31. März 2014

"Ein Licht hinter der Tür" von Janka Jakobi

Eine Reiseerzählung aus dem Jenseits. Nach einer Operation wacht Ursula nicht im Krankenhaus, sondern im Jenseits auf - und stellt fest: den Tod gibt es überhaupt nicht ... und 'der Tod ist eine echt einfache Angelegenheit'. Ursula trifft auf Celine, ihre Seelenbegleiterin, die sie an der Decke des Operationssaales in Empfang nimmt. Celine führt sie in eine neue Welt ein und begleitet sie durch beängstigende, verwirrende und beglückende Erlebnisse. Ursula gewinnt tiefe Einsichten in ihr Dasein, in ihre Existenz.

Ursulas Tochter Sabine versucht derweil im Diesseits mit ihrer Trauer zurecht zu kommen und den Nachlass ihrer verstorbenen Mutter zu regeln. Schließlich verarbeiten beide ihr gemeinsames Leben als Mutter und Tochter: Sabine im Diesseits, Ursula im Jenseits und zusammen in einer Zwischenwelt, die Sabine im Traum betreten kann.

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Leseprobe:
Ich bin ganz leicht. Geradezu beschwingt. Ich sehe alles von oben. Menschen in grünen Kitteln sind ganz aufgeregt. In der Mitte ist ein länglicher Tisch. Darauf liegt jemand. Neben dem langen Tisch steht ein kleiner Tisch. Darauf liegen allerhand Geräte. Messer, Skalpelle, Scheren und weiteres Werkzeug, das ich nicht näher zuordnen kann. Die Menschen in den grünen Kitteln, wahrscheinlich Ärzte, versuchen aufgeregt etwas mit demjenigen, der da auf dem Tisch liegt, zu machen. Ich träume wohl gerade von einer Operation. Kein Wunder bei den vielen, die ich jetzt schon hinter mir habe. Interessant ist, dass ich alles von oben betrachte. Lass sie nicht sterben. Bitte nicht. Sie hat bis hierhin so tapfer durchgehalten. Ritte nicht…Wessen Stimme ist das? Ich glaube, ich höre die Gedanken der im Raum anwesenden Menschen. Oh nein, sie wird es nicht schaffen. Ich frage mich, um welchen armen Teufel es sich da auf dem OP-Tisch handelt. Scheint nicht gut um ihn zu stehen. Plötzlich werden alle im Raum ganz ruhig. Seltsam. Ihre Bewegungen werden langsamer. Sie drehen an den Knöpfen der Geräte, die um den Tisch herum aufgebaut sind. Die Person auf dem Tisch ist durch mehrere Kabel mit den Geräten verbunden. Nachdem die Ärzte an den Knöpfen gedreht haben, entfernen sie die Kabel von der Person, dann ziehen sie ihr ein weißes Tuch über den Körper. Die Person auf dem Tisch scheint soeben gestorben zu sein. Ja, so kann es gehen. Ganz schnell. Ich sehe einen Mann, der sich seinen grünen Mundschutz langsam über den Kopf streift. Er sieht erschöpft und unendlich traurig aus. Ich zoome näher heran und erkenne Dr. Hilbig. Dr. Hilbig? Wen hat er denn da gerade operiert? Er sollte doch mich jetzt eigentlich unter seinem OP-Messer haben? Wieso hat er denn jemand anderen operiert? Ich versuche mich bemerkbar zu machen. „Dr. Hilbig? Dr. Hilbig…“ Aber er reagiert nicht.
„Er kann dich nicht hören.“, sagt eine Stimme links neben mir. Ich schaue mich um. Da ist eine Frau. Sie lächelt mich an. Wer ist sie? Sie kommt mir seltsam vertraut vor. Aber ich erkenne sie nicht. Ich habe sie noch nie in meinem Leben gesehen. Meint die wirklich mich? Oder ist da noch jemand? Aber sie scheint mich zu meinen. Wie ich schwebt sie in der oberen linken Ecke des Raumes. Ich bin irritiert. Das ist bestimmt noch die Auswirkung der Narkose. Man hört ja schon mal, dass man so allerlei Phantasien während der Narkose hervorbringt. Ich habe sogar mal gelesen, dass man dann alles von oben sehen kann.
„Nein, die Narkose ist es nicht. Du träumst auch nicht.“
Mir wird langsam mulmig. Was hat das hier alles zu bedeuten? Wer ist diese Frau?
„Die Person auf dem Tisch da, das bist du. Du bist soeben gestorben.“
„Ich? Blödsinn! Ich bin doch da! Hier….“, sage ich, und während ich an mir herunter sehe, bemerke ich eine leichte Durchsichtigkeit meines Körpers. Das muss eine sehr heftige Narkose gewesen sein.
„Doch Ursula. Du bist eben gestorben, aber wie du richtig feststellst, lebst du auch noch. Nur deine Zeit auf der Erde ist soeben abgelaufen“, sagt diese seltsame Frau nüchtern.
Ihre Lippen bewegen sich beim Sprechen keinen Deut, obwohl ich ihre Worte klar und deutlich höre. Aber was sagt sie denn da? Ich soll der arme Teufel da unten sein?
„Abgelaufen?“, frage ich, „Wie meinst du das?“ Ich stelle plötzlich fest, dass mein Körper nicht schmerzt. Er schmerzt seit den letzten sechs Monaten eigentlich dauernd. Außer wenn ich schlafe. Dann habe ich Ruhe. So wie jetzt.
„Du schläfst nicht. Du träumst auch nicht. Du bist nur gestorben. Du hast die Ebene gewechselt. Hier gibt es keine körperlichen Schmerzen. Deine Zeit ist soeben abgelaufen.“
Absurderweise fällt mir gerade jetzt die Zeile eines Sankt-Martin-Liedes aus meiner Kindheit ein: Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus. Rabimmel rabammel rabum bum bum …

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30. März 2014

'Rettende Engel' von Ingrid Glomp

Ein Kaha-Fischer-Krimi. Eltern sollen für ihre Kinder sorgen und sie beschützen. Rena Karst hat das nicht getan. Wurde sie deshalb ermordet? Kaha Fischer ermittelt im Mordfall Rena Karst, einer Frau, die ihre Kinder oft tagelang allein ließ. Wollte der Täter den Kindern helfen? Der Vater der Ermordeten ist Mitglied der „Rettenden Engel“, die sich militant für vernachlässigte Kinder einsetzen. Auch Sandra, eine engagierte Sozialarbeiterin, ist in den Fall verwickelt.

Gleichzeitig ruft der 17-jährige Cem, der einen Penner getötet haben soll, in Kaha Erinnerungen an seine eigene schwierige Jugend wach – und an die Menschen, die damals seine „rettenden Engel“ waren.

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Leseprobe:
„Noch einen auf den Weg und dann geh ich.“ Rena Karst hielt dem Wirt ihr Glas hin. Sie war eine zierliche Blondine, deren Haar schon bessere Zeiten gesehen hatte. Die Spitzen zerfaserten strohig und am Ansatz zeigte sich zentimeterbreit die natürliche braune Farbe. Rena war die einzige Frau in der heruntergekommenen Mannheimer Stadtrandkneipe. Trotzdem beachtete sie niemand.
Die Männer umlagerten die Theke. Sie grölten und lachten. Der Grund für die Feier war auf dem Tresen zu besichtigen: ein großer Berg Geldscheine.
Routiniert kippte Rena den Schnaps hinunter. Sie griff sich ein großes Bündel von Scheinen, drehte sich zu dem Mann neben ihr um, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn leidenschaftlich.
Mirko Kerner, Ende zwanzig, genau wie Rena, umfasste sie und zog sie zu sich heran. „Ach, komm. Ein paar Minuten kannst du sicher noch bleiben. Jetzt geht’s doch erst richtig los.“
Rena entwand sich seinen Armen. „Nee, ich muss jetzt. Bis morgen.“
Sie stopfte das Geld in ihre Umhängetasche und trat aus dem Kneipendunst hinaus in die klare, kühle Nachtluft.

Die Musik in der Wohnung der Marewskis war voll aufgedreht und die Bässe wummerten so gewaltig, dass die Möbel und die Fensterscheiben zu vibrieren schienen. Im Fernsehen lief unbeachtet ein Sportsender. Der Herr des Hauses stand in der Küche im Unterhemd vor dem geöffneten Kühlschrank und schaute missmutig hinein. Dann brüllte er über die Schulter: „Verdammte Scheiße, wieso ist schon wieder kein Bier da? Wo bist du überhaupt, du Schlampe? Komm her, wenn ich mit dir rede.“
Nadine, seine Frau, tauchte aus dem Kinderzimmer auf und betrat zögernd die Küche. Hinter ihr versteckte sich ein kleiner Junge. Sie zeigte zaghaft auf die leeren Flaschen, die den Küchentisch bevölkerten. „Ich habe gestern erst Bier gekauft.“
„Und siehst du hier jetzt vielleicht welches? Kriegst du denn gar nichts gebacken?“
„Angelina war heute krank und da …“
„Das ist mir doch scheißegal, du dumme Kuh.“ Marewski zog seine Frau in die Küche und schubste sie gegen den Tisch. Einige der Flaschen kippten um und eine rollte vom Tisch und fiel auf den klebrigen Fußboden. Zu Nadines Erleichterung blieb sie ganz.
Marewski hatte inzwischen ein anderes Ziel für seinen Zorn gefunden. Er trat nach dem Jungen. „Und was machst du hier? Schlaf endlich. Bier und meine Ruhe, ist das denn zu viel verlangt?!“ Mit diesen Worten stürmte er aus der Wohnung und schlug die Tür hinter sich zu.
Nadines Blick wechselte von verängstigt zu hasserfüllt. Mit einem Klick der Fernbedienung stellte sie die Musik aus.

Rena Karst stöckelte mit unsicheren Schritten eine Straße zwischen heruntergekommenen Mehrfamilienhäusern entlang. Die wenigen Laternen, die noch funktionierten, weil die gelangweilten, steinewerfenden Jugendlichen der Siedlung sie verfehlt hatten, beleuchteten die Szenerie nur sporadisch. Zum Glück schien der Mond hell genug, dass Rena ihren Weg halbwegs ausmachen konnte. Die Schatten zwischen den Häusern und in den Hauseingängen hätten bedrohlich wirken können — wäre sie nicht zu betrunken gewesen, um sie wahrzunehmen. Sie unterschätzte die Höhe der Bordsteinkante, stolperte und wäre um ein Haar der Länge nach auf dem Bürgersteig hingeschlagen.
„Verdammt“, entfuhr es ihr und der Klang ihrer eigenen Stimme ließ sie aufschrecken. Doch dann zuckte sie die Schultern und betrat einen Trampelpfad, der quer über ein unbebautes Grundstück führte.
War da ein Geräusch hinter ihr? Schritte, ein Rascheln im hohen Gras?
Langsam, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, drehte sie sich um.
Das Gesicht kannte sie doch.
„Was ist denn jetzt schon wieder?“, fragte sie genervt.
Einen Moment später zerriss ein Schrei die Stille.

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29. März 2014

"Durch Tod heilbar" von Bernd Niklas

Ein dramatischer Wissenschaftsroman. Was darf ein Leben kosten? Und Überleben um jeden Preis? Entfremdet uns vielleicht die moderne Medizin von unserer Menschlichkeit oder sind die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft die gesuchte Chance, die erhoffte Rettung? Sowohl für Sven und Heidi als auch für das Management der OnkoPharm AG sind diese Fragen plötzlich keine ferne Theorie mehr.

Sven steht auf der Sonnenseite des Lebens als eine Krebsdiagnose dieses bedroht. Seine Beziehung zu Heidi wird auf eine harte Probe gestellt, zumal Heidi gleichzeitig an zwei Fronten kämpfen muss. Ihr Arbeitgeber, die wirtschaftlich angeschlagene OnkoPharm AG, hat eine neuartige Krebstherapie entwickelt. Diese bahnbrechende Entdeckung der Krebsforschung könnte Svens Lebens retten. Gleichzeitig dürfte dadurch auch das wirtschaftliche Überleben der OnkoPharm AG gesichert sein. Allerdings wird schnell klar, die Therapie hat einen unerwarteten Haken. Und das führt alle Beteiligten in ein unlösbar erscheinendes Dilemma.

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Leseprobe:
Licht.
Gelb.
Nein … hell.
Ich sehe? … Weiß.
Aber wieso sehe ich?
Ich bin gar nicht müde.
Und … ich spüre … nichts!
Kein Brennen. Überhaupt keinen Schmerz.
Ich bekomme Luft … nicht künstlich, sondern echt!
Fühlt sich kühl und frisch an. Spüre … Ja! Keinen Schlauch!
Ich habe riesigen Durst. Tatsächlich? Hatte ich schon ewig nicht mehr.
Ob eine Wasserflasche hier ist? Da, ich hab den Kopf gedreht. Hab ich mich bewegt?
Aber ich empfinde doch nichts. Ich fühle überhaupt keinen Schmerz. Bin ich jetzt tot?
Das kann nicht sein! Die Luft hier riecht deutlich … nach … Putzmitteln und … ja, nach Schnee.
Ich sehe ein Fenster. Dahinter einen Park. Kahle Bäume, Sträucher und eine Wiese unter weißem Tuch. Zwei große schwarze Krähen, die über den Schnee stolzieren und orange Beeren von einem Busch zupfen.
„Sehen Sie“, die Stimme erschreckt mich. Ich erinnere mich an sie. Professor Hilbing. Der neue Arzt mit der neuen Therapie. Ich habe sein Kommen nicht bemerkt. „Hab ich es Ihnen nicht gesagt? Es gibt immer Hoffnung! Dank meiner Therapie werden Sie bald wieder draußen spazieren gehen können.“

... UND NICHTS IST MEHR WIE ZUVOR!
„Apotheke heute - Themenheft Krebs“:

>> Tumorleiden: Der Kampf gegen Krebs geht alle an!
Düstere Prognose - in wenigen Jahren doppelt so viele Krebskranke
Frankfurt. In Deutschland leben über 1,5 Mio Menschen mit einer Krebserkrankung! Tendenz steigend! Der Zuwachs beträgt, nicht zuletzt aufgrund optimaler medizinischer Diagnostik, seit 1980 bei Frauen +40 % und bei Männern sogar +85 %.
Jede Minute kommt ein Krebskranker hinzu.
Jährlich kommen über 500 000 Neuerkrankungen hinzu. Gleichzeitig sterben jedes Jahr weit mehr als 250 000 Menschen an Krebs. Damit ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Stand dabei vor 50 Jahren der Magenkrebs noch an erster Stelle, sind es heute der Brustkrebs der Frau und der Prostatakrebs des Mannes.
Weil 75% aller Patienten älter als 60 Jahre sind, könnte Krebs auf den ersten Blick leicht als Alterserkrankung erscheinen. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass gut 25 % der Patienten deutlich jünger sind. Und diese Menschen stehen noch voll im Arbeitsleben. Zu den hohen Kosten für die modernen Therapien addieren sich zusätzlich die Kosten des krankheitsbedingten Arbeitsanfalls. So wird klar, warum Krebserkrankungen diese immense volkswirtschaftliche Bedeutung haben. Nur eine Gesellschaft als Ganzes kann eine derartig hohe und wachsende Belastung tragen. Der Kampf gegen den Krebs lässt deshalb sowohl den einzelnen Menschen als auch ganze Volkswirtschaften leiden. <<

Landeanflug Düsseldorf, Sonntag, 18. Dezember, 13.20 Uhr
Fliegen kann also tatsächlich ein Vergnügen sein!
First Class. Hatte Heidi ihm geschenkt. Sie hatte ohnehin alles organisiert, die ganze Reise vom Flug über das Hotel bis hin zu dem besonderen Untersuchungstermin heute in der Uniklinik bei Prof. Dr. Dirk Unkelbach.
Sven genießt es, so zu fliegen, umgeben von diesem ihm ungewohnten und ungeahnten Komfort. Alles hier ist auf Wohlfühlen ausgerichtet. Die Stewardessen lesen ihm jeden Wunsch von den Lippen ab. Selbst der Sitz, sonst angesichts seiner stattlichen 1,95 m immer zu klein, ist echt klasse, ganz besonders in der Schlafposition. Kein Wunder, dass ihn deshalb die Stewardess vor ein paar Minuten hatte wecken müssen.
Wider Erwarten hatte ihn dieser Komfort den Anlass seiner Reise vergessen lassen und er hatte den Großteil des Fluges verschlafen.

Sven streckt und dehnt sich. Einen duftenden Kaffee, zwei Croissants und ein Glas frisch gepressten Orangensaft hatte die Stewardess lächelnd neben ihm abgestellt. Bisher hat er nur den köstlichen Geruch genossen, lediglich kurz am Kaffee genippt. Heiß, schwarz, stark. So mag er ihn. Allerdings muss er immer häufiger feststellen, dass er ihn nicht mehr verträgt und ihm schnell danach übel wird. Deshalb lässt er den Kaffee schweren Herzens stehen und isst die Croissants nur mit dem Orangensaft. Sven wischt sich eine blonde Strähne aus der sonnengebräunten Stirn, spielt immer wieder gedankenverloren mit dem Gummiband seines Pferdeschwanzes. Dabei ist sein Blick auf die Wolken vor dem Fenster gerichtet. Wirklich wahr nimmt er sie freilich nicht. Seine Gedanken drehen sich um die bevorstehende ärztliche Untersuchung. Er fühlt sich unbehaglich bei dem Gedanken daran. Anders als Heidi hält Sven es in seinem Innersten für möglich, dass die Diagnose der Ärzte in Kapstadt kein Fehler gewesen sein könnte.
Gänzlich in seine Betrachtungen vertieft, erfasst Sven nur am Rande, dass der Flieger sich langsam Düsseldorf nähert und die Landung bald bevorsteht.
Ein oder zwei Wochen nach Heidis letztem Besuch … Anfang Oktober … hat dieser Scheiß angefangen. Hab mich da weder richtig krank noch schlecht, lediglich tierisch schlapp gefühlt. O. K., übel war mir immer wieder. Und dann oft Durchfall.
Das kann Sven absolut nicht brauchen, nicht in seinem Job. Frühling und Sommer sind für Sven als Kitesurftrainer Hochsaison. Da verdient er das Geld zum Leben. Immer mehr vom Kitesurfen begeisterte US-Amerikaner und Europäer finden schließlich den Weg nach Kapstadt zum Bloubergstrand. Längst ist dieser tolle Sport kein echter Geheimtipp mehr.
Irgendwann hatte Sven es nicht mehr ausgehalten und war doch zum Arzt gegangen. Sein letzter Arztbesuch war da Jahre her. Er tastet nach der großen Narbe auf dem rechten Oberschenkel.

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28. März 2014

"Solom: Der Wanderprediger" von Scott Nicholson

Ein Roman, der das Gruseln lehrt. Die kleine Bergstadt Solom hütet das dunkle Geheimnis des Wanderpredigers Harmon Smith, der einst durch die Berge ritt, um die Menschen zu bekehren. Dann jedoch wurde er wegen seiner seltsamen religiösen Gepflogenheiten umgebracht. Seine Leiche liegt in drei verschiedenen Gräbern begraben. Obwohl er seit über hundert Jahren tot ist, haben die Solomer ihn nicht vergessen. Sie sitzen um den alten Ofen im Tante-Emma-Laden und erzählen sich flüsternd die alten Geschichten.

In der kleinen weißen Kirche beten sie dafür, nicht von ihm geholt zu werden, und sie müssen immerzu an ihn denken: beim Heumachen, bei der Maisernte, bei der Gartenarbeit. Denn vor kurzem ist eine geheimnisvolle Gestalt mit schwarzem Hut aufgetaucht, und des Nachts hallen Hufschläge aus der Ferne. Die schlummernden Geister von Solom sind erwacht. Die Ziegen werden unruhig. Mit vereinten Kräften wollen sich die Bergstädter gegen die dunkle Macht wehren, die sie zu zerstören droht. Denn Harmon Smith, der Wanderprediger, ist wieder da. Er ist gekommen, um alte Rechnungen zu begleichen. Und bezahlt wird mit Blut.

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Leseprobe:
Mäusedrecker.
Sarah Jeffers fegte mit dem Besen um den Ladentisch. Das gute Stück aus dunklem Ahornholz stand gleich neben der Eingangstür des Tante-Emma-Ladens von Solom. Wohl zwei Millionen Mal waren Geld und Waren über diesen Ladentisch gegangen, und das sah man ihm auch an. Die meisten Lampen waren schon ausgeschaltet, denn es war kurz vor Ladenschluss. All die Puppen, Werkzeuge, Kunsthandwerksartikel aus den Bergen und der ganze andere Plunder, der von den Deckenbalken herabhing, warfen lange Schatten an die Wand. Nach all den Jahren in diesem Laden war ihr der Geruch von Tabak, Holzofenrauch, Cola und Schuhwichse in Fleisch und Blut übergegangen.
Als das Geschäft eröffnete, erlebte die Stadt gerade ihre Blütezeit, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Damals fuhr die Holzindustrie ihren großen Angriff auf die Laubhölzer der Gegend. Am Bahnhof war ein ständiges Kommen und Gehen. Mit der Eisenbahn waren auch Sarahs Großeltern aus Pennsylvania in die Berge gekommen. Die Jeffers – früher trugen sie den Familiennamen Jaffe – bauten den Laden praktisch aus dem Nichts auf. Sie sammelten Flusssteine für das Fundament, handelten und tauschten, um ihren Warenbestand zu vergrößern, ja sie zogen sogar ihre eigenen Arbeitskräfte heran. Sie waren Juden, aber das war den Leuten egal, denn sie hielten ihren Gottesdienst hinter verschlossenen Türen im Wohnzimmer ab. Hauptsache der Laden war samstags und sonntags geöffnet. Als auf den Hängen nur noch Stümpfe standen und die Holzfäller weitergezogen waren, schlossen die Sägewerke. Danach schien es, als liefen die Uhren rückwärts. Der Damm am Flussufer begann zu zerfallen, und die kleine Siedlung, die rund um das Sägewerk entstanden war, war nach und nach dem Verfall preisgegeben. Zwar gaben sich ab und zu die ersten Fords ein Stelldichein auf den staubigen Bergstraßen. Am Steuer saßen meistens Holzbarone, die nach ihren Investitionen sehen wollten. Dennoch waren vor allem Pferdefuhrwerke Zeugen des schleichenden Todes der Stadt. Als die Weltwirtschaftskrise kam, war Solom nur noch eine Durchfahrtsstation an der Virginia Creeper Eisenbahnlinie. Dann kam das Hochwasser von 1940 und riss den Bahnhof mit sich fort, ebenso wie ein Drittel der noch verbleibenden Gebäude und ein Dutzend Menschenleben.
Sarahs Großeltern waren im Abstand von wenigen Wochen gestorben. Ihre drei Kinder stritten sich darum, wer hier bleiben und den Laden fortführen musste. Sarahs Vater Elisha zog den Kürzeren. Er nahm sich unverzüglich eine Baptistin der alten Schule zur Frau, denn sie konnte Plus und Minus rechnen und wusste sich ruhig zu verhalten. Sie hieß Laurel Lee. Der Tante-Emma-Laden stand die ganze Zeit unbeirrt auf seiner kleinen Anhöhe über dem Fluss. Mit den Zeiten wandelte sich auch das Warenangebot. Tabakbeutel und Zigarettenpapier machten Platz für Marlboro Filterzigaretten, Lackritzstangen verschwanden aus den Regalen, die nun mit Schokoriegeln gefüllt wurden. Früher lag ein Versandhandelskatalog neben der Kasse, der es den Familien aus den Bergen ermöglichte, praktisch alles zu bestellen, was man auch im mondänen New York kaufen konnte, doch in der Clinton-Ära war der Katalog verschwunden und durch einen Computer ersetzt worden. Sarah traute dem Ding nicht. Sie nannte ihn »Schleimiger Willi« und hegte sogar den Verdacht, dass er ab und an einen Dollar verschlang. Und so blieb der Bildschirm schwarz, außer wenn Gretta Dienst hatte, die Studentin mit den dicken Knöcheln, die manchmal im Laden aushalf.
Der Computer war eines der wenigen Dinge, die etwas Modernität in den Laden brachten. Außer vielleicht noch die Unmengen an billigen Kunstgewerbsartikeln aus Fernost, die original und authentisch aussehen sollten. An der Wand hingen rostige Werbeschilder, Werkzeuge, die man auf dem Bauernhof brauchte, und Regale voller geriffelter Glasflaschen. All diese Dinge verstärkten den Eindruck, dass der Laden aus einer längst vergangenen Zeit stammte, als das Leben noch in Ordnung war. Sarah glaubte zwar selbst nicht an diese Illusion, aber sie verkaufte sie. Es war einfacher, sein Geld mit Sachen zu verdienen, für die die Leute gern etwas ausgaben, als immer wieder seinen paar Kröten hinterherzurennen.
Sarah war in dem Laden groß geworden. Sie hatte Staub gewischt auf den Regalen und in ihrem einfachen Baumwollkleidchen eingelegte Eier abgezählt. Sie erinnerte sich noch daran, wie das erste WC im Haus eingebaut wurde, so dass man nicht mehr aufs Klohäuschen rennen musste, um seine Notdurft zu verrichten. Damals war sie gerade mal vier, und sie hatte eine Höllenangst vor dem Rauschen der Wasserspülung gehabt. Aber noch fürchterlicher fand sie es, ihren nackten Hintern über das stinkende Plumpsklo im Aborthäuschen zu hängen. Schon damals war sie immer mit dem Besen unterwegs gewesen und hatte sich gewundert, was das für kleine schwarze Krümel waren, die zwischen den herumflirrenden Haaren und Zuckerkristallen, den Grashalmen und dem ganzen Dreck lagen.
»Mäusedrecker«, hatte Laurel Lee dann immer gesagt. »Für eine Maus ist ein Laden wie unserer das reinste Himmelreich.« Sarah hatte sich die Mäuse immer als glückselige Wesen vorgestellt, die unter den Dielen herumhuschten und deren einzige Sorge es war, wie sie es schaffen sollten, sich durch all die Säcke mit Saatgut zu knabbern und die Ecken der Cornflakespackungen aufzubeißen. Doch nachdem sie nun seit fast siebzig Jahren ihren verdammten Dreck wegkehren musste, war sie kurz davor, sie alle zum Teufel zu wünschen.
Wenigstens hatte sie jemanden, den sie für die komischen Geräusche in den Gängen verantwortlich machen konnte. Sie war nicht gern allein im Laden, aber das Geld reichte schon so kaum für die zwei Aushilfen. Und so hatte sie sich in den vergangenen Jahrzehnten die Zeit mit dem Besen vertrieben und die Beweise ignoriert, die ihre Ohren lieferten. Sie dachte einfach nicht an die Vogelscheuche. Über der Fliegengittertür läutete die Klingel. Es war zehn nach sieben, der Laden hatte zu, aber sie hatte die Tür nicht abgeschlossen. Vom Vordach fiel ein gelber Lichtstrahl auf den Eingangsbereich. Im Gegenlicht sah Sarah einen gewaltigen Schatten.

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27. März 2014

'Blut und Harz - Der Orden erwacht' von Timo Leibig

Thriller mit einem erfrischenden Mix aus Mystery und Fantasy. Ein verheerender Tornado fegt über die deutsche Hauptstadt, Großbritannien versinkt im Schneechaos und die spanische Küste wird von einem gewaltigen Tsunami überflutet. Doch den Hotelbesitzer und Investor Erik Ritter plagen ganz andere Sorgen: Ein kleines Kloster in Mittelfranken stellt sich seinem neuesten Hotelprojekt in den Weg, ein alter Bekannter taucht nach Jahrzehnten plötzlich wieder auf und Eriks Sohn Elias wird bei einem Autounfall lebensgefährlich verletzt.

Als dann auch noch ein osteuropäischer Auftragskiller nach Eriks Leben trachtet, gerät seine Welt aus den Fugen.

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Leseprobe:
Dichtes Blattwerk verbarg den Mönch vor neugierigen Blicken.
Mit seinem erdbraunen Überwurf und dem moosgrünen Untergewand war er hinter den Blättern nicht zu erkennen. Auf einem Schotterweg, nur wenige Meter entfernt, schlenderten Menschen an ihm vorbei, während die Sonnenstrahlen, die schräg durch das herbstliche Blätterdach fielen, bizarre Muster auf den Boden zeichneten. Kinder spielten auf der Wiese des Tiergartens Fangen. Ihre Eltern genossen die letzten Tage des lauen Herbstes und ließen sich von der Sonne kitzeln.
Doch all diese belanglosen Menschlichkeiten interessierten den Klosterbruder nicht, der seinen Blick ohne Hast von den Leuten abwandte und zielstrebig gen azurblauen Himmel wandern ließ. Kein Wölkchen war zu sehen. Der Mann schloss seine Augen.
Minuten vergingen.
Hunde bellten, das neckende Lachen eines jugendlichen Liebespaares drang zu ihm hindurch und für einen Moment hing der intensive Geruch nach Currywurst und Fritierfett in der Luft. Die Sonne fühlte sich warm auf seiner Haut an.
Als ein Windhauch die schlaffen Blätter wispern ließ, öffnete der Mann seine Augen und starrte erneut in den Himmel.
Wieder vergingen Minuten.
Schweigend beobachtete er im Schutz der Bäume und Büsche den Berliner Himmel. Nach einer scheinbaren Ewigkeit entdeckte er sie, die erste Kumuluswolke, ein weißer Wattebausch am Firmament. Er musste lächeln. Zärtlich berührte er nun mit der Linken die raue Rinde einer Buche, die sich hinter ihm in die Lüfte streckte. Die Borke war warm, als pulsiere Leben hindurch. Leise intonierte er Worte, Worte einer uralten Sprache, die fast niemand mehr kannte. Andächtig hob er seinen rechten Arm und deutete mit dem Zeigefinger auf das kleine, einsame Wölkchen. Langsam begann sein Finger zu kreisen. Einer Spirale folgend wurde der Weg immer länger, bis der Mann anfing, auch das Handgelenk mitkreisen zu lassen. Sein Blick war starr in den Himmel gerichtet, an dem sich mittlerweile mehrere weiße Fetzen sammelten. Sie vereinigten sich, wurden mächtiger, wuchsen an, wurden zu ersten Wolken. Leichter Wind kam auf und ließ die Blätter um ihn herum rascheln. Der entfernte Horizont verfärbte sich in ein milchiges Weiß.
Mittlerweile bewegte er den ganzen Arm und die Spiralbahn wuchs unaufhaltsam an. Eine Windböe streifte durch die Äste, ließ sie auf und ab wogen, und brachte den Geruch nach Regen mit sich. Wenige Sekunden später folgte die zweite - merklich stärker - und intensivierte den Geruch des nahenden Sturms. Als die dritte Böe die Äste wanken ließ, kauerte sich die Sonne hinter die sich auftürmenden Wolkenburgen. Damit erlosch die Wärme auf seiner Haut. Die Welt wurde schlagartig in Grau getaucht. Es wurde diesig, fast neblig anmutend nach dem blendenden Sonnenschein.
Der Mann bewegte mittlerweile den ganzen Arm und begann sogar mit dem Oberkörper die Kreise zu vergrößern. Der Radius wurde immer weiter. Sein Blick war immer noch auf die Wolkenmasse gerichtet, die immer dunkler wurde als mischte ein Maler beständig Schwarz hinzu. Als der Mönch mit seinen Bewegungen den größtmöglichen Durchmesser erreicht hatte, hielt er inne. Wie erstarrt, einer Momentaufnahme einer Kamera gleich. Er schloss die Augen. Seine gemurmelten Worte verstummten. Der Wind peitschte ihm die spärlichen, grauen Haare ums Gesicht.
Ein Herzschlag verging.
Andächtig nahm der Mann seine Linke vom Stamm des Baumes und öffnete wieder die Augen. Er wusste, was ihn erwartete: ein bleifarbener Wolkenhimmel, mehr schiefergrau, dessen unterer, wogender Rand bereits die Spitzen der höchsten Häuser Berlins streifte. Die Luft strotzte vor Feuchtigkeit und hinterließ einen ungesunden Geschmack von saurem Regen auf seiner Zunge. Schweiß stand ihm auf der Stirn.
Für einen letzten Moment genoss der Mann in der waldfarbenen Robe die Ruhe vor dem Sturm. Dann riss er beide Arme in die Höhe. Er ballte die Hände zu Fäusten, als packe er einen Gegner am Kragen. Seine Muskeln spannten sich unter dem wallenden Gewand. Mit einem Ruck ließ er sich auf die Knie fallen und wuchtete seine Fäuste in die noch warme Erde. Altes Laub wirbelte auf und Erdkrumen spritzten davon. Seine Hände rissen dabei den Himmel nach unten. Ein Wolkenfetzen löste sich und wirbelte als dunkler Sog dem Boden entgegen.
Noch bevor ein weiterer Atemzug seine Lungen füllte, brach der Tornado mitten auf der Straße des 17. Juni los.
Mit dem Tosen des Sturms setzten Schreie ein, klagende Rufe von Menschen, die sich plötzlich einem tödlichen Tornado gegenüber sahen. Kreischend stoben Besucher des Tiergartens in alle Richtungen davon, suchten ihr Heil in der Flucht. Mütter rissen ihre Kinder mit sich. Viele starrten paralysiert in den Himmel. Sie konnten nicht glauben, was sich abspielte. Ein Tornado in Berlin! Handys wurden gezückt, Kameras aus Hosentaschen genestelt, und alles in der Gier, das grausige Naturschauspiel zu dokumentieren.

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26. März 2014

'Die goldene Kastanie: Das Herz des Waldes' von Frank-Thomas Kirchberg

Ein märchenhaftes Fantasy-Abenteuer mit ökologischem Touch. Prinzessin Selina hat sich verirrt und reitet im strömenden Regen, bei Blitz und Donner, durch den Wald. Schlammverschmiert und mit zerrissenen Kleidern ist sie auf der Suche nach Weg und Steg. Aber was ist das? Eine Stimme spricht zu ihr und da ist eine strahlende Gestalt. Es ist eine Fee. Aber es gibt keine Feen. Und dann gibt sie Selina auch noch Befehle. Diese weigert sich. Aber es hilft alles nichts. Sie muss tun, was die Fee befiehlt: „Rette den Wald! Bring mir die goldene Kastanie zurück. Oder du kommst nie mehr aus meinem Wald heraus!“

Das ist eine schwere Aufgabe. Aber Selina darf sich dabei Hilfe suchen. Sie trifft auf den Grafen Waldemar. Einen Freund aus alter Zeit. Aber der hat selber genug Probleme. Er weiß nicht mehr ein noch aus. Und da ist noch die Magd Elsbeth, die vor Verzweiflung die Hände ringt. Doch der Knecht Johann knurrt und grunzt nur dazu. Er ist keine Hilfe. Wozu sind die Mannsbilder nur zu gebrauchen. Wer beschützt sie nur vor dem Richter Adelbert? Einem unverbesserlichen Bösewicht und Trunkenbold. Zu allem Überfluss ist auch noch der Familienschatz des Grafen verschwunden. Bekommt Selina die goldene Kastanie wieder zurück? Und wem jagt der Richter Adelbert wutschnaubend mit einem großen Knüppel hinterher? Wie soll das wohl Alles noch enden?

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Leseprobe:
Mit einem schrecklichen Donnerschlag, genau über ihr, begann das Gewitter. Prinzessin Selina schrie gellend auf. Ihr Pferd ging durch und war nicht mehr zu bändigen. Steil bäumte es sich auf, wieherte und stürzte in wilder Panik auf und davon.
Hinter ihr verklangen die lauten Rufe ihrer Begleitung und ihr Pferd raste in wilder Flucht über Stock und Stein. Weg und Steg hatte sie verloren. Prasselnd stürzte der Regen auf sie nieder, alle Schleusen des Himmels schienen sich geöffnet zu haben. Im Nu war sie völlig durchnässt. Die Äste der Bäume schlugen Selina ins Gesicht, so dass sie sich tief auf den Pferderücken ducken musste. Sie hatte keine Zeit zum Nachdenken, sondern konnte sich nur krampfhaft festhalten, damit sie nicht stürzte. Ehe sie sich versah, war sie allein im Wald.
Selina wusste nicht, wie lange sie so dahin raste, es schien ihr ewig zu dauern. Doch ihr wilder Ritt endete plötzlich, als ihr Pferd über einen Stein stolperte. Selina stürzte. Das Pferd aber war nicht aufzuhalten, es stürmte weiter. Selina war allein. Benommen fand sie sich, am Waldboden sitzend, wieder. Hilflos rappelte sie sich auf und taumelte ein paar Schritte.
Hier konnte sie nicht bleiben. Sie stand in strömendem Regen, pausenlos zuckten Blitze am Himmel und der Donner dröhnte. Müde lief sie los, einen Unterschlupf zu suchen. Stolpernd führte sie ihr Weg zu einem Bach. Selina rutschte aus. Ehe sie bremsen konnte, befand sie sich mitten in dem Wasserfall, der dort von den Felsen rauschte, und schluckte hustend Wasser. Plötzlich war sie hindurch und stand mitten in einer kleinen Höhle. Sie konnte es erst nicht fassen. Das Unwetter war draußen und sie war in Sicherheit.
„Du bist gekommen“, eine laute dröhnende Stimme schallte durch die Höhle. Prinzessin Selina fuhr erschreckt zusammen. „So lange habe ich auf dich gewartet“, fuhr die Stimme fort. „Jetzt bist du endlich da!“
„Wer ist da?“, fragte Selina ängstlich. „Was willst du von mir? Zeig dich, ich kann dich nicht sehen!“
Ein leises Klingeln, wie von kleinen Glöckchen, ertönte plötzlich und ein helles Licht leuchtete vor Selina auf. Darin erschien die durchscheinende Gestalt einer hoheitsvollen Frau. „Ich bin die Fee Jeraldine und habe dich hierher geführt, weil eine Aufgabe auf dich wartet“, tönte ihre Stimme. „Du bist hier, um sie zu erfüllen.“
Eine Fee? Es gab doch gar keine Feen? Und nun stand plötzlich eine hier! „Was ist das für eine Aufgabe?“, fragte Selina stockend.
„Du sollst die goldene Kastanie, das Herz des Waldes, finden und wieder zurück bringen. Sie wurde von einem bösen Menschen gestohlen.“ Vor Selina erschien das Bild eines fetten hässlichen Mannes. „Wenn du die Aufgabe erfüllst, will ich dich reich belohnen, aber wenn du es nicht schaffst, wartet eine Strafe auf dich und du musst diesen Bösewicht heiraten. Mein Wald aber ist dann verloren!“
„Ich werde bestimmt keinen fetten hässlichen Mann heiraten! Ich bin Prinzessin Selina und heirate einen Prinzen“, rief Selina empört. „Und was geht mich deine goldene Kastanie an? Mit deiner Aufgabe will ich nichts zu schaffen haben.“ „Du kannst die Aufgabe nicht ablehnen! Dann kommst du nie wieder aus meinem Wald hinaus“, schallte die Fee.
Erschrocken sagte Prinzessin Selina: „Damit kannst du mir nicht drohen! Ich bin nicht allein! Zwar habe ich meine Begleiter verloren, aber sie werden mich sicher bald finden und dann komme ich wieder nach Hause.“ Atemlos stürzte sie aus der Höhle. Wieder hinaus in das Unwetter!
Vor Entsetzen zitternd rannte sie davon. Ziellos irrte sie durch den Wald, verzweifelt nach einem Weg suchend. Wurzeln schlangen sich um ihre Füße. Äste und Zweige schlugen nach ihr. Blätter verfingen sich in ihrem Haar. Dornenranken rissen an ihrem Kleid. Es bestand schließlich nur noch aus Fetzen.
Ständig schrak sie zusammen bei den Blitzen und dem Donner. Der Regen stürzte in Strömen auf sie hinab und sie hatte schon lange keinen trockenen Faden mehr am Leib. Ihre Schuhe blieben in Schlammlöchern stecken und sie musste sie mühsam wieder herausziehen. Schließlich verlor sie diese ganz.
Selina versuchte sich vergeblich zu erinnern, wie sie hierher gekommen war. Verzweifelt suchte sie nach irgendwelchen Anzeichen eines Weges. Schließlich sah sie ein, dass es so nicht ging. Sie musste sich zusammennehmen und einen Plan fassen. Aber welchen?
Sie musste geradeaus in eine Richtung gehen, beschloss Selina. So ging sie nun von Baum zu Baum und richtete ihren Blick immer auf das nächste Ziel. Eigentlich musste sie so früher oder später irgendwo ankommen. Sie konnte nicht ewig durch den Wald irren. So sprach sie sich Mut zu.

"Die goldene Kastanie: Das Herz des Waldes" im Kindle-Shop



24. März 2014

'Die schmutzigen Geschäfte in der Verlagsbranche' von Alice Stein

Dieser Ratgeber soll sowohl begeisterte Leser als auch angehende oder bestehende Autoren, sowie Schriftsteller über die Hintergründe der Verlagsbranche informieren. Die Autorin gibt dabei zahlreiche Informationen aus ihrer eigenen Erfahrung weiter. Ein ausführlicher Teil beschäftigt sich mit wichtigen Hinweisen für alle, die selbst schreiben: Stolperfallen in Verträgen, unfaire Geschäftspraktiken, Literaturagenten bis hin zu Selbstvermarktungsstrategien für das eigene Werk.

Außerdem gibt sie noch brisante Insiderinformationen, die jeder wissen sollte, der gerne und oft Bücher kauft. Für Leser, die einen Blick hinter die Kulissen der Verlagsbranche werfen möchten.

Gleich lesen: > > > Auf dem Kindle

Leseprobe:
Meine erste Buchpublikation lief noch ohne weitere Schwierigkeiten ab. Ich hatte mir zwar wesentlich mehr von der Vermarktung erwartet, aber zumindest hatte ich mit diesem Verlag sonst keine negativen Erfahrungen gemacht. Entgegen meinen Erwartungen war es für meine folgenden Publikationen nicht einfacher, einen Verlag zu finden, im Gegenteil - es schien immer schwieriger zu werden. Ich dachte, mit dem ersten Buch wäre der Bann einigermaßen gebrochen, und von da an würde es schneller gehen. Doch es stellte sich heraus, dass die Zeit, die ich für die Verlagssuche brauchte, bei meinem ersten Buch noch am kürzesten war. Das mag auch daran liegen, dass ich häufig das Genre gewechselt habe. Alle meine Bücher bei ein und demselben Verlag zu publizieren, war daher nicht möglich.
Zuschussverlage kamen für mich nicht in Frage, denn diesbezüglich hatte ich bereits sehr viele Warnungen gelesen. Solche Angebote habe ich sofort abgelehnt. Doch dann unterlief mir ein entscheidender Fehler bei meiner dritten Buchpublikation. Ich ziehe diese nun vor, da es sozusagen der Auftakt der eigentlichen Schwierigkeiten war, und ich in diesem Zusammenhang sehr viel erkennen musste, was in der Verlagsbranche so abläuft. Bald darauf gesellten sich Probleme mit meinem zweiten Buch und meiner Softwarepublikation dazu, die ich davor abgeschlossen hatte.
Aber nun zu meinem dritten Buch und dem Fehler meinerseits bei der Verlagsauswahl, die Probleme in einem Ausmaß nach sich zog, wie ich es nicht erwartet hätte.
Aufgrund meines Exposés von meinem dritten Buch (Manuskript), das ich an verschiedene Verlage geschickt hatte, bekam ich von einem Verlag eine Zusage, und sie teilten mir mit, dass sie mir den Vertrag zuschicken. Sie waren äußerst interessiert. Das ist schon einmal sehr ungewöhnlich, denn selbst wenn ein Verlag an einem Thema sehr interessiert ist, so trifft er nie eine endgültige Entscheidung aufgrund eines Exposés, wohlgemerkt noch ohne Leseprobe. Ich hatte es verschickt, da ich vorab ein Interesse am Thema abklären wollte, und gegebenenfalls hätte ich danach mehr geschickt. In dieser Phase bekommt man von einem seriösen Verlag noch kein Vertragsangebot. Das gab mir schon einmal zu denken, und ich hatte den Verdacht, dass es sich um einen Zuschussverlag handeln könnte. Mein Verdacht hatte sich bestätigt, sie wollten 3000 Euro von mir. Dies stand zwar nicht im Vertrag, aber in einem Begleitbrief. Obendrein wollten sie sich vertraglich die Rechte an nachfolgenden Werken zu den gleichen Konditionen sichern, und zwar für die Dauer von sechs Jahren. Das ist natürlich ebenfalls nicht in Ordnung.
Aufgrund dessen war das Thema für mich erledigt, und ich erteilte diesem Verlag per Mail eine höfliche aber deutliche Absage. Damit gaben sie sich jedoch nicht zufrieden, sie wollten dieses Buch unbedingt. Ich muss dazu sagen, dass die Thematik dieses Buches zu dem Zeitpunkt sehr aktuell war, gleichzeitig aber noch so gut wie keine Konkurrenzbücher der gleichen Art auf dem Markt waren. Letzteres macht es für die Verlage oft schwierig das Verkaufspotenzial einzuschätzen, weil keine Vergleichswerte vorliegen. Aber das Buch hätte durchaus Potenzial gehabt, das sah wohl auch dieser Verlag so. Telefonisch gingen sie mit mir die einzelnen Punkte im Vertrag durch, mit denen ich nicht einverstanden war, und versuchten mit mir zu verhandeln.
Doch ich blieb unnachgiebig auf meinem Standpunkt. Ich hatte ja nichts zu verlieren, denn ich hatte diesen Verlag bereits abgehakt. Nach kurzer Rücksprache mit der Verlagsleiterin gaben sie mir in allen Punkten nach, sicherten mir zu, die Finanzierung alleine zu tragen, und stellten mir eine schnellst mögliche Veröffentlichung in Aussicht. Der Vertrag wurde dementsprechend geändert. Die rasche Veröffentlichung war übrigens der einzige Punkt, den sie tatsächlich eingehalten haben, wenngleich auch mit einer kleinen Verzögerung. Da ich ein ungeduldiger Mensch bin und ohnehin bereits fast ein Jahr wieder auf Verlagssuche war, war ich damit leicht zu ködern. Obwohl ich eigentlich stolz darauf hätte sein können, dass ich gut verhandelt habe, war ich es nicht. Mein erster Gedanke war: "Jetzt habe ich keinen Grund mehr abzulehnen" - aber ich hatte irgendwie ein ungutes Gefühl. Eigentlich hätte ich immer noch gerne "Nein" gesagt, doch ich hatte keinen rationalen Grund mehr. Hätte ich bloß auf mein Gefühl gehört. Aber das tat ich nicht, denn ich wollte mein Buch so bald wie möglich veröffentlicht haben, also redete ich mir meine Entscheidung schön und verdrängte das negative Gefühl.

Im Kindle-Shop: Die schmutzigen Geschäfte in der Verlagsbranche

Mehr über und von Alice Stein auf ihrem Blog zum Buch.

20. März 2014

"The Darkest Red: Aus Nebel geboren" von Emily Bold

Der Auftaktroman einer neuen Fantasy-Reihe: mystisch, romantisch, erotisch. Als ein kostbarer Edelstein in Fay Ledoux‘ Hände fällt, ahnt die mittellose Stripperin nicht, welch unvorstellbare Kraft dieser birgt. Sie gerät ins Visier mächtiger Feinde, und nur Julien Colombier scheint in der Lage, für ihre Sicherheit zu sorgen.

Doch kann sie dem geheimnisvollen Fremden vertrauen, der sein Leben einzig und allein dem Schutz dieser Reliquie gewidmet hat?

Kann Julien seine Mission erfüllen, obwohl die Jagd nach der Wahrheit längst begonnen hat?

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Leseprobe:
Jerusalem, 1099
Qualvolle Schreie zerrissen die Nacht. Der Geruch von Tod und Angst schwängerte die Luft. Verstümmelte Leichen säumten die Straßen und tränkten das Pflaster mit ihrem Blut.
Im Namen Gottes mordeten, vergewaltigten und brandschatzten die Ritter, als rechtfertige das Kreuz auf den Bannern ihr teuflisches Treiben. Als könnten sie die Schuld, die sie in dieser Nacht auf sich luden, allein durch ihre heilige Mission begründen und als würden sie dabei nicht ihre Seelen der ewigen Verdammnis preisgeben, denn schließlich streckten sie Ungläubige nieder. Heiden, die ihre Tore vor Gott verschlossen hatten.
Aber die Tore Jerusalems waren gestürmt, die Stadt gefallen.
Auch Julien Colombier war dem Aufruf von Papst Urban II. mit einer Schar Ritter gefolgt. Die Heilige Stadt aus den Händen der Heiden zu befreien, war ihm als eine gute Sache erschienen.
Hektisch sah er über seine Schulter und gab den Männern hinter sich das Zeichen, ihm zu folgen, als er durch einen Torbogen in den dunklen, von hohen Mauern umgebenen Vorhof eines Palastes verschwand.
Schwer atmend stützte Julien sich an den rauen Steinen ab und wischte sich Blut und Schweiß aus dem Gesicht. Erleichtert stellte er fest, dass sich alle seine Kämpfer um ihn versammelten. Zu viele gute Männer verloren in diesem Irrsinn ihr Leben. Hier gab es keine Sieger, auch wenn ihr Befehlshaber, Gottfried von Bouillon, das vielleicht anders empfand. Mehr als die Hälfte aller Männer, die unter seinem Befehl in Frankreich aufgebrochen waren, waren tot. Gestorben im Namen der Kirche und ihres Glaubens.
Julien selbst betete jeden Tag aufs Neue darum, lebendig nach Frankreich zurückzukehren. Wie naiv er vor vier Jahren gewesen war, als er, gerade dreißig geworden, dies alles noch für ein großes Abenteuer gehalten hatte. Für eine Möglichkeit, Ruhm, Ehre und Gottgefälligkeit zu erlangen. Aber in dieser Nacht war nichts ruhmreich, keiner der Männer besaß noch so etwas wie Ehre, und Gott musste sich angesichts ihrer Gräueltaten längst von ihnen abgewandt haben. Der Kampf rief nach ihnen, und das Adrenalin in ihren Adern trieb sie an, ihre Klingen zu heben. Seine Männer waren bereit, die Stadt zu stürmen. Ihr Blutdurst war beinahe greifbar, aber lieber würde Julien sich wegen Befehlsverweigerung anklagen lassen, als zuzulassen, dass sich seine Truppe an diesem Gemetzel beteiligte.
„Juls? Was ist los? Im Stadtkern ist der Kampf in vollem Gange!“, rief Louis, der Sohn eines Adeligen aus Avignon, und schwang sein von Blut glänzendes Schwert. „Und wir drücken uns hier an der Stadtmauer herum.“
Julien richtete sich zu seiner beachtlichen Größe auf und sah reihum in die schmutzigen Gesichter der Männer, die mit ihm in den letzten Jahren gekämpft, gelitten und gelacht hatten, ehe er mit fester Stimme zu sprechen ansetzte.
„Meine Freunde, öffnet die Augen! Seht ihr nicht, was hier geschieht? Kann dies wirklich Gottes Wille sein?“
„Deus lo vult!“, widersprach Louis und rammte sein Schwert in den sandigen Boden.
Der Kriegsruf hallte aus Tausenden Stimmen durch Jerusalem, sodass Louis‘ Ruf wie ein Echo des ganzen Heeres klang.
„Gott will es? Bist du dir da sicher, Bruder? Reicht ein Versprechen auf ewige Glückseligkeit im Himmelreich aus, dich in diesem Leben jede Menschlichkeit vergessen zu lassen?“
Die Palastmauern warfen Juliens Worte zurück und verstärkten ihre Wirkung.
„Aber, Julien! Dieser Kampf … es ist die große Schlacht. Deswegen sind wir hier! Dies ist die Nacht, in der Geschichte geschrieben wird! Heute mache ich mir einen Namen!“, rief Louis wütend.
„Und was für ein Name soll das sein? Willst du wirklich zu Hause vor deinen Schwestern stehen und damit prahlen, wie viele ungläubige Kinder du massakriert und wie viele wehrlose Frauen du geschändet hast?“
Julien schüttelte angewidert den Kopf. „Ich kenne dich, Louis – auch, wenn der tobende Kampf wie eine Sirene nach dir schreit, weiß ich, dass du dich, wärst du bei Vernunft, daran niemals beteiligen würdest!“
Louis sah zu Boden, und auch die anderen ließen zögernd ihre Schwerter sinken. Sie sahen sich an. Die blutgetränkte Kleidung klebte ihnen am Körper, das rote Kreuz auf ihren Brustharnischen war besudelt und der kupferne Geruch von Tod und Verderben schon Teil von ihnen geworden.
Aus einer Schnittwunde am Arm von Juliens Waffenbruder Lamar rann das Blut hinab zu dessen Schwerthand, und er presste sich die andere Hand fest auf die Wunde. Durch zusammengebissene Zähne fluchend, trat er vor, um zu widersprechen.
„Jetzt aufzuhören, Julien, wäre die reinste Heuchelei! Der Krieg ist eben blutig! Sieh mich an“, er hob seinen verletzten Arm. „Wer weiß, ob mich der Schnitt dieser verfluchten Sarazenenklinge nicht umbringt? Was, wenn ich Wundbrand bekomme und sterbe?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich bin hier, um diese gottlosen Heiden zu bekehren … und das werde ich tun!“
Julien trat seinem Freund in den Weg. „Lamar, hör dich doch um! Klingen diese Schreie für dich nach einem Gebet? Denkst du, Gott sieht auch nur eine dieser armen Seelen? Hier wird nicht länger im Namen Gottes gekämpft – hier wird geschlachtet, und bei allem, was mir heilig ist, ich werde mich an dieser Sünde nicht länger beteiligen!“
Juliens ältester Freund Gabriel trat nach vorne und klopfte ihm unterstützend auf die Schulter.
„Er hat recht. Wir dürfen nicht vergessen, wer wir sind! Wir haben mehr Geist als dieses Heer von Bauern! Wie sollen wir je in die Heimat zurückkehren, wenn wir jetzt diese Gräueltaten auf uns laden? Eine Stadt zu erobern und zu unterwerfen, ist eine Sache, aber das …“
Angewidert machte er eine Geste, die die ganze Stadt einschloss.
Matteo, ein schmächtiger Bursche, dessen spärlicher Bartwuchs sein junges Alter zeigte, nickte, sodass ihm die dreckverklebten Haare in die Stirn fielen.

"The Darkest Red: Aus Nebel geboren" im Kindle-Shop

Mehr über und von Emily Bold auf ihrer Website.

18. März 2014

'Das Erbe der Carringtons (Lunadar 1)' von Betty Schmidt

Die Geschichte einer unerfahrenen Hexe.

Nach dem Tod ihrer Mutter entwickelt Sarah Lewis magische Fähigkeiten. Fasziniert von der neuen Welt, die sich ihr offenbart, findet sie jedoch heraus, dass das Leben einer Hexe nicht nur verführerisch, sondern auch tödlich sein kann.

Umgeben von Magie, Dämonen, Werwölfen, Vampiren und einem mysteriösen Verfolger, der sie einfach nicht in Ruhe lassen will, versucht sie, die Geheimnisse ihrer Vergangenheit aufzudecken. Darüber hinaus muss sie lernen, sich selbst zu verteidigen, um sich zu schützen und das Leben, und den Willen, des Mannes zu retten, in den sie sich mehr als nur ein bisschen verlieben könnte.

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Leseprobe:
Es war bereits dunkel. Nur der sanfte Schein der Straßenlaternen erhellte den Bürgersteig ein wenig. Ein leichter Wind wehte. Sarah Lewis zog ihre Jacke enger, um sich warm zu halten. Mit jedem Schritt schien es jedoch kälter zu werden. Oder war es gar nicht die Kälte, die sie beunruhigte? Sie war sich nicht mehr sicher. Vielleicht hätte sie nicht allein nach Hause gehen sollen? Es waren nur fünf­zehn Minuten zu Fuß von der Party, auf der sie gewesen war, bis zu ihrem Studentenwohnheim. Jetzt kam es ihr sehr weit vor.
Verunsichert sah sie sich um. Nichts. Nur Dunkelheit. Sie war allein. Langsam ging sie weiter, lauschte angespannt. Da war doch etwas. Hinter ihr. Abrupt blieb sie stehen. Schritte verhallten. Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Eine Gänsehaut ließ sie erschauern. Hastig suchte sie die nächtliche Straße ab. Nichts. Bildete sie sich das alles ein? Vermutlich. Sie seufzte über sich. Dennoch ging sie schneller. Das unangenehme Gefühl wollte nicht von ihr ablassen.
Plötzlich hörte sie ein Knacken. Direkt hinter ihr. Leise nur. Für sie klang es laut wie ein Pistolenschuss. Erschrocken wirbelte sie herum und starrte in das von Dreck verschmierte Gesicht eines Mannes. Unter seiner Kapuze konnte sie nur einen grimmigen Mund erkennen. Ihr Herz fing an, laut zu schlagen. Blitzschnell griff er nach ihrer Tasche. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Wäre sie nicht so überrascht gewesen, hätte Sarah ihm die Tasche aus Angst überlassen. Stattdessen klammerte sie sich mit aller Kraft daran fest.
„Gib her, Göre“, rief der Mann und zog fester. Sarah konnte seinen nach Alkohol stinkenden Atem riechen.
Als sie immer noch nicht losließ, zog er ein Messer. Starr vor Angst, verfolgte sie die blitzende Klinge, die in rasender Geschwindigkeit näher kam. Sie kniff die Augen zu, ließ die Tasche los und betete, dass er sie nun in Ruhe ließ. Abgesehen von einem leichten Ziehen in ihrem Magen passierte nichts. Sie blinzelte zaghaft und sah sich um. Der Mann war verschwunden, die Gefahr gebannt.
Mit hämmerndem Herzen atmete Sarah tief ein und aus, bevor sie ihre Umgebung genauer wahrnahm. Verwirrt drehte sie sich einmal um ihre Achse. Der Raum wurde nur notdürftig von einer Straßenlampe durch das Fenster beleuchtet, dennoch erkannte Sarah, dass sie in ihrem Zimmer war. Das Ziehen in ihrem Magen fiel ihr wieder ein. Als sie es gefühlt hatte, war ihr nicht klar geworden, was es bedeutete. Sie hatte sich unbewusst in Sicherheit gebracht. Erleichtert atmete sie auf, schaltete das Licht ein und setzte sich auf ihr Bett.
Das Gesicht in den Händen vergraben, saß sie für einige Minuten still. Es war wieder geschehen. Seit Monaten passierten ihr bereits seltsame Dinge. Sarah konnte sich die Ereignisse nicht erklären und hatte sich immer gewünscht, sie würden aufhören. Diesmal war sie jedoch froh darüber. Der Mann hätte auf sie einstechen und sie töten können, wenn sie nicht wieder auf mysteriöse Weise von einem Ort verschwunden und an einem anderen aufgetaucht wäre.

Im Kindle-Shop: Das Erbe der Carringtons (Lunadar 1)

Mehr über und von Betty Schmidt auf ihrer Website.

17. März 2014

"Zart besaitet" von Bianca Braxton

Ein Liebesroman. Eva Bauer, eine 26 Jahre junge Wiener Cellistin, die aus einer angesehenen Gemüsebauern-Familie stammt, erhält die Chance in New York am Broadway bei einem der bekanntesten Musicals mitzuwirken. Sie bricht alle Zelte in Wien ab und Ihre Leidenschaft, die Musik, führt sie über den Ozean, um sie dort mit dem Publikum zu teilen.

Kaum ist sie in den USA gelandet, wird sie schon in einen regelrechten Sog an Möglichkeiten gezogen und entscheidet sich, ihrem Herzen zu folgen. In New York warten neben Erfolg, Ruhm und Reichtum auch männliche Bekanntschaften auf sie.

Zwei Männer treten bereits nach einigen Tagen, in ihr turbulentes Leben. Jonathan und Juan fühlen sich beide von Evas starker Ausstrahlung magisch angezogen und es entfachen sich leidenschaftliche und von Liebessehnsucht geprägte Momente. Sie ist hin und her gerissen zwischen den beiden Männern und dem inneren Verlangen, Ihrer Berufung zu folgen.

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Leseprobe:
„Hier ist Ihr Schlüssel, Ms. Bauer. Schön Sie in unserem Hause begrüssen zu dürfen. Bleiben Sie wie geplant, die ganze Woche?“, fragte der Portier des Mittelklasse-Hotels in Manhattan, in das Eva Bauer gerade eincheckte. In gutem Englisch, antwortete sie: „Ja, ich bleibe bis zum Sonntag. Ab Montag habe ich ein Zimmer angemietet.“
Sie hatte dieses Hotel gewählt, da es im Theatre-District lag, und sie von dort aus all ihre Termine gut erledigen konnte, und ein wenig Einblick in New York City bekommen würde. Das letzte Mal war sie gute zehn Jahre zuvor in der Stadt gewesen, als junge Frau, mit ihren Freundinnen, um die Matura (österr. Abitur) zu feiern. Seither war viel Zeit vergangen, und sie hatte eine Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien gemacht, und diplomiert. Es waren zwölf Semester, und sie hatte Glück es gemeistert zu haben. Einige ihrer Kolleginnen waren noch lange nicht fertig, und quälten sich weit über die normale Studienzeit hinaus. Eva hatte gewusst, sie würde es schaffen, doch blieb immer ein kleiner Zweifel der sie gerade in den letzten zwei Semestern immer wieder blockierte und Ängste in ihr hochwallen ließ. Die Erinnerungen an diese Zeit wollte sie in New York hinter sich lassen. Nach der Matura hatte sie sich nicht sofort dafür entschieden Cellistin zu werden, sie hatte auch keinen Druck seitens ihrer Eltern bekommen. Diese förderten ihre Fähigkeit und erkannten, dass sie ein Geschick besaß, das selten war, doch wussten sie auch, dass Eva eine sensible Persönlichkeit war, die man so sein lassen musste, wie sie war. Mit Gewalt hätte man ihr die Freude und die Sanftmut, die sie auch in der Musik so feinsinnig vermittelte genommen, und so hielten sie sich zurück. Sie boten ihr an, im großen Gärtnereibetrieb am Stadtrand mitzuhelfen, und sich eigenes Geld zu verdienen. Das tat sie mit Freude. Sie war schon seit ihrer Kindheit involviert. Ein Teil des Unternehmens wurde von ihrer Mutter geführt, die sich um Blumen und Gestecke kümmerte. Den anderen Teil, führte der Vater. Er baute auf einem Feld in Niederösterreich Karotten und Spargel an. Sie hatten auch zwei Gewächshäuser, in denen sie Gurken und Kräuter anbauten. Ein dutzend Mitarbeiter waren alleine in den Häusern und im Handel beschäftigt, und noch etliche Saisonarbeiter am Feld. So konnte sie sich immer aussuchen, wo sie gerade mithelfen wollte und welche Art von Tätigkeit sie bevorzugte. Sie schonte allerdings so gut sie konnte ihre Finger, denn Abends spielte sie fast immer ein bis zwei Stunden Cello, um in Übung zu bleiben.

Das wundervolle Violoncello, das man auch als kleinen Bass bezeichnete, hatte sie schon als zwölfjähriges Mädchen begeistert. Sie durfte mit ihrer Mutter in den großen Konzertsaal in der Wiener Innenstadt zu einem Konzert der italienischen Gruppe „Rondo Veneziano“ mitgehen, und war begeistert von den Streichern. Die Gruppe brachte zwar eigene Variationen und spielte alles in abgewandelter Form, aber dennoch brachte es Evas Blut in Wallung. Das ruhige Mädchen war tagelang aufgekratzt, bis ihre Mutter Heidemarie, ihr vorschlug, sich über Geigenunterricht zu informieren. Die Lehrerin mit der sie einen Termin vereinbart hatten, war auch mit dem Cello vertraut und Eva war sofort von diesem Instrument und seinem Klang begeistert. Von da an, war das Cello nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken. Anfangs dachten Evas Eltern, vorallem ihr Vater Karl, es wäre nur eine vorübergehende Begeisterung, so wie dies bei Kindern öfter der Fall ist, doch wurden sie eines Besseren belehrt. Sie ließ alles andere liegen und stehen, damit sie Zeit fand, sich mit dem Üben zu beschäftigen. Und die Musik bildete ihren Charakter zunehmend.
Sie wurde sattelfest in vielen Stücken, und dadurch gewann sie auch an Selbstvertrauen im Alltag. Es war alleine ihre Entscheidung, die Schule bis zur Matura zu besuchen. Ihre Eltern ließen ihr die Wahl. Sie hätten es genauso begrüsst, wenn sie in den Familienbetrieb eingestiegen wäre und eine Lehre als Floristin oder für den Einzelhandel begonnen hätte.
Und nun war sie hier in New York gelandet, mit ihren knapp sechsundzwanzig Jahren und hatte mehrere Engagements bekommen. Sie würde am Broadway im Orchester für „The Lion King“ spielen und sollte fix bei einer Bankers-Familie zwei Teenager unterrichten. Ihre Lehrerin war Teil eines großen Künstlernetzwerkes und hatte erfahren, dass ein Cellist wegen familiären Angelegenheiten aus dem Ensemble aussteigen musste. Da es sehr dringlich war und auch die Ersatz-Cellistin nur eine gewisse Zeit aushelfen konnte, aufgrund einer langfristig vorgeplanten Tournee, wurde Eva die Chance eingeräumt. Das war wieder einer der Glücksfälle, die sie bereits in ihrer Studienzeit erlebt hatte. Ihre Lehrerin meinte nur: „Kindchen, Du bist mit Leib und Seele eine Cellistin und Gott hat Dir dieses Talent gegeben, damit Du viele Leute damit berührst. Und wenn Gott nunmal für Dich ist, dann werden es letztlich alle sein.“ Sie hatte daher auch sofort an Eva gedacht und sie empfohlen und ihre Webseite weitergeleitet. Dort gab es einige Links zu Videos, auf denen man Auftritte in Wien ansehen konnte, bei denen sie mitgewirkt hatte. Sie spielte hier und da in Kirchen und auf Festivitäten, aus reinem Vergnügen und um das Lampenfiebergefühl zu spüren. Noch eine Besonderheit, die ihr scheinbar in die Wiege gelegt worden war. Sie war zwar sehr aufgeregt und zappelig vor einem Auftritt, aber das Publikum war ab dem Moment, als sie sich auf ihren Stuhl setzte, für sie einfach nicht mehr anwesend. Sie konnte es niemandem richtig erklären, aber sie war auf ihrer Klangwolke und die bestand nur aus Liebe, dem Cello, das sie liebevoll „Archibald“ nannte, und ihr. Wenn sie dann den Applaus hörte, kam sie erst wieder zurück von ihrer speziellen Reise. „Behalte Dir das bei, Eva! Du kannst völlig abschalten und bist ganz in Deiner Seele, das wird Dir helfen, egal wie groß Dein Publikum je sein wird.“, gab ihr Frau Heidenreich, ihre Cello-Lehrerin mit, und schickte sie somit auf die Reise übers Meer, weit weg von Wien, ihren Eltern und dem Gärtnereibetrieb, und weit weg von ihren Freunden.
Da Eva in den letzten zwei Jahren keine Beziehung gehabt hatte, gab es auch keinen Mann, den sie hätte vermissen können. Sie broch also ihre alten Zelte ab und baute neue Zelte in den USA auf. Und nachdem sie rein aus Spaß gut eineinhalb Jahre zuvor bei der „Green Card-Lottery“ mitgespielt hatte, und auch noch eine Card gewonnen hatte, benötigte sie keinerlei andere Aufenthaltsgenehmigungen und musste sich um nichts kümmern. Markus, ihr Kollege aus Studienzeiten, hatte ein wenig neidisch gemeint: „Du bist mir Eine. Wettest mit Deinen Freundinnen, Du würdest sicher eine Green-Card bekommen, wenn Du es Dir wünscht, verwettest die Gage vom kleinen Badener Musik-Reigen und gewinnst dann auch noch. Irgendwie schnalle ich das nicht. Und damals hattest Du doch noch nicht mal den Ansatz einer Idee, nach New York zu gehen? Du bist mir ein Rätsel Eva!“ Sie hatte im Nachhinein erfahren, dass sie zwar als Künstlerin eine Art Sonderbehandlung bekommen hätte, aber die Green-Card war doch das Beste, was ihr passieren konnte. Sie war einfach nur frei.

Im Kindle-Shop: Zart besaitet

Mehr über und von Bianca Braxton und weitere Kurzromane auf der Website der "One Moment Edition".

16. März 2014

'Rachezwang' von Michael Linnemann

Der achte Teil der "Rache"-Thriller mit einem neuen Fall für Nora und Tommy.

Innerhalb weniger Tage erschießt ein Heckenschütze mehrere Frauen in Göttingen. Anfangs sieht es für die Hauptkommissare Nora Feldt und Thomas Korn danach aus, dass der Täter die Opfer wahllos getötet hat. Dann finden sie jedoch eine entscheidende Verbindung zwischen den Frauen, wodurch sie auf die Spur des mutmaßlichen Mörders stoßen.

Doch noch während sie ihn jagen, nimmt der Fall eine plötzliche Wendung – und Nora und Tommy müssen einsehen, dass es um viel mehr geht als um einen wahnsinnigen Heckenschützen …

Gleich lesen: "Rachezwang - Der neue, achte Fall für Nora und Tommy" von Michael Linnemann

Leseprobe:
Vor ihrem inneren Auge sah sie das Blut bereits aus der Wunde fließen. Die rote Farbe hypnotisierte sie. Sie konnte ihren Blick kaum abwenden. So wunderbar war der Anblick.
Wenn bereits meine Vorstellung von dem Mord so unbeschreiblich ist, wie muss sich dann erst die richtige Tat anfühlen? Ich kann es mir kaum ausmalen. Wann kommt er endlich zurück? Wann kann ich ihm das Messer in seine Brust jagen?
Beate Hinterthal tippte ungeduldig mit den Fingern auf der Tischplatte herum. Ihre Fußspitzen wippten seit geraumer Zeit auf und ab. Ihr Herz pochte von Minute zu Minute schneller. Sie wusste, dass es absoluter Irrsinn war, den Mord zu begehen. Aber es musste sein. Es gab nun einmal Dinge, die sie sich nicht bieten lassen konnte. Von niemandem. Mochten die Konsequenzen auch noch so grausam sein – manchmal musste ein Mensch zum äußersten Mittel greifen.
Ihr Blick fiel auf die Küchenuhr. Es war kurz nach 19 Uhr an diesem tristen Novembertag. Draußen war es bereits dunkel. Nur die Straßenbeleuchtung spendete ein wenig Licht. Allerdings war ausgerechnet die Lampe, die vor Beates Haus stand, seit einigen Tagen defekt. Zwar hatte Beate schon bei der Stadt angerufen, aber die Verantwortlichen schienen Wichtigeres zu tun zu haben, als sich darum zu kümmern. Kaffee trinken und dummes Zeug reden, vermutete Beate. Noch vor ein paar Wochen hätte sie sich richtig darüber aufgeregt. Sie regte sich liebend gerne über alle möglichen Sachen auf. Dabei bedeutete es ihr nicht einmal wirklich etwas, ob die Straßenlaterne funktionierte oder nicht. Vielmehr war sie von Natur aus eine aufbrausende, streitsüchtige Person. Das wusste sie selbst. Aber sie konnte es nicht ändern. Es lag in ihren Genen, sich immer über Kleinigkeiten auszulassen. Ihre Bekannten und Nachbarn konnten ein Lied davon singen.
Heute scherte es Beate jedoch nicht, dass wieder ein Tag verstrichen war, ohne dass die Beamten von der Stadt aufgekreuzt waren, um die Lampe zu reparieren. Wenn Beate ehrlich war, dann hatte sie sogar schon in der letzten Woche keinen Gedanken mehr daran verschwendet.
Seit dem Tag, an dem sie beschlossen hatte, eine Mörderin zu werden.
Nach einem weiteren Blick auf die Uhr trat sie vor das Fenster und schaute hinaus. Direkt vor der Haustür brannte eine kleine Lampe, die den Ausfall der Straßenlaterne zumindest ein wenig kompensierte. Dank der Lichtquelle konnte Beate alles sehen, was sie sehen wollte: Die Garage, den Vorgarten, den Kiesweg.
Noch war allerdings nichts von Werner zu sehen. Weder bei der Haustür noch bei der Garage. Wie üblich verspätete er sich. Als Steuerberater arbeitete er eigentlich von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Dann fuhr er meistens direkt nach Hause. Doch seit ein paar Wochen war es anders. Er kam frühestens um 18 Uhr heim. Natürlich wusste Beate, woran das lag. Ihr war schmerzlich bewusst, was Werner ihr antat. Es war das typische Klischee. Dummerweise war an einem Klischee aber immer viel Wahres dran. Und Werner bewies das – vermutlich mit vollem Körpereinsatz – jeden Abend aufs Neue. Zu Beginn hatte Beate noch gehofft, dass es eine harmlose Erklärung für seine Verspätungen geben würde. Mit der Zeit war sie jedoch zu der Erkenntnis gelangt, in einer Traumwelt zu leben.
Letztlich hatte sie den Entschluss gefasst, dem ganzen Treiben ein Ende zu setzen.
Eine Scheidung kam für sie nicht in Frage. Sie wollte Werner vernichten. Das hatte er nach der Demütigung verdient. Er hatte es sich selbst zuzuschreiben. Zumal er wusste, wozu Beate fähig war. Demnach hätte er sich denken können, was sie mit ihm anstellen würde, sobald sie von seiner Untreue erfuhr. Hatte er darauf spekuliert, dass sie es niemals erfahren würde? War er so naiv und dumm? Kaum jemand konnte eine Affäre vor seinem Partner verheimlichen. Schon gar nicht über einen langen Zeitraum hinweg.
Warum hatte Werner das nur gemacht? Gab Beate ihm nicht alles, was er wollte? War er mit ihr nicht immer glücklich gewesen? Verschaffte die Affäre ihm einen Kick? Es musste wohl so sein. Eine andere Erklärung konnte Beate sich nicht denken. Er schien sich dadurch stark zu fühlen. Typisch Mann.
Doch schon bald würde er nichts mehr fühlen. Gar nichts mehr.
Wieder sah Beate das Blut aus der Wunde fließen. Sie stieß ihm das Messer immer tiefer in die Brust. Mit Genugtuung schrie sie auf, während Werner völlig überrumpelt nach hinten taumelte.
Noch stand Beate aber am Fenster. Ungeduldig. Lauernd. In wenigen Minuten würde Werner in seinem Mercedes die Auffahrt hochfahren, das Garagentor öffnen und den Wagen abstellen. Dann käme er mit einem unschuldigen Dackelblick über den Kiesweg, um anschließend die Haustür aufzumachen. Ein letztes Mal müsste Beate dann sein scheinheiliges ‚Schatz, ich bin wieder da!’ hören. Denn schon im nächsten Moment würde sie auf ihn losstürmen und ihn ermorden. Möglicherweise hätte er noch genug Zeit, um die Haustür wieder zu schließen. Ja, das wäre vermutlich sogar besser, damit es garantiert keine Zeugen gab. Zwar würde bei den kalten Temperaturen sowieso niemand draußen sein, aber sicher war sicher.
Und dann wäre Beate so gut wie frei. Mit Genuss würde sie Werner bei seinem Todeskampf betrachten. Die weit aufgerissenen Augen. Der ungläubige Blick. Die Panik. Er wüsste nicht, was in sie gefahren war. Und er würde es auch niemals erfahren. Beate war sich sicher, dass er nach dem Messerstich höchstens noch zehn Sekunden leben würde. Je nachdem, wie gut sie ihn traf. Lange Zeit hatte sie überlegt, ob sie ihm die Klinge direkt ins Herz jagen sollte, um ihm einen schnellen Tod zu schenken. Aber den Gedanken hatte sie schließlich verworfen. Werner sollte leiden. Er sollte den Schmerz so intensiv und so lange wie möglich spüren. Insgeheim hoffte Beate, dass die Sekunden nach dem Stich die gebündelte Pein widerspiegelten, die er ihr in den letzten Wochen angetan hatte. Auch wenn psychisches Leid nicht mit physischem Schmerz gleichzusetzen war, wünschte Beate sich auf die Weise den größtmöglichen Horror für ihren Ehemann.

"Rachezwang" im Kindle-Shop

Mehr über und von Michael Linnemann auf seiner Website.

15. März 2014

"Verplant verliebt" von Kerstin Böhm und Ulrike Wronski

Marie hat einen Plan, doch die Liebe hält sich nicht daran. Die 29-jährige Marie liebt geordnete Strukturen. Sie arbeitet als Business Analyst in einem Stuttgarter IT-Konzern, kocht nur nach Rezept und hält sich bei der Suche nach ihrem Traummann an eine Liste mit No-Gos. Darin steht: Nichts mit einem Kollegen anfangen, bloß keine Onlinedates, keine Karrieremenschen, keine Raucher und keine Tattoos.

Als ihr Exfreund heiratet, wirft Marie ihre Vorsicht für einen Abend über Bord und schleppt Karlo ab. Von ihm weiß sie nur, dass er in einem Matrosenkostüm verdammt gut aussieht. Was sie nicht weiß: Er wird ihr Leben gehörig durcheinanderwirbeln.

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Leseprobe:
Marie öffnete die Augen und ihr Kopf signalisierte: Eine Bewegung und ich zerspringe! Also hielt sie still. Sie hörte jemanden neben sich atmen und die Neugier siegte. Millimeter für Millimeter drehte sie ihren Kopf nach rechts, bis sie im Augenwinkel einen Mann mit kurzen dunkelblonden Haaren erblickte. Der Matrose.
Die Erinnerung kam zurück: seine grauen Augen, die sie festhielten, die Überwindungskraft, die es sie kostete, seinem Blick nicht auszuweichen, und das Erstaunen über ihre eigenen Worte, als sie Karlo bat, sie nach Hause zu begleiten. Er begleitete sie nicht nur, sondern trug sie auf Händen. Zunächst die Treppe hinunter, als er merkte, dass sie mit ihrem Fischschwanz nur Trippelschritte machen konnte. Dann hob er sie vor sich aufs Fahrrad und fuhr mit ihr zwei Straßen weiter zu ihrer Wohnung. Der laue Sommerwind löste ihre Haare vom Nacken und brachte angenehme Abkühlung. Sie hielt sich mit einer Hand am Lenker fest und schlang die andere um seinen Oberkörper. Mehrmals wären sie fast umgekippt und ihr Lachen hallte durch die leeren Straßen des Stuttgarter Westens.
Nachdem er sie in ihre Wohnung getragen hatte, lief es anders, als sie sich einen One-Night-Stand vorgestellt hatte: Statt sich hastig auszuziehen, hatte Karlo sie in den Arm genommen, gedankenverloren mit ihren Haaren gespielt und sie dann quälend langsam aus dem Kostüm geschält. Was dann folgte, ließ sie jetzt noch erröten.
Sie beobachtete Karlo. Seine Gesichtszüge waren entspannter als am Abend zuvor. Der Anker klebte noch immer unversehrt auf seinem Oberarm. Sie streichelte vorsichtig darüber und erschrak: Das Ding war echt! Hatte sie Paula nicht erst gestern erzählt, ein Tattoo wäre für sie ein No-Go bei der Männerwahl? Sei’s drum, es war ja nur ein ganz kleiner Anker.
Und nun? Marie hatte keine Ahnung, was die One-Night-Stand-Etikette jetzt von ihr verlangte. Kuscheln am Morgen? Gemeinsames Frühstück? Oder sollte sie ihm die Möglichkeit geben, unauffällig zu verschwinden? Gestern hatte ihr Sicherheitsbedürfnis dafür gesorgt, dass sie zu ihr nach Hause gegangen waren. Jetzt wusste sie nicht, wie lange sie die Gastgeberin zu spielen hatte.
Marie entschied, beim Zähneputzen in Ruhe darüber nachzudenken und rutschte vorsichtig unter der Decke hervor.

Karlo erwachte, als Marie gerade aus dem Bett stieg, und blickte ihr verschlafen hinterher. Die rote Mähne kringelte sich über ihren Rücken und bildete einen reizvollen Kontrast zur hellen Haut. Ihr Hintern wiegte sich im Rhythmus der Schritte. Noch vor wenigen Stunden hatte er die vollen Rundungen unter seinen Händen gespürt. Was für eine Nacht! Damit hatte er nicht gerechnet. Sonst blieb er nie bis zum Morgen, doch dieses Mal war er tatsächlich eingeschlafen. Auch jetzt verspürte er kein Bedürfnis abzuhauen. Er wollte Marie wieder zurück ins Bett ziehen, aber sie schien andere Pläne zu haben und verschwand aus dem Zimmer. Er beschloss, erst einmal abzuwarten. Vielleicht kehrte sie gleich zurück.
Zehn Minuten später öffnete Marie vorsichtig die Tür. Sie war in einen weißen Frottee-Bademantel gehüllt. „Guten Morgen. Kaffee ist gleich fertig. Willst du kurz ins Bad?“
Noch lieber wollte Karlo sie aus ihrem Bademantel schälen. Er schlug die Bettdecke zurück, stand auf und ging langsam auf sie zu. Er spürte, wie ihr Blick seinen nackten Körper hinunterglitt, bevor sie verlegen auf den Boden schaute. Karlo fasste nach ihrer Taille, zog sie an sich und platzierte einen Kuss auf ihren Mund.
Sie sah ihn überrascht an, wich einen Schritt zurück und wies mit einer Hand auf die Tür am Ende des Flurs. „Dort ist das Badezimmer.“
Karlo musste über ihre Schüchternheit schmunzeln. Letzte Nacht war davon nichts zu spüren gewesen. Vielleicht würde sie beim Frühstück etwas auftauen.
Er ging ins Bad und stieg unter die Dusche. Während das Wasser über seinen Körper rann, hörte er ein Kratzen an der Tür und das Quietschen der Klinke. Hatte es sich Marie anders überlegt?
Karlo wartete, doch nichts passierte. Er spähte hinter dem Duschvorhang hervor: Kalte Luft wehte durch den offenen Türspalt herein. Zu sehen war niemand. Dann hörte er ein leises Schnurren direkt vor sich und blickte nach unten.
Auf dem Vorleger saß eine schwarze Katze, die ihn erwartungsvoll anblickte.
„Was machst du denn hier?“ Karlo stieg aus der Dusche, trocknete sich ab und knotete das Handtuch um die Hüften.
Die Katze schlich um seine Beine und schnurrte lauter.
Plötzlich steckte Marie ihren Kopf durch die Badezimmertür. „Ist Simba vielleicht hier? Sie kann dummerweise Türen öffnen.“
Als sie ihre Katze erblickte, eilte sie auf Karlo zu. „Tut mir leid, ich hoffe, sie hat dich nicht verletzt.“
„Meinst du nicht, dass ich mit einem schwarzen Wollknäuel fertig werde?“ Karlo nahm die Katze auf den Arm.
Marie starrte mit großen Augen auf Simba, die genießerisch ihren Hals reckte. „Das verstehe ich nicht. Sonst faucht sie jeden männlichen Besucher an und bei dir schnurrt sie und verschmäht sogar ihr Frühstück. Wie hast du denn das gemacht?“
„Frauen zum Schnurren bringen?“ Karlo zog eine Augenbraue hoch und lächelte anzüglich.
„Oh, bitte! Verschon mich damit!“ Marie griff eines der Handtücher und warf es lachend in seine Richtung.
Auf so eine Aufforderung hatte Karlo nur gewartet. Er zog sein Handtuch von der Hüfte und machte einen Schritt auf sie zu. „Bist du sicher, dass ich dich verschonen soll?“

Im Kindle-Shop: Verplant verliebt

Mehr über und von Kerstin Böhm & Ulrike Wronski auf ihrer Website zum Buch.

14. März 2014

"Die Erben der alten Zeit - Das Amulett" von Marita Sydow Hamann

Der erste Teil einer Fantasy-Trilogie.

Ein verstörendes Erlebnis veranlasst das 14-jährige Findelkind Charlotta Johansson, genannt Charlie, nach ihren wahren Eltern zu suchen. Charlie stiehlt ihre Akte und verlässt bei Nacht und Nebel das Kinderheim, in dem sie lebt. Mit dabei: Ein steinernes Amulett, das der Akte beilag. In Charlies Händen bewirkt es seltsame Dinge: Auf ihrer Flucht wird sie von dichtem Nebel umhüllt und findet sich plötzlich auf einem anderen Planeten namens Godheim wieder.

In dieser mittelalterlich geprägten Welt herrscht der grausame Magier Oden, der nun auch nach Charlies Leben trachtet da sie den Schlüssel zur Erde in Händen hält. Außerdem gibt es noch Sora, eine junge Frau, die nach einem mystischen, fast 15.000 Jahre langen Schlaf auf dem fortschrittlichen Planeten Euripides erwacht. Hier regieren Wissenschaft und Technik. Welche Verbindung besteht zwischen den beiden Welten? Und was hat dies mit Charlies Herkunft zu tun?

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Leseprobe:
Charlie folgte einem Schotterweg, der in Richtung Torpa führte. Bis sieben Uhr hatte sie sich schon viermal mit einem Hechtsprung in den Wald gerettet, um sich vor entgegenkommenden Autos in Sicherheit zu bringen. Beim letzten Mal war es äußerst knapp gewesen. Der Nebel war in den letzten Stunden dichter geworden und hing nun in dicken, weißen Schwaden zwischen den hohen Fichten sowie über den kleinen Lichtungen.
Es wurde immer riskanter, die Wanderung fortzusetzen. Charlie wollte auf keinen Fall gesehen werden. Sie war erschöpft und befürchtete, beim nächsten Mal nicht mehr rechtzeitig hinter einem Baum verschwinden zu können. Deshalb bog sie in den nächsten Waldweg ein und suchte sich einen geschützten Platz, um etwas zu essen und sich auszuruhen. Nach der langen nächtlichen Wanderung war sie hungrig und müde. Etwas zu essen und ein wenig Schlaf würden ihr gut tun. Sie ließ sich seufzend auf einem dicken Baumstumpf nieder und holte eine Tüte Erdnüsse hervor.
Während Charlie ihre Nüsse knabberte, kramte ihre Hand automatisch in der Jackentasche. Sobald sie den seltsamen, flachen Stein mit ihrer Hand umschloss, wurde dieser immer wärmer. Charlie war während des raschen Nachtmarsches nicht kalt gewesen. Aber jetzt, wo die Wärme des Steines langsam durch ihren Körper sickerte, wurde ihr bewusst, dass sie langsam zu frieren begonnen hatte. Nachdenklich zog sie den Stein hervor und betrachtete ihn.
Ob er mich auch wärmt, wenn ich ihn um den Hals trage?
Langsam hob sie das Lederband hoch und ließ ihn über ihre wuscheligen Haare gleiten. Sorgfältig strich sie alle langen Locken zur Seite, bis der Lederriemen um ihren Hals lag und der weiße Stein an ihrer Jacke herunterbaumelte.
Nichts!
Keine wohltuende Wärme. Dann kam ihr eine Idee.
Vielleicht muss der Stein Körperkontakt haben?
In ihrer Jackentasche war er ja auch kühl gewesen. Erst in ihrer Hand hatte er seine Temperatur geändert. Charlie öffnete den Reißverschluss ihrer Jacke ein Stück und ließ den Anhänger unter ihr Protected by Witchcraft-Shirt gleiten. Kühl legte sich der Stein auf ihre Brust. Nach einer Weile spürte sie, wie er langsam warm wurde und sich die Wärme wohltuend in ihrem Körper ausbreitete. Sie legte eine Hand von außen auf die Jacke und konnte den Anhänger als kleine Erhebung auf ihrem Brustkorb fühlen.
Körperkontakt!
Sie hatte recht gehabt. Zufrieden atmete sie ein paar Mal tief durch. Dann zog sie ihre Regenjacke aus dem Rucksack hervor. Sie rollte sich auf dieser wasserdichten Unterlage neben dem Baumstumpf zusammen und schlief augenblicklich ein.

Sie flog leicht wie ein Vogel durch dichten Nebel. Je schneller sie wurde, desto freier fühlte sie sich. Begierig sog sie die kühle, feuchte Luft in ihre Lungen. Ein helles Lachen suchte sich, erst leise und dann immer kräftiger, den Weg durch ihre Kehle. Sie fühlte, wie ihre Stimmbänder kraftvoll vibrierten. Plötzlich teilte sich der Nebel und schuf einen schmalen Tunnel. Am Horizont zeichnete sich ein schwarzer Punkt ab, auf den sie langsam zuflog. Je näher sie kam, desto aufgeregter wurde sie. Langsam, sehr langsam flog sie näher. Jetzt konnte sie es erkennen: Was von weitem wie ein schwarzer Punkt ausgesehen hatte, waren Haare. Schwarze, kurze Haare lockten sich um den Kopf eines Jungen, der mitten im dichten Nebel auf einem Baumstumpf saß. Je näher sie kam, desto schärfer wurden seine Umrisse. Er war schmal und sehnig. Die Haare waren ungleichmäßig kurz geschnitten; auf der linken Seite fiel ihm eine lange, gelockte Strähne in den Nacken. Der Junge wickelte diese dunkle Strähne immer wieder um den Zeigefinger und ließ sie dann bedächtig bis zum Ende des Fingers gleiten.
Sie flog näher heran und umkreiste langsam den Jungen. Er blickte vor sich auf den Waldboden. Sein rechtes Auge verbarg sich hinter einer längeren, schwarzen Haarsträhne. Der Junge hatte ein leicht blasses, längliches Gesicht, lange Wimpern und hohe Wangenknochen.
Plötzlich flog sie schnell und geradewegs auf den Jungen zu! Der Windstoß, den sie mit sich führte, blies die schwarze Haarsträhne zur Seite. Der Junge schlug die Augen auf und starrte ihr entgegen. Mit einem grünen und einem blauen Auge!

Als Charlie aufwachte, war es später Nachmittag. Ein Blick auf die Armbanduhr verriet ihr, dass es genau 17:33 Uhr war. Der Nebel hatte sich nicht gelichtet. Dicke, weißgraue Nebelschwaden hingen zwischen den Bäumen. Trotz des feuchtkalten Wetters war ihr wohlig warm. Ein gezielter Griff an die Brust bestätigte ihr, woran das lag. Die Wärme des Steines strömte sanft durch ihren Körper.
Warum wurde im Polizeibericht dieser ganz offensichtlich ungewöhnliche Stein als ganz normales Quarzgestein beschrieben?
Charlie räkelte sich und fuhr sich durch die zerzausten Haare.
Vielleicht ist der Stein bei der Polizei nicht warm geworden?
Sie gähnte und setzte ihre Überlegungen fort.
Der Stein gehörte offensichtlich ihr. Sie hatte ihn um den Hals getragen, als sie an jenem Morgen als Baby im Nebel aufgetaucht war. Aus dem Nichts sozusagen. Aus Nebel, ähnlich dem, der sie jetzt hier im Wald umgab. Also war es wohl ihr Stein.

"Die Erben der alten Zeit - Das Amulett" im Kindle-Shop

Mehr über und von Marita Sydow Hamann auf ihrer Website.

13. März 2014

"Mission Phoenix 2 - Wie ein Phönix" von Mara Laue

Die Abenteuer um das Raumschiff PHOENIX gehen in die zweite Runde. Captain Melori ist nur knapp einem Attentat entgangen, Die jüngsten Vorfälle werfen viele Fragen auf, um deren Beantwortung sich zunächst IsteP und IsteND kümmern. Melori und ihre Crew arbeiten unterdessen auf Hochtouren am Umbau ihres Schiffes. Da sie nicht weiß, wem sie wirklich trauen kann, greift sie nicht nur zu einem illegalen Mittel.

Als die PHOENIX, wie das neue Schiff getauft wird, zu ihrem ersten Auftrag aufbricht, muss sich zeigen, ob Melori damit eine gute Entscheidung getroffen hat oder ob sie damit den Gegnern der ISA unfreiwillig in die Hände spielt – denn es gibt nicht nur einen Spion auf Gredion und in höchster Position bei der TRF, sondern auch dort, wo Melori niemals einen vermutet hätte.

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Leseprobe:
„Ihnen ist bewusst, was Sie damit implizieren, Captain Melori?“ Die Frage von Admiral Savili Sirakir, Kommandantin des IsteP-Trägerschiffs KELIAR 429, klang mehr wie eine Feststellung, denn die Antwort lag auf der Hand.
Melori machte eine zustimmende Geste. „Vollkommen. Falls Sie aber eine andere Erklärung dafür haben, dass der Attentäter, der mit größter Wahrscheinlichkeit im Dienst der Piratengilde stand, sich schon lange vor meiner Ankunft auf Gredion aufgehalten hat, bin ich gespannt, sie zu hören.“
Savili Sirakir antwortete nicht, sondern blickte Melori ausdruckslos an.
„Ich resümiere, Admiral. Alle, die direkt oder indirekt daran beteiligt waren, dass die Piratengilde bei Kantaka eine Schlappe erlitten hat, wurden in den letzten Tagen ermordet, sogar sämtliche Siedler, die den Angriff überlebt hatten. Ich gehöre zu den Hauptverantwortlichen für die besagte Schlappe. Die einzigen Personen, die in diesem Zusammenhang ein Interesse an meinem Tod haben könnten, sind die Piraten.“
Sirakir machte eine zustimmende Geste. „Das liegt auf der Hand.“
„Ebenso die einzig logische Schlussfolgerung. Derjenige, der den Piraten verraten hat, dass ich mit meinem Schiff nach Gredion fliegen würde, kann diese Information nur aus dem Umfeld von Admiral Makuma von der Terranischen Raumflotte bekommen haben. Unser ursprüngliches Ziel sollte ein ganz anderes sein. Doch dann wurde uns ein Schiff zugeteilt, das erst einmal umfangreich instandgesetzt werden muss, bevor wir mit ihm unsere Aufgaben in der Forschungsflotte erfüllen können. Erst dadurch wurde der Flug nach Gredion überhaupt notwendig, um die hiesigen Reparaturwerften zu benutzen. Dass Gredion unser Ziel war, wussten nur Admiral Makuma und die Leute, denen er möglicherweise davon berichtet hat beziehungsweise die Zugang zu seinen Befehlsprotokollen haben. Und ja, Admiral, ich impliziere nicht nur, dass ein Verräter, der für die Piraten arbeitet, im Hauptquartier der TRF sitzen muss, ich bin davon überzeugt. Und hier auf Gredion muss es auch einen geben. Denn der Attentäter hat sich bestimmt nicht zufällig hier aufgehalten.“
Allerdings war das nur die halbe Wahrheit, denn es gab noch jemanden, der für diesen Verrat ebenso infrage kam wie John Makuma und ein potenzieller Piratenspitzel auf Gredion: Admiral Indira Graham. Offiziell gehörte sie der Verteidigungsflotte der TRF an, im „Nebenberuf“ war sie jedoch ein hochrangiges Mitglied des Interstellaren Nachrichtendienstes. Doch das durfte Melori Admiral Sirakir ebenso wenig offenbaren wie die Tatsache, dass sie und ihre Crew vom IsteND rekrutiert worden waren, um als harmlose Mitglieder der Forschungsflotte getarnt für den Geheimdienst zu arbeiten. Das wusste bis jetzt noch nicht einmal ihre Crew. Der Gedanke, dass ausgerechnet Graham diejenige sein könnte, die mit den Piraten unter einer Decke steckte, war hinsichtlich seiner Konsequenzen erschreckend.
„Und ja“, fuhr Melori fort, „es liegt auch auf der Hand, dass die Piraten ein Interesse an Gredion haben, andernfalls dieser Attentäter sich nicht schon seit längerem hier aufgehalten hätte. Wie Sie bemerkt haben dürften, war er ein Auftragskiller der Siktatlin-Sekte. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass er nicht selbst zu den Piraten gehörte, sondern von denen nur für diesen Auftrag angeheuert wurde, müssen die Piraten, die ihn beauftragt haben, gewusst haben, dass ich hierher kommen werde und auch, dass er bereits hier war. Nach allem, was die IsteP über die Siktatlin-Sekte weiß, dauert es erheblich länger als nur einen Tag, um die Sekte zu kontaktieren und einen ihrer Leute zu bekommen. Er hat sich aber nur einen Tag nach meinem Abflug von Terra hier schon nach mir erkundigt.“
Sirakir blickte Melori aufmerksam an. „Sie gehen also davon aus, dass dieser Attentäter seit längerem für die Piraten arbeitet und auch, dass er nicht die einzige Person auf Gredion ist, die mit denen im Bunde ist.“
Melori nickte. „Definitiv.“
Sirakir blickte eine Weile nachdenklich zur Seite. „Ich denke, Sie haben recht, Captain. Vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Überwachungskameras nicht aufgezeichnet haben, dass der Mann den Teil der Werft betreten hat, wo er Sie angegriffen hat. Leider waren die Kameras in diesem Bereich deaktiviert worden. Die noch aktiven in dessen Umfeld haben nur einen frelsischen Sicherheitsmann aufgezeichnet, der diesen Bereich betreten hat. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist er für die Deaktivierung der Kameras verantwortlich. Und wahrscheinlich hat er auch den Attentäter vor Ort an den Kameras vorbei geschleust. Als Sicherheitsmann kennt er die Überwachungstechnik und hätte jederzeit eine Schleife aktivieren können, in deren Deckung der Attentäter agieren konnte.“
Melori nickte. Das war eine gute Erklärung. Sie hatte nur einen Haken.
Admiral Sirakir beugte sich vor. „Dabei gibt es jedoch eine Ungereimtheit, vielmehr ein Phänomen. Erstens: Der frelsische Sicherheitsmann existiert nicht. Wir haben sämtliche Personaldaten der Werftangestellten überprüft, nicht nur die der Sicherheitscrew; und zwar planetenweit. Der Frelsiner gehört weder zum Sicherheitsteam noch arbeitet er in einem anderen Bereich. Er ist auch laut den Aufzeichnungen der Ankunftskontrollen niemals auf dem Planeten angekommen. Er ist ein Phantom, das aus dem Nichts gekommen ist und sich in Luft aufgelöst hat. Und nicht nur er.“
Das wunderte Melori nicht. Aber den Grund für dieses Phänomen würde sie Sirakir nicht verraten. Der war zu brisant. Sie seufzte. Sie war vierzehn Jahre lang Mitglied der IsteP gewesen und hatte in der Arbeit für die Interstellare Polizei ihre Berufung gesehen. Dass sie jetzt vor den Vertretern ausgerechnet der Institution Geheimnisse haben musste, die für die innere Sicherheit der ISA verantwortlich war und der Melori immer noch uneingeschränkt vertraute, schmerzte sie. Doch die gegenwärtige Situation ließ ihr keine andere Wahl. Zumindest keine, die sie im Interesse der ISA hätte nutzen können.

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