4. Oktober 2017

'Intermezzo' von Lisa Torberg

Ein Wolkenkratzer, ein attraktiver Mann, eine undurchsichtige Frau …

Der Edinburgher Wirtschaftsanwalt Gordon Strange ist erfolgreich, attraktiv und – zufrieden. Zum Glücklichsein fehlt ihm die richtige Frau. Samantha, seine Londoner „Freundin mit Privilegien“ für einsame Stunden, hat ihn bereits vor Monaten abserviert. Nur zwei Tage vor seinem vierzigsten Geburtstag überkommt ihn Torschlusspanik. Als er in der luxuriösen Hotel-Lounge des höchsten Wolkenkratzers Europas einer undurchsichtigen Frau mit eisblauen Augen begegnet, die ihn zugleich anzieht und abstößt, trifft er eine verhängnisvolle Entscheidung.

INTERMEZZO ist das zweite Buch der Reihe "Sam's Sweet & Spicy".

Gleich lesen: Intermezzo (Sam's Sweet & Spicy 2)

Leseprobe:
Vier Jahre zuvor war sie im O’Neill’s im abendlichen Gedränge gegen seinen Tisch gelaufen. Da er erst wenige Schlucke seines Pints getrunken hatte, ergoss sich fast ein halber Liter Guiness über seine Hose. Temperamentvoll hatte sie sich auf ihn gestürzt und seine Oberschenkel mit einer Handvoll Papierservietten bearbeitet. Er war so sehr von ihren tizianroten Locken und den katzengrünen Augen fasziniert gewesen, dass er später nicht zu sagen wusste, ob er die Erektion ihrem Aussehen oder ihren Händen zu verdanken hatte. Als sie seine offensichtliche Erregung bemerkte, innehielt und ihn aus ihrer knienden Position nach oben hin mit hochrotem Gesicht verlegen anlächelte, war es um ihn geschehen. Er hatte sie hochgezogen und zwei Bier bestellt. Zwei Stunden später waren sie in seinem Zimmer im Double Tree Hilton Westend gelandet. Ab diesem schicksalhaften Aufeinandertreffen hatte er die Abende in der Hauptstadt immer mit ihr verbracht. Aus dem einmaligen ungezwungenen, fantastischen Sex war eine freundschaftliche Beziehung entstanden, die jedoch außerhalb der klassischen Maßstäbe lag. Sie telefonierten nie, sendeten einander keine Weihnachtskarten, schrieben keine Mails. Sobald er einen Prozesstermin in London hatte, was drei- oder viermal im Jahr der Fall war, schickte er ihr eine SMS, die sie mit einem knappen »Ja« und der Uhrzeit beantwortete, zu der sie sich im O’Neill’s treffen würden.
Sam, humorvoll während ihrer Tischgespräche und leidenschaftlich im Bett, nannte ihn Stranger, in Anlehnung an seinen Nachnamen. Aber mit der Bezeichnung Fremder hielt sie ihn auch auf Distanz und fragte ihn nie nach seinem Leben in Edinburgh. Im Gegenzug erwartete sie von ihm das Gleiche. »Ich will mich nicht binden, habe keine Lust auf eine komplizierte Beziehung und lebe für meine Arbeit.« Über ein Jahr hatte er nicht einmal genau gewusst, was sie eigentlich beruflich machte. Bei ihrem vierten Treffen kam sie mit zehn Minuten Verspätung, zerzaust und außer Atem, und roch atemberaubend nach Schokolade. Der berauschende Duft nach Kakaobohnen und dem leichten Aroma von Vanille hatte ihn ihre Abmachung vergessen lassen. Zwar wusste er, dass sie in kleinem Rahmen Caterings organisierte, doch er wollte mehr erfahren. Auf seine Frage antwortete sie knapp, dass sie auch kochte, bevor sie das Thema wechselte. Am nächsten Morgen, sie war wie immer bereits im Morgengrauen aus seinem Hotelzimmer verschwunden, fand er eine Visitenkarte auf dem Nachttisch, die er in der Brieftasche verstaute. Erst nach dem Prozessende und seiner Heimkehr nach Edinburgh fiel sie ihm in die Hände, als er die Spesenbelege für seine Sekretärin zusammensuchte. Als er den Namen Sam’s Sweet & Spicy googelte, stellte er erstaunt fest, dass Samantha nicht nur als Frau, was er ja bereits wusste, sondern auch beruflich absolut nicht durchschnittlich war. Ihre Biografie las sich wie ein Märchen. Unmittelbar nach dem Highschool-Abschluss trat Samantha Stevenson in die Akademie Le Cordon Bleu ein, absolvierte das begehrte Grand Diplôme in Kochkunst, danach das in Patisserie und nahm das Dritte in Angriff. Nach dem Culinary Management Diplom ging sie nach Belgien auf die Chocolate Academy. Mit nur dreiundzwanzig Jahren wurde sie zum ersten Chocolate Master der Welt gekürt und gewann zwei Jahre später in Lyon den Silver Bocuse.
Gordon erinnerte sich noch gut daran, wie klein und unzulänglich er sich damals gefühlt hatte, als er mit offenem Mund staunend auf den Bildschirm starrte. Er war acht Jahre älter als sie und sicherlich auf dem richtigen Weg, um einer der besten Wirtschaftsanwälte Schottlands zu werden, doch er verdankte dies zu einem großen Teil seinem Vater. Der hatte ihm das Gen der Starrköpfigkeit und die Liebe zu den Rechtswissenschaften in die Wiege gelegt und die renommierte Anwaltskanzlei gleich dazu.
Als er Sam während des nächsten Treffens auf ihren beruflichen Erfolg ansprach, hatte sie nur abgewinkt. »Stranger, bitte, lass uns nicht darüber reden und unsere Beziehung so fortführen, wie sie ist. Zwanglos und außerhalb der Grenzen unseres Alltagslebens. Ich mag deinen Körper, deine Hände auf meinem, deinen Mund, deine Lippen ...« Aufstöhnend hatte sie ihn an sich herangezogen und leidenschaftlich geküsst, bis er alles vergaß, außer der sinnlichen Frau in seinem Bett. Und dabei war es auch geblieben. Bis vor etwa zwei Monaten.

Im Kindle-Shop: Intermezzo (Sam's Sweet & Spicy 2)

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



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