4. November 2017

'Kein Mord verjährt' von Janette John

»Die Seele eines Kindes ist so klar wie das Wasser. Wird sie beschmutzt, leidet man ein Leben lang.«
Janette John

Angenommen DEIN Kind verschwindet spurlos.
Und Tag für Tag verfolgen DICH die gleichen Fragen.
Wo ist es? Geht es ihm gut?
Würdest DU daran zugrunde gehen?

Konstanz 2014. Als Linda Wendel am Abend von ihrer Schicht nach Hause zurückkehrt, ist ihr zehnjähriger Sohn wie vom Erdboden verschwunden. Sie glaubt, der Kleine hätte sich nur versteckt, denn es gibt weder Anzeichen für einen Einbruch noch für einen Unfall. Der Junge bleibt verschollen. Selbst eine groß angelegte Suchaktion der Polizei zeichnet keinen Erfolg.

Konstanz Jahre später. In einer Kiesgrube finden Arbeiter einen Schädel sowie die Stoffreste eines Schlafanzuges. Ein Abgleich mit dem Gebiss bringt schließlich die traurige Wahrheit ans Licht. Es ist Tim, der vermisste Junge. Doch wie ist er dorthin gekommen? Und was hat sich damals tatsächlich ereignet?

Als plötzlich eine junge Frau aus ihrer Wohnung, unweit der von Familie Wendel, verschwindet und keine Spuren hinterlässt, wird die Konstanzer Kriminalpolizei hellhörig. Besteht etwa ein Zusammenhang zwischen den beiden Fällen und wenn ja, welcher?

Gleich lesen: Kein Mord verjährt (Kripo Bodensee 6)

Leseprobe:
Nadine drehte den Wasserhahn zu, tauchte in den Schaum und schloss die Augen. Doch, statt sich nach dem Joggen zu entspannen, geisterten ihr wirre Bilder durch den Kopf. Eine Vermisste? Vielleicht hätte ich nachfragen sollen. Ohne es zu wollen, sprangen ihre Gedanken zurück zu Tim Wendel. Der Fall wollte nicht aus ihrem Kopf. Blieb noch das Ergebnis von Hendrick abzuwarten. Nadine ahnte nicht, dass er genauso unruhig war wie sie und wissen wollte, zu wem die Knochen auf seinem Tisch gehörten. Entgegen seiner Art, nochmals ins Büro zu gehen, tat er es im schwarzen Anzug.
Hendrick zog sein Jackett aus, legte es über die Stuhllehne und krempelte die weißen Hemdsärmel hoch. Danach machte er sich umgehend an die Arbeit. Der Rechtsmediziner verglich die Zähne des Schädels mit den Ante-mortem-Aufzeichnungen des behandelnden Zahnarztes, die er von Nadine Andres erhalten hatte. Die in der Behandlungskartei aufgenommenen Kleinbildröntgenaufnahmen dokumentierte er mit den Aufnahmen, die er post mortem vom Gebiss gemacht hatte. Sein Fazit war eindeutig. Zweifelsohne handelte es sich bei dem Toten, dessen Knochen man gefunden hatte, um Tim Wendel. Das Rätselraten fand sein Ende.
Hendrick faltete die Hände über den Bauch und lehnte sich zurück. Er schloss die Augen und fühlte einen brennenden Schmerz, den er dem wenigen Schlaf nachts zuvor zuschrieb. Er beugte sich vor an den Schreibtisch, griff zum Handy und wählte die Nummer der Kollegin. Wenigstens sie sollte aus erster Hand das Resultat erfahren.
Der Rechtsmediziner musste es mehrmals klingeln lassen, bis Nadine endlich abnahm. Nur mit einem Handtuch bekleidet, nannte sie ihren Namen und hatte ganz vergessen, aufs Display zu schauen. Um diese Zeit telefonierte sie meist nur mit Freunden. Mit Hendricks Anruf hatte sie nicht gerechnet und meldete sich dementsprechend flachsig: »Wer stört?«
Hendrick musste schmunzeln. »Gevatter Tod«, antwortete er ebenso frech.
Doch bis Nadine die Situation einzuschätzen vermochte, hatte er sich mit Namen gemeldet. Sie schluckte und befürchtete, worum es ging.
»Sie hatten den perfekten Riecher, Frau Andres. Es ist der gesuchte Junge.«
Mit dem Lob konnte Nadine nichts anfangen. Viel lieber hätte sie sich eine andere Antwort gewünscht. Andererseits nach so vielen Jahren konnte niemand mehr mit dem Auftauchen des Buben rechnen. Zumindest nicht ohne gesundheitliche Blessuren. »Ich dachte, Sie wollten ins Theater gehen«, versuchte sie, vom Ernst der Lage abzulenken.

Im Kindle-Shop: Kein Mord verjährt (Kripo Bodensee 6)

Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



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