31. August 2017

'Skrupellos II - Baby Farm' von Nicole Le

Sie kamen in der Nacht …
Sie brannten alles nieder, vergewaltigten, mordeten und nahmen die Kinder als Geiseln.

Als die Journalistin Josie, eine Mutter und Überlebende des schrecklichen Überfalls in Nigeria kennenlernt, erwacht erneut ihr journalistischer Kampfgeist. Sie bittet ihre Freunde John und Keeper um Hilfe, mit welchen sie bereits zuvor einen Organhändler Ring in Kairo aufgedeckt hat (Band 1).

Dann wird auch noch ihr Kindermädchen Lucy entführt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Kann sie die Kinder aus den Fängen der Boko Haram befreien?

Nichts für schwache Nerven. Ein Thriller mit wahrem Hintergrund.

Gleich lesen: Skrupellos II - Baby Farm: Thriller, Menschenhandel, Nigeria

Leseprobe:
Dogon Dawa war ein kleines nigerianisches Dorf nördlich von Abuja. Entlang der Malam Mudi-Zaria Road schlängelten sich kleine bescheidene Häuschen. Lisha lebte seit ihrer Geburt in diesem überwiegend katholischen 2000 Einwohner Dorf. Die meisten jungen Männer und Frauen hatten das Dorf verlassen, um in den nächstgelegenen größeren Städten Arbeit zu finden. Die meisten, die hier noch lebten, waren Alte, Kranke und Kinder, die man in der Obhut der Großeltern zurückgelassen hatte. Lishas Eltern betrieben den einzigen Lebensmittelladen und ihre Kinder halfen ihnen dabei.
Es war Nacht und Lisha lag in ihrem Bett, welches sie sich mit ihren Geschwistern Osaro und Yola teilte. Die Eltern, Tayo und Chioma, schliefen im hinteren Teil des gleichen Raumes auf einer Matte. Lisha wusste nicht, was sie geweckt hatte. Sie dachte erst an einen bösen Traum, doch dann hörte sie laute Rufe draußen und jemand trat gegen ihre Wohnungstür. Diese flog mit einem Krachen auf. Es war stockfinster und sie drückte sich ängstlich gegen die Wand, als sie von dem hellen Strahl einer Taschenlampe geblendet wurde.
Bewaffnete Männer in Uniformen drangen in ihre bescheidene Unterkunft. Lishas Vater war aufgesprungen, er griff nach einem Holzknüppel, den er neben seiner Schlafmatte liegen hatte, doch die Männer waren schneller. Zwei drückten ihn nieder, verdrehten ihm die Arme auf dem Rücken, dass er laut vor Schmerzen aufschrie, dann wurde es dunkel um ihn. Einer der Männer hatte ihm mit dem Gewehr auf den Kopf geschlagen. Mit blutigem Schädel, direkt neben Lishas Matratze lag er nun. Seine Augen waren schreckgeweitet, doch er bewegte sich nicht mehr.
„Nein!“ Lishas Mutter schrie, außer sich vor Angst um ihren Mann und ihre Kinder. Sie stürzte zu Tayo und fiel neben ihm auf die Knie. Die Hände zum Schutz gegen die Männer hoch erhoben. Yola, die 10-jährige Schwester von Lisha weinte, Osaro, der 13-jährige Bruder, war stumm. Mit fest aufeinander gepressten Lippen verfolgte er schweigend das ganze Geschehen. Einer der Männer kam zu Lisha, packte ihr Gesicht mit einer Hand unter dem Kinn und drückte schmerzhaft zu. Er hatte goldene Zähne und roch aus dem Mund. Auf Kanuri sagte mit einem rauen Lachen zu den Anderen gewandt:
“Die gehört mir!“
Als Lishas Mutter das hörte, schrie sie noch lauter. Sie bettelte und flehte, man möge ihrer Tochter nichts tun, doch die Männer lachten nur und packten sie am Arm und zerrten sie hinaus.
Draußen sah Chioma das ganze Ausmaß des nächtlichen Überfalls. Freunde und Nachbarn drängten sich im Mondlicht eng aneinander. Sie weinten verängstigt und manche schrien. Tote und Verletzte lagen überall verstreut auf dem Boden. Manche erschlagen, bei dem Versuch zu entkommen. Blut tränkte die staubige Erde. Die Männer führten Chioma hinter das Haus. Dort musste sie sich ausziehen. Sie versuchte ihre Blöße mit den Händen zu bedecken. Sie ahnte was kommen würde. Zu oft waren Menschen bei einer Aktion der Boko Haram zu Tode gekommen und entführt worden. Alles was sie sich wünschte war, dass man ihre Kinder verschonen würde.
Ein bulliger Mann in Militäruniform trat zu ihr und zerrte ihre Arme weg, damit er sie betrachten konnte. Die Männer lachten. Der Bulle, drückte sie zu Boden und kniete sich hinter sie. Er öffnete seinen Gürtel und ließ die Hose hinab, während er sie abschätzig betrachtete. Sie kniete vor ihm wie ein Hund. Niemand half ihr, als einer nach dem anderen seine Bedürfnisse an ihr befriedigte. Sie schlugen sie, kniffen hart in ihre Brustwarzen, bissen hinein und steckten ihre Schwänze in alle Öffnungen ihres Körpers. Hilflos und weinend ließ sie alles über sich ergehen in der Hoffnung, dass sie danach weiterzogen, ohne ihren Kindern etwas anzutun. Bewusstlos und blutend, ließen sie sie danach im Staub, hinter ihrem brennenden Haus liegen.
Als sie wieder aufwachte, qualmten die Häuser ihres Dorfes, oder besser gesagt, dass was von ihnen übrig war. Beißender Rauch ließ sie husten. Blut floss ihre nackten Beine hinab. Sie konnte kaum etwas sehen. Ihre Augen waren zugeschwollen, die Lippen blutig. Sie stand wackelig auf und sah sich um, von ihren Kleidern war nichts zu sehen. Überall lagen Leichen von alten Frauen und Männern. Man hatte ihnen den Schädel eingeschlagen oder den Kopf und Gliedmaßen abgetrennt. Die Häuser waren alle abgebrannt. Sie rief mit rauer Stimme nach ihren Kindern, doch niemand antwortete. Sie humpelte weiter und fand die halb verkohlte Leiche ihres Mannes Tayo. Von ihren Kindern fehlte jede Spur.
Der Schmerz traf sie mit voller Wucht. Weinend brach sie neben Tayo zusammen und fiel auf die Knie. Aus ihrem tiefsten Inneren drang ein lauter kehliger Schrei.

Im Kindle-Shop: Skrupellos II - Baby Farm: Thriller, Menschenhandel, Nigeria

Mehr über und von Nicole Le auf ihrer Facebook-Seite.



30. August 2017

'Back to the Fact: Eine persönliche Zeitreise in die 80er und zurück ...' von Michael Kraft

Great Scott! Fake News, alternative Fakten, Lügenpresse – Begriffe, denen man im postfaktischen Zeitalter kaum noch entkommen kann. Früher war alles besser, das weiß doch jeder! Retro und Nostalgie sind derzeit sehr populär, die Sehnsucht nach besseren Zeiten ist nicht zu übersehen.

Doch war die gute alte Zeit wirklich besser? Oder neigen wir dazu, uns nur an die guten Dinge zu erinnern und vergessen dabei, dass wir in einer Gegenwart leben, für die wir die Weichen in ebendieser „guten alten Zeit“ selbst gestellt haben? Dieses Buch versucht, in einer sehr persönlichen Zeitreise quer durch die letzten vierzig Jahre an Vergangenes zu erinnern und es in Relation zu Behauptungen der Postfaktaten zu setzen. Denn die Rückkehr zu den Fakten ist angesichts von Brexit, Trump und AfD mehr als überfällig.

Über die aktuellen Auswirkungen von Fakenews, Brexit und Trump führte der Autor für dieses Buch Gespräche mit:
Christiane Link (in Großbritannien lebende Journalistin und Unternehmerin)
Eva-Maria Lemke (Journalistin, Autorin, Moderatorin von ZDF heuteplus)
Donna Mayne (Expertin für das US-Gesundheitswesen)

Gleich lesen:
Für Kindle: Back to the Fact: Eine persönliche Zeitreise in die 80er und zurück ...weil früher auch nicht alles besser war!
Als Taschenbuch (versandkostenfrei): Buch bei Bücher.de

Leseprobe:
Die ominöse Informationsblase und der Backfire-Effect

Zu der Verantwortung des Publikums gehört es auch, sich nicht nur auf einzelne Quellen zu verlassen. Selbst die seriösesten Quellen können bisweilen irren und dann ist es gut, Nachrichten durch verschiedene Perspektiven zu verifizieren oder gegebenenfalls auch zu widerlegen. Den Nachrichtenmachern hilft das im Übrigen auch dabei, ein hohes Niveau zu halten, denn natürlich neigen Menschen dazu, in Routine zu verfallen und weniger sorgfältig zu arbeiten, wenn die Kunden offenbar auch mit geringerer Qualität zufrieden sind.
Heute ist oft die Rede von der sogenannten Informationsblase. Aber was versteht man darunter? Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass Menschen dazu tendieren, sich nur aus solchen Quellen zu informieren, die ihre (vorgefassten oder erworbenen) Meinungsbilder bestätigen und ihnen tendenziell zustimmen. Das ist zunächst nicht ungewöhnlich. Natürlich bedient man sich lieber aus einer Nachrichtensendung, deren Moderation man interessant und sympathisch findet als aus einer, bei der schon die Stimme des Nachrichtensprechers nervt. Kommen dann noch Tendenzen oder Meinungsbilder hinzu, die sich nicht mit dem eigenen decken, verzichtet man gerne auf diese Quellen.
Ist das nun ein neues Phänomen? Ich sage nein. In der Schule konnte man die Lehrer normalerweise auch immer einer gewissen politischen Ausrichtung zuordnen. Das war vermutlich in unsrer Generation besonders deutlich zu spüren, weil da schon äußerlich manche die 68er-Generation heraushängen ließen. Sah man also den stockkonservativen Lehrer mit Aktentasche, Anzug und Krawatte, der einen BMW auf dem Parkplatz stehen hatte, überraschte es nicht, dass er in Pausen die „F.A.Z.“ oder „Die Welt“ auf dem Pult liegen hatte. Umgekehrt packte der langhaarige, jeansjackentragende und entenfahrende Sozialkundelehrer dann eben den „Spiegel“ oder die „Frankfurter Rundschau“ aus. Nun gehören all diese Zeitungen und Zeitschriften natürlich zum normalen demokratischen Berichtsspektrum, aber es war schon damals so, dass man an den Aussagen der Leute oft nachvollziehen konnte, welches Blatt sie lasen.
Ein anderes, besonders treffendes Beispiel für die Informationsblase in früheren Zeiten ist der klassische Stammtisch. Er lässt sich sogar besonders gut mit den Verhältnissen in der Online-Welt vergleichen. Auch hier gibt es immer wieder geschlossene Gruppen, Foren und Systeme, die sich in den sozialen Netzwerken untereinander austauschen. Da werden hanebüchene Behauptungen aufgestellt, wer am lautesten redet, hat in der Regel Recht und wer eine entgegengesetzte Meinung vertritt, wird von den anderen oft niedergebrüllt oder im Wiederholungsfall sogar ausgeschlossen. Das führt sowohl beim herkömmlichen Stammtisch als auch in den modernen Internet-Stammtisch-Gruppen dazu, dass sich eine vorherrschende Meinung verbreitet. Ob das nun eine besonders radikale Haltung zu Ausländern, zur Flüchtlingsfrage, Parteipolitik oder Umweltschutz ist, hängt dabei von der generellen Ausrichtung ab. Denn auch das war schon immer so: Stammtischbewegungen gibt es natürlich in allen politischen Lagern. Die Antifa mag es nicht Stammtisch nennen, aber bei ihren Zusammenkünften in geselliger Runde (ob nun online oder offline) sind die Verhaltensweisen gegenüber Andersdenkenden in der Diskussionskultur oft nicht wesentlich anders als bei anderen Extremisten.
Experten sehen die Parallelität zwischen dieser alten Form der Informationsblase und dem Internet durchaus ebenso. Allerdings wird der große Unterschied in der Regel daran festgemacht, dass die Natur der sozialen Netzwerke dafür sorgt, dass man irgendwann nur noch Meinungen und Beiträge sieht, die mit der eigenen Ansicht konform gehen. Das liegt an den berühmten Algorithmen. Ob Suchmaschine oder soziales Netzwerk: Alle sammeln sie Daten und lernen mit jeder neuen Eingabe des Users mehr über seine Vorlieben, sein Verhalten und seine Einstellungen.
Nun mag man das Thema „Datenkraken“ gesondert betrachten; darum geht es jetzt aber nicht. Vielmehr würde man in einem sozialen Netzwerk natürlich mit der Vielzahl an unterschiedlichen Meldungen total überfordert, wenn alles ungefiltert angezeigt würde. Eine sinnvolle Sortierung ist daher unerlässlich. Selbstverständlich möchte ich als Nutzer zunächst mal die Beiträge von Leuten sehen, für die ich mich selbst interessiere und mit denen ich interagiere. Auf Facebook entwickelt sich das je nach Häufigkeit der Interaktion mit anderen. Obwohl ich also mit Person A und B befreundet sein kann, ist es möglich, dass ich von Person B wesentlich häufiger Beiträge angezeigt bekomme, weil wir durch Likes und Shares eventuell viel mehr miteinander interagieren als ich und Person A.
Das führt dann zwangsläufig dazu, dass man sich innerhalb des eigenen Dunstkreises bewegt. Das gilt nicht nur für die Freunde und Bekanntschaften, sondern auch für Gruppen, Seiten und andere Inhalte, die man im Zuge der User-Erfahrung anklickt. Nicht immer liegt der Algorithmus richtig. Aber generell scheinen die Programmierer die Interessen schon richtig zuzuordnen, sonst würde das Ganze nicht so funktionieren, wie es offensichtlich der Fall ist.
Aber auch da sehe ich noch nicht unbedingt den großen Unterschied zu früher. Denn seien wir mal ehrlich: Auch wir haben uns auf dem Schulhof innerhalb der mehr oder weniger zahlreichen Freunde bewegt, mit denen wir direkt zu tun hatten und die wir mochten. Die Meinung anderer hat uns nicht sonderlich interessiert und bestimmte Leute im Klassenverband übernahmen die Meinungsführerschaft – in der Regel auch diejenigen, die später zum Klassensprecher gewählt wurden. War man substanziell anderer Ansicht, wurde man rasch zum Sonderling oder gar Außenseiter in der Klassengemeinschaft.
Und das ist letztlich überall so: Am Stammtisch, im Verein, manchmal sogar in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz. Trotzdem wird die Informationsblase im Internet als gravierender betrachtet. Das Argument lautet dabei, dass man in der elektronischen Infoblase gar keine anderen Angebote mehr wahrnehmen kann, weil eben nur noch das angezeigt wird, was man in der Blase sehen möchte. Diese Argumentation macht Sinn. Und es stimmt auch, dass die meisten Menschen beim Kauf der bevorzugten Zeitung im Kiosk automatisch auch einen Blick auf die Schlagzeilen anderer Blätter werfen, die dort im Regal stehen. Aber nimmt man sie deswegen auch zur Kenntnis? Die wenigsten Menschen kaufen sich mehrere Zeitungen entgegengesetzter Ausrichtungen, wenn überhaupt, dann meist aus beruflichen Gründen, um ein abgerundetes Meinungsbild zu erhalten. Aber der Durchschnittskunde, der seine „BILD-Zeitung“, die „F.A.Z.“ oder den „Spiegel“ kauft, verwendet in der Regel keine Sekunde darauf, etwas anderes als sein gewohntes Meinungsbild wahrzunehmen. Insofern sehe ich keinen gewaltigen Unterschied zu der heutigen Informationsblase, was das betrifft.

