30. Juni 2015

"Die Macht der Winterelfen" von Eliane Roth

Akaria steht kurz vor dem Untergang, als die nichts ahnende 16-jährige Halbelfe Zoë von der Königin in die Elfenwelt geholt wird. Ihre Aufgabe besteht darin, die Macht der Winterelfen zu zerstören und das Reich zu retten. Zusammen mit dem geheimnisvollen Elfen Nyamari und dem vorwitzigen Nivel macht sich Zoë auf den Weg ins Winterland. Auf der Reise beginnt sie allmählich Gefühle für den Jungen zu entwickeln. Doch Nyamari scheint etwas vor ihr zu verbergen - und er ist nicht der Einzige.

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Leseprobe:
Es begann mit einem kleinen, unscheinbaren Zettelchen. Sie wusste nicht, woher es kam. Es war einfach da. Von einem Augenblick auf den anderen. Sie hatte nur kurz geblinzelt. Es schien wie Magie.
Ihr Herz setzte für einen Schlag aus. Ihre Finger umklammerten die Schreibfeder so verkrampft, bis die Adern blau hervortraten. Ein unwohles Gefühl breitete sich in ihr aus. War es das Ende? War die Zeit der vier Elfenstämme tatsächlich vorbei?
Lange hatte sie auf ein Zeichen gewartet, dass sich alles zum Guten wenden würde. Zu lange. Um ehrlich zu sein, hatte sie die Hoffnung beinahe schon aufgegeben. Dieses Zettelchen aber nahm ihr endgültig den letzten Funken Zuversicht.
Unsicher wandte sie den Blick davon ab und hob den Kopf. Sie fühlte sich beobachtet. Niemand. Sie war alleine.
Elda, die Königin der Frühlingselfen saß alleine vor dem riesigen Schreibtisch ihrer Arbeitskammer. Es war unheimlich still. Eldas Herz begann immer wilder zu klopfen, so laut, dass sie das Gefühl hatte, das Pochen war im ganzen Raum zu hören.
Nach einer Weile senkte sie den Blick; er blieb erneut an dem Zettel haften. Sie schluckte schwer und streckte dann zögerlich ihre zitternden Finger aus, um danach zu greifen.
Das Papier fühlte sich dünn an in ihren Händen, so, als wäre es schon mit vielen in Berührung gekommen. Die Königin faltete es auseinander, sorgfältig darauf achtend, dass es nicht zerriss. Eine fast unleserliche, gewundene Schrift kam zum Vorschein.
Elda beugte sich vor und hielt die Nachricht näher ans Licht, um sie besser entziffern zu können. Es stand nicht viel geschrieben. Um genau zu sein, war es ein Satz. Ein Satz, der alles veränderte. Die Elfenkönigin fasste sich nachdenklich an die Stirn und las den Satz noch weitere drei Male durch. Auf einmal löste sich die Anspannung von ihr und es schlich sich sogar ein zufriedenes Lächeln auf ihre Lippen, als sie den Zettel wieder zusammenfaltete.
Kaum hatte sie ihn aus den Fingern gelegt, verschwand er.
Spurlos.
Die Worte aber hatten sich für immer in Eldas Gedächtnis eingebrannt.

Die Regentropfen klatschten ans Fenster, bevor sie in feinen Strömen die Scheibe hinunter rannen. Ich beobachtete dieses Spiel der Natur schon eine ganze Weile. Dabei war ich völlig in meine Gedanken versunken – was ich ziemlich oft war.
Kaum jemand wusste, was für ein verträumter Mensch ich war und wie gerne ich über den Sinn des Lebens nachdachte. Meine Freunde sahen in mir nur die hübsche Brünette, die immer ein Lächeln auf dem Gesicht trug und alle mit ihrem großen Mitteilungsbedürftnis beeindruckte. Um ehrlich zu sein: Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, wer ich wirklich war. Niemand. Nicht einmal ich.
Ich drehte mich ächzend auf den Rücken und blickte zur Zimmerdecke. Sie war in einem erfrischenden Grün gestrichen. Dasselbe Grün, in dem auch meine Augen erstrahlten. Es war kein gewöhnliches Grün. Der Augenspezialist bezeichnete es als ein „leicht gelbliches, kräftiges Grasgrün“. Auf Grund dieser außergewöhnlichen Farbe wurde ich als Kind von den verschiedensten Ärzten untersucht. Nachdem allerdings eine schlimme Krankheit ausgeschlossen werden konnte, wurde ich mit der Aussage, es wäre wohl nur ein harmloser, genetischer Fehler, entlassen.
Gelangweilt wandte ich mich wieder dem Fenster zu. Vielleicht klingt es merkwürdig, aber es war mein Lieblingsfenster in diesem Haus. Es ermöglichte mir die Sicht auf die ganze Straße und natürlich auf das gegenüberliegende Haus – wenn man diese Bruchbude noch ein Haus nennen konnte. Dieses stand schon seit Jahrzehnten leer und hatte begonnen zu verfallen. Kein Mensch kümmerte sich darum, denn niemand wollte die Kosten eines Abrisses oder einer Restaurierung auf sich nehmen. Ich hatte kein Problem damit. Lieber ein mysteriös wirkendes Haus, als einen modernen Betonbau, der überhaupt nicht in die Queen Street passte.
Bei schönem Wetter machte die Straße einen durchaus freundlichen Eindruck. Die Leute kümmerten sich mit Liebe um ihren Garten und winkten den Vorbeigehenden zu. Jetzt dagegen wirkte die Queen Street furchteinflössend. Der Nebel schien die Nachbarschaft verschlingen zu wollen, der Himmel hatte sich dunkel verfärbt, dabei war es gerade mal Mittagszeit, und ein heftiger Wind pfiff ums Haus. Die perfekte Szene für einen Horrorfilm.
Ich seufzte. Wenn doch nur etwas geschehen würde. Etwas Aufregendes. Die Ferien waren geradezu langweilig und das Wetter hinderte mich daran, auch nur einen Fuß aus dem Haus zu setzen. Alle meine Freunde waren verreist, sogar meine Eltern haben mich hier im Stich gelassen. Nicht dass ich auf ihre Hilfe angewiesen wäre, ich meinte nur, dass die Langweile noch unerträglicher ist, wenn man alleine zu Hause sitzt. Während ich ein Gähnen unterdrückte, griff ich nach meinem Buch. Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr. Ich ließ das Buch wieder zu Boden fallen und starrte angestrengt aus dem Fenster.

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29. Juni 2015

"Die Frauenkammer" von Jannes C. Cramer

In einem abgelegenen, unbelebten Teil der Stadt wird eine Frauenleiche gefunden, doch die Ermittlungen liefern keine verwertbaren Spuren ‒ weder zum Opfer noch zum Täter. Wenige Wochen später sorgt eine zweite Tote für offene Fragen. Ein tragischer Unfall oder ein weiterer Mord? Wie sich schnell herausstellt, scheint es eine Verbindung zwischen beiden Fällen zu geben.

Für Kommissar Frank Holper beginnt eine mühsame Ermittlungsarbeit, für die er schon bald die Hilfe eines externen Beraters in Anspruch nimmt. Ein verhängnisvoller Fehler …

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Leseprobe:
Nachdenklich blickte Kommissar Frank Holper in die stumpfen, leblos starrenden Augen. Diesen Anblick hatte er nicht erwartet, als er über Funk zum vermeintlichen Tatort gerufen worden war. Bedauerlich. Holper schätzte die junge Frau, die hier so unnatürlich ordentlich vor ihm lag, mit friedlich auf ihrer Brust ruhenden Armen, auf höchstens zwanzig Jahre. Sie war kaum älter als seine Tochter, und für einen kurzen Augenblick hatte er ein Bild vor Augen, das ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Er mochte sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlte, das eigene Kind so zu sehen.
Die Spurensicherung war noch nicht eingetroffen, doch Holper war sich auch ohne forensische Untersuchungen sicher, dass die Frau nicht an dieser Stelle ums Leben gekommen war. Jemand hatte sie fein säuberlich hier zurechtgelegt, als wollte er ein Kunstwerk präsentieren, einen nackten Körper inmitten dieses verlassenen Kasernengeländes. Es war stockdunkel. Die uniformierten Kollegen hatten bereits kleine Scheinwerfer aufgestellt und sperrten die Umgebung ab, auch wenn an diesem Ort nicht mit Schaulustigen zu rechnen war.
»Moin, Chef!« Heinz Knecht klopfte ihm auf die Schulter. »Kann ich loslegen?«
Frank Holper wurde aus seinen Gedanken gerissen. Er musste sich erst daran gewöhnen, dass er nun für die Koordination am Einsatzort zuständig war. Nach dem tragischen Tod seines Chefs beim letzten Einsatz hatte er unerwartet früh dessen Platz übernehmen müssen. Er nickte dem Mann von der Spurensicherung zu. »Grüß dich, Heinz. Du kannst anfangen.«
Holper hatte schon einige Male mit Heinz Knecht zusammengearbeitet, und beobachtete nun, wie der Forensiker mit routinierten Handgriffen die Untersuchung der Leiche begann. Nach all den Jahren und zahllosen Fällen seiner Laufbahn bekam er dabei immer noch ein flaues Gefühl in der Magengegend.
Nach kurzer Zeit teilte Heinz dem Kommissar nachdenklich seine Einschätzung mit: »Sie wurde gewürgt, siehst du?« Er deutete auf die verfärbten Stellen am Hals der Frau. »Ich kann allerdings noch nicht sagen, ob das auch die Todesursache war. Auf jeden Fall wurde sie transportiert. Gestorben ist sie woanders.«
Frank Holper wunderte sich nicht. Dies war ein perfekter Ort, um eine Leiche loszuwerden. Spaziergänger traf man in dieser Gegend nicht, und wäre kein anonymer Tipp bei der Notrufzentrale eingegangen, hätten seine Kollegen die Tote vielleicht nie gefunden.
»Haben Sie die Vermisstendatenbank schon überprüft?« Frank Holper wandte sich an einen der Kollegen, die inzwischen mit mehreren Streifenwagen am Fundort der Leiche eingetroffen waren.
»Kein Treffer, Chef.«
Das machte die Identifizierung nicht leichter. Der Kommissar strich sich über den stoppelig sprießenden Dreitagebart. Heinz Knecht und die Kollegen der Spurensicherung hatten in der Umgebung keine persönlichen Gegenstände der Toten finden können, die ihnen weitergeholfen hätten.
Frank Holper beschlich ein ungutes Gefühl. »Wer auch immer das getan hat, weiß anscheinend, wie man uns das Leben schwer machen kann«, sprach er seine Gedanken laut aus.

