30. Januar 2016

"Wer bist du, Malaika?" von Tom Linden

Ein Job führt Reisejournalist Christoph an Kenias Nordküste. In Berlin bleibt seine kenianische Freundin Shakila zurück. Ihre Zeit als Au-Pair-Mädchen läuft bald ab, doch sie möchte unbedingt in Deutschland bleiben – und ihn rasch heiraten. Von Shakilas Schwester erhält Christoph in Nairobi Schulhefte, die Shakila vor einigen Jahren vollgeschrieben hat – in der Landessprache Kisuaheli. Shakila möchte sie endlich wiederhaben. Was niemand weiß: Globetrotter Christoph beherrscht die Sprache in groben Zügen.

Er kann nicht widerstehen, mit einem Wörterbuch und der Bankerin Whitney entziffert er den Text, der sich als Roman mit Sprengkraft entpuppt: Ist das alles nur Fiktion?

Was davon ist Shakila passiert? Und wer ist die Titelfigur Malaika? Christoph bewundert Shakila zunehmend, gleichzeitig wachsen seine Zweifel, die die Beziehung bedrohen – und Whitney verfolgt mit den Heften eigene Ziele.

Gleich lesen: Wer bist du, Malaika?

Leseprobe:
Tatsächlich, es ist ein Nationalpark. Ungläubig schaue ich aus dem Flugzeugfenster und wieder auf die Landkarte. Warum kann die Welt nicht immer so sein, wie ich sie sehe?
Da wundere ich mich, dass es mitten in Nairobi, in einer Drei-Millionen-Stadt mit Hochhäusern, Slums, wuchernden Vororten und Verkehrschaos, diese riesige, natürliche Freifläche gibt. Sie reicht bis zum Horizont – genau, wie ich mir eine Safari-Savanne vorstelle. Und dann: Es sieht nicht nur so aus wie ein Nationalpark, es ist auch einer, wie mir die Karte anzeigt. Löwen, Leoparden oder Nashörner kann ich jedoch nicht ausmachen, ebenso wenig Elefanten und Giraffen. Der grüne Fleck wird ohnehin kleiner, rasch gewinnt die Maschine an Höhe. Nach zwei Minuten sehe ich nur noch die Siedlungen um Nairobi und trockenes, rotes Land. Schließlich durchfliegen wir die Wolken.
Ich lege die Karte weg und nehme mir wieder den Umschlag. Mittags, vor dem Abflug, habe ich mich für zwei Stunden mit Lizz getroffen, der Schwester meiner Freundin Shakila. Ich habe Lizz ein paar Geschenke aus Berlin mitgebracht, und sie hat mir beiläufig das unverschlossene Kuvert gegeben mit den Worten: „Das ist für Shakila. Danach hat sie mich immer gefragt.“ Jetzt erst betrachte ich die Papiertüte, wiege sie in meinen Händen und greife hinein.
Es sind zwei dicke Schulhefte mit rauen Einbänden. Ich halte sie nebeneinander, und sie könnten unterschiedlicher nicht aussehen. Eines ist abgegriffen, das andere weist kaum Gebrauchsspuren auf. Warum gibt mir Lizz Schulhefte für ihre Schwester mit?
Auf dem Titelblatt steht „Malaika“.
Malaika? Ist das etwa Kisuaheli? Ich blättere und starre auf die Seiten. Ich schaue mich um, als hätte ich etwas Verbotenes getan. Wobei: Ich habe etwas Verbotenes getan. Schließlich nehme ich mir das zweite Heft, es sind vom Umfang eher Notizbücher, und lasse die Blätter hastig durch meine Finger gleiten. Das sind bestimmt nicht Shakilas Hausaufgaben von früher. Stattdessen sehe ich einen langen Text. Ein Tagebuch, private Erinnerungen, ein Roman?
Beide Hefte sind auf Kisuaheli geschrieben, der Nationalsprache Kenias. Ich bin erstaunt, wo doch fast jeder Kenianer Englisch spricht und schreibt. Es ist ungewöhnlich, sich schriftlich auf Kisuaheli auszudrücken, das überwiegend der mündlichen und privaten Verständigung dient. Ich allerdings beherrsche die Sprache seit zwei Jahren, wovon wiederum Shakila nichts weiß. Den Text darf ich also auf keinen Fall lesen.
Haltlos rast mein Blick durch die Notizhefte. Beide Skripte haben ein Dutzend Kapitel, von Hand nummerierte 64 Seiten, die Dialoge sind mit roter Farbe markiert. „Malaika I“ hat Flecken, Knicke, Eselsohren und Risse, manche Blätter hängen nur noch halb in der Bindung. Ich sehe keine Korrekturen, nichts ist durchgestrichen, verbessert, geschwärzt oder kommentiert. Es ist eine Geschichte, sauber von vorn bis hinten durchgeschrieben, allenfalls ist mal ein einzelner Buchstabe fett nachgezogen worden. Ein von Hand geschriebenes Buch, gibt es so etwas heute noch? Rasch schlage ich die Kladde zu, stecke sie zusammen mit der anderen zurück in den Umschlag und verstaue sie in meinem Tagesrucksack.
Malaika? Zumindest will ich wissen, was der Titel bedeutet. Ich möchte zu meinem Kisuaheli-Wörterbuch greifen, erinnere mich aber, dass ich es in den großen Rucksack gepackt hatte, und der liegt nun im Frachtraum.

In unserer Maschine, einer kleinen Dash-8 der Gesellschaft Fly540, ist nur gut die Hälfte der Plätze belegt. Auch der Sitz neben mir ist frei geblieben. Mein Ziel ist Lamu, eine Insel im Indischen Ozean an Kenias Nordküste.
Ich liebe Ostafrika, und nachdem ich drei Mal durch Tansania gereist bin, wovon Shakila natürlich weiß, habe ich angefangen, Reiseberichte darüber zu schreiben. Ich hatte schon vorherige Touren zu Papier gebracht; Brasilien, Bolivien, Australien und auch den Trip nach Timbuktu. Einige Reportagen konnte ich sogar in einem Reiseverlag, Duniani, veröffentlichen. Und jetzt hat Duniani mich nach Lamu geschickt. Meine erste richtige Auftragsarbeit.
Fünfzig Minuten später landen wir für einen Zwischenstopp in Malindi, einer größeren Stadt zwei Autostunden nördlich von Mombasa. Der linke Propeller wird ausgeschaltet, damit die neuen Passagiere zusteigen können, der andere läuft weiter. Ich nehme mir die Zeitschrift aus dem Vordersitz und blättere sie durch bis zum Streckennetz. Ich bin besessen von Karten, Landkarten, Stadtplänen aller Art. Stundenlang kann ich darüber brüten, um die Umrisse von Ländern und Inseln, den Verlauf von Flüssen und Altstadtgassen nachzuverfolgen. Bei Bordmagazinen ist diese Doppelseite, oft zum Ausklappen, der wichtigste Inhalt für mich.
„Hallo, ist hier noch ein Platz frei?“
Ich schrecke hoch. „Ndiyo“, sage ich automatisch.
„Ndiyo ?“, lächelt das Mädchen zurück, wiegt den Kopf und schaut fragend. Sie verstaut ihr Handgepäck in dem Fach über uns und setzt sich neben mich.
„Du sprichst Kisuaheli?“, fragt sie.
„Ja, etwas“, sage ich verlegen. „Najaribu, ich versuche es.“
„Karibu , herzlich willkommen!“, entgegnet sie und sucht ihren Gurt.

Im Kindle-Shop: Wer bist du, Malaika?

29. Januar 2016

"Thailandeiland - Sperbers zweiter Fall" von Lutz Kreutzer

»Hey, Fritz, jetzt keine Geschichten … Es sind zwei Morde passiert. Zwei tote Mädchen. Wahrscheinlich aus Thailand. Mit Rubinen oder sowas im Ohr.«

Ein Mann macht sich auf den Weg, nachdem er in einem albanischen Bergdorf seinen Bruder umgebracht hat. Und in einem bayerischen Baggersee werden Tote entdeckt.

Fritz Sperber und Martha Kieninger vom Landeskriminalamt in München übernehmen einen dubiosen Mordfall, der sie mit Habgier, Eifersucht und einer exotischen Sexualkultur zusammenprallen lässt. Welche Rollen spielen der thailändische Guru, der Staatssekretär, die Nonnen und der Wiener Edelsteinhändler?

Die wertvollsten Edelsteine der Welt werden Taubenblut genannt - Rubine von unvergleichlicher Schönheit. Dieser Thriller zeigt, wie Gewinnsucht, Machtbesessenheit und Leidenschaft sämtliche Dämme brechen lassen. Raffiniert hält der Autor der Gesellschaft den Spiegel ihrer Doppelmoral vor Augen. Ein spannender und skurriler Thriller um Mord, Tabus und Skrupellosigkeit.

Schauplätze sind Albanien, Bayern, Birma (Myanmar), Thailand und Österreich.

