17. Mai 2017

'KEMET: Der Fluch (Teil 1)' von Hanna Julian

Als David einen Horrorladen eröffnet, erfüllt er sich damit einen großen Traum. Endlich kann er sich, neben den üblichen Horrorartikeln, ausgiebig mit seinem Hang zum Mystischen beschäftigen.

Seiner ohnehin schon angeschlagenen Beziehung mit Linus bekommt seine neue Betätigung allerdings weniger gut. Nachdem David von einem Kontaktmann einige okkulte Gegenstände erworben hat, geschehen seltsame Dinge. Was anfangs noch wie eigenartige Zufälle aussieht, wird schließlich zur lebensbedrohlichen Gefahr – denn ein uralter ägyptischer Fluch hat die Zeiten überdauert, um grausame Rache zu üben.

Erster Teil der Gay-Mystery-Reihe "KEMET Der Fluch".

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Leseprobe:
Prolog
Kemet – Das alte Ägypten Wael stand am Ufer des Nils und blickte über seinen Besitz. Das Land, die Früchte auf den Feldern, das Vieh – alles gehörte ihm. Er war ein reicher und mächtiger Mann. Doch er war nicht mächtig genug gewesen, den, den er liebte, an sich zu binden. Die vielen Geschenke, die er ihm gemacht hatte, nachdem sie ihr Lager teilten, hatten den ärmlichen Bauern Fenuku nicht davon abgehalten, sich mit einem Reisenden zu vergnügen. Wie weh es getan hatte, die beiden Männer dabei zu ertappen, wie sich ihre Leiber gemeinsam wälzten ... Wael hatte sich im Zorn auf sie stürzen und mit bloßen Händen erwürgen wollen, doch zu zweit waren sie stärker als er gewesen, und so hatten sie entkommen können.
Waels einst grenzenlose Liebe war blindem Hass gewichen. Fenuku hatte ihn so schrecklich gedemütigt, dass es nur noch ein Ziel gab: grausame Rache.
Wael ließ Fenuku und den Fremden suchen, doch niemand wusste, wohin sie verschwunden waren. Wael selbst suchte tagelang das fruchtbare Niltal und darüber hinaus die angrenzende Wüste ab. Doch Fenuku und dessen Liebhaber waren nicht mehr auffindbar gewesen. Waels Demütigung wuchs damit sogar noch. Jeder, der seinen Weg kreuzte, schien ihn insgeheim zu verspotten, weil er die Betrüger nicht hatte bestrafen können. Aus Waels tief in Liebe entflammtem Herzen wurde ein Ort der Finsternis. Kein Sonnenstrahl vermochte es zu wärmen, kein Wort konnte die Verbitterung schmälern. Rache war alles, was er nun noch ersehnte, und so traf Wael eine grausame Entscheidung. Er ließ den Magier Ombus rufen und beschwor ihn, seine schwarzmagischen Fähigkeiten gegen Fenuku und den Reisenden einzusetzen. Ombus willigte ein und nannte seine Bedingungen für die übersinnlichen Dienste. Er wies Wael an, zwei handliche Statuen fertigen zu lassen, die beide identisch aussahen. Als Wael sie ihm bei einem neuerlichen Treffen überließ, versah Ombus jede von ihnen mit Sigillen, die Dämonen auf den Plan riefen, Schmerz, Verderben und schließlich einen grausigen Tod über die Betrüger bringen sollten. Dann ließ er sich aus Waels Herde zwei weiße Pferde bringen und ihnen die Augen verbinden. Nachdem er die Statuen an den Hälsen der Pferde befestigt hatte, versetzte er ihnen mit einem Stock einen festen Schlag aufs Hinterteil, sodass die Tiere in Panik davonliefen.
