22. April 2017

'Undercover Millionär: Verbotene Liebe' von Alisha April

Long Island, New York: Mit Vollgas rast er in das Leben der fünfundzwanzigjährigen Jess. Dabei hat sie noch Glück im Unglück bei dieser ersten Begegnung.

Doch so übel scheint der gutaussehende Taylor bei näherer Betrachtung gar nicht zu sein. Im Gegenteil: Er entpuppt sich als wahrer Gentleman, doch mit einer geheimnisvollen Vergangenheit. Was hat er zu verbergen? Als Jess es herausfindet, droht sie daran zu zerbrechen, denn ganz plötzlich hat sie mehr mit Taylors Herkunft zu tun, als sie sich je vorstellen konnte. Wie wird sie mit dieser Herausforderung fertig?

Eine humorvolle und auch tiefgründige Liebesgeschichte mit einigen unerwarteten Wendungen ...
Für einen Sommer voll Romantik und Träume.

Für kurze Zeit zum Einführungspreis von 99 Cent.

Gleich lesen: Undercover Millionär: Verbotene Liebe

Leseprobe:
Die untergehende Sonne warf fantasievolle Schatten und Muster in warmen Farben an Wände und Boden. Die beiden standen bereits eine Weile vor einem Bild, das erst am Morgen aufgehängt worden war. Jayden Harper, ein elegant gekleideter durchschnittlich aussehender Mittdreißiger mit blonden, halblangen Haaren, die er zu einem Zopf gebunden trug und grünen Augen, betrachtete das Gemälde eingehend von allen Seiten, während Jess ihn hoffnungsvoll anblickte. Jessica Blair wirkte in ihren Jeans und dem lässigen T-Shirt wesentlich jünger und kaum jemand hätte sie auf fünfundzwanzig geschätzt. Sie nahm ihre Sonnenbrille, die in ihren dunkelblonden, offenen Haaren steckte ab und begann, auf dem Bügel herumzukauen.
„Du sagst ja gar nichts?“, fragte sie schließlich und sah ihn aus ihren großen, ozeanblauen Augen ungeduldig an. „Sei bitte ehrlich, Jayden. Wenn es dir nicht gefällt, kann ich auch damit leben.“ Es klang selbstbewusst und Jayden bedachte sie mit einem schiefen Lächeln. Er erhöhte die Spannung noch etwas, indem er eine weitere kleine Pause einlegte. Dann meinte er lässig: „Tja, also, wenn du es wirklich wissen willst, … es ist dein bestes Bild ever!“ Jess blieb der Mund offen stehen.
„Jedenfalls von denen, die ich kenne“, fügte er schmunzelnd hinzu. Er wusste, dass sie noch einige weitere auf dem Speicher liegen hatte, die er noch nie zu Gesicht bekommen hatte und womöglich auch nie sehen würde. Er musste sie unbedingt ermuntern, weiterzumachen. In Jess schlummerte ein unvergleichliches Talent, das er selten so gesehen hatte. Die besondere Leichtigkeit, die in ihren Bildern zum Ausdruck kam, stach einem förmlich ins Auge und ihre Art, die Skyline von Manhattan zu malen, beeindruckte ihn tief.
Jess fiel ihm um den Hals. „Das rührt mich, Jayden! Du weißt, ich möchte immer ehrliche Kritiken und wenn du sagst, dass es gut ist, dann weiß ich, es ist gut!“ Sie wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel und atmete tief durch. Die Malerei war zwar nicht ihr Brotjob, aber sie nahm es zumindest genauso ernst. Auch wenn sie gerne mehr Zeit dafür gehabt hätte.
Jayden war die impulsive Szene ein wenig unangenehm, er war trotz seines jungen Alters ein etwas verkrusteter Typ. Vorsichtig blickte er sich um. Außer ihnen war niemand mehr im Kunsthaus. In zwanzig Minuten würden sie ohnehin schließen. Jayden war Galerist und ihm gehörte dieser Ausstellungsraum, in dem er regelmäßig Vernissagen und Künstlertreffen veranstaltete. Er bewohnte mit seiner Frau Abigail das Obergeschoss des Gebäudes, das nicht weit vom Strand und vom Lighthouse, dem Leuchtturm entfernt war, der das Wahrzeichen von Montauk auf der Insel Long Island darstellt.
Jess sah ihn eine Weile mit zurückgekehrter Skepsis an: „Meinst du, dass mein Bild sich verkaufen lässt?“
„Keine Sorge, beruhigte er sie mit seinem ausgeprägt schnarrenden Ostküsten-Akzent. „Übernächste Woche findet das Memorial Day Weekend statt, dann beginnt die Saison und du wirst dich vor Interessenten kaum retten können. Die meisten Gäste kommen ja aus der City, da sind die Leute scharf auf so etwas, glaub‘ mir, Süße!“ Jayden machte eine Pause und schürzte die Lippen. „Was mir aber eher den Kopf zermartert ist, wie ich dich dazu bringe, noch mehr dieser Traumstücke zu produzieren. Ich weiß, dass sie großen Anklang finden würden.“
Jess war erleichtert über seine Worte, nur befand sie sich in einem zeitlichen Dilemma. Sie nickte zustimmend, erklärte ihm aber gleichzeitig: „Wenn das so einfach wäre, Jayden! Du weißt, ich arbeite halbtags im Sea Crest Hotel, dann habe ich momentan einige Aufträge für E-Book-Cover zu machen und überdies gibt es auch noch Onkel James, um den ich mich kümmere. Da bleibt nicht mehr viel Zeit.“ Jess sah ihn mit hängenden Mundwinkeln an.

Im Kindle-Shop: Undercover Millionär: Verbotene Liebe

Mehr über und von Alisha April (Martina Schmid) auf ihrer Website.



21. April 2017

'Als ich verschwinden wollte: Meine Hungerjahre' von Carina Lechner

"Was im Kopf eines Mädchens vorgeht, das jahrelang mit unmenschlichem Nahrungsverzicht, Bulimie und Magersucht gelebt hat, will ich in diesem Buch offen bekennen. Du wirst verstehen, wie sich magersüchtige Mädchen fühlen. Und du wirst erfahren, wie mir meine Familie, meine Freunde und vor allem der Glaube geholfen haben, meine Mauer aus Angst Stück für Stück niederzureißen."

Über eine halbe Million Frauen in Deutschland sind magersüchtig. So wie Carina, die schon als Teenager verrückt war nach Essen und Erbrechen – bis sie mit 1,72 Metern Körpergröße nur noch 41 Kilo wog und beinahe gestorben wäre. In dieser schonungslosen Lebensbeichte schildert die heute 22-Jährige, wie sie den Kampf gegen die Magersucht gewann.

„Ich bin spindeldürr, alle Knochen stechen durch die Haut. Meine Augen wirken noch größer, da sie tief in die Höhlen gesunken sind. Im Spiegel sehe ich aus, wie ein erschrockenes Skelett. Aber ich hungere weiter...“

Gleich lesen: Als ich verschwinden wollte: Meine Hungerjahre

Leseprobe:
Ich bin im Einkaufzentrum, schlurfe von Geschäft zu Geschäft. Um mich herum hippe Klamotten, duftende Bodycremes, Schminke, Schmuck, Bücher, DVDs und anderes Zeug. Viele Leute sehen mich an, einige tuscheln verstohlen. Fast bin ich ein bisschen stolz. Vielleicht falle ich auf, weil ich so groß und schlank bin?

Ich beobachte eine Gruppe Gleichaltriger, die beschwingt an mir vorbei zieht. Sie freuen sich über ihre vollen Einkaufstüten, haben Spaß und quatschen angeregt. Mein Blick wandert zu den athletischen und braungebrannten Beinen der Mädchen. Dann sehe ich in ein Schaufenster und erschrecke: In der Scheibe spiegeln sich meine eigenen Beine und ich merke, wie schmal sie sind. Sie haben nur etwa die Hälfte, wenn nicht sogar weniger an Fülle als die Beine der sportlichen Mädchen mit den Einkaufstüten. „Das kann nicht sein“, denke ich, „so groß ist der Unterschied gar nicht. Ich bilde mir das nur ein.“

Doch so viel ich mich auch umsehe, keine der jungen Frauen in meinem Alter hat solche Streichholzbeine wie ich. Gibt es denn niemanden mit einer Figur, die meiner gleicht?

Nach einiger Zeit geht tatsächlich so ein Mädchen an mir vorbei. Sie trägt einen Coffee-to-go. Ihr Gesicht ist eingefallen, ihre Haut ist trocken und ihre Haare sind kaputt. Sie ist dürr. Das Mädchen ist hundertprozentig magersüchtig. Oder todkrank. Ich schnappe nach Luft, so erdrückend ist diese Erkenntnis. Das Mädchen fällt auf. Die Leute sehen ihr nach. Ich vergleiche sie mit meinem Spiegelbild, das anzusehen ich lange vermieden habe.

Sie sieht mir ähnlich. Sie ist wie ich.

Im Kindle-Shop: Als ich verschwinden wollte: Meine Hungerjahre

Mehr über und von Carina Lechner auf ihrer Website zum Buch.



20. April 2017

'Berlin in Love: Tease Me' von Loona Larsson

Was sich neckt, das liebt sich ...

Das meint zumindest Nelly, die beste Freundin von Regieassistentin Cara. Und tatsächlich ist Cara hin und weg, als sie dem aufstrebenden Theaterstar Gregory Schönberg zum ersten Mal begegnet. Wenn der Typ nur nicht so ein verdammt eingebildeter, schnöseliger Macho wäre!

Obwohl Cara sich geschworen hat, nie wieder etwas mit einem Schauspieler anzufangen, kommen die beiden sich über hitzigen Wortgefechten und den Proben zu Shakespeares "Viel Lärm um nichts" näher. Doch Greg scheint noch ein bisschen zu sehr an seiner Ex-Verlobten zu hängen und auch Cara wird von der Vergangenheit eingeholt ...

"Berlin in Love - Tease Me" ist eine leichte, romantische Liebeskomödie mit viel Humor und einigen expliziten Szenen.

Gleich lesen: Berlin in Love: Tease Me

Leseprobe:
Als ich kurz darauf durchnässt, frierend und humpelnd vor dem Theater ankam, war meine Laune auf dem Nullpunkt.
Was für ein beschissener Tag! Und ich war noch nicht einmal bei der Arbeit angekommen.
Während ich überlegte, ob es nun eigentlich nur besser oder womöglich noch schlimmer werden konnte, erblickte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite etwas, das mir gerade recht kam: die dämliche weiße Angeberkarre.
Und der dazugehörige Idiot stieg gerade aus. Er hatte ein Handy am Ohr und eine Sonnenbrille auf der Nase. Bei Regenwetter. Typisch!
Na warte!
Kurz entschlossen stürmte ich über die Straße – soweit es sich in meinen unbequemen High Heels eben stürmen ließ – wild entschlossen, den Pfützenrüpel zur Rede zu stellen.
Münchner Kennzeichen. Das war ja zu erwarten gewesen. Diese Schicki-Micki-Typen kannte ich aus meiner Studienzeit in München zur Genüge.
»He, Arschloch!«, rief ich erbost. »Hast du keine Augen im Kopf oder macht es dir Spaß, unschuldige Passantinnen nass zu spritzen?«
Auch die Klamotten waren typisch. Weißes Hemd, teure Destroyed Jeans und schnöselige Chelsea Boots. Und ein Designer Jackett gewollt lässig über der Schulter.
Wow. Der Hintern konnte sich allerdings sehen lassen ... Nicht ablenken lassen, Cara ...
Ich war fast bei ihm angekommen, als er sich umdrehte und mich spöttisch anlächelte.
»Wie meinen?«
Hm? Dieses Lächeln kam mir doch bekannt vor ...
Egal. Wann hatte man schon mal die Gelegenheit seine Wut an der richtigen Adresse loszuwerden?
»Wozu brauchst du eigentlich so eine Protzkarre?«, schimpfte ich unbeirrt weiter. »Wahrscheinlich kriegst du keinen hoch, oder dein Schwanz ist zu klein, oder ...«
»Alexa, ich muss aufhören«, sagte er in das Handy. »Ich habe hier ein kleines Problem. Wir reden später.«
Er drückte das Gespräch weg, dann nahm er die Sonnenbrille ab und seine stahlgrauen Augen blitzten mich belustigt an.
»Möchtest du deine Theorie nachprüfen?«
Shit!
Mein Unterkiefer klappte herunter und mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Vor mir stand kein Geringerer als Gregory Schönberg höchstpersönlich.
»Oh.«, sagte ich, was die einzige Reaktion war, die mir angemessen erschien. »Sie sind Gregory Schönberg.«
Er hob fragend die Augenbraue, anscheinend wunderte er sich ein wenig, dass er erkannt worden war.
Meine Güte, diese Augen! Dafür brauchte er beinahe einen Waffenschein, so durchdringend wie sie mich ansahen.
»Richtig.«, erwiderte er schließlich. »Aber wir waren ja schon beim Du, also kannst du mich Greg nennen. Und mit wem habe ich das Vergnügen?«
Gute Frage. Ich versuchte krampfhaft, mich an meinen Namen zu erinnern.
»Cara.«, stammelte ich schließlich und hielt ihm zögerlich meine Hand hin. »Cara Bachmann. Ich bin die Regieassistentin.«
»So?« Er musterte mich kurz von oben bis unten, dann nahm er meine Hand und ich fühlte mich wie vom Blitz getroffen, ich glaube, mir wurde kurz schwarz vor Augen.
»Schön, dich kennenzulernen, Cara.« Er lächelte wieder und ich schmolz förmlich dahin. Meine Wut war vollkommen verraucht.
»Es tut mir leid, dass ich Sie ...«
»Dich.«
»Dass ich DICH so angepöbelt habe ...«
Plötzlich merkte ich, dass er mir völlig unverhohlen auf meine Oberweite starrte.
Verdammt! Was dachte sich der Typ nur? Hektisch raffte ich meinen Strickmantel über der Brust zusammen. Schluss mit der Peepshow! Warum hatte ich mich nur derart freizügig angezogen?
»Dann sehen wir uns ja jetzt öfter.«, sagte er, während sein Blick wieder zu meinem Gesicht wanderte, und es war unklar, ob sich das auf mich oder meine Brüste bezog.
»Ja ... Sieht so aus.«, murmelte ich, und mir dämmerte langsam, dass die nächsten Monate alles andere als einfach werden würden.
»Dann kann ich dich ja vielleicht irgendwann vom Gegenteil überzeugen.«, sagte er und grinste.
»Was?«, fragte ich verwirrt. »Welches Gegenteil?«
»Ich meine, was deine Theorie über mein bestes Stück betrifft.« Er zwinkerte mir anzüglich zu. Dann drehte er sich um und ging einfach weg.
Ich schnappte schockiert nach Luft, während mir die Röte ins Gesicht stieg.
»Als würde ich mich für Ihren Schwanz interessieren!«, rief ich empört hinterher. »Und was ist eigentlich mit meinen Klamotten? Bestimmt müssen die in die Reinigung!«
Er wandte sich noch einmal zu mir um. »Wir waren beim Du. Schon wieder vergessen? Und was deine Kleider angeht: In meiner Garderobe gibt es bestimmt eine Heizung, über der du sie trocknen kannst.« Dann verschwand er im Bühneneingang.
Ich starrte ihm sprachlos hinterher. Das fiel unter sexuelle Belästigung, oder? Was für eine Frechheit! Und doch spürte ich ein wohliges Kribbeln im Unterleib, eines von der Sorte, das ich lange nicht mehr gespürt hatte.
Dieser Mann war noch viel gefährlicher, als ich befürchtet hatte.