Im Kindle-Shop: Back to the Fact: Eine persönliche Zeitreise in die 80er und zurück ...weil früher auch nicht alles besser war!
Als Taschenbuch (versandkostenfrei): Buch bei Bücher.de

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29. August 2017

'Iss was!? Zwischen Kuchenlust & Hungerfrust im Modelbiz' von Kate Delore

„Da stand ich nun. Ein Model aus Bayern, mit einem Bikini im Gepäck, mitten in Brooklyn. Die Gegend sah genauso aus wie im Film. Nur saß ich nicht gemütlich mit Popcorn auf der Couch und schaute mir den Film an, sondern spielte darin mit!“

Kate Delore erlebt während ihres Werdegangs als Model Höhen, Tiefen und jede Menge Überraschungen. Immer wieder gilt es, sich neu zu erfinden.

Charmant erzählt Kate vom Casting-Wahnsinn und bunt gestreuten Shootings für Kataloge, Magazine und Werbespots. Ein absoluter Traumberuf, wäre da nicht immer dieses Hungern, um kein Gramm zu viel auf die Waage zu bringen. Irgendwann reicht es ihr! Da sie ihren geliebten Beruf nicht aufgeben will, schlägt sie einen anderen Weg ein und springt auf den Zug der erfolgreichen Plus-Size-Models auf. Doch dann verändert ein persönlicher Schicksalsschlag wieder alles ...

Gleich lesen:
Für Kindle: Iss was!? Zwischen Kuchenlust & Hungerfrust im Modelbiz: Mit 22 Insider-Tipps für angehende Models
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Essen ist Lebensfreude. Essen ist Genuss. Essen ist Entspannung. Das wusste ich nur allzu gut aus meinen gar nicht so weit zurückliegenden Plus-Size-Zeiten. Als Plus-Size-Model hatte ich es leicht gehabt: „Let’s get fat!“, so wie damals eine mollige amerikanische Modelkollegin freudig verkündete, als wir uns zu einem spontanen Dinner in New York trafen.
Nun war ich aber kein Übergrößen-Model mehr und so hatte ich fortan ein „kleines“ Problem: Wie alle anderen untergewichtigen Models musste ich bestimmte Kategorien von Essen wieder als meinen Feind betrachten.
Ich befand mich jetzt in der Kategorie „Size Zero“, musste es mit all den dünnen Models der harten Branche aufnehmen und versuchte, irgendwie mitzuhalten. Sämtliche Kohlenhydrate landeten auf meiner verbotenen Liste, also jegliche Arten von Nudeln und Brot (nur Knäckebrot erlaubte ich mir). Außerdem Käse generell (außer Hüttenkäse und Harzer Käse), jegliche Art von Wurst und Fleisch (Ausnahme: Hühnchen- oder Putenbrust) und leider musste auch mein Glücksfaktor Nummer 1 gestrichen werden: jegliche Art von Süßem! Dabei war ich doch mindestens zwölf Stunden am Tag der totale Chocoholic. Nun gut, das fettfreie süße Zeug, das Heidi Klum einmal genüsslich in der TV-Werbung zwischen ihren Zehen drapierte, kann man sich zwischendurch mal gönnen. Aber wem reichen davon nur zwei oder drei Stück? Ich bin der Typ des Ganz- oder Gar-nicht-Essers: Wenn ich eines probiere, muss ich die ganze Packung haben, so wie beim Verhalten mit einer Chipstüte. Das ist verteufelt und daher versuchte ich, gleich ganz die Finger davon zu lassen! Auch, wenn es mir jeden Tag schwergefallen ist.
Nur wenige Models können „eine Kuh verschlingen“, ohne dass es der Figur schadet – das erwähnte mal das Topmodel Gisele Bündchen beiläufig in einem Interview, womit sie mich ganz schön erstaunte. Diese Models haben einfach Glück mit ihrem Körper und ihrer schlechten Futterverwertung! Aber meiner Meinung nach führen mindestens 99 Prozent der anderen arbeitenden Models einen ähnlichen täglichen Kampf mit dem Essen wie ich. Es gibt nur selten jemand zu!
Es ist nicht so, dass ich je ein Schloss an meinen geliebten wie gehassten Kühlschrank gehängt hätte. Aber ich habe jeden Tag gedanklich meine geschätzten Kalorien gezählt oder sie in eine Liste eingetragen. So notierte ich jede Art von Lebensmittel, die ich zu mir nahm, um meine Maße und mein Gewicht unter Kontrolle zu haben. Der Rechner auf meinem Mobiltelefon glühte ganz schön! Das war beim Modeln eben für mich überlebenswichtig, denn sobald ich keine Übersicht über meine verspeisten Lebensmittel mehr hatte, gab es für mich auch kein Halten mehr, beherzt zuzugreifen.
Auch die Menschen um einen herum, vor allem andere Models, spielen eine Rolle. Einmal fuhr ich zu einem Shooting in den Bergen für einen bekannten Bekleidungshersteller, für den ich wieder frisch und schlank sein musste. Zusammen mit einer sehr, sehr schlanken schwarzhaarigen Modelkollegin, die von derselben Agentur gebucht war, fuhren wir in ihrem feinen, grau schimmernden Smart Cabrio an einem mit zarten Sonnenstrahlen gesegneten frühlingshaften Morgen in die schöne Berg- und Talwelt von Murnau bei Garmisch-Partenkirchen. Am verabredeten Parkplatz wurden wir von einem Mitarbeiter der Firma abgeholt und mussten zunächst eine geschlagene halbe Stunde über steinigen Untergrund wandern, bis wir zu der Location, einer Hütte gelangten. Auf einer Holzbank vor der Hütte wurden wir von einer Visagistin geschminkt und frisiert. Es war ganz schön kalt so früh am Morgen in den Bergen, ich zitterte. Frieren gehört allgemein zum Modeln dazu, wie ich festgestellt habe. Im Bikini im Schnee zu stehen und dabei immer noch gut auszusehen oder in leicht bekleideten Sommerklamotten bei kühlen Temperaturen sein Bestes zu geben und sich ja nicht anmerken zu lassen, wie kalt es wirklich ist – das sind die wahren Künste, die man als Model beherrschen sollte.
Ich riss mich am Riemen und dachte an warme Sonne, die auf meine Haut strahlt und mich wärmt. Nach kurzer Wartezeit ging es mit dem Einkleiden los und sodann mit dem Shooting. „Zieh den Bauch ein, Kate!“, eröffnete der Fotograf unser Zusammenspiel – und mein neues Shootingmotto. Lächelnd und strahlend stand ich vor einer rustikalen Berghütte und nahm in kurzer Zeit verschiedene Posen ein, nicht gekünstelt, sondern ganz im kommerziellen Stil. Ich wurde gefühlte 500 Mal fotografiert und schwupp, war es auch schon wieder vorbei. Das nächste Shooting war geschafft und mein Belohnungssystem setzte schlagartig ein. Noch bevor ich meine Mails auf meinem Handy checkte oder kurz prüfend in den Autospiegel blickte, griff ich bei der Heimfahrt als allererstes in mein mitgenommenes Goodie Bag – und holte zwei große Stücke meiner am Tag zuvor kreierten Kekstorte hervor. Auf diesen Augenblick des Genießens freute ich mich nach Shootings immer ganz besonders. Weil es mich eben so glücklich macht! Ich fühlte mich innerlich schon schlecht und beinahe ertappt, weil meine hübsche Modelkollegin sich nur ein zusammengeschrumpftes Vollkornbrötchen von der Tankstelle gönnte. Vielleicht würde sie mich ja an meine Agentur verpetzen, dass ich einmal nicht auf meinen Körper achtete? Oder vielleicht sogar, weil ich ihr gemeinerweise ein Stückchen meines Kuchens angeboten hatte? „Ihr müsst sofort Kate abmahnen! Sie wollte mich zum Fressen verleiten!“, sah ich in Gedanken schon den Modelprotest in meiner Agentur wie eine Lawine auf mich zurollen. Schließlich müssen Models immer auf ihre Linie achten und einen perfekten Körper haben.

Im Kindle-Shop: Iss was!? Zwischen Kuchenlust & Hungerfrust im Modelbiz: Mit 22 Insider-Tipps für angehende Models
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Kate Delore auf ihrer Website.



Pascal Wokan

Pascal Wokan wurde 1986 in Frankfurt am Main geboren und entdeckte bereits im Alter von 14 Jahren seine Leidenschaft für die wundersame Welt der Bücher. Nach seinem Studium zum Maschinenbau-Ingenieur ging er einen Schritt weiter und veröffentlichte seinen Debüt-Roman »Arakkur - Die große Schlucht«.

Er lebt mit seiner Familie in Karben, Hessen, und beschäftigt sich in seiner Freizeit nicht nur mit dem Schreiben neuer Romane, sondern auch mit der grundlegenden Frage, warum die Pizza immer auf der Belagseite landet. Außerdem ist er begeisterter Sportler und sozial engagiert.

Pascal Wokan über sich: "Die Freude, mit der ich mir neue Welten und Charaktere ausdenke und niederschreibe, ist atemberaubend und die Chance, diesen Enthusiasmus mit meinen Lesern teilen zu können, macht mich dankbar. Im Bereich klassischer und moderner Fantasy fühle ich mich wohl, das war schon immer meine Welt."

Weblink: pwokan.com


Bücher im eBook-Sonar:




'Sternchen im Katzenklo' von Jule Stephan

Warum soll immer alles nach Plan laufen? Warum nicht mal seinen Gynäkologen daten oder für HIV-Prävention in Vampirfilmen auf die Barrikaden gehen?

Während sie Pläne schmiedet, um die Weltherrschaft zu erlangen, lässt die Protagonistin nichts anbrennen. In Auseinandersetzungen zwischen ihrem inneren Mahatma Gandhi und dem unglaublichen Hulk zieht der sympathische Inder oft den Kürzeren. Und dann ist da auch noch Napoleon, der seine Nase überall reinstecken muss.