Gleich lesen: "Thailandeiland - Thriller: Sperbers zweiter Fall" bei Amazon

Leseprobe:
Herbst 2010
Der Morgentau lag noch auf den Wiesen, durch die rauschenden Bäume blitzte hier und da die Sonne. In den Senken hing der Nebel wie Schaum. Bunte Blätter segelten durch die würzige Luft des Hochgebirges. An diesem sonnigen Tag kehrte Adnan Curri reumütig zu seiner Mutter zurück. Ihr Bauernhaus klebte an einem Hang in einem kleinen Dorf im Prokletije, den ›Verwunschenen Bergen‹ Albaniens.
Adnans Herz bebte. Würde seine Mutter ihn freundlich aufnehmen? Nachdem er ein Jahr zuvor verzweifelt aus seinem Dorf davongelaufen war, war er in Tirana schnell auf die schiefe Bahn geraten. Allein auf den Straßen der Hauptstadt wurde er von einem Mann mit einer sanften Stimme angesprochen. Er brachte ihn in sein Haus, gab ihm gutes Essen und bot ihm ein Bett an. Nach drei Tagen hatte er ihm eine Ausbildung eingeredet. Naiv und dankbar wie Adnan war, nahm er an. Fast ein Jahr lang schulte man ihn im Einbruch, im Raub, im Umgang mit Messern und im Nahkampf. Er war an die Mafia geraten. Als ihm das klar wurde, konnte er nicht mehr zurück.
Adnan war begabt, wie sein Ausbilder es nannte. Sein Kryetar wollte ihn nach Berlin schicken. Bei dem Gedanken daran hatte Adnan Heimweh bekommen, so großes Heimweh, dass ihm selbst die Schmach egal war, die ihn zuhause erwarten würde.
Er wirkte gestählt, als er nun in der verrauchten Küche vor seiner Mutter stand. In ihren Augen sah er eine Träne.
Als er sie umarmen wollte, betrat Adnans Bruder Qamil die Küche. »Was willst du hier?«, ging Qamil ihn hart an. Qamil wandte sich der Mutter zu. »Geh weg von ihm!«, befahl er ihr. »Willst du jetzt auf einmal weich werden? Du? Geh weg von ihm!«, schrie er erneut, bis die Mutter Abstand von Adnan nahm.
Pausenlos beschwor Qamil die Schande, die Adnan über sie gebracht hätte. Er war nicht mehr zu stoppen. Er hetzte die Mutter so sehr gegen Adnan auf, bis aller Rest an Liebe, auf die Adnan gehofft hatte, aus ihr gewichen schien.
»Du hast dich mit Verbrechern eingelassen«, warf Qamil ihm vor. »Du weißt, dass das nach unserem Glauben hier oben eine Todsünde ist!«, schrie Qamil. »Und du hast uns alle im Stich gelassen!«, fauchte er. Die Mutter nickte.
Adnan geriet in Wut. »Ihr beide seid selbst schuld daran«, brüllte er verzweifelt, während sich seine Stimme überschlug, »dass ich euch verlassen hab!«
Qamil lachte nur hämisch.
»Weißt du eigentlich, wie du aussiehst? Hässlich und vertrocknet. Grausam bist du geworden«, hieß er Qamil. »Und du, Mutter, du bist schwach und herzlos. Eine Schande seid ihr für mich!«
Der Streit wurde heftiger. Schließlich packte die Mutter im Zorn einen Besen und prügelte mit dem Stil auf Adnan ein. Qamil ergriff eine Mistgabel und drängte ihn vom Hof.
Als er mehr fliehend als gehend sein Dorf ein zweites Mal verließ, während seine Mutter und Qamil zeternd hinter ihm herliefen, wurde er von denselben Dorffrauen bespuckt, die ihm als kleinem Jungen einst den Kopf gestreichelt hatten.
Qamil aber schwenkte seine Zigarette hin und her und schrie ihm nach: »Wenn du dich noch einmal hier sehen lässt, werde ich dich erschießen!«
Adnan wusste, dass er mit dieser Drohung vor allen Dorfbewohnern entehrt worden war. Tief verletzt und gedemütigt fühlte er sich als Geächteter. Er wusste, dass er seine Ehre wieder herstellen musste, um weiter leben zu können. Am späten Abend noch schlich er sich zurück zum Hof seiner Mutter und betrat die Küche durch die nicht versperrte Tür. Rauchend und Schnaps trinkend saß Qamil allein am Küchentisch. Als er Adnan sah, stand er auf.
»Was willst du schon wieder hier? Scher dich zum Teufel, wohin du gehörst!«, schimpfte Qamil mit tiefer Stimme.
»Wo ist Mutter?«, fragte er.
»Sie schläft und will dich nicht sehen, nie wieder, hörst du?«, rief Qamil verächtlich.
»Qamil, hör zu, so kannst du mich nicht behandeln. Niemals hab ich dir etwas getan. Ich hab immer mit dir Frieden haben wollen. Aber du …«
»Aber was, häh? Ein Muttersöhnchen bist du!«, brüllte er. »Verkriechen willst du dich in Mutters Schoß, häh? Mach, dass du das Dorf verlässt. Hau ab, für immer. Hau endlich ab!« Mit wedelnden Händen, die seine Abscheu noch unterstrichen, stand Qamil vor ihm und hörte nicht auf, ihn zu beschimpfen.
Adnan antwortete nicht. Mit kaltem Blick verharrte er vor Qamil und starrte ihm in die Augen. Wie erbärmlich Qamil sich aufspielte, als wäre er das natürliche Oberhaupt der Familie. Nein, der Hausherr, das war er, Adnan, der Gedemütigte.
Das Messer hatte er bereits geöffnet in der Hosentasche getragen. Nur ein Zucken in Adnans Blick, dann streckte er Qamil kurzerhand mit einem einzigen Stich nieder.
Qamil sank zusammen, doch Adnan fing ihn auf. Er blutete heftig und legte den Kopf in Adnans Armbeuge. Die Zigarette fiel von Qamils Lippen auf den steinernen Boden. Seine Augen stellten Fragen, aber er gab keinen Laut von sich. Je stärker das Leben aus Qamil ausfloss, desto zarter wurde sein Gesicht, das über die Jahre verhärtet war und hinter dem er sich ein halbes Leben lang versteckt hatte. In dem Moment, als Qamil in Adnans Armen starb, kehrten für einen Augenblick die sanften Züge seiner Jugend zurück, und Adnan weinte bittere Tränen.

Im Kindle-Shop: Thailandeiland - Thriller: Sperbers zweiter Fall

Mehr über und von Lutz Kreutzer und weitere Bezugsquellen auf seiner Website zum Buch.

28. Januar 2016

"Fenster zur Freiheit - Eine Liebe in Arabien" von Heike Adami

Als Stewardess einer arabischen Fluggesellschaft hat Sophie den gutaussehenden wohlhabenden Latif kennen und lieben gelernt. Sie folgt ihm in sein Heimatland Bahrain, in ein Leben voller Luxus mit Villa, Maid, Gärtner und Driver.

Nach und nach merkt sie, dass sie im goldenen Käfig gefangen ist. Sie verliert ihr Selbstbewusstsein und fügt sich schließlich den Forderungen ihres arabischen Ehemannes. Wie viel Selbstverleugnung und Selbstaufgabe kann ihre Seele ertragen?

Sophie liebt ihren Mann. Sie ist entschlossen, bei ihm in Bahrain zu bleiben – bis sich die politische Situation im Land zuspitzt.

Die Autorin schildert eine Liebes- und Familiengeschichte im heutigen Arabien. Sie hat eine ähnliche Story in ihrer Familie erlebt. Das bewegte sie zu der Frage: Wie würde ich reagieren?

