10. November 2017

'Weisses Gold: Im Sog der Gier' von Ute Bareiss

Der Schwarzmarkt für Elfenbein boomt!

Meeresbiologe Alex Martin stößt bei seiner Arbeit für die Naturschutzbehörde in Thailand auf Schmuggler. Dadurch gerät er ins Fadenkreuz einer mächtigen Organisation. Mit seinem Freund, dem thailändischen Ermittler Jaidee, begibt sich Alex auf die Spur des weißen Goldes. Sie führt von den afrikanischen Savannen durch das Rotlicht-Milieu Phukets bis in die obersten chinesischen Geschäftsetagen.

Immer tiefer dringen Alex und Jaidee in den Sumpf des organisierten Verbrechens vor. Dabei machen sie eine grausame Entdeckung ...

Gleich lesen:
Für Kindle: Weisses Gold: Im Sog der Gier (Alex-Martin-Thriller 2)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Der Handkantenschlag in Richtung seiner Kehle kam ohne Vorwarnung. Nur ein kurzes Zucken der linken Augenbraue seines Gegners, bevor die Hand auf ihn zuschoss. In letzter Sekunde konnte Alex sich ducken, da zielte schon ein Sidekick auf seine Nieren. Mit einem Schritt brachte er sich in Sicherheit und versuchte seinerseits, einen Tritt in Richtung des Knies seines Gegners anzubringen, der dem mühelos auswich. Alex blendete die Schreie und Kampfgeräusche um sich herum aus und konzentrierte sich nur auf sein Gegenüber.
Der um einen knappen Kopf kleinere Thai war ihm in den Kampftechniken haushoch überlegen. Obwohl er kräftig gebaut war, waren seine Bewegungen von einer geschmeidigen Eleganz. Unwillkürlich musste Alex beim Spiel seiner Muskeln an einen Panther denken. Er tänzelte auf der Stelle und auch der Sprungkick kam ohne Vorwarnung. Reflexartig wich Alex aus. Der Fuß streifte ihn nur, doch kaum war er wieder aufgekommen, da raste schon eine Faust auf Alex zu. Er blockte mit seiner Elle und ging seinerseits in die Offensive mit einem angetäuschten Schlag, dem er einen Drehkick folgen ließ.
In kurzer Reihfolge prasselten Schlag um Schlag, Kicks und Tritte aufeinander, begleitet von lautem Keuchen.
Abermals konnte Alex nur haarscharf einem Sprungkick ausweichen. Ein Stechen jagte durch seinen Rücken. Der Schweiß rann ihm trotz des Stirnbands in die Augen, er blinzelte. Sein Gegner nutzte die kurze Zeit der Unaufmerksamkeit sofort aus und brachte Alex mit einem Fußfeger zu Fall. Geistesgegenwärtig konnte er ihn im Sturz am Arm packen und mit sich ziehen. Sofort warf sich Alex auf ihn und drückte ihm den Unterarm an die Kehle.
„Gibst du dich geschlagen?“ Keuchend rang er nach Luft.
Jaidee lachte auf und schob Alex von sich herunter. „Im Ernstfall hättest du gegen mich keine Chance, mein Freund. Doch dein Stil hat sich bedeutend gebessert, man merkt dir an, dass wir öfter trainieren. So langsam muss ich aufpassen.“
Ebenfalls lachend erhob sich Alex. Wieder jagte ein Stechen durch seinen Rücken und er verzog das Gesicht.
„Was ist, habe ich dir wehgetan?“ In Jaidees Miene kämpfte Spott gegen Sorge.
„Das würde dir so gefallen! Nein, ich habe mir heute Mittag beim Ausladen der Tauchflaschen wohl einen Muskel gezerrt.“
„So siehst du aus! Ein Siebzigjähriger hält sich besser. Die Mitte dreißig nimmt dir bei der Haltung keiner ab“, stichelte Jaidee mit gutmütigem Lächeln. „Unsere Nachbarin versteht sich hervorragend auf Thai-Massage – sie bekommt deinen Rücken bestimmt wieder hin. Warum gehst du nicht zu ihr, während Malee uns was zu essen zubereitet? Sie würde sich freuen, dich mal wiederzusehen!“
Alex klopfte sich den Staub von der Trainingshose. „Manchmal hast du richtig gute Ideen.“ Eine Massage und die exzellente Küche von Jaidees Frau waren verlockende Aussichten.
„Gut, dann melde ich dich an.“
Sie verneigten sich mit gegeneinander gelegten Handflächen voreinander.