Herzlich willkommen im Kopfchaos der Violetta Weinstein! Wer hier den roten Faden sucht, sollte lieber aufhören zu stricken.

Gleich lesen: Sternchen im Katzenklo

Leseprobe:
Wenn ich im Wartezimmer sitze, habe ich immer die besten Einfälle. Die Ungewissheit und der Duft aus Angstschweiß und Desinfektionsmitteln beflügeln meine Phantasie und setzen ungeahnte Kräfte in mir frei.
So war es auch heute. Meine Psychologin hatte mir den Auftrag gegeben, ein Tagebuch zu führen. Auf diese Weise könne ich meine Gedanken ordnen und diese Ordnung würde sich auf mein Leben übertragen. So viel zur Theorie.
Um einen persönlichen Bezug zu meinem Tagebuch herzustellen, sollte ich ihm einen Namen geben. Schließlich vertraut man seine Gedanken nicht jedem Hans Wurst oder Otto Normalverbraucher an. Doch einen passenden Namen zu finden, war gar nicht so leicht. Wie das erst für werdende Eltern sein musste!
Ich betrachtete die Motivations-Bilder an der Wand, die eine angenehme Arbeitsatmosphäre herstellen sollten und ließ meine Gedanken kreisen. „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche“, riet mir eins der Bilder. Unmöglich, sich von solchen Bildern motivieren zu lassen, gab die Stimme in meinem Kopf ihren Senf hinzu. „Yes, you can“, entgegnete ein anderes Bild. Aus der Perspektive eines erfolgreichen US-Präsidenten sagt sich sowas leicht. Doch mit meinem halbfertigen Philosophiestudium und einem schlecht bezahlten Aushilfsjob sahen die Dinge anders aus. „Du kannst alles sein, was du willst“, beteuerte ein drittes Bild. Ich denke, der Staatsanwalt sieht das anders, wenn ich beschließe, Rennfahrerin auf den Kölner Ringen zu sein oder eine Operation am offenen Herzen durchzuführen.
Ich wandte mich wieder meiner eigentlichen Aufgabe zu. Ein Name musste her. Der erste Name, der mir einfiel, war Frank. Frank fand ich gut. Der Name ist eingängig und strahlt die Sympathie eines Sonntagabendnachrichtensprechers aus.
Andererseits hatte ich einmal ein vorübergehendes Techtelmechtel mit einem Frank und das endete mit einem gebrochenen Herzen. Bis heute hat Frank mir nicht verziehen. Und sein Bruder ebenfalls nicht.
Zu Ralf allerdings, habe ich keinen persönlichen Bezug. Zu ihm könnte ich das Vertrauensverhältnis aufbauen, das für mein Tagebuch notwendig war. Auf der anderen Seite ist Ralf ein schlechter Zuhörer. Außerdem hat er den IQ eines Motivationsbildes.
Rüdiger andererseits ist sehr gebildet. Ich stellte mir einen alten, Pfeife rauchenden Herren mit Windsorknoten vor, der in der Bibliothek sitzt und Tolstoi liest. Ein Schauer lief mir über den Rücken bei dem Gedanken, wie ich Rüdiger von meinen nächtlichen Eskapaden mit Franks Bruder erzähle und ich verwarf die Idee wieder. Ich brauchte definitiv etwas Kumpelhafteres! Vielleicht Kevin!
Aber Kevin? Das ist eher eine Diagnose und kein Name. Beim Jugendamt wird doch sofort eine neue Akte angelegt, wenn ein Kevin geboren wird. Der scheidet also auch aus. Ein bedeutungsvollerer Name muss her. Eventuell Karl?
Karl klingt groß und mächtig. Aber ich habe ein flaues Gefühl im Magen, wenn ich diesen Namen höre. Erst ersticht er mich nachts mit seinem Schwert und dann zieht er los, um Europa einzunehmen. Nein, Karl ist nicht gut!
Ich blickte im Wartezimmer umher. Neben mir warteten noch eine junge Frau, die ihre rote Mütze tief ins Gesicht gezogen hatte und ein Mann um die vierzig, dessen Adlernase über einem hochgezogenen Rollkragenpullover weit hinausragte. Er starrte mich mit seinen kleinen schwarzen Augen durchdringend an.
Vielleicht sollte ich besser einen Frauennamen nehmen. Warum eigentlich nicht? Frauen sind viel einfühlsamer als Männer. Mit Uta würde ich meine Gedanken eher teilen, als mit Rainer. Aber Uta? So nennen doch nur Jutebeutel tragende Bäumekuschler mit Ei-Ersatz legender Baumwoll-Sojamilchsauzucht ihre Kinder.
Was ist mit Elke? Sofort fing eine Stimme in meinem Kopf an, Die fette Elke von den Ärzten zu singen. Ich wippte mit dem Fuß hin und her und strich Elke von meiner Liste.
Ich sollte einen gediegeneren Namen nehmen. Maria vielleicht. Der ist zwar religiös behaftet, aber einem Pfarrer vertraut man doch auch seine dunkelsten Geheimnisse an. Andererseits habe ich mit Ausnahme der Sixtinischen Kapelle in einem Italienurlaub vor fünf Jahren noch nie eine Kirche, geschweige denn einen Beichtstuhl, von innen gesehen. Wahrscheinlich würden die Engelsstatuen im Chor „Go home“ singen und ich beim Überschreiten der Türschwelle in Flammen aufgehen. In Italien ist es übrigens gesetzlich verboten, sich als Prostituierte Maria zu nennen. Aber Chiara-Noemi ist ok.
Die Frau mit der roten Mütze fing an, die Melodie von „Time to say Goodbye“ zu summen und wippte dazu im Takt mit ihren schwarzen Lackstiefeln auf und ab.
Plötzlich hatte ich eine Eingebung. Ob von oben oder unten, konnte ich nicht genau sagen, aber es war der perfekte Name für meine Zwecke. Er klang wie eine liebevolle, weit entfernt verwandte Großtante, die mir Zitronentee nachschenkt, während ich über die Welt nachdenke und auf einer ausgelutschten Ottomane aus Vorkriegszeiten sitze und selbstgebackene Schokoladenkekse in mich hineinstopfe. Natürlich von der Großtante selbstgebacken und nicht von mir!
„Frau Weinstein, bitte!“ Die Arzthelferin kam mit einem Klemmbrett zwischen ihren rot geschärften Krallen hineingestöckelt und blickte erwartungsvoll über den Rand ihrer Brille in die Runde.
Ich erhob mich langsam und betrat das Behandlungszimmer von Frau Dr. Lux. Ja, Gisela ist ein schöner Name, dachte ich zufrieden und ließ mich in den schweren Sessel fallen.

Im Kindle-Shop: Sternchen im Katzenklo

Mehr über und von Jule Stephan auf ihrer Facebook-Seite.



28. August 2017

'Kysano: Erde, Licht und Dunkel' von Beatrice Hiu

Außergewöhnliche Fantasy in einer magischen Welt voller Illusionen.

- Ein Artefakt, das nicht gefunden werden soll
- Eine Prophezeiung, die den Untergang oder die Rettung bringt
- Ein Mädchen, das nicht ist, wofür es gehalten wird
- Freundschaften, die allen Widrigkeiten trotzen
- Bündnisse, die tödlich enden können

Aus heiterem Himmel wird Leeza aus ihrem bisherigen Leben herausgerissen und findet sich in einer ihr völlig fremden Welt voller Magie, Illusionen, Geheimnissen und Gefahren wieder. Während sie noch daran arbeitet, sich in Kysano einzuleben und mit Hilfe ihrer neuen Verbündeten auf die Mission vorzubereiten, überschlagen sich die Ereignisse, und die Suche nach dem ersten Schlüssel beginnt.

Gleich lesen: Kysano: Erde, Licht und Dunkel

Leseprobe:
Leeza erwachte plötzlich, irgendetwas musste sie aufgeschreckt haben. Obwohl ihr Zimmer im Licht des Vollmondes hell schimmerte, hatte sie zuerst Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Sie wusste zwar, sie lag in ihrem Bett, aber alles kam ihr seltsam fremd vor und sie fühlte sich unbehaglich.
Nach einer Weile setzte sie sich auf und lauschte. Sofort wurde ihr klar, was sie störte: Es war zu ruhig! Viel zu ruhig. Diese ungewohnte Stille hatte sie wohl geweckt. Weder hörte sie das Plätschern des Brunnens noch das leichte Rascheln der Blätter in den Bäumen vor dem Haus. Es schien gerade so, als ob die Zeit stehengeblieben wäre. Sie warf einen Blick zum dickbauchigen Wecker auf dem Nachttisch, aber seine Zeiger rührten sich nicht vom Fleck. Er war um Punkt drei Uhr stehengeblieben.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, schlüpfte Leeza leise aus dem Bett und ging ans Fenster. Im Mondlicht sah sie alles ganz genau, doch was sie da erblickte, verschlug ihr den Atem. Das Wasser im Brunnen vor ihrem Haus war zu Eis erstarrt! Als riesiger Eiszapfen ragte der Wasserstrahl in den Trog hinein, und hoch im Baum vor ihrem Fenster sah sie eine Eule, die reglos in der Luft hing. Eingefroren!
Leeza rieb sich die Augen und dachte: Das ist unmöglich. Ich muss träumen. Wenn ich mich jetzt kneife, werde ich aufwachen und alles wird sein wie sonst.
Mit geschlossenen Lidern kniff sie sich kraftvoll in den Arm.
„Aua!“ Nein, sie lag nicht träumend im Bett, stand immer noch am Fenster und draußen war alles vereist.
Das Geschehen war ihr absolut unerklärlich und sie beschloss, ihre Mutter Lyzea zu befragen. Sie wandte sich vom Fenster ab, ging zur Tür und öffnete sie vorsichtig und leise, um die beängstigende Stille nicht zu durchbrechen. Die Tür zum Zimmer ihrer Mutter stand offen, Leeza nahm an, sie würde sie unten im Wohnzimmer oder in der Küche finden, und ging langsam die knarrende Holztreppe abwärts. Noch bevor sie ganz unten angekommen war, hörte sie aus dem Wohnzimmer leise Stimmen. Eine davon war die ihrer Mutter, die andere war Leeza unbekannt. Die ganze Situation wurde immer seltsamer. Wieso unterhielt sich ihre Mutter mitten in der Nacht mit einem Fremden? Ausgerechnet ihre Mutter, die sich normalerweise tunlichst von allen nicht bekannten Menschen fernhielt, und das in einer Nacht, in der die Zeit stehengeblieben war.
Zögernd ging Leeza auf die angelehnte Tür zu und wusste nicht recht, was sie machen sollte. Eigentlich hatte sie ihr Zimmer verlassen, um sich genauer umzusehen und alles mit ihrer Mutter zu besprechen. Jetzt aber, wo sich so unerwartet jemand Unbekannter in ihrem Haus befand, war sie nicht sicher, ob sie stören sollte. Sie hatte die Tür noch nicht ganz erreicht, als die sich wie von Geisterhand ganz öffnete und den Blick ins Wohnzimmer freigab.
Lyzea saß mit einer Frau am Esstisch. Sie schienen nicht im Geringsten überrascht, Leeza zu sehen, denn ihre Mutter sagte nur: „Wir haben dich schon erwartet. Komm zu uns.“
Unsicher betrat Leeza das Wohnzimmer und blieb nach ein paar Schritten stehen. Obwohl ihr diese Frau vollkommen fremd war, fühlte sie sich von ihr angezogen, und das verwirrte sie zutiefst. Die Fremde war inzwischen aufgestanden, sie war groß und schlank, ihr Haar war dunkellila und reichte ihr fast bis zur Hüfte. Sie ging auf Leeza zu und schaute ihr in die Augen. Der Blick aus den fast schwarzen Augen fesselte Leeza, sie hatte das Gefühl, in tiefes Wasser zu fallen. So sehr sie sich auch bemühte, es war ihr nicht möglich, sich daraus zu lösen, und fühlte sich immer weiter hinab in eine unergründliche Tiefe gezogen.
Wenn mich diese Augen nicht bald loslassen, werde ich noch in ihnen ertrinken, dachte sie, als sie von weit weg die Stimme Lyzeas sagen hörte: „Lass sie los, Syvenia. Ich sagte dir doch bereits, nur Lestre kann den Zauber brechen.“
Nun ließ der Blick der Frau, die offenbar Syvenia hieß, sie endlich los. Leeza tauchte wie betäubt aus der Tiefe auf. Die Fremde war mit diesem Blick bis in ihre Seele vorgedrungen und hatte ihr auf geistiger Ebene Fragen gestellt, die sie jetzt aber nicht mehr benennen konnte. Sie schwankte und wäre hingefallen, hätte ihre Mutter sie nicht festgehalten.
„Komm, setz dich, Leeza.“ Lyzea führte sie behutsam zu einem Stuhl am Esstisch.
Leezas Beine waren noch immer ganz wackelig und sie war dankbar, sich setzen zu können. Die beiden nahmen ihr gegenüber Platz. Langsam schaute sie von ihrer Mutter zu Syvenia und wieder zurück.
Niemand von ihnen sprach für eine ganze Weile. Als Leeza schließlich ihre Mutter fragen wollte, was das alles zu bedeuten hätte, durchbrach Syvenia das Schweigen. „Wieso hast du einen so starken Zauber angewandt, Lyzea?“
„Ich wollte ganz sicher gehen, dass niemand Falscher das Wissen in Leeza zurückholen kann. Niemand außer Lestre sollte dazu in der Lage sein.“
„Das zeugt von großem Vertrauen in den Magier.“
„Du weißt genau, ich habe Lestre immer vertraut. Bei der ganzen Sache ging es nie um ihn, nur um Leezas Schutz. Sie musste um jeden Preis behütet werden, bis die Zeit gekommen war.“
„Und nun ist es so weit. Es ist für Leeza an der Zeit, ihre Bestimmung anzunehmen und zurückzukehren.“
Je länger Leeza diesem seltsamen Gespräch zuhörte, desto verwirrter wurde sie. Zuerst erstarrte alles, dann fand sie ihre Mutter mitten in der Nacht mit dieser seltsamen Frau in ihrem Wohnzimmer und jetzt auch noch dieses Gespräch. Was zum Teufel ging hier vor?
Sie beschloss, sich den beiden Frauen in Erinnerung zu rufen. „Hallo, ich bin noch hier und höre euch zu. Wollt ihr mir nicht endlich mal erklären, worum es hier geht? Wovor musste ich geschützt werden, und was für eine Bestimmung soll ich annehmen?“
Die beiden Frauen hielten inne und schauten Leeza erstaunt an, gerade so, als ob sie sich erst jetzt bewusst würden, dass sie noch da war. Lyzea schüttelte nachdenklich den Kopf, erwiderte aber nichts. Da Leeza nun endlich mal eine Antwort wollte, forderte sie: „Du könntest vielleicht damit anfangen, mir zu sagen, wer diese Frau ist, Mom.“
Bevor Lyzea etwas sagen konnte, antwortete die Fremde: „Ich bin Syvenia, eine Magierin des inneren Zirkels von Kysano.“
Leeza starrte Syvenia an und fühlte, wie sich in ihrem Innersten etwas regte. Der Name Kysano rief ein unerklärliches Gefühl der Vertrautheit und der Freude in ihr hervor. Sie glaubte plötzlich, sich an etwas zu erinnern, aber bevor ihr Bewusstsein diese Bilder fassen konnte, waren sie auch schon wieder verschwunden. Durch diesen seltsamen Vorgang in ihrem Kopf war Leeza nun noch verwirrter als vorher und blickte verunsichert zu ihrer Mutter, die seufzte und sagte: „Das wird eine schwierige Sache.“
Leeza fiel wieder ein, weshalb sie ursprünglich zu ihrer Mutter wollte. „Wieso ist alles erstarrt, als ob die Zeit stehengeblieben wäre?“
„Weil die Zeit wirklich stehengeblieben ist, als Syvenia das Portal der Welten geöffnet hat.“
„Das Portal der Welten? Was bitte soll denn das sein?“
„Es verbindet Kysano mit dieser Welt und wenn es geöffnet wird, bleibt die Zeit hier stehen.“
Leeza sah Syvenia verwirrt an. „Aber wieso sind meine Mutter und ich nicht steifgefroren wie alles rundum?“
„Weil ihr der Grund für mein Kommen seid und genau wie ich von Kysano stammt.“
„Was? Wir kommen von Kysano? Wo liegt das denn überhaupt?“ Ruhelos sprang Leeza auf und umrundete den Tisch. Beide Frauen sahen ihr zu und schwiegen, also setzte sie sich genervt wieder auf ihren Stuhl.
Jetzt erst fuhr Lyzea fort. „Wir sind hierhergekommen, als du noch klein warst, Leeza. Es liegt hinter dem Portal der Welten.“ Wieder verstummte sie. Leeza war dieses Wechselspiel von Informationsbrocken und dann wieder Schweigen langsam leid.
„Also lasst mich doch alles mal zusammenfassen“, sagte sie gereizt. „Wir kommen also ursprünglich aus einer Welt namens Kysano. Diese Welt liegt irgendwo hinter dem Portal der Welten, das Syvenia geöffnet hat, um zu uns zu kommen, und durch das Öffnen dieses Portals ist die Zeit für alle außer uns eingefroren. Syvenia ist eine Magierin des inneren Zirkels von Kysano, was auch immer das ist. Und was war da noch? Ach ja, ich habe anscheinend eine Bestimmung, die ich jetzt annehmen muss. Habe ich das bisher richtig verstanden? Sagt mal, wollt ihr mich veräppeln?“ Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.
„Ja, das hast du richtig verstanden und nein, wir wollen dich nicht veräppeln. Das ist jetzt alles sehr verwirrend für dich und wir haben nicht genug Zeit, um dir alles zu erklären, denn das Portal der Welten darf nicht zu lange geöffnet bleiben“, meinte ihre Mutter, ohne auf Leezas Tonfall einzugehen. Dann wandte sie sich Syvenia zu. „Du musst jetzt gehen, du bist schon viel zu lange hier. Komm im Morgengrauen wieder, bis dann wird alles bereit sein.“
„Bist du dir sicher?“
„Es geht nicht anders. Du kannst nicht hierbleiben, bis ich Leeza wenigstens das Nötigste erklärt habe. Die Gefahr, dass das Portal entdeckt wird, ist zu groß.“
„Ja natürlich, das Risiko ist wirklich zu groß. Ich werde also bei Sonnenaufgang wieder hier sein.“ Syvenia stand auf, hob die Arme über den Kopf und bewegte sie dann in einer schnellen Bewegung nach unten. Sofort erschienen die Konturen eines großen, in allen Farben schimmernden Torbogens. Sie nickte zuerst Leeza und dann Lyzea zu, machte einen Schritt vorwärts in das Tor hinein und war im gleichen Augenblick verschwunden. Der Torbogen löste sich wieder auf und nichts erinnerte mehr an das, was eben geschehen war.

Im Kindle-Shop: Kysano: Erde, Licht und Dunkel

Mehr über und von Beatrice Hiu auf ihrer Website.

25. August 2017

'Skrupellos Ausgeweidet' von Nicole Le

Nichts für schwache Nerven! Ein Medizin-Thriller frei erfunden, jedoch inspiriert durch eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 2011.

Die Journalistin Josie Eckhard und ihre Freunde Keeper und John entdecken bei einem Flug über die Sinai Wüste Leichen, denen man alle Organe entnommen hat. Sie merken schnell, dass sie einem Organ-Händler-Ring auf der Spur sind, der bis in die höchsten Kreise der Kairoer High-Society reichen. Plötzlich erkrankt Josies Tochter Sarah schwer und benötigt ein Spenderherz. Wird Josie den Ring zerschlagen und ihre Tochter sterben, oder gibt es eine unerwartete Wendung?

Dies ist der Auftakt zu weiteren Thrillern mit der Journalistin Josefine Eckhard.

Gleich lesen: Skrupellos Ausgeweidet - Medizin-Thriller zum Thema Organ-Handel

Leseprobe:
Er hörte Menschen schreien, schrill, spitz und voller Panik. Er konnte sich nicht bewegen. Erschreckender Weise war er nicht gefesselt. Er lag einfach auf dem Rücken im Staub und konnte sich nicht rühren. Aber sein Geist war hellwach, seine Augen weit aufgerissen, die Schreie der Menschen waren unerträglich und ein eiskaltes Grauen erfasste ihn.
Sie waren ungefähr 50 Leute in dem Flugzeug gewesen. Er kannte niemanden. Er wollte nach Islamabad und von dort über die Grenze. Er hatte den Schleppern 10.000USD bezahlt. Er hatte einen gefälschten Pass, doch niemand an der Kontrolle im Flughafen war aufmerksam geworden. Das Flugzeug startete wie geplant und er hatte sich gerade etwas entspannt, als sie nach ungefähr anderthalb Stunden auf sandigem Boden mitten in der Wüste landeten.
Männer in Beduinen Kleidung stürmten das Flugzeug und nahmen einen nach dem anderen mit nach draußen, in die sengend heiße Sonne. Man sagte ihnen in gebrochenem Englisch, das Flugzeug hätte einen Triebwerksschaden und sie müssten auf eine andere Maschine warten, die die Flugsicherung ihnen schon geschickt hätte. Die Menschen folgten den Beduinen ohne auch nur einen Moment an deren Erklärungen zu zweifeln. Ca zwei Kilometer östlich war eine kleine Hügelkette, dazwischen hatten die Beduinen Zelte aufgebaut. Die Männer ließen sie auf dem Boden Platz nehmen und gaben ihnen etwas zu trinken. Die vermummten und bewaffneten Wüstenmänner gingen zwischen ihnen umher und stellten sicher, dass jeder seinen Becher austrank. Auch die fünf Kinder, die mit an Bord gewesen waren. Es war eine Art Tee, nur mit bitterem eschmack. Niemand begehrte auf oder stellte weitere Fragen. Die Menschen drängten sich zwar verunsichert und manche ängstlich aneinander, doch alles in allem, lief es ganz zivilisiert und ruhig ab.
Die letzten noch wachen Personen sahen sich verwirrt und ängstlich um, doch die Tropfen taten längst ihre Wirkung. Sie waren zu schwach um in Panik auszubrechen oder sich zu wehren. Nach kurzer Zeit kippte einer nach dem Anderen um und lag im Sand. Man hatte ihnen Tee mit k.o. Tropfen gegeben.
Als er wieder wach wurde und sich umblickte, waren in dem Zelt ungefähr noch zwanzig Menschen, darunter auch die 41 Kinder. Manche weinten laut, manche schluchzten, manche fragten voller Panik was mit ihnen geschehen würde, doch niemand beachtete sie. Niemand hörte ihre Klagelaute, die vom Wüstenwind davon getragen wurden und irgendwo verhallten. Sie wurden von den bewaffneten Wüstenmännern bewacht, die zwischen ihnen ständig umher gingen. Die Männer sahen griesgrämig aus, mitleidslos. Ihre wettergegerbten Gesichter ließen keine Gefühlsregung erkennen. Einer nach dem Anderen wurde herausgetragen, schreiend und voller Panik.
Die Schreie der Herausgetragenen wurden danach unerträglich. Schrill, entsetzlich und durchdringend bis ins Mark. Das Schlimmste war, dass er ihnen nicht entfliehen konnte. Der Körper war gelähmt, er wollte sich die Ohren zuhalten, doch er konnte seine Arme nicht bewegen.
Er urinierte unkontrolliert in seine Hose und hinterließ einen nassen Fleck auf dem Wüstenboden, als man ihn hinaustrug.
Nun sah und begriff er das Grauen in seinem ganzen Ausmaß. Ärzte mit blutbefleckten Kitteln und Gummihandschuhen warteten schon auf ihn, während zwei andere Männer den notdürftig wieder zugenähten Leib seines Vorgängers hinaustrugen.
Sie sprühten etwas auf seinen Bauch und setzten das Skalpell an. Er spürte keinen Schmerz, aber die Panik, dass man ihm bei vollem Bewusstsein den Bauch aufschnitt ließ auch ihn fürchterlich schreien. Es war ein animalischer, tiefer Schrei, der aus dem tiefsten Innern kam. Die Chirurgen stutzen einen Moment und setzten dann erneut zum Schnitt an.
Das Blut quoll heraus und er wurde ohnmächtig.

Im Kindle-Shop: Skrupellos Ausgeweidet - Medizin-Thriller zum Thema Organ-Handel

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24. August 2017

'Essen wie am Mittelmeer' von Michaela Burgmeister

Die Mittelmeerländer bieten eine Küche, die sehr abwechslungsreich und farbenprächtig ist. Die mediterrane Ernährung liegt nicht nur aufgrund der kulinarischen Hintergründe im Trend. Im Gegenteil, denn schon jetzt haben Ärzte und Ernährungswissenschaftler bestätigt, dass die mediterrane Ernährungsform die Gesundheit des Menschen fördert. Die mediterrane Ernährung ist unter anderem als Mittelmeerküche bekannt. Meistens wird sie auch als Kreta-Diät bezeichnet und bietet eine traditionelle Ernährungsweise, die zugleich einen bestimmten Lebensstil mit sich bringt.

In diesem Buch finden Sie zahlreiche Informationen zu dieser gesunden Ernährungsform und natürlich viele köstliche und einfach umsetzbare Rezepte.

Gleich lesen: Essen wie am Mittelmeer: Mediterrane Ernährung - Lecker und gesund

Leseprobe:
So gesund ist die mediterrane Küche wirklich!

Gemüse, Fleisch und Fisch gehören zu einer ausgewogenen Ernährung und besonders zu der mediterranen Kost dazu. Gedämpfte Doraden oder aber auch Gurken Salat mit frischen Feta Würfeln hört sich einfach köstlich an. Doch klingt das wirklich nach einer Diät? Kann man mit der mediterranen Ernährungsform wirklich abnehmen? Wer sich schon einmal mit der mediterranen Ernährung befasst hat wird diese Variante als Kreta Diät oder sogar als mediterrane Kost kennen. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine klassische Diät, sondern vielmehr um eine allgemeine Ernährungsempfehlung, die positive Auswirkungen auf die Gesundheit bieten kann. Bis heute haben sich viele Ernährungswissenschaftler mit der Ernährungsform befasst und zeigen auf, wie gesund und gut die mediterrane Küche ist.
Wie schon bereits beschrieben gibt es durch diese Ernährungsweise deutlich weniger Krankheiten und gleichzeitig eine höhere Lebenserwartung. Dies besagen eine Reihe von Studien, die sich mit den eindeutigen Vorteilen der mediterranen Kost befassen. Die Ernährungsweise beugt sogar vor Schlaganfällen und Herzinfarkten vor und kann das Risiko an Alzheimer oder Osteoporose zu erkranken eindeutig minimieren. Wer sich daher mediterran ernährt, kann sich auf einen verbesserten gesundheitlichen Zustand freuen.
Bei den Untersuchungen hat Kreta bis heute am besten abgeschnitten. Die griechische Insel hat bislang nur eine sehr geringe Krankheitsrate aufgewiesen, was die Lebenserwartung der Menschen eindeutig erhöhte.
Wichtig ist jedoch auch, dass diese Form der Ernährung nicht nur mediterran sein soll, sondern ebenso traditionelle Aspekte mitbringen sollte. Die Untersuchungen halten demnach nicht alle den strengen Kriterien stand. Fakt ist einfach, dass die mediterrane Kost wirklich gesund ist und dementsprechend für eine ausgewogene Ernährung allemal wichtig ist. Das bedeutet konkret: In den neuen Ernährungsplan gehört einfach reichlich Obst und Gemüse, viel Fisch und Meeresfrüchte und besonders eine Vielzahl an Milchprodukten und Getreide. Wichtig ist die Kombination der Inhaltsstoffe. Schließlich machen genau diese die mediterrane Ernährungsform wertvoll.

Griechischer Joghurt mit Honig

Zutaten:
500 Gramm griechischer Joghurt
150 Gramm Honig, am besten eignet sich Wabenhonig
vier Stücke Feige
zwei Esslöffel Pinienkerne
etwas Cassis Sirup

Zubereitungszeit: 5 bis 15 Minuten

Zu aller erst die Feigen schälen. Diese danach in Spalten schneiden und einfach unter den Joghurt mischen. Danach die Pinienkerne rösten, hacken und auch unter die Mischung geben. Das Ganze dann mit dem Joghurt vermengen. Zum Schluss etwas Honig und Cassis Sirup über den fertigen Joghurt geben.

Im Kindle-Shop: Essen wie am Mittelmeer: Mediterrane Ernährung - Lecker und gesund

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23. August 2017

'Dorotea: Mode, Machos und Musik' von Monica Bellini

Dorotea lebt einen wahrgewordenen Traum. Die Modebranche von Florenz liegt ihr zu Füßen, und Fabio, der sich anderen gegenüber als Macho gibt, vergöttert sie. Glaubt sie, bis sie eines Abends unerwartet nach Hause kommt und ihr Vertrauen in seine Liebe und Treue mit einem Mal zerbricht.

Kopflos flüchtet sie – und landet in den Armen des attraktiven Gitarristen Patrizio. Ein One-Night-Stand ist zwar nicht die Lösung, aber er lenkt ab. Denkt sie, denn der rätselhafte Musiker geht ihr unter die Haut.

Patrizio ist froh, dass er seinem alten Leben den Rücken gekehrt hat, tingelt durchs Land, und will von nichts und niemandem mehr wissen. Schon gar nicht von Frauen. Na ja, nicht ganz. Hin und wieder mit einer auf Tuchfühlung zu gehen, tut seinem Ego gut. Immerhin ist er ein Mann, und sein Körper nicht aus Stein. Sicher ist, dass sein Kopf dabei keine Rolle spielt. Doch nach der flüchtigen Begegnung mit Dorotea ist er da nicht mehr so sicher …

Sie ziehen einander an wie Magnete. Aber kann Leidenschaft alle Probleme überwinden? Auch die Lügen, die zwischen ihnen stehen?

Gleich lesen: Dorotea: Mode, Machos und Musik

Leseprobe:
Aus der Nähe betrachtet, mit den geröteten Wangen und dem herzförmigen Mund, war sie von einer irritierenden Schönheit. Keine unnötigen Farbflecken beschwerten ihre Augenlider und ihre ungeschminkten Lippen waren von einem Rot, das in ihm den Wunsch auslöste, sich vorzubeugen, und von ihnen zu kosten. Wie von einem Magneten angezogen näherte er sein Gesicht dem ihren – aber statt ihrer Lippen auf den seinen spürte er prompt den Abdruck ihrer Hand auf seiner Wange. Er zuckte zurück, richtete sich zu seiner vollen Körpergröße auf und murmelte »mi scusi«, während er nach seinem Glas griff und damit den Rückzug antrat. Ohne sich noch einmal umzusehen, drängte er sich eilig zum Ausgang durch, ohne auf die Menschen zu achten, die ihn ansprachen.
Dorotea starrte ihm nach. Dieser ungehobelte Flegel ... dieser ungemein attraktive Flegel ... sie konnte das Spiel seiner Muskeln unter dem engen schwarzen Shirt sehen, als er mit dem über den Kopf gehobenem Bierglas dem Ausgang zustrebte. Noch immer spürte sie seinen warmen Arm um ihren Körper, dieses unwahrscheinlich angenehme Prickeln, das seine Berührung in ihr ausgelöst und das sich um ein Vielfaches verstärkt hatte, als er sie angesehen und zu ihr gebeugt hatte. So eine Unverschämtheit! Zuerst hatte er sie beinahe mitsamt dem Hocker umgestoßen und dann auch noch küssen wollen!
»Was für eine miese Anmache«, murmelte sie und wandte sich wieder dem Tresen zu, nur um in das grinsende Gesicht Marilenas zu schauen.
»Da sieh einmal an! Du scheinst das Flirten nach sieben Jahren Ehe doch noch nicht verlernt zu haben.«
Dorotea schnaubte. »Quatsch! Dieser Idiot hat mich mit einem seiner Groupies verwechselt!«
Marilena zog die Augenbrauen hoch.
»Und warum ist er dann nicht dort, mit den anderen Bandmitgliedern?« Sie deutete dorthin, wo eine Gruppe von aufgeregt schnatternden Frauen an den Musikern klebte wie Briefmarken auf Kuverts.
»Woher soll ich das wissen! Außerdem, cara mia, wieso steckst du deine Nase in meine Angelegenheiten? Kümmere dich doch um deine eigenen!«
»Welche?«
»Dein heutiges Opfer.« Dorotea sah sich suchend um. »Wo ist er eigentlich?«
»Wer?«
»Stell dich nicht dümmer als du bist. Der Wuschelkopf!«
»Er hat sich kurz entschuldigt, muss telefonieren. Und er heißt Carlo.«
»Unnötige Information. Morgen erinnerst nicht einmal du dich mehr an seinen Namen«, erwiderte Dorotea prompt, ohne nachzudenken.
Marilena presste die Lippen zusammen, griff nach ihrem Glas und nippte daran. Sie wich ihrem Blick aus. Dorotea ballte eine Hand zur Faust, verfluchte ihre scharfe Zunge, und dachte einen Moment lang, sich bei ihrer Freundin zu entschuldigen. Sie brauchte Harmonie. Fabios Verhalten hatte ihr schon den größten Teil davon geraubt, Marilena war jetzt ihr ruhender Pol. Diejenige, die sie aufgenommen und ihr zugehört hatte – ohne irgendwelche dummen Sprüche zu klopfen. Und obwohl ihre Freundin die Freitagabende grundsätzlich nie in weiblicher Begleitung verbrachte, hatte sie Dorotea hierher geschleppt, damit sie sich ablenkte. Und was tat sie? Anstatt Marilena zu sagen, was sie ihr bedeutete, beleidigte sie sie auch noch! Na ja, an sich hatte sie nur die Wahrheit gesagt, aber vielleicht sollte sie diese Aussage mit irgendeinem lustigen Spruch aus der Welt schaffen. Sie trank einen Schluck und öffnete den Mund, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie in ihrem Vorhaben unterbrach.
Dorotea drehte sich um, und plötzlich war ihr Kopf ganz leer. Sie spürte ein Prickeln in ihrem Bauchraum, das sie seit Jahren nicht mehr gefühlt hatte. Es war, als ob sie sich im freien Fall befände und in einen tiefen Abgrund stürzte. Einen, der sie anzog, ihr die Luft nahm, immer näherkam ... der warme Hauch seines Atems streifte ihr Gesicht, als er sich vorbeugte. Sie konnte das feine Netz der Fältchen an seinen Augenwinkeln sehen, die markanten Gesichtszüge, seinen Mund – und plötzlich wurde der Gedanke daran, dass er ein unverschämter Flegel war, von einem anderen ersetzt. Sie öffnete ihre Lippen, strich mit der Zungenspitze darüber, senkte die Augenlider, wartete auf die Berührung ... und wartete ... und wartete ...
Und dann vernahm sie seine leise, dunkle Stimme.
»Meinen Sie, dass ich riskiere, noch eine Ohrfeige zu bekommen?«
Langsam öffnete sie die Augen, und erkannte seinen spöttisch verzogenen Mund, noch bevor sie seine Hand spürte, die nach ihrer griff und sie so weit anhob, dass seine Lippen sie beinahe berührten. Er zwinkerte ihr zu.
»Lassen Sie uns Ihren Ausrutscher von vorhin vergessen. Ich bin Patrizio De André. Und Sie?« Ihren Ausrutscher? Seinen! Doroteas Augen schossen Blitze in seine Richtung ab, nur wollten sich einfach nicht die richtigen Synapsen verbinden, um eine schlagkräftige Antwort zu finden, als er seine Lippen auf ihren Handrücken senkte. Diese Berührung jagte einen Stromstoß durch ihren Körper und ließ ihn zurückzucken. Der Moment war ebenso rasch vorbei, wie er begonnen hatte. Er neigt den Kopf ein wenig zur Seite und sah sie an, als ob sie ein Sahnebaiser wäre. Eine tiefe Männerstimme dröhnte durchs Lokal »Die Pause ist zu Ende, Musiker auf die Bühne bitte!«
Er sah sie einen Moment lang abwartend an, doch sie sagte nichts. Seine Mundwinkel bebten, als ob er zum Sprechen ansetzen wollte, aber er tat es nicht. Dorotea saß wie erstarrt auf dem Barhocker, mühsam bemüht nicht herunterzurutschen, als die Bandmitglieder erneut gerufen wurden. Er versenkte die Hände in den Taschen seiner Jeans, schüttelte leicht den Kopf, zuckte mit den Achseln und drehte sich um. Er machte einen Schritt Richtung Bühne, einen zweiten, als ihn ihre Stimme erreichte.
»Dorotea, ich heiße Dorotea!«
Patrizio hielt inne, wandte sich um und lächelte sie auf eine Art an, die ihr einen Schauer durch den Körper jagte. Einen Moment lang stand er einfach nur da, bis ihn Rob, der Schlagzeuger, am Arm packte und mit sich zog. Doroteas Blick haftete auf seinem Rücken, dem Oberkörper, der von dem schwarzen, anliegenden Shirt betont wurde. Ihre Kehle wurde eng. Ihre Augen glitten nach unten, über die schmale Körpermitte, die in krassem Gegensatz zu seinen breiten Schultern stand – als er verschwand. Die Menschen, die eine Gasse gebildet hatten, um ihn und seinen Kollegen durchzulassen, formten wieder eine undurchdringliche Mauer.
»Dorotea, ich denke, wir sollten gehen!« Marilena sprach dicht an ihrem Ohr.
»Nein!« Dorotea hielt den Blick weiterhin auf die Stelle geheftet, wo Patrizio verschwunden war.
»Doch! Glaube mir, es ist besser!« Eine Hand legte sich fest um ihren Oberarm. Dorotea schüttelte sie ab, als das Licht im Lokal gedimmt wurde und die Spots auf der Bühne angingen. Ihre Augen folgten dem Scheinwerfer. Sie atmete tief ein, stieß die Luft hörbar aus. Patrizios dunkelblonde Haare kringelten sich im Nacken, das Shirt spannte um seine Brust. Ihre Halsschlagader pochte. Er hatte einen Fuß auf dem Boden, den anderen auf der Querstange des Hochstuhls. Seine linke Hand griff einen Akkord, die rechte lag noch ruhig auf den Saiten, und sie verspürte unbändige Lust, ihren Platz mit der Gitarre zu tauschen. Sie legte ihre Finger auf die linke Brust, spürte den Schlag ihres Herzens.
»Wir müssen gehen!« Marilena zerrte sie vom Hocker, als der erste Akkord erklang.