Im Kindle-Shop: Berlin in Love: Tease Me

Mehr über und von Loona Larsson auf ihrer Facebook-Seite.



19. April 2017

'Verirrte Liebe' von Lisa Torberg

Schon bei der ersten Begegnung sprühen zwischen Dede und Ettore die Funken. Weder gesellschaftliche Schranken noch der Altersunterschied können ihnen etwas anhaben. Sie leben ihre Liebe, ihr Sohn macht ihr Glück komplett. Doch plötzlich gibt es Gerüchte, man sieht die beiden nur noch selten zusammen in der Öffentlichkeit.

Dede scheint unglücklich, zieht sich immer mehr in sich zurück. Ettore ist verzweifelt, er vermisst ihr Lachen, ihre gemeinsamen Gespräche, kann nicht verstehen, was mit ihrer Liebe geschehen ist. Er versucht alles, um ihr Schweigen zu durchbrechen. Und dann schleicht sich der Zweifel ein. Hat Dede Geheimnisse vor ihm? Gibt es einen anderen Mann?

Eine Liebesgeschichte vor der atemberaubenden Kulisse Roms – emotional, leidenschaftlich, prickelnd.

Gleich lesen: Verirrte Liebe

Leseprobe:
Er griff nach ihrem Arm und zog sie hoch. Seine Finger brannten wie Feuer auf ihrer Haut. Doch anstatt sich ihm zu entziehen, ließ sie es zu, dass er ihre Taille umfasste. »Damit Sie mir nicht noch einmal umkippen«, sagte er und hielt sie fest, als er mit ihr auf den Ausgang zustrebte. Wenige Minuten später saß sie ihm in einer kleinen Pizzeria unweit der Fakultät gegenüber. Das irritierende Gefühl, das sie bei seiner Berührung empfunden hatte, fehlte ihr. Sie, die den körperlichen Kontakt zu ihren Mitmenschen vermied, die zu lange die überbordenden elterlichen Zärtlichkeiten ertragen hatte, sehnte sich plötzlich nach den Händen dieses Mannes. Er bestellte für beide, ohne sie nach ihren Wünschen zu fragen, und sie nahm es hin. Bei jedem anderen, auch Mario, hätte sie ihrer Entrüstung Luft gemacht. Doch in dem Moment, in dem der Professore diese erste, banale Entscheidung an ihrer Stelle traf, unterwarf sie sich ihm willenlos. Und nicht nur, als sie die Quattro Stagioni aß, wo ihr Pizza in jedweder Variation zuwider war, seit sie mit ihrem Pizzaiolo zusammen war.
Sie schob einen Bissen nach dem anderen in sich hinein, ohne den Blick zu senken. Dass sie dabei jedes Mal ihren Mund traf, lag wohl daran, dass sie die Nahrungsaufnahme rasch hinter sich bringen wollte. Er beobachtete sie, doch er sagte nichts. Nur seine Mundwinkel zuckten hin und wieder amüsiert nach oben. Dede fühlte, dass noch mehr auf sie wartete als dieses verspätete Mittagessen, auch wenn sie nicht wusste, was, auch nicht, weshalb sie die Idee elektrisierte. Sie hatte kein Interesse an Sex, und Calogero Gallo war um vieles älter als sie und zudem kein schöner Mann. Sicherlich keiner, nach dem sich Frauen des Gesichts oder der Figur wegen umdrehten. Seine Schultern waren eine Spur zu schmal, die Gesichtszüge zu hart und die Augenbrauen buschig. Sein Körper war ihm offensichtlich nicht allzu wichtig, hatte er bereits mit siebenunddreißig einen leichten Bauchansatz und keinen klar erkennbaren Muskel. Doch machte er all das mit dem stechenden Blick und dem unergründlichen Lächeln wett, mit dem er sie ansah. Dede legte Gabel und Messer nieder und wischte sich mit der Serviette über die Lippen. Als ob er darauf gewartet hätte, zog er seine Brieftasche hervor und warf einen Geldschein auf den Tisch. Er stand auf, reichte ihr die Hand und zog sie hoch. Später konnte sie sich nur noch daran erinnern, dass er ein Taxi herangewinkt und sie in den Fond des Fahrzeugs geschoben hatte.
Wie ein Kind dem Rattenfänger von Hameln folgte sie ihm in ein mehrstöckiges Haus, in den Lift, in eine Wohnung. Ohne ein Wort zu sprechen, nahm er ihr die Tasche ab und zog sie mit sich in ein Schlafzimmer. Er drehte sie um, drückte sie an den Schultern nach unten, sodass sie auf dem Bettrand zu sitzen kam. Dann hockte er sich vor sie hin und zog ihr die Schuhe von den Füßen. Behutsam strich er mit beiden Händen ihre Schienbeine nach oben, verweilte kurz auf den Knien und sah sie an. Sein Blick drückte pure Gier aus, als er die Fingerspitzen unter den Rocksaum schob und an der Innenseite ihrer Schenkel hinauf glitt. Dede bebte. Er schob den Stoff ihres Höschens zur Seite und glitt zwischen ihre Schamlippen. Erstaunt nahm sie die Nässe wahr, durch die er sich einen Weg in ihr Innerstes bahnte. Ihre Muskeln schlossen sich um seine Finger. Noch nie hatte sie Ähnliches verspürt. Endlich begriff sie den Sinn des Wortes Lust, verstand die verklärten Blicke ihrer Freundinnen, wenn sie davon sprachen.
Sie sehnte sich nach seinen Berührungen, seinen Lippen, spürte das Verlangen ihres Körpers nach diesem Mann. Mit zitternden Händen öffnete sie den ersten Knopf seines Hemdes. Er riss es auf, erhob sich und entledigte sich seiner Kleidung. Als er nackt vor ihr stand und sein erigierter Penis auf sie zeigte, beugte sie sich vor und nahm ihn in den Mund. Niemals hatte sie Marios schüchterne Bitten erhört, ihn oral zu befriedigen, sondern sich vehement dagegen gewehrt. Der Ekel, den ihr bisher nur allein der Gedanke daran bereitet hatte, war verflogen. Gierig nahm sie den harten Schwanz auf, leckte und massierte ihn mit ihren Lippen, glitt auf und nieder, bis er sich ihr entzog. »Leg dich hin«, keuchte er, und sie ließ sich auf den Rücken fallen und rutschte zur Bettmitte. Calogero kniete sich auf die Matratze, schob den Saum ihres Kleides nach oben und zerrte den nassen Slip über ihre Beine hinunter. Mit festem Griff drückte er ihre Schenkel auseinander und rammte sein Glied in sie. Brutal und tief. Sie schrie auf, er zog sich zurück, jedoch nur, um noch tiefer in sie zu stoßen. Sie wimmerte und keuchte. Er nahm sie rücksichtslos und sie genoss es. Schmerz und Begierde wechselten sich ab. Ihr Becken reagierte losgelöst von ihrem Geist, hob sich ihm entgegen. Gierig nahm sie ihn in sich auf. Er füllte sie aus, wuchs in ihr, rieb sie wund, doch sie vergrub ihre Fingernägel in seinen Pobacken und zog ihn noch näher. Heiß und unbändig trieb sie auf der Welle der Lust bis zur Klippe und stürzte ins Uferlose. Er ergoss sich in ihr, pumpte seinen Samen in sie hinein, schenkte ihr den ersten und unvergesslichen Orgasmus ihres Lebens. Schwer atmend und mit geschlossenen Augen lag sie unter ihm. Seine Lippen berührten sie sanft zum allerersten Mal, seine Hand streifte ihr die schweißnassen Haare aus der Stirn. »Verhütest du?«, fragte er leise, gefolgt von einem »Gott sei Dank«, als sie nickte. Erst dann schälte er sie aus Kleid und Büstenhalter, umfasste ihre Brüste mit beiden Händen und begann mit der süßesten aller Torturen, um sie erneut an die Grenzen der Lust zu treiben.
Eine Woche später verließ Dede ihren Pizzaiolo ohne Erklärung.

Im Kindle-Shop: Verirrte Liebe

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



18. April 2017

'Sirenennacht' von Stephanie Wittern

Was würdest du tun, wenn dein Leben eine einzige Lüge wäre? Wenn du niemandem vertrauen könntest und alle hinter dir her wären?

Diese Frage stellt sich Steff McArthur. Sie ist Polizistin in einer Kleinstadt in Lousiana, hat zwei Kinder und ist verheiratet. Als ihr Mann nach New York eingeladen wird, freut sie sich, endlich dem Kleinstadtleben entfliehen zu können. Doch warum ist Alaric Smith aufgetaucht? Wer ist dieser Mann, dessen Anziehungskraft sie sich kaum entziehen kann und warum meint sie ihn zu kennen?

Sie rechnet nicht damit, dass sowohl Alaric als auch der Aufenthalt in New York ihr Leben für immer verändern werden. Ein Geheimnis, eine Entführung, Hexen, Werwölfe, Elfen und Vampire. Das alles sorgt dafür, dass Steff McArthur stirbt und Gravity Anderson geboren wird.

»Sirenennacht« ist der erste Band der Buchreihe »Die Chroniken der Gravity Anderson«.