»Ohne sehendes Auge werden die Boten ihren Weg rasch finden. Sie bringen den Fluch zu denen, die er treffen soll. Der Rache wird Genüge getan, denn die Dämonen sind gierig danach, Fenuku und den Unbekannten zu bestrafen. Du hast deine kostbarsten Pferde gewählt, das ist gut, denn sie dienen nicht nur als Boten, sondern auch als Dankesopfer.«
Der Magier ließ sich die zuvor verlangten Waren, Tiere und wertvollen Schmuck von Wael aushändigen, dann ging er seiner Wege.
Wael wartete drei Tage und drei Nächte. Er wusste nicht worauf, doch ihn gelüstete nach einem Beweis, dass Fenuku litt, so wie er selbst gelitten hatten – ja, wie er selbst immer noch litt. Wieder und wieder blickte er über das Land, bis am vierten Tage ein weißes Pferd am Horizont auftauchte.
Als es näher kam, erkannte Wael Fenuku auf dessen Rücken. Er war wohlbehalten. Fenuku sprang vom Pferderücken und warf sich zu Waels Füßen in den Staub. Er flehte ihn um Verzeihung an und versprach, von nun an nur noch zu ihm gehören zu wollen. Von dem Fluch, den Wael über ihn ausgeschickt hatte, wusste er nichts. Er hatte nur das ihm bekannte Pferd erblickt, ihm die Augenbinde gelöst und die seltsame Statue in seiner Tasche verstaut, um sie Wael zurückzubringen. Fenuku schwor, den Reisenden, dessen Namen auch er nicht kennengelernt hatte, niemals wiedersehen zu wollen. Zudem erklärte er Wael, er sei wie von einem Fluch besessen gewesen, kaum, dass er den Fremden erblickt hatte. Erst das ausgesandte Pferd, von dem Fenuku dachte, Wael hätte es ihm geschickt, damit er heimkäme, hatte ihn wieder zur Vernunft gebracht.
Wael glaubte Fenukus Worten und verzieh ihm. Sein Herz entbrannte augenblicklich erneut in Liebe zu ihm. Sie gaben sich einander stürmisch auf seinem Lager hin und liebten sich ein ums andere Mal. Als Fenuku schließlich, von der anstrengenden Reise und dem ausgiebigen Liebesspiel erschöpft, fest eingeschlafen war, nahm Wael die Statue und schlich sich aus dem Gemach. Er warf die unheilvolle Skulptur im hohen Bogen in den Nil, auf dass sie auf ewig versinken möge.
Als Fenuku am nächsten Morgen erwachte und sein Augenlicht verloren hatte, versprach Wael, ihm immer zur Seite zu sein. Er hielt dieses Versprechen auch als Fenukus Haut ein paar Tage später aufplatzte und Eiter aus den Wunden hervorquoll. Fenuku fieberte so heftig, dass er den Verstand verlor. Er schrie lange am Stück, bevor er schließlich das Bewusstsein verlor. Wael hielt ihn, obwohl sein Geliebter erbärmlich stank und kaum noch wie ein menschliches Wesen aussah.
Natürlich hatte er gewusst, dass es der von ihm erbetene Fluch war, der Fenuku dahinraffte. Wael schickte nach Ombus aus, doch der war nicht aufzufinden. Daraufhin sandte er Boten, die andere Magier auftreiben sollten. Jeder, der Fenukus Schicksal abwenden könnte, wäre ihm recht gewesen. Doch die Ausgesandten fanden niemanden rechtzeitig, der ihnen helfen konnte, und so starb Fenuku in Waels Armen. Als er am nächsten Morgen den Leichnam seines Geliebten zum Nil brachte, ging Wael mit ihm ins Wasser – und er kehrte nie wieder zurück.

