4. Dezember 2017

'Worlds Rising: Rebellion' von Joey Schaefers

Abbidas bisher beschauliches Leben verändert sich drastisch an dem Tag, an dem übermächtige Feinde vom Himmel fallen, ihr Dorf niederbrennen und die jungen Männer verschleppen.

Jahre später haftet den schrecklichen Ereignissen von damals noch immer ein strenges Tabu an. Vollkommen unerwartet kehren die Männer zurück: äußerlich unversehrt, innerlich gebrochen. Und keiner ist bereit, das Schweigen zu brechen.

Abbida ahnt, dass dem Dorf eine Gefahr droht, die alles zerstören wird. Ist es zu spät, die Bewohner zu retten? Schnell wird klar: Sie ist die Einzige, die die Bedrohung aufhalten kann. Doch dazu muss sie Grenzen überschreiten, an die sich vor ihr niemand auch nur herangewagt hat.

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Leseprobe:
»Alles in Ordnung mit dir?«, fragte Cole.
In seiner Miene lag Besorgnis, jedoch machte er keinen Versuch, sie zu beruhigen und dafür war sie dankbar. Sie wollte nicht besänftigt werden. Sie brauchte diesen Zorn, um ihre Angst im Zaum zu behalten. Sonst würde sie diesen aussichtslosen Rettungsversuch niemals wagen.
»Alles in Ordnung. Es geht los!«
Das Fluggerät wurde von einem gelangweilten Soldaten bewacht. Mit dem Rücken zum Schuppen lehnte er an der offenen Luke und rechnete offenkundig nicht damit, in dieser Einöde auf Widerstand zu treffen. Jedenfalls mit niemandem, der mutig oder verrückt genug wäre für einen dreisten Diebstahl. Cole schob die Schuppentür gerade weit genug auf, um sich hindurch zu winden, dann schlichen sie auf den Wachposten zu.
Seine Waffe hing an einem Gurt über der Schulter, in der anderen Hand hielt er eine Art Pfeife. Glut war keine zu sehen, doch bei jedem Zug gab es ein knisterndes Geräusch. Tabakgeruch überlagerte den Geruch nach Staub und sogar den Kanalgestank. Genussvoll stieß er den Rauch aus, da hieb Cole ihm mit einem Holzprügel über den Schädel.
Der Soldat knickte lautlos ein und Cole fing ihn auf. So schnell wie möglich schleiften sie ihn zum Generatorhaus, wo sie ihn in einer Ecke ablegten. In einer seiner Uniformtaschen fand Abbida die gleiche Art Riemen, die schon Lian als Fesseln verwendet hatte. Ihm Hände und Füße mit der eigenen Ausrüstung zu fesseln, verschaffte ihr ein schales Gefühl der Befriedigung. Zuletzt stopfte sie ihm einen Fetzen Stoff in den Mund und stülpte einen Futterbeutel über seinen Kopf.
»Lass ihm noch Luft zum Atmen«, brummte Cole.
Im gleichen Moment hörte Abbida draußen Schritte.
»Korporal Yang? Mit wem reden Sie da?«, rief eine tiefe Stimme. Sie kam aus Richtung des Fluggeräts, da war noch jemand drin gewesen!
»Korporal?«
Der zweite Mann kam näher. Steine knirschten unter seinen Stiefelsohlen. Wer auch immer das war, er kam direkt auf das Generatorhaus zu und musste sie unweigerlich entdecken! Abbida duckte sich neben ihren Gefangenen hinter einen der Generatoren und presste den Rücken fest gegen die Wand. Cole blieb keine Zeit, ein Versteck zu suchen, er baute sich hinter der Tür auf, den Prügel schlagbereit.
»Korporal! Was treiben Sie da drin? Machen Sie Meldung!«
Gehetzt wechselten Abbida und Cole einen Blick. Falls er sie entdeckte, würde er sie schneller erschießen, als sie Abschied nehmen konnten.
Die Schritte verhielten. In der weit offenstehenden Tür blockierte die Silhouette eines hochgewachsenen Mannes das einfallende Sonnenlicht. Im Gegenlicht war sein Gesicht nicht zu erkennen, nicht zu übersehen waren jedoch die Umrisse der Waffe in seiner Hand. Der Sicherungshebel knackte. Dieses Geräusch würde Abbida im Leben nie wieder vergessen. Sie hielt den Atem an, ihr Herz klopfte bis zum Hals.
Wild schaute sie sich nach irgendeiner Waffe um, aber um zum Werkzeugschrank oder auch nur einem Besen zu gelangen, müsste sie ihre Deckung aufgeben. Sie käme ihm direkt vor den Lauf.
In den Schatten hinter der Tür hob Cole den Holzprügel an, bereit zuzuschlagen.
Der Soldat betrat das Generatorhaus, Schritt für Schritt, die Waffe im Anschlag. »Korporal? Sind Sie da drin? Was bei allen Teufeln treiben Sie da?«
Er wandte den Kopf zur Seite, dorthin, wo Cole im Halbdunkel lauerte. Irgendetwas musste der Soldat gehört oder gesehen haben, er wirbelte herum und trat mit der Stiefelsohle gegen die Tür. Sie krachte gegen Cole und schleuderte ihn gegen die Wand. Bevor er sich wieder fing, brachte der Soldat die Waffe in Anschlag, zielte auf Coles Oberkörper, zögerte einen Moment. Abbida zögerte nicht.
Sie hechtete vor, hieb ihm mit aller Kraft den Ellbogen in die Nieren. Mit einem Grunzlaut fiel er auf die Knie. Sie warf sich auf ihn, presste ihm die Arme an den Leib und drückte ihn mit ihrem ganzen Gewicht zu Boden. Sie war nicht schwer genug. Er bäumte sich auf und warf sich herum, schleuderte sie über die Schulter und warf sich auf sie. Sein Gewicht presste ihr die Luft aus den Lungen.
Blitzschnell packte er ihre Handgelenke, riss sie über ihren Kopf und stütze sich mit den Ellbogen auf ihre Schlüsselbeine. Seine Füße umschlangen ihre Unterschenkel und zwangen sie zur Seite, in eine unmögliche Haltung. Ihre Gelenke brannten, sie bekam Panik, er würde ihr die Schultern auskugeln oder die Beine brechen.
Cole hieb ihm mit dem Prügel über den Schädel.
Es gab ein hässliches Geräusch, der Soldat stieß keuchend die Luft aus, krachte mit der Schläfe gegen den Steinboden und blieb liegen.
Abbida keuchte. Sie kämpfte sich unter dem jetzt reglosen Mann hervor und rieb ihre geschundenen Kniegelenke. »Lebt er noch?«
Cole tastete nach seinem Puls und nickte grimmig. Trotz allem atmete sie auf. Der Soldat war noch jung, jünger als sein Korporal. Sie wollte sein Blut nicht an ihren Händen kleben haben. Nichts von all dem wollte sie. Die Gewalt, die Angst. Es sollte einfach nur … Sie fuhr sich übers Gesicht. »Was jetzt?«
»Jetzt kommt der schwierige Teil. Jetzt müssen wir das Monstrum da draußen in die Luft kriegen.«

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Mehr über und von Joey Schaefers auf ihrer Website.



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