Im Kindle-Shop: Dorotea: Mode, Machos und Musik

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22. August 2017

'Ebola: Der Kongo - das schwarze Herz Afrikas' von D.W. Crusius

Der Kongo - das schwarze Herz Afrikas. Drei Menschen treffen in einem Urwaldkrankenhaus aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein können. Lars Petersen will illegal geschürfte Diamanten kaufen. Dr. Eduard Dupré kam vor vielen Jahren als Missionar und Arzt an den Kongo. Jetzt ist er nur noch Arzt, seinen Glauben hat er längst verloren. Und da ist seine viel zu junge Frau Zola, trotz ihres afrikanischen Vornamens gebürtige Belgierin.

Das Krankenhaus liegt am Ebola, ein Seitenfluss des Kongo, der vor vielen Jahren der Ebola-Seuche den Namen gab. Eduard Dupré hat nicht nur mit Tropenkrankheiten zu kämpfen, sondern mit ausbleibenden Lieferungen der Hilfsorganisationen, gepanschten und längst verfallenen Medikamenten. Zur bitteren Erkenntnis, vielen Patienten nicht helfen zu können, kommen noch marodierende Regierungstruppen, Rebellen und Sklavenjägern aus dem Sudan. Da bricht erneut die Ebola-Seuche aus.

Gleich lesen: Ebola: Der Kongo - das schwarze Herz Afrikas

Leseprobe:
Kühler Nachtwind rüttelt an den Wänden der Hütte, Insekten und Geckos rascheln im Strohdach über mir. Ich höre Hyänen lachen und das heisere Grollen eines Löwen dröhnt gegen den harten Boden der Savanne. Ferne Trommeln warnen vor Elefantenherden und hungrigen Wildhunden, vor Sklavenjägern, vor Tod und Verderben. Ich schrecke hoch, taste suchend zur Seite, und schmerzhaft wird mir bewusst, dass es nur eine dumpf dröhnende Autotür war, vielleicht ein vorbeirasendes Motorrad auf dem nahen Highway.
Ich lausche und Erinnerungen überfallen mich. Eine verschlafene Stimme murmelt neben mir: »Comment ça va, mon chérie?«, und ein schwarzer Arm umfasst mich zärtlich.
Schweißnass falle ich zurück auf das Kissen, blicke zum Fenster. Diffuses Mondlicht dringt herein.
Lass die Toten ruhen, sagt man, aber nachts gelingt das nicht. Dann kriechen sie aus ihren Gräbern, stehen neben meinem Bett, kommen näher, wollen mich mitnehmen. Und die Trommeln dröhnen in meinen Ohren, tragen ihre blutige Warnung von Dorf zu Dorf.
Wäre das in den letzten Jahrhunderten vergossene Blut nicht in der Savanne versickert, ein blutiges Meer bedeckte den Schwarzen Kontinent.

Valencia, 2014

Sie fuhren weiter und nach einer Stunde tauchten Baumgruppen und niedriges Buschwerk vor ihnen auf. Eduard hielt darauf zu und stellte den Motor ab.
»Siehst du sie?«, fragte Zola und lachte verschmitzt.
»Sieh’ genau hin«, sagte sie und deutete auf das hohe, gelblich vertrocknete Gras. Er blickte angestrengt in die Richtung, bemerkte erst nichts. Doch, da bewegte sich etwas. Im hohen Gras lag ein Löwenrudel, nur die haarigen runden Ohren ragten ein wenig über das Gras hinaus. Fliegen umschwirrten sie und sie zuckten mit den Ohren. Kaum fünfzehn Meter waren sie von den Tieren entfernt.
»Wie viele sind es?«
»Kann ich nicht genau sehen. Vielleicht sechs oder acht.«
»Riechst du es?«, sagte Eduard. »Es stinkt verrottet, sie hatten letzte Nacht Beute und sind vollgefressen. Jetzt sind sie harmlos, wollen nur schlafen. Wenn ich aussteige und auf sie zugehe, laufen sie weg.«
»Lass das lieber. Wenn einer noch Hunger hat, muss ich mit Zola alleine zurück in die Station.«
Er sah Lars merkwürdig an, als wollte er etwas erwidern, zuckte dann nur die Achseln.
Sie fuhren weiter und ein ganzes Stück von den Löwen entfernt umrundete Eduard mehrmals in engen Kreisen eine Baumgruppe.
»Nichts, niemand da, der sich von uns gestört fühlen könnte. Wir rasten hier.«
Sie stiegen aus und Eduard ging vorsichtig stöbernd durch das Gras. Es stand hier nicht so hoch wie eben bei den Löwen.
»Keine Schlangen«, sagte er. »Setzen wir uns. Wenn einen von uns hier eine Mamba erwischt, dann war's das. Da käme jede Hilfe zu spät. Die Schwarzen haben fürchterliche Angst vor Schlangen. Sie erschlagen sie erst und sehen dann nach, ob es eine Giftschlange ist. Dabei gibt es sicher mehr Tote als Folge verschleppter Erkältungen als durch Schlangenbisse.«
Er holte die Klappstühle aus dem Jeep und den Korb. Sie setzten sich neben den Baum, den Korb zwischen sich auf dem Boden. Zola klappte ihn auf und nahm zwei große Dosen heraus, hielt ihm beide hin.
»Wildhuhn oder Antilope?«
»Wenn es die Antilope ist, die auch das Gulasch geliefert hat, dann nehme ich die.«
Sie öffnete die Dose und gab ihm einen Brocken Fleisch und einen dicken Kanten Brot. Dann nahm sie Becher aus dem Korb, eine Thermoskanne und schenkte Tee ein. Das Fleisch schmeckte wunderbar. Wildfleisch ist viel trockener, fettarmer als das der Stalltiere.
Eduard versuchte, aus seinem Becher zu trinken. Seine Hand zitterte erbärmlich. Schnell nahm er die andere zur Hilfe, hielt den Becher mit beiden Händen. Er bemerkte Lars’ forschenden Blick und sah ihn mit traurigen Augen irgendwie bittend an. Hoffentlich übersteht er die Rückfahrt, dachte Lars.
Es war angenehm im Schatten und je länger sie dort saßen, umso schläfriger fühlte sich Lars. Eduard fiel immer wieder das Kinn auf die Brust, wenn er weg nickte. Zola schien die Hitze nichts auszumachen, und mit ihrer Redseligkeit hielt sie Lars wach.
Jäh erstarrte sie und lauschte. Wie ein Tier, das Witterung von etwas Gefährlichem aufgenommen hat.
»Was ist?«, fragte Lars.
Sie legte den Finger auf die Lippen, schloss die Augen und senkte den Kopf. Dann hörte er es. Ein dumpfes rhythmisches Dröhnen. Trommeln. Es schien weit weg zu sein. Der Rhythmus war langsam, gleichmäßig und klang bedrohlich. Zola lauschte eine Weile, stand dann auf und schüttelte Eduard, sagte etwas auf Lingála zu ihm.
Eduard war sofort hellwach.
»Wir müssen zurück, schnell«, sagte er.
»Was ist los?«, wollte Lars wissen. Eduard gab keine Antwort.
Eilig trugen sie die Reste ihres Picknicks und die Stühle zum Wagen, stiegen ein und Eduard startete hastig den Motor. Minuten später waren sie auf dem Sandweg und fuhren so schnell, wie eben möglich, in die Richtung, aus der sie gekommen waren.
»Was ist passiert?«, fragte Lars erneut.
»Sie haben ein Dorf überfallen«, sagte Eduard.
»Die Station?«
»Ein Dorf nicht weit entfernt von der Station.«
Er sah angestrengt auf den sandigen Weg vor ihnen. »Sie wollen zu mir, sie warten in der Station auf mich.«
Als Lars zurückblickte, sah er eine riesige Staubwolke hinter ihnen.
Nach etwa einer Stunde legte Zola Eduard eine Hand auf die Schulter und er hielt an. Er griff in die Tasche und zog den Flachmann hervor und nahm einen langen Zug. Lars wusste, dass er ihn bei sich hatte. Die dumpfe Trommel war jetzt sehr viel lauter. Zola stieg aus und setzte sich mit gekreuzten Beinen auf den sandigen Boden. Dabei schloss sie die Augen als wollte sie meditieren.


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21. August 2017

'Die Moral des Todes' von Mark Franley

Eine Woche lang Weiterbildung in Berlin. Hauptkommissar Lewis Schneider ist sich sicher, dass es sich dabei nur um eine Bestrafung seines Chefs handeln kann. Als am Ende des ersten Seminartages eine schaurig inszenierte Leiche gefunden wird, nutzt er die Chance und versucht an den Ermittlungen beteiligt zu werden.

Ein Mord, ein Unglück ungekannten Ausmaßes und eine Reporterin, die zu viel weiß. Bereits die ersten Erkenntnisse der Mordkommission weisen darauf hin, dass es sich nicht um Zufälle handelt, und bald darauf steht fest, dass der Täter gerade erst mit seinem perfiden Spiel begonnen hat. Sein Ziel ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten. Kein Mensch in dieser Stadt soll sich mehr sicher fühlen, sie sollen spüren, wie es ist, wenn man auf der anderen Seite steht.

Die Gründe für Lewis gespaltenes Verhältnis zu Berlin scheinen sich zu bestätigen. Kann er den Psychopathen aufhalten und ein Stück seiner Vergangenheit zum Guten wenden?

Gleich lesen: Die Moral des Todes: Psychothriller

Leseprobe:
»Wie geht es Ihnen?«
Der Standardsatz klingt so abgedroschen wie immer. Ich bemühe mich und höre mich selbst sagen: »Ich hatte gute Tage.« Seine Augen zeigen eine erfreute Reaktion, ich habe meine Sache gut gemacht. Er schließt die Tür mit dieser eingeübten Bewegung, die sie alle draufhaben. Die linke Hand drückt die Tür ins Schloss, während die rechte bereits auf den mir zugedachten Stuhl zeigt. Der Boden unter meinen Schuhen fühlt sich weich an. Vielleicht auch einer dieser Tricks, um von vornherein für etwas Entspannung zu sorgen.
Während mir das kalte Kunstleder des Stuhls ein leichtes Frösteln über die Haut jagt, nimmt auch er Platz. Wie erwartet folgt der obligatorische Blick in meine Akte, dann hebt er den Kopf und mustert mich. Alles wie immer, wobei ich mich frage, für was dieser Blick in die Akte gut sein soll. Wir kennen uns inzwischen seit über einem Jahr und die Gespräche drehen sich immer um die gleichen Themen. Auf diesem Papier kann faktisch nichts Neues stehen.
»Sie wirken etwas abwesend, geht es Ihnen wirklich gut?«
Die Frage war gefährlich. Alarmiert schiebe ich meine eigentlichen Gedanken ein wenig zur Seite: »Ja … ja, alles gut. Ich musste nur gerade über Ihren Teppich nachdenken.«
»Über meinen Teppich?«
Ich habe ihn überrascht und damit abgelenkt, das ist gut. Nun vermittelt meine Körperhaltung eine Entspanntheit, die ich nicht habe, zumindest nicht mehr in dem Leben, das gemeinhin als normal bezeichnet wird. Meine Stimmlage trifft exakt den richtigen Plauderton, als ich erkläre: »Ihr Teppich fasziniert mich jedes Mal. Er vermittelt einem das Gefühl zu schweben. Darf ich fragen, wo man so etwas bekommt?«
Für einen kurzen Augenblick glaube ich, er hat mich durchschaut, aber so gut ist er nicht. Wie jeder Mensch, der ein Kompliment bekommt, kann auch er sich der Wirkung nicht entziehen. Mit dem Versuch, nicht auf dieser banalen Ebene zu bleiben, murmelt er wie nebenbei: »Ich gebe Ihnen später die Adresse des Ladens«, und mit einer Geste, die wichtig wirken soll, kehrt er zu dem eigentlichen Grund meines Besuchs zurück: »Sie sagten vorhin, dass Sie sehr gute Tage hatten. Wie darf ich das verstehen?«
Ich kenne deine Fallen, schießt es mir durch den Kopf, und ich antworte ohne jede Aggressivität in der Stimme: »Sehr gut waren sie nicht, das sagte ich auch nicht. Aber ja, ich hatte gute Tage.« Und nach der obligatorischen Pause füge ich hinzu: »Diese Geschichte, die Sie mir das letzte Mal erzählt haben. Wissen Sie noch? Die, in der es um das Kind mit den Alpträumen ging und darum, wie das Kind dagegen ankämpfen konnte. Diese Geschichte ist irgendwie hängen geblieben, und immer wenn es in mir dunkel wurde, konnte ich dem etwas entgegensetzen.«
BAM, das nächste Lob, und ich weiß: In dieser Sitzung kann er mir nichts mehr anhaben.
»Möchten Sie die Geschichte noch einmal hören?«
Ich nicke, denn genau das war der Grund, warum ich ihn gelobt habe. Solange er mir etwas vorliest, kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen und muss nicht ständig auf der Hut sein. Folglich antworte ich fürsorglich: »Haben wir denn noch so viel Zeit?«
Ein schneller Blick zur Uhr, eine Geste der Entspannung, dann greift er zum Buch. »Ja, das schaffen wir noch, und wenn es Ihnen so gut geholfen hat, kommt es auf ein paar Minuten mehr nicht an.«
Lüge, das Wort flammt in mir auf, als hätte jemand einen Scheinwerfer eingeschaltet. Prof. Dr. Gayer hat für einen Pflichtpatienten, wie ich einer bin, noch nie eine Minute mehr als nötig geopfert. Die Krankenkasse zahlt lausig und vor der Tür sitzt mit Sicherheit schon jemand, bei dem er ein Vielfaches abrechnen kann.
Während er das schmale Kinderbuch zur Hand nimmt, mache ich, was er mir bereits beim letzten Mal gesagt hat. Ich lehne mich zurück, schließe die Augen und tue, als würde ich seiner Stimme lauschen.
Natürlich höre ich nicht zu. Erstens ist mir die Geschichte scheißegal und zweitens ist der Mann ein furchtbarer Vorleser. Ob ich ihn vielleicht doch töten sollte, kommt es mir wieder einmal in den Sinn, aber eigentlich habe ich dieses Thema bereits abgehakt. Es wäre einfach nur dumm und schon zu viele sind an ihren dummen Fehlern gescheitert. Außerdem halte ich den Mann für keinen schlechten Psychiater. Im Gegensatz zu manchen anderen lässt er sich nicht zu voreiligen Schlüssen hinreißen und was das Wichtigste ist, er versucht, das Gute in jedem zu sehen. Ein Umstand, der ihm vermutlich gerade das Leben rettet. Prof. Dr. Gayer macht, was er gelernt hat, und bei den meisten seiner Patienten gelingt ihm vielleicht tatsächlich der Blick hinter den Schädelknochen. Dass es bei Menschen wie mir nicht funktioniert, ist nicht seine Schuld. Gegen die Mauern in meinem Geist ist die Chinesische Mauer nicht mehr als ein Blatt Papier. Nein, ich kann ihm wirklich nichts zum Vorwurf machen.

Zurück auf der Straße lobe ich mich selbst für die Abschiedszene. Meine Tränen der Erleichterung waren über jeden Zweifel erhaben und stimmten Prof. Dr. Gayer zuversichtlich, bald einen Abschlussbericht schreiben zu können. Es ist unglaublich, wie viel Zeit ich in meinem alten Leben darauf verschwendet habe, darüber nachzudenken, was andere von mir halten und wie ich es ihnen allen recht machen kann. Doch das ist vorbei, jetzt geht es nur noch um mich und darum, meinen göttlichen Auftrag auszuführen. Ich bin das Zentrum und da dies nicht jeder wahrhaben will, ziehe ich meine Konsequenzen.
»Es waren gute Tage«, sagte ich vor einer Stunde und in der Tat, das waren sie. Wie lange habe ich nach Antworten darauf gesucht, was dieser Dämon in mir eigentlich will? Wie haben mich seine tausend Gesichter malträtiert. Mal als Wutausbruch, mal in tiefer Traurigkeit, mal mit dem Messer über der Haut meiner Pulsadern. Dann las ich sie, diese eine kurze Geschichte. Es war ein plötzliches Begreifen von bestechender Klarheit. Nicht ich bin das Problem, es ist die Gesellschaft, die hinter der Maske aus Moral alles in Schutt und Asche legt.
Schließlich begriff ich, was mit Worten nicht zu vermitteln ist. Auge um Auge, Zahn um Zahn, etwas anderes versteht man damals wie heute nicht.
Er, mein erstes Geschenk an mich selbst, sitzt bereits in meinem Keller und wartet darauf, dem gegenüberzutreten, dessen Worte er mit Füßen getreten hat.
Jahrelang hat er geglaubt, Menschen manipulieren zu können. Im Namen einer falschen Moral hat er hochmütig Lügen erzählt und sein Wort als das einzig Wahre dargestellt.
Heute Nacht, nachdem ich ihm gezeigt habe, was für ein Unglück seine Macht über die Menschen gebracht hat, wird Gott die Hand ausstrecken und sich holen, was ihm gehört … eine weitere kalte Seele.
Noch ist es nicht so weit, bis zu meinem großen Auftritt bleibt mir genügend Zeit, und so beschließe ich, diesen ersten Paukenschlag zu feiern. Es ist ein komischer Gedanke, aber warum eigentlich nicht? Der kleine Supermarkt liegt auf dem Weg. Hier kennen mich die Leute, auch wenn wie immer niemand Notiz von mir nimmt.
Normalerweise liebe ich ein gut gebratenes Steak, ob es mir heute Abend schmecken wird, weiß ich allerdings noch nicht, dazu fehlen mir einfach die Erfahrungswerte. Egal.
Während mir die freundliche Verkäuferin ein zwei Finger dickes Stück Fleisch herunterschneidet, plaudern wir ein wenig über die anderen Kunden. Im Laufe eines Tages hat sie ständig mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun und ich verstehe nur zu gut, was sie über einige von ihnen denkt. Im Gegensatz zu mir steht sie noch immer ganz am Ende der Nahrungskette. Eine alternde, alleinerziehende Verkäuferin mit schmutziger Schürze entlockt den meisten Menschen allerhöchstens einen betroffenen Gedanken. Der großen Masse ist sie schlicht egal.
Mit den Worten »Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und lassen Sie sich nicht mehr ärgern« nehme ich das Bündel mit dem blutigen Fleisch entgegen und verabschiede mich. Sie lächelt, vielleicht das einzige Mal an diesem Tag.
Die weiteren Zutaten für meine kleine Privatfeier sind schnell gefunden und so verlasse ich zehn Minuten später den Laden. Eine gute Flasche Wein, roter natürlich, ein paar Zuckerschoten und ein paar Kroketten zu dem frischen Fleisch. Welch ein Leichenschmaus, denke ich schmunzelnd und gleichzeitig begreife ich, wie gut mir das alles tut. Es gleicht am ehesten einer Transplantation. Als ob man das faulige Stück Seele für eine Weile auslagert … Allerdings ist es auch, und dessen bin ich mir durchaus bewusst, eine Erleichterung auf Zeit. Doch wenn ich alles richtig mache, kann ich es jederzeit wiederholen, denn es gibt noch so viele von ihnen. Der Gedanke daran jagt mir einen wohligen Schauer über den Rücken.
Pünktlich um fünfzehn Uhr betrete ich den kleinen Raum im Keller meines Elternhauses. Früher habe ich hier meine Fotos entwickelt, doch seit es Digitaltechnik gibt, erübrigt sich das. Trotzdem steht alles, was man dazu benötigt, noch fein säuberlich abgedeckt in einer Ecke. Ich mag den Gedanken nicht, aber vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem ich die jetzige Bestimmung dieses Raums leugnen muss.
In Gedanken noch nicht ganz bei der Sache werfe ich zunächst nur einen flüchtigen Blick auf ihn, wobei ich feststelle, dass es nun auch genug ist. Diese schmalen braunen Augen, das inzwischen ungewaschene Haar und der Mund, mit dem er mich einlullen wollte, erzeugen nur noch Ekel in mir. Alles, was ihn noch ein kleines bisschen interessant macht, ist diese Angst, die er ausstrahlt und mit der er mir nur noch mehr Macht verleiht.
Ohne auf das wehleidige Gewinsel einzugehen, klappe ich den mitgebrachten Laptop auf und sage: »Ich werde dir jetzt den Knebel abnehmen und dir etwas zu trinken geben. Anschließend wirst du mir die Passwörter für deine Konten bei den sozialen Netzwerken geben und mir mit deinen Worten einen Text an deine Anhänger diktieren. Hast du das verstanden?«
Er nickt, aber in seinem Blick liegt keine Zustimmung. Ich stelle den Laptop auf den Stuhl, der ihm gegenübersteht, trete hinter ihn und löse den Knoten des Tuchs, das ihn am Reden hindert. Doch bevor ich den Stoff freigebe, beuge ich mich an sein Ohr und flüstere: »Nicht dass wir uns falsch verstehen, dein Leben wird davon abhängen, ob ich mit der Zusammenarbeit zufrieden bin. Du solltest dir also Mühe geben.« Er nickt erneut und ich nehme den Knebel aus seinem Mund. Seine ersten Sprechversuche sind so jämmerlich wie alles an ihm. Er bekommt das versprochene Wasser, trinkt gierig und fragt dann mit rauer Stimme: »Was soll ich tun?«
»Zuerst die Passwörter für Facebook, Twitter und den Zugang für deine Parteien-Website.«
»Warum?«
Der Schlag ins Gesicht trifft ihn völlig unerwartet und hinterlässt eine kleine Platzwunde über dem Auge. Eigentlich kann ich mit dieser Form von Gewalt nichts anfangen, habe aber keine Zeit für Spielchen. Ich setze mich auf den Stuhl, lege den Laptop auf meine Oberschenkel und frage ruhig: »Wie lauten die Passwörter?«
Er räuspert sich, zwinkert das Blut aus seinem linken Auge und sagt widerwillig: »Adolf1939 … bei allen drei Seiten.«
»Hätte ich mir denken können«, murmele ich und tippe die Buchstaben in die entsprechenden Felder der bereits geöffneten Internetseiten

Im Kindle-Shop: Die Moral des Todes: Psychothriller

Mehr über und von Mark Franley auf seiner Website.



18. August 2017

'Sternenreich - Rebellen des Imperiums' von Andreas Kohn

'STERNENREICH – Rebellen des Imperiums' ist eine Science-Fiction-Reihe aus sechs Bänden. Der Umfang von 70-100 Seiten der Print-Versionen entspricht etwas mehr als dem eines klassischen Heftromans und ist exklusiv auf AMAZON als Taschenheft und Kindle-Version erhältlich. Über die Kindle Leihbücherei auch kostenlos.



Die Handlung der klassischen Space-Opera spielt, von Heute aus gesehen, etwa 5000 Jahre in der Zukunft. Der Menschheit ist es gelungen zu den Sternen zu reisen. Ungehemmt breitete sich der Mensch über den Spiralarm der heimatlichen Galaxis aus und besiedelte ein System nach dem anderen. Meistenteils auch ohne Rücksicht auf jene Zivilisationen zu nehmen, die bis dahin noch nicht einmal in der Lage waren, ihren eigenen Planeten zu verlassen. Zur Handlungszeit ist dieser Expansionsdrang jedoch seit einigen hundert Jahren erlahmt und durch ein friedliches miteinander ersetzt.

Die Protagonistin Tanja aka Tanjatabata Penelopa deTiera ist, als designierte Nachfolgerin auf den Kaiserthron ihres Vaters, das Ziel bislang unbekannter Mächte. Gleichzeitig werden am Hof von Imperium Prime die Fäden gesponnen, um den herrschenden Kaiser zu ersetzen und die alte "Herrlichkeit" wieder herzustellen.

Die Bände 1 bis 3 sind zusammengefasst als Sammelband erhältlich.

Gleich lesen: Sternenreich - Rebellen des Imperiums (Reihe in 6 Bänden)

Leseprobe:
»Noch zwei ganze Jahre«, schimpfte Gisbert laut. Hören konnte ihn, außer Lopold im Cockpit vielleicht, niemand. Der Hangar war durch Prallschirme in würfelförmige fünfzig mal fünfzig Meter große Sektionen gegen einen möglichen Druckverlust unterteilt. Man konnte zwar gegen einen gewissen Widerstand hindurchgehen, aber Schallwellen wurden einfach verschluckt.
Dass Lopold ihm über das Headset offenbar zugehört hatte, bewies die Antwort in Form des meckernden Lachens.
Er lag auf einem Rollbrett unter dem hinteren Ende des Backbord-Flügels der Fähre und versuchte kopfüber an einer Stellschraube einen Grünwert auf dem Messgerät, das er neben sich abgestellt hatte, zu erreichen. Wann immer er die Schraube einen Hauch nach rechts oder links drehte, leuchtete für einen Augenblick das grüne Lämpchen auf, um dann sofort wieder auf Rot umzuspringen.
»Wenn du nicht immer so mit deinem Schicksal hadern würdest, Gis, hättest du sicherlich auch viel mehr Spaß in deinem Job!« Wieder ließ der kleine Sympather seinem Lachen über den Funk freien Lauf. Solche Neckereien hatten sie bereits lange bevor sie in die Garde aufgenommen worden waren, getrieben.
»Ihr braucht jetzt nicht wirklich noch zwei Jahre, oder?«
Die Stimme, die Gisbert ’Gis’ Mortens gerade vernehmen konnte, kam nicht über den Funk, sondern von dort wo sich ungefähr seine Füße befanden. Er schaute über seinen Bauch in Richtung seiner Zehen und stieß sofort mit der Stirn gegen die herunterhängende Wartungsklappe über sich. Ungehalten über den Schmerz und die Störung seiner Arbeit, rutschte ihm auch noch der Prüfstift aus der Hand, mit dem er die Stellschraube bearbeitet hatte.
»Wer will das wissen?«, fragte er, während er auf seinem Brett unter der Fähre hervorrollte. Direkt über ihm stand, die Hände in die Hüften gestemmt, Lavina. Er kannte sie nur vom Sehen. Ihr blondes, schulterlanges Haar, der wohlproportionierte Körper und ihr neckisches Lachen hatten sich ihm aber schon lange in die Windungen seines Gehirns gebrannt. Plötzlich waren der Schmerz und die noch nicht abgeschlossene Arbeit vergessen und machten der Freude, seiner Angebeteten endlich etwas näher zu sein, Platz.
Wie oft hatte Lopold ihn aufgefordert, sie anzusprechen, wenn er sie schon so anschmachtete. Aber nie hatte er die Gelegenheit als passend empfunden. Bei dem Versuch, schnell und elegant aufzustehen, um ihr Auge in Auge gegenüberzustehen, stieß er erneut irgendwo dagegen. Dieses Mal war es der Auslassstutzen einer Steuerdüse.
Er ahnte, dass er für sie auf ewig der dumme Trottel sein würde, der seine Gliedmaßen nicht unter Kontrolle hatte. Ihr Gesicht zeigte keinerlei Regung, nicht einmal einen Hauch von Schadenfreude. Mit zusammengepressten Lippen starrte sie ihn voller Ernst an.
»Das ist dein Schiff?«, stotterte Gisbert. Er wusste, dass sie Pilotin war. Dass sie aber die imperiale Fähre steuerte, war ihm neu. Andererseits hätte sie, wenn nicht, wohl kaum einen Grund gehabt, hier aufzutauchen.
»Was ist nun? Ich muss die Fähre morgen wohl zur REBEL DEFIANCE überführen. Ist der Annäherungssensor nun kalibriert oder nicht?«
»Er ist nahe dran. Funktioniert einwandfrei«, stotterte Gisbert erneut. »Für hundertprozentige Leistung müsste er aber besser irgendwann ausgetauscht werden.«
Lavina wollte erst mürrisch noch einen bösen Spruch nachlegen, entschied sich dann aber für ein eher gemäßigtes Vorgehen. Es ist wie mit Zahnärzten und Friseuren, dachte sie. Mit denen sollte man es sich nie verscherzen, wenn man nicht mit Schmerzen oder einer schiefen Frisur nach Hause gehen wollte. Schließlich hing unter Umständen das eigene Leben von der Fingerfertigkeit eines Wartungstechnikers ab.
»Du bist Gisbert Mertens?«
»Mortens«, korrigierte er sie. »Kannst aber Gis zu mir sagen.«
So richtig interessierte sich Lavina nicht für ihn. Das merkte Gis sofort. Denn ihr suchender Blick ging an ihm vorbei in die offene Schleuse der Fähre.
»Verlässt du denn dann die NOVALIT?«, versuchte Gisbert ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken.
Er wusste wonach, beziehungsweise nach wem sie Ausschau hielt. Alle Sympather hatten bei den Frauen ein Stein im Brett. Und unter normalen Umständen brachte einem die Freundschaft mit einem Sympather ohne Probleme reihenweise Frauenbekanntschaften ein. Leider war Lopold etwas aus der Art geschlagen. Er hatte mittlerweile eine tiefe Abneigung gegen die Avancen menschlicher Frauen entwickelt. Was wiederum umgekehrt proportionale Auswirkungen auf Gisberts Liebesleben hatte. Das komische war, mittlerweile mussten alle Frauen an Bord der NOVALIT wissen, dass Lopold anders war. Trotzdem hielt es sie nicht davon ab, ihn anzuschmachten. Da war irgendetwas Chemisches mit im Spiel.
Lopold hatte gesagt, dass Sympather wohl unbewusst ein Pheromon abgaben, das auf das weibliche Geschlecht eine magische Anziehungskraft ausübte.
Dafür straften sie Gisbert umso mehr und machten ihn mehr oder weniger dafür verantwortlich, dass das so war.
»Lopold ist im Cockpit«, sagte Gisbert resignierend.
Wenn Lopold wenigstens einmal ein Einsehen hätte und wenigstens ihm zuliebe mitspielen würde, dachte er. Aber nein. Der feine Herr drehte förmlich durch, wenn ihm menschliche Weibchen zu dicht auf den Pelz rückten.
Wie zur Bestätigung seiner Annahme drückte sich Lavina an ihm vorbei und trat auf die Rampe, die vom Heck aus in die Fähre führte.
»Ich geh mal schauen, ob an Bord alles in Ordnung ist«, sagte sie und ließ Gisbert links liegen. Gisbert dagegen schüttelte seufzend den Kopf und schaltete sein Headset wieder ein.
»Lo. Du bekommst Besuch.«

Im Kindle-Shop: Sternenreich - Rebellen des Imperiums (Reihe in 6 Bänden)

Mehr über und von Andreas Kohn auf seiner Website.



17. August 2017

'Angelina: Alles im Zeichen der Liebe' von Monica Bellini

Die 3jährige Angelina Soriano verschwindet im Juli 1984 spurlos aus der Chicagoer Wohnung, in der ihre Eltern kurz zuvor von der Mafia hingerichtet wurden. Im Juni 2007 wird die 25jährige Studentin Angelina Arriola beim Verlassen der Universität entführt – und verschwindet spurlos.

Fünf Jahre später taucht eine bildschöne, unnahbare Frau in Los Angeles auf. Ihre finanziellen Mittel scheinen unendlich, ihre Kontakte zu den Mächtigen der Stadt die allerbesten. Innerhalb kürzester Zeit eröffnet sie einen Nachtclub, der seinesgleichen sucht. Sie wird von Frauen beneidet, von Männern begehrt. Ihr Leben scheint keine Wünsche offen zu lassen – doch sie hasst es. Von Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit umgeben, versucht sie, in einer Scheinwelt ohne Tiefgang und Liebe, die Vergangenheit zu vergessen – was ihr zumindest nachts, in ihrem Club, zu gelingen scheint. Bis zu dem Tag, an dem zwei Männer unbemerkt in das angeblich uneinnehmbare Zentrum ihres Rückzugsortes eindringen. Sie, die stets jeden Annäherungsversuch abblockt, wird plötzlich physisch bedroht.

Wird ihr Securitychef Rodney Carmichael, mit dem sie ein emotional prickelndes, jedoch wortloses Spiel verbindet, die Gefahr erkennen? Kann es für sie, deren Vergangenheit todbringende Geheimnisse birgt, eine Zukunft geben – und womöglich Liebe?

Gleich lesen: Angelina: Alles im Zeichen der Liebe

Leseprobe:
Das Licht im Gang flammt auf. Meine Absätze hallen bei jedem Schritt auf dem marmornen Boden wider. Ich gehe an den Lagerräumen vorbei und nehme die Treppe in den ersten Stock, der um diese Uhrzeit verwaist ist. Tagsüber arbeiten hier die für den reibungslosen Ablauf des Clubs Verantwortlichen. Waren müssen bestellt, die Einnahmen kontrolliert, die Ausgaben bezahlt und verbucht, und die Sicherheit von Mitarbeitern und Gästen garantiert werden. Die betreffenden Räume sind verschlossen, so wie mein Büro, zu dem nur ich Zutritt habe. Ich tippe den Code ein, die Tür entriegelt sich mit dem typischen, leisen Klicken, ich drehe den Türknauf und stoße sie auf. Die stummen Bilder der Überwachungsbildschirme tauchen das geräumige Zimmer in ein schwaches Licht. Wie immer fällt die Tür ins Schloss, während ich, ohne die Deckenbeleuchtung anzumachen, auf meinen Schreibtisch zugehe.
Ich komme nicht weit.
Jemand umfasst mich von hinten und blockiert meine Arme. Die Clutch entgleitet meinen Fingern und ich schreie auf. Laut. Ein sinnloses Unterfangen, da der gesamte Club schalldicht isoliert ist. Niemand wird mich hören. Aber in diesem Moment geht meine Logik flöten und die Angst nimmt von meinem ganzen Körper Besitz wie das Feuer von einem Strohballen.
»Schhhh«, raunt mir der Angreifer zu. »Wenn du tust, was wir wollen, geschieht dir nichts.«
Ich trete mit dem Absatz dorthin, wo ich seinen Fuß vermute. Ein heiseres Lachen antwortet mir. Noch bevor ich einen zweiten Versuch starten kann, blockiert er meinen Widerstand, indem er mich ganz einfach hochhebt und fest an sich drückt. Der Mann ist durchtrainiert und kräftig, aber schlank. Ich kann seine harten Muskeln an meinem Rücken spüren. Mein Herz rast wie wild. In wenigen Zehntelsekunden wäge ich meine Chancen ab.
»Es ist zwecklos, und du weißt es.« Ich erschauere erneut. Wer auch immer jetzt spricht, ist rechts von mir. Ich reiße den Kopf herum, erkenne schemenhaft eine Figur auf dem Sofa.
»Was wollt ihr?«, stoße ich in seine Richtung hervor, als mich der andere, der mich festhält, vorsichtig nach unten gleiten lässt, bis meine High Heels wieder das Parkett berühren. Nun schiebt er mich eng an sich gedrückt vor sich her. Ich spüre seine ausgeprägte Brustmuskulatur an meinem Rücken und eine riesige Beule an meinem Po. Ich schlucke.
»Ich habe kein Geld hier«, keuche ich während des Versuchs, meine Füße in den Boden zu stemmen, was mit den glatten Sohlen meiner Louboutins komplett idiotisch ist. »Wir arbeiten ...«
»... bargeldlos«, fällt mir mein Gegenüber ins Wort und doziert weiter, als ob er eine Vorlesung halten wollte. »Das macht es Übelgesinnten viel einfacher, weil sie dich von überall auf der Welt angreifen können. Um deine Konten leer zu räumen und an die Kundenkartei zu kommen, deren Veröffentlichung einige Lobbys auf den Kopf stellen könnte, müssen sie nur ein paar Firewalls überwinden, ohne dabei deinem Wahnsinnskörper nahezukommen.« Ich schlucke, er spricht mit einem Unterton, der nichts Gutes verheißt, weiter: »Ganz im Gegensatz zu uns, die wir es genau auf diesen abgesehen haben.«
Seine Worte lösen in mir etwas aus, das ich schon ewig nicht mehr verspürt habe. Meine Angst weicht einem undefinierbaren Prickeln. Die Vorstellung, dass zwei Männer in mein Büro eingedrungen sind, weil sie MICH wollen, lässt meine Klit anschwellen. Meine Schamlippen öffnen sich erwartungsvoll wie Blütenblätter vor einem Schwarm Bienen.
Der Typ, der sich gegen meinen Rücken presst, reibt sein Becken an meinem Hintern. Selbst durch den Rock kann ich spüren, wie angespannt sein Körper ist. Ich stöhne auf, als er die harte Wölbung in meine Pospalte drückt. Er knurrt, lockert den Klammergriff, umfasst meine Handgelenke mit nur einer Hand und zieht mit der anderen langsam den Zipp meiner Lederjacke nach unten.
»Was ...« Ich weiß nicht, was mehr zittert. Meine Stimme oder meine Knie.
»Schhhh«, raunt der hinter mir, schiebt die Jacke von meiner Schulter und leckt mit seiner Zunge vom Schlüsselbein zum Hals, weiter zum Kinn. Meine Beine fühlen sich an wie Wackelpudding, aber noch bevor ich zu Boden gehen kann, legen sich von vorne zwei Hände stützend an meine Hüften.
Ich starre in das Halbdunkel, suche das Gesicht, das vor mir sein muss. Sinnliche Lippen, Dreitagebart, breite Nase, helle Haut. Und eine schwarze Augenmaske. Nur das Weiße um seine Iriden ist erkennbar, sonst ist alles dunkel. Er geht vor mir in die Knie, seine rechte Hand gleitet durch den Rockschlitz an die Innenseite meines Schenkels und streicht über die Spitzenbordüre. Sanft gleiten seine Finger höher, berühren die Seide, die meinen Venushügel bedeckt. Ein verräterisches Beben erfasst meinen Köper.

Im Kindle-Shop: Angelina: Alles im Zeichen der Liebe

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.