Gleich lesen:
Für Kindle: Sirenennacht (Die Chroniken der Gravity Anderson)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
»Was zum...«, sagte ich und sprang auf. Neben dem Revier hatten wir einen Hubschrauberlandeplatz der noch nie benutzt wurde, zumindest nicht so lange ich hier arbeitete. Ernie und Lisa folgten mir nach draußen. Während die beiden mit offenem Mund dem Hubschrauber beim Landen zusahen, verschränkte ich genervt die Arme vor der Brust. Niemand hatte eine Hubschrauberlandung angekündigt und wer auch immer das war, hatte einiges zu erklären. Nachdem unser Besucher den Motor ausgestellt hatte und die Tür öffnete, fiel Lisa die Kinnlade herunter. Es stieg ein ein Meter neunzig großer, blonder Hüne aus dem Hubschrauber. Er hatte einen Seesack dabei und eine Sonnenbrille aufgesetzt. Auf seltsame Art und Weise kam er mir bekannt vor, aber ich musste mich irren, denn zumindest vom Sehen her kannte ich alle Bewohner von Liberty Falls und woanders war ich noch nie gewesen.
Da sich meine Kollegen nicht trauten den Neuankömmling zu begrüßen, übernahm ich es. »Was verdammt nochmal soll das?«, fragte ich. »Sie können nicht einfach hier landen. Wer sind sie und was wollen sie hier?«
Er nahm seine Brille ab und lächelte mich etwas verkrampft an. Verdammt, hatte der blaue Augen.
»Also welche Frage soll ich zuerst beantworten?«, fragte er mich.
Oh, wie ich es hasste, wenn jemand mit einer Gegenfrage antwortete. »Sie können damit anfangen wer sie sind?«
»Mein Name ist Alaric...«, er überlegte, »...Smith.« Ich glaubte ihm kein Wort.
»Mr. Smith, dann können sie sich sicherlich auch ausweisen«, konterte ich.
Es schien ihn zu überraschen und er griff tatsächlich in seine Hosentasche. Verdammt, saßen die Jeans eng. »Tut mir leid, den muss ich zu Hause liegen gelassen haben«, gab er zurück.
»Sie wissen aber, dass ich sie in Gewahrsam nehmen könnte, bis sie sich ausweisen können.« Lisa und Ernie sahen zwischen Mr. Supermodel und mir hin und her. Smith trat dichter und verdammt, der war mindesten eineinhalb Köpfe größer als ich, was mich nicht einschüchterte, denn ich hatte in meinem Holster eine geladene Glock. Er sah mich mit seinen blauen Augen an. Irrte ich mich oder waren seine Nasenflügel aufgebläht?
»Ich würde es bevorzugen, wenn sie das nicht täten, Officer«, sagte er und seine Stimme schnurrte förmlich, so dass sich mir die Brustwarzen aufrichteten. Dieser Mann war purer Sex und ich hatte schon seit Wochen keinen mehr mit John gehabt. Beruhige dich, seinem schmutzigen Lächeln nach zu urteilen, wusste er genau wie er auf Frauen wirkte.
»Ich muss sie bitten, kurz mit mir zu kommen. Natürlich muss ich aufnehmen, dass sie hier unangekündigt gelandet sind und den Grund ihres Aufenthaltes erfahren. Reine Formalität«, sagte ich, was natürlich gelogen war. Dieser Mann strahlte Gefahr aus und ich wollte ihn so schnell wie möglich wieder los werden.
»Einen Moment, ich muss noch ein Telefonat führen, werde gleich bei ihnen sein, Officer.« Er holte ein Handy aus der Hosentasche.
Ich griff Lisas Arm und wir gingen in Richtung Eingang. Zu Ernie sagte ich: »Behalte ihn im Auge, er soll wirklich gleich rein kommen.«
»Hast du diesen Knackarsch gesehen?«, fragte mich Lisa. »Sicherlich könnte man darauf ein Spiegelei braten, so heiß ist er.« Sie sah in den Spiegel der neben der Tür hing und überprüfte ihr Haar. Bei meinen Locken war es unmöglich zu sagen, wann sie richtig saßen, denn das taten sie eigentlich nie. Also machte ich mir nicht die Mühe in den Spiegel zu sehen, außerdem wollte ich von dem Typen ernst genommen werden. Ich hatte die Erfahrung gesammelt, dass hübsche Frauen selten von Männern ernst genommen wurden, weswegen ich mich auch nie für die Arbeit schminkte.
Ich trat an meinen Schreibtisch und fuhr den PC hoch, als schon der Neuankömmling durch die Tür kam. Nein, das war falsch ausgedrückt, er dominierte die Tür. Ich glaube, dass ich noch nie jemanden gesehen hatte, der einen Raum so klein werden ließ. Sicherlich waren alle Augen auf ihn gerichtet, egal wohin er kommen würde. Verdammt, wurde mir heiß. Reiß dich zusammen, befahl ich mir innerlich. Er sah mich und setzte sich auf den winzigen Stuhl, der vor meinem Schreibtisch stand. Ich konnte nicht anders und musste grinsen. Er zog eine Augenbraue hoch.
»Sie sehen nur unglaublich komisch aus, wie sie hier so auf diesen mickrigen Stuhl sitzen, der unter ihren Gewicht droht zusammenzubrechen«, sagte ich wahrheitsgemäß.
»Zeit sich mal wieder auf die Waage zu stellen«, scherzte er. Ich öffnete einen neuen Ordner auf den PC und nannte ihn Smith, wobei ich nicht glaubte, dass es sein richtiger Name war.
»Bevor sie mit ihrer reizenden Befragung weiter machen, würde ich sie bitten in ihr E-Mail Postfach zu gucken. Ich denke, dort wird meine Ankunft angekündigt«, sagte er selbstgefällig.
Ich sah ihn kalt an. »Ganz sicher nicht, denn meine beiden Kollegen haben heute die E-Mails gecheckt und sie hätten mir als Wachhabenden gesagt, wenn wir eine Hubschrauberlandung zu erwarten hätten.«
Er stützte sich auf meinem Schreibtisch ab und lächelte. »Tun sie mir bitte den Gefallen«, schnurrte er.
»Bitte«, sagte ich wütend und tat wie er gesagt hatte. Es war tatsächlich eine E-Mail in dem Postfach fürs Revier. Ich öffnete sie und las sie quer. Es wurde die Landung eines Hubschraubers angekündigt und von einem Privatdetektiv namens Alaric Smith war die Rede, der auf der Suche nach jemandem war. Einzelheiten wurden nicht genannt. Ich schloss die Nachricht verärgert und warf Ernie, der gerade mit einem Donut beschäftigt war, einen bitterbösen Blick zu und dann Lisa, die auf ihre Fingernägel sah.
»Und?«, fragte Smith.
»Es tut mir leid«, entschuldigte ich mich. »Da habe ich wohl die Mail übersehen.« Ich knirschte mit den Zähnen.
»Sie sind also hinter jemanden her. Warum vermuten sie gerade, dass sich diese Person in Liberty Falls aufhält?«, fragte ich. Ich schloss auf den Rechner den Ordner, löschte ihn aber nicht.
»Ich denke ich könnte hier fündig werden, allerdings kann ich ihnen keine Details nennen, denn mein Klient wünscht Diskretion«, sagte er, damit ich auch ja nicht nachfragen konnte.
Ich lächelte süffisant. »Das ist ja in Ordnung, aber lassen sie sich gesagt sein: Das hier ist meine Stadt und ich will keinen Unruhestifter. Bisher ist hier nie etwas passiert außer ein paar Kneipenschlägereien. Ich wünsche, dass das so bleibt, Mr. Smith. Ich hoffe sie finden was sie suchen und verschwinden dann wieder.« Ich stand auf und sah auf ihn herunter, was nicht sehr weit war, da er mir im Sitzen fast in die Augen sehen konnte.
»Die Gastfreundschaft in dieser Stadt ist bemerkenswert«, sagte er und stand auf. Ich machte mir nicht die Mühe zu ihm hoch zusehen, sondern nahm meine Mütze und ging nach draußen. Vor Wut schlug ich gegen meinen Streifenwagen. Was für ein arroganter Mistkerl. Ich hatte nicht gemerkt, dass jemand hinter mich getreten war.
»Hat ihnen das Auto etwas getan?«, fragte Smith spöttisch und ich ärgerte mich noch mehr, dass er meinen Wutausbruch gesehen hatte. Ich wusste, dass ich rot im Gesicht war, was mich aber nicht daran hinderte mich um zudrehen.
»Gibt es noch was?«, platzte ich unfreundlich heraus.
Er lächelte wieder und ich wusste nicht ob das ein spöttisches Grinsen war oder freundlich sein sollte. »Ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie mich zu einem Hotel mitnehmen würden. Ich kenne mich hier nicht aus. Es muss aber ein Apartment mit Kühlschrank sein.«
»Oh, auch hier in Liberty Falls haben wir Minibars in den Hotels. Ich denke, dass wird ihren Ansprüchen genügen.« Ich öffnete die Fahrertür und sah ihn an, als er keine Anstalten machte auf die Beifahrerseite zu gehen. »Brauchen sie eine Extraeinladung?«, fragte ich und deutete auf die andere Seite. Lächelnd ging er um Auto herum und ich stieg ein. Es war nicht weit zu Mollis Hotel und wir schwiegen bis wir da waren. Ich, weil ich wütend war und mich von ihm beobachtet fühlte und er, weil er scheinbar Schmerzen hatte.
Als ich es nicht mehr aushielt und wir gerade vor Mollis Hotel angehalten hatten, fragte ich ihn: »Geht es ihnen nicht gut?«
Er sah mich an und seine Augen waren noch blauer geworden oder war es schwarz und er schien zu überlegen, was er mir sagen sollte. »Geht schon«, sagte er durch zusammengepressten Zähnen und stieg so schnell wie möglich aus dem Auto aus. So als wäre das Auto ihm zu eng geworden.

Im Kindle-Shop: Sirenennacht (Die Chroniken der Gravity Anderson)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Stephanie Wittern auf ihrer Website.



13. April 2017

'Duft der Zypressen' von Dinah Herbst

Mit den Nerven am Ende flüchtet Jan in die Toskana, wo er hofft, seine schlimmen Erlebnisse verarbeiten zu können. Er sucht Ruhe, will den Albträumen der Nächte entfliehen. Auf der Zugfahrt kommt ihm die Idee, einen Roman zu schreiben. Eine Liebesgeschichte in Italien, dem Land der Verführungen.

Findet er hier die Inspiration für das Projekt, wird auch er eine neue Liebe finden?

Gleich lesen: Duft der Zypressen

Leseprobe:
Jan:
Der Sonntagmorgen war erfüllt von Vorfreude auf die Begegnung mit Eva. In mir tummelte sich ein Schwarm Hummeln, das Gefühl schlief die letzten zwölf Jahre. Ein Schritt zurück in die Vergangenheit.
Laura brachte das Frühstück an den Tisch im Garten. Ich bat sie, sich zu setzen.
»Hat das Aufräumen gut geklappt?«
»In einer Stunde war alles getan. Um sieben saßen wir beim Morgenkaffee.«
»Schön, ich bin nachher nicht da, sehe mir die Umgebung an. Wann ich zurückkomme, weiß ich noch nicht.«
Sie sah verschwörerisch zu mir. »Falls Giuseppe fragt, du fährst elf Uhr dreißig mit dem Bus in die Stadt. Die Haltestelle ist schräg gegenüber. Und … grüß Frau Holtensen.«
»Woher weißt du davon?«
Sie grinste. »Wir sind befreundet.«
»Aha. Gefangen in einer Absprache unter Mädels. Da habe ich wohl keine Chance. - Die Stufen neben der Käserei, komme ich da nach oben zur Kirche?«
»Die Treppen enden am Platz davor. Bitte, tut euch einen Gefallen, lasst niemanden im Dorf merken, dass ihr zusammen was unternehmt.«
»Danke für den Rat, wir geben uns Mühe.«

Um elf ließen sich die Hummeln nicht mehr beruhigen, sie zwangen zum Aufbruch. Ich überquerte die Straße und wartete einen Moment an der Bushaltestelle. Dann schlenderte ich zum Weg. Der führte zwischen Häusern steil hinauf, die mich an in den Hang geklebte Schwalbennester erinnerten. Ich sah keinen Menschen, der Ort wirkte ausgestorben. Ob die alle mit den Nachwirkungen des Festes kämpften?
Nach zweihundert Stufen legte ich eine Pause ein. Mein Atem beruhigte sich und ich bewunderte die Eingangstüren mit ihren geschmiedeten Türklopfern, jeder mit einem anderen Ornament versehen.
Der Aufstieg wurde, wie vermutet, für einen vom flachen Land nicht leicht. Endlich konnte ich das Ende der Treppe sehen. Von dem Gedanken vorangetrieben, erledigte ich die letzten Meter mit Elan, dort wartete eine faszinierende Dame. Ein Blick zur Uhr zeigte mir: Ich war vor der verabredeten Zeit oben angekommen. Der Eisverkauf öffnete am Sonntag erst um 15 Uhr, also gab es keine Erfrischung.
Enttäuscht darüber setzte ich mich auf die Mauer vor der Kirche und bewunderte die Aussicht ins Tal. Mit dem Handrücken wischte ich mir den Schweiß von der Stirn. Ein wunderschöner Tag, die Sonne gab ihr Bestes, der sanfte Wind, der sich in den Haaren verfing, erfrischte das Gesicht.
Was erwartete ich von dem Date? Diese bezaubernde Frau wiederzutreffen, mit ihr zu plaudern, beflügelte meine Fantasie. Auf Giacomos Fest war etwas mit mir geschehen. Sie hatte einen Zauber, der von mir Besitz ergriff. Liebe auf den ersten Blick?
Eva hatte darum gebeten, wollte über das Schreiben sprechen, das war Neuland für mich.
Ich saß lange, malte mir Situationen aus, bis die Stille jäh vom Motorengeräusch eines Autos unterbrochen wurde. Ein Fiat 500 wendete auf dem Kirchplatz und hielt neben mir an.
»Steigen Sie ein, Herr van den Books. Lassen Sie uns hier verschwinden.«
Ich sprang auf, lief zum Wagen und schmiss mich hinein. »Warum diese Eile?«
»Solange hier alles schläft, sieht uns niemand zusammen. Ich zeige Ihnen jetzt mein Reich, ein Eis essen wir nachher. Wir wollen doch beide nicht, dass es hier Gerüchte gibt.«
Ich schwieg auf dem Weg hinunter, durchs Tal, dann hinauf in die Einsamkeit. Auf der Kuppe bog sie mit mir in einen schmalen Weg ab, den Zypressen säumten. Sie standen wie aufgefädelt um das ganze obere Grundstück.
»Die haben dem Grund den Namen gegeben, Haus der Zypressen.«
Beeindruckend in den Hang gebaut, ein Natursteinhaus wie aus einem Prospekt. Daran hatte das Dorf also zwei Jahre gearbeitet, keine Minute davon schien verschwendet.
»Kommen Sie, ich führe Sie hinein.«
Drei Stufen führten zur Tür. Eine wunderschöne Eidechse huschte, von mir beim Sonnenbad gestört, in ihr Versteck.
»Entschuldige, ich passe auf, wohin ich trete.« Ich fühlte mich hier sofort wohl.

Im Kindle-Shop: Duft der Zypressen

Mehr über und von Dinah Herbst auf ihrer Facebook-Seite.



12. April 2017

'Chin up, Nina!' von Elli Minz

Nina und Sally sind zwei Freundinnen aus Köln, die sich bereits seit der Kindergartenzeit kennen. Sie träumen schon ewig davon, den Laufsteg zu erobern, und bekommen nun die einmalige Chance, in einer renommierten Modelagentur zu arbeiten.

Voller Elan stürzen sie sich in das neue Leben in der Nachbarstadt. Es dauert nicht lange, bis Nina ihre beste Freundin kaum wiedererkennt. Die vielfältigen Versuchungen, die das Modelleben mit sich bringt, offenbaren bei Sally Charakterzüge, die Nina nie für möglich gehalten hätte.

Jonas, ein philosophierender Taxifahrer, verliebt sich Hals über Kopf in Nina. Und weil er weiß, dass sie in einer völlig anderen Liga spielt, bringt er nicht den Mut auf, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Er fängt an, der Unerreichbaren Liebesgedichte zu schreiben …

Ob der introvertierte Jonas mit seinen Versen bei der verträumten Nina punkten kann?

Gleich lesen: Chin up, Nina!

Leseprobe:
Nina fragte sich beim Betreten des Lifts, ob sie verrückt geworden war. Sei hatte nach dem Aufstehen eine knappe halbe Stunde damit verbracht, den Brief anzustarren. Das Gedicht konnte sie längst auswendig und trotzdem freute sich bei jedem Durchgang aufs Neue. Die Zweifel vom Vortag waren passé, ihre Motivation, den Urheber des Textes ausfindig zu machen, umso größer.
Ihre Laune verbesserte sich sogar noch, als sie Jonas am Wagen stehen sah. Er stand mit dem Rücken zu ihr und schien entweder die Natur auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu genießen oder er beobachtete lediglich das streitende Pärchen an der Bushaltestelle. Unwillkürlich drehte sie den Kopf und sah oben am Fenster wieder den alten Mann mit dem Militärhaarschnitt. Er hielt seinen Feldstecher in den knochigen Händen, als hinge sein Leben davon ab. Sie schüttelte den Kopf und grinste, als sie sich Jonas näherte.
»Na, gut geschlafen?«, rief Nina fröhlich.
Jonas drehte sich zögerlich um und als sie sein Gesicht sah, wusste sie, warum.
»Was ist denn mit dir passiert?«, sagte Nina erschrocken. »Lange Nacht?«
Jonas rieb sich die Augen und nickte bloß.
»Deine Augen ... bist du gegen irgendwas allergisch?«
»Äh, nein, nicht wirklich. Wird vom Fahrtwind kommen.«
Nina nickte und als Jonas sich nicht vom Fleck bewegte, stemmte sie die Hände in die Hüften.
»Wir haben außerdem Herbst. Das Grün dahinten wird bald weiß«, fügte Jonas verträumt hinzu.
»Bist du sicher, dass du fahrtauglich bist? Du siehst ein bisschen krank aus, finde ich. Hast du Fieber?«
Sie ging um den wuchtigen Kofferraum herum, und bevor Jonas antworten konnte, befühlte sie seine Stirn.
»Hm. Nichts. Na ja, du hast mir deine Frage noch nicht beantwortet.«
»Ich hab nicht wirklich geschlafen, aber wenn ich dir den Grund erzähle, nickst du vor Langeweile vermutlich sofort wieder ein.«
»Jetzt will ich es doch umso eher wissen!«
»Wollen wir?«, bot Jonas an und hoffte, dass sie sich nicht wieder in sein Gefühlsleben verbiss wie ein tollwütiger Pitbullterrier.
»Mann, du bist heute wirklich lahm. Vielleicht holst du dir noch schnell einen Kaffee.«
»Hast du es eilig?«
»Nein, aber ich mag es nicht, wenn ich auf den letzten Drücker komme. Was gab’s denn gestern zu feiern?«
Jonas startete endlich den Wagen und tippte auf dem Navi die Adresse an, bei der er Nina absetzen sollte.
»Ein Kumpel ist vorbeigekommen. Wir haben uns irgendwie festgequatscht.«
»So so. Ein Kumpel.«
»Ich glaube, du hast ihn vor ein paar Wochen hier am Telefon gehört. Felix? Sagt dir das was?«
»Der geniale DJ?«
»Äh, Felix ist DJ, ja.«
»Ich war ewig nicht mehr Feiern«, sagte Nina leise.
»Am Wochenende legt Felix im Sakurito auf.«
Er biss sich verzweifelt auf die Zunge. Es war ihm ein Rätsel, wie er es immer wieder ganz allein schaffte, sich ins Abseits zu befördern.
»Cool. Am Wochenende hab ich frei.«
»Super«, erwiderte Jonas. Die Vorstellung, dass ihm am Ende nicht Marc Nina wegschnappte, sondern sein bester – und einziger – Freund, war relativ ernüchternd.
»Wieso? Musst du etwa arbeiten?«
»Was? Nein, ausnahmsweise mal nicht. Aber du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich mitkomme.«
»Doch, glaube ich. Du kommst mit. Sally hat garantiert auch Lust. Das wird ein Riesenspaß!«
Jonas vermied es, sie anzuschauen.
»Was ist? Bist du dir für ein bisschen Tanzmusik zu schade? Moment, was legt Felix eigentlich auf?«
»Techno, House und so einen Müll«, sagte Jonas zerknirscht.
»Ach, das wird lustig. Ich war in dem ersten Jahr nach dem Abitur ziemlich viel in Kölner Clubs unterwegs. Auch wenn ich mich nicht an alle Details erinnern kann – es hat sehr viel Spaß gemacht. Mich wundert’s, dass Sally den Laden noch nicht entdeckt hat.«
Jonas brummte bloß. Dann piepste das Navi.
»Wow, das ging flott.«
»Ja, schon. Eigentlich hättest du locker zu Fuß gehen können.«
Und wieder verfluchte Jonas, dass er überhaupt je geboren worden war. Sie boxte ihm auf die Schulter und er wusste, dass er den blauen Fleck verdiente.
»Du spinnst wohl. Aber du hast eine lange Nacht hinter dir, also verzeihe ich dir.«
»Zu gütig. Ich schmeiß dich hier an der Seite raus, okay? Einen Parkplatz findet man hier so gut wie nie.«
»Kein Problem.«
Nina nahm ihre Handtasche und ihren Schal und war schon halb ausgestiegen, als sie sich wieder umdrehte.
»Wie nennt sich Felix als DJ eigentlich?«
»Hä?«
»Sein Künstlername. Womit er auftritt.«
Hinter ihm hupte jemand, und als Jonas in den Rückspiegel sah, entdeckte er knapp fünfzig Meter entfernt seine Lieblingspolitesse, die sich mit energischen Schritten näherte.
»Sorry, ich muss los«, blaffte er und Nina konnte gerade noch ihren Schal retten, als Jonas die Tür von innen zuriss und aufs Gaspedal trat.
»Was zum Teufel?«, flüsterte Nina.
Als sie sich auf sicherem Grund befand, wurde der Straßenlärm hinter ihr zu einem undeutlichen und unwichtigen Rauschen. Vor ihr stand das bis dahin wichtigste Gebäude ihrer Karriere.
Das pompöse Logo des prestigeträchtigen Verlagshauses prangte in leuchtenden Lettern an der Außenwand. Auf Nina wirkte der in pink gehaltene Schriftzug jedoch nicht sonderlich einladend.

Im Kindle-Shop: Chin up, Nina!

Mehr über und von Elli Minz auf ihrer Website.



11. April 2017

'Mombel der Mutmacher: Der verflixte Kasten' von Beate Geng

Paule hasst den Sportunterricht. Nie schafft er es, über die blöden braunen Kästen zu springen. Jedes Mal blamiert er sich vor der ganzen Klasse. Alle lachen - immer! Das macht unseren Paule natürlich traurig. Eines Tages passiert etwas Unglaubliches. Ihm erscheint, schwuppdiwupp, ein kleines Gespenst. Das ist Mombel und der spricht in Reimen!

Zuerst ist Paule nicht begeistert. Aber dann bemerkt er etwas. Mombel taucht immer dann auf, wenn Paule sich nicht traut oder Angst hat. Das kleine Gespenst lacht nicht, sondern redet Paule gut zu. Und siehe da …

Ein Mutmachbuch zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren. Zum selbständigen Lesen für Kinder ab 8 Jahren.

Für Jugendliche und Erwachsene, die im Sportunterricht mit den Kästen nicht klarkamen!

Gleich lesen: Mombel der Mutmacher: Der verflixte Kasten

Leseprobe:
Der verflixte Kasten

Der kleine Paule wohnte mit seinen Eltern und seinem großen Bruder in einem kleinen Dorf namens Trötenheim. Das ist in der Nähe von Dingenshausen.
Er besuchte die zweite Klasse der Grundschule Büffeltal.
Eigentlich war Paule ein sehr aufgewecktes, frohes Kind und er ging gerne zur Schule – wäre da nur nicht der blöde Sportunterricht gewesen. Paule hasste Sport. Und deshalb war er natürlich auch nicht besonders gut. Da lief immer alles schief.
Und das war noch nicht alles! Nee, da gab es noch seine gemeinen Klassenkameraden. Die machten sich immer lustig über Paule und zogen ihn ständig auf.
Martin sagte zum Beispiel: „Paule, Paule stolpere nicht, sonst hast du wieder Schrammen im Gesicht.“ Schon brach die ganze Klasse in Gelächter aus.
Deshalb wünschte sich Paule nichts sehnlicher, als es ihnen allen einmal so richtig zu zeigen. Martin und den anderen sollte die Spucke im Hals steckenbleiben.

An einem Montag aß Paule mit seiner Familie zu Abend. Eigentlich hätte er superglücklich sein müssen, denn seine Mama hatte extra Pfannkuchen für ihn gebacken. Die liebte er normalerweise über alles. Aber Paule saß mit einem mürrischen Gesicht am Tisch und stocherte im Essen herum.
„Was ist denn los mit dir, mein Schatz?“, fragte seine Mama.
„Nix“, brummelte Paule.
Aber seine Mama ließ nicht locker.
„Na gut“, stöhnte Paule, „morgen ist mal wieder dieser voll bescheuerte Sportunterricht. Wir sollen über diese dämlichen, blöden braunen Kisten – oder wie die Dinger heißen – springen. Aber meistens knalle ich gegen die Teile und haue mir die Haxen auf.“



Seine Mama schaute ihn mitfühlend an und sagte: „Diese dämlichen Dinger sind Kästen. Wenn du immer sagst, dass du es nicht kannst, wird es auch nie klappen. Man kann alles schaffen, wenn man nur will.“
Da brüllte sein großer Bruder Micha: „Morgen können wir den kleinen Dummkopf dann vom Holzkasten kratzen. Haha.“
Da stiegen Paule die Tränen in die Augen. Erstens aus Traurigkeit, weil Micha ihn auslachte, und zweitens vor Wut. Die Tränen bemerkte Micha natürlich und rief ganz fröhlich: „Pauli ist `ne Heulsuse, Pauli ist ein Mädchen!“
Die Mama ermahnte Micha, er solle aufhören, nun auch noch zu stänkern. Dann ging sie in die Küche.
Micha rannte, dumm grinsend, in den Garten und spielte mit Charly, dem Familienhund.
Nun saß Paule alleine und traurig am Tisch. Auf einmal spürte er einen leichten Luftzug neben sich und in der Luft, nanu, da schwirrte etwas.
Mit offenem Mund, ganz starr vor Schreck saß Paule auf seinem Stuhl. Er traute seinen Augen kaum. Neben seinem Kopf schwebte so ein kleines Gespenst.

Im Kindle-Shop: Mombel der Mutmacher: Der verflixte Kasten

Mehr über und von Beate Geng auf ihrer Website.



10. April 2017

'Der Doppelzentner-Bulle' von G. Waschbeer

Echte Polizeigeschichten, geschrieben von einem, der dabei war.

Der Autor ist seit 43 Jahren im Polizeidienst und war im Streifendienst, bei der Zivilfahndung, bei der Drogenfahndung und zur Milieu-Aufklärung eingesetzt. Seine letzten Dienstjahre verbringt er in einer Einsatzzentrale. Irgendwann begann er, seine Erlebnisse ein Erinnerungen aufzuschreiben - daraus entstand dieses Buch.

Aus dem Vorwort:
Ich erzähle in diesem Buch wie ich als junger, sportlicher Berufsanfänger begann und wie aus mir in fast 40 Dienstjahren "der Doppelzentner Bulle" wurde. Ausgelöst durch unzählige schreckliche dienstliche Erlebnisse, die ich auch erzählen werde, und private Erfahrungen, hatte ich mir zum Schutz einen Speckgürtel als Panzer zugelegt, der jetzt schwer auf meinen Hüften lastet. [...]
Ich hatte zuerst die Idee, ein Tagebuch über unsere Lebensveränderung zu schreiben. [...] Aber dann wurde mir deutlich, dass nicht nur das viele Essen Ursache für mein Übergewicht ist, sondern dass ich viel tiefer suchen muss. Ich muss also mit den dienstlichen Eindrücken beginnen. Dazu werde ich Einsätze und Geschichten der beteiligten Personen erzählen. Die handelnden Personen sind frei erfunden. Ich werde das eine oder andere dunkle Geheimnis lüften und ein wenig "aus der Schule" plaudern, denn gerade in den "Helfenden Berufen" soll es deutlich mehr übergewichtige Menschen geben.
Man darf in einem solchen Beruf die Schicksale der Menschen, mit denen man zu tun hat, nicht zu sehr an sich heran lassen, denn dann würde man daran zerbrechen. Dies ist auch schon manchem Kollegen so ergangen. Oder man legt sich alternativ einen Panzer zu.


Gleich lesen: Der Doppelzentner-Bulle

Leseprobe:
[…]
Nun wurde er mit der Stirn an eine Wand gedrückt und seine Hände wurden auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Starke Hände packten ihn und führten ihn zum Tor. Er stieß gegen einen großen Wagen und wurde sofort in den Kofferraum gestoßen.
Als die Klappe zuschlug, hörte er den Motor starten, dann hörte er nur noch die Volksmusik, die aus den Lautsprechern tönte, es war Heino mit seiner schwarzen Barbara.
Jegliches Zeitgefühl war ihm verloren gegangen. Nach gefühlten Stunden stoppte das Fahrzeug.
Der Kofferraum wurde geöffnet und dieselben starken Hände zerrten ihn heraus, bis er auf seinen Füßen stand.
Er hörte die Vögel zwitschern im Morgengrauen.
Demnach befand er sich mitten im Wald.
Jetzt wurde er über einen gepflasterten Weg geführt. Das konnte er genau spüren, weil er nur Socken trug. Seine Hauslatschen hatte er verloren und seine Sportschuhe standen noch in der Garage. Vor ihm wurde eine Tür geöffnet und er wurde in ein Haus geführt.
Unter seinen Füßen spürte er harten, kalten Beton.
Nach einem langen Weg wurde wieder eine Tür geöffnet.
Nach einer kurzen Drehung wurde er unsanft auf einen Stuhl gedrückt. Dann hörte er nur noch wie die Tür wieder ins Schloss fiel und abgeschlossen wurde. Er blieb allein und hilflos zurück.
Zunächst versuchte er den Raum zu erkunden. Es war hier eiskalt. Weil er keine Schuhe trug, kroch die Kälte von den Füßen hoch in seinen Körper.
Zeitweise nahm er die Füße hoch, aber das konnte er auch nicht lange durchhalten.
Er überlegte, ob er durch den Raum gehen sollte, um die Größe zu erkunden, entschied sich aber sitzen zu bleiben, weil er befürchtete zu stolpern oder sich den Kopf zu stoßen.
Er war sich noch nicht ganz im Klaren darüber, wer ihn, zu welchem Zweck auch immer, entführt hatte.
Als Vorstandsmitglied einer großen Bank in Frankfurt verfügte er natürlich über genügend Kapital, um auch eine größere Summe Lösegeld zu zahlen. War das der Grund? Wollte man seine Frau erpressen?
Die kehrte aber erst in sechs Tagen zurück und war auch dann erst wieder persönlich erreichbar.
Sollte er hier so lange verbleiben? In dieser Zeit konnte er verdursten, verhungern oder erfrieren.
Oder war sein Leben für die Entführer jetzt völlig unwichtig?
Er hatte einmal gelesen, dass die Hälfte der Entführungsopfer bereits vor der Geldübergabe getötet werden. Plötzlich überkam ihn schreckliche Angst. Obwohl er sonst vor Nichts und Niemandem Angst hatte.
Er hatte genug Geld, um sich Alles und Jeden zu kaufen oder zu erkaufen.
Aber in Todesangst sind alle Menschen gleich. Egal ob mit oder ohne Geld. Wieder vergingen gefühlte Stunden, bis die Tür wieder geöffnet wurde.
Er wurde wieder hinausgebracht und wieder gewaltsam in den Kofferraum gesperrt. Diesmal dauerte die Fahrt nicht sehr lange.
Nach kurzer Zeit musste er wieder aussteigen und wurde an beiden Armen gepackt und in den Wald geführt. Seine Arme wurden nun zur Seite mit Handschellen und Ketten an je einem Baum stramm befestigt. Er musste zwischen den Bäumen stehen und konnte sich kaum bewegen.
Er hatte keine Ahnung was weiter geschehen sollte.
Wollte man ihn hier erschießen, um ein Zeichen zu setzen?
Handelte es sich bei den Entführern um Terroristen?
Sicherlich hatte er sich in seinem Job auch genug Feinde gemacht, aber diesen Leuten traute er keinen Mord zu.
Und wieder überkam ihn Todesangst. Es regnete leicht.
Er fror und schwitzte zugleich. Ein weiteres Fahrzeug hielt neben ihm an und plötzlich war ihm klar, was hier mit ihm geschah.

Im Kindle-Shop: Der Doppelzentner-Bulle

Mehr über und von G. Waschbeer auf seiner Autorenseite beim Verlag.



'Sonnenliebe – Napoli per sempre' von Lisa Torberg

Chiaras geliebte Urgroßmutter vertraut ihr auf dem Sterbebett ihr altes Tagebuch an. Als sie beginnt, die abenteuerliche Lebensgeschichte zu lesen, erfährt die junge Frau, dass sie in Neapel noch Verwandte haben muss. Prompt lässt Chiara ihr Leben in Boston – und ihren Verlobten – hinter sich und fliegt nach Italien, um Nachfahren ihres verschollenen Großvaters zu finden.

Auf ihrer Suche begegnet sie dem gutaussehenden Ari und verfällt seinem Charme. Erst am nächsten Morgen erfährt sie seinen Nachnamen, Di Martino. So hieß auch Chiaras Urgroßmutter. Aus Angst davor, mit Ari verwandt zu sein, läuft Chiara davon. Wird ihr dieses Abenteuer das Herz brechen?

Gleich lesen: Sonnenliebe – Napoli per sempre

Leseprobe:
»Den Job hast du jetzt und eine Unterkunft auch. Eine andere zu finden, ist aus den Gründen, die wir bereits besprochen haben, so gut wie unmöglich. Du bist jung, gesund und in Neapel, wie du wolltest – und Single. Vergiss den Rest, vor allem deinen Ex-Verlobten, der dich nicht verdient hat, und beginne zu LEBEN!« Das letzte Wort schreit sie so laut, dass die Menschen um uns herum ihre Schritte verlangsamen und uns anstarren.
»LA VITA È BELLA. Das Leben ist schön«, ruft sie, hebt die Arme über den Kopf und dreht sich wie ein Kreisel um die eigene Achse. Sie trällert Nicola Piovanis bekannteste Melodie, den Soundtrack des Films von Roberto Benigni. Die Leute applaudieren, manche lachen, ein paar fallen mit erstaunlich guter Stimme in Cosimas Gesang ein. Ihre schwarzen Locken fliegen durch die Luft und mit dem roten Kleid wirkt sie wie eine Flamencotänzerin. Sie packt mich an einer Hand, reißt mich an sich, meine Tasche rutscht von der Schulter und fällt zu Boden.
»Komm, tanz mit mir«, singt sie und zieht mich in einen wilden Taumel. Halbherzig wehre ich mich, doch sie hält mich fest und dreht sich mit mir in einem improvisierten Walzer, hier, mitten in einem Einkaufszentrum. Sie bewegt sich immer rascher, ihre Hände liegen an meiner Hüfte, meine um ihren Nacken, und plötzlich werde ich leicht wie eine Feder. »Pfeif auf alles«, singt sie, und mit einem Mal sind das kleine Zimmer, die gelben Vorhänge und die Nachrichten von Doug, in denen er im Vierundzwanzigstundentakt beteuert, dass er mich liebt, unwichtig. Ein Glucksen kommt aus meiner Kehle, wird zum Lachen, das laut und glockenhell widerhallt. Cosima stimmt ein, verlangsamt ihr Drehen, wir torkeln wie betrunken, halten einander fest, plumpsen gemeinsam zu Boden. Mein Atem wird kürzer, der Herzschlag rascher, mein Puls pocht an meinem Hals, Schweißperlen rinnen über meine Stirn und zwischen meinen Brüsten. Doch so eigenartig die Situation – von außen betrachtet – sein mag, ich fühle mich zum ersten Mal seit langer Zeit frei, lebendig, fantastisch.
»Danke«, keuche ich und sehe meiner Freundin in die Augen, denn das ist sie, auch wenn ich sie erst seit Kurzem kenne. Sie strahlt so viel unbändige Lebenslust aus, dass sie mich damit angesteckt hat.
»Di niente, wofür denn?«, antwortet sie, rappelt sich vom spiegelglatten Marmorboden auf und reicht mir ihre Hand. Doch noch bevor ich sie ergreifen kann, umfassen lange, schlanke Finger mein Handgelenk und ziehen mich hoch.
Ein Mann! Und was für einer ...!
Noch nie habe ich solche Augen gesehen! Grau und grün funkeln sie, umrahmt von einem dichten Wimpernkranz, den sich jede Frau wünscht, und einem Netz feiner Lachfältchen, die ihn noch attraktiver machen, als er schon ist. Ich stehe vor ihm, den Kopf in den Nacken gelegt, und schaue hinauf. Von mir aus gesehen, befinden sich die schwarz glänzenden, gewellten Haare, die ihm eine Spur zu lang ins Gesicht fallen, in schwin­ delerregender Höhe. Mein Blick gleitet über die schmale, aris­ tokratische Nase zu den Lippen. Was für ein einladender Mund, denke ich, da werde ich schon von den beiden Wangengrüb­ chen abgelenkt, die sich immer tiefer eingraben, weil sich sein Lächeln vertieft. Fasziniert starre ich auf seine Mundpartie, die weißen Zähne, die im Kontrast zu seiner natürlichen Bräune stehen, als er die Hand hebt und mir etwas hinhält.
»Gehört die Ihnen?«
Diese Stimme! Tief und rauchig und sexy ... Schmetterling­ salarm! Meine Knie werden weich.
»Chiara, deine Tasche!«
Cosima holt mich auf den Boden der Wirklichkeit zurück, dem ich sowieso immer näher komme, gemeinsam mit der Tasche, die runterfällt, als ich meine Hand danach ausstrecke. Und schon knie ich, fange den davonrollenden Lippenstift ein, greife nach der Haarbürste und höre über mir geflüsterte Worte, ohne sie zu verstehen, aber mein Hirn erfasst alles.
Er spricht mit IHR! Niemals, denke ich. Nein, DER gehört MIR!
MIR!
So rasch ich kann, und sicher mit hochrotem Kopf, stehe ich auf, strecke mich zu meiner vollen Länge von eins sechs­ undsechzig und hebe die Nase, um IHN anzusehen. Und ja, er schaut MICH an! Und geht er dabei nicht ein wenig in die Knie, um mir näher zu sein? JA!
»Danke«, nuschele ich.
»Wofür denn?«
Dieser Ton, ist der nicht verboten? Darf ein Mann eine solche Stimme haben? Eine, die genau den Punkt in meinem Bauchraum trifft, der dieses Prickeln startet, das mein Luxus­ vibrator mit keinem seiner zehn Programme zustande bringt?
»Meine Tasche«, seufze ich.
»Das war doch selbstverständlich. Sie und Ihre Freundin haben so selbstvergessen getanzt, da wollte ich nicht riskieren, dass sie Ihnen abhandenkommt.«
Mein Ritter in der silbernen Rüstung!
»Ja, natürlich.«
Ob er bemerkt, dass ich nicht mehr als zwei zusammenhän­ gende Wörter herausbekomme, weil er mir so nahe ist?
»Wollen wir endlich was trinken gehen?« Cosima unterbricht mein Ansinnen, mir die Rüstung – und den Inhalt – genauer anzusehen. Unwillig wende ich meinen Kopf ihr zu.
»Trinken?«
»Cocktail, bunt, Schirmchen? Erinnerst du dich?« Lachend greift sie nach meiner Hand.
»Ich ... ich habe ... mich noch nicht bedankt«, stottere ich.
»Doch, hast du«, kontert Cosima. »Aber wenn du meinst, es noch einmal tun zu müssen ... Haben Sie Lust, uns bei einem Aperitif Gesellschaft zu leisten?«, fragt sie IHN über meine Schulter hinweg.
Mein Herz stellt auf Zeitlupe um. Zwischen dem einen Schlag und dem nächsten verstreichen gefühlte zehn Sekunden, in denen absolut nichts passiert! Doch dann spüre ich einen warmen Lufthauch an meinem Ohr.
»Wollen Sie, dass ich mitkomme?« Das leise, rauchige Flüstern raubt meinen Beinen schon wieder das Stehvermögen, aber noch bevor ich einknicken kann, stützt ein starker Arm meinen Ellenbogen. »Also?«

Im Kindle-Shop: Sonnenliebe – Napoli per sempre

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



7. April 2017

'Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze' von Theo Graufell

Geschichten aus Kümmels Revier. Vorsicht, Satire. Nicht nachahmen.

Als Haustier lieber ein Krokodil als eine Katze. Ist pflegeleichter. Diese Erkenntnis gewinnt Theo spätestens, als er die Katzensprache erlernt, den bösen Kater Toni vertreibt oder seine umtriebige Katze sucht, die in der Nachbarschaft eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Theo tut alles, damit seine Katze sich wohlfühlt; seine Bemühungen sind allerdings meistens nicht besonders erfolgreich. Aber er gibt sich die allergrößte Mühe. Der Leser trifft auf seinem Streifzug nicht nur Theo und seine Katze mit dem ungewöhnlichen Namen, sondern viele andere Bewohner aus Kümmels Revier. Da wären der Hund, der sich nicht mehr aus seiner Hundehütte traut, eine übergewichtige Gans, Kater Toni, ein freches Eichhörnchen und ein menschlicher Wattwurm.

Nicht nur für Katzenfreunde, sondern für alle, die gerne lachen, schmunzeln, grinsen oder kichern. In dieser Jubiläumsausgabe findet der geneigte Leser zusätzlich die Geschichte vom Mann, der keine Katzen mochte, sowie ein paar satirische Betrachtungen über Männer im Haushalt, denn nicht nur im Umgang mit seinem Haustier zeigt der männliche Mensch absonderliches Verhalten.

Gleich lesen: Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze: Fellsträubendes aus Kümmels Revier

Leseprobe:
Den ersten Kursabend gestaltete Frau Piepenkötter mit einem theoretischen Vortrag über die verschiedenen Katzenrassen und deren Körpersprache. Egal, ob man es mit einer Hauskatze, einer Maine Coon oder einer Siamkatze zu tun hat, die Sprache ist gleich. Ich hob die Hand.
„Und wie, bitteschön, verständigt sich eine Katze, die in Spanien geboren ist mit einer, die aus Indonesien stammt?“
Ich blinzelte verschwörerisch zu Frau Delling-Schnakenburg. Ich hatte inzwischen ja Erfahrung mit Scharlatanen und würde mir kein X mehr für ein U vormachen lassen. Die bekannte Tierpsychologin Cordula Piepenkötter legte die Ohren an.
„Es spielt keine Rolle, wo die Katze geboren wurde. Die Tiere bilden doch keine Worte, sondern teilen sich hauptsächlich durch ihre Körpersprache mit.“
Sie schüttelte sich ein paar Mal heftig, so als würde sie ein lästiges Laubblatt loswerden wollen.
„Aber Katzen machen doch auch Miau.“
Jetzt hatte ich sie.
„Das Miau dient nur zur Untermalung und ist auf der ganzen Welt gleich.“
Ich hatte es doch gleich geahnt: Eine üble Besserwisserin.
„Augen halb geöffnet, die Ohren im Normalzustand sagt uns, unsere Katze ist völlig entspannt. Sind die Ohren flach angelegt, bedeutet das Alarmbereitschaft. Die Katze ist zum Angriff bereit.“
Frau Piepenkötter leierte ihr Programm herunter.
„Die Katze zwinkert Ihnen zu. Das heißt, ich mag dich. Das Augenzwinkern ist das Lächeln der Katze. Die Katze macht einen Buckel, ihr Fell ist gesträubt, sie geht seitwärts. Imponiergehabe. Seht her, ich bin die Größte.“
Sehr interessant.
„Ist die Katze sehr nervös, stimmt irgendetwas nicht, wedelt sie heftig mit dem Schwanz. Er peitscht förmlich von einer Seite zur anderen.“
Ich hob wieder die Hand.
„Aber wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, zeigt das doch eher Fröhlichkeit.“
Frau Piepenkötter nickte anerkennend.
„Ja, so ist es.“
„Dann muss die Katze also eine Fremdsprache lernen, wenn sie den Hund verstehen will.“
Ich brach in kreischendes Gelächter aus und warf einen aufmunternden Blick in die Runde. Gleichgültige Gesichter wichen meinem schalkhaften Blick aus. Langweilige Bande. Die Piepenkötter klatschte in ihre fleischigen Hände.
„Wir üben das jetzt mal. Jeder sucht sich einen Partner. Sprechen verboten. Versuchen Sie, sich mit Gestik und Mimik verständlich zu machen.“
Ein guter Ansatz. Kümmel und Ulrike werden staunen. Ich saß der Delling-Schnakenburg gegenüber. Immerhin kannten wir uns ja. Ich schürzte meine Lippen und zog meine linke Augenbraue nach oben.
„Sie unverschämter Lümmel!“ Meine Nachbarin war außer sich. „Ich möchte sofort tauschen. So ein Lüstling.“
Frau Piepenkötter teilte mir unverzüglich einen neuen Trainingspartner zu, der sich mit den Worten: „Ich bin Kalle. Karatelehrer“ vorstellte. Kalle trug eine moderne Glatze, war muskulös und sehr kompakt. Die Dozentin klatschte wieder in die Hände.
„Weiter, Herrschaften.“
Kalle schürzte seine Lippen, ließ ein rosiges Stückchen Zunge sehen und zwinkerte mir zu. Ich sagte nichts.
Die drei Abende vergingen dank Kalle leider nicht wie im Fluge, aber fanden doch endlich ein Ende. Frau Piepenkötter zwinkerte jedem außer mir zu und überreichte uns zum erfolgreichen Abschluss eine Art Diplom, das uns als staatlich nicht anerkannten Katzenversteher auszeichnete. Ich platzte vor Stolz, als ich meine Urkunde Ulrike präsentierte.
„Ab heute ist jede Katze ein offenes Buch für mich.“
Meine Frau tippte sich wie üblich an die Stirn.
Dann schlenderte Kümmel mit hocherhobenem Schwanz zur Terrassentür herein.
„Alles klar“, prahlte ich. „Sie ist guter Dinge und freut sich.“
Kümmel zwinkerte erst Ulrike, dann mir zu.
„Ha! Sie zeigt uns ihre Sympathie. Sie lächelt uns an. Alles sehr einfach.“
„Sie lächelt, weil ich ihr gerade Putenherzen klein schneide“, erwiderte Ulrike. „Deine alberne Urkunde kommt mir aber nicht ins Wohnzimmer.“
Am nächsten Tag, es war Samstag, stürmte Dieter Delling-Schnakenburg unsere Einfahrt hoch.
„Theo!“
Er schien aufgebracht.
„Theo, du Halunke, wo steckst du?“
Keiner Schuld bewusst rief ich fröhlich: „Hier.“
Rotgesichtig stand Dieter, mein Nachbar von gegenüber, vor mir. Seine Schläfenadern waren deutlich zu sehen. Sie pochten leicht. „Was fällt dir ein ...“

Im Kindle-Shop: Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze: Fellsträubendes aus Kümmels Revier



'Rosa und Cheyenne' von Barbara Zimmermann

Das Abi vor der Tür, Bauchkribbeln für einen Franzosen, wo sich noch klären muss, ob Blindgänger oder Jackpot, eine fantastisch quirlige und humorvolle Mutter und schließlich am Ende: DIE FRAGEN DES LEBENS.

Bei Cheyenne ist schon der Name Programm, und zusammen mit Rosa beschreiten die beiden Heldinnen des Romans einen turbulenten, jedoch liebevollen Lebensweg. Mit leichtem, witzigem und warmherzigem Ton wird über Wutausbrüche, Alltagskatastrophen und Geheimnisse berichtet. Weitere Mitwirkende: Peer (duftet nach Puma), Jacques (Frankreich, Frankreich), eine Bordeauxdogge, Baum Nr 11 auf dem Waldfriedhof und last but not least Frau Jägermeister.

Ein Roman für die Freiheit! Für alle Mütter und die es werden wollen, natürlich auch für Väter!

Gleich lesen: Rosa und Cheyenne

Leseprobe:
Du bist es vielleicht
Rosa und Cheyenne schlenderten durch Münchens Innenstadt. Rosa trug ihre Haare in der Farbe Rosa, passend zu ihrem Namen, wie sie fand. Ihre Schuhe hielt sie in der Hand. Mit ihrem kurzen Faltenrock, ihren mit schwarzem Kajal umrandeten Augen, ihren schlanken, langen Beinen und einem T-Shirt mit dem Aufdruck: DU BIST ES NICHT, erregte sie Aufmerksamkeit.
Cheyenne trug ihre hochtoupierten Haare in Azurblau, mit einem Sidecut, den sie mit einer auf dem Flohmarkt gekauften Hundeschermaschine regelmäßig selber schnitt. Sie trug eine blaue Hose, mit roten Hosenträgern und einem gebatikten T-Shirt darunter, dazu Plateauschuhe. An diesem Tag war sie ausnahmsweise mal ungeschminkt, ihre blauen Augen spiegelten ihre Haarfarbe wider. Aus der Auslage von Öztürks Obstladen nahm Rosa sich im Vorbeigehen einen Apfel und biss herzhaft hinein. Rosa nahm sich gerne Dinge, die ihr eigentlich nicht gehörten. Sie kaufte selbst oft bei Herrn Öztürk ein, ernährte sich gesundheitsbewusst, bis auf den Cola Korn, den sie abends im Punkkeller gerne mal trank. Herr Özturk gab ihr bei jedem Einkauf einen Apfel auf die Hand, so als Ermahnung: Ich weiß, du nimmst dir jedes Mal einen Apfel, wenn du bei mir vorbeigehst.
Rosa und Cheyenne befanden sich auf dem Weg zu einem Date. Per Internetchat hatte Rosa sich mit Attila, zweiunddreißig, intelligent, sportlich, gut aussehend, verabredet, um sich kostenlos zum Essen einladen zu lassen, bei Viva Italia einem angesagten Italiener Münchens. Kurz vor dem Lokal nahm Rosa eine blonde, langhaarige Lockenperücke aus ihrer Tasche und stülpte sich diese über den Kopf. Schließlich hatte sie sich mit einem Foto und eben dieser Perücke im Chat präsentiert.
Im Viva angekommen, erkannte sie Attila auf Anhieb, obwohl er so sportlich wie beschrieben nicht aussah, sondern eher untersetzt und kleiner als Rosa. Außerdem musste es sich bei seinem Alter um einen Zahlendreher handeln, er war höchstens dreiundzwanzig, fand sie. Rosa gab ihm mit ihrem schönsten Lächeln die Hand und hauchte ihm rechts und links ein Küsschen auf die Wange, wobei ihr sein billiges Rasierwasser in die Nase kroch und sie es als unangenehm empfand.
»Hey Attila, du hast doch hoffentlich nichts dagegen, dass meine Freundin Cheyenne mit uns zusammen isst oder stört dich das?«, fragte Rosa forsch.
Attila konnte seinen Unmut kaum verbergen. Er hatte sich von der Investition in ein Essen mit Rosa eine schnelle Nummer erhofft. Attila war verärgert, da sie mit ihrer Freundin in Azurblau erschienen war und selbst unverkennbar eine Perücke trug, wobei Attila auf blonde lange Haare stand, aber bitte natürlich.
Attilas Laune besserte sich, da es ihn wie ein Gedankenblitz durchfuhr, dass die Mädels vielleicht auf einen flotten Dreier standen. Warum sonst sollte sie ihre Freundin mitbringen?
Rosa und Cheyenne ließen beim Essen nichts aus, angefangen von einem Antipasti Teller als Vorspeise über Spaghetti con Scampi und zum Nachtisch Tiramisu samt Espresso. Er fürchtete, nicht genügend Bargeld bei sich zu haben, und auch seine EC-Karte würde nichts mehr hergeben. Rosa fragte ihn permanent aus.
Wo er wohne? Mit dem Stadtteil fiel er gleich durch. Was seine Eltern machen würden? Vater unbekannt und er wohnt noch bei seiner Mutter samt seiner vier Geschwister.
Attila rutschte mittlerweile nervös auf seinem Stuhl hin und her. Die beiden waren keine Kuschelprinzessinnen, sondern Hardcoreweiber. Er überlegte, wie er darumkommen könnte, das Essen zu bezahlen. In dem Moment schnippte Cheyenne mit ihren Fingern und bat den Ober die Rechnung für den Herrn zu bringen. Wutschnaubend legte Attila den Betrag auf den Tisch, wobei ihm jetzt ganze zwanzig Euro blieben für den Rest des Monats.

Im Kindle-Shop: Rosa und Cheyenne

Mehr über und von Barbara Zimmermann auf ihrer Website.



6. April 2017

'Träume, Tofu und Arthrose: Lilli übt den Ruhestand' von Anna Oldenburg

Alt werden ist Mist?

Lilli stellt sich der Herausforderung. Sie kämpft sich mit sanften Ellenbogen und saftigen Sprüchen durch den Alltag. Begleiten Sie sie bei ihrer pikanten Partnersuche, beim verschämten Besuch in der Praxis eines Schönheitschirurgen. Gehen Sie mit ihr in die Sauna oder in den Baumarkt. Oder nehmen Sie sie in die Arme und trösten Sie sie, denn „Kurt heiratet eine andere“. Lilli nimmt es nicht krumm, wenn Sie über sie schmunzeln. Ganz im Gegenteil!

Es erwarten Sie humorvoll-satirische Episoden über das Älterwerden.

Gleich lesen: Träume, Tofu und Arthrose: Lilli übt den Ruhestand

Leseprobe:
Zwei Eisen im Feuer
„Du siehst so sexy aus heute“, Ruth stochert mit der Gabel in ihrem Salat, zerquetscht ruckartig eine Olive und stiert mir sekundenlang in die Pupillen, ohne zu blinzeln. „Genau“, findet auch Gitta, „richtig frisch, nicht so mitgenommen wie sonst.“ Jetzt sind es schon zwei Augenpaare, die mich fixieren. „Also gut“, ich ziere mich noch ein wenig, nippe an meinem Chablis, dann bediene ich die Neugier meiner Freundinnen: „Ich hab` eine Anzeige aufgegeben, eine Kontaktanzeige.“ Ohne mein Bekenntnis zu würdigen, schnarrt Sabine: „Das macht man heute mit ´ner Dating-App.“ „Was ist ab?“, Gittas Frage wabert unbeantwortet durch den Raum. Nur Ruth zeigt eine angemessene Reaktion: „Ist ja genial. Und jetzt?“ „Jetzt warte ich auf Antworten!“ Ich winke den Ober herbei und bestelle eine Runde Aperol Spritz.
In den nächsten Tagen trudeln 27 Briefe ein. Vielleicht wären es ein paar mehr gewesen, wenn ich mein Alter und mein Gewicht ein wenig nach unten, dafür meine Größe nach oben korrigiert hätte? Ich sortiere zunächst offensichtliche Massenanschreiben aus (7), dann die Briefe, deren Verfasser pathologische Wünsche anmelden (4), dann die, die nach Verzweiflung riechen (5). Die verbleibenden 11 Schreiben lasse ich mehrere Tage und etliche Wannenbäder lang auf mich wirken.
Meine Wahl fällt auf Bernd-Peter aus Unna. Bernd-Peter ist Staatsanwalt i.R. und sieht auch so aus, im besten Sinne. Er ist groß, fast schlank, mit stechendem Blick und einer markanten Adlernase. An seiner Seite ist frau sicher, er ist der Beschützer par excellence. Vor seiner Aura kuschen böse Buben. Das interpretiere ich mühelos in sein stilvolles Schwarz-Weiß-Foto hinein. Ja, ich stehe dazu, dominante Männer ziehen mich magisch an.
Nach zwei Wochen folge ich seiner Einladung in den Norden. Im Zug male ich mir die verschiedenen Varianten unserer schicksalhaften ersten Begegnung aus, unter anderem auch die, wie ich elegant flüchten würde, falls nicht Dr. Jekyll, sondern Mr. Hyde mich am Bahnhof erwarten sollte. Mein Brainstorming findet ein jähes Ende als kurz hinter Nürnberg ein richtig schwerer Rucksack auf meine Zehen plumpst. „Mann, ey“, entfährt es mir im Jargon meines Enkels. „Oh mein Gott“, stammelt der Rucksackeigner. Er umfasst sanft meine Ellenbogen und ich ertrinke in seegrünen Augen. Damit nimmt die Verwirrung ihren Lauf. Wir plaudern aufeinander ein, wir flirten, lachen.
Bevor Uwe in Frankfurt aussteigt, gibt er mir seine Visitenkarte (Ehe-, Lebens-, Erziehungsberatung) und ich stecke ihm meine fahrig auf Bonbonpapier gekritzelte Telefonnummer zu. Mein Handy, vorausschauend auf stumm geschaltet, vibriert in meiner Jackentasche als ich Bernd-Peter auf dem Bahnsteig in Unna zart umarme. Und Bernd-Peter ist definitiv Dr. Jekyll, kein bisschen Mr. Hyde. Volltreffer!
Es ist phantastisch. Ich genieße mein Leben, wie ich es mit verklemmten zwanzig Jahren versäumt habe zu genießen! Uwe ist der sanfte Frauenversteher, lässiger Freizeitpartner für Sauna und Biergarten, mal tiefgründig, mal witzig, unwesentliche elf Jahre jünger als ich. Bernd-Peter ist der Mann für den großen Auftritt, stilsicher, gewandt, kommunikativ, aber auch zuverlässig zur Stelle bei den Kümmernissen des Lebens. Beide sind großartig! Wie ist es nur möglich, dass sie noch auf dem Markt sind??
Uwe ist ein wenig im Vorteil, weil uns nur läppische 330 Kilometer trennen, während Bernd-Peter mit 610 Bahnkilometern mehr gefordert ist. Mit Uwe treffe ich mich daher hin und wieder „außer der Reihe“. Zum Beispiel heute. Der Tag ist bisher so gnadenlos trist verlaufen, dass ich mir eine Belohnung in Aussicht stellen muss, um psychisch gesund zu bleiben. „Kommst du mich trösten?“, simse ich Uwe. Zwei Minuten später macht mein Handy „Bling“ und kündigt seine Antwort an: „Klar! Komme sofort. Kauf nix zum AE, ich koche!“
Hurtig eile ich in die Stadt, um bei Karstadt einen neuen Bügel-BH in der Farbe Petrol zu erwerben. Mit der Unterwäsche, die ich seit Beginn meines mehrjährigen, unfreiwilligen Zölibats trage, kann ich Uwe nicht in den Wahnsinn treiben. Und genau das habe ich heute vor! Als ich den Traum aus Spitze in meiner fahlen Schlafzimmerbeleuchtung auspacke, befallen mich Zweifel: mein Körper passt irgendwie nicht dazu. Ich würde meine Haut ja nicht runzelig nennen, soviel Respekt vor dem eigenen Körper muss sein, aber von jugendlicher Straffheit ist er ziemlich weit entfernt. Was soll´s, ich werde um so mehr Sinnlichkeit in mein Tun und meine Stimme legen. Ich dimme das Licht in der gesamten Wohnung, stelle Kerzen auf und sprühe ein bisschen zu viel Eau de Toilette über mich. Das hat einen quälenden Hustenreiz zur Folge, der meine gespannte Vorfreude aber nur wenig dämpft.
Uwe kommt kurz vor Mitternacht, beladen mit Tüten. Schon im Flur drängt er mich gegen den Garderobenständer und hüllt mich in leidenschaftliche Küsse. Er kann küssen. Er sabbert nicht und er zerquetscht mir mit der Zunge nicht die Mandeln. Er macht alles richtig. Die Gallonen von Parfum bringen auch ihn zum Husten. Aber das ist kein Nachteil, denn es bremst seine Leidenschaft, sodass er die Tüten leeren und das versprochene Nachtmahl bereiten kann ...

Im Kindle-Shop: Träume, Tofu und Arthrose: Lilli übt den Ruhestand

Mehr über und von Anna Oldenburg auf ihrer Website.



5. April 2017

'Dunkle Tage - Blackout' von Alex T. Watney

Die junge Zoey ist eine unbeliebte, aber sehr intelligente junge Frau. In der Universität taucht heute aber nicht der übliche Dozent auf. Ein ihr bekannter Autor hat einen Gastauftritt, den die junge Dame so schnell nicht vergessen wird. Es folgen ihre schlimmsten Tage. Als die Lichter ausgehen, muss sich die eher passive junge Frau aus ihrer Nebenrolle herausleben und innert kurzer Zeit zu einer wahrhaft mutigen und selbstsicheren Hauptrolle werden.

Vermag sie diesem Druck standzuhalten? Ist sie einer chaotischen Zeit und dem Leid gewachsen? Kann sie über Hass, Verrat und Verschwörungen hinwegschauen und den Kern der Sache erkennen? Werden ihr die Liebe und die Familie ein wertvoller Begleiter oder muss sie sich alleine bewähren?

Gleich lesen:
Für Kindle: Dunkle Tage - Blackout
Für iPad: Buch bei iTunes

Leseprobe:
"Ich will nicht, dass du in deinen labbrigen Trainingshosen am Esstisch sitzt, während wir Besuch haben.“
„Ach, die Morgans kommen? Wann hast du mir das gesagt?“
„Zoey!“, begann meine Mutter nun deutlich ernster als zuvor.
„Ich habe dir vor zwei Wochen gesagt, dass sie kommen werden, um den Geburtstag deines Vaters nachzufeiern.“
„Stimmt … he, was war das? Hast du das gesehen?“
„Lenk jetzt bloss nicht ab, Zoey.“
„Nein, Mum, schau mal, da war es schon wieder.“
„Was denn?“, fragte mich meine Mutter, als ich an die Decke des Geschäftes starrte, weil ich mir sicher war, dass die Lichter gleich noch mal kurz unterbrechen würden.
„Die Lampen, da! Schau!“, forderte ich meine Mutter auf und sie blickte wie ich hoch an die Decke, um zu sehen, was mit den Lampen sein soll. Ein jeder im Geschäft starrte kurz zur Decke. Es war, als wäre gerade die Zeit stehen geblieben, und alle wurden aus ihren Gewohnheiten gerissen durch etwas Mysteriöses, das an der Decke geschah.
„Was gibt es da zu sehen? Zoey? Ich sehe nichts.“
„Hmm, vorhin haben die Lampen im ganzen Geschäft kurz geflackert. Ist dir das nicht aufgefallen?“
„Nein! Und wenn schon? Das kommt doch vor!“, erwiderte meine Mutter sichtlich genervt von meinem unbewusst ausgeführten Themenwechsel.
„Lampenflackern hin oder her, wir gehen jetzt zur Kasse und kaufen dir dieses Outfit. Du kommst nicht drum herum, mit uns und den Nachbarn zu essen.“
Mit einem kurzen Blick zur Decke und dann zu mir beendete sie ihr Machtwort, drehte sich um in Richtung Kassen und lief schon mal voraus. Ich hatte ein mieses Gefühl im Magen. Irgendwas fühlte sich heute ganz und gar nicht normal an. Ich liess meinen Blick langsam von den Lampen ab und richtete meine Augen auf meine Mutter, die in der Schlange für die Kasse stand und mir zuwinkte, ich solle kommen.
Noch bevor ich an der Kasse angekommen war, erklang eine Durchsage im Geschäft:
„Werte Kundschaft, aufgrund eines technischen Defektes ist es uns nicht möglich, die Kassen elektronisch zu nutzen. Wir müssen von Hand rechnen und einkassieren. Wir bitten Sie um viel Geduld, da es nun an den Kassen deutlich länger dauert. Wir hoffen auf eine baldige Problemlösung, damit wir wie gehabt weiter kassieren können. Vielen Dank“, sprach die Verkäuferin an der Kasse in das Mikrofon.
Meine Mutter war nicht die Einzige, die ein genervtes „Ach Mann“ ins Leere stiess. Viele Kunden waren derart verärgert, dass sie ihre Kleidung, die sie hatten kaufen wollen, auf den nächstbesten Auslagentisch warfen und das Geschäft verliessen.
„Ich bleibe hier stehen und du mit mir. Du brauchst diese Kleidung und wir warten. Vielleicht war an deinen Lampen was dran“, gestand mir meine Mutter schliesslich zu. Für mich schien das ein viel zu grosser Zufall zu sein und deshalb ging ich wie meine Mutter davon aus, dass sie einen kurzen Stromausfall hatten und die Kassen jetzt nicht neu starten wollten. Alles eher halb so schlimm.

Im Kindle-Shop: Dunkle Tage - Blackout
Für iPad: Buch bei iTunes

Mehr über und von Alex T. Watney auf seiner Website.



'Wolfskind' von André P. Appel

Seit Jahrhunderten ziehen die Wölfe im Geheimen die Fäden, um den Frieden zwischen den unterschiedlichen Völkern des Universums zu sichern. Dank der geheimnisvollen Symbiose mit einer unbekannten Lebensform besitzen einige Wölfe nahezu übernatürliche Fähigkeiten, die Gabe genannt. Dies, gepaart mit einem großen technologischem Vorsprung, macht die Wölfe zu einer mächtigen Organisation.

Aber die Wolfsgemeinschaft ist gespalten: die Wächter wollen weiterhin im Geheimen agieren und den Frieden bewahren, doch die Dunklen Wölfe drängen erneut an die Macht, wie einst vor langer Zeit schon einmal. Sie wollen sich die anderen Völker gewaltsam unterwerfen. Erneut entbrennt ein uralter Konflikt.

Inmitten dieser unsicheren Zeit trifft der Kopfgeldjäger Jake Aydo auf ein junges Mädchen, das von Unbekannten verfolgt wird. Schnell erkennt Jake, dass das Kind die Gabe besitzt und eine Wölfin sein muss, doch die Herkunft des Mädchens bleibt ein Rätsel. Zusammen mit der Pilotin Maiki Lee rettet Jake das Kind und gemeinsam treten sie den Weg zurück zur Wolfsgemeinschaft an, die Jake und Maiki vor Ewigkeiten hinter sich gelassen hatten. Denn auch Jake besitzt die Gabe und eine dunkle Vergangenheit ...

Gleich lesen: Wolfskind (Das Buch der Wölfe 1)

Leseprobe:
»Willkommen Prof. Dr. Marks«, sagte der Mann mit der Waffe im Plauderton, während der jüngere Mann jetzt die Tür, und damit die einzige Fluchtmöglichkeit, sicherte.
»Da wir das, was wir gesucht haben, nicht in der Wohnung gefunden haben und auch nicht auf den Computern im Labor, dürfte ich Sie wohl um den Inhalt Ihrer Tasche bitten?«, fuhr der Alte seelenruhig fort.
Doch Marks schüttelte nur den Kopf, presste die Tasche fester an sich.
»Nein, das geht nicht«, stammelte er.
Der Mann packte das Kind im Nacken und verstärkte den Druck der Waffe auf die Schläfe, so dass der Kopf des Mädchens zur Seite gedrückt wurde.
»Ich glaube, ich habe mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt«, zischte der Mann. »Sie sind in keiner Position für Verhandlungen! Ihre Tochter wird Ihnen da sicherlich zustimmen.«
Prof. Dr. Marks blickte dem Kind tief in die Augen, einige Sekunden verstrichen und als ob die beiden wortlos kommuniziert hätten, nickte das Mädchen plötzlich ganz leicht mit dem Kopf.
Marks ließ scheinbar resigniert die Schultern hängen.
»Okay, okay, Sie haben gewonnen!«, sagte er dann.
Der Professor hielt die Tasche am ausgestreckten Arm vor sich, dem alten Mann im Anzug entgegen. Dieser ließ das Kind los und griff danach. Die Hand des Alten hatte ihr Ziel noch nicht erreicht, als Marks die Tasche nach dem Kopf des Mannes schleuderte, zeitgleich ließ sich Charlotte zur Seite auf den Boden fallen. Der Schuss der Waffe ging weit über sie hinweg und das Mädchen robbte so schnell sie konnte um die Küchenzeile herum, in Deckung.
Der Mann mit der Waffe versuchte noch mit der freien Hand die geworfene Tasche abzuwehren, doch Marks wartete gar nicht erst das Ergebnis seiner Verzweiflungstat ab. Er warf sich der Tasche hinterher auf den Mann. Hinter ihm griffen die Hände des jüngeren Mannes ins Leere und verfehlten Marks nur um wenige Zentimeter.
Marks rammte den bewaffneten Mann, der mit dem Rücken gegen die zentrale Küchenzeile krachte und vor Schmerzen aufschrie. Seine Waffe segelte davon. Der Professor fiel auf alle Viere neben seine Tasche, griff sich diese und kam wankend auf die Beine.
Der jüngere Mann im Anzug stand wie angewurzelt im Raum und rührte sich nicht. Sein Blick war starr auf etwas rechts vom Professor gerichtet. Dieser rückte seine Brille zurecht, die im Kampf verrutscht war. Jetzt sah der Professor auch, warum der Mann sich nicht mehr bewegte. Charlotte hatte die Waffe aufgesammelt und zielte damit auf den jüngeren Anzugträger.
Marks wich um die Küchenzeile herum zurück und übernahm die Waffe von Charlotte.
»Ich würde sagen, wir gehen jetzt«

Im Kindle-Shop: Wolfskind (Das Buch der Wölfe 1)

Mehr über und von André P. Appel auf seiner Facebook-Seite zum Buch.



4. April 2017

'Ein Herz aus Marmelade' von Heidi Hensges

Ein heiterer Sommerroman, gewürzt mit einer Prise Melancholie, über Liebe, Freundschaft, Beziehungen und die wirklich wichtigen Dinge des Lebens und des Herzens.

Martina steht kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag und findet das gar nicht gut. Zwei Jahre nach ihrer Scheidung von einem Rechtsanwalt, der inzwischen auf Bali lebt, sehnt sie sich nach einer neuen Beziehung. Pragmatisch, wie sie ist, hat sie schon das ideale Zielobjekt ausgewählt: Dr. Alexander Böhm, ein alter Freund aus Studienzeiten und ihr neuer Zahnarzt. Nach dem ersten Termin bei ihm verlässt sie seine Praxis mit einem Weisheitszahn weniger, dafür aber mit der Einladung zu einem Date. Läuft!

Ihre Hochstimmung hält nicht lange an. Als sie zurück nach Hause fährt, trudelt eine Mail ihres Ex-Gatten ein. Er kommt zurück nach Deutschland und will sich mit ihr treffen. Für Martina kommt das überhaupt nicht infrage. Was soll das überhaupt heißen, er kommt zurück? Doch nicht etwa für immer?

Nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter Sophia, einer bauchtanzenden Ex-Hippiebraut, trifft sie eine spontane Entscheidung. Sie fährt in das Ferienhaus ihrer Freundin Emma, um dort eine Zeitlang in Ruhe arbeiten zu können. Das ist zu Hause gerade nicht möglich, denn Sophias Dauerfreund Hans-Josef baut seit Wochen lautstark den Dachboden aus. Anschließend will er auch noch dort einziehen, erfährt Martina mal eben so nebenbei.

Mit der Ruhe in der Eifel ist es schnell vorbei. Schon am ersten Tag klettert das neunjährige Mädchen Mie vom Nachbargrundstück aus über den Zaun und macht es sich auf Martinas Rasen gemütlich. Mie stellt freche Fragen und erzählt seltsame Dinge: Ihre Mutter sei angeblich mit einem Flugzeug abgestürzt. Wie geht man denn mit so was um? Martina kann diese Geschichte nicht richtig glauben, ist aber vorsichtig. Ihrer Meinung nach schwindeln alle Kinder, dass sich die Balken biegen. Trotzdem tut sie so, als wenn sie dem Mädchen glaubt. Ein heulendes Kind im Garten, das ist echt das Letzte, was sie haben will.

Kurz darauf trifft Martina das erste Mal auf Mies Vater Malte, einem Zeichner mit Vorliebe für Katzencomics. Ein Künstler! In Holzclogs! Mit albernen T-Shirts! Dr. Böhm lässt Charme und Muskeln spielen, hat aber Angst vor Hunden. Verwicklungen entstehen, mit denen niemand rechnen konnte.

Und was hat eigentlich eine Fee in der Geschichte zu suchen?

Gleich lesen: Ein Herz aus Marmelade: Ein heiterer Liebesroman

Leseprobe:
Alexander schaltete das Radio ein. Helene Fischer.
„Oh nein!“, riefen beide lachend aus. „So atemlos, wie die Dame ständig ist, braucht sie längst ein Sauerstoffgerät“, grinste Alexander und betätigte postwendend den Sendersuchlauf. Red Hot Chili Peppers. „Kann bleiben, oder?“
„Klar. Die sind klasse. Ich muss mir dringend endlich eine CD von denen kaufen. Ist schon lustig, früher sind die völlig an mir vorbeigegangen.“
„Wann denn früher? Im Studium? Da habe ich Nirvana gehört. Supertramp. Green Day. Ach ja, und Oasis. Wobei ich die alle heute immer noch mag. Und du? Du warst Michael-Jackson-Fan, wenn ich mich recht erinnere. Ja, du hast als einzige Frau den Moonwalk beherrscht! Ist dir eigentlich klar, dass du dadurch etliche Typen verschreckt hast, weil sie nicht mit dir mithalten konnten?“
„Und wenn schon. Wem das Angst gemacht hat, der hätte mich sowieso nicht verdient.“ Martina zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Aber stell dir das Gesicht meiner Mutter vor, als ich mit dem Thriller-Album ankam. Wäre es nach ihr gegangen ... Sie hat mich schon in meiner Kindheit von morgens bis abends mit Janis Joplin und Bob Dylan beschallt.“ Sie schüttelte sich wie ein nasser Hund.
Alexander verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. „Klingt nach alter Hippie-Braut. Ich frage mich gerade, ob mir das lieber gewesen wäre als unser Spießbürgertum. Meine Eltern hörten grundsätzlich nur Klassik. Das steigere die Intelligenz, haben sie immer gesagt. Da mag ja tatsächlich ein bisschen was dran sein, aber du ahnst nicht, wie schnell ich mir vom Taschengeld einen Kopfhörer zusammengespart habe, als mir bewusstgeworden ist, dass es auch andere Musik auf diesem Planeten gibt.“
Während er sprach, legte er beiläufig die linke Hand auf Martinas Oberschenkel, auf nackte Haut knapp oberhalb des Knies. Prompt löste sich die Antwort, die sie ihm eigentlich geben wollte, in Luft auf.
Die unerwartete Berührung ließ sie zusammenzucken. Dort, wo seine Hand ruhte, wurde es heiß, glühend heiß, als würde die Haut jeden Moment Blasen schlagen.
Wie gut, dass ich Shorts und keinen kurzen Rock angezogen habe ... Verdammt, Alex, lass die Hand wenigstens genau da, wo sie jetzt ist. Keinen Zentimeter höher!
Wenige Sekunden lang verschwamm der Straßenbelag vor Martinas Augen, so wie bei extremer Mittagshitze mit flirrender Luft. Alexander sah derweil zum Seitenfenster hinaus, sodass sie seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen konnte.
„Du zitterst ja“, sagte er. „So schlimm?“
„Ja. Ziemlich. Ich muss mich konzentrieren.“ Sie drosselte das Tempo und bog von der Landstraße aus in die Zufahrtsstraße zum Talkessel ein, in dem das Dorf Meerfeld und das Meerfelder Maar lagen. „Wir sind gleich da. Ich versuche, direkt am Freibad zu parken.“
„Warum sind wir überhaupt hierhin gefahren? In der Nähe deines Domizils gibt es doch genügend andere Maare“, fragte er.
„Kindheitserinnerungen. Ich war lange nicht mehr hier.“ Den wahren Grund verschwieg sie vor ihm: den bevorstehenden Ausflug mit Mie und Malte zum Pulvermaar. Die Dauner Maare könnten sie bei der Gelegenheit ebenfalls besuchen. Deshalb hatte sie für heute absichtlich ein anderes Ziel gewählt. Jede der Unternehmungen sollte für sich alleine stehen und ganz eigene Eindrücke hinterlassen dürfen.
Alexander lächelte sie von der Seite an. Immer noch lag seine Hand auf ihrer Haut. „Da drüben wird eine Lücke frei, die fahren gleich raus! Du bist ein echtes Glückskind!“
„Yes!“, rief Martina erleichtert aus. Es war ein Kombi, den Alexander entdeckt hatte. Der erstaunlich junge Vater der vierköpfigen Familie wuchtete schwitzend einen Zwillingsbuggy in den Kofferraum. Seine Frau bugsierte zwei kleine, komplett in Rosa gekleidete Mädchen in die Kindersitze.
„Seltsam, dass die jetzt schon aufbrechen, es ist noch nicht mal elf Uhr. Sieht stressig aus“, kommentierte Alexander murmelnd das Geschehen. „Meine Schwester und ihr Mann haben oft genug darüber gestöhnt, wie anstrengend das in den ersten Jahren mit deren Zwillingen war.“
Er nahm die Hand von Martinas Oberschenkel und kratzte sich hinter dem Ohr. „Willst du eigentlich noch Kinder haben, Tina?“
Martina blinzelte. Das war nun seit ihrem ersten Wiedersehen in seiner Praxis bereits das zweite Mal, dass er sie nach Kindern fragte. Dafür musste er einen wichtigen Grund haben. Aber welchen?
Vielleicht ist er unentschlossen und will das von seiner Partnerin abhängig machen. Also im Zweifelsfall von mir!
„Ich weiß es nicht“, antwortete sie gedehnt. „Denk dran, dass ich vierzig geworden bin. Ob ich mich mit Mitte fünfzig oder gar später noch mit einem Teenager herumschlagen will ... Hm. Frag mich was Leichteres.“
Der Familienvater schloss den Kofferraum und stieg ein. Sie wartete geduldig, bis er ausgeparkt hatte, und fuhr auf den Stellplatz zu. Alexander reagierte nicht auf ihre Antwort. Sie hoffte, dass er dieses Thema vorläufig nicht mehr ansprach. Denn wenn sie es sich recht überlegte, ging es ihr selbst so, wie sie es bei ihm vermutete: Hätte sie jemanden an ihrer Seite, mit dem sie sich das ernsthaft vorstellen könnte, dann ... ja dann ... eventuell ...
„Ich wünsche mir einen Sohn. Vorsicht, Tina, der Pöller!“

Im Kindle-Shop: Ein Herz aus Marmelade: Ein heiterer Liebesroman

Mehr über und von Heidi Hensges auf ihrer Website.