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26. Juni 2015

"Römer, Ritter, Fußballhelden" von Hildegard Grünthaler

Warum demonstrieren die Einwohner von Schroffenfels mit großen Plakaten vor dem Rathaus? Warum kreuzt alle Nase lang das Fernsehteam von Doku-TV in dem unbedeutenden Nest auf? Weil Studienrat Böckmann den Fußballplatz umgräbt und der 1.FC-Schroffenfels dort eigentlich Fußball spielen will. Und was haben Daniel, Jörg und Martin mit der mysteriösen Geschichte zu tun? Eigentlich beginnt die ganze Geschichte ja bereits im Jahr 162 - es kann aber auch im Jahr 163 gewesen sein - als sich Rufus Monetus, unterwegs als Geheimbotschafter des Kaisers Markus Aurelius, hoffnungslos im Wald verirrte.

Hätte sich sein Diener Festus nicht aus Versehen auf die kostbare Amphore der Tante Calpurnia gesetzt und dann aus Angst die Scherben auf einer Lichtung vergraben, wäre die Geschichte damit auch schon wieder zu Ende. So aber ruht sie mit den Scherben in der Erde - bis eines schönen Tages das morsche Fußballtor der Schroffenfelser über ihnen zusammenbricht … Mit ziemlicher Sicherheit hätte die ganze Sache nur halb so viel Wirbel verursacht, wenn Jörgs Vater damals, während des Italienurlaubs, die ‚antike‘ Amphore, die ihm ein alter Gauner angedreht hatte, gleich vor dem Kauf prüfend umgedreht hätte ... Hätte -, so genau weiß man das natürlich nicht - denn auch Claudia, Daniels große Schwester, hat ihre Hände im Spiel …

Römer, Ritter, Fußballhelden ist zwar die Geschichte eines Fußballplatzes, aber es ist keine Geschichte über Fußball, auch wenn einige der Akteure Fußballspieler sind. Es ist auch keine Geschichte über das Alte Rom, auch wenn sie dort im Jahr 162 beginnt. Eines ist Römer, Ritter, Fußballhelden aber ganz bestimmt: eine spannende und lustige Abenteuergeschichte für Jungen und Mädchen ab 9 Jahren - und für jung gebliebene Leser bis 99!

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Leseprobe:
Der ehrenwerte Senator Gajus Monetus hob schwer atmend den silbernen Becher an die Lippen, um mit einem Schluck Wein Ärger und Enttäuschung hinunterzuspülen. „Ich weigere mich, diesen faulen Hohlkopf noch länger zu unterrichten!“, hatte ihm Petronius soeben erklärt. „Nicht für alles Geld, das in Rom aufzutreiben ist!“ Daraufhin hatte der Gelehrte hastig seine Pergamentrollen zusammengerafft und war leise vor sich hinbrabbelnd aus dem Haus geschlurft. Der Senator seufzte. Rufus Monetus, sein Sohn, Spross der ruhmreichen und ehrenwerten Familie Monetus – ein fauler Hohlkopf! Gajus Monetus trank den Becher in einem Zug leer und wischte sich mit dem Handrücken die Lippen ab. Dann richtete er sich mit einem Ruck auf. Er wusste, was er nun zu tun hatte. Entschlossen zupfte er die Falten seiner Toga zurecht und schritt energisch über das kunstvolle Mosaik des Atriums zum Studierzimmer. Stirnrunzelnd blickte der Senator auf den jungen Mann in der kurzen, weißen Tunika hinab, der sich dort, inmitten achtlos herumgeworfener Schriftrollen, auf einem Ruhebett lümmelte. „Er könnte das Idealbild eines edlen Römers abgeben“, dachte der Senator mit Wehmut. „Hat er doch von mir die gerade Nase und die ebenmäßigen Züge geerbt, welche die Mitglieder der Familie Monetus auszeichnen. Aber das träge Leben und die Vorliebe für süßes Gebäck haben seine Muskeln fett und schlaff werden lassen und sein Gesicht zu einem wahren Vollmond aufgebläht.“ Gajus Monetus seufzte lautlos und räusperte sich dann vernehmlich, als gelte es, eine Rede vor den versammelten Senatoren zu halten:
„Mein Sohn", begann er mit gestrenger Stimme, „wie du weißt, ist es seit jeher der sehnlichste Wunsch deiner Mutter gewesen, dass aus dir einmal ein berühmter Dichter oder Denker wird. Und wie du sicher auch weißt, habe ich weder Kosten noch Mühen gescheut, die fähigsten Lehrer und angesehensten Philosophen zu deiner Erziehung in mein Haus zu holen. Aber ihr redliches Bemühen blieb leider ohne jeden Erfolg, denn zum Dichten fehlt dir die Fantasie und zum Denken der Verstand!“ Der Senator machte eine Pause, um die Wirksamkeit seiner Worte zu erhöhen und Rufus grapschte mit seinen dicken Fingern unbeeindruckt nach einer Schale mit kandierten Früchten.
„Mein Sohn", fuhr der Senator leicht irritiert fort, „du bist nun achtzehn Jahre alt, und da du nicht zum Philosophen taugst, habe ich beschlossen, dass du in die Legionen des Kaisers eintreten wirst, um Soldat zu werden. Niemand wird dort vermissen, dass die Götter dich nicht mit ausreichenden Geistesgaben gesegnet haben, denn als Soldat brauchst du nicht zu denken, sondern nur zu tun, was man von dir verlangt.“ Der Senator unterbrach seine Rede wieder durch eine Kunstpause, und Rufus stopfte sich eine neue Leckerei in den Mund.
„Mein Sohn", begann der Senator von Neuem, „ich erwarte von dir, dass du tapfer bist, nach Ruhm und Ehre strebst wie einst unsere Vorfahren, und dass du dafür sorgst, dass der Glanz des Namens Monetus nicht verblasst!“ Gajus Monetus warf sich nach diesen Worten das herabgerutschte Ende der Toga über die Schulter und sah erwartungsvoll auf seinen Sprössling hinab.
Rufus blinzelte seinen Vater aus müden Augen an, gähnte und drehte sich gelangweilt auf den Bauch, um sich von seinem Diener den Rücken mit wohlriechendem Öl massieren zu lassen. Er dachte nicht im Traum daran, in den Legionen des Kaisers zu dienen - und Ruhm und Ehre – waren ihm schnuppe. Tief betrübt verließ der Senator das zweckentfremdete Studierzimmer und ihn beschlich die düstere Ahnung, dass sein Sohn zu nichts anderem als zum Faulpelz taugte.
Zu jener Zeit, es war um das Jahr 162, vielleicht war es aber auch das Jahr 163, regierte in Rom der Kaiser Mark Aurel. Es heißt, dass der Kaiser ein sehr weiser Mann war, deshalb blieben ihm auch die Sorgen seines hoch geschätzten Senators nicht verborgen. Seit einer halben Stunde schon wandelte der Kaiser in seiner Bibliothek auf und ab und legte angestrengt nachdenkend die Stirn in Falten. Keiner seiner Kommandanten wollte den nichtsnutzigen Sohn des Gajus Monetus haben. Auch der Hauptmann der Garde hatte abwehrend die Hände erhoben. Das verhätschelte Muttersöhnchen eines Senators? Nein, das könne ihm nicht einmal der Kaiser zumuten, hatte der Hauptmann gerufen.
Mark Aurel wollte den geschätzten Senator nicht enttäuschen, und nachdem er gut ein Dutzend Mal die marmornen Säulen in der Bibliothek umrundet hatte, kam ihm plötzlich ein wahrhaft kaiserlicher Geistesblitz: „Ich werde ihn ins ferne Germanien schicken“, sprach der Kaiser zu sich selbst, „mit einer streng geheimen Botschaft. Und der geschätzte Senator wird sich hochgeehrt fühlen! Dass die Botschaft absolut überflüssig ist, werde ich ihm natürlich nicht auf die Nase binden. Aber schließlich muss ich ja damit rechnen, dass das verzärtelte Bürschchen niemals sein Ziel erreichen, und sehr wahrscheinlich auch nie mehr nach Rom zurückfinden wird.“
Diesem allerhöchsten und wahrhaft weisen Befehl konnte sich nicht einmal der träge Rufus entziehen.
„Bei allen Göttern!“, jammerte seine Mutter Livia, als sie vom ‚ehrenvollen‘ Auftrag ihres Sohnes erfuhr. „Zu den wilden Barbaren, wie schrecklich! Sie werden meinen armen Rufus umbringen!“
„Die Wölfe werden ihn zerreißen!“, unkte Großmutter Camilla.
„Er muss bestimmt jämmerlich verhungern, so ganz allein in diesem barbarischen Land!“ Die Mutter raufte sich vor Gram die Haare.
„Und erst die unmenschliche Kälte dort, das raue Klima! Mein armer Bub wird sich bestimmt erkälten und an einer Lungenentzündung sterben!“ Die Großmutter begann verzweifelt zu schluchzen und zerriss vor Trauer ihre Kleider.
„Das alles ist noch lange nicht das Schlimmste“, begann nun Tante Calpurnia, die bis jetzt geschwiegen hatte. „Glaubt mir, das Schlimmste sind die rohen Sitten der Barbaren und der Legionäre! Das zarte Kind wird seine gute Erziehung vergessen und – wenn überhaupt – als roher Soldat zurückkehren!“ Tante Calpurnia wusste, wovon sie sprach, denn sie hatte eine Freundin, die einst ihren Mann ins wilde Germanien begleitet hatte. Gemeinsam besuchten die Frauen sämtliche Tempel der Stadt. Sie opferten dem Jupiter, der Juno, der Minerva und dem Mars, und vorsichtshalber auch noch den weniger wichtigen Göttern, um den Schutz der Himmlischen für ihren armen Liebling zu erflehen. Als dann der Tag des Abschieds gekommen war, packte Livia ihrem Sohn so viel Verpflegung ein, dass er damit eine halbe Legion Soldaten hätte ernähren können. Die Großmutter hatte ihrem Enkel einen besonders warmen Mantel anfertigen lassen und hängte ihm zum Schutz ein wundertätiges Amulett um den Hals. Tante Calpurnia jedoch, die Sorge trug, dass ihr Neffe bei den Barbaren die hohe Kultur der Römer vergessen könnte, schenkte ihrem Neffen neben einem Dutzend Pergamentrollen, die mit erbaulichen Gedichten beschrieben waren, eine kunstvoll bemalte Amphore, die noch dazu mit köstlichem Wein gefüllt war. Der Senator, erfüllt mit neuer Hoffnung, kramte aus den Tiefen einer Truhe das alte Schwert hervor, mit dem Lucius Monetus, ein ruhmreicher Vorfahr der Familie, einst gegen die Karthager gekämpft hatte. Seit Generationen wurde es vom Vater an den Sohn vererbt, und nun sollte es das Leben seines Sohnes schützen. Rufus Monetus schickte sich mit gemischten Gefühlen in sein unabwendbares Schicksal, denn im Grunde war er ganz froh, dass er endlich einmal den ewig lamentierenden Frauen entwischen konnte. Zusammen mit seinem Diener Festus, der nur um ein paar Jahre älter war als er selbst, machte er sich, als einfacher Kaufmann getarnt, auf den langen und beschwerlichen Weg.

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25. Juni 2015

"Für immer im Traum" von Vanessa Tolentino

Rebecca und Felix haben sich gefunden. Sie verlieben sich während des Studiums ineinander und im Anschluss heiraten sie. Zusammen bekommen sie eine Tochter, die sie Alison nennen. Insgesamt kann man sagen, dass sie im vollkommenen Glück schweben. Doch dies ändert sich bald. Als Alison ihren ersten Geburtstag feiert, stirbt Rebecca bei einem Autounfall. Felix kann den Tod seiner geliebten Frau nicht verarbeiten, da sie sehr oft in seinen Träumen erscheint.

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Leseprobe:
Jeder Mensch fragt sich, was eigentlich passiert, wenn wir sterben.
Ja, klar unser Körper verrottet.
Aber was passiert mit der Seele?
Kommt sie in den Himmel?
Werden wir wiedergeboren oder passiert schlicht und einfach nichts?
Entweder ist der Tod das Ende vom Leben oder der Anfang von etwas Neuem ...
Ich bin schon gestorben und kann euch sagen, dass es irgendwie beides ist. Es ist das Ende von dem Leben, welches man nach der Geburt erlebt und der Anfang von einem neuen Leben.
Wie ich gestorben bin und was danach alles geschah, würde ich euch gerne erzählen.
Doch dazu möchte ich noch einen kurzen Einblick in mein Leben nach der Geburt gewähren und zwar 23 Jahre nach meiner Geburt. Ich fing gerade mit dem Studium in Köln an. Eigentlich wohne ich in Bonn, aber in dieser Stadt, wurde das Studium für Lehramt nicht angeboten.
Deswegen fuhr ich jeden Tag von Bonn nach Köln, um die langweiligen – äh, ich meinte spannenden Vorträge zu hören. Unser Professor war steinalt. Oh... hatte ich steinalt gesagt? Ich meine er war ein weiser Mann mit weißen Haaren.
Seine Vorträge hätten spannend sein können, wenn er sie nicht so dröhnend und leiernd zu gute brachte.
Na ja... ich wollte ja nicht zu viel über die Lehrmethoden erzählen. Das hält nur auf.
Jedenfalls, als ich mit dem Studium anfing, hatte ich mich neben einem jungen Mann gesetzt. Er hatte dichtes schwarzes Haar und ein strahlendes Lächeln, welches seine hellblauen Augen zum leuchten brachte.
Er schüttelte mir die Hand. „Hallo, ich heiße Felix.“, stellte er sich vor. „Hast du Lust nach der Vorlesung ein Kaffee mit mir zu trinken?“ Ich starrte ihn eine Weile an. Ich konnte es nicht glauben. So direkt hatte mich noch niemand angesprochen, aber es wirkte. Doch sehe ich so gut aus, dass man mich so plötzlich ansprach? Ich meine, ich sehe nicht schlecht aus. Ich war schlank und nicht zu klein, aber auch nicht zu groß. Mein Gesicht war jung geblieben und meine grünen Augen machten schon was her. Gut, meine dunkelbraunen Haare wurden oft mit schwarz verwechselt (warum auch immer...) und sie waren meist kaum zu bändigen und ich hätte gerne größere Brüste, aber ich konnte nicht glauben, dass so ein gutaussehender Typ wie dieser Felix mich ansprach.

So hatte ich Felix Neumann kennengelernt. Bis heute konnte ich mein Glück kaum fassen. Es stimmte also. Die Liebe kommt, wenn man es am wenigsten erwartet.
Felix war meine große Liebe gewesen. Nach unserem ersten Date haben wir uns mehrmals getroffen. Anschließend sind wir zusammen gekommen und einen Monat später hatte Felix mir einen Heiratsantrag gemacht.
Ich war für den kurzen Rest meines Lebens der glücklichste Mensch auf Erden.
Felix und ich hatten eine Tochter, namens Alison. Sie war das süßeste Kind auf der ganzen Welt. Sicher, das behauptet jede Mutter. Doch in dem Fall war es so. Immer, wenn sie lächelte ging die Sonne auf, selbst bei tiefsten Regen.
Was konnte unserem Glück noch im Weg stehen?
Ach ja... natürlich... mein eigener Tod...

Geheiratet haben wir nachdem wir unser Studium abgeschlossen hatten und eine Arbeit an einer Gesamtschule in Bonn gefunden haben. Wir beide unterrichteten in der Unterstufe.
Kurz darauf wurde ich schwanger und bekam Mutterschaftsurlaub, welchen ich voll auskostete. Als Alison dann auf der Welt war, kam es mir vor wie das größte Wunder auf Erden.
So wie es aussah, waren wir drauf und dran eine glückliche Familie zu werden.
Alison entwickelte sich gut.
Ihr erster Geburtstag war an einem Samstag.
Nur dummerweise hatten wir an diesem Tag keine Windeln mehr und das ging gar nicht. Unsere Alison war wie gesagt das beste Baby auf der Welt. Doch wie jedes Baby machte sie auch ihr Geschäft noch in die Hose. Also gab ich Felix die Aufgabe auf Alison aufzupassen, während ich in den Supermarkt fuhr. An diesem Tag war ein dichter Regen. Egal war mein Gedanke, sobald ich Alison wiedersehe, wird die Sonne wieder aufgehen.
Doch jetzt musste ich erst mal die Windeln besorgen.
Als ich dann mit dem Auto auf die Straße fuhr, kam mir ein Geisterfahrer entgegen und alles ging sehr schnell. Alles was ich noch mitbekam waren die Scheinwerfer des Verkehrssünders. Ich hörte den Aufprall unserer Autos und spürte den stechenden Schmerz in meinem Körper und dann war alles dunkel.

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24. Juni 2015

"Was die Weiber lieben und hassen" von Heidrun Böhm

Rita ist Altenpflegerin, leistet treu und bescheiden ihren Dienst, liest gerne Trivialliteratur und schreibt Kurzgeschichten. Rita hat ein dunkles Geheimnis. Sie kann nicht mit ansehen, wie alte kranke Männer im Altenheim in ihren Betten vegetieren.

Rita lernt eine bekannte Schriftstellerin kennen. Diese soll auf Grund unangenehmer Ereignisse in ihrem Privatleben eine Biografie schreiben, um ihre Leser nicht zu verlieren. Sie bittet Rita um Hilfe. Wird Ritas Geheimnis dadurch ans Tageslicht kommen?

Oder gelingt es ihr, die Vergangenheit aufzuarbeiten, und ein neues Leben anzufangen?

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Leseprobe:
Wälder und Wiesenhänge umschlossen das beschauliche Städtchen Zickenhausen, das friedlich unter dem blassblauen Himmel lag, an dem milchigweiße Wolken entlang zogen. Erstes Morgenlicht tauchte die kleinen Häuser und Straßen in fahles Grau. Ein paar Raben flogen krächzend über die fahlroten Ziegeldächer und ließen sich auf dem grauen Kopfsteinpflaster des menschenleeren kleinen Marktplatzes nieder. Sie reckten ihre Köpfe der frischen Brise entgegen, die von der grünblauen Bergkette im Süden heranzog. Es roch nach Gras, Dünger und Ackerbau. Aber auch die Abgase aus der Großstadt, die einige Kilometer entfernt lag, konnte man wahrnehmen, wenn der Wind sich drehte.
In Zickenhausen ließ es sich ausgezeichnet leben. Die Einwohner waren unter sich und die Anbindung an die Großstadt war mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut geregelt. Seit einem Jahr gab es hier ein neues modernes Altenheim. Darauf waren die Zickenhausener besonders stolz. Hier, wenige Kilometer vom geschäftigen Treiben der Hauptstadt entfernt, war ein idealer Platz, um den Senioren einen schönen Lebensabend zu garantieren. Der Eingangsbereich des Heimes war hell und freundlich gestaltet. Es gab große Fenster, die das Sonnenlicht einließen, und eine Rezeption mit einer eigenen Poststelle, umgeben von großen Töpfen mit jungen Palmen, die ihre sattgrünen Zweige der Decke entgegenstreckten. Geräumige Aufzüge, deren Türen sich langsam öffneten und schlossen, ließen den alten Herrschaften ausreichend Zeit, um aus- und einzusteigen.
Für die pflegebedürftigen Menschen gab es Ein- und Zweibettzimmer. Für die, die selbstständig waren, gab es kleine Wohnungen.
Die Mitarbeiter, die im Heim wohnten, hatten hübsche Wohnungen mit Küche und Bad, die abseits in einem anderen Gebäude lagen.
Rita Krämer war Altenpflegerin und wohnte in einer dieser Zweizimmerwohnungen. Die Einrichtung war bescheiden und anspruchslos, wie ihre Besitzerin. Rita saß in der kleinen Küche auf einem einfachen roten Stuhl aus Plastik. Sie trank ihren Morgenkaffee, der auf einem hölzernen Tisch mit einer rotkarierten Tischdecke stand, und blätterte lustlos in der Tageszeitung. In dreißig Minuten begann die Frühschicht. Im Grunde genommen graute ihr vor der Arbeit im Altenheim. Trotzdem hatte sie hier Unterkunft und Auskommen gefunden und verdiente Geld genug, um etwas für ihren erwachsenen Sohn zurückzulegen. Rita seufzte. Heute war ihr zehnter Arbeitstag ohne Pause. Im Heim fehlte es an Pflegekräften. Und es fehlte an Nachwuchs. Wenige waren dazu bereit, an jedem zweiten Wochenende zu arbeiten oder sich mit alten dusseligen und pflegebedürftigen Menschen zu beschäftigen.
Die alte Wanduhr mit dem hölzernen Gehäuse schlug sechsmal blechern. Draußen kämpfte sich die Sonne durch die Wolken.
Rita zog sich ihre weiße Schürze über, kämmte sich flüchtig die Haare und schlüpfte in ihre Schuhe. Der Spiegel an der Wand zeigte ihr lediglich ihr Gesicht. Sie war eine Frau mit brünetten kurzen Haaren, in denen sich erste ergraute Strähnen abzeichneten. Ihre blauen Augen waren von vielen kleinen Fältchen umgeben. Und auf der leicht nach oben gebogenen Nasenspitze tummelten sich ein paar Sommersprossen.
Sie dachte daran, dass sie früher ihre Arbeit gerne getan hatte. Heute war alles anders. Die Alten waren nicht mehr dankbar. Sie muckten auf und waren schwierig. Sie wussten nicht, dass sie alt, verwirrt und verbraucht waren. Und viele akzeptierten nicht, dass sie hier an der letzten Station ihres Lebens angekommen waren.
Manchmal gelang es Rita, den Tod zu fühlen. Der Sensenmann hat es sich in einem Sessel gemütlich gemacht oder schwebt über dem Bett, dachte sie, wenn einer der Altenheimbewohner im Sterben lag.
Er hatte es nicht eilig. Er wartete auf den Moment, in dem er zuschlagen konnte. Wenn er zuschlug, holte er nicht nur einen der Alten.
Und der Tod war gerecht. Er machte keinen Unterschied zwischen oben und unten, Arm oder Reich.
Allerdings schien es Rita, als ob der Tod manche der Alten vergaß. Sie wollten sterben und durften es nicht. Die Alten, die über Monate oder Jahre im Bett am Tropf hingen, taten ihr leid. Sie vegetierten, litten und durften nicht sterben.
In ihrem Badezimmerschränckchen hatte Rita alle Medikamente, die für einen schnellen, leichten Tod erforderlich waren. Sie kannte alle Lebensläufe der Bewohner, alle Krankheitsabläufe, alle Familienverhältnisse. Ihre jahrelange Berufserfahrung sagte ihr, bei wem und wann sie das Medikament einsetzen konnte.
Zwei arme alte Männer hatte sie bisher erlöst. Beide sahen zufrieden aus, nachdem der Tod aus ihren Händen zu ihnen gekommen war.

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23. Juni 2015

'Prinzessin in Not' von E.M. Tippetts

Chloe hat ihr Masterstudium abgeschlossen und einen Job als Kriminaltechnikerin in ihrer Heimatstadt Albuquerque, New Mexico, angenommen. Die Medien wollen sie allerdings immer noch nicht in Ruhe lassen. Sie folgen ihr auf Schritt und Tritt und belästigen sie selbst bei ihrer Arbeit an Verbrechensschauplätzen, nur um zu zeigen, dass ihre Ehe mit Hollywood-Topstar, Jason Vanderholt, vor dem Aus steht. Millionen Fans, die von einer eigenen Romanze mit ihm träumen, wünschen sich dies mehr als alles andere. Diese Belästigungen geschehen zu einem besonders schlechten Zeitpunkt, da Chloe gerade mitten in ihrem ersten Fall steckt - ein Verbrechen gegen ein Kind, das ungefähr in dem gleichen Alter ist, in dem Chloe damals war, als sie einen Mordversuch überlebte.

Jetzt wo sie so einen Fall aus der Perspektive eines Erwachsenen sieht, wird ihr klar, dass die Arbeit daran sogar noch schlimmer ist, als sie sich hätte erträumen lassen. Für Jason ist es sogar noch schlimmer, der zwar etwas Abstand zu dem Verbrechen hat, aber hilflos zusehen muss und versucht, seine Ehefrau dabei zu unterstützen, wie sie mit den Dämonen ihrer Vergangenheit kämpft und einem namenlosen Täter nachjagt, der unauffindbar scheint. Nie war Jason frustrierter mit seinem Beruf, dessen Oberflächlichkeiten und dem mangelnden Bezug zur Realität. Als er bei seinem aktuellen Filmprojekt vom Set stürmt, überschlägt sich die Presse mit Vermutungen. Vielleicht hat er doch nicht viel mehr zu bieten, als ein hübsches Gesicht.

Zusammen müssen Chloe und Jason sich ihren Weg vorbei an den Blitzlichtern der Kameras und durch den dunklen Irrgarten der polizeilichen Untersuchungen schlagen, um herauszufinden, ob sie ihre Karriereziele und die Herausforderungen ihrer Promi-Ehe balancieren können. Es scheint alles dagegen zu sprechen.

Buch 2 der "Nicht mein Märchen"-Reihe von E.M. Tippetts.

Gleich lesen: Prinzessin in Not (Nicht mein Märchen #2)

Leseprobe:
Das Innere des Hauses war gepflegt, aber nicht so gepflegt, dass es verdächtig wirkte. Es gab dreckiges Geschirr in der Küchenspüle, vertrocknetes Katzenfutter in einer Schüssel bei der Hintertür und eine Pflanze auf der Küchenanrichte, die es offenbar hinter sich hatte.
Officer Baca ging zum TV-Schrank und untersuchte die DVDs dort, während Miguel und ich uns in das Büro aufmachten, wo die Bilder auf einem Computertisch liegen sollten.
Miguel fand die Bilder und schob sich zwischen sie und mich. Während er sie abstaubte, warf ich einen Blick auf den Computer. Es würde die Aufgabe des Detectives sein, diesen nach weiteren Bildern zu durchforsten und wenn er welche fand, mussten wir den Computer zu Wilson ins Labor bringen, der ihn dort dann weiter untersuchen würde.
„Hm…“, sagte Miguel. „Ich weiß ja nicht.“ Er ging einen Schritt zurück und ließ mich die Fotos sehen, die ein kleines Mädchen in einer Badewanne zeigten, welches in die Kamera grinste. „Bin mir nicht sicher, ob das Pornographie ist.“
Ich zuckte die Schultern. „Das ist wohl so eine Sache, wo wir froh sind, dass wir das nicht beurteilen müssen, richtig?“
„Wohl wahr.“ Mir machten uns ans Dokumentieren, nahmen Fingerabdrücke und packten die Fotos ein, dann machten wir uns auf die Suche nach dem Detective, der sich gerade dem Pickup-Truck widmete.
„Tja“, sagte er, als wir näher kamen. „Ich sehe hier nichts Verdächtiges.“
„Hat der Verdächtige irgendwelche Vorstrafen?“, fragte Miguel.
„Nein.“
Miguel und ich tauschten einen weiteren, unbehaglichen Blick aus.
„Ich habe einen Kriechzwischenraum unter dem Haus abgesucht, während ihr beiden noch im Büro wart, ich sehe mir jetzt das Büro und den Rest des Hauses an. Im hinteren Garten gibt es ein Blumenbeet, das erst kürzlich umgegraben wurde, seht euch das mal an. Ein paar Jungs von der Mordkommission sind schon auf dem Weg hierhin.“
„Alles klar“, sagte Miguel. Wir gingen beide um den Carport herum und betraten den hinteren Garten durch ein kleines Tor. Das besagte Blumenbeet erstreckte sich die gesamte Rückseite des Hauses entlang und ein Teil davon war wirklich erst vor Kurzem umgegraben worden. Die Erde dort war loser und dunkler und die Pflanzen offensichtlich anders. Keine von ihnen hatte Blüten, was bedeuten könnte, dass sie noch neu waren. Ich war keine Gartenbaukünstlerin, also konnte ich das nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Vielleicht waren es auch einfach blütenlose Pflanzen.
Miguel legte den Kopf auf die Seite. „Wir scheinen hier ‘ne Aufschüttung zu haben.“
Er hatte recht, jetzt wo ich genauer hinsah. Die Erde war am hinteren Ende des Beetes deutlich höher und fiel nach vorne hin ab. Es war möglich, dass hier etwas direkt an der Hauswand vergraben wurde.
Mehrere Stimmen ertönten im Vorgarten und bald gesellten sich zwei weitere Männer in Zivilkleidung zu uns. Ich hörte nur mit einem Ohr zu, während sie sich als Detectives der Mordkommission vorstellten; beide hatten angegrautes Haar und braune Augen. Wenn Detective Baca es geschafft hatte, sie hierhin zu bestellen, gingen sie wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sie hier einen Fall hatten. Ich spürte, wie ich mich abschottete, meinen Verstand von meiner Wahrnehmung trennte und ihn in meinem Innern zusammenkauern ließ. Falls etwas wirklich, wirklich Schlimmes passieren sollte, wollte ich nicht komplett da sein, um es zu sehen.
Beide sahen auf das Blumenbeet und runzelten die Stirn. „Jap“, sagte einer von ihnen, „da ist ein Hügel.“ Er und sein Partner knieten sich hin und begannen zu graben. Die Pflanzen häuften sie auf der Seite auf, während sie tiefer und tiefer gruben, wie Hunde, die einen Knochen suchten.
„Da ist etwas, glatt und rund.“
Säure sammelte sich in meinem Magen. Ich wollte nicht sehen, wie sie einen Schädel ausgruben.

Im Kindle-Shop: Prinzessin in Not (Nicht mein Märchen #2)

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22. Juni 2015

"Paradiesisch für Anfänger" von Anna Becker

Der Brite Henry gewinnt eine Reise auf die karibische Insel St. Christine. Erschöpft und entnervt landet er und wartet am Flughafen darauf, von einem Mitarbeiter des Hotels abgeholt zu werden, schließlich ist er Ehrengast. Adeline, Tochter der Besitzerin des „Fantastique“, fällt diese Aufgabe zu. Doch bevor sie sich auf den Weg machen kann, muss sie einen Streit in der Küche schlichten und danach entdecken, dass der Jeep einen Platten hat.

Henry nimmt sich währenddessen ein Taxi und kommt nach einer höllischen Fahrt schlechter gelaunt an, als er ohnehin schon ist. Henry und Adeline geraten sich in die Haare. Zu allem Übel ist die Hotelchefin nicht auffindbar und Adeline darf allein mit dem dreisten Gast klarkommen. Paradiesisch ist diese Situation nicht gerade – noch nicht …

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Leseprobe:
Erleben Sie einen unvergesslichen Aufenthalt auf St. Christine, der idyllischen Insel mitten in der Karibik. Weiße Strände, im Wind schwingende Palmen, spektakuläre Sonnenuntergänge und milde Tropennächte. Die quirlige Hauptstadt Sébastien – mit traditionellen Restaurants und Bars und bezaubernden Häusern in Bonbonfarben. Eine Insel, die die gute Laune erfunden hat …
Ich hasse diese Insel jetzt schon!, dachte Henry Esmond-Halloron. Mit dem Prospekt, der St. Christine in den schillerndsten Farben anpries, fächelte er sich Luft zu.
Vor dem Flughafengebäude, das eher den Begriff Baracke verdiente, wartete er darauf, von einem Mitarbeiter des Hotels abgeholt zu werden. Er hatte eine über 20-stündige Reise mit zwei Stopps hinter sich, eine ziemlich unangenehme obendrein.
Nach der ersten Zwischenlandung hatte Henry das Pech, dass der dämliche Vordermann die Sauerstoffdüse bis zum Anschlag aufgedreht und dazu noch die ganze Zeit über seinen Sitz nach hinten geklappt hielt. Die Flugbegleiterin konnte nicht viel ausrichten. Zuerst hatte sie den Kerl überreden können, mehr Rücksicht zu nehmen. Anfangs tat er es, dann nicht mehr, und Henry war es schließlich leid gewesen, die Stewardess zu bemühen oder sich mit diesem Sturkopf unentwegt auseinanderzusetzen.
Zu allem Überfluss hatte das Bordessen unterirdisch geschmeckt; dieses vegetarische Zeug, das er im Voraus bestellt hatte, um bloß keine Lebensmittelvergiftung durch Fleisch oder Fisch zu bekommen, war eine verkochte Pampe. Und der Tee erst – eine Zumutung! Es war unverzeihlich, so eine Brühe zu servieren.
Beim letzten Flugabschnitt hatte ein quengelndes Kleinkind, das mit seiner Mutter hinter ihm saß, Henrys Nervenkostüm arg strapaziert. Es trat mit seinen Füßen gegen den Sitz, brüllte und übergab sich. Die Mutter konnte als Entschuldigung nur ein mitleiderheischendes Lächeln erübrigen.
Sein Nacken schmerzte, sein Kopf dröhnte. Der Schweiß rann ihm übers Gesicht und sein Hemd klebte am Körper, obwohl er sich in den Schatten gestellt hatte. Natürlich musste er in den Tropen während der Mittagshitze ankommen …
Die heiße, feuchte Luft hatte ihn wie ein Vorschlaghammer getroffen, als er aus dem kleinen Flieger gestiegen war. Die Kerosinwolke war wegen der Witterung nicht verflogen und waberte um Henry. Er versuchte durchzuatmen, doch seine Lungen brannten.
Die anderen Passagiere waren schon längst in Taxis oder den hoteleigenen Fahrzeugen auf dem Weg zu ihren klimatisierten Zimmern und kühlen Drinks. Das Flughafenpersonal machte irgendwo Pause. Einzig eine Blechkiste stand in der Parkbucht. Henry schien der einzige Mensch weit und breit zu sein.
Mühsam hielt er sich die Fliegen vom Leib. Wo blieb der Shuttle-Service des Hotels „Fantastique“? Man kannte seine Ankunftszeit und darüber hinaus gehörte es zu seinem Rundum-Wohlfühl-Paket.
Wo um Himmels willen war er nur gelandet? Auf einer karibischen Insel, beantwortete er sich seine gelinde gesagt dumme Frage. Weil er bei einem Preisrätsel gewonnen hatte.
Henry lief hin und her und stand kurz davor, zu explodieren.
Wenn nicht sofort jemand kommt, dann … Ja, was dann?

Im Kindle-Shop: Paradiesisch für Anfänger


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19. Juni 2015

"Nachtkalt" von Mark Franley

Warum? Immer wieder stellt sich die Medizinstudentin Anja Lange diese Frage. Scheinbar harmlose Vorfälle verdichten sich mehr und mehr zu einer Bedrohung, die sie langsam um den Verstand bringt. Nicht nur, dass es keinerlei greifbaren Grund dafür gibt, auch ihre Glaubwürdigkeit schwindet von Mal zu Mal. Als sich dann auch noch die Polizei gegen sie stellt, liegt ihre ganze Hoffnung auf Mike Köstner. Kann er das tödliche Spiel beenden, oder ist doch alles anders, als es scheint?

Gleich lesen: Nachtkalt: Psychothriller (Mike Köstner 4)







Leseprobe:
Menzel liebte dieses nasskalte Wetter, und als sich um Punkt 14 Uhr die in der riesigen Gefängnismauer winzig wirkende Tür öffnete, gab ihm der kalte Regen einen zusätzlichen Schub.
Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, entdeckte er das alte, wartende Taxi etwas abseits stehend auf dem Besucherparkplatz. Es stand so, dass der Fahrer in eine andere Richtung blickte, und war, wie von D. versprochen, mit einem grellroten Aufkleber gekennzeichnet.
Der Mann hatte also Wort gehalten, was absolut nicht selbstverständlich war. In der zwangsläufigen Enge des Knastes wurden viele Schwüre geschmiedet, von denen sich die meisten hinterher in Luft auflösten. Echte Zweifel hatte er trotzdem nicht gehabt. D. war nicht irgendein Krimineller, er war mindestens so intelligent wie er selbst, und auch wenn er andere Ziele verfolgte, waren diese nicht weniger erregend.
Tief die frische Luft einatmend, ging er auf den Wagen zu, öffnete die Tür und setzte sich hinter den Fahrer. Ob man den Mann eingeschüchtert oder einfach nur gut bezahlt hatte, interessierte ihn nicht sonderlich. Auf jeden Fall machte dieser keinerlei Anstalten, einen Blick auf seinen Fahrgast zu werfen, und hatte sogar den Rückspiegel abgeklebt.
Die Fahrt dauerte eine knappe Stunde und endete in dem Innenhof einer alten Fabrikanlage, die wohl einmal ein Stahlwerk gewesen war. Wieder stellte der Fahrer den Wagen so ab, dass die Tür, durch die er offenbar gehen sollte, hinter ihnen lag und sein Fahrgast somit nicht an ihm vorbeimusste. Kaum ausgestiegen, beschleunigte das Taxi und verschwand hinter einer großen grauen Halle. Er schulterte seine alte Sporttasche, in der sich seine wenigen Habseligkeiten befanden, und wandte sich der Tür zu, die sich genau in diesem Augenblick öffnete.
Im Inneren der Wellblechhalle herrschte fast völlige Dunkelheit; trotzdem erkannte er den Schatten in der Tür.
Es kam nicht oft vor, doch nun verspürte er so etwas wie Vorfreude. Mit einem gewinnenden Lächeln, das er sonst nur bei Frauen zum Einsatz brachte, sagte er: »Du hast tatsächlich Wort gehalten!«
Der andere Mann trat einen Schritt in das trübe Tageslicht, musterte seinen Gast von oben bis unten, lächelte ebenfalls und stellte anschließend fest: »Du hast das restliche Jahr gut überstanden, man könnte denken, du kommst gerade aus dem Urlaub!« D. machte eine einladende Geste: »Aber jetzt komm erst einmal herein, dann können wir alles besprechen. Außerdem bist du bestimmt ganz schön ausgehungert. Im Keller habe ich ein kleines Willkommensgeschenk für dich vorbereitet.«

Zwei Stunden verbrachten die beiden in einem kargen, unverputzten Raum, der außer einem einfachen Tisch und zwei Stühlen nichts beinhaltete. D. erklärte seinem Jäger die technische Ausrüstung, gab ihm einige Unterlagen für die Wohnung, welche er für ihn angemietet hatte, und machte ihm deutlich, worauf es ihm ankam.
»Und wie kann ich dich kontaktieren?«, war die einzige Frage, die Menzel stellte, wobei er sich mit den Händen durch sein kurzes blondes Haar fuhr.
Es lag in der Natur von D., jedes Detail bedacht zu haben. Ein überlegenes Lächeln huschte über seine Lippen, dann zog er eine schlichte Armbanduhr aus seiner Jackentasche und erklärte: »Da wir uns vor dem Ende nicht wiedersehen werden, wird dieses Schmuckstück unsere einzige Verbindung sein. Alles, was du mir senden willst, kannst du hiermit übertragen.« Mit diesen Worten drückte er einen versteckt angebrachten USB-Stecker aus dem Armband. »Einfach in den Laptop stecken und den Anweisungen des Programms folgen, aber mach das auf jeden Fall nur an dem Laptop, der sich mit im Koffer befindet. Verwendest du, oder jemand anders, ein anderes Gerät, wird der Speicher der Uhr augenblicklich und unwiderruflich gelöscht.« Nun sah er Menzel in die blauen Augen. »Alles klar?«
Dieser nickte und hielt den Blickkontakt aufrecht. »Alles klar! Hast du einen Wunsch, was das Objekt betrifft?«
D. nickte. »Ich hatte ja etwas Zeit zum Nachdenken, und da kam mir unser alter Zellengenosse in den Sinn. Weißt du noch, wie er uns von seiner Familie erzählt hat?«
Menzel dachte kurz nach und antwortete dann gedehnt: »Keine blöde Idee! Hast du dich dort schon ein wenig umgesehen?«
»Es ist fast zu perfekt«, bestätigte D. und erzählte, was er bis jetzt herausgefunden hatte.

Im Kindle-Shop: Nachtkalt: Psychothriller (Mike Köstner 4)

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Der neue Kindle Paperwhite

Gönnt euch den neuen Kindle Paperwhite - und dann tankt ihn hier im eBook-Sonar mit guten Büchern auf.

17. Juni 2015

"SOROS: Das gestrandete Raumschiff" von Hans-Peter Michael

Auf der Flucht vor der amerikanischen Polizei findet Michael Walther als Versteck ein havariertes fremdes Raumschiff. Ein als super-intelligenter Bordcomputer getarntes, noch funktionierendes Gehirn, eines Homo solaris, bewegt den Flüchtling zur Hilfe – für das Gehirn und für die gesamte Menschheit. Als Gegenleistung wird dem Menschen eine umfassende Remodellierung, mit längerer Lebenserwartung, zuteil. Mit Hilfe extraterrestrischer Technik nimmt der Mensch Einfluss auf politische Entscheidungsträger der irdischen Führungsmacht, den USA. Er wird Chef der Astro Force. Auf seinem Weg begleiten ihn alte und neue Freunde. Alle haben nur ein Ziel: Den drohenden Untergang der menschlichen Zivilisation zu verhindern.

Gleich lesen: SOROS Buch I: Das gestrandete Raumschiff



Leseprobe:
Das Wesen aus der Tiefe der Galaxis schaute den Mann, der sich selbst der Spezies Mensch zuordnete, lange schweigend an. Dieser fühlte sich unbehaglich. Die Sehkörper des Wesens schienen dem Menschen, wie die Tentakel einer Krake gleich, zu umfassen und förmlich zu entkleiden.
Der Sprecher des kaiserlichen Rates spürte die Unsicherheit seines Gegenübers, er konzentrierte sich darauf, die schwachen Gehirnströme des Menschen wahrzunehmen, um dessen Gedanken lesen zu können.
Dieser dachte gerade: Was will dieses Scheusal von mir? Mein Gott, wie kann ich diesem Albtraum entkommen, wann wache ich endlich auf? Vielleicht ist dies gar kein Traum? Was habe ich am Abend getrunken? Was war im Mix, den mir der Barkeeper auf den Tresen stellte? Das war LSD! Der Hund hat mich entweder mit LSD oder KO-Tropfen betäubt.
„Du träumst nicht!“, sprach das reptilienartige Wesen klar und deutlich, scheinbar in der Muttersprache des Mannes. „Ich kann deine Gedanken lesen. Von mir hast du nichts zu befürchten.“ Erschrocken lehnte sich der Mann auf seinem Stuhl zurück.
„Wer ... was bist du?“
„Ich bin von der Spezies der Paguaren, der Sprecher des Rates und ich habe vom Kaiser den Auftrag, mit dir zu sprechen. Dabei benutze ich nur dir verständliche Begriffe, denn wenn ich die Sprache meiner Zivilisation nutzen würde, wäre es so, als ob du dich mit deinem Hund unterhältst.“
Die Arroganz des Wesens ärgerte den Mann, Nobelpreisträger für Medizin des Jahres 2076, aber die Neugierde des Wissenschaftlers war stärker als die Furcht.
„Du bist also ein vernunftbegabtes Wesen aus dem All?“
„Ja, das ist korrekt.“
„Wie kommt es, dass du meine Sprache sprichst?“
„Ich spreche nicht deine Sprache. Das, was du zu hören meinst, sind meine Gedanken, die in deinem Sprachmodus umgewandelt und für dich verständlich sind. Als ich zu dir kam, hast du mich nicht wahrnehmen können. Ich habe eines meiner Tastorgane auf deinen Kopf gelegt und alle dort abgespeicherten Daten deines körperlichen Zentralrechners eingescannt und bei mir im Zentralrechner als Wissenskopie abgelegt. Nun habe ich dein Wissen und ich muss sagen, es ist das eines Primitiven.“
Wieder schoss Ärger durch den Kopf des Nobelpreisträgers. Das Wesen gab Laute von sich, die eine Art Lachen sein konnten.
„Was seid ihr doch für eine bemitleidenswerte Spezies, ärgert euch über jede Scheiße.“
Scheiße hat er eben gesagt oder laut gedacht. Er scheint uns Menschen ähnlicher zu sein, als er es selbst in seiner großkotzigen Gefälligkeit vermutet, dachte der Mensch. Der Zustand seines eigenen „körperlichen Zentralrechners“, ist ein Fall für den Alienpsychiater.
„Nicht ich, sondern du als Teil eurer Spezies, bist ein Problemfall. Aber dazu später. Also, im Auftrage unseres Kaisers soll ich ... „
„Wer ist dieser Kaiser?“, unterbrach der Mensch den Paguaren. „Er ist nicht mein Kaiser, ich lebe in einer Republik und unser höchster Repräsentant ist ein Präsident.“
„Der Kaiser ist der höchste Vertreter der Galaktischen Föderation der 427. Ich habe die Bezeichnung Kaiser nur gewählt, weil du damit etwas anfangen kannst. Er ist kein Diktator, kein Autokrat, er ist unser oberster Herrscher, von den 427 Nationen gewählt, der geistige und weltliche Vater unserer Nationen.“
„Schön, also doch so eine Art Präsident der 427, von was auch immer, was das ist. Aber ich habe da noch eine Frage, warum hat der Kaiser gerade mich als potenziellen Gesprächspartner ausgesucht?“ Der Ratssprecher dachte einen Moment nach, bevor er antwortete.
„Du hast im Jahre 2076 eurer Zeitrechnung den höchst bewerteten Nobelpreis für Medizin bekommen. Unsere Beobachter haben die menschliche Zivilisation bereits seit über dreitausend Jahren im Visier. Mit dem Eintritt in die nukleare Entwicklungsstufe und der Stufe zur Weltraumfahrt haben wir unsere Beobachtungen gemäß unseres Selbsterhaltungsgesetzes forciert. Bereits deine Doktorarbeit aus dem Jahre 2066 erregte unsere Aufmerksamkeit. Ebenso deine Veröffentlichungen in diversen wissenschaftlichen Publikationen. Dein Buch „Wege aus dem Dilemma unserer Zivilisation“, aus dem Jahre 2069, hat unser Augenmerk auf deine Person gerichtet.“
„Uns?“
„Mit uns meine ich den Rat für Sicherheit beim kaiserlichen Rat der Weisen.“
„Aha, die Geheimpolizei eures Kaisers.“
„Nein, dieser Rat ist kein Instrument eines totalitären Staates, wie es der KGB in der Sowjetunion war. Unser Rat für Sicherheit hat andere Aufgaben, er dient dem Überleben der Zivilisationen der 427.“
Der Mensch runzelte die Stirn. Der Paguare beobachtete ihn und las seine Gedanken. Ohne das er die Frage des Menschen abwartete, was die 427 seien, antwortete er.
„Die 427 sind die vierhundertsiebenundzwanzig vernunftbegabten Spezies in unserem Imperium. Es handelt sich um die Anzahl aller Spezies, welche den Standard der Stufe 5 erreicht haben. Wir, die Paguare, befinden uns in der höchsten Stufe 10.“
„Und wie wären wir Menschen einzuordnen?“
„Ohne dich beleidigen zu wollen, muss ich dir die traurige Botschaft mitteilen, dass die Menschheit unter 6 eingeordnet wurde. Einzelne Exemplare erreichen die Stufe 7 bis 8.“
„Und ich?“
„Der Rat hat dich unter 9 eingestuft. Daher unser Interesse.“
„Also gibt es genau vierhundertsiebenundzwanzig höhere Spezies im Weltall?“
„Nur in unserer Galaxis. Unsere Erkundungsteams haben in den umliegenden Galaxien, im Umkreis von eintausend Lichtjahren, insgesamt achttausend höher entwickelte Spezies entdeckt. Nach unseren Hochrechnungen befinden sich im gesamten Kosmos über einhunderttausend Nationen, die Milliarden Arten ohne Vernunft, nicht mitgerechnet.“
Der Mensch war erschüttert. Diese Anzahl von höher entwickelten Lebewesen hatte er nicht erwartet.
Mit einem lauten Knall flog die Tür zum Aufenthaltsraum auf. In der Tür stand der wachhabende Leiter für Institutssicherheit mit angeschlagener Waffe. Erschrocken schaute der Mensch zur Tür. „Entschuldigen Sie Dr. Koch, ich habe Stimmen gehört und dachte, jemand sei eingebrochen oder hätte Streit mit Ihnen. Kann ich Ihnen helfen?“
Koch schaute zum Stuhl, in dem noch vor wenigen Augenblicken das außerirdische Reptil gesessen hatte. Er war leer. Hilflos schaute er sich um und konnte den Außerirdischen nirgendwo entdecken. Dem Sicherheitsmann kam das Verhalten des sich hier allein aufhaltenden Mannes merkwürdig vor.

Im Kindle-Shop: SOROS Buch I: Das gestrandete Raumschiff

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16. Juni 2015

"Jori, der kleine Troll - Der Angriff der Wespen" von Marita Sydow Hamann

Der kleine Troll Jori lebt in Trollhausen, einem Trolldorf mitten im Wald. Auch Trolle müssen zur Schule gehen, doch dort lernen sie nicht lesen, schreiben und rechen sondern solch seltsame Dinge wie auf Mäusen zu reiten, leise zu gehen und Bienen zu betören, um an ihren Honig zu gelangen. Mitten im Unterricht über Bienen geschieht es: Die Bienen werden von Wespen angegriffen! Können Jori und seine Freunde Trann und Maila sie retten?

Mit vielen bunten Bildern. Für Erstleser und zum Vorlesen.

Gleich lesen: > > > Auf dem Kindle





Leseprobe:
Der kleine Trolle Jori lebte mit seinen Eltern in Trollhausen, einem kleinen Trolldorf, das tief im Wald lag.
Jori war fünf Jahre alt und besuchte seit einiger Zeit die erste Klasse der Schule für Trollkinder in Trollhausen. In der Trollschule lernten Jori und sein bester Freund Trann so seltsame Dinge wie Leisegehen und sich unsichtbar machen. Und anstatt wie andere, normale Kinder, lernte er nicht Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern Bienenbetören, Mäusereiten und alles Wichtige über das Pilze- und Kräutersammeln.
Ja, Trollhausen war schon ein seltsamer Ort. Die erwachsenen Trolle huschten am helllichten Tag über den Marktplatz, der eigentlich nur eine kleine Lichtung im Wald war. Und obwohl es in Trollhausen vor Trollen nur so wimmelte, würden wir Menschen nichts Ungewöhnliches auf der kleinen Lichtung erkennen.
Erstens sind Trolle nämlich ganz klein – gerade einmal so groß wie ein halber Bleistift – und zweitens können erwachsene Trolle sich unsichtbar machen. Viele Menschen würden die Trolle ganz einfach für einen Pilz oder einen knubbeligen Stein oder für ein besonders knorriges kleines Bäumchen halten.
Trollkinder liefen allerdings nur nachts, wenn es sehr dunkel war, auf der kleinen Lichtung umher, und man sah sie auch nur in Begleitung von Erwachsenen, denn Trollkinder müssen erst lernen, sich unsichtbar zu machen und so leise zu gehen, dass wir Menschen sie nicht sehen oder hören können. Und genau um das zu lernen, gingen Jori und sein bester Freund Trann nun endlich zur Schule.
Jori freute sich meistens auf den Unterricht, aber am meisten freute er sich auf die Mäusereitunterrichtstunden bei Lehrer Wuns, denn Mäusereiten war Joris Lieblingsfach in der Schule. Das Fach, das Jori am aller wenigsten mochte, hieß Menschenkunde. In Menschenkunde lernten die Trollkinder von Trollhausen alles Interessante über uns Menschen. Sie lernten wie groß Menschen waren, was sie aßen und was sie arbeiteten und welche Länder sie bewohnten. Jori fand das alles sehr langweilig. Aber das schlimmste an Menschenkunde war der Lehrer Direktor Tombel. Er war ein großer, sehr böse dreinschauender Troll mit einer riesigen Nase, und Direktor Tombel war ganz furchtbar streng und verstand kein bisschen Spaß. Jori und Trann warteten immer sehnsüchtig darauf, dass der Unterricht bei Tombel endlich vorbei war.
Heute war Montag und Jori und Trann waren auf dem Weg zur Schule. Jori saß hinter Trann und klammerte sich in dem braunen Fell des Schulmaulwurfs fest, der gerade ruckartig um eine Ecke bog.

Im Kindle-Shop: Jori, der kleine Troll - Der Angriff der Wespen: Erstlesebuch, Vorlesebuch

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12. Juni 2015

"Horizon - Aufbruch ins Ungewisse" von Amanda Laurie

Nachdem er fernab der Heimat erzogen wurde, wird der sechzehnjährige Königssohn Corin von seinem Vater an den Hof nach Carbonn beordert. Widerwillig fügt er sich dieser Entscheidung. Doch fühlt er sich auf Burg Carbonn nicht wohl. Selbst das Zusammensein mit seinem älteren Bruder ist für ihn eine Herausforderung, da beide nicht unterschiedlicher sein könnten. Indes verfolgt der König Pläne, die auch das Schicksal seiner Söhne mit einschließen. Denn das magiebegabte Volk von Lindoras ist seiner Familie noch einen Gefallen schuldig, und diesen möchte er endlich einfordern.

Als Corin schließlich von seiner besonderen Gabe erfährt, steckt er bereits mitten in einem großen Abenteuer, bei dem auch Riesenadler eine Rolle spielen …

„Horizon – Aufbruch ins Ungewisse“ bietet eine Mischung aus Abenteuer und Magie. Es ist der Auftakt einer Fantasy-Buchreihe für Leser ab 12 Jahren.

Gleich lesen: Horizon - Aufbruch ins Ungewisse

Leseprobe:
Corins Blick huschte zwischen seinem Vater und dem Ungetüm ... Abernath ... hin und her. Wie konnte man solch einem hässlichen Vieh einen Namen geben? Wieso saß der dämliche Vogel seelenruhig dort und ließ sich streicheln? Und was meinte sein Vater mit »Gefährten im Geiste«?
Corin schluckte, während sein Gehirn versuchte, Antworten auf diese Fragen zu finden. Doch das drückende Gefühl, das sich über seinen Kehlkopf gelegt hatte, wollte nicht schwinden.
Corin vernahm das schlagende Geräusch kräftiger Schwingen. Am Himmel über ihnen kreisten die übrigen Adler.
»Die wollen aber nicht alle hier landen?«, fragte er verunsichert.
»Nein, das hier ist Peronimus‘ Horst. Der einzige Ort, zu dem Menschen Zugang haben. Die übrigen Vögel leben in anderen Felsnischen, im Gebirge verteilt.«
Corin kam nicht mehr dazu zu fragen, wer Peronimus war, denn einer der Vögel schoss steil nach unten ... direkt auf sie zu. Corin taumelte zurück und hätte beinahe den Halt verloren, hätte sein Vater nicht reagiert und ihn am Arm gepackt.
»Verdammt, Junge, nimm dich zusammen!«, schimpfte er. Trotz seiner barschen Worte hörte Corin Sorge heraus.
Ein riesiger Schatten legte sich über die kleine Gruppe. Corin erstarrte. Seine Augen weiteten sich entsetzt. Nie im Leben hätten sie allesamt Platz hier oben! Aber selbst wenn er gewollt hätte, hätte er sich jetzt nicht mehr fortbewegen können. Zu schockiert war er aufgrund des Anblicks. Er sah eine Menge Federn, zwei braune Flügel, kräftige behaarte Beine mit scharfen Krallen – und dann, wie der riesige Körper des Tieres zwischen ihnen zur Landung ansetzte.
Der Vogel legte die Flügel an, hielt den Kopf schräg und schien die Eindringlinge zu mustern, die es gewagt hatten, seinen Horst zu betreten.
Corin hielt den Atem an, immer noch unfähig, sich zu bewegen, und starrte den Neuankömmling an.
»Was geht hier eigentlich vor?«, wisperte er, in der Hoffnung, keines der Tiere aufzuschrecken.
»Das ist Peronimus, der König der Adler.«
Als sei damit alles geklärt, wandte sich sein Vater an den Vogel neben sich. »Peronimus, sei auch du gegrüßt.«
Ein leises Klackern seines Schnabels, dann beobachtete der Vogel Corin. Bryant lehnte währenddessen mit seiner Stirn am Kopf von Abernath, der leise, keckernde Laute von sich gab.
Wie konnte sein Vater so nah an den wilden, gefährlichen Vogel herantreten? Wieso ließ sich ein Raubvogel überhaupt solche Berührungen gefallen? Corin hätte viel eher erwartet, dass das Tier mit einem Schlag seiner Schwingen ihr Leben beendet hätte. Stattdessen klang der Vogel zufrieden und schien die Streicheleinheiten zu genießen.
Corin traute seinen Sinnen nicht. »Was sind das für Tiere? Ihre Größe ist doch nicht normal!«, wisperte er.
Erst jetzt schien sich Bryant zu entsinnen, dass er nicht alleine war. Stolz betrachtete er seinen Sohn.
»Das ist ein Teil deines Erbes, Corin.«
Corin runzelte die Stirn. Er verstand nicht. Das waren Vögel. Bei näherer Betrachtung gar keine so hässlichen, wie er ursprünglich geglaubt hatte. Das braune Gefieder glänzte, stellenweise stachen bei dem einen an den Flügelenden sowie am Bauch helle, fast weiße Federn hervor. Dennoch hatten die Vögel nichts gemein mit einem Menschen. Wie konnten sie Teil seines Erbes sein?
Bryant schmunzelte. »Was glaubst du denn, wie das Wappen der Bryants entstanden ist?«
Corin versuchte, sich zu erinnern, was er darüber gehört hatte. Von irgendeinem Vorfahr war die Rede gewesen, großer Gefahr, irgendeiner Sage. Er hatte nicht genau zugehört, denn er konnte sich erinnern, dass dies eine der Unterrichtsstunden gewesen war, in denen Raoul ihn geärgert hatte. Da war er eher beschäftigt gewesen, diesem unauffällig Konter zu bieten ... und ihm nach der Stunde mit seinen Fäusten das Maul zu stopfen.
Doch diese Antwort würde Bryant nicht erfreuen.

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11. Juni 2015

"Der Fluch der Greystokes: Die Suche" von Emilia Doyle

Emmas Bruder, Jack, ist ein Werwolf. Aufgrund erschreckender Vorfälle in den Vollmondnächten müssen die Geschwister fliehen und erreichen mit ihrem letzten Hab und Gut Bartonvill, die Heimat ihrer verstorbenen Mutter. Hier will Jack das Geheimnis um den grausamen Fluch der Greystokes lüften, den ihm sein Erzeuger Jonathan Greystoke vererbt hat. Auf einer Feier lernt Emma den überaus charmanten Gaven Drumond kennen. Doch dann geschieht in der folgenden Vollmondnacht ein Mord.

Jack, der bei der Toten gesehen wurde, wird verhaftet. Emma ist von seiner Unschuld überzeugt. Sie setzt alles daran, ihn aus dem Gefängnis zu holen. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf dunkle Geheimnisse und auf den mysteriösen Ewan Greystoke, Jacks Halbbruder. Emma gerät in höchste Gefahr.

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Leseprobe:
Der Abend hatte sich entgegen ihrer Erwartung zu einem sehr angenehmen entwickelt. Es war dunkel geworden. Verstohlen schaute sie zum Himmel. Die Wolken waren weniger geworden, sodass sogar einzelne Sterne sichtbar wurden. Der große gelbe Mond warf sein zerstörerisches Licht zwischen den Dächern zweier Häuser hindurch und brach sich in dem breiten Geäst der Bäume. Sie schluckte und wandte innerlich zitternd den Blick ab.
„Es ist Vollmond“, erklärte Drumond unsinnigerweise. „Ein Anblick, der schon Dichter dazu verführt hat, romantische Verse zu verfassen.“
Emma fühlte sich unwohl. Romantik? Was hatte der Mond mit Romantik zu tun? Sie wusste es besser. Dieses Mal war sie froh, als sie Jack auf sich zukommen sah. Da war es ihr auch egal, dass diese Josephine ihn begleitete. Sie hatte sich bei Jack eingehakt und lächelte zuckersüß.
Emma hatte Mühe, nicht erneut die Augen zu verdrehen. Sie gab sich nach außen erfreut, ihre Bekanntschaft machen zu dürfen.
Nach kurzem, peinlichem Schweigen, ging Emma auf, dass es an ihr lag, die Herren miteinander bekannt zu machen. Erleichtert atmete sie anschließend auf, nachdem Jack zwar einen strengen Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, peinliche Kommentare aber ausblieben.
Drumond hingegen schien die Situation eher zu genießen und zeigte die ganze Zeit über ein schiefes, fast schon feixendes Grinsen. Trotzdem lag die Spannung beinah fühlbar in der Luft. Drumond und Josephine kannten einander und begrüßten sich im vertrauten Du, obwohl Emma das Gefühl hatte, dass er wenig erfreut über das Aufeinandertreffen schien.
„Es ist so schade, dass du gehen musst“, flötete Josephine und schmiegte sich dichter an Jack. „Ja, der Ansicht bin ich auch“, er zuckte bedauernd die Schultern und blickte dann Emma an, „aber was soll ich machen? Meine Schwester ist müde und möchte gerne gehen. Tja, so leid es mir tut, aber da muss ich mich wohl ihren Wünschen fügen.“ Er wandte sich mit aufgesetztem Lächeln wieder Josephine zu, die daraufhin eine Schnute zog und sich auf die Zehenspitzen stellte, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern, worauf beide amüsiert lachten.
„Ich könnte Miss Garner zu Ihrer Unterkunft begleiten, wenn Sie gern noch bleiben möchten, Mr. Garner?“, bot Drumond an und vollführte dabei mit seinem Mund Grimassen, als müsste er verzweifelt einen Lachanfall verhindern.
Josephine sprang sogleich auf den Vorschlag an und bettelte Jack mit gekonntem Augenaufschlag förmlich an.
Jack beachtete sie nicht und starrte stattdessen Drumond finster an. „Vielen Dank, aber das erledige ich lieber selbst.“ Seine Stimme klang scharf.
Emma wollte um jeden Preis verhindern, dass es noch einmal zu einer peinlichen Szene kommen würde, und ergriff für ihren Bruder Partei. Immerhin war ihr nur allzu bewusst, dass es höchste Zeit war, zu gehen – wenn auch aus anderen Gründen.
Nachdem sie sich von dem Brautpaar verabschiedet hatten und sich auf dem Weg zur Pension befanden, ließ Emma ihren Unmut freien Lauf. „Sag mal, was sollte das eigentlich? Du hast mich vor Drumond unmöglich gemacht. Musste das sein?“
Jack legte ein derart zügiges Tempo vor, dass sie Mühe hatte, mit ihm Schritt zu halten und war etwas außer Atem.
Jack stoppte so abrupt, dass sie heftig gegen ihn stieß. „Halt dich von dem Kerl fern.“ Verärgert starrte er sie an.
„Ach ja? Und warum?“, langsam wurde sie wütend. „Er war sehr nett und freundlich, was man von dir nicht behaupten konnte. Du hast dich unmöglich aufgeführt.“
„Ich mag den Kerl nicht“, knurrte Jack unbeeindruckt.
„Oh, ist mir nicht entgangen.“ Emma und warf die Arme in die Luft. „Gibt es dazu auch eine Begründung?“
„Seine Augen.“
„ Seine Augen?“, wiederholte Emma fassungslos. „Du magst ihn nicht, weil dir seine Augen nicht gefallen? Das ist doch wohl ein Witz. Drumond ist …“
Jack packte sie grob an den Schultern und Emma erstarben die Worte, die ihr eben noch auf der Zunge lagen. Diese Augen, das waren nicht Jacks Augen. Es waren die Augen der Bestie in ihm. Sie schluckte schwer, ein kalter Schauder durchfuhr ihren Körper. Sie sollte ihn nicht reizen, nicht jetzt. Wut konnte seine Verwandlung beschleunigen, das hatte Jack ihr mal erzählt.
Sie war einmal Zeuge seiner Verwandlung geworden. Nie wieder wollte sie das erleben müssen. Allein bei dem Gedanken drohte sich, ihr der Magen umzudrehen.
Ihre Schultern schmerzten, als Jack sie losließ, aber sie widerstand dem Drang, sie zu reiben. Stumm, wie ein getadeltes Kind sah sie zu Boden.
Jack entfuhr ein eigenartiger Laut.
Sie blickte auf.
Er schielte zum Mond hinauf und nahm den Weg wieder auf.
Schweigend tat Emma es ihm gleich. Wenigstens ging er etwas langsamer, sodass sie neben ihm laufen konnte.
Er bewegte in merkwürdiger Art und Weise seine Hand, als versuche er, einen Krampf zu lockern. Die Finger hielt er gespreizt und krallte sie wieder zusammen. Sie zwang sich, den Blick abzuwenden und starrte auf ihre Füße.

Im Kindle-Shop: Der Fluch der Greystokes: Die Suche

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9. Juni 2015

"Nepomucks Abenteuer" von Christine Erdic

Nepomuck ist ein lustiger kleiner Kobold, der mit seiner Familie in einem Kobolddorf in Norwegen wohnt. Er hilft dem Weihnachtsmann beim Geschenke verpacken in der Weihnachtswerkstatt und landet aus Versehen in einem dieser Päckchen. So tritt er nun im Schlitten des Weihnachtsmanns seine Reise in die Welt der Menschen an. Welch spannende Abenteuer wird Nepomuck dort wohl erleben und wird er bei den Menschen ein neues Zuhause finden?

Gleich lesen: > > > Auf dem Kindle







Leseprobe:
In der Nacht gibt es ein Gewitter, und am nächsten Tag regnet es. Wir können nicht raus, weil die Lichtung matschig ist und langweilen uns im Zelt.
„Zum Glück ist das Ding wasserdicht.“, meint Vater. Ich schaue nach draußen. Es regnet Bindfäden, und die Kobolde lassen sich nicht blicken. Wie langweilig!
„Ich habe Hunger!“, murrt Lily verdrossen. Aber außer Keksen und Limonade ist nichts mehr im Zelt. Es hilft alles nichts, Vater muss zum Auto und Konserven aus dem Kofferraum holen. Er kommt völlig durchnässt und mit zwei prall gefüllten Tüten zurück. H- Milch und Schokopulver hat er auch mitgebracht, sehr gut. „Du bringst den ganzen Matsch mit ins Zelt!“, ruft Mutter verärgert. „Na, meine Schuhe kann ich bei dem Regen aber nicht draußen lassen!“ Vater ist nun ebenfalls sauer und stellt die nassen Schuhe mitten im Weg ab. Unser Zelt besteht aus zwei Teilen, der vordere Teil dient zum Essen und Wohnen und die Kabine hinten zum Schlafen. Im vorderen Teil steht nur ein kleiner roter Tisch mit zwei daran befestigten Bänken. Alles aus Plastik und abmontierbar. Vater öffnet Konserven mit Rindfleisch, Mettwurst und Ananas. Dazu gibt es Zwieback und kalten Kakao.
Es kruschelt am Eingang und Nepomuck steckt seinen nassen Kopf durch die Öffnung.
„Dürfen wir reinkommen?“, fragt er höflich. Kurz darauf wimmelt das Zelt nur so von Kobolden, die ihre schlammigen Fußabdrücke überall hinterlassen. Mutter verdreht die Augen. Die kleinen Gäste verschmähen unser Dosenfutter und halten sich lieber an die Kekse.
„Hoffentlich regnet es nicht tagelang.“, seufzt Vater missmutig. Nepomuck schüttelt den Kopf: „Nein, Dauerregen ist hier selten. Meist regnet es nur kurz mal ab. Ihr werdet sehen, bald scheint die Sonne schon wieder!“ Das klingt beruhigend und das Frühstück schmeckt gleich doppelt so gut. Das finden die Kobolde auch und krümeln mit vereinten Kräften den ganzen Zeltboden voll. Mutter stöhnt leise. Plötzlich fragt Nepomuck mit vollem Mund: „Weiß denn keiner eine Geschichte? Es ist so langweilig!“
Da meldet sich eine ältere Kobolddame mit Knubbelnase und einem flotten Knoten im schneeweißen Haar zu Wort. „Spricht sie denn kein Deutsch?“, frage ich Nepomuck enttäuscht. „Nöö, nur Koboldisch, Norwegisch und Rumänisch. Aber keine Bange, ich übersetze euch die Geschichte. Sie erzählt nämlich die Koboldsaga der Familie Karamio. Und sie ist meine Großmutter, müsst ihr wissen!“ Dann beginnt die Oma zu erzählen, und Nepomuck übersetzt:
„Also, vor langer Zeit einmal, da wohnten unsere Vorfahren in den Karpaten im wunderschönen Land Rumänien. Sie lebten in den tiefen dunklen Wäldern, in die nie ein Sonnenstrahl dringt. Dort verbargen sie sich in einfachen Erdhöhlen und ernährten sich bescheiden von den Früchten des Waldes. Ganz in der Nähe gab es jedoch ein düsteres altes Schloss, das von den Menschen des Dorfes gemieden wurde. Uns war das ganz recht, denn so hatten auch wir unsere Ruhe. Wir wussten, dass es keine freundlichen Menschen waren, die dort am Waldrand wohnten. Wir mochten das Schloss, und des Nachts flogen unzählige Fledermäuse um seine Türme. Das Schicksal wollte es, dass der Graf, der in dem Schloss wohnte, eines Tages durch unser Gebiet ritt und vom Pferd stürzte. Er fügte sich dabei eine furchtbare Wunde zu, und gutmütig wie wir Kobolde nun einmal sind, eilten wir ihm zu Hilfe. Wir haben immer spezielle Salben und Tinkturen für derartige Fälle zur Hand, müsst ihr wissen.
Nun, wir pflegten den Grafen also gesund. Ich war damals noch ein kleines Mädchen, aber ich kann mich ganz genau an alles erinnern. Der Graf bedankte sich und lud uns von da an immer öfter in sein prächtiges Schloss ein, wo er uns Kekse und edlen Wein servieren ließ. Bis dahin hatten wir uns hauptsächlich von Waldbeeren und Tannenzapfen ernährt.
Nun, eines Abends waren wir gerade wieder einmal zu Besuch im Schloss und knabberten unsere rotbraunen Kekse, sie waren ganz besonders knusprig und hatten einen leicht salzigen Geschmack, wirklich delikat, sage ich euch, da wurde es draußen plötzlich laut. Menschen, Hunderte von Menschen mit brennenden Fackeln in den Händen stürmten das Schloss. Wir mussten fliehen, denn sie steckten das Schloss in Brand. Mit Mühe und Not konnten wir entkommen.“ Die alte Dame sieht aus, als würde sie alles noch einmal erleben. Die Spannung knistert förmlich im Zelt und wir halten unwillkürlich den Atem an.
„Der Graf nahm uns mit, quer durch Europa ging unsere Flucht auf der Suche nach einer neuen Heimat. So kamen wir eines Tages auch nach Norwegen. Die schönen tiefen Wälder erinnerten uns so sehr an unsere alte Heimat, dass wir beschlossen, hier zu bleiben. Der Graf aber zog weiter in ein Land namens England. Dort wollte er nach Verwandten suchen. So trennten sich unsere Wege und wir haben nie wieder von ihm gehört. Aber etwas von ihm ist uns für immer erhalten geblieben.“ Sie lächelt verschwörerisch in die Runde und zeigt dabei zwei spitze Eckzähne. Mir läuft ein wohliger Schauer über den Rücken. „Ja, etwas ist uns geblieben aus unserer Zeit mit dem liebenswürdigen Grafen: unsere Vorliebe für Kekse. Auch wenn wir den speziellen Geschmack noch nicht ganz hinkriegen. Wir haben schon alle Früchte, die wir kennen in den Teig gegeben, aber es ist nie ganz derselbe Geschmack!“

Im Kindle-Shop: Nepomucks Abenteuer

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