Gleich lesen: Fenster zur Freiheit - Eine Liebe in Arabien

Leseprobe aus dem XVI. Kapitel:
Sophie begleitet ihren Mann Latif zu einer Geschäftsreise nach Saudi Arabien. Diese Szene ist während des Dinners im Hotel.
[…] An diesem Abend war ich eine von ihnen. Bewusst konzentrierte ich mich auf uns. Doch es blieb nicht aus, dass ich das Paar am Nachbartisch sah. „Latif, ich fühle mich so fremdartig. Bei der Vorstellung in Bahrain würde in ein paar Monaten die gleiche Situation vorliegen, wie sie hier alltäglich ist, vergeht mir der Appetit. Schon an viele Gegebenheiten konnte und musste ich mich gewöhnen, aber diese Einschränkung ist jetzt der Gipfel!“
„Was meinst du? Weil hier kein Alkohol ausgeschenkt wird?“ „Nein, das ist mir von Bahrain bekannt. Ich meine viel mehr diese schwarze Tracht, die sichtlich das Essen der Frau erschwert. Merkst du nicht, wie sie mich daran hindert, ordentlich und mit Würde zu essen?“
Diese Millionen Jahre alte Aufnahme des Mahls war hier eine Kunst. Ich beobachtete sie und sah, was auf mich zukam. Mit Messer und Gabel zu hantieren, war schier unmöglich.
Mein bestelltes Lammcarpaccio mit Kürbiskernöl sollte mir das Dinner erleichtern. Dennoch stand mir eine erschwerte Ausführung bevor, um die geschnittenen, hauchdünnen Lammscheiben unter dem Niqab in den Mund zu befördern. Die Umsetzung wurde durch die schwarzen Seidenhandschuhe nicht erleichtert. Vielleicht sollte es edel ausschauen, aber effektiv war die Ausbeute nicht. Meine Finger rutschten sanft über die Gabel, deren Haltung in meiner Hand weich und gefühllos war. Meine mit Seide überzogenen Fingerkuppen landeten in dem Mix aus Kürbiskernöl und Balsamico. Abschlecken war nicht angesagt. Die ein oder andere Lammscheibe entglitt mir auf die weiße Tischdecke, das Öl lief herunter. Alles sah aus, als wäre ich die erste Frau, die unter einem Niqab essen müsste. Ich schämte mich. Aber es kannte und erkannte mich keiner und so sollte es mir doch gleichgültig sein.
Doch meine Beine waren anderer Meinung. In schnellem Rhythmus bewegten sie sich unter dem Tisch auf und ab. Die Nervosität hatte ein Ventil gefunden. Schnell wollte ich den Raum verlassen. Latif versuchte, die Situation zu beschönigen und redete mit einem Lächeln drauflos, als würde er dafür bezahlt. „Ich glaube, ich verzichte auf den Rest des Dinners. Lass uns nach oben gehen, bitte.“
Mit ernstem Blick sah er mich an. „Sophie, das ist unmöglich. Wie sieht das aus, wenn du jetzt den Raum verlässt, obwohl die Speise noch vor dir steht und du angefangen hast, zu essen. Meine Geschäftspartner schauen sowieso schon die ganze Zeit herüber.“
„Verstehst du denn nicht, wie ich mich fühle? Diese Frauen sind das von jeher gewohnt. Sie kennen es nicht anders. Aber ich fühle mich zugeknöpfter als eine mittelalterliche Nonne. Eine unbarmherzige Angelegenheit ist das. Die Last auf meinem Kopf erdrückt mich. Auch Atemnot stellt sich wieder ein. Die Hitze unter diesen Stoffballen sammelt sich wie in einem Kessel. Latif, ich fühle mich total unwohl. Das Gefühl ist beängstigend.“ Ich legte die Gabel zur Seite. Mir war es gleich, ob sie auf dem Teller oder dem Tischtuch lag, aber ich hatte sie so schräg auf den Teller gelegt, dass er kippte und das Öl über die Tischdecke auf Latifs feinen Hosenstoff floss. Ich sah es nicht. Meine Hände übernahmen die Bewegung, die aus mir herauswollte.
Latifs Blick wollte mir mehr sagen. „Sophie, jetzt ist es gut. Nimm deine Hände unter den Tisch. Siehst du nicht, was du mit deiner Fuchtelei anrichtest.“
Entsetzt bemerkte ich seine Hose. Ich beugte meinen Kopf so weit nach vorn, wie es möglich war. Doch um etwas genauer zu sehen, hätte ich aufstehen müssen. Und wer weiß was dann noch passiert wäre? Ich hätte schreien können und zwang mich doch zur Ruhe. „Wie bitte schön soll ich bei dieser Sicht, die so groß ist, wie drei Financial Times aufeinandergelegt, irgendetwas sehen? Ich hätte im Gym meine Halsmuskulatur stärken sollen. Dann könnte ich jetzt meinen Kopf so drehen, wenden und beugen, um auch das kleinste Tohuwabohu zu entdecken. Das macht keinen Spaß. So gefällt mir das Leben nicht. Ich fühle mich wie eine Aussätzige. Latif, dieser Niqab erschlägt meine Seele.“ Ich spürte, wie sich mein Hals zuschnürte und Trauer in mir aufstieg. Mehrmals musste ich beim Reden schlucken, um gegen die Tränen anzukämpfen. Ich weiß nicht, ob Latif wirklich geistig neben mir saß. Er sah in die Runde und grüßte mit einem Lächeln fremde Menschen. Latif schien andere Probleme zu haben. Es kam mir vor, als sei ich für ihn in diesem Moment mit meinem Thema zweitrangig. […]

Im Kindle-Shop: Fenster zur Freiheit - Eine Liebe in Arabien

Mehr über und von Heike Adami auf ihrer Website.

27. Januar 2016

"In die Finsternis" von Scott McLeary

Als die Anomalie am Himmel erschien, ahnten die Gambrianer nicht, dass viele von ihnen dem Tod geweiht waren. Aus welcher Welt die Bestie stammte, vermochte niemand zu sagen, doch sobald sie ihren Fuß auf die Planetenoberfläche gesetzt hatte, begann das Sterben.

Die Streitkräfte Gambrias erlitten schwerste Verluste, und letztendlich mussten sie erkennen, dass sie niemals zuvor einem Feind wie diesem gegenübergestanden hatten. Erst als die gesamte gambrianische Zivilisation am Rande der Auslöschung stand, gelang es in einer verzweifelten Operation, die Bestie gefangen zu nehmen.

Jahrmillionen später - auf der Erde tobt der Erste Weltkrieg - wird eine französische Spezialeinheit in Marsch gesetzt, um das Geheimnis einer deutschen Ausgrabung zu ergründen. Wonach haben die Deutschen gesucht, und warum sind sie so plötzlich verschwunden? Nachdem die Spezialeinheit durch die Hölle der Schlacht von Verdun gegangen ist, erreicht sie schließlich die Grabungsstätte. Hier stößt sie auf einen Tunnel, der zu einem tief unter der Erde verborgenen Tor führt. Dutzende grausam verstümmelte Leichen liegen vor den weit geöffneten Torflügeln.

Die Deutschen haben etwas freigelassen. Etwas, das nie mehr das Licht der Sonne hätte sehen dürfen. Eine furchtbare Bestie, die von einer technologisch hochentwickelten Zivilisation nur unter großen Opfern gefangen genommen werden konnte. Getrieben von einer unbändigen Gier nach Blut wütet diese Kreatur nun über das Angesicht der Erde und lässt nichts als Tod und Zerstörung hinter sich zurück.

Gambria war stark. Die Menschheit jedoch ... ist schwach.
Aber sie steht nicht allein.

Gleich lesen: In die Finsternis

Leseprobe:
Der Buggy raste die Straße entlang. Zwischen seiner jetzigen Position und dem Gefängniswürfel standen noch dreißig Gebäude. Hier gab es keine Einheiten mehr, die sich der Bestie entgegenwerfen konnten. War sie erst einmal bis hierhin vorgedrungen, wollte man vollständig auf die Geschwindigkeit des Buggys setzen und auf den Hass, den der Fahrer auf sich gezogen hatte.
Hass war in ausreichendem Umfang erzeugt worden. Das Ungetüm näherte sich so schnell von hinten, dass der Fahrer es nicht fassen konnte. Der frisierte Motor des Buggys dröhnte; er hatte seine Leistungsgrenze erreicht. Man war sicher gewesen, dass die Endgeschwindigkeit des Fahrzeugs hoch genug sein würde, um das Geschöpf abzuhängen, aber es kam laut brüllend näher. Es gab jetzt keinen Zweifel mehr: Der Buggy würde es nicht schaffen.
Der Fahrer drehte sich um und sah, wie das Ungeheuer seinen Klingenarm hob. Es hatte ihn beinahe erreicht.
Plötzlich wurden Mörtel und Gesteinsbruchstücke in das Innere des Buggys geschleudert. Der Fahrer bekam einen Splitter ins Auge und kniff es reflexartig zu. Schmerz pochte an seiner rechten Kopfhälfte, und er spürte Blut an seiner Wange herablaufen. Einen Moment lang wusste er nicht, was geschehen war. Dann schaute er in den Rückspiegel.
Das Monster war zu Boden gegangen. Unter ihm lag ein Mech, der in dem verzweifelten Versuch, dem Buggy den nötigen Vorsprung zu verschaffen, durch die Wand einer Lagerhalle gebrochen war. Er hatte sich der Bestie in den Weg geworfen und war von dieser mit ungeheurer Wucht gerammt worden. In vollem Lauf hatte die Kreatur keine Chance gehabt, den Sturz zu vermeiden. Sie hatte den Mech mit sich gerissen; der Stahlkoloss hatte sich mehrfach überschlagen und war schließlich unter dem Monster liegen geblieben.
Die Bestie kam mit atemberaubender Geschwindigkeit wieder auf die Beine. Sie drückte den Mech nach unten, wandte ihr Gesicht dem davonrasenden Buggy zu, und obwohl sie nichts sehen konnte, wusste sie ganz genau, wo sich das kleine Fahrzeug befand, das ihre Augen zerstört hatte.
Kurz bevor die Kreatur ihre Klingen durch die Kanzel jagte, war es nicht die Angst vor dem Tod, die die letzten Momente des Mechpiloten bestimmte; es war eine Frage. Die einzige, die wirklich von Bedeutung war: Hat es gereicht?
Der Mech hatte dem Buggy vier Sekunden Vorsprung verschafft. Das Lagerhaus, unter dessen holographischer Fassade der Gefängniswürfel verborgen war, lag mittlerweile in Sichtweite. Der Fahrer kurvte nach links auf den großen Platz, riss dann das Steuer herum und richtete den Buggy auf den Gefängniswürfel aus. Er trat das Gaspedal voll durch, das holographische Gebäude ragte direkt vor ihm auf, verheißungsvoll und zugleich Quell einer schrecklichen Furcht.
In diesem Moment erreichte die Kreatur den Buggy. Sie hackte den rechten Hinterreifen sowie Teile der Achse mit einer blitzartig nach unten gerichteten Armbewegung ab. Ihre Laufgeschwindigkeit war allerdings derart hoch, dass sie an dem kleinen Fahrzeug vorbeischoss und danach einige Sekunden brauchte, um zum Stillstand zu kommen.
Das Heck des Buggys brach nach links aus. Der Fahrer verlor die Kontrolle; der Buggy drehte sich um neunzig Grad und prallte mit dem hinteren Teil gegen einen der geöffneten Torflügel. Metall kreischte und verformte sich, als das Fahrzeug um den Torflügel herum gedreht wurde und schließlich direkt in der Schwungrichtung des Flügels stehen blieb. Zwar wurde der Schließmechanismus von starken Aggregaten angetrieben, was aber, wenn sich der zerstörte Buggy verkeilte?
Der Fahrer spürte einen reißenden Schmerz an seiner Seite. Als er den Kopf drehte, erkannte er, dass sein linker Arm zerschmettert war. Auf einem Auge hatte er keine Sicht mehr, und Blut floss aus einem tiefen Schnitt auf seiner Stirn. Wie durch ein Wunder war er allerdings von dem Metall der Fahrerkabine nicht eingeklemmt worden und wegen des gambrianischen Adrenalinäquivalents, das durch seine Adern raste, hatte seine Orientierungslosigkeit nur Bruchteile von Sekunden gedauert. Er stieg vorne aus dem Fahrerkäfig, rutschte über die Motorhaube in die Kammer hinein und drang tiefer in den Raum vor. Sein zertrümmerter Arm war ein Inferno, aber es gelang ihm mit aller Willensanstrengung, den Schmerz zu kontrollieren.
Die Bestie erschien hinter dem Buggy, stieg über das Fahrzeug hinweg und schaute den Fahrer aus schwarzen Höhlen an.
Dann kam der Teufel zu ihm in die Kammer. Die tiefstehende Sonne trieb seinen Schatten bis an die hintersten Wände des Gefängniswürfels. Das Entsetzen, das der Fahrer in diesem Moment spürte, war mit Worten nicht zu beschreiben. Er wich weiter und weiter zurück, bis er mit dem Rücken gegen die kühle Wand seines Grabes stieß.
Das Wesen senkte den Kopf, entblößte seine stilettartigen Zähne und kam näher. Es stand jetzt innerhalb des Raumes, zehn Meter vom Tor entfernt.
In diesem Augenblick sprangen drei Mechs, die unter dem holographischen Feld verborgen gewesen waren, vom Dach des Gefängniswürfels. Die Kreatur drehte sich um, spürte die Falle und machte einen Schritt in Richtung Ausgang.
Ein Mech packte die Überreste des zerschmetterten Buggys und schleuderte sie fort. Die zwei anderen rannten nebeneinander in die Kammer, sprangen die Bestie an, rissen sie mit sich.
Hinter ihnen fiel das Tor des Würfels zu. Unaufhaltsam. Endgültig.
Und dann war es plötzlich still. Die Echos der Schlacht waren verhallt, und ein ganzer Planet hielt den Atem an.
Der Fahrer jedoch hörte das Kreischen von reißendem Metall und ein wildes, allumfassendes Wutgebrüll, das mit eiskalten Frostfingern nach seinem Herzen griff. Doch inmitten all dieser Finsternis entstand dort auch ein kleiner, flackernder Funke des Triumphs: Sie hatten die abscheuliche Kreatur bezwungen, die wie eine schwarze Seuche über ihre Welt gekommen war. Viele Gambrianer waren in den Tod gegangen, doch das Blut, das sie vergossen hatten, würde der Nährboden für neues Leben sein. Und irgendwann, wenn der Schatten des Todes von den Überlebenden abgefallen war, würde es vielleicht in einem prachtvollen, neuen Glanz erstrahlen.
Diese Gedanken nahm der Fahrer mit sich, als er die Kapsel schluckte und auf die andere Seite hinüberging.

Im Kindle-Shop: In die Finsternis



25. Januar 2016

"Bayerisch Kongo (Alpen Krimi)" von Lutz Kreutzer

Friedrich Sperber, kongoerfahrener Geophysiker und Mann für besondere Fälle beim bayerischen Landeskriminalamt, ist raubeinig, scharfsinnig und nicht unbedingt politisch korrekt. Sein erster Fall: eine übel zugerichtete Leiche eines Afrikaners, der mit einer Machete in den beschaulichen Isar-Auen ermordet wurde.

"Intelligent gemachter Alpenkrimi der erfrischend anderen Art." (Lesermeinung)

Kurze Zeit später stoßen Sperber und das Team um die kompetente Kommissarin Martha Kieninger auf zwei weitere Leichen. Sie hängen im Berg und stören die Ruhe im Voralpenland. Die Nachforschungen führen die Ermittler zu einem mysteriösen belgischen Söldner – und auf Deutsche und Österreicher mit rabenschwarzer Vergangenheit …

Sperbers erster Fall - spannend, schwarz & actionreich.

Gleich lesen: Bayerisch Kongo (Alpen Krimi)

Leseprobe:
Der Wallner Hias hatte schon in aller Früh gemolken, gefüttert und ausgemistet. Jetzt standen die Kühe zufrieden im Stall. Dann hatte er seine Hühner besucht und zehn Eier aufgesammelt. Und er hatte etwa eine Viertelstunde mit seinen Tieren gesprochen. Das machte er jeden Morgen. Danach ging er in die Küche, trank einen Milchkaffee und aß ein Speckbrot und ein Ei.
Der Wallner Hias war in der Gegend von Schleching ein geachteter Mann. Er war Bergführer und hatte als junger Bursch für seine Heimat bei internationalen Skirennen Medaillen eingefahren. Jeder, der an seinem Haus vorbeiging, grüßte ihn freundlich. Die meisten blieben stehen auf einen Plausch. Aber nur selten ließ sich der Hias auf ein längeres Gespräch ein. Er hatte schon alles erzählt.
Er freute sich auf den Frühling und auf sein Almhaus. Vor fünfundvierzig Jahren hatte er es mit seiner Rosl zu einem kleinen Alpengasthof ausgebaut. Das Geschäft ging gut damals, besser als sie es sich erträumt hatten. Er liebte seine schöne Rosl und sie ihren stolzen Hias. Sie lebten einen Traum. Bis zu dem Tag, als die Rosl auf der Alm zu Tode kam.
Sie hatte eine Kuh am Gatter angebunden, wie sie es immer tat, wenn sie die Kühe am frühen Abend melkte. Die Kuh war unruhig, sie trat den Melkeimer um, und die Rosl fluchte. Sie versuchte, den Eimer abzufangen, was ihr nicht gelang. Sie beugte sich vor und fiel seitwärts vom Schemel. Und dann zuckte die Kuh mit ihrem Huf derart, dass sie die Rosl hart an der Schläfe traf. Rosl war auf der Stelle tot. Sie wurde nur siebenundzwanzig Jahre alt.
Lange hatte er getrauert. Sein damals erst dreijähriger Sohn Flori vermisste seine Mutter so sehr, dass er, wenn der Hias ihn abends ins Bett brachte, nicht aufhören wollte zu weinen. Es dauerte Jahre, bis sich die beiden an den neuen Alltag gewöhnt hatten. An ein Leben ohne Frau und ohne Mutter. Aber das Schicksal und der Herrgott hatten es so gewollt. Der Hias musste seinen Mann stehen. Und der Hias würde niemals aufgeben.
Viele Frauen hätten ihn gern geheiratet, den Hias. Doch er tat es nicht, weil es seinem Flori das Herz gebrochen hätte. Der Junge reagierte allergisch auf jede Frau, die sich seinem Vater näherte. Als Kleinkind schrie er aus Leibeskräften. Später schlug er den Frauen gegen die Beine. Noch später reagierte er mit kalter Verachtung und Boshaftigkeiten. Und der Hias liebte seinen Sohn über alles.
Flori sprach wenig. In der Schule blieb er zurück. Die Leute hatten Mitleid mit ihm und hielten ihn für dumm. Mitleid! Das war das Schrecklichste, was sich der Hias vorstellen konnte. Mitleid mit ihm und dem Flori! Aber die Leute waren nun mal so. Dabei war der Flori nie dumm gewesen. Es gab allerdings nur wenige Momente, wo der Hias sah, dass der Flori auch glücklich sein konnte. Diese Momente waren der größte Schatz, den der Hias besaß. Immer, wenn er mit dem Flori auf die Berge wanderte, und später, wenn er ihn durch die Wände führte, lächelte der Flori auf dem Gipfel. Er lächelte und freute sich. Dann waren sie wieder zu dritt.
Und dann war auch noch der Florian von ihm gegangen, mit achtzehn. Der Arzt bescheinigte Unfalltod. Im eigenen Haus. Die Beerdigung war groß gewesen, noch größer als bei seiner Frau. Er hatte es wahrlich nicht leicht gehabt, der Hias. Doch heute ging es ihm wieder gut. Lange war das alles her. Er war darüber hinweggekommen.
Heute wollte er auf die Alm. Es war kalt. Wenn er dort oben allein war, fand er so viel Glück, dass ihm alle Schwere von der Seele wich. Die Welt dort oben, die gehörte nur ihm. Zu dieser Jahreszeit kamen nur selten Gäste. Ab und zu ein Skitourengeher, ab und zu ein Wilderer, und manchmal besuchte ihn ein Freund von der Bergwacht. Der Hias kannte sie alle.
Er packte etwas zu essen und ein paar Flaschen Bier ein, steckte alles in seinen Rucksack und bestieg seinen Geländewagen. Es lag kaum Schnee, das war ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Zu wenig Niederschlag, dachte der Hias. Und so war es bis hinauf zu den Gipfeln ringsherum grün.
Der Fahrweg war gut in Schuss, kaum Winterschäden. Ab und zu ein kleines Schlagloch, doch das machte seinem Auto nichts aus. Über ihm stieß die Kampenwand, gelb von der Morgensonne, scharf in den blauen Himmel.
Nach zwanzig Minuten war er an seiner Hütte. In Kürze würde das Frühjahr da sein, dachte er. Er öffnete die Schlösser zur Tür der Hütte. Den Schlüssel legte er wie immer unter den Brennholzstapel zurück. Er öffnete die Fensterverschläge und zündete ein Feuer an. Holzvorräte hatte er genug.
Bald knisterte und prasselte es im Ofen, das Wasser wurde heiß, und der Tee dampfte. Er schloss die Fenster und sperrte die Wärme des Ofens in der Stube ein. Dann setzte er sich in die Sonne. Er zündete sich ein Pfeifchen an, trank den Tee und einen Enzianschnaps. Für den Hias gab es kaum etwas Schöneres als den Blick auf die Kampenwand. Einfach zuschauen, wie sich am Berg nichts veränderte. Bis zum Frühjahr und zur ersten Almrauschblüte. So saß er und genoss bis zum späten Nachmittag.
Plötzlich hörte er ein leises Rauschen, das allmählich zum Motorengeräusch wurde. Ein Auto? Hier um diese Zeit? Er stand auf und versuchte etwas zu erkennen. Von unten näherte sich tatsächlich ein dunkler Wagen. Er kroch sehr langsam den Berg herauf. Außergewöhnlich langsam. Es war ein teurer Wagen, das konnte er jetzt sehen. Aber er kannte die Marke nicht. Merkwürdig, was will denn der hier?, fragte er sich.
Der Wagen kam näher, blieb etwa fünfzig Meter vor der Hütte stehen. Ein Leihwagen einer Münchner Kette. Die Beifahrertür öffnete sich, heraus stieg eine Frau. Sie trug Wanderausrüstung. Die Frau streckte sich, sah sich um und kam dann winkend auf ihn zu.
Er bekam einen Schreck. Seine Hände zitterten und wurden schweißnass. Er konnte es nicht glauben. Nein, das war sie nicht. Oder doch? Sein Herz schlug höher. Seine Augen wurden feucht. Als Desiré vor ihm stand, bekam er erst kein Wort heraus, dann schluchzte er auf und fiel ihr um den Hals. Mit tränenerstickter Stimme sagte er: »Mei, Dirndl! Wo kommst denn du auf einmal her?« Er hielt sie fest an sich gedrückt. Seine Tränen flossen, und er kam sich vor wie ein Narr.
»Hias, wie geht es dir?«, rief sie voller Freude. Auch ihre Tränen kullerten.
Er hielt sie an den Armen auf kurzen Abstand und sagte: »Du weißt ja gar net, was alles passiert ist in der langen Zeit.«
Hias zitterte. Seine Ruhe war dahin. Alles kam wieder hoch, war wieder da. Wie früher. Er weinte und brachte kein Wort mehr heraus.

Im Kindle-Shop: Bayerisch Kongo (Alpen Krimi)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Lutz Kreutzer und weitere Bezugsquellen auf seiner Website zum Buch.

23. Januar 2016

'Liebeskummer - nichts für Weicheier' von Heike Greiner

Liebeskummer: ein Gefühl, das fast jeden Menschen im Laufe seines Lebens heimsucht – einmal oder mehrmals. Kein Grund zur Selbstaufgabe! Augen zu und durch, heißt die Devise. Welches Gefühlswirrwarr man dabei erleben kann, schildert die Autorin ernsthaft, gefühlvoll, aber auch augenzwinkernd und humorvoll. Das Buch wendet sich an alle, die gerade Liebeskummer haben oder sich einfach für das Thema interessieren. Es ist für sämtliche Altersgruppen geeignet: für Teenager genauso wie für die reifere Generation, Frauen und Männer gleichermaßen.

Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Berg- und Talfahrt durch die Gefühlswelt. Aber eines ist sicher: Liebeskummer kann man überwinden, daraus lernen, neue Erfahrungen sammeln und in ein neues Leben starten. Mit Mut, Hoffnung und neuer Lebensfreude.

Gleich lesen: Liebeskummer - nichts für Weicheier: Melancholisch-heiterer Gefühlsratgeber

Leseprobe:
Die Idee für dieses Buch hatte ich, als ich mich nicht mehr in den allertiefsten Tiefen eines tiefen Liebeskummers befand. Meine unerhörten Gefühle überschlugen sich. Meine Gedanken wirbelten wild in meinem Kopf. Genau jetzt wollte ich mir einfach alles von der Seele schreiben. Aber damals hatte ich bereits gefühlte zwölf meiner 19 Liebeskummer-Phasen hinter mir und war imstande, hin und wieder zu lächeln, mit Galgenhumor, traurig, aber immerhin.
Doch beginnen wir von vorne … Beginnen wir mit dem Tag, an dem für mich eine Welt zusammenbrach. An einem 11. Oktober eröffnete mir mein Freund Hartmut, dass er sich in seine Nachbarin verliebt habe. Es täte ihm schrecklich leid. Zwar würde er mich auch noch lieben, aber die andere Frau eben mehr. Wumm! Ich glaubte vom Blitz getroffen zu werden. Der Boden unter meinen Füßen riss auf. Und beides im selben Augenblick.
Ich konnte nicht glauben, was ich soeben gehört hatte. Noch einen Tag zuvor hatte er mir – wie übrigens jeden Tag – in einer SMS geschrieben, wie sehr er mich liebte und hatte hinter das „Ich liebe dich“ auch noch vier Ausrufezeichen gesetzt. Und am nächsten Tag machte er mit mir Schluss? Einfach so? In meinem Kopf drehte sich alles, mein Puls schnellte hoch, mir wurde schlagartig schwindelig und furchtbar übel.
[...]
Hartmut sprach oft von Heirat: „Sobald die Situation besser ist, heiraten wir. Wir bleiben für immer zusammen, das verspreche ich dir.“
Solche Sätze bekam ich regelmäßig zu hören. Er verwöhnte mich, war überaus aufmerksam und liebevoll und erklärte mir mindestens drei Mal täglich, wie sehr er mich liebte. Und das – wie gesagt – bis zum bitteren Ende unserer Beziehung. Ich vertraute ihm blind und wäre nie auf die Idee gekommen, dass er mich betrügen oder mich wegen einer Anderen verlassen könnte. Nie hätte ich gedacht, dass er ein so „wunderbarer“ Schauspieler ist.
[...]
Wumm! Das war’s dann! Gleich nach der Trennung hat er die üblichen Floskeln geäußert:
„Es wäre schön, wenn wir Freunde bleiben würden.“ –
„Wir können uns jederzeit zum Kaffee oder Essen treffen. Meine neue Freundin hat nichts dagegen.“ –
„Du kannst dich jederzeit bei mir melden, wenn irgendetwas sein sollte.“ –
„Du bist so eine tolle Frau, aber es hat eben nicht sein sollen mit uns. Wir können uns jederzeit zum Quatschen treffen.“
Bla bla bla. Selbstverständlich hat sich nichts von diesen vermeintlichen „Abschiedsleichtmachern“ bewahrheitet. Man kann nicht mit jemandem befreundet sein, der einen wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen hat und von dem man so tief verletzt wurde. Vielleicht hätten wir Kumpels werden können. Freundschaft wäre das nicht. Er gab mir meinen Wohnungsschlüssel zurück, die Tür fiel hinter ihm ins Schloss und ich war allein. Allein mit meinen Gedanken, meiner Trauer, meiner Wut, meiner Verzweiflung, meinem Selbstmitleid. Für ihn war es einfach. Er konnte sich sogleich in die zärtlichen Arme seiner neuen Liebsten begeben.
Unvorstellbar, wie ich mir die Treffen zwischen ihm und ihr ausmalte. Die reinste Selbstzerstörung! Und so begannen sie, die Phasen des Liebeskummers. Ich musste durch jede einzelne hindurch. Vergnügen ist wahrlich etwas anderes. Die beschriebenen Phasen sind meine ganz persönlichen. Für Liebeskummer gibt es kein Schema.
[…]
5. Liebeskummer-Phase: Jetzt erst recht
[…]
Plötzlich mobilisierten sich in mir alte Kräfte. Kräfte, von denen ich geglaubt hatte, sie wären verschwunden. Hoffnung und Optimismus auf die Zukunft flammten neu auf. Nach längerer Zeit legte ich endlich wieder einmal einen Wellness-Tag mit einem typischen Frauen-RundumSelbstverwöhnungsprogramm ein.
Die weiblichen Leser werden sicherlich wissen, wovon ich spreche:
- ein herrliches Kokos-Vanille-Schaumbad – dabei ein Glas mit gutem Rotwein in der Hand und am Wannenrand zahlreiche Kerzen
- Maniküre
- Pediküre
- Gesichts- und Körper-Peeling
- Kurpackung für das strapazierte Haar
- Anti-Aging-Maske für das Gesicht
- zwei kalte Teebeutel für die Augen
- nach dem Bad eine prickelnde Körper-Öl-Massage mit dem „Körper-fitMassagehandschuh“ und Auftragen einer nach Mandeln duftenden Körperlotion
- Wärme und die Erkenntnis: Ich bin mir selbst etwas wert, nicht nur dann, wenn ich einem Mann etwas wert bin!
Schließlich durchwühlte ich meinen Kleiderschrank, sortierte alte Klamotten aus und probierte sämtliche Kleidung vor dem Spiegel an. Ich hatte schon lange keinen Mini-Rock mehr getragen. Wieso eigentlich nicht? Keineswegs war ich zu alt für einen Mini-Rock, wie ich fand. Außerdem fiel mir auf, dass ich tatsächlich einige schicke, sexy Klamotten besaß. Warum lief ich immer nur in Jeans und „Schlabberpullis“ durch die Gegend?
Und was soll ich sagen? Nach diesem Wellness-Rundum-Verwöhnungsprogramm ging es mir tatsächlich wesentlich besser. Ich fühlte mich frisch, jung, vital, attraktiv. Zum ersten Mal seit langem gefiel mir mein Spiegelbild. Meine Wangen waren rosig, die Augen leuchteten.
„Hartmut, du kriegst mich nicht klein. Du nicht!“ rief ich meinem Spiegelbild zu. Er war selbst schuld, wenn er eine Frau wie mich nicht haben wollte. „Wer mich nicht will, hat mich auch nicht verdient. Basta!“ bestätigte ich meinem Spiegelbild und nahm noch einen Schluck des exzellenten Rotweins.
Der Typ war es nicht wert, dass ich auch nur einen einzigen Gedanken an ihn verschwendete. Erst recht war er es nicht wert, dass ich mir wegen ihm die Augen aus dem Kopf heulte, mich zuhause verkroch und in Selbstmitleid zerfloss.
Ab jetzt würde ich wieder anfangen zu leben. So trat ich in die Ablenkungs- und Aktionsphase ein.