Die warme Luft auf Phukets Straßen ließ ihn wie gegen eine Wand laufen, als sie aus der Trainingshalle hinaus ins Freie traten. Obwohl Alex kalt geduscht hatte, und die Sonne bereits untergegangen war, trieb es ihm sofort den Schweiß auf die Stirn. Auf den Helm verzichtete er, mit einem Polizisten als Begleiter würde ihm keiner einen Strafzettel aufbrummen. Er band nur die nackenlangen blonden Haare zusammen und ließ sich den abgasgeschwängerten Fahrtwind kühlend um den Kopf wehen, als er Jaidees Roller durch den dichten Verkehr von Chalong in Richtung Südwesten folgte. Obwohl es Abend war, hatte der Verkehr noch nicht nachgelassen, eine dichte Smogwolke hing über der Stadt. In Schlangenlinien kämpften sie sich mit den anderen Zweirädern zwischen den zahllosen Autos hindurch. Glücklicherweise wurde der Verkehr außerhalb der Stadt lichter und Alex konnte endlich Gas geben. Er überholte eine vierköpfige Familie, die sich auf einen kleinen Roller drängte, und zog auch an Jaidee vorbei. Das tiefe Brummen seiner Triumph Thunderbird übertrug sich entspannend auf seinen Körper. Er gab mehr Gas, genoss die Geschwindigkeit. Erst als das Licht von Jaidees 125er Roller fast nicht mehr im Rückspiegel zu sehen war, wurde er langsamer und ließ diesen überholen.
Alex folgte ihm nach Rawai, wo Jaidee mit seiner Frau Malee und den beiden Kindern etwas abgelegen vom Touristentrubel der umliegenden Hotels wohnte. Er parkte direkt vor dem Nachbarhaus.

Das hölzerne Schild „Thai Massage“, das direkt an der Tür hing, war ihm bislang nie aufgefallen, so unauffällig fügte es sich in die Holzfassade ein. Werbung schien die drahtige Frau mit den kurzen Haaren, die sich als Niki vorstellte, nicht nötig zu haben.
Alex musste gut fünf Minuten warten, bis er drankam. Der Geruch nach Duftölen und die leisen Klänge der Chang Dao- Musik entspannten ihn, beinahe wäre er in dem bequemen Sessel eingeschlafen. Dass ein einheimischer Kunde hinter dem Vorhang hervorkam, war ein gutes Zeichen, es war keine auf Touristen ausgerichtete Massage. Dementsprechend kräftig war sie auch.
Geschmeidig wie eine Katze kletterte Niki, trotz ihrer sicher schon sechzig Jahre, auf ihm herum, bearbeitete ihn zuerst mit Ellbogen und Knien, bevor sie sich auf ihn stellte und seine Muskelstränge mit den Fußsohlen bearbeitete – immer hart an der Schmerzgrenze. Seinen gezerrten Muskel bearbeitete sie gezielt mit Tigerbalsam und knetete die Verhärtung mit den Händen heraus.
„Was hast du hier gemacht?“ Sie drückte auf die harte Stelle an seinem Schulterblatt.
„Das war eine Schussverletzung, hier hat eine Kugel gesteckt. Darunter ist Narbengewebe, keine Muskelverhärtung.“ Der Tätowierer, der das Drachentattoo, das sich über seinen gesamten Rücken bis auf die Oberarme zog, an den vernarbten Stellen nachgestochen hatte, hatte wirklich gute Arbeit geleistet. Es war nicht mehr viel davon zu sehen.
„Eine Schussverletzung?“, echote sie. Auch wenn er ihr Gesicht nicht sehen konnte, da er auf dem Bauch lag, konnte er ihre Neugierde deutlich heraushören.
„Ja, ich war zur falschen Zeit am falschen Ort“, erwiderte er lapidar.
Sie schien zu spüren, dass er nicht darüber reden wollte, und ging dazu über, ihn ausgiebig zu dehnen.
Nach und nach entspannte er. Teilweise musste er die Zähne zusammenbeißen und sich zwingen, locker zu bleiben. Doch beim Aufstehen hinterher merkte er eine deutliche Verbesserung – er fühlte sich wie neugeboren.
„Es war wundervoll, khop khun khrap“, bedankte er sich. Er gab ihr noch ein reichliches Trinkgeld und versprach, baldmöglichst wiederzukommen.

Im Kindle-Shop: Weisses Gold: Im Sog der Gier (Alex-Martin-Thriller 2)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Ute Bareiss auf ihrer Website.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen