit einem tiefen Seufzer wieder entgleiten. Natürlich passierte ihr das ausgerechnet heute, wo der Rinderbraten bereits im Ofen war und sie mit Xaverl nur eine kleine Runde hatte drehen wollen, damit er seine Wurst nicht wieder im Garten ablegte. Sie sah auf ihr Handgelenk und stellte fest, dass sie zu allem Überfluss auch noch vergessen hatte, ihre Armbanduhr anzulegen. Nach ihrer Schätzung suchte sie mindestens schon dreißig Minuten nach dem Hund und langsam machte sie sich wirklich Sorgen. So lange war er noch nie fortgeblieben. Der kleine Terrier war zwar ein Wildfang, der mehr schlecht als recht folgte, jedoch war er immer nach einer angemessenen Zeit wieder zu ihr zurückgekommen.
Sie ging noch ein paar Schritte näher an das Gebäude heran und duckte sich wie aus Furcht vor einem Schlag, als sie in dessen Schatten trat. Was ihr am meisten Angst an dem Haus machte, waren die Fenster und die Figuren. Die Fenster, weil keines davon zersprungen oder eingeworfen war. Die Figuren, weil sie Steinfiguren im Allgemeinen nicht mochte. Und diese waren besonders unheimlich. Es gab unzählige dieser Statuen. Sie standen, saßen und lagen auf dem Dach des Hauses, in eigens für sie errichteten Buchten in der Mauer, oder waren bereits herabgestürzt und lugten aus dem Gras.
Seit sie vor über zwanzig Jahren hierhergezogen waren, lag die Präsenz des Hauses wie ein schwarzer Fleck auf ihrer Seele. Von ihrer Terrasse aus konnte sie nur einen Teil des Daches sehen, doch ihr eigenes Haus war am Ende einer Sackgasse und sowohl mit dem Auto, als auch zu Fuß, führte kein anderer Weg in die Stadt, als an diesem Horror-Gebäude vorbei. Seit Jahren schon fragte sie sich, wie es wohl im Inneren aussehen mochte. Manchmal lag sie nachts wach, besonders, wenn ihr Mann Hubert laut schnarchend und furzend den Schlaf der Gerechten schlief, und sie trotz der Ohrenstöpsel nicht einschlafen konnte. Dann kratzte sie all die Fantasie zusammen, die sie aufbringen konnte und lief in Gedanken durch die vielen Räume. In ihrer Vorstellung war alles wie neu, der Marmorboden glänzte, frische Blumentöpfe zierten den Aufgang der breiten Stufen und ganz oben stand der frühere Eigentümer des Hauses und sah sie mit begehrendem Blick an. Manchmal gelang es ihr, während dieser Fantastereien einzuschlafen. Doch meist war ihre Vorstellungskraft zu Ende, bevor sie den Treppenabsatz und somit den stattlichen Gentleman erreicht hatte, dem das Haus laut Wikipedia einst gehörte und der immer noch darin spukte. Laut ihrer Nachbarin, nicht Wikipedia. Und der einzige Mann in ihrem wirklichen Leben, lag noch immer schnarchend neben ihr und fasste sie schon lange nicht mehr an.
„Verdammt seist du, kleiner Köter“, sagte sie und stieg unter den bedrohlichen Blicken der Steinfiguren über das Betreten verboten Schild hinweg. Langsam ging sie auf das Haus zu und sah sich dabei immer wieder schuldbewusst um. Sie war nicht dazu erzogen worden, das Gesetz zu brechen. Und ein „Betreten verboten“ Schild hieß, sie beging gerade Hausfriedensbruch. Zumindest glaubte sie das. Erneut schaute sie auf ihre nicht vorhandene Armbanduhr. Bestimmt war es längst Mittagszeit und eigentlich sollte sie nach dem Braten im Ofen sehen. Ihr Mann und die Kinder würden bald vom Fußballplatz zurück sein und dann ein ordentliches Mittagessen erwarten. Die Jungen hatten sowieso immer Hunger und ihr Mann wollte erstmal ein kaltes Bier. Und das Bier stand noch in der Vorratskammer. Zur Bestätigung hörte sie aus dem Ort die Kirchenglocken läuten und nickte. Zwölf Uhr, noch eine halbe Stunde bis das Essen auf dem Tisch stehen sollte. Das Geläut verstummte und sie blickte direkt auf das große Holztor, das ins Innere des Hauses führte. Vorsichtig legte sie ihre Hand auf den goldenen Türgriff.
„Xaverl?“, wisperte sie, räusperte sich und rief nochmal lauter nach dem Hund.
Von drinnen hörte sie ihn einmal kläffen. Ihr Herz schlug schneller. Wahrscheinlich fand der dumme Hund allein nicht wieder heraus. Manchmal hatte sie das Gefühl, der Hund war ein aufsässiges, drittes Kind um das sie sich kümmern musste. Und nun musste sie ihn wie eine gute Mutter aus diesen verfallenen Mauern befreien. Noch einmal atmete sie tief durch und drehte den Griff. Wider erwarten öffnete die Tür sich ganz leicht. Ein Geruch nach Moschus drang aus dem Inneren und sie zog irritiert ihre Augenbrauen zusammen. In dem Gebäude war es kühl und dunkel. Sie wollte nicht hineingehen, obwohl sie sich schon immer gefragt hatte, wie es darin wohl aussehen würde.
„Xaverl, komm her“, sagte sie in einem - wie sie hoffte - selbstbewussten Ton.
Wieder kläffte der Hund. Diesmal weiter weg. Es klang, als wäre er im Keller. Für einen kurzen Moment genoss sie noch einmal die winterliche Sonne auf ihrem Rücken, dann atmete sie tief durch und trat ein.

Im Kindle-Shop: Michael Lindqvist: Herz aus Stein
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Jo Hess auf ihrer Website.



24. Februar 2017

'Melody of Eden 2: Blutwächter' von Sabine Schulter

Allmählich beginnt Mel, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, und es dank Eden sogar zu genießen. Aber noch immer sorgt ihr Widersacher Rufus mit seinen perfiden Plänen für großes Chaos.

Die Vampire beschließen, ihn ein für alle Mal zu stoppen, und verbünden sich mit den Einheiten der anderen Bezirke. Dass daraufhin ausgerechnet die gutaussehenden und manipulativen Vampirzwillinge des Mittelbezirks ein Auge auf Mel werfen, passt Eden gar nicht. Er muss lernen, endlich zu seinen Gefühlen für Mel zu stehen, und das am besten so bald wie möglich. Denn wenn Rufus erst mal mit seiner Vampirarmee aufwartet, könnte es dafür bereits zu spät sein …

Der zweite "Melody of Eden"-Roman von Sabine Schulter.

Gleich lesen: Melody of Eden 2: Blutwächter

Leseprobe:
Melody
Keuchend rannte ich um die nächste Ecke, rutschte bei meinem schnellen Tempo aus und schlitterte über den kahlen Beton, bis ich mein Gleichgewicht wiederfand und weiterhetzte. Falls ich fallen oder auch nur innehalten sollte, würde ich auf der Stelle sterben.
Ich traute mich nicht, einen Blick zurückzuwerfen, aus Angst vor dem, was ich sehen könnte. Aber die hohen Schreie, die laut von den Wänden um mich herum widerhallten, verrieten mir bereits, dass die Wilden viel zu nah hinter mir waren. Trotzdem hielt ich die Augen starr auf den Gang vor mir gerichtet.
Die schmucklose Betonröhre, die so typisch für das Kanalsystem unter der Stadt war, zog sich in der absoluten Dunkelheit so endlos vor mir entlang, dass sich ihr Ende trotz meiner guten Sicht in der Ferne verlor. Aber das konnte eigentlich nicht sein, da sich die anderen doch direkt vor mir befinden mussten. Hatte ich sie etwa während der Jagd, die gerade auf uns gemacht wurde, verloren?
»Eden!«, schrie ich verzweifelt, wobei die nackten Füße der Wilden über den Boden hinter mir schabten. »Scott!«
Aber niemand antwortete mir.
Kaltes Entsetzen krallte sich in meinem Magen fest, als ich verstand, dass ich meine Begleiter tatsächlich verloren hatte. Und ohne sie würde ich niemals schnell genug einen Ausgang aus der Kanalisation finden, um der geifernden Masse hinter mir zu entkommen.
Tränen brannten mir in den Augen, aber ich würde nicht aufgeben! Ich legte alle Kraft in meine Schnelligkeit, erlangte ein Tempo, dass ein Mensch nur mit einem Auto erreichen konnte, und setzte meine Aura frei, um zumindest einige meiner Verfolger von mir fernzuhalten.
Ich keuchte erleichtert auf, als sich der Gang vor mir teilte und sich mir dadurch endlich ein weiterer Weg auftat. Doch meine Erleichterung wich augenblicklich Entsetzen, denn eine einsame Gestalt trat aus einem der Tunnel hervor und sah mir siegessicher entgegen. Sie erinnerte beinahe an einen Menschen, doch ihre Haut war so bleich wie die eines Geistes: Rufus. Kein einziges Haar bedeckte seinen mageren Körper mit den viel zu langen Gliedmaßen. Als er meine Verzweiflung bemerkte, grinste er schief und zeigte mir dadurch seine spitzen Eckzähne.
»Ich habe dir gesagt, dass du mir nicht entkommen wirst, Melody«, rief er mir in dem Moment zu, als ich über eine Unebenheit stolperte. Ich strauchelte, fiel und ließ in einem letzten verzweifelten Versuch mich zu retten, all meine vampirische Kraft frei.
Doch sie reichte nicht.
Bereits im nächsten Moment griffen magere und doch kraftvolle Finger nach mir und zerrten mich mitten unter die Wilden, die gierig zischten. Ich schrie voller Verzweiflung und schlug wie wild um mich, aber meine Hände wurden gepackt und unbarmherzig zu Boden gedrückt.
»Mel, beruhige dich!«
Die bekannte Stimme ließ mich innehalten und die Augen aufschlagen. Der dunkle Tunnel war verschwunden und stattdessen sah ich in Edens dunkelbraune Augen, die mich besorgt musterten. Schwer atmend brauchte ich mehrere Sekunden, ehe ich verstand, dass ich nur geträumt hatte.
»Es ist alles gut«, versicherte mir Eden, der über mir hockte und meine Hände auf die Matratze unter uns drückte. »Du bist hier in Sicherheit.«
»Ja, ich weiß«, brachte ich noch hervor, bevor im nächsten Moment die Tür zu Edens Zimmer hier im obersten Stockwerk des westlichen Polizeireviers aufgestoßen wurde. Neben einer fauchenden Ivy, stürmten auch Scott und Rich herein – die beiden letzteren noch in ihrer Schlafkleidung. Aber als sie Eden sahen, wie er auf mir saß und mich quasi ans Bett pinnte, hielten sie überrascht inne.
»Also ehrlich«, beschwerte sich Rich und stützte die Hände in die schmale Hüfte. »Mir ist es ja egal, was ihr hier so treibt, aber wenn ihr dabei ungestört bleiben wollt, dürft ihr nicht so einen Lärm machen.«
»Was?«, brachte ich hervor und wurde auf der Stelle knallrot. »Was bitte läuft denn in deinem Kopf für ein Film ab? Da ist immerhin noch eine Decke zwischen uns!«
»Mel hatte einen Albtraum und hat wie wild um sich geschlagen«, erklärte Eden ruhig und stieg von mir herunter. »Ich musste sie irgendwie davon abhalten, das Fenster einzuschlagen.«
Mein Blick flackerte zur Seite. Tatsächlich lag ich nah an einem der zwei Fenster, die mir eine weite Aussicht über die tausenden Dächer des Westviertels boten, wenn sie nicht wie gerade mit schweren Vorhängen verdeckt waren. Dadurch, dass sich das Fensterbrett auf einer Höhe mit Edens Bett befand, hätte ich nur kurz zur Seite ausschlagen müssen, um es zu treffen. Und mit meiner übermenschlichen Kraft hätte ich es sofort zerstört.
»Hm«, brummte Scott. Der beeindruckende Mann mit dem dichten Vollbart verschränkte die Arme vor der breiten Brust, während Ivy auf die Matratze kletterte und sich an meine Seite lehnte, um mich weiter zu beruhigen. »Die Sache in den Kanälen steckt dir wohl noch schwer in den Knochen, hm?«
»Euch würde es doch ähnlich gehen, oder?«, fragte ich und dachte an die Falle, die uns Rufus in der letzten Nacht gestellt hatte.
Allein bei dem Gedanken daran, wie ich vor dieser durchsichtigen Mauer stand und keinen Ausweg wusste, erzitterte ich, bemühte mich aber, Ivy anzulächeln, damit sie sich nicht sorgte. Doch es fiel mir schwer.
Das bemerkte auch die kleine, wie ein zehnjähriges Mädchen wirkende, Vampirin, denn ihr sonst so unsteter Blick aus den blassblauen Augen blieb ungewöhnlich lang auf mir ruhen.
»Da kannst du Recht haben, aber leider können wir dir nicht dabei helfen, das Geschehene besser zu verarbeiten«, meinte Scott und verzog den Mund.
»Das müsst ihr auch nicht«, versicherte ich ihm und sah zu Eden auf, der nun im Schneidersitz neben mir saß. »Ihr tut schon genug für mich.«
Denn seit mich vor beinahe fünf Wochen ein Wilder in den Knöchel gebissen hatte, waren die Vampire des Westbezirkes für mich zu einem Teil meiner Familie geworden. Zu den Menschen gehörte ich nämlich nicht mehr.
»Schön, dass du das so siehst, Schäfchen«, meldete sich Rich zu Wort und strich sich das blonde Haar zurück. »Aber dann versuch, deine inneren Konflikte etwas leiser zu verarbeiten. Ich mag es nicht sonderlich, mitten am Tag aufgeschreckt zu werden.«
»Aber wenn du schon einmal wach bist, können wir uns wenigstens an die Vorbereitungen für unser Treffen mit den anderen Vampiren setzen«, sagte Scott mit einer Spur Humor in der Stimme.
»Was?«, fragte Rich entsetzt. »Hast du mal auf die Uhr geschaut? Es ist gerade einmal vierzehn Uhr.«
»Eine gute Zeit, um an die Arbeit zu gehen, findest du nicht?« Amüsiert klopfte Scott ihm auf die Schulter, als Rich ein tiefes Seufzen ausstieß und den Raum verließ. Dann winkte der große Mann Ivy zu sich heran, die nur ungern den Platz an meiner Seite verließ, aber wie immer die Anweisung ihres Blutpartners befolgte und an ihm vorbei durch die Tür verschwand.
»Ihr beide steht am besten ebenfalls auf. Ich weiß, dass ihr müde seid, aber im Moment sollten wir die wenige Zeit, die wir haben, nutzen«, meinte Scott noch zu uns, ehe er Rich und Ivy aus dem Zimmer folgte und die Tür schloss.
»Tut mir leid, dass ich dich aufgeweckt habe«, sagte ich gefolgt von einem tiefen Seufzen und sah Eden entschuldigend an.
»Das muss es nicht, Mel. Du hast eben einiges zu verarbeiten«, erwiderte er und öffnete die Arme für wenige Zentimeter, was ich als Einladung aufnahm.
Ich schob die Decke beiseite und setzte mich direkt auf seine überkreuzten Beine. Dadurch konnte er mich gut umfassen und seinen Kopf an meine Brust lehnen. Ich genoss die Nähe zu dem meist verschlossenen und oftmals undurchschaubaren Vampir, und strich durch sein schwarzes Haar, wodurch meine innere Ruhe zurückkehrte.
»Hast du wirklich von den Kanälen geträumt?«, fragte mich Eden nach einer Minute.
»Ja«, gab ich widerwillig zu, denn mir fiel das überraschend schwer. Ich wollte nicht, dass mich das Erlebnis der letzten Nacht so schwer traf. Aber ich war dem Tod nur knapp entkommen.
»Es tut mir leid«, sagte Eden leise.
Sofort packte ich etwas mehr von seinem Haar und zog unsanft daran. Ich mochte es nicht, wenn er der alten Schuld verfiel, die das Erlebnis zwischen ihm und Rufus vor fünf Jahren ausgelöst hatte.
»Hatten wir das nicht schon besprochen? Dir muss nichts leidtun«, rügte ich ihn.
Als er zu mir aufsah, erkannte ich zu meiner Überraschung ein hauchfeines Lächeln auf seinen Lippen. »Ja, das weiß ich und werde mir daher keine Schuld daran geben. Aber es darf mir doch noch leidtun, wenn du Albträume hast, oder?«
Ich verzog den Mund. »Viel ist daran nicht auszusetzen.«
Eden zwinkerte mir zu, umfasste mich dann fester und legte mich zurück auf die Matratze.
»Möchtest du noch etwas schlafen?«, fragte er, als er mir folgte und sich neben mir abstützte.
»Scott hat doch gesagt, dass wir aufstehen sollen.«
»Aber er würde uns auch schlafen lassen, wenn wir seiner Aufforderung nicht nachkommen.«
Kurz dachte ich darüber nach, schüttelte dann aber den Kopf. »Ich fühle mich eigentlich fit genug. Außerdem bin ich sehr neugierig, was wir noch über die Katze herausfinden, die wir in den Kanälen gefunden haben.«
Kurz glaubte ich, in Edens dunklen Augen Resignation zu erkennen. Aber er konnte seine Gefühle so perfekt verbergen, dass ich mir nicht ganz sicher war.
»Dann lass uns aufstehen«, pflichtete er mir bei und richtete sich auf.
Mit einem Grinsen sah ich ihn an und rührte mich nicht. »Kann es sein, dass du gern weitergeschlafen und am Ende meine Müdigkeit als Grund vorgeschoben hättest?«
Eden verzog den Mund minimal, was mich nicht nur in meiner Annahme bestätigte, sondern auch zum Lachen brachte. »Du bist so ein Morgenmuffel!«
»Denk daran, dass du mich nicht gerade sanft geweckt hast. Ich habe also allen Grund, schlechte Laune zu haben«, erwiderte er ungerührt.
Auch wenn seine Worte einen gewissen Vorwurf enthielten, wusste ich, dass er mir das raue Wecken nicht übelnahm. Schnell rappelte ich mich auf die Knie hoch.
»Wenn du es mir heimzahlen willst, komm nur her«, forderte ich ihn heraus.
Als Reaktion bekam ich aber nur eine hochgezogene Augenbraue zu sehen. Das war eben typisch Eden.
»Komm schon«, sagte ich und federte immer wieder auf der Matratze auf und ab.
»Woher hast du nur diese Energie?«, fragte Eden mit einem Kopfschütteln, kniete sich dann aber tatsächlich auf das Bett. Doch statt mit mir zu rangeln, drängte er mich einfach zurück, bis ich umfiel. Voller Vorfreude wartete ich darauf, dass er mir folgte, um mich zu küssen. Doch stattdessen beugte er sich zu meinem Bauch hinunter, schob mein Shirt hoch und presste den Mund auf die bloße Haut. Als er mit Druck die Luft ausstieß, ertönte ein lautes Geräusch, das aber in meinem kreischenden Lachen unterging. Es kitzelte so sehr, dass ich glaubte, vor Lachen zu sterben.
»Eden!«, brachte ich hervor und drückte ihn verzweifelt zur Seite.
»Na?«, fragte er ungerührt, als er von mir abließ. »Hast du genug für einen Morgen?«
Ich wollte nur zu gern antworten, aber ich musste immer noch lachen und krümmte mich zur Seite. »Du bist so blöd«, brachte ich dann schließlich hervor.
Eden schnaubte belustigt, was seine Art des Lachens war, und gab mir einen Klaps auf den Po, ehe er sich erneut aufrichtete und das Zimmer verließ.
Ich blieb noch eine Weile liegen und genoss das Hochgefühl, das der junge Vampir in mir auslöste. Eden war so vollkommen anders als ich, aber er wusste verdammt gut mit mir umzugehen. Nie hätte ich erwartet, dass ich einmal so froh sein würde, kein Mensch mehr zu sein. Aber erst nachdem ich meine Verwandlung akzeptiert hatte und nun langsam in meinem neuen Leben ankam, wurde mir bewusst, wie langweilig mein altes Leben doch gewesen war.
Ich dachte an meine neue Nachtsicht, die schnelle Wundheilung und meine enorme Stärke. Aber das Leben eines Vampirs brachte mir nicht nur Freuden. Ich hatte meinen Job verloren, meine Menschlichkeit und im Prinzip mein komplettes altes Leben. Bis auf meine beste Freundin Daisy wusste niemand von meiner Veränderung - nicht einmal meine Familie.
Und dann war da noch Rufus …
Ich verdrängte den Gedanken an den Anführer der wilden Vampire und dachte viel lieber wieder an Eden. An ihn und die Bindung zwischen uns. Denn ihm hatte ich es zu verdanken, dass ich nicht zu einer Wilden wurde und stattdessen immer mehr Zuneigung für den schwarzhaarigen, manchmal etwas kaputten Vampir empfinden konnte. Er war mein Blutgefährte und inzwischen gehörte ihm auch mein Herz.
Bei dem Gedanken an das, was wir erst vor ein paar Stunden miteinander geteilt hatten, zog ich sein Kissen heran und atmete tief Edens Geruch nach Wind und Nacht ein. Ja, daran erinnerte ich mich viel lieber als an dunkle, enge Kanäle.

Im Kindle-Shop: Melody of Eden 2: Blutwächter

Mehr über und von Sabine Schulter auf ihrer Website.



23. Februar 2017

'Kreativer Gesellschaftsumbruch' von Daniela Muthreich

Lebenserfahrung in Satire verpackt – das Erstlingswerk von Daniela Muthreich.

Migration einmal anders: Die gebürtige Deutsche machte sich auf in die Schweiz. In einem Mix aus Satire, Theaterstück und Prosa verarbeitet sie ihre Erfahrungen bei der Integration in den Alpenstaat.

Die ungewöhnliche Textform als Theaterstück beleuchtet auf amüsante Weise Aspekte menschlichen Zusammenlebens und reflektiert diese mit scharfem Blick und reichlich Humor. Dabei schreckt Daniela Muthreich auch vor heiklen Themen wie der Generationenschuld nicht zurück und hält sich und ihrer Umwelt einen durchaus kritischen Spiegel vor.

Satirische Unterhaltung mit Intelligenz und einem Augenzwinkern.

Gleich lesen: Kreativer Gesellschaftsumbruch: Mein Leben als Theaterstück

Leseprobe:
Integration im Amts-Stüberl
[…]
Maître des Humors, hastig: «Ist es grundsätzlich erforderlich, bei Migration in ein anderes Land vorerst das Vokabeltraining auf Begriffe wie Steuereinnahmen der Kommunen, Umverteilung, Investitionen, Infrastruktur, Flexibilität bei der Jobsuche, Aufklärung der Bevölkerung hinsichtlich eigener pädagogischer Ansätze beim Erlernen von Sprache sowie rechtfertigende Argumente unter Einbeziehung aller familiären Aspekte zu konzentrieren?»
Rechercheur, mit schmerzhaftem Gesichtsausdruck: «Das sind alles grundsätzliche Spektren, die sowieso jeder bei seiner Migration bzw. Integration im Kopf haben sollte und somit sofort einwandfrei in einer anderen Sprache, der jeweilig gewünschten, im direkten Gespräch einfließen lassen muss.»
Ich: «Kann man nicht davon ausgehen, dass die Handhabung mit Steuergeldern im Allgemeinen und von Großkonzernen im Besonderen bei kommunalen Treffen seine Aufklärung erhält? Mit anderen Worten, sind dies so schwer verständliche Abläufe, dass die hiesige Bevölkerung darüber nicht informiert werden will oder kann?»
Rechercheur: «Man geht letztlich davon aus, dass diese Abläufe und die Auswirkungen der Abläufe der herrschenden Gesellschaft geläufig sein müssten und verzichtet auf ausführliche Erklärungen.»
Maître des Humors, mit Grinsen im Gesicht: «Aber in unserem Fall findet ein Teil der Gesellschaft eine ganz andere Erklärung!»
Rechercheur, fast beleidigt: «In meinem Arbeitspapier vom 3.3.2013 steht dazu, dass aufgrund von Komplexität und mit Rücksichtnahme auf das jeweils stark oder weniger stark ausgeprägte Informationsinteresse bei Teilen der Gesellschaft auf eine ausführliche Erklärung von normalen Steuerabläufen beziehungsweise Verteilen von finanziellen Mitteln verzichtet wird.»
Ich, in Sorge: «Ja, aber dann entsteht ein gewisser Eindruck! Der Eindruck, dass die schuld sind, die da kommen!»
Rechercheur, streng: «Erstens sind die immer schuld, die da kommen, weil nur die schuld sein können, schon allein deswegen, weil sie kommen. Zweitens findet das vernachlässigte Aufklären von Teilen der Gesellschaft anderswo Anklang, denn es kann somit politisch-strategisch optimal genutzt werden.»

Im Kindle-Shop: Kreativer Gesellschaftsumbruch: Mein Leben als Theaterstück

Mehr über und von Daniela Muthreich auf ihrer Website.



22. Februar 2017

'LIEBESREZEPTE: Verführen mit allen Sinnen' von Barbara Reishofer

72 Rezepte mit aphrodisischen Zutaten. Ihre kulinarische Geheimwaffe, um IHN oder SIE zu verführen.

Giacomo Casanova, der sich mit Aphrodisiaka die Manneskraft bis ins hohe Alter erhielt, und Valeria Messalina, die nymphomanisch veranlagte Gattin des Kaisers Nero, – sie wussten bereits um die anregende Wirkung von gewissen Nahrungsmitteln.

Dieses Buch greift die aphrodisischen Eigenschaften von Lebensmitteln, Kräutern und Gewürzen auf. Beginnend bei der einfachen Herstellung von anregenden Badeölen und stimulierenden Körperlotionen, über pricklende Cocktails, einer großen Auswahl an Speisen, bis hin zur Praline – alles selbst gemacht. Viele Fotos und detaillierte Beschreibungen garantieren auch unerfahrenen Hobbyköchen Erfolg.

Entdecken auch Sie die geheime erotische Kraft der Natur – und verzaubern Sie Ihren Partner auf natürliche Art und Weise!

Gleich lesen: LIEBESREZEPTE: Verführen mit allen Sinnen

Leseprobe:
POUSSE L‘AMOUR
Ein Pousse Cafè ist ein Digestif. Er wird in dem entsprechenden gleichnamigen Glas oder einem Shortdrink-Glas serviert. Die Spirituosen dürfen kühl, aber nicht eiskalt sein. Man schichtet sie nach und nach im Glas, baut den Digestif, wie Barkeeper sagen.
Im 19. Jahrhundert wurde das Pousse L’Amour mit einem Eigelb serviert, das die verloren gegangene Energie wiederherstellen sollte.
Heute gibt es viele Variationen von Pousse Cafés, die mit Spirituosen, Sirups und bunten Likören hergestellt und manchmal mit einem Strohhalm serviert werden.

Pousse Café Paris
Zutaten (2 Personen):
4 cl Cognac
4 cl Maraschino
4 cl Kakaolikör (braun)
2 Eigelb

Zubereitung:
Die Spirituosen in der angegebenen Reihenfolge langsam über den Rücken eines Barlöffels in das Glas gießen. Zuletzt das Eigelb in das Glas gleiten lassen. Servieren, ohne umzurühren. In einem Zug austrinken.

Inhaltsverzeichnis:
VOR DEM RENDEZVOUS:
Badeöl – Körpercreme – Körperlotion
DAS SUBLIME SPIEL DER VERFÜHRUNG:
Prickelnder Auftakt: Champagnercocktails
Die Annäherung: Amuse-Gueule
Das Vorspiel: Kleine warme Gerichte
Der Liebesakt: Fisch – Fleisch
Das Nachspiel: Explosion der Sinne
Streicheleinheiten – Süßer Abschluss
ENERGIE TANKEN:
Pousse L’Amour – Kaffeespezialitäten – Heiße Schokolade – Likör – Süße Naschereien
APHRODISIAKA von A bis Z (Glossar)

Im Kindle-Shop: LIEBESREZEPTE: Verführen mit allen Sinnen

Mehr über und von Barbara Reishofer auf ihrer Website.



'Wenn der Sommer Schatten wirft' von Christina Schwarz

Verbrennt man, was man liebt?

Als ein wahnsinniger Ritualmörder die junge Liza ins Visier nimmt, gerät ihr bisheriges Leben völlig aus den Fugen. Hilflos versinkt sie in einem Strudel von Entsetzen und Leidenschaft gleichermaßen. Ein wunderbarer Sommer wird vierzehn Tage lang immer mehr zum Schauplatz menschlicher Abgründe. Das Schachtengebiet um Buchenau im bayrischen Wald wird zum Tatort eines unheimlichen Serientäters.

Der Zwieseler Kommissar Paul Anderlech versucht gemeinsam mit seinem Freund Thomas verzweifelt den Wettlauf mit der Zeit zu gewinnen und den Feuermörder zu stoppen. Und erfährt dabei, wer er eigentlich selbst ist.

Gleich lesen: Wenn der Sommer Schatten wirft (Anderlech Krimis 1)

Leseprobe:
Die Flammen begannen, erst ganz klein, dann immer wilder werdend, sich an der schmalen Gestalt empor zu züngeln, die auf einem Holzhaufen stand und völlig reglos und schweigend verharrte.
Gerade als das Feuer sich an den Beinen festzufressen begann, kam plötzlich Bewegung in die Person.
Schreiend begann sie sich zu winden und zu drehen, so dass man nun auch ihre gefesselten Hände und Beine deutlich erkennen konnte. Das Schreien wurde zu einem beinahe tierischem Gebrüll, das einem durch Mark und Bein fuhr.
Nur ihn schien es innerlich vor Entzücken und ekstatischer Genugtuung förmlich zu elektrisieren. Nicht genug konnte er sich satt sehen und hören an den Verrenkungen und den unmenschlichen, nicht zu ertragenden Schmerzensschreien dieser Gestalt.
Er sprang und hüpfte um den brennenden Holzhaufen und bewegte dabei lautlos murmelnd die Lippen.
Als die Flammen nach einer Ewigkeit endlich vollständig über der Frau zusammenschlugen, brachen ihre infernalischen Schreie und ihr Zappeln so unvermittelt ab, wie es begonnen hatte.
Sie schien in der Feuersbrunst geradezu auf nur noch halbe Größe zusammenzuschmelzen.
Das einzige Geräusch, das jetzt in dieser unheimlichen Stille noch zu vernehmen war, war das laute Knistern des Holzes, das sich in den Flammen schwarz und glühend zusammenkrümmte.
Und mit der Stille brach auch der merkwürdige und skurril anmutende Tanz des Fremden ab.
Enttäuscht starrte er auf den Rest dessen, was einmal eine Frau gewesen war.
„So schnell, zu kurz! Viel zu kurz, um völlig Sühne zu leisten. Das Holz war zu trocken!“
Er stand einfach so da. Dann ging er ganz nahe an die Feuerstätte heran, bückte sich und schien etwas abzulegen. Da hörte er unterdrücktes Atmen und drehte sich um.
Er sah zu seinem Erstaunen um diese späte Zeit eine ältere Frau, die ihn gelähmt vor panischem Schrecken und unfähig zu irgendeiner Bewegung, nur unentwegt anstarren konnte.
Pfeilschnell sprang er nach vorne auf sie zu und noch im Sprung blitzte sein langes Messer auf, das er ihr bis zum Schaft in die Brust rammte.
Die Frau fiel ohne noch einen weiteren Laut ausstoßen zu können, rücklings auf den Boden.
Er betrachtete sie mit unbewegtem Gesichtsausdruck, packte sie an ihren Schultern und riss einen Stofffetzen aus ihrem Shirt. Dann zog er sie an den Beinen zum brennenden Holz und warf sie achtlos zu der schon fast Verkohlten hinauf. Sollten doch die restlichen Flammen mit ihr machen, was sie noch zu tun in der Lage waren.
Er wischte mit dem Stofffetzen der Frau das Blut von der Klinge, warf ihn ebenfalls ins Feuer und verstaute das Messer in seinem mitgebrachtem Rucksack.
Lautlos, still und heimlich machte er sich in der Dunkelheit von dannen.

[...]
„Und Feuer wurde unter ihrer Rotte angezündet, die Flamme verbrannte die Gottlosen. Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt, sie können ihr Leben nicht erretten vor der Flamme Gewalt. Denn es wird nicht eine Glut sein, an der man sich wärmen, oder ein Feuer, um das man sitzen könnte. Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme.”
Du siehst sie nicht, du spürst sie noch nicht, aber ich bin da, jede Minute deines Lebens bin ich dir nahe.
Meine Augen sehen dich, mein Atem bläst dir ins Gesicht.
Bald!
Bald wirst du mich erblicken und mit mir wird dir das Feuer nahe sein und in seinem Schein wirst du mich erkennen.

Im Kindle-Shop: Wenn der Sommer Schatten wirft (Anderlech Krimis 1)



21. Februar 2017

'Romeo und Julia im Netz' von Monica Bellini

Julia, 31, Single, lebt in der langweiligen Kleinstadt, in der sie geboren wurde. Seit dreizehn Jahren arbeitet sie im Personalbüro der Stadtverwaltung. Montag Pilates, Donnerstagabend mit ihrer Freundin Franzi und Samstag Lunch mit Henriette sind die Highlights ihres Lebens. Bis das alltägliche Einerlei durch einen verstauchten Knöchel unterbrochen wird.

Zur Untätigkeit verurteilt, landet sie auf einem Datingportal und trifft auf den faszinierenden Romeo. Er macht ihr einen Vorschlag, der ihr die Röte ins Gesicht treibt und ihrem Körper ein Prickeln beschert, wie schon lange nicht. Wird sie dem geheimnisvollen Mann standhalten können? Vor allem aber … Will sie das?

Ein prickelnd erotisches „Küsschen“ von Monica Bellini – mit einem Hauch Geheimnis gewürzt! Bacetto, die Verniedlichung des italienischen „bacio“, bedeutet so viel wie „Küsschen". Hingehaucht, wie die sinnlichen Kurzgeschichten „ELR bacetto".

Gleich lesen: Romeo und Julia im Netz

Leseprobe:
Ich trat näher. Mein Blick glitt von der roten, am Fußende zusammengerollten Überdecke über schneeweiße Laken zu den Kissen. Auf einem lag ein Blatt Papier, daneben ein schwarzes Stück Stoff, eine kleine, silberne Handglocke. Ich ging darauf zu, erkannte eine Augenmaske, ergriff mit bebenden Fingern den Brief. Die Handschrift war männlich, klar, drückte Stolz und Selbstsicherheit aus.

Willkommen, Julia.
Bitte vertraue mir und lass mich dich verwöhnen.
Leg die Augenmaske an, dann läute.
Dein Romeo


Ich drehte mich nicht um, beugte mich nur vor, um nach dem seidigen Stoff zu greifen, band ihn an meinem Kopf fest, tat, was geschrieben stand. Atemlos wartete ich, hörte in den Raum, doch da war nichts. Plötzlich spürte ich seine Hände auf meiner Schulter, zuckte zusammen.
»Schhh, ganz ruhig, Julia.« Er sprach leise, fast flüsternd, sein Atem berührte dabei meinen Hals. Sanft schob er mit den Fingern meine Locken zur Seite, berührte mich mit den Lippen, hauchte eine Linie kleiner Küsse bis hinter das Ohr Mein Atem beschleunigte sich. Hätte er mich nicht festgehalten, wäre ich eingeknickt. Er umfing meinen Körper mit seinen Armen, presste seine Brust an meinen Rücken, seine Lenden an meine Hüfte. Hart drückte sich seine Erektion an meinen Po. Ich stöhnte auf, er zog sich zurück.
»Hast du Hunger?«, fragte er heiser.
»Nur nach dir«, antwortete ich. Es war die Wahrheit. Er lachte leise auf.
»Und ich nach dir«, flüsterte er.
Er drehte mich an den Schultern herum, ich konnte seinen Blick, der über meine Brüste nach unten glitt und sich wie ein Laserstrahl über meinen Körper tastete, spüren. Er brachte meinen Magen in Aufruhr. Schmetterlinge erhoben sich mit wild schlagenden Flügeln, ich wankte, er hielt mich fest. Seine Hände glitten an meinen Seiten entlang nach unten, griffen nach dem Saum des Kleides, hoben ihn an, über die Hüfte, die Taille, die Brust. Willig hob ich die Arme über den Kopf, hörte den Stoff, der zu Boden fiel.
»Du bist wunderschön.« Er seufzte auf, sein Finger fuhr zwischen meinen Brüsten über das schmale Band des BHs, den Nabel, zum Saum des Slips, verhielt kurz, bevor er sich von meiner Haut löste.
»Bitte!«, stöhnte ich weinerlich.
Sanft berührte er meine Lippen mit seinen, brachte mich dazu sie zu öffnen, lösten sich von mir. Erneut überkam mich dieses Gefühl der Leere, hielt aber nur kurz an.
Plötzlich war er wieder da …

Im Kindle-Shop: Romeo und Julia im Netz

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



20. Februar 2017

'Das grosse Urlaubs-Hotel-Buch' von Jürgen Reintjes

Die Reisebranche hat sich im Laufe der Jahre – vor allem aber auch durch das Internet- zu einem Milliarden-Markt entwickelt. Ob Urlaubsreisen, Städtereisen, Kurztripps, Rundreisen oder Fernreisen. Man möchte in einem schönen Urlaubs-Hotel absteigen.

Wie findet man nun unter den unzähligen Angeboten für ein Reiseziel den richtigen Anbieter und damit vermutlich auch ein passendes Hotel? Wie bucht man am besten? Welche Fluglinien bieten sich an? Wie verhalte ich mich in fremden Kulturen? Wie benehme ich mich in Top-Hotels? Wie bekommt man ein besseres Zimmer oder andere Vergünstigungen, auch Upgrades genannt? Was gibt es rund um das Hotel zu beachten etc.

Als langjähriger Reisender will ich hier von unseren Urlaubs-Erlebnissen berichten und von Fehlern, die Du nicht mehr machen musst.

Viele nützliche Tipps werden Dir nicht nur vor Ort hilfreich sein und Dir mehr einbringen, als Du für dieses Buch investierst.

Natürlich will ich auch von den lustigen Episoden erzählen.
Viel Spaß dabei
Jürgen Reintjes

Gleich lesen: DAS GROSSE URLAUBS-HOTEL-BUCH: Tipps und Erlebnisse für Urlaubsreisen in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels mit vielen Privatfotos

Leseprobe:
DER POOL
Am Pool zu liegen bedeutet immer auch Kampf um die beliebtesten Plätze.
Tja, die erkennst Du schon am frühen Morgen, bevor Du Dich zum Frühstück begibst. Dort wo die Handtücher vermutlich mitten in der Nacht auf den Liegen ausgebreitet wurden, da befinden sie sich.
Und es sind gegenläufig der allgemeinen Vermutung beileibe nicht nur die Deutschen, die hier aktiv waren, sondern mittlerweile machen das auch die Skandinavier, Holländer und die Engländer. Obwohl – zugeben werden die das nie.
Wenn Du also einen dieser Plätze haben möchtest, dann solltest Du früh aufstehen und Dir die Liegen annektieren, indem Du etwas darauf deponierst. Meistens benutzt man dafür Handtücher, Bücher, Badezeug oder einfach den Hocker, der gerade griffbereit ist.
Was Du dabei überhaupt nicht berücksichtigen musst, ist die Tatsache, dass in so gut wie keinem Hotel das Reservieren der Liegen erlaubt ist. Das stört eh keinen.
Obwohl – wir haben es auch schon mal in einem Hotel in Portugal und auch in Griechenland erlebt, dass jemand vom Service kurz alle auf den Liegen befindlichen Handtücher einsammelt und entweder auf einen Haufen oder gleich ins Pool-Wasser schmeißt. Das gibt lustige Verwirrungen, mächtig Ärger und wirkt überhaupt nicht.
Die Menschen werden sich diesbezüglich nicht ändern, also brauchst Du Dich nicht zu scheuen, hier genauso mitzumachen.

TIPP: Sollte morgens ein Pool-Mann unterwegs sein, der die Liegen aufstellt und für Auflagen bzw. Sonnenschirme sorgt, dann mache Dich mit ihm bekannt, drücke ihm ein paar Euros in die Hand und bitte ihn, Dir Deine ausgesuchten Liegen jeden Morgen zu reservieren.

In der Regel klappt das dann für die Dauer Deines Aufenthaltes, wenn Du ab und zu etwas „nach schießt“. Dann wird er Deine Liege/n mit Händen und Füßen verteidigen, sollte sich jemand auch nur annähernd dafür interessieren.
Irgendwo in Pool-Nähe befindet sich auch immer die Handtuch-Ausgabe. Meistens hast Du beim Einchecken Karten oder Token dafür bekommen.

TIPP: Zwei Handtücher für zwei Personen? Hier solltest Du clever sein und versuchen, mindestens vier zu bekommen. In der Regel geht das problemlos. Sollte Dir die Liege etwas zu unbequem oder zu niedrig sein, dann lege ruhig noch eine zusätzliche Auflage dazu. Geht alles.

Du kennst es sicherlich auch von Dir selber. Man ist ein paar Tage an seine Liegen und den entsprechenden Platz gewöhnt und hat sich darauf regelrecht eingerichtet und plötzlich eines morgens liegt schon jemand anderer darauf oder hat sie bereits belegt. Dann schießt es gleich durch den Kopf: „Scheiße! Was machen die auf unseren Liegen?“ Da wird einem wieder bewusst, dass kein Gast während seines Hotel-Aufenthaltes einen natürlich gewachsenen Anspruch auf einen besonderen Platz am Pool hat.
Ein Missstand und Ärgernis sind diejenigen, die Top-Lagen besetzen und sich vor dem Mittag nicht sehen lassen. Da liegt es im Bereich des Möglichen, bei Kenntnis dieses Umstandes, auch schon mal ein Auge zuzudrücken und sich diese Plätze selber zu gönnen. Mal sehen, wie die Leute bei ihrem Eintreffen reagieren. Im Zuge der sicher heftigen Auseinandersetzung sollte man sie dann auf die Hotelregeln aufmerksam machen. (Hihi)
Man braucht im Urlaub nicht nur Freunde.

TIPP: Vergiss nie, Dir einen Sonnenschirm und einen Beistelltisch zu sichern, denn das wird im Nachhinein nicht einfach sein, die noch zu bekommen.

Zumindest muß man sich dann mit solchem „Kleinkram“ aufhalten, anstatt sich dem Müßiggang des Urlaubs hinzugeben.
Mache Dich freundlich mit den linken und rechten Liegen-Nachbarn bekannt, denn die wirst Du hier jetzt öfter antreffen. Einen festgelegten Platz wechselt man nicht gerne. Auch hier sind die Menschen ziemlich gleich.
Solltest Du Musikliebhaber sein, so achte darauf, Deine Kopfhörer zu benutzen und die Lautstärke so zu regeln, das die unmittelbaren Nachbarn nicht gleich von der Liege fallen. Auch Du selbst möchtest nicht unbedingt von Jazz oder Heavy Metal zu gedröhnt werden, wo Du lieber deutschen Schlager hörst.
Die liebste Freizeitbeschäftigung am Pool ist – nein, nicht das Schwimmen, sondern das Lesen. Du wirst kaum einen Sonnenanbeter finden, der nicht ein Buch, eine Zeitschrift, eine Zeitung oder ein Lesegerät (Kindle etc.) in Händen hält. Außer den unvermeidlichen Smartphones und Tablets, auf denen man ja ebenfalls lesen kann. Selbst Gebrauchsanweisungen und Beipackzettel für Medikamente werden im Urlaub begeistert entziffert, wenn man keine Geduld für ein Buch hat. Außerdem gibt es ja auch noch die Audio-Books, mit denen man sich den Lesestoff bequem vorlesen lässt. Schlimm sind in diesem Zusammenhang diejenigen, die das unbewusste Talent haben, ganze Buch-Passagen, die sie besonders interessant finden, ihrer Partnerin oder ihrem Partner nicht vorzuenthalten und zum Unmut der Umliegenden laut rezitieren. Hier könnte man mal zufällig den Kopfhörer-Anschluss seines Musik-Gerätes ausschalten und einen plötzlichen Geräuschmix veranstalten, um auch ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Ganz besonders Nerv tötend sind die Menschen, die eine richtige Position von Liege zur Sonne herstellen wollen und dabei ungeniert das Teil so lange über den Boden kratzend und quietschend hin und her schieben, bis sie nach dem Probeliegen feststellen, dass es doch nicht richtig war und von vorne beginnen.
Wenig lustig sind auch die Leute – nicht nur Männer – die sich nach einer gut durchschlafenen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück auf direktem Wege zu ihrer Liege begeben, um dort gleich weiter zu schlafen. Dies jedoch mit einer Geräuschkulisse, die Damen laut aufstöhnen lässt, weil sie Angst haben, eine Bären-Meute nähert sich dem Pool.

Im Kindle-Shop: DAS GROSSE URLAUBS-HOTEL-BUCH: Tipps und Erlebnisse für Urlaubsreisen in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels mit vielen Privatfotos

Mehr über und von Jürgen Reintjes auf seinen Blog-Seiten.



'Rosen für Erkül Bwaroo' von Ruth M. Fuchs

Erkül Bwaroo hat einen für einen Elfen ziemlich ungewöhnlichen Beruf – er ist Privatdetektiv. Der Elf mit dem stattlichen Schnurrbart und dem belgischen Akzent löst seine Fälle stets mit Hilfe seiner kleinen grauen Zellen und je größer das Rätsel, desto mehr ist er bestrebt, die Wahrheit zu finden. Meist geht es dabei um Mord.

Dieses Mal ist es Königin Titania persönlich, die ihn mit der Ermittlung in einem Mordfall beauftragt. Bwaroo ist darüber nicht sehr glücklich, denn die Hauptverdächtige ist seine eigene Tante – und die ist alles andere als gut auf ihn zu sprechen. Trotzdem begibt er sich mit seinem treuen Diener Orges an den Tatort: ein Filmset.

Lichtspiele sind der neueste Schrei! Filmschauspieler zu sein bedeutet Ruhm und Verehrung – oder Tod. Denn eine der Schauspielerinnen wurde mitten in einer Szene vergiftet. Bwaroo muss erkennen, dass in der Filmwelt Eifersüchteleien, Lügen und Intrigen praktisch an der Tagesordnung sind. Bald gibt es mehr Verdächtige, als ihm lieb sind, denn die Ermordete hatte mit fast jedem Streit und jeder hat irgendetwas zu verbergen.

Und die Uhr tickt - denn Bwaroo hat nur eine Woche Zeit, um die Wahrheit von der Lüge zu trennen und den wahren Täter finden.

Gleich lesen: Rosen für Erkül Bwaroo (Erkül Bwaroo ermittelt 5)

Leseprobe:
„Sind Sie sicher, dass wir weiterdrehen sollen?“
„Natürlich! Warum denn nicht?“ Hagestolz Bingler sah Rennfeld verständislos an.
„Es kommt mir irgendwie falsch vor. Unanständig – immerhin ist Klarissa hier gestorben,“ Rennfeld blickte unsicher drein.
„Klarissa hätte gewollt, dass wir weitermachen“, beschied ihn der Regisseur jedoch. „Dies wird ihr größter Film sein.“
„Es war ihr erster.“
„Die Nachwelt wird sich an sie erinnern als die schöne, verheißungsvolle Schauspielerin, die alles gab, um ihrer Rolle gerecht zu werden!“
„Na ja, eigentlich starb sie ja nicht, weil sie sich verausgabt hatte, sondern ...“
„Das ist egal“, schnitt Bingler seinem Assistenten das Wort ab. „Außerdem haben wir fast alle Szenen mit ihr schon gedreht und bei dem Rest lässt sich schon was deichseln. Apropos: Sind die Mädels schon da, die einspringen sollen?“
„Fünf Blondinen sind gekommen. Aber sie müssen berücksichtigen, dass wir ja eigentlich nur im Dorf und im Nachbarort ...“
„Jaja, schon gut“, winkte Bingler ungeduldig ab. „Wo sind sie?“
Rennfeld wies mit dem Finger auf eine Gruppe Mädchen, die ein wenig abseits stand. Alle waren blond. Abgesehen davon hätten die Unterschiede in Sachen Körperbau und Größe kaum größer sein können.
„DAS sind sie?“ Der Regisseur war entsetzt.
„Wie ich schon sagte, wir haben eigentlich nur im Dorf und ...“ Rennfeld verstummte, als Bingler ihm einen eisigen Blick zuwarf. „Wenn wir in der 'Zeiten' inserieren würden ...“ schlug er zaghaft vor. „oder vielleicht besser in 'Freundin der Frau' und 'Palastblick' ...“
„Dann können wir gleich an die große Glocke hängen, dass Klarissa tot ist.“ Bingler wedelte ungehalten mit den Händen. „Nein, dass soll möglichst geheim bleiben. Das ist werbewirksamer.“
Rennfeld schüttelte unmerklich den Kopf. Das war doch sicher ohnehin schon alles bekannt. Die Polizei, die Bewohner ringsum und nicht zuletzt diese Mädchen hatten schließlich alle Familie und Freunde. Und denen erzählt man doch so eine Neuigkeit, die mal ganz was anderes ist als der übliche Trott. Aber der Assistent kannte seinen Chef gut genug, um zu wissen, dass er diese Gedanken besser für sich behalten sollte.
„Tja, also …“ Bingler besah sich die jungen Damen kritisch aus der Ferne. Dann traf er eine Entscheidung: „Wir nehmen die schlankeste und werden sie nur von hinten filmen. Hol mir die Verantwortliche für die Garderobe von Klarissa ...“
„Die sitzt im Gefängnis.“
„Was?“ Einen Moment lang war der Regisseur aus dem Konzept gebracht. Doch dann schüttelte er nur ungeduldig den Kopf. „Dann eben das Weib, das für die restlichen Kostüme zuständig ist. Die wird ja wohl auch mit Klarissas Kleidern zurecht kommen. Sie soll jedes dieser Mädel in eins davon stecken und alles an blonden Perücken mitbringen, was sie finden kann. Meine Güte, was für ärmliches Haar die eine da hat. Aber wenigstens ist sie nicht so fett wie die kleine daneben ...“ Er riss sich von dem Anblick los und wandte sich Rennfeld zu. „Wir müssen das Drehbuch umschreiben. Schick mir Holster. Und dann brauche ich noch Hummelflug ...“
„Sie meinen Meister Deamus Hummelbus“, warf Rennfeld ein.
„Ja, genau. Wo steckt der eigentlich? Hab ihn seit Tagen nicht gesehen.“
„Er schläft.“
„Was? Immer noch? War doch nur ein kleiner Zauber!“
„Ein ganzes Schloss erscheinen zu lassen ist ein großer Zauber.“
„Na ja, von mir aus.“ Bingler wedelte den Einwand fort. „Weck den Kerl auf. So einen kleinen Zauber wie eine von den Weibsbildern dort annähernd wie Klarissa aussehen zu lassen, wird er ja wohl noch hinkriegen.“
Rennfeld hatte da seine Zweifel. Doch er nickte nur. Als er sich auf den Weg machen wollte, Binglers Anordnungen weiter zu geben, sah er einen Fremden eilig herankommen. Er hob die Hand über die Augen um besser sehen zu können.
„Verdammich“, stieß er hervor. „Der hat uns gerade noch gefehlt.“
„Was ist los?“ Bingler drehte den Kopf, um zu sehen, wer gemeint war.
Rennfeld wurde einer Antwort enthoben, denn inzwischen hatte der Mann die beiden erreicht.
„Berger, mein Name“ rief er enthusiastisch und ergriff Binglers schlaff herabhängende Hand, um sie energisch zu schütteln. „Ich vertrete die ‚Freundin der Frau’ und möchte Sie zum Tod von Klarissa Ronaard befragen, dem aufgehenden Stern in der Filmwelt.“

Im Kindle-Shop: Rosen für Erkül Bwaroo (Erkül Bwaroo ermittelt 5)

Mehr über und von Ruth M. Fuchs auf ihrer Website.



18. Februar 2017

'Smaragdstern' von Lisa Torberg

Alles, was sie tun muss, ist, auf ihr Herz zu hören – doch sie kann ihr gegebenes Wort nicht brechen.

Die bildschöne, eiskalte Susan lebt in ihrer Heimatstadt London. Vom Schicksal hart getroffen, macht sie um ihre Mitmenschen generell einen großen Bogen. Das Einzige, was für sie zählt, ist ihre Karriere. So akzeptiert sie den Auftrag ihres Chefs und fliegt nach Sardinien, wo sie über den Verkauf des dortigen Luxusresorts entscheiden soll. Die einzige Bedingung ist die enge Zusammenarbeit mit dem Hotelmanager. Ausgerechnet! Denn Mario ist oberflächlich, zynisch, selbstherrlich, behandelt sie von oben herab und stellt sie vor dem Personal bloß, wann immer er kann. Je mehr sie ihn ignoriert, umso anzüglicher wird er und setzt gnadenlos das Lächeln seiner funkensprühenden dunklen Augen ein, das ihre Knie weich werden lässt. Somit ist für Susan die Kündigung dieses arroganten Typen bereits zu Beginn der Sommersaison beschlossene Sache. Aber das Schicksal drängt in eine andere Richtung.

Die romantische, prickelnde, spannende, berührende, abenteuerliche und zärtliche Geschichte spielt an einem der schönsten Schauplätze Europas, der italienischen »Costa Smeralda«, der Smaragdküste.

Gleich lesen: Smaragdstern

Leseprobe:
»Dort ist ein Tisch frei«, rief Karla und deutete nach draußen auf die Gartenterrasse. »Dürfen wir?«
Mit einem Blick auf die Uhr stimmte Mario zu. Die vor allem abends so begehrten Terrassentische blieben den Hotelgästen vorbehalten. Doch wer um halb neun noch nicht erschienen war, aß entweder im Gourmetrestaurant oder auswärts.
Karla und Mira saßen bereits mit Dave und Dan am unteren Ende. Mario wies Stefano und seinem Kollegen die äußersten Plätze an den Längsseiten zu, die zuerst einmal ablehnten. »Es ist sinnvoller, wenn ihr bei uns bleibt und sonst ist nichts frei. Oder wollt ihr neben dem Tisch stehen bleiben?«, fragte er. Und so landete Susan zwischen Drew und dem Bodyguard und sah Mario geradewegs in die Augen.
Als Stefanie auf der Terrasse erschien, atmete sie dann doch noch erleichtert auf. Jedoch nur kurz. »Unter den morgigen Anreisen gibt es ein paar altbekannte Spezialfälle. Da nehme ich lieber einen Salat mit ins Büro und arbeite weiter. Sonst lässt sich mein Mann von mir scheiden!« Mit dem ihr so eigenen glucksenden Lachen wünschte sie ihnen einen angenehmen Abend und ging eilig davon. Susan schlug die Speisekarte auf und senkte den Blick.
Es kam einfach keine Stimmung auf, zumindest auf ihrer Seite des Tisches. Die beiden Personenschützer holten je einen Teller Reissalat vom Buffet, aßen rasch, entschuldigten sich und standen dann einige Meter entfernt im Halbdunkel unter einer Palme auf dem Rasen. »Da können wir unsere Arbeit besser erledigen, als sitzend«, erklärte Stefano lapidar.
Mario und Susan verputzten schweigend die Antipasti, während am anderen Ende des Tisches angeregt über Filme diskutiert wurde. Drew warf ab und zu einen Kommentar ein, bis die Pasta serviert wurde. Er löffelte die Penne all’arrabbiata genauso in sich hinein, wie der Name aussagte: Zornig. Sein Gesicht wurde dabei immer röter, was wohl am Chili lag. Susan legte ihm die Hand auf den Unterarm, er schüttelte sie ab. »Keine Ahnung, was zwischen euch beiden abläuft«, schnaufte er wütend. »Ist mir auch egal. Aber ich habe die Schnauze voll.« Er sprang auf, hob die Serviette auf, die zu Boden gefallen war und lief quer über die Wiese davon. Dan schob seinen Sessel mit einem Ruck zurück und rannte ihm nach. Konsterniert sahen ihnen Karla und Dave hinterher, während Mira kopfschüttelnd den Blick auf die andere Seite wendete. Susan starrte auf ihren Teller und stocherte mit der Gabel in der Pasta herum. »Himmel, es geht mich ja nichts an«, sagte sie mit alarmierend leiser und tiefer Stimme. »Aber Dave hat recht. Zeitweise benehmt ihr euch wie Kinder im Sandkasten und dann, so wie heute, ist euer Schweigen schneidend und vermiest allen anderen rundherum die Stimmung.«
Mario sah sie an und holte Luft, doch sie unterbrach ihn unwirsch.
»Du bist mein Chef und ich respektiere dich. Aber als Freundin darf ich es dir, nein euch beiden, sagen. Gemeinsam seid ihr einfach nicht auszuhalten.«
Die nachfolgende Stille dauerte gefühlte Stunden, bis Susan aufstand und sich Mira zuwendete. »Verzeih bitte. Auch ihr.«, dabei sah sie zu Karla und Dave. »Ich gehe auf mein Zimmer.«
»Und du denkst, das ist die Lösung? Davonrennen? Es liegen noch fast drei Monate vor uns, das ist viel Zeit. Und die müssen wir alle gemeinsam zubringen. Entweder einer von euch beiden verschwindet aus Sardinien, oder ihr redet endlich miteinander.« Mit einer endgültigen Handbewegung schob sie den Teller mit der Pasta von sich. »Mir ist der Hunger vergangen«, setzte sie hinzu und stand auf. Susan drehte immer noch, mit gesenktem Kopf, den Saum der Stoffserviette zwischen den Fingern.
»Mira warte. Es tut mir leid, wirklich.«
»Schon möglich, Susan. Aber ihr beiden habt ein Problem, wir nicht. Ich hole jetzt die Jungs zurück, denn sie haben ein Recht auf ihr Abendessen nach einem langen Arbeitstag.« Damit drehte sie sich um und ging.
Karla und Dave saßen schweigend mit gesenktem Blick nebeneinander. Susan fühlte sich schuldig, ohne zu begreifen, was der Grund für diese fürchterliche Situation war. An Enricos Auftritt und Verschwinden konnte es nicht liegen. Immer noch bearbeitete sie den Saum der Serviette, als Mario plötzlich neben ihr stand und sie am Oberarm packte.
»Komm mit.« Sie fühlte den warmen Hauch seines Atems, als er ihr ins Ohr flüsterte. Wie eine lästige Fliege wollte sie ihn abschütteln, doch er umschloss ihren Arm noch fester. »Schluss damit. Wir gehen jetzt und reden, bevor uns das Personal davonrennt.« Sie drehte den Kopf. Trübsinnig sah er sie mit glanzlosen Augen an und ließ sie los. Kommentarlos warf sie die Serviette auf den Tisch, griff nach dem Walkie-Talkie und folgte ihm.
Trotz ihrer langen Beine musste sie fast laufen, um mit seinen Schritten mitzuhalten. Vor dem Personalhaus blieb er stehen und sah sich nach den Bodyguards um. Susan tippte mittlerweile den Code ein und zog die Tür auf.
»Wollt ihr mit hereinkommen?«
»Nein, wir bleiben hier, bis wir abgelöst werden«, antwortete Stefano für beide.
»Gut. Wann übernehmt ihr wieder?«
»Das entscheidet der Chef.«
»Also dann, bis morgen.«
Er legte seine Hand auf Susans Rücken und schob sie vor sich in den Hausflur. Sie ging zur Treppe und stieg rasch hinauf. Oben angelangt blieb sie abwartend stehen.
«Zu mir oder zu dir?«, fragte er.
Sobald er die Worte ausgesprochen hatte, wurde ihm der doppeldeutige Sinn klar. Er sah sie an und prustete los.

Im Kindle-Shop: Smaragdstern

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



17. Februar 2017

'Ratet, wer ich bin' von R.D.V. Heldt

Ein lustiger und vielseitiger Rätselspaß für die Kleinen, vorgestellt von Emil, Luise und Hörnchen.

Ein Buch mit vielen kindgerechten Rätseln, für Kinder in der Altersgruppe von 6 - 12 Jahre. Es sind Denksportaufgaben enthalten, um die Konzentrationsfähigkeit der Kinder zu erhalten und zu steigern.

Gleich lesen: Ratet wer ich bin: Rätselspaß mit Emil, Luise und Hörnchen






Leseprobe:
Ob ihr mit euren Lösungen richtig lagt,
wird euch am Ende des Buches gesagt.

Seid aber nicht enttäuscht, wenn etwas nicht stimmt,
weil euch das mit Sicherheit niemand übel nimmt.

Ihr fangt ja erst zu lernen an,
darum geht mit Mut an die Sache ran.

1.
Ich locke viele Menschen an,
weil ich so schön duften kann,
Fasst man mich nicht behutsam an,
zeig ich, wie ich stechen kann.

Hörnchen hat auch schon Bekanntschaft damit gemacht.

2.
Schnipp und schnapp macht man mit mir,
egal ob Haare, Stoff, Papier.
Ich wäre scharf sagt man mir nach,
woraus ich kein Geheimnis mach.

Meine Mama benutzt das Ding auch immer.

3.
Mich gibt es in vielen Farben,
doch um etwas von mir zu haben,
müsst ihr mir helfen dick zu sein,
indem ihr mir blast Luft hinein.
Dies muss geschehen mit Bedacht,
damit ihr nicht kaputt mich macht.

Einmal tief Luft holen und los geht´s.

4.
Ich habe Zähne, kann aber nicht beißen,
dafür aber Haare ausreißen.
Wenn am Kopf ihr seid nicht kahl,
braucht ihr mich täglich ein paar Mal.

Wer schön sein will, braucht diesen Gegenstand unbedingt.

5.
Ich bin gelb und auch fast rund,
wenige nehmen mich gern in den Mund.
Doch verdünnt und in Speisen hinein,
schmecke ich dann frisch und fein.

Im Kindle-Shop: Ratet wer ich bin: Rätselspaß mit Emil, Luise und Hörnchen

Mehr über und von R.D.V. Heldt auf ihrer Website.



16. Februar 2017

'Meine Wege: Lyrik' von Xenia Huegel

Neue Lyrik. Neue Wege. Meine Wege.

Gedichte zu den Themen Seelenkraft, Liebe, Wachstum & Natur, das Sein und der Sinn.

Gleich lesen: Meine Wege: Lyrik









Leseprobe:
Absolute Realität

Ich vertiefe mich in mir,
wenn ich abseits von mir liege.

Es gibt weder gut noch schlecht,
nur die Emotion.

Die Erfüllung ist stets gegenwärtig,
wenn auch nicht im Rahmen der Anderen.
Urteile schweigen – einfach Mensch sein.

Stehe zu den Kanten.
Das ist die Form der Gesamtheit.



LEBENSWEG

Könnt er doch immer sonnig sein -
der Weg des Lebens.

Ein milder Wind, kein Sturm
und blau der Himmel, nicht grau.

In klaren Gewässern baden,
keine Furcht nur seel‘ges gleiten.

Die Sonne wärmt und Lichte bringt,
mich liebt und in die Arme nimmt.


Im Kindle-Shop: Meine Wege: Lyrik

Mehr über und von Xenia Huegel auf ihrer Website.



15. Februar 2017

'Gesund & Gebräunt: Ratgeber für risikoarmes Bräunen' von Dr. rer. nat. Andrea Zgaga-Griesz

Für wen ist dieser Ratgeber interessant? Für alle Menschen die sich gerne in der Sonne aufhalten und evtl. auch mit dem Gedanken spielen ein Sonnenstudio zu besuchen. Wer von uns genießt nicht die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut? Aber häufig beschleicht uns auch ein ungutes Gefühl!

Haben wir nicht schon so viel gehört über die Gefahren von Sonne und Solarium? Sind die UV-Strahlen nicht verantwortlich für Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung, Sonnenbrand oder Augenschäden? Andererseits, müssen wir nicht in die Sonne, um das lebenswichtige Vitamin D herzustellen? Kann man nicht auch Hautkrankheiten behandeln mit UV-Strahlen?

Dieser Ratgeber schafft Klarheit! Nach der Lektüre sind Sie in der Lage, gemäß Ihrer individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen, Nutzen und Risiken der UV-Strahlung einzuschätzen und Sonne/Solarium ohne Beklemmung zu genießen.

Sie erfahren:

  • Wie Sie Ihren individuellen Hauttyp bestimmen und ihn zur Grundlage Ihres Sonnenverhaltens machen.
  • Wie Sie sicher einschätzen, wann, wo und wie lange Sie sich risikoarm sonnen dürfen.
  • Wie Sie verschiedene Schutzmaßnahmen (Sonnencreme, Brille, UV-Schutzkleidung, Schatten) zur Situation passend, anwenden.
  • Wie Sie den LSF richtig einsetzen.
  • Wie Sie Sonnenbrand vermeiden.
  • Ob Sie zu dem Personenkreis zählen, dem man generell oder nur vorübergehend von einer Besonnung abrät.
  • Wie Sie das Hautkrebsrisiko minimieren und die Hautalterung gering halten.
  • Warum Kinder eines ganz besonderen Schutzes vor UV-Strahlung bedürfen.
  • Wie Sie Qualität eines guten Sonnenstudios beurteilen.
Mit diesem Wissen können Sie für sich und Ihre Kinder verantwortungsvolle individuelle Entscheidungen treffen. Genießen Sie die Sonne! Ganz nach dem Motto: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt.

Gleich lesen: Gesund & Gebräunt: Ratgeber für risikoarmes Bräunen: Das richtige Maß finden zwischen Sonnenbad, Vitamin D Synthese und Hautschäden

Leseprobe:

4.2 Der Hauttyp, Eigenschutzzeiten und Lichtschutzfaktor – wie hängt das zusammen?
Jetzt kennen Sie Ihren HT. Was folgt nun daraus?

1) Der HT ist ein Maß für die UV-Empfindlichkeit der Haut. Durch Bestrahlungsexperimente (siehe Kapitel 17.2.2 Das Beratungsgespräch: Dosierungsplan) hat man herausgefunden, wie lange man welchen HT bestrahlen kann, bevor ein Sonnenbrand auftritt. Diesen Zeitraum bezeichnet man als Eigenschutzzeit. Empfindliche Hauttypen haben deutlich kürzere Eigenschutzzeiten als unempfindliche.
2) Die Eigenschutzzeit bezieht sich ausschließlich auf das Phänomen Sonnenbrand. Sonnenbrand ist die einzige UV verursachte Schädigung, die man innerhalb kurzer Zeit erkennen und messen kann. Für UV-bedingte Hautschäden die z.T. erst nach Jahren ersichtlich werden wie Hautkrebs oder Hautalterung gibt es keine Angaben über Eigenschutzzeiten. Wie man sich leicht vorstellen kann, wären solche Messungen, wo man die Gesundheit der Testteilnehmer in Abhängigkeit von der UV-Belastung über Jahre hinweg verfolgen muss, sehr aufwendig und die Interpretation schwierig.
3) Die Eigenschutzzeit ist nicht nur vom individuellen HT abhängig, sondern natürlich auch von der Intensität der lokalen UV-Strahlung. Diese wird im UVI (siehe Kapitel 3.2 UV-Index – WHO Empfehlungen) ausgedrückt. Für die Angabe der Eigenschutzzeit wird ein standardisierter Wert des UVI von 8 angenommen.
Aus den oben genannten Punkten ergeben sich die in der Tabelle genannten, individuellen Eigenschutzzeiten

4) Die angegebene Eigenschutzzeit bezieht sich auf die ungebräunte Haut. Vorbräunung erhöht die Eigenschutzzeit. Dieser Effekt fällt allerdings individuell sehr unterschiedlich aus und kann deshalb nicht in allgemein gültigen Tabellen wiedergegeben werden.

Beispiel: Sie sind HT III, d. h. Sie werden nach ca. 28 Minuten einen Sonnenbrand bekommen, wenn Sie um die Mittagszeit, im Hochsommer in Deutschland (UVI = 8), mit Ihrer noch blassen Haut in der Sonne liegen. Möchten Sie dies vermeiden, sollten Sie nach spätesten 28 – 35 Minuten den Schatten aufsuchen oder sich bekleiden.
Möchten Sie länger als die Eigenschutzzeit in der Sonne bleiben, verwenden Sie einen Sonnenschutz in Form von Sonnencreme oder Sonnenschutzkleidung an. Auf Sonnenschutzcreme (6 Sonnenschutzmittel) und Sonnenschutzkleidung (7 UV-Schutzkleidung) wird in anderen Kapiteln noch näher eingegangen.

Beispiel: Mit einem LSF von 25 darf ein Mensch mit HT I und einer Eigenschutzzeit von 5 Minuten 25 mal länger, also 125 Minuten lang in der Sonne bleiben ohne Sonnenbrand zu bekommen.

Es gelten folgende Bedingungen:
  • Die Zeitrechnung beginnt mit der Besonnung.
  • Die Schutzzeit kann nicht durch mehrmaliges Auftragen von Sonnencreme verlängert werden.
  • Die Schutzzeit gilt nur für eine Besonnung pro 24 Stunden.
  • Die Schutzzeit gilt für einen UVI = 8. Ist der UVI höher z. B. am Meer oder am Gletscher (siehe Kapitel 3.1 Einflüsse auf die natürliche UV-Strahlung) ziehen Sie von der erlaubten Zeit zur Sicherheit 40 % ab. Bei einem UVI > 8 dürfen Sie nach obigem Beispiel also nur 75 Minuten in der Sonne bleiben.
  • Achtung: Für Kinder gelten andere Regeln (siehe Kapitel 9 Kinder unter der Sonne)!
[...]

5.3 Bräune – ein körpereigener Schutzmechanismus
Die Bräunung ist ein Selbstverteidigungsmechanismus unserer Haut! Die stärkere Pigmentierung erschwert ein tieferes Eindringen der UV-Strahlen in den Körper. Je nach HT (siehe Kapitel 4 Der Hauttyp als Maß für die UV-Empfindlichkeit) besitzt unsere Haut eine gewisse Grundausstattung an Pigment. Durch auftreffende UV-Strahlung wird einerseits das vorhandene Pigment in einen wirkungsvolleren UV-Absorber umgewandelt (5.3.3 Kurzzeit-Bräune) und andererseits erfolgt zusätzlich eine Pigment Neubildung (5.3.2 Langzeit-Bräune). Bräune erhöht die Eigenschutzzeit der Haut, im individuell unterschiedlichen Ausmaß, maximal um den Faktor 40.

Aber Achtung:
  • Medizinisch betrachtet ist eine gebräunte Haut ein erster Hilferuf der Haut, hervorgerufen durch zu viel UV-Strahlung!
  • Auch eine gebräunte Haut bedeutet nie vollständigen Schutz vor UV-Strahlung: Bräune als Eigenschutz der Haut bewirkt nur, dass der Sonnenbrand später eintritt. Bräune schützt nicht vor Erbgutschäden und damit nicht vor dem Hautkrebsrisiko und auch nicht vor vorzeitiger Hautalterung!
  • Die Verlängerung der Eigenschutzzeit durch Bräune um Faktor 40 erreicht bei weitem nicht jeder und auch dieser Zeitraum ist endlich!
[...]

8 Ernährung als UV-Schutz
Braun werden durch Ernährung? Theoretisch kann man auch durch den großzügigen Konsum von Karotten (3 bis 5 kg täglich) oder Betacarotin Tabletten der Haut einen leicht gelblichen bis orangen Farbton verleihen. Wir kennen diesen Effekt von „Karotten-Babys“, deren Haut einen bronzefarbenen Ton annimmt, wenn sie mit viel Karottenpüree gefüttert werden.
Das enthaltene Provitamin A lagert sich in der Haut ab und wirkt dort als Radikalfänger, der die Zellen vor Stress durch Sauerstoffradikale, die während der UV-Bestrahlung entstehen, schützt. Eine Übersichtsstudie zeigt, dass bei einer mindestens 10 wöchigen Einnahme von Betacarotin, vor der Besonnung, ein gewisser Schutzeffekt vor Sonnenbrand erzielt werden kann [12].
Neben Betacarotin werden auch andere Substanzen mit einem Sonnenschutz-Effekt beworben. Hierzu zählen Präparate, die zum Beispiel Lycopin (aus der Tomate), die Vitamine A, C, E oder Astaxanthin (Carotinoid produziert von einzelligen Algen) enthalten. Studien zeigen, dass all diese Radikalfänger die Eigenschutzzeit der Haut vor Auftreten eines Sonnenbrandes lediglich verdoppeln können. Inwieweit diese Substanzen auch die Erbgutschädigung reduzieren können, ist weiterhin Thema der Forschung [13]. Klar ist, dass die Einnahme von Radikalfängern nur ein Baustein innerhalb der Maßnahmen des Hautschutzes vor UV-Strahlen darstellt. Die Wirksamkeit (maximal LSF 2) ist stark abhängig von der Dosis und der Dauer der Einnahme.
Häufig findet man diese Radikalfänger auch als Zusatz in Sonnenschutzmitteln und anderen Kosmetika, wo sie durch äußerliche Anwendung zum Hautschutz beitragen.

DAS WESENTLICHE: Die Einnahme von Radikalfängern kann die Sonnenschutzmaßnahmen (Schatten, Sonnencreme, Kleidung) ergänzen. Allerdings muss man Wochen vor der Sonnenexposition mit der Einnahme beginnen. Lassen Sie sich über Dosis und Dauer der Einnahme von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.
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9 Kinder unter der Sonne
Kinder bedürfen besonderer Schutzmaßnahmen vor UV-Strahlung! Ihre Möglichkeiten des Eigenschutzes wie die Ausbildung von Bräune, Lichtschwiele oder Reparaturmechanismen sind erst im Ausreifen und noch nicht voll wirkungsvoll. Deshalb sind sie besonders anfällig gegenüber Schädigungen durch UV-Strahlen [14]. Die Hauttypbestimmung (siehe Kapitel 4.1 Hauttypbestimmung) kann für Kinder nicht angewandt werden. Kinder gelten generell als HT I oder II.
Natürlich sollen sich Kinder regelmäßig und ausgiebig im Freien bewegen. Der Aufenthalt im Schatten bzw. die Verwendung von entsprechender Kleidung gelten als 1. Wahl der UV-Schutzmaßnahmen für Kinder. Kinderärzte empfehlen: Säuglinge und Kinder unter 2 Jahren gehören generell nicht in die pralle Sonne! Zusätzlich sollten sie durch Kleidung (Sonnenhut, langärmliges T-Shirt, spezielle Sonnenschutzkleidung, Sonnenbrille, UV dichter Sonnenschirm) geschützt werden. Achten Sie besonders auf den Schutz der Sonnenterrassen wie Nase, Ohren, Schultern, Nacken und Fußrücken. Insbesondere in der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr sollte die Sonne konsequent gemieden werden. Benutzen Sie hypoallergene, parfumfreie Sonnencreme mit hohem LSF (ab LSF 25).
[...]

Im Kindle-Shop: Gesund & Gebräunt: Ratgeber für risikoarmes Bräunen: Das richtige Maß finden zwischen Sonnenbad, Vitamin D Synthese und Hautschäden

Mehr über und von Dr. rer. nat. Andrea Zgaga-Griesz auf ihrer Website.



'Kyla – Kriegerin der grünen Wasser: Das Erwachen' von Regina Raaf

Die grünen Wasser von Chyrrta bergen ein ebenso düsteres wie tödliches Geheimnis. Ganz auf sich gestellt, wächst das kleine Mädchen Kyla unter der ständig lauernden Gefahr in den Wäldern auf. Bald gerät sie in den Sog verwirrender Ereignisse, die sie schon früh zur erbarmungslosen Kämpferin machen.

Ihr Weg zum prophezeiten Schicksal führt über Liebe, Macht und Tod.

Gleich lesen:
Für Kindle: Kyla – Kriegerin der grünen Wasser: Das Erwachen
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
»Bei allen grünen Wassern, ein Eindringling! Fangt dieses Kind! Es hat vom Festmahl der Herrscherin gestohlen!« Kyla lief im gleichen Moment los, wie das von Blut befleckte Tuch, unter dem sie saß, angehoben wurde. Sie hechtete umher, in dem Versuch, ein neues Versteck zu finden. Doch zur einen Seite waren nur glatte Mauern und zur anderen eine Horde von Chyrrta, die versuchten, sie zu erhaschen.
Unmengen an Speisen waren an diesem schicksalsträchtigen Tag hinter die Undurchdringlichen Mauern getragen worden, als Kylas Leben sich von Grund auf änderte. Sie hatte nicht nachgedacht, als sie sich unter das Tuch gesetzt hatte, das den vom Rumpf abgetrennten Kopf eines Wildschweins verbarg. Erst später erfuhr sie, dass er auf dem Speisetisch der Herrscherin als Dekoration hatte dienen sollen. Doch Kyla wusste damals nur, dass er ihr das bot, was ihr ausgemergelter Körper brauchte. Sie hatte ihre kleinen Hände in das rohe Fleisch gegraben und Stücke herausgerissen, um sie sich in den Mund zu stopfen und hastig zu kauen. Das Blut war ihr am Kinn hinuntergelaufen, als sich plötzlich der Boden unter ihr bewegte. Kyla konnte auch später immer noch den Schrecken spüren, der sie durchfahren hatte, als sie erkannte, dass sie samt des riesigen Tabletts von den Bediensteten der Herrscherin hinter die Undurchdringlichen Mauern gebracht worden war. Sie war ein verwahrlostes und knochiges Kind – kaum größer als der Wildschweinkopf – und mit Sicherheit um einiges leichter. In den Wäldern, in denen sie bereits so lange gelebt und sich versteckt hatte, wie sie zurückdenken konnte, gab es kaum genug Nahrung zu erbeuten, um den jeweils nächsten Tag zu erleben. Ihre Streifzüge, deren Ziele sie inmitten der Siedlungen anderer Chyrrta führten, waren im Laufe der Zeit immer häufiger geworden.
Sie hatte dort genügend Nahrung gefunden, um mehrere Sonnenaufgänge gesättigt zu erleben. Und genau darauf hatte sie auch am Tag ihrer Gefangennahme gehofft, nachdem sie an zwei Tagen zuvor von nichts anderem als ein paar Nastal-Beeren gelebt hatte. Die Zweige waren voll davon gewesen, doch die kleinen Früchte sättigten nur für kurze Dauer und verursachten Kyla leichte Bauchschmerzen. Über kurz oder lang musste sie eine andere Nahrungsquelle finden, und diesmal hatte sie sich auf ihrem Streifzug näher an die Undurchdringliche Mauer begeben, als jemals zuvor.
Das geschäftige Treiben war ihr zwar aufgefallen, aber sie hatte geglaubt, es wäre zu ihrem Vorteil, weil sie so von allen unbemerkt bleiben würde. Zuerst war ihr Plan aufgegangen. Niemand hatte sie bemerkt, als sie unter das Tuch geschlüpft war. Doch dann hatte man sie fortgetragen, und sie konnte nicht fliehen, weil man sie ansonsten sofort festgenommen hätte. Also hatte Kyla unter dem Tuch still ausgeharrt und gehofft, später weglaufen zu können. Aber in dem Moment, als das Horn erklungen war, das sie sonst nur gedämpft durch die Mauern gehört hatte, wurde ihr klar, dass ihr Hunger sie in Gefangenschaft geführt hatte. Man hatte sie nicht einfach nur von einem Ort zum anderen getragen, sondern sie hinter die Undurchdringlichen Mauern gebracht, innerhalb deren sich die Welt der Herrscherin verbarg. Eine Welt, die Kyla bislang niemals gesehen hatte, und die die Chyrrta auf ihrer Seite nur vom Hörensagen kannten. Doch wenn man sie hineingebracht hatte, gab es ganz sicher auch einen Weg wieder hinaus.
Kyla hatte sich an dem Gedanken festgehalten, dass sie entkommen könnte, wenn die Fracht abgestellt und nicht mehr weiter beachtet wurde. Doch so viel Glück hatte sie nicht. Man hatte sie sofort entdeckt und setzte ihr nach. Sie schlug Haken wie die Hasen, wenn wilde Tokals sie verfolgten – aber so, wie die Langohren nicht immer Glück hatten, kam auch sie nicht davon. Man packte sie an den Haaren und riss ihr ein großes Büschel aus. Auf den heftigen Schmerz folgte der nicht weniger schmerzvolle Fausthieb eines feisten Mannes und Kylas Welt versank in der Schwärze einer Ohnmacht.

1. Kapitel
Als sie erwachte, erkannte Kyla, dass man sie in einen Käfig gesperrt hatte. Er war so niedrig, dass sie nicht einmal darin hätte stehen können, wenn sie kräftig genug gewesen wäre, um sich zu erheben. Kauernd rüttelte sie an den eisernen Stäben. Sie nahm sich Strebe um Strebe vor, doch ihr Gefängnis war stabil, ohne eine Schwachstelle aufzuweisen.
Kyla wusste nicht, wohin man sie gebracht hatte und ihr Kopf dröhnte heftig. Sie blinzelte in die Düsternis, die von einer kleinen Fackel direkt über ihrem Käfig nur spärlich erhellt wurde; die weitere Umgebung war für ihre Augen undurchdringlich. Kyla hatte den Eindruck, dass es sich um eine Höhle handelte, denn in der Ferne erkannte sie einen hellen Fleck, der mit großer Sicherheit ins Freie führte, dessen Licht hier jedoch nichts mehr ausrichtete.
Ihr Gesicht und ihre Brust klebten vom getrockneten Wildschweinblut – und nun wurde ihr übel davon. Sie erinnerte sich daran, wie das metallisch schmeckende Zeug ihre Zunge benetzt hatte und wie sie es die Kehle hinab gezwungen hatte – nun nahm es die umgekehrte Richtung. Kyla erbrach sich so heftig, dass sie nach wiederholtem Würgen bittere Galle schmeckte. Es passierte ihr nicht zum ersten Mal, dass sie die verschlungene Nahrung unfreiwillig wieder hochwürgen musste. Wann immer sie ein verendetes Tier fand, nährte sie sich davon, selbst wenn der Gestank sie eigentlich hätte warnen sollen. Kyla hatte nichts in ihrem Leben gelernt, außer sich zu nähren, um zu überleben. Und das tat sie aus reinem Instinkt. Es hatte niemanden gegeben, der ihr etwas gezeigt hatte.
In ihrer Erinnerung hatte es lange Zeit nichts als den Wald, die Pflanzen und Tiere um sie herum gegeben – und der Kampf mit alldem, um die besten Nahrungsmittel, und um das wenige genießbare Wasser. Flüsse, Bäche und Seen waren durch Parasiten verseucht, sodass die Tiere, die daraus tranken, elendig krepierten. Von diesen Kadavern hatte Kyla sich schon frühzeitig so fern wie möglich gehalten. Wenn der brennende Hunger es verlangte, hatte sie gejagt. Sie verteidigte sich und ihre Beute mit bloßen Händen, den Zähnen und ihrer List. Sie kämpfte gegen Dumpids, die auf allen vieren liefen und mit ihrem gefleckten Fell kaum auszumachen waren. Die Zähne dieser Raubtiere waren gefährliche Waffen, und wer das Pech hatte, gleich mehreren Dumpids zu begegnen, konnte so böse Verletzungen davontragen, dass er noch an Ort und Stelle verblutete. Mehr als einmal hatte Kyla den gefährlichen Konkurrenten ihre gerade erlegte Beute überlassen und schnell die Flucht ergreifen müssen.
Aber nicht nur wilde Tiere waren eine Gefahr, auch die Mari-Pflanze machte Kyla das Erlangen von Nahrung schwer, denn mit ihren dicken Ranken umschlang sie ausgerechnet die nahrhaftesten und verträglichsten Pilze, die der Wald zu bieten hatte. Einmal von diesen Pflanzen in Besitz genommen, verdorrten die Pilze, und mit ihnen alles im gesamten Umkreis, bis der Boden wie verbrannt aussah. Kyla hatte gelernt, mit scharfkantigen Steinen die widerspenstigen Ranken zu entfernen, doch die Mari-Pflanze ließ sich trotz großer Anstrengungen oft nur unzureichend beseitigen. Wenn Kyla die Pilze dennoch aß, fühlte sich ihr Bauch danach selbst so an, als würden Ranken darin ihr Unwesen treiben. Aber auch das war immer noch besser, als zu verhungern. Doch nun, da sie in diesem Käfig saß und anderen Chyrrta ausgeliefert war, beschloss Kyla, dass es an der Zeit war, zu sterben. Denn wenn es ihr gelänge, ihrem Leben auf diese Art selbst ein Ende zu setzen, würde man sie nicht quälen können.
Der Tod schreckte sie nicht. Immerhin verging alles, was gelebt hatte, irgendwann – die Tiere und die Pflanzen. Auch genügend Chyrrta hatte Kyla schon sterben sehen, um zu wissen, dass ihre eigene Gattung keine Ausnahme bildete. Irgendwann hatte sie damit begonnen, sich in die Siedlungen zu schleichen und das Leben der anderen Chyrrta zu beobachten. Über viele Jahreszeiten hinweg hatte sie sie immer wieder heimlich beobachtet, um ihre Neugier zu befriedigen und ihnen zugehört, um ihre Sprache zu erlernen. Viele Handlungsweisen waren ihr zuerst völlig fremd gewesen, doch mit der Zeit hatte sie begriffen, was sie zu bedeuten hatten. Staunend hatte sie zugesehen, wie die Bewohner neue Häuser bauten und sie instand hielten. Sie hatte beobachtet, wie sie miteinander umgingen und ihresgleichen in verschiedenen Situationen behandelten. Streit, Versöhnung, Lachen, Weinen, Hass und Liebe – im Laufe der Zeit hatte sie die Wörter zu den Beobachtungen begriffen und alles, was dazugehörte. Vieles war seltsam gewesen – körperliche Vereinigungen, die mal friedlich, oft genug jedoch auch wie ein Kampf aussahen. Kyla hatte begriffen, dass sie nicht immer freiwillig stattfanden – ebenso wenig wie viele der anderen Dinge, zu denen manche Chyrrta gezwungen wurde. Vor allem die Frauen hatten keine Wahl, was Kyla erzürnte, da sie inzwischen begriffen hatte, dass ihr Körper diesen benachteiligten Chyrrta glich. Das Wort Sklavin fiel mehrfach und Kyla wünschte sich, sie hätte es niemals gehört, denn es bereitete ihr größtes Unbehagen. Lieber würde sie sterben, als so leben zu müssen, wie diese Sklavinnen! Nun stand sie kurz davor, eine zu werden, da war sie sich sicher, und daher war sie bereit für den Tod – ihr Körper schien ihrem Bestreben zuzustimmen, denn erneut verlor sie das Bewusstsein.

Im Kindle-Shop: Kyla – Kriegerin der grünen Wasser: Das Erwachen
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Regina Raaf auf ihrer Website.



14. Februar 2017

'Begegnungen auf Kos: Sammelband' von Britta Keller

Dieser Sammelband enthält drei Kos-Geschichten:

Wiedersehen auf Kos (Laura und Lukas)
Endlich Ferien! Laura und Luzia wollen ihre Zeit auf Kos genießen. Leider ziehen schon bald graue Wolken auf, denn am ersten Abend stößt Laura mit einem großen, schwarzhaarigen Schweizer mit schönen grünen Augen zusammen. Doch die Begegnung löst in ihr alles andere als Begeisterung aus, denn der Mann ist kein Geringerer als ihr Ex- Verlobter Lukas, der ihr wegen der geplatzten Verlobung keine Ruhe lässt. Luzia dagegen hat ganz andere Probleme: Bei einer Begegnung mit dem attraktiven Filmstar Rouven Gardner tritt sie gehörig ins Fettnäpfchen. Können sie die Ferien doch noch genießen?

Ein Filmstar für Luzia
Als Rouven Gardner, der angesagte Jungschauspieler aus Hollywood, auf Kos Urlaub macht, stolpert Luzia eines Abends wortwörtlich in seine Arme. Er ist sofort fasziniert von der schönen, aber kratzbürstigen Schweizerin. Als sie sich näherkommen, muss Rouven wegen eines ungeplanten Pressetermins vorzeitig die Insel verlassen und verliert sie aus den Augen. Erst Wochen später treffen sich die beiden bei einer Filmpremiere in Bern wieder. Trotz seines machohaften Verhaltens gibt Luzia Rouven eine Chance, doch müssen die beiden feststellen, dass sie nicht nur auf unterschiedlichen Kontinenten, sondern in komplett verschiedenen Welten leben. Intrigante Starlets, Videos von Partyexzessen und eifersüchtige Fans stehen zwischen ihnen. Gelingt es den beiden, diese Hindernisse zu bewältigen?

Bonus-Kurzgeschichte 'Valentinstag'
Laura freut sich seit langem auf den Valentinstag mit Lukas. Nur leider kommt es anders wie geplant. Lukas ist an einem Meeting in Zürich und kann erst am Tag danach zurückkehren. Wie verbringt Laura ihre Zeit?

Gleich lesen: Begegnungen auf Kos - Sammelband der Kos-Geschichten: Wiedersehen auf Kos und Ein Filmstar für Luzia

Leseprobe aus "Wiedersehen auf Kos":
Laura
Wie meistens aß ich im Sommer mein Mittagessen mit meiner besten Freundin auf dem Bärenplatz in Bern. Die meisten Stühle des Restaurants waren schon besetzt, als plötzlich ein gutaussehender Typ bei uns am Tisch stand. „Darf ich mich bei euch dazusetzen? Leider ist schon alles voll." Ich sah mich um. Er hatte Recht und so sagten wir ihm, dass er sich nur setzen sollte.
Luzia entschuldigte sich kurz und ging zu einer Bekannten, die sie schon lange nicht mehr gesehen und weiter hinten an einem Tisch entdeckt hatte und ich blieb alleine mit ihm am Tisch.
Als er die Karte studierte, sah ich immer wieder zu ihm hin, denn ich stand genau auf diesen Typ Mann. Dunkle Haare, groß, grüne Augen und einen sportlichen Körper, den er unter einem Maßanzug versteckte.
Ich dachte, dass er es nicht bemerken würde.
Plötzlich aber sagte er lächelnd: „Und, gefällt dir, was du siehst?" Ich wurde umgehend rot wie eine Tomate. Es war mir natürlich sehr peinlich, beim Anstarren erwischt geworden zu sein. Aber ich sagte mir: „Was soll's, peinlicher kann es nicht mehr werden." Ich platzte heraus: „Ja, du gefällst mir. Stört dich das?"
Er war einen Moment lang platt, lachte dann aber und meinte:
„Nein, es stört mich absolut nicht, denn du bist mir auch positiv aufgefallen. Ich steh auf lange Haare und vor allem gefällt mir dein freches Mundwerk." Da lachten wir beide laut auf.
Ich war erfreut. Obwohl Luzia die bessere Figur hatte und auch ihre dunklen, hüftlangen Haare viel interessanter waren, stand er auf mich.
Luzia schaute uns fragend an, als sie wieder bei uns am Tisch saß. Sie hatte unseren Disput nicht mitbekommen. „Habe ich etwas verpasst?"
„Nein, nein überhaupt nicht", sagte ich immer noch lachend. Sie gab auf, denn sie wusste, sie bekam es später eh noch aus mir heraus.
Sobald auch er bestellt hatte, kamen wir wieder ins Gespräch.
Er stellte sich als Lukas vor. Er war 27 Jahre alt und arbeitete in einem kleinen Betrieb außerhalb von Bern und hatte vor kurzem die Managementausbildung abgeschlossen.
Er wollte natürlich auch von uns ein bisschen was wissen und so fragte er uns nach unseren Namen und was wir beruflich machten.
So stellte ich uns beide kurz vor.
„Ich heisse Laura, bin 22 Jahre alt und habe eine kaufmännische Lehre abgeschlossen und besuche jetzt eine weiterführende Schule als Direktionsassistentin und dies ist meine Freundin Luzia. Sie ist so alt wie ich und arbeitet in der Boutique ihrer Eltern mit."
Wir quatschten noch eine Weile während des Essens. Die Stimmung war locker und wir verstanden uns alle drei sehr gut. Als die Pause vorbei war, zahlten wir und standen auf.
Leider gab es keine Anzeichen dafür, dass Lukas mich wiedersehen wollte und ich war ein wenig enttäuscht, aber ich hatte mich peinlich genug verhalten und so ließ es mein Stolz nicht zu, dass ich auch noch nach seiner Telefonnummer fragte. Also gingen wir wieder zur Arbeit und ich verlor meinen Traummann aus den Augen. Das dachte ich jedenfalls.
Am Abend, als ich meine Handtasche auspackte, entdeckte ich eine fremde Karte darin. Es war eine Visitenkarte. Auf der Rückseite stand: „Ich würde dich gerne wiedersehen."
„Heute würde ich da aber nicht mehr anrufen", dachte ich mir und ließ die Karte auf mein Pult fallen.
Wenig später läutete mein Handy. Es war Luzia, die mich ausquetschen wollte. Da ich es irgendwie loswerden musste, erzählte ich ihr alles. Sie lachte sich halb krank und riet mir: „Er ist nett und sieht gut aus, ruf da gleich morgen an. Ich würde ihn in deinem Fall gerne näher kennenlernen wollen. Er scheint ja auch Humor zu haben."
So nahm ich am darauffolgenden Tag allen Mut zusammen und rief ihn an. Er schien erfreut zu sein und wir verabredeten uns für den nächsten Abend zu einem Kinobesuch. Von dem Film bekamen wir allerdings nicht viel mit, denn es hatte zwischen uns beiden gefunkt und wir schauten mehr zu einander als auf die Leinwand. Ab diesem Abend trafen wir uns regelmässig. So verbrachten wir unsere ganze Freizeit zusammen. Seine Ruhe und mein Temperament waren wie Feuer und Eis.
Es dauerte nicht lange, bis wir uns verlobten. Leider bestand unsere Verlobung nur bis zum ersten großen Problem.
Kurz nach unserer Verlobung bekam er in Zürich eine Stelle im Management eines kleineren Betriebes angeboten. Er beschloss dorthin umzuziehen und für ihn war klar, dass ich mitgehen sollte. Ich hatte aber gerade eine Zweitausbildung begonnen, deshalb fand ich, dass er ganz gut auch von Bern aus pendeln konnte. Er verneinte genervt und sagte mir, dass ihn dies mit der zukünftigen Arbeit zu stark stressen wird. Da ich schon die Ausbildung und die Arbeit koordinieren musste, war ich erst recht nicht bereit dazu.
Schließlich gab ein Wort das andere und so trennten wir uns im Schlechten. Noch immer dachte ich mit Wehmut daran und fragte mich, ob ich damals zu egoistisch war.
In der schweren Zeit der Trennung stand mir meine beste Freundin Luzia sehr bei. Seit damals wollte sie unbedingt mit mir nach Kos in die Ferien fliegen. Wieso gerade Kos, verriet sie mir nicht.
Ich hatte aber lange Zeit überhaupt keine Lust, Geld und Zeit, um Ferien zu machen. Ich litt sehr lange unter der Trennung aber sie blieb stur und fragte mich immer wieder, bis ich nachgab.
Nun saßen wir im Flugzeug nach Kos und ich wurde rapide aus meinen Erinnerungen gerissen, als die Stewardess mit dem Essen kam. Diese Erinnerungen wurden durch eine Begegnung, im Duty-free-Shop kurz vor dem Flug, hervorgerufen.

Im Kindle-Shop: Begegnungen auf Kos - Sammelband der Kos-Geschichten: Wiedersehen auf Kos und Ein Filmstar für Luzia

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