Im Kindle-Shop: Liebeskummer - nichts für Weicheier: Melancholisch-heiterer Gefühlsratgeber

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21. Januar 2016

"Leilani: Wohin das Herz gehört" von Sabine Schäfers

Ein Jugendroman über Familie und Freundschaft, erste Liebe und Erwachsenwerden auf Hawaii - dem Paradies auf Erden.

Sommer, Sonne, Surfen! Die fünfzehnjährige Deutsch–Hawaiianerin Lela begleitet ihren Vater zum ersten Mal in seine alte Heimat. Überwältigt vom hawaiianischen Lebensgefühl, erkundet sie Oahu und ihre eigenen Wurzeln und verliebt sich in Daniel …
Es wäre das perfekte Paradies, wenn nicht ihr Opa im Sterben läge und in der Familie alte Konflikte aufbrächen. Auch mit der Liebe ist das dann nicht so einfach wie gedacht. Wer liebt hier wen, und manchmal wäre es vielleicht besser, es wäre nie geschehen.

Für Lela beginnen turbulente zwei Wochen, die ihr Leben auf den Kopf stellen und am Ende eine Entscheidung von ihr verlangen: wohin ihr Herz gehört.

Gleich lesen: Leilani: Wohin das Herz gehört

Leseprobe:
Tante Okelanis Auto stammte aus dem letzten Jahrtausend, mit einer rostigen Delle am rechten Kotflügel, verblichener Stoffverkleidung und dem Schalthebel am Lenkrad. Ächzend zwängte sie sich dahinter.
Dad winkte mich heran. »Steig ein, Leilani.«
Daniel wollte zu mir auf die Rücksitzbank klettern, doch Dad kam ihm zuvor. Seine Miene ließ keinen Zweifel daran, dass er nicht gedachte, zu tauschen.
Achselzuckend setzte sich Daniel nach vorn zur Tante und zwinkerte mir zu.
Ein Schauer durchfuhr mich. Sollte ich enttäuscht sein oder erleichtert? Seine Nähe hatte einen beunruhigenden Einfluss auf meinen Kreislauf.
Wir fuhren auf den Freeway. Kaum zu fassen, wir waren wirklich da. Nicht irgendeine Großstadt – Honolulu! Der Name zerging wie Honig auf meiner Zunge: Ho-no-lu-lu. Glücklich lehnte ich mich zurück.
Die Blumen-Leis dufteten, durch die geöffneten Wagenfenster strich warme Luft über mein Gesicht. Ich atmete tief. Salz, Wind und Palmen. Über uns wölbte sich der schwarzblaue Nachthimmel, Millionen Sterne funkelten. In der Ferne blinkte und leuchtete die Skyline wie Christbaumschmuck.
»Waikiki.« Daniel lächelte.
»Das ist wunderschön.« Er war ein solcher Glückspilz, hier leben zu dürfen.
Mit vernehmlichem Knurren zog sich mein Magen zusammen. Der Bann war augenblicklich gebrochen und ich musste lachen. Meine Uhr hatte ich schon in Los Angeles auf Hawaii-Zeit umgestellt. Sie zeigte neun Uhr abends, aber mein Gefühl bestand darauf, es sei Zeit fürs Frühstück.
»Gleich sind wir da, meine Mom wartet mit dem Essen auf uns.«
Daniel wandte sich Dad zu, aber der sah unverwandt zum Fenster hinaus und schien uns gar nicht wahrzunehmen. Wir wechselten einen Blick: Eltern.
Die Tante wohnte in einer Gegend mit einfachen Holzhäusern. Als wir auf den Hof einbogen, wurde die Fliegengitter-Tür aufgedrückt und eine Frau trat auf die Veranda. Die Tante stellte den Motor ab.
»Meine Nichte Celadine, Daniels Mom.«
»Bitte, nennt mich Dinah, das klingt nicht ganz so altmodisch.«
Sie lachte und es war eindeutig, von wem Daniel sein gutes Aussehen geerbt hatte. Allerdings reichte sie ihm gerade bis zur Brust, ihre zarten Züge und der hellere Teint sprachen für asiatischen Einfluss.
»Aloha. E komo mai.«
»Hallo.« Unsicher wartete ich, wie Dad sich verhalten würde. Wie begrüßte man eine unbekannte Verwandte?
Doch Dad handhabte das völlig unspektakulär: Er stellte seinen Koffer ab und reichte Dinah die Hand. »Ich bin Ken.«
»Ich freue mich, dass ihr gekommen seid.« Sie seufzte. »Wenn auch aus traurigem Anlass.«
Dad runzelte die Stirn, nahm sein Gepäck wieder auf und stelzte zum Haus. Sein Benehmen versetzte mir einen Stich. So unhöflich kannte ich ihn gar nicht.
»Ich … er …«
Dinah wechselte einen Blick mit der Tante. »Lass nur, ich verstehe schon.«
Sie hakte die Tante unter und ging mit ihr hinein. Mit meinem Koffer in der Hand wollte Daniel ihnen folgen, aber ich hielt ihn zurück.
»Was bedeutet ›E komo mai‹?«
Er lächelte. »Damit heißen wir Freunde willkommen.«
In der milden Abendluft dufteten die Blumen aus dem Garten, ein Hauch streifte meine bloßen Arme und über mir war der Himmel weit offen. Ich schloss einen Moment die Augen. Freude durchrieselte mich. Es würde fantastisch werden hier!
Als ich die Augen wieder aufmachte, sah ich Daniel noch immer bei mir stehen. Er hatte sich nicht von der Stelle gerührt und schien alle Zeit der Welt zu haben. Etwas verlegen griff ich nach meiner Tasche.
Von der Terrasse kam man direkt in die Küche, wo Dad uns schon erwartete. Dinah hantierte am Herd.
»Daniel, zeige Ken und Lela ihre Schlafzimmer. Macht euch rasch frisch, wir können gleich essen.«
»Onkel Ken schläft hinten, in Onkel Hokus Zimmer, Lela bekommt Moms altes Zimmer. Hier entlang.«

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20. Januar 2016

"Sternesucherin: Bedingungslose Hingabe" von Tabea S. Mainberg

Die Bewegung der Sterne in regelmäßigen Bahnen ist für uns nicht greifbar und kann uns ehrfürchtig stimmen. Manchmal ist es solch ein Symbol, das uns hält.