1. Kapitel
Der Raum war staubig, die Regale standen leer. An der Decke kämpfte eine inzwischen im Handel verbotene Glühbirne um ihr Überleben. Wo der Vorbesitzer die wohl noch ausgegraben hatte?
Immerhin brachte sie ausreichend Helligkeit in das Ladenlokal, denn der Frühling wollte nicht so richtig in Fahrt kommen, und so blieb der Tag in tristes Grau gehüllt.
»Ist mein zukünftiges Geschäft nicht wundervoll?«, fragte David und drehte sich mit ausgestreckten Armen langsam im Kreis, um den ganzen Raum mit dieser Geste zu umfassen. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals – vor Freude, aber auch vor Nervosität, was sein Lebensgefährte Linus zu all dem sagen würde.
»Es ist äh ...« Linus versuchte offensichtlich eine diplomatische Antwort zu finden. »Es ist eine Katastrophe«, stieß er dann hervor. Diplomatie war noch nie seine Stärke gewesen.
»Es ist ein Juwel«, wies David ihn mit einem milden Lächeln zurecht. Linus seufzte und sah seinem Freund in die strahlenden, grünen Augen.
»Sei doch bitte nur einmal ehrlich zu dir selbst. Vor allem, wenn es um so etwas Wichtiges geht. Du kommst mir vor, als würdest du planen, den Buckingham Palast zu mieten. Aber das hier ist nur ein ziemlich fürchterliches Ladenlokal, das seit Jahren leersteht, weil niemand in dieser Gegend ein Geschäft eröffnen will.«
»Doch. Ich. Ich will ein Geschäft eröffnen!«
Linus ließ sich auf einen Hocker mit zerfetztem Sitzpolster sinken, den der Vorbesitzer offenbar nicht entsorgt hatte. »Ich kann einfach nicht fassen, dass du den Mietvertrag schon unterschrieben hast, ohne vorher mit mir darüber zu sprechen.«
David verschränkte die Arme vor der Brust, seine halblangen, blonden Haare fielen ihm vor die Augen. Er spürte Groll in sich aufsteigen. Linus hatte treffsicher den wunden Punkt angesprochen – den, den er hätte meiden sollen. Ein Grund mehr, ihm jegliche Fähigkeit zur Diplomatie abzusprechen. David tat es nicht gerne, aber es wurde Zeit, seinem Freund mal ein paar klare Worte um die Ohren zu hauen.
»Das Geld, das ich in die Einrichtung und die Miete des Ladens stecke, ist ja schließlich mein Erbe, nicht deines. Wenn deine Eltern mal sterben, werde ich dir auch nicht reinreden, was du mit dem Geld machst. Aber wie du weißt, ist mein Vater schon lange tot, und das Erbe meiner Mutter kann ich so anlegen, wie ich es möchte. Und ich möchte nun mal diesen Laden eröffnen.«
»Einen Laden eröffnen … Ob du es hören willst oder nicht, ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist. Für eine Kleinstadt gibt es hier wirklich schon genug Boutiquen.«
»Boutiquen?« David war sprachlos. Er atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Dennoch wurde seine Stimme ein wenig schrill, als er schließlich hervorstieß: »Du denkst, ich will eine Boutique eröffnen? Wie kommst du denn auf so was?«
Linus hob in einer hilflosen Geste die Hände. »Na, weil du doch so auf Klamotten stehst. Und du hast auch wirklich einen guten Geschmack, das muss ich dir lassen. Aber deshalb gleich eine Boutique zu eröffnen, wo hier doch im Grunde jeder nur in Jeans und T-Shirt oder Pullover herumrennt ...«
»Verdammt nochmal, ich will keine Boutique eröffnen! Danke für das Kompliment, was meinen Kleidungsstil angeht, aber du solltest dir manchmal vielleicht doch etwas mehr Gedanken machen, bevor du sprichst. Aber Schwamm drüber. Ich gebe dir einen Tipp: Denk mal nach, was mein größtes Hobby ist! Dann kommst du bestimmt drauf, welches Geschäft ich eröffnen will.«
»Dein größtes Hobby? Ich dachte, das bin ich.« Linus lächelte verführerisch, musste jedoch husten als er den in der Luft herumwirbelnden Staub einatmete, was den sexy Effekt zunichtemachte.
David wartete geduldig.
»Dein größtes Hobby … Moment mal«, sagte Linus und kratzte sich an der Stirn. »Du meinst doch nicht etwa … Oh, nein, David, sag mir, dass du hier keinen Horrorfilm-Verleih aufmachen willst!«
Er sah seinen Freund flehentlich an. David zuckte mit den Schultern.
»Nein, will ich nicht. Also, keinen DVD-Verleih oder so. Aber einen Horrorladen, der außerdem noch mystische Sachen zu bieten hat, werde ich hier eröffnen.«
Linus fasste sich an den Kopf. Sein braunes, kurzes Haar lag so perfekt wie immer, aber seine Stirn wies nun tiefe Falten auf.
»Du machst Scherze. Das hoffe ich zumindest!«

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