16. August 2017

'Der Flug der Libellen' von H.C. Scherf

Seit Jahren verschwinden Prostituierte im Ruhrgebiet.
Keine Leichen. Keine Spuren.
Nichts kann den Killer aufhalten.

Die erst 10jährige Andrea Lesbe und ihr gleichaltriger Freund leiden schon in der Schule unter Mobbing. Die Mitschüler machen ihnen das Leben zur Hölle. Was die Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht wissen können: Ein Hurenmörder beginnt gleichzeitig sein perfides Werk. Unaufhaltsam verbindet sich ihr Schicksal mit dem des irren Killers. Als Andrea als Erwachsene wieder in ihre Heimatstadt Essen zieht, trifft sie nicht nur auf den einstigen treuen Freund. Sie begegnet auch einem geheimnisvollen Fremden, der sie magisch anzieht.

Hauptkommissar Schlicht ermittelt mit seiner Soko seit 16 Jahren erfolglos im Fall eines vermissten Kindes und der beängstigenden Mordserie. Erst als der Killer die Abstände seiner grausamen Taten verkürzt, finden sich erste Spuren. Damit das Geheimnis um den Serienkiller gelüftet werden kann, müssen die Beteiligten in den Vorhof zur Hölle hinabsteigen. Erst dort begegnen sie der grausamen Wahrheit.

»Ein Thriller, der die schmale Kluft zwischen Normalität und dem menschlichen Wahnsinn spannend beschreibt.«

Gleich lesen: Der Flug der Libellen

Leseprobe:
Da war es wieder, dieses Geräusch. Als würde jemand in einem Nebenraum mit schweren Ketten hantieren, sie sortieren oder verschieben. Die Dunkelheit ließ es nicht zu, dass ich auch nur das Geringste wahrnehmen konnte. Doch hatte sich in den letzten Tagen mein Gehör enorm geschärft. Ich wusste genau, wo sich die schwere Holztür befand, die der Kerl nach jedem Besuch wieder sorgfältig verriegelte. Ich glaubte, den Lichtschalter erkennen zu können, der direkt neben dem Eingang aus dem bröckeligen Putz an einem Kabel herausragte. Immer wenn er an diesem Porzellanschalter drehte, erleuchtete eine elend schwache Glühbirne diesen schrecklichen Raum. Dann konnte ich meine achtbeinigen Mitbewohner schemenhaft erkennen, die sich schon vor langer Zeit ihr Zuhause in dichten Netzen in den Zimmerecken geschaffen hatten.
Den Ekel hatte ich längst überwunden, den der feuchte Modergeruch in meinen Eingeweiden hervorgerufen hatte. Das sorgte sogar dafür, dass ich dieses Etwas, das er mir einmal am Tag als Essen in einer Metallschale servierte, durch die Kehle bekam und im Magen behielt. Das war nicht immer so, was die große Menge an Erbrochenem um mich herum eindrucksvoll bewies. Das hatte sich mittlerweile mit den Exkrementen vermischt, die ich notgedrungen, ohne weiter darüber nachzudenken, unter mich ließ. Der Urin und der Kot brannten auf meiner Haut und hatten zu Entzündungen geführt. Niemals wollte ich wissen, was sich tatsächlich in diesem Napf befand, aus dem er mich wie ein Kind fütterte. Mit wenigen Schlucken des erstaunlich sauberen Wassers schaffte ich es mittlerweile, den gröbsten Hunger und Durst zu stillen. Ich hatte mir geschworen, nicht aufzugeben, dieses Martyrium zu ertragen ... durchzuhalten bis zum bitteren Ende. Man würde mich suchen und finden, da war ich mir sicher, denn es war die letzte Hoffnung, die mich am Leben erhielt.
Die Kälte in den Gliedern spürte ich schon seit längerer Zeit nicht mehr, dafür waren die eng angelegten Kabelbinder verantwortlich, die Hände und Füße zusammenschnürten. Das ausgetretene Blut machte sich nun schmerzhaft bei jeder Bewegung bemerkbar, nachdem es sich pulverisiert unter die Fesseln geschoben hatte. Das ließ sich nicht verhindern, da ich versuchen musste, den Blutkreislauf in Gang zu halten. Meine Position veränderte ich ebenfalls laufend, da die Glieder erste Taubheitsgefühle zeigten. Ich näherte mich unaufhaltsam dem Punkt, an dem ich mir wünschte, dass dieser Wahnsinnige endlich sein perfides Werk beendete und mir die Gnade des Sterbens erwies. Längst war mein Verstand sich darüber im Klaren, dass ich diese Kammer niemals wieder lebend verlassen würde. Dafür wusste ich bereits zu viel über dieses bemitleidenswerte Wesen.
Während aus einem der umliegenden Räume weiter leises Gewinsel zu hören war, lief dieser Film vor meinen Augen ab, der mich an den weit zurückliegenden Punkt in meiner Kindheit führte, an dem eigentlich alles begann ...

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Mehr über und von H.C. Scherf auf seiner Facebook-Seite.



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