Dominique, die ihr Leben daraufhin ausgerichtet hat, einem Herrn in bedingungsloser Hingabe zu dienen, kann Sir Baxter nicht vergessen. Um ihren Kummer ertragen zu können, hat sie einen Stern auserkoren, da Legenden behaupten, so sei man seinem Liebsten nah. Sir Stephen, bei dem Dominique ein neues Zuhause gefunden hat, sieht sie nicht als seine Sklavin, da er für sie tiefere Gefühle hegt. Durch einen Zufall trifft Dominique auf Simon, der mit Jayden alias Sir Baxter in einem besonderen Verhältnis steht. Zwischen beiden entsteht sofort eine knisternde Verbindung.

Simon liebt die bizarren Spielarten, schließt jedoch eine Beziehung zu einer Sklavin, die sich in allen Bereichen ihres Lebens unterwürfig zeigt, aus. Dominique ist von ihren Gefühlen hin- und hergerissen und beginnt ihren bisherigen Lebensweg anzuzweifeln. Als Stephen erfährt, dass es einen anderen Mann in Dominiques Leben geben könnte, begeht er einen großen Fehler und sie muss die dunkle Seite der BDSM-Welt erleben. Überwiegen Simons Gefühle und überwindet er seine Zweifel? Und was wird aus Dominique? Wird sie der dunklen Seite entkommen und ihr Glück finden?
„Die Sternensucherin – bedingungslose Hingabe“ lädt ein, mit auf die Suche nach Liebe und Leidenschaft zu gehen. Die Suche beschert prickelnde und erotische Augenblicke aus der Welt der bizarren Lust.

Dieser Roman beschließt die Erlebnisse der Freunde um Sir Baxter, kann jedoch eigenständig gelesen werden. Um die Protagonisten und ihre Gefühle besser kennenzulernen, gibt es eine Sonderedition der Romane „Traumtänzerin – Sklavin für eine Nacht“ und „Schattenspielerin – Verborgene Leidenschaft“.

Gleich lesen: Sternesucherin: Bedingungslose Hingabe

Leseprobe:
Die nasse Kälte hatte ihren Körper inzwischen durch und durch erfasst und sie konnte ihre Schluchzer nicht mehr unterdrücken. In dieser Sekunde fragte sie sich, warum sie an diesen Ort zurückgekehrt war. Es war eine Torheit gewesen, da hatte die Schriftstellerin wahre Worte formuliert. Aber war es nicht so, dass man das Grab von einem geliebten Menschen ab und zu besuchte, um ihm nahe zu sein?
Plötzlich spürte sie etwas an ihrem Bein. Sie schrie erschrocken auf und starrte mit zunächst ängstlichem Blick in große, braune Hundeaugen. Der beige Vierbeiner sprang an ihr hoch und hüpfte spielerisch um sie herum. Obwohl Dominique sofort spürte, dass von dem Tier keine Bedrohung ausging, wich sie zurück.
»Finn, aus!«, hörte sie eine Männerstimme, gefolgt von einem Pfiff. Sofort ließ der Hund von ihr ab und tollte seinem Herrchen entgegen. In wenigen Schritten war dieser bei Dominique.
»Keine Sorge«, hörte sie seine Stimme. »Er will nur spielen!«
Vor ihr stand ein Mann, der die Mütze tief ins Gesicht gezogen hatte und dem Wetter entsprechend gekleidet war; mit einer warmen Regenjacke und festen Schuhen.
Es war eine Schrecksekunde, da er in seiner Gestalt Jayden ähnelte. Da er jedoch eine andere Stimme hatte, war Dominique sofort bewusst, dass der es nicht sein konnte. Durch die aufkommende Enttäuschung musste sie sich eingestehen, dass sie unbewusst gehofft hatte, ihn anzutreffen. Dass er sie einlud sich aufzuwärmen, sie gemeinsam in der Küche einen Tee tranken, er sie plötzlich in den Arm nahm und ihr sagen würde, dass es ein Fehler gewesen sei, sie wegzuschicken ...
Dominique bewegte sich nicht, ihre Beine zitterten und sie nahm den Fremden nicht wahr, so sehr war sie sofort in ihre Traumwelt abgerutscht. Finns Besitzer war an sie herangetreten.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte er.
Unsanft wurde sie aus ihren Fantasien heraus katapultiert. Augenblicklich schämte sie sich dafür, im Halbdunklen an dem geschlossenen Tor zu stehen. Vermutlich hielt er sie für eine Bettlerin oder für jemanden, der das Anwesen ausspionierte.
Finn seinerseits hatte an der frierenden und verweinten Dominique sofort einen Narren gefressen und schnüffelte und tobte um sie herum.
»Entschuldigung, er ist noch sehr jung und seine Manieren lassen leider noch zu wünschen übrig!« Seine Stimme hatte einen angenehmen Klang.
Ihre Blicke trafen sich zum ersten Mal. Es war ein seltsamer Moment, so als ob sich eine unsichtbare Verbindung aufgebaut hatte. Da sie in unmittelbarer Nähe zu ihm stand, konnte sie seine Augen sehen. Jaydens Augen waren blau und wirkten tiefgründig, wie ein Bergsee. Dieser Fremde hatte ähnliche Augen.
»Kein Problem«, stammelte Dominique und konnte nicht aufhören ihn anzusehen. Sie war wie elektrisiert.
»Kann ich Ihnen helfen?«, kam die berechtigte Frage, und während er es aussprach, legte er dem ungestümen Vierbeiner eine kurze Leine an und erlöste sie.
Es dauerte einen Moment, bis sie antwortete:
»Nein, ich habe nur nach meinem Stern gesucht.«

Aus dem 9. Kapitel „Zarte Bande“
Ob der Lebensweg eines Menschen und das, was ihm widerfährt, vorbestimmt ist, darüber gibt es kontroverse Meinungen. Der Glaube daran, ob es einen Faden des Schicksals gibt, der einen begleitet, bleibt jedem selbst überlassen. Fakt ist, dass es durch die Verknüpfung der Ereignisse im Laufe der Jahre überraschende Begebenheiten gibt. Dass Dominique und Simon gerade jetzt aufeinandergetroffen waren, war zweifelsohne eine solche Verkettung der Umstände, die das Leben für die beiden bereitgehalten hatte.

Im Kindle-Shop: Sternesucherin: Bedingungslose Hingabe

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19. Januar 2016

"Wolfhound" von Kindal Debenham

Fähnrich Jacob Hull hatte nie die Absicht, ein Held zu werden. Als frisch gebackener Offizier der Celostischen Navy will er bis zu dem Tag dienen, an dem er sich sein eigenes Schiff leisten und sich zur Ruhe setzen kann. Aber die Feinde der Celostischen Union haben da andere Pläne. Bereits auf seiner ersten Reise an Bord der CNS Wolfhound kommt es zur Katastrophe.

Jacob und seine Kameraden schlittern von einer Herausforderung zur nächsten und er wird all seinen Mut, Fertigkeiten und Entschlossenheit aufbringen müssen, um die restlichen Crewmitglieder außer Gefahr und wieder lebendig nach Hause zu bringen. Und auf einmal geht es sogar um viel mehr als nur das.

