23. Dezember 2016

'Ein Hauch von Chianti' von Monica Bellini

Alessandra hat wenig Lust auf das Klassentreffen nahe Florenz, obwohl seit dem Abitur fünfzehn Jahre vergangen sind. Zu viele traurige Erinnerungen verbinden sie mit ihrer früheren Heimat.

Doch als sie ihren Freund mit einer Klientin in ihrem Bett überrascht, verlässt sie London und reist mit gemischten Gefühlen in die Toskana. Schon der erste Nachmittag, den sie in einem faszinierenden Schlosshotel verbringt, birgt eine unerwartete, heiße Begegnung, und nach dem gemeinsamen Abendessen mit den ehemaligen Klassenkameraden überschlagen sich die Ereignisse. Aber – was davon ist real, was nicht? Und gibt es ihren geheimnisvollen Traummann tatsächlich oder … ist er nur eine Illusion?

Ein prickelnd erotisches „Küsschen“ von Monica Bellini – mit einem Hauch Geheimnis gewürzt! Bacetto, die Verniedlichung des italienischen „bacio“, bedeutet so viel wie „Küsschen". Hingehaucht, wie die sinnlichen Kurzgeschichten „ELR bacetto".

Gleich lesen: Ein Hauch von Chianti

Leseprobe:
Der Innenhof wird von Laternen erleuchtet, ihr gelbliches Licht wirft flackernd verschwommene Schatten. In kleinen Grüppchen stehen Menschen herum, die ich nicht erkenne. Ihre Konturen sind unscharf. Aus einer Ecke des Atriums dringt sanfte Geigenmusik, überlagert die Unterhaltung der Anwesenden. Die Zwillinge tragen kirschrote, knöchellange Gewänder und halten sich an den Händen. Ich nicke ihnen zu, doch sie erwidern meinen Gruß nicht, sind in ein Gespräch mit drei Männern vertieft, die mir den Rücken zuwenden. Plötzlich steht Pernilla vor mir. Die schwarze Tunika lässt sie größer wirken als eins achtzig. Ich fühle mich winzig wie die berühmte Maus neben dem Elefanten. Natürlich sage ich es ihr, aber sie winkt lachend ab. Wie zu Schulzeiten.
»Nella Botte piccola ci sta il vino buono. In den kleinen Fässern ist der beste Wein«, erwidert sie und zieht mich mit sich. »Ich muss dich zu jemandem bringen, Alessandra. Er wartet schon so lange auf dein Kommen!«
Erstaunt werfe ich ihr einen Seitenblick zu, doch ihr Blick ist geradeaus gerichtet. Sie umklammert mein Handgelenk fester. Wir steigen einige Steintreppen nach unten, überqueren eine Rasenfläche und gelangen zu einer kleinen Terrasse mit einem einzelnen Tisch und zwei Stühlen. Einer ist besetzt. Wir treten näher und ich erkenne ein markantes Gesicht. Aristokratisch ist mein erster Gedanke. Hohe Wangenknochen, ausgeprägtes Kinn, diabolische Augenbrauen. Ein Schauer lässt mich frösteln. Die dunklen Augen des Mannes sehen durch mich hindurch, als ob ich gläsern wäre.
Oder in mich hinein.
Ich kann seinen Blick nicht einfangen. Seine Nasenflügel vibrieren, als Pernilla meine Hand in seine legt. Er steht auf und beugt sich vor. Ein heißer Lufthauch trifft meinen Handrücken wie glühende Funken. Ich bebe, greife tastend nach meiner Freundin, doch sie ist verschwunden. Er umfasst stützend meine Taille, geleitet mich zum Stuhl. Seine Berührung fühlt sich an, als ob ich ihn schon ewig kennen würde. Er ist mir vertraut. Seine Haut, sein Geruch, die Stimme, als er endlich spricht. Tief, rauchig, sinnlich.
»Weshalb bist du damals davongelaufen, Alessandra? Du warst plötzlich verschwunden.«
Seine dunklen Augen schimmern im Mondlicht. Ich verstehe seine Frage nicht, doch ich will es nicht zugeben, da ich Angst habe, er könnte verschwinden. So umgehe ich die Antwort, hebe die Hand und zeichne mit der Fingerspitze seine Lippen nach. Der Kontakt unserer Haut löst eine Kettenreaktion aus. Seine Energie dringt in mich ein, durchläuft den Arm, breitet sich in meiner Brust aus, wärmt mein Herz, erfüllt den Bauchraum.
Wie ein glühender Feuerball nimmt dieser Mann von mir Besitz. Ich will den Finger von ihm lösen, doch ich kann nicht.

Im Kindle-Shop: Ein Hauch von Chianti

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



22. Dezember 2016

'Der Weihnachtsdiamant' von Katharina Sperberg

Einige Tage vor Weihnachten freut sich der attraktive Assistenzarzt Lance Reval über ein Paket von seiner Großmutter. Außer Leckereien und selbst gestrickte Socken schickt sie ihm die Armbanduhr ihres verstorbenen Mannes und ihren Verlobungsring von 1937. Niemand ahnt, dass der Ring etwas ganz Besonderes ist, und Lance´ Freude an dem kleinen Schmuckstück währt auch nicht lange, denn …

Romy Hagenah ist nach einer großen Enttäuschung nicht auf der Suche nach einer neuen Beziehung und muss auch der Wahrheit ins Auge schauen, dass ihrem geliebten Blumenladen die Pleite droht. Was sie in dieser Situation am wenigsten gebrauchen kann, ist ein Straßenschildakrobat, der nicht singen kann ...

„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“, wurde Romy vom Juwelier namens Steffen Köther freundlich begrüßt. Köther war ein Mann, der bei Bedarf reden konnte wie ein Wasserfall, Worte, die nichts bedeuteten,aber fast jeden beeindruckten.
„Ich habe einen Ring gefu... äh … geerbt.“ Romy öffnete ihr Portemonnaie und fingerte den Ring heraus, legte ihn sacht auf den Verkaufstresen.
„Und den möchten Sie nun verkaufen?“, fragte der Juwelier und taxierte sie abschätzend. Er nahm den Ring und zog gleichzeitig eine Lupe aus der Tasche seines Jacketts.

Gleich lesen: Der Weihnachtsdiamant

Leseprobe:
Als Lance´ Mund ihre Lippen umschloss, schlang sie ihm die Arme um den Hals. Seine Zunge drang in ihren Mund und sie presste sich fester an ihn. Ihr Herz begann zu hämmern, heiß schoss das Blut durch ihre Adern. Brennendes Verlangen überwältigte sie, denn es war schon so lange her, seit sie von einem Mann liebkost worden war. Nun wollte sie auch mehr, als nur gestreichelt und geküsst werden, viel mehr.
Romys Verstand warnte sie nicht, dass sie vielleicht doch einen Fehler beging. Als sie aufblickte und in Lance´ Augen sah, wusste sie, dass sie im Begriff war, sich an ihn zu verlieren. Ihr Kopf und ihr Herz riefen gemeinsam: „Ja!“, und es gab für sie nichts mehr zu überlegen.
„Du bist eine Schönheit“, flüsterte Lance und schluckte vor Erregung. In seinen Augen flammte Leidenschaft auf, die gestillt werden wollte. Sein Blick glitt über die festen Rundungen ihrer Brüste, über die zarte Haut, die Bluse und BH nicht bedeckten. Erregend drängten sich ihm die Knospen unter dem feinen Stoff entgegen. Mit den Daumenkuppen neckte er liebevoll die härter werdenden Nippelchen.
In Romys verschleierten Augen konnte Lance eine gewisse Sehnsucht nach mehr, viel mehr, lesen. Er kämpfte gegen seinen heftigen Wunsch an, ihr die Kleider vom Körper zu reißen und sie sofort zu nehmen. Als sie sagte: „Ich will dich“, griff er ihr in die Haare und küsste sie auf die Stirn, auf die Nase, auf den Mund. Das Gefühl ihres Körpers an seinem ließ ihn innerlich aufstöhnen. Als ihm ihre Zunge entgegenkam, dachte er: Oje, was richtest du nur mit mir an.
Romy spürte deutlich, dass sich Lance sehr zurückhielt, was sie faszinierend fand. Er will mich genauso, wie ich ihn will, dachte sie, und biss ihm zart in die Schulter.
Lance nahm sein Weinglas vom Tisch, trat hinter sie und hob ihre Haare an, strich mit dem kalten Fuß des Glases sanft über ihren Nacken.
Ein wohliges Prickeln lief über Romys Körper. Sie schloss die Augen, als sie spürte, wie er etwas Wein auf ihre Haut tropfen ließ, und danach behutsam mit seinen Küssen wieder entfernte. Ihr Atem beschleunigte sich, und sie seufzte leise, als seine Zunge zu ihrem Ohr wanderte, er mit den Zähnen am Ohrläppchen zupfte.
Lance schmiegte seinen Körper an ihren, umschlang sie mit dem linken Arm, öffnete mit geschickten Fingern Knöpfchen für Knöpfchen ihre Bluse. Behutsam schob er mit dem Stiel des Weinglases den Stoff auseinander und enthüllte ihr bezauberndes Dekolleté. Der rosa Spitzen-BH unterstrich ihre Rundungen.
Als Herr Doktor das kalte Glas über ihre Brüste gleiten ließ, wurden ihre Brustwarzen noch größer und drängten sich ihm durch den seidigen Stoff entgegen. Langsam und bedächtig zog er zuerst das linke, dann das rechte Körbchen nach unten und entblößte ihre ...

Im Kindle-Shop: Der Weihnachtsdiamant

Mehr über und von Katharina Sperberg auf ihrer Facebook-Seite.



21. Dezember 2016

'Das Erbe des Antipatros' von Jörg Olbrich

Während einer ganz normalen Klassenfahrt nach Athen passiert es. Der Abiturient Ralf hat einen Blackout, und als er wieder zu sich kommt, traut er seinen Augen nicht: Vor ihm erhebt sich das, was wir heute als die Pyramiden von Giseh kennen. Doch wie kann das sein? Warum sperrt man ihn ins Gefängnis und bezichtigt ihn der Sabotage? Er hat doch nichts getan, war bis vor Kurzem noch nicht einmal hier. Und was hat dieser Antipatros mit all dem zu tun?

Wenn er überleben und in seine Zeit zurückkehren will, muss Ralf der Sache auf den Grund gehen und herausfinden, was gespielt wird.

Gleich lesen: Das Erbe des Antipatros



Leseprobe:
Die Stimme drang zu mir wie durch dichten Nebel und ich konnte nicht verstehen, was gesprochen wurde. Es interessierte mich auch nicht. Ich hielt die Augen fest geschlossen, aber der plötzliche Schwindel in meinem Kopf wollte nicht verschwinden. Jemand rüttelte mich an der Schulter.
»Geh zu deiner Gruppe, oder du bekommst meine Peitsche zu spüren.«
Ich öffnete langsam die Augen. Es dauerte einen Moment, bis sich der Schleier lüftete und ich erkennen konnte, wer mit mir sprach. Ausdruckslos starrte ich den fremden Mann vor mir an. Er trug nur eine Art Hemd, das ihm bis zu den Knien reichte, und keine Schuhe. Wer war der Kerl und was wollte er von mir?
»Du hältst alle Arbeiter auf. Es ist schon schlimm genug, dass du zu Arbeitsbeginn nicht hier warst. Die Strafe des Chafre wird dich treffen, wenn du meinen Anweisungen nicht sofort folgst.«
Was war mit dem Kerl los? Ich hatte immer noch das Gefühl Spinnenweben in meinem Kopf zu haben. Wo waren Tim und die anderen? Verwirrt blickte ich an dem Fremden vorbei und traute meinen Augen nicht. Von weit oben sah ich auf eine riesige Wüstenkulisse herab. Es gab keine Häuser und keine Straßen. Nur Sand, so weit das Auge reichte. Die Umgebung war mir völlig fremd und ich hatte nicht die geringste Vorstellung, wo ich mich befand.
»Ich warne dich kein weiteres Mal!«
Ein kurzer Blick in das Gesicht des Fremden reichte mir, um zu erkennen, dass er es ernst meinte. Also stand ich mühsam auf und ging mit unsicheren Schritten zu den anderen Männern, die mich bereits erwarteten und böse anschauten. Wo war ich? Und wie kam ich hier-her?
Meine Gedanken überschlugen sich, ohne dabei zu einem Ergebnis zu kommen. Wenn sich jemand einen Scherz mit mir erlaubte, hatte er sich größte Mühe damit gegeben. Jedes Detail wirkte echt. Was war hier los?
Erst einmal versuchte ich, mich in der ungewohnten Umgebung zu orientieren. Ich befand mich auf einer riesigen Rampe, die steil nach oben führte. Links von mir stand eine Mauer und auf der anderen Seite ging es senkrecht in die Tiefe.
Die Gruppe, zu der ich geschickt worden war, bestand mit mir aus vierzehn Männern, die in zwei Siebenerreihen hintereinander aufgestellt waren und an unterarmdicken Tauen zogen. Ratlos nahm ich meinen Platz am Ende der linken Reihe ein.
Die Seile waren an einem Steinblock befestigt, der fast die Größe eines Kleinwagens hatte. Ich schätzte sein Gewicht auf über eine Tonne. Die Rampe, auf der wir den Stein hochzogen, war mit Schlamm ausgegossen, den die Hitze aber ausgetrocknet und ihm somit seine Gleitwirkung entzogen hatte.
Meine innere Stimme sagte mir, dass es das Beste wäre, mich zunächst einfach ruhig zu verhalten und abzuwarten, was passierte.
Die anderen Männer waren mindestens einen Kopf kleiner als ich, hatten schwarze Haare und waren sonnengebräunt. Sie trugen keine Schuhe und nur weiße Schürzen oder Hemden. Verblüfft stellte ich fest, dass ich die gleiche Kleidung anhatte. Wie war das möglich?
Wir kamen nur sehr langsam voran. Die Taue rieben über meine Handflächen, die entsetzlich schmerzten. Die Sonnenstrahlen taten ein Übriges und trieben mir den Schweiß auf die Stirn. Das Atmen fiel mir zunehmend schwerer. Die keuchenden Laute meiner Leidensgenossen verrieten mir, dass es ihnen nicht besser ging. Um Luft ringend, zogen wir den Fels-brocken Zentimeter für Zentimeter vorwärts.
Jeder kleine Stein, auf den ich mit meinen nackten Füßen trat, ließ die Schmerzen bis zu meinen Oberschenkeln emporschießen. Hinzu kam die Angst, auf dem unebenen Boden den Halt zu verlieren und in die Tiefe zu stürzen. Was sollte das alles?
Zum Glück konnte ich fünf Meter vor mir eine Biegung erkennen und hoffte, mehr zu sehen, wenn wir sie erst einmal passiert hatten. Lange würde ich diese Strapaze nicht mehr aushalten.

Im Kindle-Shop: Das Erbe des Antipatros

Mehr über und von Jörg Olbrich auf seiner Website.



19. Dezember 2016

'Gwendolyn' von Monica Bellini

Desmond ist ein charismatischer und vom Erfolg verwöhnter Mann. Die unabhängige und auf Distanz bedachte Gwendolyn fasziniert ihn. Er setzt alles daran, sie zu verführen – und schließlich gelingt es ihm.

Sie lässt sich auf ein prickelndes Spiel aus Begehren und Zärtlichkeit, Hingabe und Ekstase ein. Doch ein unerwartetes Geständnis Desmonds wirft dunkle Schatten auf die Leidenschaft, die sie miteinander teilen. Gwendolyn weiß plötzlich nicht mehr, wer der Mann in ihrem Bett eigentlich ist, den sie so gut zu kennen glaubte …

Gleich lesen:
Für Kindle: Gwendolyn
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Mein sechster Sinn schlug Alarm, noch bevor ich den leisen Luftzug auf meinem Körper spürte, den die sich öffnende Duschtür verursachte. Ich hob die Hände, stützte mich nach Halt suchend an der Wand ab. Seine starken Arme umfassten mich von hinten, hielten mich unterhalb der Brust umschlungen. Er beugte sich vor, sein Mund verweilte kurz in meinem Nacken. Er küsste mich zart mit seinen weichen Lippen, bis hinauf zum Ohr.
»Lauf nicht davon, Gwen. Lass dich fallen.«
Seine Zunge fuhr sanft den Rand des Ohres entlang, drang in die Mitte vor, verhielt kurz, begann zu kreisen. Ich stöhnte auf. Er zog meinen Oberkörper an sich, seine Brust lag an meinem Rücken. Langsam schob er seine Hüften vor, sein harter Schwanz drängte gegen meinen Po, zwischen die Pobacken, und das warme Wasser prasselte unablässig auf uns ein. Ich legte den Kopf zurück auf seine Schulter und schloss die Augen.
Seine Lippen liebkosten die Kuhle oberhalb des Schlüsselbeins, glitten zum Hals. Die Berührung seiner Zunge auf der sensiblen Haut war so sinnlich, dass ich leise wimmerte. Seine Hände fuhren hoch, legten sich schützend um die sanfte untere Rundung meiner Brüste, fuhren langsam nach oben. Mit Daumen und Zeigefingern griff er nach meinen Nippeln, drückte, massierte, zog daran. Seine Erektion wurde härter, größer.
Ich wollte mich nur noch fallen lassen, ihn spüren, in mich aufnehmen, an nichts mehr denken.
»Gwen, warte! Das Kondom.« Seine Stimme klang heiser, als er sich von mir lösen wollte. Ich hob die Arme und schlang sie um seinen Hals.
»Vergiss es! Ich will dich! Jetzt!«
Meine Beine spreizten sich ohne mein Zutun, sein hartes Glied drängte vor. Mit einer Hand hielt er weiterhin meine Brust, die andere glitt über meinen Bauch nach unten, zärtlich, langsam. Seine Finger strichen über meine Lustperle, umkreisten sie, glitten hinab und teilten meine Schamlippen.
Desmonds Mittelfinger glitt hinein in die pulsierende, heiße Öffnung, fand meinen Lustpunkt, massierte so gekonnt, dass sich die Muskeln meiner Vagina um ihn schlossen. Ich hielt die Luft an, kämpfte gegen die Schwäche meiner Beine an, stemmte die Handflächen gegen die Duschwand und mein Becken begann zu kreisen. Aus einem Finger wurden zwei, glitten in mir auf und ab, die andere Hand ließ meine Brust los. Er packte seinen Schwanz, die Finger zogen sich zurück und massierten meine Klitoris, als er in mich eindrang.
Hart füllte er mich aus, ich drängte mich ihm entgegen, nahm ihn in seiner vollen Länge auf, spürte den süßen Schmerz, als er am Muttermund anstieß. Er stöhnte, glitt ein Stück zurück, wieder tiefer hinein, immer rascher im Wechsel, während er mit seinem Finger meine harte Perle rieb. Plötzlich war mein Hirn leer, alle Gedanken wie fortgeweht. Eine unheimliche Leichtigkeit überkam mich gemeinsam mit der Lustwelle, die mich forttrug in einem ersten Orgasmus, tief in mir. Meine Muskeln schlossen sich um den harten Schaft, reizten und massierte ihn, bis sich der erste Schwall seines Spermas den Weg in meine Tiefe suchte. Er ejakulierte in wilden Stößen, immer wieder, schrie meinen Namen und massierte meine Klitoris noch fester, bis sie pulsierend explodierte.
Ein Feuerwerk traf meinen Sehnerv, als der zweite Orgasmus mir den Atem raubte, der sich wie eine Flutwelle ausbreitete. Ich stöhnte, keuchte, weinte vor Lust. Die leidenschaftliche Welle ging von außen nach innen, erneut umschlossen meine Muskeln krampfhaft das Glied, das immer noch den dickflüssigen Saft ausstieß.
Das warme Wasser rann weiterhin über unsere Körper, die nun vereint waren, sich nicht voneinander lösen wollten, auch nicht, als sie sich beruhigten. Desmond hielt mich fest umschlungen, mein Kopf lag immer noch auf seiner Schulter. Er beugte sich vor, küsste sanft und unheimlich zärtlich meinen Hals, dann das Kinn, als mein Verstand wieder einsetzte.
Bevor er meinen Mund erreichte, hob ich den Kopf, wich ihm aus und sein Penis glitt aus mir heraus. Ich griff nach dem edlen Flakon mit dem Duschgel. Energisch betätigte ich den Seifenspender und verteilte das Gel auf meinem Körper, nahm noch mehr von der wohlduftend-herben Flüssigkeit und drehte mich zu ihm um. Mit meinen seifigen Fingern fuhr ich über seinen Körper. Sanft, vom Nacken über die Brust nach unten. Sein Körper bewegte sich nicht. Es schien, als ob er meine Berührungen einfach nur ertrug, sie ihm keine Freude bereiteten.
Meine Augen suchten seinen Blick.
Er war ernst, fast traurig.
Doch als sich meine Finger um seinen Schwanz schlossen, die Hoden massierten, einseiften, schließlich über die Hüfte nach hinten fuhren und auf seinem Po liegen blieben, weiteten sich seine Pupillen vor Begierde. Er beugte sich vor und küsste mich zärtlich auf die Stirn. Dabei hielt er mich an den Oberarmen und drückte mich sanft von sich, bevor er nach dem Shampoo griff. Ich konnte die Enttäuschung spüren, die er fühlte. Es war ihm wohl leichter gefallen, meine Bedingung in der Theorie zu akzeptieren, als in der Realität.
»Sex ja, Küsse nein«, hatte ich mehr als einmal wiederholt, bevor ich seine Einladung angenommen und somit einem Sex-Abenteuer zugestimmt hatte.
Denn genau das war es.
Nicht mehr und nicht weniger.

Im Kindle-Shop: Gwendolyn
Für Tolino: Buch bei Thalia


Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



17. Dezember 2016

'Die Ungeliebten' von Mark Franley

Jedes Dorf hat sein Geheimnis. Einige sind harmlos, manche liegen weit in der Vergangenheit und wieder andere schockieren uns bis aufs Mark.

Als René kurz vor einem Zusammenbruch steht, schlägt ihm seine Agentin eine Auszeit vor. Das kleine Bergdorf scheint perfekt. Abgeschieden von der restlichen Welt, sollte seine müde Seele hier Erholung finden. Doch er ist nicht zufällig hier, denn die verschworene Gemeinschaft hat ihre ganz eigenen Pläne mit ihm und seine Rückkehr ist dabei nicht vorgesehen.

Eine winterliche Kurzgeschichte mit Gruselfaktor vom Bestseller-Autor Mark Franley.

Gleich lesen: Die Ungeliebten

Leseprobe:
Erschöpft ließ sich René in den Bürostuhl sinken und sah dabei zu, wie der letzte Kunde die bereits geschlossene Buchhandlung verließ. Trotz der erfolgreichen Signierstunde fühlte er sich irgendwie matt und freudlos. Ein Zustand, den er in letzter Zeit immer öfter an sich feststellen musste.
Für einen Augenblick dachte er zurück an die Zeit, als er sich noch über jedes einzelne verkaufte Buch freute. Jetzt rechnete er in Tausender-Sprüngen, und selbst die Hunderttausender-Marke wurde gerade einmal mit einem Glas Champagner gewürdigt. Seit einigen Wochen musste er zur Kenntnis nehmen, dass auch Erfolg zur Gewohnheit werden kann.
»Herr Bergmann?« Er zuckte zusammen. Neben ihm stand eine der Buchhändlerinnen, eine attraktive Blondine. Sichtlich nervös hielt sie eines seiner Bücher in der Hand.
»Oh …«, stammelte die Verkäuferin schüchtern, »… ich wollte Sie nicht erschrecken!«
»Ist schon gut«, entgegnete er mit einstudiertem Lächeln und brachte wieder Haltung in seinen Körper. Er streckte die Hand nach dem Buch aus und fragte: »Ich nehme an, Sie möchten, dass ich es signiere?«
Jetzt lächelte auch die Blondine, gab ihm das Buch und hauchte: »Könnten Sie bitte ›für Maria‹ hineinschreiben?«
»Aber klar!«, antwortete er und tat ihr den Gefallen. Anschließend stand er auf, nahm seine Jacke und verabschiedete sich von der Filialleiterin, die gerade die letzte der fünf großen Glastüren abschließen wollte.

Der Novemberabend empfing ihn mit einer eisigen Windböe und gehetzten Passanten, von denen die meisten in Richtung der U-Bahn-Station eilten. Frankfurts Einkaufsmeile leerte sich langsam und in immer mehr Schaufenstern wurde bereits auf Nachtbeleuchtung umgeschaltet. René wünschte sich, einer von vielen zu sein. Einfach nach Hause zu fahren, sich ein Bier aufzumachen und an nichts mehr denken zu müssen. Stattdessen stand noch das Treffen mit seiner Agentin an, und Rosi konnte er nicht vor den Kopf stoßen.
Mit kalten Fingern zog er den Reißverschluss seiner Jacke noch ein Stück höher und folgte dann der Einkaufpassage einem scheinbar nie endenden Strom aus Menschen entgegen. Eigentlich liebte er lange Spaziergänge, heute war er jedoch dankbar, dass es nur wenige hundert Meter bis zu dem Lieblingslokal seiner Agentin waren.
Einige Minuten später trat René durch die massive Holztür des Restaurants. Er kam noch nicht einmal dazu seine Jacke zu öffnen, als er auch schon nach seiner Reservierung gefragt wurde. Bereits bei seinem ersten Besuch hatte er den Eindruck, dass die Kellner darauf abgerichtet waren, das Lokal gegen das normale Fußvolk zu verteidigen. Hinein kam nur, wer Beziehungen hatte oder ausdrücklich eingeladen wurde.
»Ich habe eine Verabredung mit Rosmarie Schreiber«, lautete Renés unterkühlte Antwort, noch bevor der Mann im schwarzen Anzug ihn danach gefragt hatte. Ohne eine Miene zu verziehen, nahm ihm dieser die Jacke ab, reichte sie an die Garderobendame weiter und führte ihn zu einem Tisch, der sich in einer der ruhigeren Nischen befand.
Rosi war mehr als doppelt so alt wie er selbst, sah aber trotz ihrer zweiundsiebzig Jahre um einiges lebendiger aus, als er sich fühlte. Wie immer brauchte es nur einen kurzen Moment ihres herzlichen Lächelns und René fühlte sich augenblicklich etwas besser.
Er gab seiner Agentin die Hand und begrüßte sie mit den Worten: »Ich hoffe, du wartest noch nicht allzu lange. Ich dachte schon, die wollen den Laden so lange geöffnet lassen, bis keiner mehr kommt.«
Rosi winkte ab: »Auf dich warte ich doch gerne! Wie ist es denn gelaufen? Du siehst ziemlich erschöpft aus.«
René ließ sich ihr gegenüber nieder, und da der offensichtlich ziemlich humorlose Kellner keine Anstalten machte, sie alleine zu lassen, bestellte er ein Glas trocknen Weißwein.
René blickte dem davonstolzierenden Kellner kurz hinterher und sagte dann an Rosi gewandt: »Es lief gut. Sehr gut sogar.«
»Und warum siehst du dann nicht danach aus?« Rosi musterte ihn mit diesem wissenden Blick, mit dem er bis heute nicht umgehen konnte. Am Anfang hatte er sie für eine ziemlich affektierte alte Frau gehalten – immer etwas zu dick geschminkt, immer etwas zu bunt gekleidet. Doch bereits während des zweiten Gesprächs hatte er erkannt, dass sie nicht nur eine herausragend konstruktive Kritikerin und brillante Verkäuferin war, sondern auch eine wahre Menschenkennerin. In den fünf Jahren ihrer Zusammenarbeit hatte er ihr nicht ein einziges Mal etwas vormachen können, also versuchte er es gar nicht erst.
Ohne Scheu sah er in ihre vom Alter schon etwas milchig-blauen Augen und gab zu: »Ich fühle mich total ausgebrannt. Nichts macht mehr wirklich Spaß, noch nicht einmal die guten Verkaufszahlen des letzten Romans. Mir geht einfach alles nur noch auf die Nerven.«
Sie dachte einen Augenblick nach und antwortete dann einfach und ohne jeden Vorwurf in der Stimme: »Verstehe!«
Der Wein wurde gebracht und René nach seinem Essenswunsch gefragt. Rosi hatte bereits bestellt und so verlangte er einfach das Gleiche wie sie. Eigentlich hatte er keinen Hunger, aber das wäre unhöflich gewesen.
Der Kellner verschwand wieder und René nippte abschätzend an seinem Glas. Der Wein schmeckte zunächst gut, dann aber so leer, wie René sich fühlte. Er stellte das Glas beiseite, senkte den Blick und fragte dann: »Bis wann wollen die das nächste Skript?«
»Eigentlich noch in diesem Jahr«, antwortete Rosi und legte ihre faltigen Hände über seine, »aber ich kann sie sicher auf Ende Januar vertrösten.« Und nach einer kurzen Pause fragte sie: »Schaffst du das in zwei Monaten?«
Er dachte einen Augenblick darüber nach, dann hob er den Blick: »Nicht mit dem Trubel um mich herum. Ich bräuchte einfach nur Ruhe, um wieder produktiver zu werden. Vor lauter Telefonaten, E-Mails und Einladungen komme ich zu nichts Anderem mehr. Geschweige denn, dass ich den Kopf für meine Story frei bekomme.« Er schaffte ein Lächeln. »Kennst du nicht eine einsame Insel ohne Handyempfang und möglichst weit weg?«
Rosi erwiderte sein Lächeln, und René glaubte schon, sich verhört zu haben, als sie verkündete: »Doch, so etwas Ähnliches kenne ich tatsächlich.«
»Du hast eine einsame Insel für mich?«, fragte René ungläubig nach.
Nun war es Rosi, die zu ihrem Glas griff und einen ordentlichen Schluck nahm: »Natürlich habe ich keine Insel, aber ich kenne einen Ort, der ebenso ruhig ist. Es ist schon einige Jahre her, als ich eine Wanderung im Lechtal unternahm und auf dieses winzige Dorf gestoßen bin. Die Bewohner meiden den Kontakt zur Außenwelt, nehmen aber ab und zu einen Gast bei sich auf, um Geld für das Nötigste zu verdienen. Ich habe schon einige Autoren dorthin geschickt, und für jeden war es eine Inspiration. Wenige Menschen, kein Handyempfang und die Unterkunft auf das Notwendige reduziert ... Wie klingt das?«
»Österreich«, stellte René etwas enttäuscht fest.
»Ohne Handy und ohne Auto!«, bestätigte Rosi erneut.
»Wieso ohne Auto?«, hakte René nach und sorgte damit für ein erneutes Grinsen bei Rosi.
»Weil sich das Dorf auf einer Hochebene befindet und nur mit einer kleinen Seilbahn erreichbar ist. Du siehst, es ist fast wie eine Insel.«
Was René im ersten Augenblick völlig absurd vorkam, nahm in seinem Kopf langsam Gestalt an. Natur, Ruhe, lange Spaziergänge – er konnte es nicht leugnen, die Idee hatte etwas Verlockendes. Wie zur Bestätigung drang im selben Moment das aufdringliche Brummen seines Handys aus der Hosentasche und er wusste schon, bevor er auf das Display sah, wer ihn da anrief. Eigentlich hatte er genau dafür Rosi engagiert, doch sein Verleger hatte es sich angewöhnt, ihn nach jeder Lesung persönlich anzurufen. Er verdrehte die Augen, zeigte Rosi das Gerät und erklärte: »Herr Karlson.«
Ohne zu fragen, nahm sie ihm das Gerät aus der Hand, hob ab und erklärte dem Verleger freundlich, aber bestimmt, dass Herr Bergmann im Moment verhindert sei. Dann versicherte sie ihm, dass die Lesung wieder ein voller Erfolg gewesen war, und legte auf.
»Danke!«, sagte René, als er sein Handy wieder in Empfang nahm.
»Also, was sagst du zu meinem Vorschlag?« Rosi sah ihn erwartungsvoll an.
Er ging kurz in sich und schlug dann vor: »Schick mir doch einfach mal die Adresse dieses Dorfes und ich denke in der Zwischenzeit darüber nach. Aber grundsätzlich klingt das schon nach einer Umgebung, in der sich mein Thriller quasi wie von selbst schreiben würde.«
Fünf Minuten später erschien der Kellner und brachte zusammen mit einem Kollegen die bestellten Speisen. René und Rosi versuchten das Gespräch auf alltägliche Dinge zu lenken, landeten aber immer wieder bei der Arbeit. Zwei Stunden und drei Gläser Wein später verabschiedeten sie sich herzlich und vereinbarten, in den nächsten Tagen zu telefonieren.

Im Kindle-Shop: Die Ungeliebten

Mehr über und von Mark Franley auf seiner Website.



16. Dezember 2016

'Kysano: Geheimnisse und Illusionen' von Beatrice Hiu

Einst war Kysano eine prachtvolle Welt, deren Bewohner in Frieden zusammenlebten. Heute aber breitet sich das Böse immer mehr aus und gemäß einer uralten Prophezeiung gibt es nur eine Person, die verhindern kann, dass Kysano von der Dunkelheit verschlungen wird. Diese Person ist Leeza, die allerdings keine Ahnung von der Existenz Kysanos hat. Sie wurde auserwählt, die Schlüssel zu dem einen Artefakt zu finden, das angeblich die Rettung bringen soll.

In Band 2 sind Leeza und Jizahan durch das Portal in die Illusion der Erdmagier gelangt, um dort nach dem Erdschlüssel zu suchen. Da die Prophezeiung nur spärliche Details preisgibt, begegnen ihnen auf ihrem Weg schier unüberwindbare Hindernisse und tödliche Gefahren. Nach vielen Täuschungen, Rätseln und Kämpfen erreichen die beiden Mädchen endlich den Ort, an dem der Schlüssel vor hunderten von Jahren verborgen wurde, und wähnen sich am Ziel ihrer Mission, nur um festzustellen, dass schon wieder nicht alles so ist, wie es scheint. In der Schule der Lichtmagier werden währenddessen Feinde ausgeschaltet, geheime Pläne verfolgt und Allianzen gebildet.

"Geheimnisse und Illusionen" ist Band 2 des Mehrteilers über den Machtkampf zwischen Hell und Dunkel in der Welt Kysano.

Gleich lesen: Kysano: Geheimnisse und Illusionen
Auch als Taschenbuch erhältlich.

Leseprobe:
Leeza starrte entsetzt auf die Stelle, wo eben noch das Portal, gewesen war, durch welches sie und ihre Freundin Jizahan aus der Welt Kysano hierhergekommen waren. Da sie bereits einmal durch ein solches Weltentor gegangen war, als sie mit Syvenia, der Freundin ihrer Mutter, nach Kysano gekommen war, wusste sie sofort, dass hier etwas nicht stimmte. Sobald sie nämlich in der Illusion der Erdmagier angekommen waren, gab es sie nicht einfach frei, sondern schleuderte sie mit einem Knall regelrecht hinaus. Dann gab es eine gewaltige Explosion und das Portal zerbarst in tausend Stücke.
Sie rappelte sich benommen auf und fragte, ohne ihren Blick von der Zerstörung abzuwenden: „Bist du in Ordnung, Jizahan?“
„Ja schon, aber irgendwie habe ich mir das etwas anders vorgestellt. Ich meine, der Anfang war ja noch okay mit dem farbigen Kreis, der sich über einen senkt, und dann die seltsamen Stimmen, die man hört, während sich der Kreis dreht. Auch das Gefühl des Fallens war an sich in Ordnung. Aber ich hätte doch erwartet, dass der Sturz am Schluss abgebremst und man nicht mit voller Wucht hinauskatapultiert wird“, beschwerte sich Jizahan und klopfte sich den Schmutz von den Kleidern.
Leeza antwortete nicht, sondern starrte unverwandt auf die Stelle, wo das Portal sich hätte schließen sollen. Dort waren statt einem allmählich verschwindenden schimmernden Bogen nur einzelne Farbfragmente zu sehen, die zu Boden rieselten und sich nach und nach auflösten.
„Was ist denn los?“, fragte Jizahan, alarmiert durch Leezas seltsames Verhalten.
Leeza schüttelte bestürzt den Kopf. „Das war eben nicht normal. Üblicherweise landet man sanft auf dem Boden, und der Kreis gibt einen dann frei. Es dürfte weder einen Knall geben, noch sollte man hinausgeschleudert werden. Außerdem müsste sich das Portal, wenn es geschlossen wird, fließend auflösen und nicht explodieren.“
Jizahan sah Leeza mit ihren großen smaragdgrünen Augen erschrocken an. „Was denkst du, was passiert ist?“
„Ich weiß es nicht, aber ich befürchte, es war nichts Gutes. Jedenfalls würde ich sagen, das Portal wurde soeben demoliert.“
„Aber geht das denn überhaupt? Ich meine, kann das einfach so zerstört werden?“
„Ich denke schon. Vermutlich braucht es dazu einfach die richtige Art von Magie.“
„Aber wer würde so etwas tun und wieso?“
„Da bin ich überfragt. Vielleicht wurde Kymetos angegriffen, als er das Portal schließen wollte, und es explodierte aus diesem Grund. Falls es tatsächlich so war, hoffe ich, dass wenigstens er in Ordnung ist.“
„Das ist er bestimmt“, erwidert Jizahan zunächst beruhigend, stutzte kurz und fragte dann mit leichter Panik in der Stimme: „Aber laut Lestre war dies unser einziger Weg zurück. Ohne das Portal kommen wie nie mehr von hier weg. Was sollen wir denn jetzt nur tun?“
Leeza fuhr sich nachdenklich durch ihr blondbraunes Haar. „Ich habe keine Ahnung, aber da wir nichts zur Lösung des Problems beitragen können, sollten wir uns auf unsere Aufgabe konzentrieren und darauf vertrauen, dass Lestre und Kymetos einen anderen Weg finden werden. Immerhin sind sie mächtige Lichtmagier.“
Leeza riss ihren Blick von der Stelle los, wo immer noch farbige Partikel zu Boden fielen und sah sich um.
Sie befanden sich auf einer kleinen Waldlichtung, die genauso aussah wie diejenige, auf der sie damals mit Syvenia in Kysano angekommen war, und sie fragte sich unwillkürlich, ob wohl alle Portale auf solche Lichtungen führten.
Jizahan atmete tief durch, sah sich dann ebenfalls um und sagte: „Na gut, du hast ja recht, Panik hilft uns jetzt gar nichts. Hast du eine Ahnung, wo wir sind?“
Leeza zuckte ratlos mit den Schultern. „Wir sind irgendwo in der Illusion der Erdmagier, aber wo, weiß ich auch nicht. Ich fürchte, wir müssen einfach auf gut Glück losgehen.“
„Dann lass uns von hier verschwinden. Ich habe das Gefühl, wir sollten mit unserem Aufbruch nicht zu lange warten.“
Leeza nickte und suchte mit den Augen den Rand der Lichtung ab, in der Hoffnung, irgendwo einen versteckten Weg zu entdecken. Zuerst sah sie nichts, aber dann fand ihr Blick etwas, das wie ein schmaler Pfad aussah. Sie stieß Jizahan in die Seite und wies in die Richtung. „Schau mal. Ich glaube, da können wir lang.“
Jizahan folgte mit dem Blick Leezas Finger. „Tatsächlich ein Weg. Der ist mir vorher überhaupt nicht aufgefallen.“
„Vermutlich ist er eben erst aufgetaucht und er könnte genauso schnell wieder verschwinden. Also sollten wir uns beeilen“, erwiderte Leeza, schob ihren Rucksack zurecht und ging entschlossen voraus.
Sobald sie den Pfad betreten hatten, schloss sich die Öffnung, und die Lichtung, auf der sie angekommen waren, war nicht mehr zu sehen. Als sie die Bewegung der Bäume hinter sich hörte, blickte Jizahan sich erstaunt um. Sie kannte dieses Prinzip zwar vom Garten der Schule der Lichtmagier, aber dass es auch hier so war, verblüffte sie jetzt doch. Als sie wieder nach vorn sah, bemerkte sie, Leeza war schon ein ganzes Stück vor ihr. Anscheinend war das alles nicht neu für sie.
Jizahan schüttelte verwirrt die kupferroten Locken, beeilte sich sie einzuholen, und fragte dann: „Sag mal, findest du das alles nicht seltsam?“
„Was meinst du denn? Die Sache mit dem zerstörten Portal oder die mit dem sich schließenden Durchgang?“
„Ach, ich weiß nicht, eigentlich beides.“
„Nun, die Sache mit dem Portal beschäftigt mich schon, aber was immer da geschehen ist, wir können nichts daran ändern, und die plötzlich auftauchenden und verschwindenden Durchgänge und Pfade kennen wir vom Garten in unserer Schule.“
Jizahan blieb abrupt stehen und hielt Leeza am Arm fest. „Moment mal, du bist früher schon durch so ein Tor gegangen, nicht wahr?“
Leeza sah Jizahan entschuldigend an. „Ja, das bin ich. Es tut mir leid, dass ich dir das nicht eher sagen konnte. Ich werde es dir später erklären, aber jetzt müssen wir wirklich weg von hier.“
Jizahan ließ Leezas Arm zögernd los. „Du erklärst es mir aber wirklich, oder?“
„Ganz bestimmt. Vertrau mir.“ Leeza drückte kurz Jizahans Hand und lächelte sie beruhigend an. Die Freundin wirkte ernst und die sonst so fröhlich wirkenden Sommersprossen um ihre Nase waren blasser als üblich.
Weiterhin folgten die Mädchen dem Pfad, der sich vor ihnen durch den Wald schlängelte. Leeza fragte sich, ob sie ihm wohl wirklich trauen konnten. Als sie damals mit Syvenia von ihrem früheren Zuhause durch das Portal der Welten nach Kysano gekommen war, war alles ganz anders gewesen. Erstens war das Portal nicht in tausend Stücke zerborsten, stattdessen hatte Syvenia es geschlossen, und zweitens war da kein Pfad gewesen. Die Lichtmagierin hatte sie bloß quer durch den Wald geführt, ohne einem Weg zu folgen.
Sie erinnerte sich daran, dass Syvenia etwas von dunklen und hellen Wäldern gesagt hatte. Damals hatte sie nicht verstanden, was damit gemeint war, und hatte die Frage auf einer ihrer imaginären Listen notiert. Nun bedauerte Leeza, vor ihrem Aufbruch nicht danach gefragt zu haben, aber es war alles so schnell gegangen und ganz andere Dinge waren im Vordergrund gestanden. Sie hoffte, dass die Beantwortung dieser Frage hier nicht wichtig war, denn immerhin waren sie nicht in Kysano, sondern in einer Illusion, die von den Erdmagiern vor sehr vielen Jahren erschaffen worden war, um den Erdschlüssel zu schützen. Und jetzt waren sie und Jizahan hier, um genau den Schlüssel zu finden, weil eine uralte Prophezeiung ausgerechnet sie beide für diesen Job ausgesucht hatte. Zwei unerfahrene Jungmagierinnen von siebzehn Jahren waren gemäß dieser Prophezeiung anscheinend mehr geeignet, ihn zu entdecken, als mächtige Lichtmagier wie Kymetos oder Lestre, der Großmagier. Obwohl sie die Dinge, die geschehen waren, seit sie nach Kysano gekommen war, nicht verstand, hatte sie sich bereit erklärt, die Bestimmung anzunehmen, damit Kysano nicht zerstört wurde. Allerdings fragte sie sich jetzt, ob die Entscheidung richtig gewesen war. Sie selbst konnte ja nicht einmal Magie anwenden, weil ihre Mutter Lyzea ihre magischen Fähigkeiten blockiert hatte, und es Lestre nicht gelungen war, die Blockade vor ihrem Aufbruch aufzulösen. Was, wenn Jizahans Magie nicht ausreichte, um die Aufgabe zu lösen? Nein, so etwas durfte sie nicht denken. Jizahan war eine gelehrige Jungmagierin, sicher würden ihre Fähigkeiten reichen.
Wie es wohl außerhalb dieses Waldes aussah? War es eine Kopie von Kysano mit Blumenwiesen, schönen Wäldern und Bergen oder etwas völlig anderes? In Kysano gab es prachtvolle magische Pflanzen und bestimmt auch viele Tiere. Sie hatte zwar außer Vögeln und Insekten noch nicht viel von der Tierwelt in Kysano mitbekommen, aber wenn sie an die Wunschbienen dachte, war sie sich sicher, dass dort noch viele andere magischen Tiere lebten. Was gab es hier wohl an Flora und Fauna? Bis jetzt hatte sie noch keine Anzeichen von anderen Lebewesen gesehen, aber irgendwelche würde es wohl geben. Vielleicht lebten hier irgendwo sogar Menschen, die ihnen helfen konnten. Leeza dachte an die Illusion, in welcher sie jahrelang mit ihrer Mutter gelebt hatte, bevor Syvenia sie nach Kysano geholt hatte, konnte sich aber keine Einzelheiten mehr ins Gedächtnis rufen. Sie fragte sich, ob die Erinnerung daran irgendwann zurückkommen würde. Kymetos hatte gesagt, dass der Verlust davon damit zusammenhing, dass die Illusion sich nach und nach auflöste, nachdem sie sie verlassen hatte, und dies sprach leider eher dagegen.
Wo ihre Mutter jetzt wohl war? Sie hatte damals gesagt, sie habe etwas Wichtiges zu erledigen und könne deshalb nicht mit ihr nach Kysano kommen. Was sie wohl damit gemeint hatte? Weder Kymetos noch Lestre hatten darauf eine Antwort für Leeza gehabt. Sie dachte an die Nacht in Kysano, als ihr ihre Mutter erschienen war, um ihr einen Ratschlag zu geben. Immerhin schien es ihr soweit gut zu gehen und das war im Moment das Einzige, woran sie sich festhalten konnte.
Sie war dermaßen in ihre Gedanken vertieft, dass sie die Kreuzung erst bemerkte, als Jizahan sie anstupste und ziemlich ratlos fragte: „Wo geht es denn nun weiter?“
Leeza betrachtete die beiden Pfade, von denen der eine nach Nordwesten, der andere nach Nordosten führte, und war genauso ratlos wie Jizahan. Sie schalt sich eine Närrin. Während sie vorhin dem Pfad gefolgt waren, hätte sie besser darüber nachgedacht, wie sie hier handeln sollten, anstatt über Dinge, die sie sowieso nicht ändern konnte.

Im Kindle-Shop: Kysano: Geheimnisse und Illusionen

Mehr über und von Beatrice Hiu auf ihrer Facebook-Seite.



15. Dezember 2016

'Avandur: Reise in die Vogelfreiheit' von Günther Höfers

»Ihm schlug das Herz bis zum Hals, keine guten Voraussetzungen für einen genauen Schuss. Er zwang sich zur Ruhe, atmete so leise wie möglich tief ein und aus. Der Feuerschein der Fackel erfasste ihn nun voll, aber der Ork schaute in die andere Richtung. Noch. Er schnüffelte. Wahrscheinlich witterte er den Rauch der gelöschten Unschlittkerze. Dann drehte er den Kopf ...«

In dem Dörfchen Seedorf am Diamantenen See im Königreich Tolerland breitet sich eine unheimliche Krankheit aus. Der Heiler des Dorfes ist ratlos. Als die ersten Toten zu beklagen sind, beschließt der Dorfrat, nach der Kräuterfrau Krauta zu schicken. Der Kundschafter Bardo macht sich auf den Weg zu dieser geheimnisvollen Heilerin, die mehrere Tagesreisen entfernt in einer Hütte mitten im Wald zu Hause ist. Er ahnt nicht, dass er sein Heimatdorf so bald nicht wiedersehen wird …

Gleich lesen: Avandur: Reise in die Vogelfreiheit

Leseprobe:
Das Wasser war so klar, dass Bardo bis auf den Grund des Flusses sehen konnte, und wenn er gewollt hätte, hätte er sich mühelos einen der vielen Fische greifen können, die seit Stunden sein Boot eskortierten. Doch Bardo hatte gerade keinen Sinn für Fische. Er musste unbedingt vor Einsetzen der Dämmerung sein Ziel erreichen, weil er befürchtete, es im Dunkeln nicht zu finden. Unermüdlich tauchte er das Stechpaddel in das silbern glitzernde Nass. Er war den Göttern dankbar, dass sie es so eingerichtet hatten, dass er die Sonne jetzt im Rücken hatte, so dass sie ihn nicht blendete. Er durfte auf keinen Fall die Stelle verfehlen, an der er an Land musste, sonst könnte er zu viel Zeit verlieren.
Seit den frühen Morgenstunden paddelte er schon gegen die Strömung an; er hatte sich keine Pause gestattet und sein Proviantpaket kaum angetastet. Hin und wieder gönnte er sich einen Schluck aus dem Wasserschlauch. Wegen der großen Hitze hatte er die Lederrüstung abgelegt und saß seitdem nackt in seinem schlanken Kanu. Das war zwar nicht ungefährlich, so völlig ungeschützt, aber er rechnete nicht damit, angegriffen zu werden. Immerhin herrschte seit zehn Jahren Frieden in diesem Teil von Avandur. Gefahr ging allenfalls von wilden Tieren aus, die ihm hier mitten auf dem Fluss aber nichts anhaben konnten. Und dass sich in dieser Gegend Bösewichter herumtrieben, konnte er sich nicht vorstellen, mitten in der Wildnis, weit entfernt von jeglicher Zivilisation. Obwohl er zum ersten Mal in diesem Landstrich unterwegs war und sich deshalb nicht sicher sein konnte.

Bardo suchte mit seinen scharfen Augen das rechte Flussufer ab. Er musste fast am Ziel sein. Der Pfad war zwar angeblich deutlich gekennzeichnet, darauf wollte er sich jedoch lieber nicht verlassen. Der Wald wurde dichter, was ihm nicht gefiel, denn wenn es doch jemand auf ihn abgesehen haben sollte, konnte derjenige sich gut verbergen und überraschend angreifen. Aber wer sollte es auf ihn abgesehen haben.
Die Sonne stand schon sehr tief, als er das große Holzschild entdeckte. Es hing an einem Ast und trug in großen schwarzen Lettern die Aufschrift »AM ENDE DIESES PFADES WOHNT KRAUTA – MIT IHR IST NICHT GUT KIRSCHEN ESSEN, WENN SIE OHNE TRIFTIGEN GRUND GESTÖRT WIRD«. Nun – Bardo war sich sicher, einen triftigen Grund zu haben, steuerte ans Ufer, sprang aus dem Boot, zog es an Land und legte seine Kleidung an. Dann schulterte er seinen Rucksack und seinen Bogen und folgte dem unwegsamen Pfad in den Wald hinein. Wenn die Ausführungen seines Vaters stimmten, würde er etwa in einer halben Stunde sein Ziel erreichen, was auch dringend nötig war, denn es begann bereits zu dämmern.
Als er die windschiefe Behausung auf der kleinen Lichtung erblickte, beschlich ihn ein mulmiges Gefühl. Er war sich nicht mehr sicher, dass Krauta seine Ansicht teilen würde bezüglich des triftigen Grundes. Er ging vorsichtig auf die Eingangstür der Blockhütte zu, die größer war als es ihm zunächst vorgekommen war. Gerade wollte er anklopfen, als er von drinnen eine Stimme vernahm.
»Wer immer meinen Frieden stört, er möge reinkommen! Ich habe ihn längst gehört.« Es war eine tiefe, weiche, weibliche Stimme. Er öffnete die Tür und trat ein.
In der Mitte des Raumes befand sich eine Feuerstelle, über der ein großer kupferner Kessel von den Flammen umzüngelt wurde. Es duftete köstlich, und Bardo wurde sich bewusst, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. An einem Tisch an der rechten Wand saß eine mittelgroße Frau mittleren Alters mit langen braunen Haaren in einem weißen Leinenkleid und hackte mit einem großen Messer Kräuter.
Sie blickte von ihrer Arbeit auf und betrachtete den Neuankömmling sorgfältig von Kopf bis Fuß, bevor sie ihn ansprach: »Ah – ein kräftiger junger Mann. Komm doch näher, auf so einen wie dich warte ich schon lange. Hast du Hunger? Klar hast du Hunger, einen kleinen Augenblick noch, das Wildschweinragout ist gleich fertig. Ich muss nur noch die Kräuter dazutun und einmal kurz aufkochen lassen, mach es dir so lange bequem.«
»Ja«, war das Einzige, was er herausbrachte. Er stand da wie vom Donner gerührt ob der Wohlgeformtheit ihres Körpers, des strahlenden Leuchtens ihrer Augen und ihres wunderschönen, freundlichen Gesichts. Der nette Empfang passte überhaupt nicht zu dem warnenden Schild am Anfang des Weges. War er im richtigen Haus? Während sie weiter hackte, schaute sie ihn auffordernd an, was ihn veranlasste, sich zusammenzureißen und sich zu ihr an den Tisch zu setzen.
»Ich bin Krauta, Heilerin und Kräuterhexe. Mit wem habe ich das Vergnügen?«
»Ich heiße Bardo. Mein Dorf schickt mich, weil wir Eure Hilfe brauchen. Bei uns ...«
»Eins nach dem anderen«, unterbrach sie ihn, »nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Erst wird gegessen, und dann sehen wir weiter.«
Sie beendete das Hacken, ging zur Feuerstelle und warf die Kräuter in den Kessel. Mit einem großen Holzlöffel rührte sie um und wandte sich Bardo zu.

Im Kindle-Shop: Avandur: Reise in die Vogelfreiheit

Mehr über und von Günther Höfers auf Lovelybooks.



14. Dezember 2016

'Angelina: Alles im Zeichen der Liebe' von Monica Bellini

Die 3jährige Angelina Soriano verschwindet im Juli 1984 spurlos aus der Chicagoer Wohnung, in der ihre Eltern kurz zuvor von der Mafia hingerichtet wurden. Im Juni 2007 wird die 25jährige Studentin Angelina Arriola beim Verlassen der Universität entführt – und verschwindet spurlos.

Fünf Jahre später taucht eine bildschöne, unnahbare Frau in Los Angeles auf. Ihre finanziellen Mittel scheinen unendlich, ihre Kontakte zu den Mächtigen der Stadt die allerbesten. Innerhalb kürzester Zeit eröffnet sie einen Nachtclub, der seinesgleichen sucht. Sie wird von Frauen beneidet, von Männern begehrt. Ihr Leben scheint keine Wünsche offen zu lassen – doch sie hasst es. Von Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit umgeben, versucht sie, in einer Scheinwelt ohne Tiefgang und Liebe, die Vergangenheit zu vergessen – was ihr zumindest nachts, in ihrem Club, zu gelingen scheint. Bis zu dem Tag, an dem zwei Männer unbemerkt in das angeblich uneinnehmbare Zentrum ihres Rückzugsortes eindringen. Sie, die stets jeden Annäherungsversuch abblockt, wird plötzlich physisch bedroht.

Wird ihr Securitychef Rodney Carmichael, mit dem sie ein emotional prickelndes, jedoch wortloses Spiel verbindet, die Gefahr erkennen? Kann es für sie, deren Vergangenheit todbringende Geheimnisse birgt, eine Zukunft geben – und womöglich Liebe?

Gleich lesen: Angelina: Alles im Zeichen der Liebe

Leseprobe:
Das Licht im Gang flammt auf. Meine Absätze hallen bei jedem Schritt auf dem marmornen Boden wider. Ich gehe an den Lagerräumen vorbei und nehme die Treppe in den ersten Stock, der um diese Uhrzeit verwaist ist. Tagsüber arbeiten hier die für den reibungslosen Ablauf des Clubs Verantwortlichen. Waren müssen bestellt, die Einnahmen kontrolliert, die Ausgaben bezahlt und verbucht, und die Sicherheit von Mitarbeitern und Gästen garantiert werden. Die betreffenden Räume sind verschlossen, so wie mein Büro, zu dem nur ich Zutritt habe. Ich tippe den Code ein, die Tür entriegelt sich mit dem typischen, leisen Klicken, ich drehe den Türknauf und stoße sie auf. Die stummen Bilder der Überwachungsbildschirme tauchen das geräumige Zimmer in ein schwaches Licht. Wie immer fällt die Tür ins Schloss, während ich, ohne die Deckenbeleuchtung anzumachen, auf meinen Schreibtisch zugehe.
Ich komme nicht weit.
Jemand umfasst mich von hinten und blockiert meine Arme. Die Clutch entgleitet meinen Fingern und ich schreie auf. Laut. Ein sinnloses Unterfangen, da der gesamte Club schalldicht isoliert ist. Niemand wird mich hören. Aber in diesem Moment geht meine Logik flöten und die Angst nimmt von meinem ganzen Körper Besitz wie das Feuer von einem Strohballen.
»Schhhh«, raunt mir der Angreifer zu. »Wenn du tust, was wir wollen, geschieht dir nichts.«
Ich trete mit dem Absatz dorthin, wo ich seinen Fuß vermute. Ein heiseres Lachen antwortet mir. Noch bevor ich einen zweiten Versuch starten kann, blockiert er meinen Widerstand, indem er mich ganz einfach hochhebt und fest an sich drückt. Der Mann ist durchtrainiert und kräftig, aber schlank. Ich kann seine harten Muskeln an meinem Rücken spüren. Mein Herz rast wie wild. In wenigen Zehntelsekunden wäge ich meine Chancen ab.
»Es ist zwecklos, und du weißt es.« Ich erschauere erneut. Wer auch immer jetzt spricht, ist rechts von mir. Ich reiße den Kopf herum, erkenne schemenhaft eine Figur auf dem Sofa.
»Was wollt ihr?«, stoße ich in seine Richtung hervor, als mich der andere, der mich festhält, vorsichtig nach unten gleiten lässt, bis meine High Heels wieder das Parkett berühren. Nun schiebt er mich eng an sich gedrückt vor sich her. Ich spüre seine ausgeprägte Brustmuskulatur an meinem Rücken und eine riesige Beule an meinem Po. Ich schlucke.
»Ich habe kein Geld hier«, keuche ich während des Versuchs, meine Füße in den Boden zu stemmen, was mit den glatten Sohlen meiner Louboutins komplett idiotisch ist. »Wir arbeiten ...«
»... bargeldlos«, fällt mir mein Gegenüber ins Wort und doziert weiter, als ob er eine Vorlesung halten wollte. »Das macht es Übelgesinnten viel einfacher, weil sie dich von überall auf der Welt angreifen können. Um deine Konten leer zu räumen und an die Kundenkartei zu kommen, deren Veröffentlichung einige Lobbys auf den Kopf stellen könnte, müssen sie nur ein paar Firewalls überwinden, ohne dabei deinem Wahnsinnskörper nahezukommen.« Ich schlucke, er spricht mit einem Unterton, der nichts Gutes verheißt, weiter: »Ganz im Gegensatz zu uns, die wir es genau auf diesen abgesehen haben.«
Seine Worte lösen in mir etwas aus, das ich schon ewig nicht mehr verspürt habe. Meine Angst weicht einem undefinierbaren Prickeln. Die Vorstellung, dass zwei Männer in mein Büro eingedrungen sind, weil sie MICH wollen, lässt meine Klit anschwellen. Meine Schamlippen öffnen sich erwartungsvoll wie Blütenblätter vor einem Schwarm Bienen.
Der Typ, der sich gegen meinen Rücken presst, reibt sein Becken an meinem Hintern. Selbst durch den Rock kann ich spüren, wie angespannt sein Körper ist. Ich stöhne auf, als er die harte Wölbung in meine Pospalte drückt. Er knurrt, lockert den Klammergriff, umfasst meine Handgelenke mit nur einer Hand und zieht mit der anderen langsam den Zipp meiner Lederjacke nach unten.
»Was ...« Ich weiß nicht, was mehr zittert. Meine Stimme oder meine Knie.
»Schhhh«, raunt der hinter mir, schiebt die Jacke von meiner Schulter und leckt mit seiner Zunge vom Schlüsselbein zum Hals, weiter zum Kinn. Meine Beine fühlen sich an wie Wackelpudding, aber noch bevor ich zu Boden gehen kann, legen sich von vorne zwei Hände stützend an meine Hüften.
Ich starre in das Halbdunkel, suche das Gesicht, das vor mir sein muss. Sinnliche Lippen, Dreitagebart, breite Nase, helle Haut. Und eine schwarze Augenmaske. Nur das Weiße um seine Iriden ist erkennbar, sonst ist alles dunkel. Er geht vor mir in die Knie, seine rechte Hand gleitet durch den Rockschlitz an die Innenseite meines Schenkels und streicht über die Spitzenbordüre. Sanft gleiten seine Finger höher, berühren die Seide, die meinen Venushügel bedeckt. Ein verräterisches Beben erfasst meinen Köper.

Im Kindle-Shop: Angelina: Alles im Zeichen der Liebe

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



13. Dezember 2016

'Ostfriesland Mission: Schmutzige Rache' von Harald H. Risius

Es geschehen seltsame Verbrechen in Ostfriesland und niemand hat eine Erklärung dafür. Der Täter scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein und versteht es, seine Spuren zu verwischen. Die Ermittler Susi Wildtfang und Helmut Brunner sind hilflos und müssen sich nicht nur die Schelte der Medien, sondern auch Vorwürfe ihres höchsten Vorgesetzten gefallen lassen. Der vermutet sogar, dass der Täter Helfer in den Reihen der Polizei hat. Selbst dem LKA können sie nicht mehr trauen.

Brunner ist diesem Druck nicht gewachsen, er will nur noch eines – weg von Ostfriesland! Aber seine Familie ist dagegen, seine Lage erscheint aussichtslos.

Susi Wildtfang ist überzeugt, dass es einen roten Faden gibt, der alle diese Verbrechen miteinander verbindet – aber sie erkennt ihn nicht.

Schließlich gibt Hinni Boomgarden den Ermittlern einen entscheidenden Tipp, als er über zwei seltsame Gäste spricht, die in seinem Hotel logieren ...

Ein spannender Thriller über die dunkle Seite Ostfrieslands mit einem unerwarteten, überraschenden Ende.

Dieses Buch ist die Fortsetzung von Ostfriesland Connection, lässt sich aber auch unabhängig davon lesen.

Gleich lesen: Ostfriesland Mission: Schmutzige Rache (Sail & Crime 8)

Leseprobe:
Der junge Mann, der an der rot lackierten Wohnungstür im dritten Stock des Mietshauses klingelt, ist in einem schlimmen Zustand. Sein Haar hängt strähnig über die Stirn, sein Drei-Tage-Bart ungepflegt und struppig. So als ob er sich mehrere Tage weder gewaschen, gekämmt noch rasiert hätte. Die Augen sind eingefallen, er sieht übernächtigt aus, seine graue Gesichtsfarbe verstärkt diesen Eindruck. Die Jeans und der dunkle Kapuzenpullover sind zerknittert und verdreckt und passen nicht zur aktuellen Hitzewelle. Seine Schnürstiefel sind schlammverschmiert. Jeder muss ihn für einen Obdachlosen halten oder für einen auf der Flucht.
Kraftlos lehnt er sich an den Türrahmen und schaut gehetzt hinter sich, als hätte er Verfolger zu fürchten.
Drei Stockwerke über ihm lassen sich Schritte auf der Treppe vernehmen, der Mann atmet auf, als in diesem Moment die Tür geöffnet wird. Eine zierliche, junge Frau starrt ihn zunächst ungläubig an, dann öffnet sich ihr Mund, als wollte sie zu einem Schrei ansetzen.
»Lass mich rein«, sagt der Mann schnell. Er drängt in die Wohnung, drückt die Tür hinter sich zu und lehnt sich schwer atmend mit dem Rücken dagegen.
»Wo kommst du her?« Bevor die Frau den Namen ihres unerwarteten Besuchers aussprechen kann, legt er ihr seine rechte Hand auf den Mund.
»Sag es nicht, sprich meinen Namen nicht aus. Ich will meinen Namen nie mehr hören. Ich habe es vermasselt, ich sollte nicht mehr leben.«
»Aber nun beruhige dich doch erst einmal. Komm herein, setz dich und dann erzählst du mir alles. Bist du auf der Flucht? Verfolgt dich jemand? Oder bist du einfach betrunken oder bekifft?«
Der Mann antwortet nicht, lässt sich aber widerstandslos durch den schmalen Flur in die Wohnung ziehen.
»Dort ist Platz«, sagt die Frau und nimmt einen Stapel Papiere und CD-Hüllen aus einer Sofaecke. Außer dem Stuhl vor einem großen Arbeitstisch, auf dem sich weitere Papiere, Bücher, Bildschirme, Tastaturen und andere elektronische Geräte ohne erkennbare Ordnung stapeln, wäre auch kein anderer Sitzplatz in der Wohnung frei gewesen.
Der junge Mann lässt sich dankbar auf das Sofa fallen, dann erst schaut er die junge Frau genauer an: Lucie ist immer noch klein und zierlich, aber ihre Figur, die durch die Hotpants und das Top ohne BH kaum verborgen wird, ist sportlicher und drahtiger geworden. Das Muskelspiel ihrer Oberarme lässt vermuten, dass sie einen Kampfsport betreibt und Kraft hat. Sonst hat sie sich in den letzten Jahren, seitdem sie gemeinsam auf der Uni waren, kaum verändert. Auch ihre Frisur ist unverändert, blond und sehr kurz geschnitten.
Sein Blick wandert durch die Wohnung.
»Schau dich nur um«, fordert Lucie ihn auf und macht eine einladende Handbewegung. »Mein Hacker-Space! Ich hole dir ein Glas Wasser.«
Ihre Wohnung, ein Apartment, wie es von vielen Studenten in dieser Stadt bewohnt wird, ist eine Mischung aus Wohnzimmer mit Schlafcouch, Softwarelabor, Lötwerkstatt und Künstleratelier. Ein Spielplatz für Freaks, die technische Geräte demontieren und wieder zusammenbauen, bis sie für ihre Zwecke geeignet sind, und wenig Wert auf Schöner Wohnen legen.
Lucie ist Computerfreak und Bloggerin. Sie ist Mitglied im Chaos Computer Club und als hemmungslose Hackerin bekannt und berüchtigt. Ihr geht es dort allerdings viel zu brav zu, sie braucht den Nervenkitzel und ihren täglichen Adrenalinstoß.
Zu ihrem Vergnügen manipuliert sie Webseiten von Firmen, die ihrer Meinung nach von den Kunden zu hohe Preise verlangen. Das macht sie, ohne sich persönlich bereichern zu wollen, sondern einfach - weil sie es kann.
Kürzlich hat sie auf der Homepage einer großen Supermarktkette die wöchentlichen Sonderangebote nochmals um die Hälfte verbilligt und damit große Verwirrung bei Kunden und Geschäftsleitung ausgelöst. Natürlich hat die Firma Strafanzeige gestellt - übrigens nicht die erste -, aber keiner weiß so genau, gegen wen und wohin die gerichtet werden kann. Lucie ist eine Meisterin des Spurenverwischens im Internet.
Sie ist siebenundzwanzig, Doktorandin der theoretischen Informatik in der Uni Oldenburg, und im Internet meistens mit dem Kampfnamen Xenotrac unterwegs.
Sie reicht ihrem Besucher ein Glas Wasser. »Trink! Und dann erzähl mir, warum du hier bist! Bist du bei deinen Eltern rausgeflogen? Oder aus der Uni?«
Müde stützt der junge Mann den Kopf auf seine Hände und verbirgt sein Gesicht. Undeutlich nuschelt er: »Viel schlimmer. Ich habe jemanden umgebracht!«
Lucie lacht laut auf. »Guter Witz! Und was soll ich nun tun? Die Leiche wieder zum Leben erwecken?«
»Nein, aber du musst mir helfen, ihren Tod zu rächen, bitte. Nur du kannst das!«

Im Kindle-Shop: Ostfriesland Mission: Schmutzige Rache (Sail & Crime 8)

Mehr über und von Harald H. Risius auf seiner Website.



12. Dezember 2016

'Kaum 24 Stunden' von Janette John

»Drum quäle nie einen anderen zum Scherz, denn er fühlt wie du den Schmerz.« Janette John

Stell DIR vor, man demütigt Dich,
KEINER hilft Dir und
ALLE schauen zu!
Würde es DICH verändern?

Kurz vor Weihnachten wird im Konstanzer Stadtgarten die Leiche einer jungen Frau gefunden. In ihrem weißen Nachthemd, den weit von sich gestreckten Armen und Beinen gleicht sie einem Schneeengel. Zudem ist sie voller Blut. Die Darstellung des Engels wirft Fragen auf. Warum wurde sie gerade hier abgelegt und vor allem, wer hat sie so bestialisch sterben lassen?

Während die junge Polizistin Nadine Andres und ihre Kollegen die Ruhe kurz vor Weihnachten genießen und sich gedanklich schon in den Ferien befinden, kommt ihnen der Fall, kaum 24 Stunden vor Heiligabend, gänzlich ungelegen. Mit vollem Einsatz und unter Zeitdruck begeben sie sich an die Aufklärung des Mordes, der sich zunächst als klassische Beziehungstat herausstellt. Allerdings machen die Kripobeamten einen entscheidenden Fehler, erkennen nicht die wahren Hintergründe dieser bedauerlichen Geschichte aus Demütigung und Hass, die Jahre zuvor ihren Anfang nahm.

Ein Krimi der Reihe 'Kripo Bodensee'.

Gleich lesen: Kaum 24 Stunden: Weihnachts-Kurzkrimi (Kripo Bodensee 4)

Leseprobe:
»Zieh dich an!«, forderte Selzer, sich den Mantel schließend und streng Richtung Teeküche blickend, in der seine Kollegin hantierte.
Klingt fast wie Zieh dich aus! Unter anderen Umständen durchaus vorstellbar. Denk an deine guten Vorsätze! Kein Verhältnis mit einem Kollegen! »Wieso, was ist passiert?«, entgegnete Nadine scharf und lunzte hinter dem kleinen Mauervorsprung der Miniküche hervor.
»Ich habe einen merkwürdigen Anruf erhalten. Im Stadtgarten läge ein roter Schneeengel. Die Anruferin schien mir allerdings etwas verwirrt. Dennoch sollten wir der Sache nachgehen«, entgegnete Selzer hastig.
»Ach Daniel, das war sicher nur ein Versehen. Kurz vor Weihnachten sind die Leute alle ein wenig durch den Wind.« Widerwillig goss Nadine das Teewasser im Waschbecken aus und forderte fünf Minuten für das stille Örtchen. Schneeengel? Mensch, diese Dinger haben wir als Kinder oft gemacht. Es braucht Schnee, warme Kleidung und fertig ist der Spaß. Aber wieso ist er rot? Oder war das nur einer von Daniels Scherzen, um mich aus dem Büro zu locken? Was ist schlimm daran, die Mittagspause lieber im Warmen zu verbringen als draußen in dieser lausigen Kälte?
Etwas außer Puste kam Nadine zurück ins Büro.
Sie griff ihre Jacke und hetzte Selzer hinterher, der voller Ungeduld, auf seinem Schreibtisch sitzend, auf sie gewartet hatte.
Im Stechschritt preschte er voran. Nadine ihm nach.
»Mensch. Daniel, musst du so hetzen?«, schnaufte sie und bemühte sich um einen gleichmäßigen Schritt.
»Dir ist aber schon klar, dass wir in zwei Tagen Weihnachten haben, oder?«, erwiderte er und blickte Nadine von der Seite an. »Mein Flieger wartet nicht auf mich. Muss endlich mal raus aus dieser Kälte. Und in Thailand ist’s herrlich warm um diese Jahreszeit«, sprach er und lief schnell weiter.
Thailand. Was Besseres fiel dir wohl nicht ein. Du, ein Sextourist? »Thailand? Ich dachte, du fliegst nach Berlin.«
»Nee, meine Schwester weilt mal wieder in New York und ich gehe mit meinen Freunden auf Entdeckertour nach Thailand.«
Entdeckertour, so nennt man das also heutzutage. Verstehe. Mann, ist die Welt ungerecht. Die Männer gehen auf Flirttour, und wir Frauen fahren brav zu den Eltern nach Norddeutschland.

Im Kindle-Shop: Kaum 24 Stunden: Weihnachts-Kurzkrimi (Kripo Bodensee 4)

Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



'Urlaub für Fortgeschrittene' von Maria Resco

Katrin hat den lukrativen Auftrag einer Detektei in Aussicht: Sie soll den Italiener Roberto Morone der Untreue überführen, Urlaub am Gardasee inklusive. Anfängliche Bedenken wirft sie schnell über Bord, Geld und Abenteuer locken sie. Dumm nur, dass Gatte Paul, der Reisemuffel, ihren Plan durchkreuzt und sie begleitet. Und nicht nur er kommt ihr in die Quere.

Für Katrin ist klar: Niemand darf von dem pikanten Job als Lockvogel erfahren, immerhin hat sie einen Ruf als treusorgende Ehefrau und Mutter zu verlieren. Sie aber ist sich ihrer Sache sicher, schließlich kennt sie ihre Grenzen, etwas flirten, etwas knutschen, dann ist Schluss. Ihre Prinzipien geraten mächtig ins Wanken, als sie dem attraktiven Roberto gegenübersteht.

Gleich lesen: Urlaub für Fortgeschrittene

Leseprobe:
Spontaneität war nicht sein Ding! Er sollte es einfach lassen, spontan sein zu wollen. Drei Jahre lang hatte er es geschickt vermieden, einen Supermarkt von innen zu betreten – jetzt hatte es ihn doch erwischt. Und zwar nur, weil er spontan gewesen war. Er könnte sich in den Hintern beißen. Welcher Teufel hatte ihn geritten, die Nachbarn zum Grillen einzuladen, einfach so, aus einer Laune heraus? Er kannte Katrin doch. Besuch von den Nachbarn! Da musste vorher das ganze Haus blankgewienert werden. Und an wem blieb dann der Einkauf hängen? Wenn er schon mal spontan war! Er besaß wirklich viele nennenswerte Eigenschaften, Spontaneität gehörte nicht dazu. Das sollte er sich hinter die Ohren schreiben. Wie kam er jetzt aus dieser Nummer wieder raus?
Der Gedanke an seinen ersten und letzten Großeinkauf in einem dieser Megamärkte trieb Paul Schubert noch heute den Schweiß auf die Stirn. Er steht an der Kasse und sein Geld reicht nicht! Und das an einem Freitagnachmittag, wo sich die Leute in Schlangen vor den Kassen tummeln. Kopfschütteln und böse Mienen hinter ihm. »Sein Geld reicht nicht«, hörte er sie schimpfen, und »Wieder ein Idiot ohne Karte!«
Jawohl! Er lehnte die Dinger ab. Aus Prinzip. Und er stand dazu. Immer noch. Im Prinzip.
Frau Becker, die Kassiererin – an den Namen konnte er sich bis heute erinnern – die gute Frau Becker musste auf die Storno-Tante warten. Sie selbst war nicht befugt zu stornieren. Das verlängerte die Wartezeit um einige lange Minuten. Hinter ihm eine lauter werdende Protestwelle. Manch einer wechselte fluchend in die Nachbarschlange. Mit einem entschuldigenden Dauergrinsen hatte Paul versucht, den Anschein von Coolness zu wahren, tatsächlich aber durchlebte er in diesen Minuten das Trauma seines Lebens, während Frau Becker ein Teil nach dem anderen über den Scanner zog, Kartoffeln, Brokkoli, Käse, Sahne. Sie stornierte sein ganzes schönes Abendessen.
Nun, es war ja nicht so, dass er nicht lernfähig wäre. Wenn Katrin das auch immer wieder gern bezweifelte.
»Da ist die Liste«, brummte sie, als er in die Küche kam. Nicht eines Blickes würdigte sie ihn. Wie besessen schrubbte sie die Fliesen über der Spüle.
Paul überflog die elend lange Einkaufsliste. Himmel Herrgott! Wer sollte denn das alles essen? Sie tat ja gerade so, als würden sie einen Staatsbesuch erwarten. Es waren doch nur die Nachbarn!
»Hast ja recht«, lenkte er versöhnlich ein, »wirklich, ich verstehe, dass du sauer bist. Ich lade die Hollmanns ein, ohne dich zu fragen, und halse dir damit einen Haufen Arbeit auf, während ich gemütlich durch den Supermarkt tingle. Also meinetwegen können wir …«
Katrin stemmte beide Fäuste in die Hüften und warf ihm einen Blick zu, der Tote hätte wecken können.
Okay, er hatte verstanden. Sie wollte nicht tauschen. Sie war sauer, sowas von sauer. Muffelig kramte er in ihrer Handtasche nach dem Portemonnaie und nahm die EC-Karte heraus. Notgedrungen. Das bisschen Bargeld, das er noch bei sich hatte, würde für den Mammuteinkauf kaum ausreichen. Während er die Karte verstaute, stellte er sich vor, wie er den Supermarkt betrat und jene beiden älteren Damen, die damals hinter ihm gestanden hatten, seinen Weg kreuzten, ihn mit fragendem Blick musterten, als würden sie krampfhaft überlegen, wo sie ihn schon mal gesehen hatten, und wie er dann an ihren strahlenden Gesichtern ablesen konnte, dass es ihnen gerade eingefallen war. Das ist doch der Typ von damals, der, bei dem das Geld nicht gereicht hat! – Stimmt! Freitag war’s, weiß ich noch genau, Freitag, fünfzehnter August, Viertel vor zwei, um genau zu sein. Mein Karl hatte schlecht geschlafen die Nacht, dreimal musste er raus, die Blase, weißt du … Ein unbehagliches Gefühl machte sich in Paul breit. Alte Damen konnten sich bisweilen minutiös an die unwichtigsten Details erinnern. Das wusste er von seiner Mutter. »Wie ist die PIN?«
»6-5-6-4«, zischte Katrin, die jetzt die Spüle blank wienerte, als würde heute Abend ein Preis für die sauberste Spüle verliehen werden.
»6-5-6-4.« In Gedanken sortierte er die Zahlenreihe nach einer logischen Ordnung, einmal die 4, einmal die 5, zweimal die 6 – so war es doch viel leichter zu merken. Dann machte er sich auf die Socken.

Im Kindle-Shop: Urlaub für Fortgeschrittene

Mehr über und von Maria Resco auf ihrer Facebook-Seite.



9. Dezember 2016

'Dorotea: Mode, Machos und Musik' von Monica Bellini

Dorotea lebt einen wahrgewordenen Traum. Die Modebranche von Florenz liegt ihr zu Füßen, und Fabio, der sich anderen gegenüber als Macho gibt, vergöttert sie. Glaubt sie, bis sie eines Abends unerwartet nach Hause kommt und ihr Vertrauen in seine Liebe und Treue mit einem Mal zerbricht. Kopflos flüchtet sie – und landet in den Armen des attraktiven Gitarristen Patrizio. Ein One-Night-Stand ist zwar nicht die Lösung, aber er lenkt ab. Denkt sie, denn der rätselhafte Musiker geht ihr unter die Haut.

Patrizio ist froh, dass er seinem alten Leben den Rücken gekehrt hat, tingelt durchs Land, und will von nichts und niemandem mehr wissen. Schon gar nicht von Frauen. Na ja, nicht ganz. Hin und wieder mit einer auf Tuchfühlung zu gehen, tut seinem Ego gut. Immerhin ist er ein Mann, und sein Körper nicht aus Stein. Sicher ist, dass sein Kopf dabei keine Rolle spielt. Doch nach der flüchtigen Begegnung mit Dorotea ist er da nicht mehr so sicher …

Sie ziehen einander an wie Magnete. Aber kann Leidenschaft alle Probleme überwinden? Auch die Lügen, die zwischen ihnen stehen?

Gleich lesen: Dorotea: Mode, Machos und Musik

Leseprobe:
Aus der Nähe betrachtet, mit den geröteten Wangen und dem herzförmigen Mund, war sie von einer irritierenden Schönheit. Keine unnötigen Farbflecken beschwerten ihre Augenlider und ihre ungeschminkten Lippen waren von einem Rot, das in ihm den Wunsch auslöste, sich vorzubeugen, und von ihnen zu kosten. Wie von einem Magneten angezogen näherte er sein Gesicht dem ihren – aber statt ihrer Lippen auf den seinen spürte er prompt den Abdruck ihrer Hand auf seiner Wange. Er zuckte zurück, richtete sich zu seiner vollen Körpergröße auf und murmelte »mi scusi«, während er nach seinem Glas griff und damit den Rückzug antrat. Ohne sich noch einmal umzusehen, drängte er sich eilig zum Ausgang durch, ohne auf die Menschen zu achten, die ihn ansprachen.
Dorotea starrte ihm nach. Dieser ungehobelte Flegel ... dieser ungemein attraktive Flegel ... sie konnte das Spiel seiner Muskeln unter dem engen schwarzen Shirt sehen, als er mit dem über den Kopf gehobenem Bierglas dem Ausgang zustrebte. Noch immer spürte sie seinen warmen Arm um ihren Körper, dieses unwahrscheinlich angenehme Prickeln, das seine Berührung in ihr ausgelöst und das sich um ein Vielfaches verstärkt hatte, als er sie angesehen und zu ihr gebeugt hatte. So eine Unverschämtheit! Zuerst hatte er sie beinahe mitsamt dem Hocker umgestoßen und dann auch noch küssen wollen!
»Was für eine miese Anmache«, murmelte sie und wandte sich wieder dem Tresen zu, nur um in das grinsende Gesicht Marilenas zu schauen.
»Da sieh einmal an! Du scheinst das Flirten nach sieben Jahren Ehe doch noch nicht verlernt zu haben.«
Dorotea schnaubte. »Quatsch! Dieser Idiot hat mich mit einem seiner Groupies verwechselt!«
Marilena zog die Augenbrauen hoch.
»Und warum ist er dann nicht dort, mit den anderen Bandmitgliedern?« Sie deutete dorthin, wo eine Gruppe von aufgeregt schnatternden Frauen an den Musikern klebte wie Briefmarken auf Kuverts.
»Woher soll ich das wissen! Außerdem, cara mia, wieso steckst du deine Nase in meine Angelegenheiten? Kümmere dich doch um deine eigenen!«
»Welche?«
»Dein heutiges Opfer.« Dorotea sah sich suchend um. »Wo ist er eigentlich?«
»Wer?«
»Stell dich nicht dümmer als du bist. Der Wuschelkopf!«
»Er hat sich kurz entschuldigt, muss telefonieren. Und er heißt Carlo.«
»Unnötige Information. Morgen erinnerst nicht einmal du dich mehr an seinen Namen«, erwiderte Dorotea prompt, ohne nachzudenken.
Marilena presste die Lippen zusammen, griff nach ihrem Glas und nippte daran. Sie wich ihrem Blick aus. Dorotea ballte eine Hand zur Faust, verfluchte ihre scharfe Zunge, und dachte einen Moment lang, sich bei ihrer Freundin zu entschuldigen. Sie brauchte Harmonie. Fabios Verhalten hatte ihr schon den größten Teil davon geraubt, Marilena war jetzt ihr ruhender Pol. Diejenige, die sie aufgenommen und ihr zugehört hatte – ohne irgendwelche dummen Sprüche zu klopfen. Und obwohl ihre Freundin die Freitagabende grundsätzlich nie in weiblicher Begleitung verbrachte, hatte sie Dorotea hierher geschleppt, damit sie sich ablenkte. Und was tat sie? Anstatt Marilena zu sagen, was sie ihr bedeutete, beleidigte sie sie auch noch! Na ja, an sich hatte sie nur die Wahrheit gesagt, aber vielleicht sollte sie diese Aussage mit irgendeinem lustigen Spruch aus der Welt schaffen. Sie trank einen Schluck und öffnete den Mund, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie in ihrem Vorhaben unterbrach.
Dorotea drehte sich um, und plötzlich war ihr Kopf ganz leer. Sie spürte ein Prickeln in ihrem Bauchraum, das sie seit Jahren nicht mehr gefühlt hatte. Es war, als ob sie sich im freien Fall befände und in einen tiefen Abgrund stürzte. Einen, der sie anzog, ihr die Luft nahm, immer näherkam ... der warme Hauch seines Atems streifte ihr Gesicht, als er sich vorbeugte. Sie konnte das feine Netz der Fältchen an seinen Augenwinkeln sehen, die markanten Gesichtszüge, seinen Mund – und plötzlich wurde der Gedanke daran, dass er ein unverschämter Flegel war, von einem anderen ersetzt. Sie öffnete ihre Lippen, strich mit der Zungenspitze darüber, senkte die Augenlider, wartete auf die Berührung ... und wartete ... und wartete ...
Und dann vernahm sie seine leise, dunkle Stimme.
»Meinen Sie, dass ich riskiere, noch eine Ohrfeige zu bekommen?«
Langsam öffnete sie die Augen, und erkannte seinen spöttisch verzogenen Mund, noch bevor sie seine Hand spürte, die nach ihrer griff und sie so weit anhob, dass seine Lippen sie beinahe berührten. Er zwinkerte ihr zu.
»Lassen Sie uns Ihren Ausrutscher von vorhin vergessen. Ich bin Patrizio De André. Und Sie?« Ihren Ausrutscher? Seinen! Doroteas Augen schossen Blitze in seine Richtung ab, nur wollten sich einfach nicht die richtigen Synapsen verbinden, um eine schlagkräftige Antwort zu finden, als er seine Lippen auf ihren Handrücken senkte. Diese Berührung jagte einen Stromstoß durch ihren Körper und ließ ihn zurückzucken. Der Moment war ebenso rasch vorbei, wie er begonnen hatte. Er neigt den Kopf ein wenig zur Seite und sah sie an, als ob sie ein Sahnebaiser wäre. Eine tiefe Männerstimme dröhnte durchs Lokal »Die Pause ist zu Ende, Musiker auf die Bühne bitte!«
Er sah sie einen Moment lang abwartend an, doch sie sagte nichts. Seine Mundwinkel bebten, als ob er zum Sprechen ansetzen wollte, aber er tat es nicht. Dorotea saß wie erstarrt auf dem Barhocker, mühsam bemüht nicht herunterzurutschen, als die Bandmitglieder erneut gerufen wurden. Er versenkte die Hände in den Taschen seiner Jeans, schüttelte leicht den Kopf, zuckte mit den Achseln und drehte sich um. Er machte einen Schritt Richtung Bühne, einen zweiten, als ihn ihre Stimme erreichte.
»Dorotea, ich heiße Dorotea!«
Patrizio hielt inne, wandte sich um und lächelte sie auf eine Art an, die ihr einen Schauer durch den Körper jagte. Einen Moment lang stand er einfach nur da, bis ihn Rob, der Schlagzeuger, am Arm packte und mit sich zog. Doroteas Blick haftete auf seinem Rücken, dem Oberkörper, der von dem schwarzen, anliegenden Shirt betont wurde. Ihre Kehle wurde eng. Ihre Augen glitten nach unten, über die schmale Körpermitte, die in krassem Gegensatz zu seinen breiten Schultern stand – als er verschwand. Die Menschen, die eine Gasse gebildet hatten, um ihn und seinen Kollegen durchzulassen, formten wieder eine undurchdringliche Mauer.
»Dorotea, ich denke, wir sollten gehen!« Marilena sprach dicht an ihrem Ohr.
»Nein!« Dorotea hielt den Blick weiterhin auf die Stelle geheftet, wo Patrizio verschwunden war.
»Doch! Glaube mir, es ist besser!« Eine Hand legte sich fest um ihren Oberarm. Dorotea schüttelte sie ab, als das Licht im Lokal gedimmt wurde und die Spots auf der Bühne angingen. Ihre Augen folgten dem Scheinwerfer. Sie atmete tief ein, stieß die Luft hörbar aus. Patrizios dunkelblonde Haare kringelten sich im Nacken, das Shirt spannte um seine Brust. Ihre Halsschlagader pochte. Er hatte einen Fuß auf dem Boden, den anderen auf der Querstange des Hochstuhls. Seine linke Hand griff einen Akkord, die rechte lag noch ruhig auf den Saiten, und sie verspürte unbändige Lust, ihren Platz mit der Gitarre zu tauschen. Sie legte ihre Finger auf die linke Brust, spürte den Schlag ihres Herzens.
»Wir müssen gehen!« Marilena zerrte sie vom Hocker, als der erste Akkord erklang.

Im Kindle-Shop: Dorotea: Mode, Machos und Musik

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



8. Dezember 2016

'Wer Mondstaub sieht' von Eva-Maria Farohi

Amina und Nicolau verbringen alljährlich ihre Sommerferien zusammen auf Mallorca. Irgendwann wird aus der Kinderfreundschaft mehr – doch dann fährt Amina für ein letztes Schuljahr nach Deutschland zurück und kommt nicht mehr wieder.

Jahre später, am fünfundneunzigsten Geburtstag von Nicolaus Großonkel Miguel Ferrer, feiert man ein rauschendes Fest. Auch Amina, die in Miguel einen Großvaterersatz sieht, ist überraschend angereist, nicht zuletzt um mit ihren Jugenderinnerungen abzuschließen, denn Amina plant zu heiraten.

Miguel erkennt, dass sich an Nicolaus Gefühlen für die Jugendfreundin nichts geändert hat, und beginnt, ihm seine eigene Lebensgeschichte zu erzählen - von Catalina, seiner großen Liebe während der Zeit, als der Krieg auch die Insel erreichte …

Ein Familienepos vor der gewaltigen Kulisse Mallorcas jetzt und während der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs. Eine Geschichte über Verantwortung und Treue – und nicht zuletzt die Geschichte einer Liebe, die alles überwindet.

Gleich lesen: Wer Mondstaub sieht

Leseprobe:
Miguel Ferrer saß auf seinem Lieblingsstuhl unter dem Vordach des steinernen Fincagebäudes, schaukelte und wartete. Worauf, wusste er selbst nicht genau. Doch er ahnte es.
Seit er vor wenigen Monaten seinen fünfundneunzigsten Geburtstag gefeiert hatte, war ihm das Warten zur Gewohnheit geworden.
An jenem besonderen Tag hatten ihm alle gratuliert. Sogar der Bürgermeister, obwohl sie einander nicht besonders gut leiden mochten.
Letzteres war zu einem guten Teil darin begründet, dass der Bürgermeister gegen den Bau der Eisenbahnlinie gestimmt hatte. Das Projekt war inzwischen zwar wegen Geldmangels eingestellt worden, dennoch konnte ihm Miguel dieses Vorgehen nicht verzeihen. Auch wenn er insgeheim wusste, dass er damit nicht ganz richtig lag, gab er dem Bürgermeister die Schuld am Scheitern des Unternehmens.
An seinem Geburtstag war die gesamte Familie erschienen. Zusammen zweihundertsechsundzwanzig Personen, darunter auch mehrere Säuglinge.
Miguel wusste von jedem Einzelnen den Vornamen. Darauf war er stolz.
Das Fest zu seinem Ehrentag hatte ihm, der überhaupt gern feierte, besonders gut gefallen.
Natürlich war Nicolau auch dabei gewesen. Er hatte bereits die Nacht bei Miguel verbracht, weil er wusste, wie gern sein Onkel den Sonnenaufgang von der Terrasse aus beobachtete, und ihm dabei Gesellschaft geleistet.
Nicolau war von jeher der Lieblings-Großneffe gewesen, mehr noch: Er war Miguel so nah wie ein eigener Sohn. Jener Sohn, den er nie hatte haben dürfen.
»Mondlicht ist etwas für die Jungen, in meinem Alter zählen nur noch die Sonnenaufgänge«, pflegte Miguel zu sagen.
Und Nicolau war bei ihm sitzen geblieben. Hatte fürsorglich eine Decke über seine Beine gebreitet – gegen die Kälte, denn immerhin war es bereits Anfang November – und ihnen beiden eine große Tasse mit heißem Kaffee gebracht.
Sie hatten nicht viel gesprochen, während sie gemeinsam beobachteten, wie das helle Licht der Dämmerung die Schatten der Nacht vertrieb, und dann ebenso schweigend dem roten Ball zugesehen, der sich seinen Weg durch die grauen Wolken am Horizont bahnte. Es bedurfte keiner Worte, um einander nahe zu sein. Das Band zwischen ihnen war eng geknüpft und überaus haltbar. Niemandem sonst gewährte Nicolau so tiefe Einblicke in sein Inneres, nicht einmal seinem eigenen Vater.
Schon aus diesem Grund war es für alle Familienmitglieder klar gewesen, dass Nicolau einmal Miguels Erbe sein würde – und damit der Padron über ein Stück Land, das so groß war, dass man seine Grenzen an einem einzigen Tag nur schwer abschreiten konnte. Es war schon immer Familienbesitz gewesen, hieß es. Und Nicolau hatte nie darüber nachgedacht, es war ein Erbe, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Einen vom Schicksal vorbestimmten Zeitraum lang würde er der Eigentümer sein dürfen.
Auf dem Papier gehörte es ihm bereits seit Jahren, denn Miguel hatte an seinem neunzigsten Geburtstag darauf bestanden, die erforderlichen Urkunden zu unterzeichnen. Dennoch war nach wie vor Miguel der Padron und würde es auch bleiben, bis zum Tag seines Todes.
Höher und höher stieg die Sonne, wechselte ihre Farbe, wurde leuchtender – bis sie so hell erstrahlte, dass man ihr nicht länger mit den Augen folgen konnte.
Dafür wärmten die Strahlen jetzt die Gesichter der beiden, die nebeneinander auf der Terrasse ausharrten, und füllten alles ringsum mit dem neuen Leben des anbrechenden Tages.
Miguel griff nach Nicolaus Hand, worauf dieser ihm einen überraschten Blick zuwarf. Für gewöhnlich war es nicht Miguels Art, Gefühle in körperlichen Gesten auszudrücken, doch obwohl er sicher sein konnte, dass Nicolau über die Tiefe seiner Zuneigung genau Bescheid wusste, schien er in letzter Zeit besonders bedacht zu sein, daran keinen Zweifel aufkommen zu lassen.
»Wünsch mir, dass mein letzter Wunsch in Erfüllung geht«, sagte er daher auch jetzt zu Nicolau.
»Ich wünsche es dir«, antwortete Nicolau mit ruhiger Stimme, ehe er versuchte, Miguels Blick einzufangen. »Egal, wie viele es sind, alle deine Wünsche sollen sich erfüllen.«
Miguel schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte er, »ich habe nur noch diesen einen Wunsch.«
»Und was genau wünschst du dir?«, fragte Nicolau, während er weiterhin die Hand des alten Mannes in seiner hielt.
Miguel lächelte. Es war ein stilles, beinahe trauriges Lächeln.
Ich möchte, dass du alles bekommst«, sagte er.
Nicolau, der zunächst glaubte, Miguel würde von dem Land und anderen Besitztümern reden, horchte auf.
»Was meinst du damit? Was soll ich denn noch bekommen?«, fragte er, und die Ratlosigkeit, die er empfand, schwang in seiner Stimme mit.
»Alles, was wichtig ist«, sagte Miguel. »Das, worauf es im Leben ankommt.«
Nicolau sah ihn weiter unbeirrt an. Dabei bildete sich zwischen seinen Augenbrauen eine Falte, und Miguel konnte beobachten, wie er anschließend auch noch die Stirn runzelte, ehe sich seine Pupillen plötzlich verengten.
Für den alten, lebenserfahrenen Mann war es nicht schwer, den Augenblick zu erkennen, in dem Nicolau den Sinn hinter den Worten begriff, denn seine Augenlider zuckten ein wenig, ehe der Blick wie von selbst ins Leere ging, um sich an irgendeinem Punkt in der Ferne zu verlieren.
Kurz blitzte etwas wie Schmerz in den dunklen Augen auf, verwandelte sich gleich darauf wieder in den beinahe melancholischen Ausdruck, der Nicolau seit Jahren schon zu eigen war und den man, wenn man ihn nicht so gut kannte, wie Miguel es tat, leicht für eine gewisse Schwerfälligkeit hätte halten können.
Dennoch ging Nicolaus Atem jetzt ein wenig schneller, und die Hand, mit der er sich in das volle schwarze Haar fasste, zitterte.
Einmal mehr stellte Miguel fest, wie ähnlich ihm sein Großneffe war. Genau so hatte er selbst im Alter von achtundzwanzig Jahren ausgesehen: groß gewachsen, mit ebenmäßigen Zügen und einer olivfarbenen straffen Haut – kräftig von Statur, ohne füllig zu sein, mit Muskeln, die von der Arbeit auf dem Land gestählt waren.
Selbst im Charakter waren sie einander ähnlich. Obwohl beide kein Problem damit hatten, sich überall durchzusetzen, waren sie doch empfindsam.
Wie Miguel war Nicolau ein sanfter Mann, und so manche Frau hätte ihn gerne für längere Zeit – wenn nicht gar für immer – behalten, obwohl er stets betonte, an keiner dauerhaften Beziehung interessiert zu sein.
Die Hände in die Hosentaschen vergraben, stand Nicolau jetzt auf und gab vor, der aufgehenden Sonne noch ein wenig zusehen zu wollen.
Längere Zeit sprachen sie beide nichts und Miguel widmete sich seinem Kaffee.
Bis zu dem Moment, als es hupte, und ein rotes Auto inmitten einer Wolke aus staubiger Erde über den Zufahrtsweg bis vor die Terrasse rollte.
Während Nicolau gebannt auf den Wagen starrte, lächelte Miguel still vor sich hin.
Die Tür auf der Fahrerseite öffnete sich, und ein Paar Frauenbeine tauchte auf, in flachen Sandalen mit langen Riemchen, die einander überkreuzend um die gazellenschlanken Fesseln und ebenso schlanken Waden gebunden waren.
Nicolau nahm die Hände aus den Hosentaschen, während er beobachtete, wie den Sandalen zunächst der gerüschte Saum eines weißen Kleides folgte, in dem – wie man gleich darauf zu sehen bekam – der vollendete Körper einer jungen Frau steckte, die sich gerade überaus elegant aus dem winzigen Auto schälte.
Ihre blonden Haare, scheinbar achtlos zu einem Pferdeschwanz gebunden, reichten ihr fast bis zur Hüfte und glänzten wie Gold in der Sonne.
Das Gesicht, so ebenmäßig, dass man es anstarren musste, wurde von dem hellen Augenpaar noch überstrahlt, das mit dem kirschroten Mund um die Wette lachte.
»Miguel«, rief sie. Ihre weißen Zähne blitzten, während sie eine riesengroße achteckige Schachtel balancierte, »Feliz cumple y Molts d’Anys!«
Sie kam die Stufen heraufgestürmt, drückte Nicolau – an dem sie ohne innezuhalten vorbeilief – die Schachtel in die Hände, stürzte auf Miguel zu und warf sich in dessen Arme.
»Alles Gute zum Geburtstag«, redete sie übergangslos weiter, »ich bin so glücklich, dass ich heute bei dir sein kann. Du bist der liebste und beste Mann in meinem ganzen Leben. Und ich wünsche mir, dass du noch viele Jahre in Gesundheit mit uns hier verbringen kannst.«

Im Kindle-Shop: Wer Mondstaub sieht

Mehr über und von Eva-Maria Farohi auf ihrer Website.



7. Dezember 2016

'Die schönste Zeit des Jahres' von J. Vellguth

Eigentlich sollte Weihnachten das Fest der Liebe sein. Für Zoe stimmt das schon lange nicht mehr. Zumindest bis ihr alter Schulfreund auftaucht, mit dem sie eine sehr ... komplizierte Vergangenheit verbindet.

Kann Danny es schaffen, ihr den Glauben an Weihnachten wiederzugeben?

Eine weihnachtliche Geschichte im verschneiten Vermont über Liebe, Freundschaft und den wahren Sinn von Weihnachten.

Bis zum 3. Advent zum Einführungspreis von 99 Cent erhältlich (statt später 2,99 €).

Gleich lesen: Die schönste Zeit des Jahres: Liebesroman

Leseprobe:
Silver Bells in the City
Ihr Atem malte einen feinen Nebelfilm auf die kalte Scheibe des Greyhound Busses. Der Sitz war hart, die Luft warm und es roch muffig. Zoe starrte aus dem Fenster und beobachtete die Menschen draußen auf der Straße.
Dicke, weiße Flocken wirbelten durch den nachtblauen Morgen, folgten der Menge durch die Einkaufspassagen, glühten im orangenen Licht der Schaufenster, hefteten sich an den flauschigen Kunstpelz von hochmodernen Mänteln oder schmolzen auf dem nassglänzenden Rußgrau des Betons.
All diese Menschen steckten gerade mitten in ihrer eigenen kleinen Welt, in der es vermutlich keine größeren Probleme gab, als die Frage Welche Krawatte schenke ich meinem Vater oder Wie viel Geld habe ich noch übrig für das Armband meiner Geliebten.
Was für eine verkehrte Welt.
Die meisten von ihnen waren sich wahrscheinlich nicht einmal darüber bewusst, was dieses Ding, das sie Weihnachten nannten, wirklich war. Nämlich ein schwarzes, gieriges, Gift versprühendes Monster, das jeden zu verschlingen drohte, der es wagte, seinem hungrigen Rachen auch nur zu nahe zu kommen.
Sie schnaubte und der matte Fleck auf der Scheibe vergrößerte sich – verschluckte die Stadt dahinter.
Jetzt konnte sie nichts mehr erkennen. Aber das brauchte sie auch nicht.
Weihnachten in der Stadt war immer das Gleiche. Blechern schepperten Weihnachtslieder durch die Kaufhäuser, quietschrot schrien Sonderangebote in allen Schaufenstern, rostbraun klapperten Blechbüchsen von Wohltätigkeitsvereinen und riefen zu Spenden auf, um dann der Geliebten noch zwei oder drei weitere Diamanten auf dem Armband zu spendieren.
Zu allem Überfluss stand Santa Claus mit Zipfelmütze und brauner Papiertüte in der Hand an jeder Straßenecke und wünschte Hohoho, Fröhliche Weihnachten.
Sie presste die Lippen aufeinander.
Von wegen!
Energisch knuffte sie die rotbraune Jacke unter ihrem Kopf zusammen, um vielleicht ein bisschen Schlaf zu bekommen, während der Greyhound Bus sich im Schneckentempo durch den gigantischen Verkehrsknoten schob und versuchte, New York City hinter sich zu lassen.
»Ma, wann sind wir endlich da?«, hörte sie das Mädchen auf dem Sitz vor ihr fragen.
»Wir sind doch gerade erst losgefahren, Schatz«, antwortete die Mutter.
Eine Stunde lang quälten sie sich bereits durch die Innenstadt. Vorbei an blinkenden Lichtern, Leuchtreklamen und singenden Tannenbäumen in den Schaufenstern. Als ob das Schicksal sie darauf vorbereiten wollte, wie endlos und ermüdend die nächsten Tage für sie werden würden.
Dabei schien die Aussicht auf ein streitreiches Familienchaos ausnahmsweise wesentlich erträglicher als alles, was sie hier in der Stadt erwartete.
Zoe versuchte, nicht an die letzten Tage zu denken, seufzte und schloss die Augen.
Aber die Ruhe hielt nur wenige Sekunden.
»Ist das ein Engel?«, fragte eine helle Stimme.

Im Kindle-Shop: Die schönste Zeit des Jahres: Liebesroman

Mehr über und von J. Vellguth auf ihrer Website.