Gleich lesen: Wolfhound



Leseprobe:
Die Antwort des Zerstörers bestand in einer weiteren Salve aus seinen Kanonen. Diesmal, mit der kurzen Distanz zwischen ihnen und der dramatisch reduzierten Geschwindigkeit der Fregatte, war die Attacke verheerend. Geschoss um Geschoss durchstieß den Verteidigungsschirm des Schiffs und schlug in dessen Rumpf ein. Die Schüsse durchbohrten die gepanzerte Außenhaut des Raumschiffs und einen Herzschlag später stießen Feuerlanzen aus dem Inneren ins All hinaus. Gewaltige Explosionen rissen überall Löcher in das Schiff und seine Triebkraft verringerte sich immer weiter, bis es nur noch durchs Weltall driftete, brennend und unkontrollierbar.
Jacob rollte die Wolfhound weg von dem havarierten Raumschiff und ließ es an seiner Backbordseite vorbeitreiben. Das Bild der Fregatte, das in der Ecke seines Bildschirms zu sehen war, zeigte, wie die anhaltenden Explosionen weiterhin große Stücke aus dem Schiff rissen und er bemerkte, dass einer der DE-Segelmasten, der steuerbord angebracht gewesen war, nun frei im Weltall trieb. Die fliegen nirgendwo mehr hin. Jetzt kümmere ich mich um ihre Kollegen. Er überprüfte das Display nach Zeichen vom zweiten Raumschiff und fragte sich, wo es abgeblieben war.
Dann sah er die Piraten auf sich zurasen. Nachdem sie zuerst abgetaucht und vom Kampf geflohen war, hatte die zweite Fregatte kehrt gemacht und stieg nun wieder auf, was ihr eine freie Schusslinie auf die Wolfhound gab. Jacobs Augen weiteten sich, als die Warnleuchten plötzlich aufblinkten. Feindliches Feuer! Sie sind schon zu nah!
Die Einschläge waren brutal. Da die Aufmerksamkeit des computergesteuerten Gegenmaßnahmenoffiziers wohl immer noch nach vorne gerichtet war, schafften es nur wenige der Verteidigungstürme, die ankommenden Geschosse zu erfassen. Mehrere Treffer hintereinander ließen den Simulator wie ein Blatt im Wind erzittern. Jacob wurde in so viele Richtungen geschleudert, dass er nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Er schaffte es gerade eben noch, seine Hand auszustrecken und die Stärke der Segel auf ein Minimum herunterzudrehen.
Als das Beben nachließ, brauchte Jacob einen Moment, um sich wieder zu sammeln und die Situation zu erfassen. Er fühlte sich, als hätte er blaue Flecken davongetragen, als die Gurte ihn im Sitz festgehalten hatten. Am vorderen Teil des Schiffs schienen die Kanonen relativ unbeschädigt zu sein, auch die DE-Segel schienen keinen allzu großen Schaden davongetragen zu haben. Entlang der Bauchseite des Schiffes gab es allerdings Feuer und Löcher. Der Großteil der Techniksektion war nun dekomprimiert und die Stromversorgung im restlichen Schiff fluktuierte wahrscheinlich stark.
Er checkte den flackernden Bildschirm und sah, dass die Fregatte sich weiterhin seinem dahintreibenden Schiff näherte. Die Piraten schienen offensichtlich überzeugt davon, dass das Schiff tot war und sahen keinen Grund, nicht noch näher zu kommen bevor man ihm den Todesstoß versetzte. Typische Piraten, aber noch sind wir hier nicht fertig. Vorsichtig schaltete Jacob die Hälfte der DE-Segel komplett ab und legte ein paar weitere Schalter der Manövrierkontrollen um. Während er seine Vorbereitungen traf, kam die Fregatte immer näher. Warte noch. Warte noch. Die Piraten waren jetzt nah genug, dass kein Punktverteidigungsturm der Welt in der Lage wäre, schnell genug zu reagieren. Jacob lächelte grimmig und legte die Schalter um.
Die Segel erwachten gleißend wieder zum Leben und erwischten den Strom der Dunklen Energie in perfektem Winkel. Mit einer reißenden Bewegung, die Jacob in die Gurte drückte, wirbelte die Wolfhound im Weltall herum und vollführte eine 180-Grad Drehung. Auf halbem Wege des Manövers, schaltete Jacob die Segel wieder aus und würgte die Beschleunigung ab. Als sich das Schiff dem Ende seiner Drehung zuneigte, schlug er auf den Knopf, der die Sequenz für die Manövrierdüsen und Bremssegel startete, was das Schiff schnell genug verlangsamte, dass er wieder in die andere Richtung geschleudert wurde.
Als das Schiff sich wieder in einer relativ stabilen Position befand, bemerkte Jacob, dass das feindliche Schiff den Projektor über seiner Konsole ausfüllte. Seine Augen weiteten sich, als er die losheulenden Alarme registrierte und ihm klar wurde, dass sein Gegner in dem Moment angefangen hatte auf ihn zu feuern, als er sein Drehmanöver gestartet hatte. Er wappnete sich für die totale Zerstörung.

Im Kindle-Shop: Wolfhound

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18. Januar 2016

Sabine Schulter

Sabine Schulter wurde 1987 in Erfurt geboren und lebt heute mit ihrem Mann in Bamberg. Nach ihrem Studium der Oecotrophologie fokussierte sie sich auf ihre Karriere als Autorin. Ihre Leidenschaft für das Schreiben erwachte bereits in der Grundschule und begleitet sie seitdem auch beim Entstehen ihrer Fantasy- und Romance-Romane.

Ihr erstes Buch erschien im Oktober 2014 als Eigenpublikation, weitere sechs Romane folgten bisher.

Sabine Schulter sagt über sich: "Ich liebe das Spiel mit den Emotionen und möchte meine Leser tief in meine Bücher ziehen, die oft vom Zusammenspiel der Protagonisten untereinander geprägt sind. Viel Spannung gehört genauso in meine Geschichten wie ein Happy End und unvorhergesehene Wendungen."

Weblink: www.sabineschulter.de


Bücher im eBook-Sonar:




"Leonie I: Leonie erlebt atemlos in einer Nacht, wie viel Spaß man als Helene Fischer-Fan auf einem Heavy-Metal-Konzert haben kann" von Laleen

Leonie findet sich unversehens auf einem Heavy-Metal-Festival wieder. Wie das passieren konnte, wo sie doch normalerweise nur auf Helene-Fischer-Konzerte geht? Ganz einfach: Sie war so unvorsichtig, ihrer Freundin Julia zu erzählen, dass sie schon wieder viel zu lange, viel zu dicht auf ihrem Freund hockt. Ein wenig Abwechslung musste also her, um den alten Trott zu durchbrechen und den Kopf freizubekommen.

Mädelsabend nahm Julia sie prompt zum nächsten Event voller Headbanger und E-Gitarren mit. Der Kopf ist nicht das Einzige, das Leonie dabei freibekommt ...

Gleich lesen: Leonie I: Leonie erlebt atemlos in einer Nacht, wie viel Spaß man als Helene Fischer-Fan auf einem Heavy-Metal-Konzert haben kann. #Laleen


Leseprobe:
„Du wirst mich Lady Cassandra nennen“, sagte die Domina, sodass alle es hören konnten. „Wenn du tust, was ich dir sage, werden wir viel Spaß zusammen haben, verstanden?“
„Ja, Lady Cassandra.“
„Gut. Heb deine Arme.“ Mit wenigen geübten Handgriffen schlang Cassandra über ihrem Kopf ein Lederband um die Stange und machte die Handgelenke der Stripperin daran fest. Wie das rituelle Opfer eines Eingeborenenstammes hing sie daran fest.
Als Nächstes fesselte Cassandra ihre Beine links und rechts an die Bodenplatten. Dann strich sie mit ihren Fingernägeln über die weiße Haut der Stripperin, während sie sich suchend im Publikum umsah.
„Du da. Komm her“, sagte sie zu einem jungen Mann, der allein auf einem Sessel fläzte. Er sprang erschrocken auf und stellte sich unschlüssig neben die beiden Frauen.
Leonie rutschte ein wenig tiefer. Hoffentlich wollte Cassandra nicht noch mehr Freiwillige. Sie litt auch so schon genug mit dem Mann mit. Oder war es Vorfreude, die sie mit ihm teilte?
Cassandra hatte den Mann inzwischen hinter die Stripperin gestellt. Er sollte seine Arme vor ihrem Bauch verschränken, damit sie auch ihre Mitte nicht mehr bewegen konnte. Dann zog Cassandra zwei schwarze Vibratoren aus den Holstern an ihren Oberschenkeln. Darauf war das Logo irgendeiner Metal-Band zu sehen, und wer unter den Anwesenden nah genug war, um das zu erkennen, johlte zustimmend.
Zuerst vollführte sie mit den beiden raketenförmigen Dingern einen Tanz, der sie aussehen ließ wie eine Vampirjägerin, die sich mit ihren Pflöcken für die Jagd bereit machte. Es passte. Die Stripperin war so bleich, dass sie ohne Weiteres als Blutsauger durchgegangen wäre. Dann strich sie mit den Vibratoren über die verschränkten Arme des Mannes. Er kicherte.
„Schön festhalten, dann lass ich dich vielleicht mitspielen“, sagte Cassandra.
Sie schaltete die Vibratoren ein und fuhr mit ihnen an den Schenkelinnenseiten der Stripperin entlang. Währenddessen küsste Cassandra sie sacht auf die Wangen und die Brüste. Eine Weile ging das Spiel so und Leonie sah, wie die Erregung der Stripperin wuchs. Sie sah aus wie ein Engel, der durchs Feuer flog ...

Im Kindle-Shop: Leonie I: Leonie erlebt atemlos in einer Nacht, wie viel Spaß man als Helene Fischer-Fan auf einem Heavy-Metal-Konzert haben kann. #Laleen

Mehr über und von Laleen auf ihrer Website.

16. Januar 2016

Annette Hennig

Annette Hennig lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Ort in Thüringen. Sie erlernte den Beruf einer Bürokauffrau und studierte danach Betriebswirtschaft. Seit vielen Jahren geht sie einer selbständigen Tätigkeit nach, die ihr Freiraum für das Schreiben lässt.

In ihrer Freizeit verreist sie gern, liest viel und liebt es im Garten zu entspannen. Hier findet sie Ruhe und Muße für neue Romanideen.

Im Jahr 2012 begann sie die Arbeit an ihrem Debütroman "Agnes Geheimnis". Er bildete den Auftakt für die Trilogie "Und immer war es Liebe". Ihre Leidenschaft als Autorin gilt Romanen, in denen es um Familiengeheimnisse geht.

Weblink: www.annettehennig.de


Bücher im eBook-Sonar: