24. Januar 2012

'Kunterbunter Kinderkram' von Sabine Ludwigs und Eva Markert

Die schönsten Lese- und Vorlesegeschichten für Kinder:
Aufgewacht – Der Weihnachtsmann, der im Sommer kam – Der Mondkobold – Der Fehlerteufel – Dunkelangst – Hausarbeit mit Papa – Das Trist – Der einsame Fisch – Kofferpacken – Milena, das Rotkäppchen und der Wolf – Serafina – Hexenkind

Kindergeschichten von Sabine Ludwigs und Eva Markert – das bedeutet Begegnungen mit liebenswerten Figuren, fröhliche Geschehnisse, Nachdenkliches, Märchenhaftes und Abenteuerliches, alles in einem Band!

Fantasievoll und in schlichter Weise erzählt. Zur guten Nacht, für unterwegs oder zwischendurch. Zum Vorlesen und Selbstlesen. Für kleine und große Leute ab 5 Jahre

Gleich lesen: Kunterbunter Kinderkram, Lese- und Vorlesegeschichten

Leseprobe: Sabine Ludwigs, Aufgewacht
In der Nacht wacht Rebecca auf und kann nicht wieder einschlafen. Sie wundert sich, was sie geweckt hat. Sie ist nicht durstig oder muss aufs Klo und sie hat auch nichts Schlimmes geträumt.
Um sie herum ist es ruhig und friedlich. Die Sterne funkeln am Himmel. Der Mond sieht aus wie ein großer, silberner Ball und scheint durch die offenen Vorhänge herein. „Guten Abend“, begrüßt Rebecca ihn, doch der Mond antwortet natürlich nicht.
Rebecca setzt sich auf und schaut umher. Im hellen Mondlicht kann sie die Dinge im Kinderzimmer erkennen: den Kleiderschrank, die Regale, das Kasperltheater und den Schaukelelefanten aus Holz.
Alles scheint wie immer. Kaline, das wollige Traumschaf, liegt neben Rebecca auf dem Kopfkissen. Die Puppen Mona und Lisa sitzen am Tischchen. Das Federballspiel, die Rollschuhe, das Springseil und ein roter Turnschuh türmen sich in einer Ecke, denn Rebecca räumt nicht gerne auf.
Irgendwo bellt ein Hund. In der Ferne brummt ein Automotor und verklingt. Es wird wieder still. Doch plötzlich hört Rebecca ein Geräusch unter ihrem Fenster. Es kommt von draußen.
Sie hält die Luft an und horcht angestrengt: Tipp – tapp – tipp – tapp. Das klingt wie gedämpfte Schritte. Jemand schleicht ums Haus!
Leseprobe: Eva Markert, Der Weihnachtsmann, der im Sommer kam
Als Ronnie am frühen Morgen aufwachte, riss er verwundert die Augen auf. Das gab es doch gar nicht! Auf der Bettkante saß ein dicker Mann mit weißem Bart, weißen Haaren, einer roten Mütze und einem roten Mantel mit Pelzbesatz. Der Weihnachtsmann! Und das mitten im Sommer!
„Was ... wie ...“, stammelte Ronnie.
„Wie ich hierherkomme, willst du wissen?“ Der Weihnachtsmann seufzte. „Das war gar nicht so einfach, kann ich dir sagen. Weil kein Schnee liegt, konnte ich meinen Schlitten nicht benutzen. Ich musste ein Fahrrad nehmen – obwohl ich in meinem ganzen Leben noch nie auf einem solchen Ding gesessen habe. Du glaubst nicht, wie weh mir mein Hinterteil tut!“
„Weshalb ... warum...“, stotterte Ronnie.
„Warum ich im Sommer zu dir komme?“ Wieder seufzte der Weihnachtsmann. „Auch das kann ich dir erklären. Als ich gestern meine Werkstatt aufräumte – du musst wissen, ich räume meine Werkstatt immer im Sommer auf, weil ich im Winter keine Zeit dazu habe ... Äh, was wollte ich sagen? Ach ja! Als ich also gestern meine Werkstatt aufräumte, fand ich ganz hinten auf einem Regal ein Päckchen mit deinem Namen drauf. Ich habe letzten Weihnachten vergessen, es dir unter den Baum zu legen. Tut mir wirklich leid.“ Der Weihnachtsmann wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Im Kindle-Shop: Kunterbunter Kinderkram, Lese- und Vorlesegeschichten

23. Januar 2012

'Tränen gibt es überall' von R.D.V. Heldt

Ein Schicksalsroman über zwei gegensätzliche Familien, die ein schreckliches Ereignis zusammenführt. Ein übermüdeter LKW-Fahrer verursacht einen Unfall, durch den die junge Mutter Karina ins Koma fällt. Ihr Mann Robert ist verzweifelt, denn niemand kann ihm sagen, wie es weitergeht.

Gedanken der Autorin zum Buch: Warum leben viele Menschen nicht miteinander, sondern bekämpfen sich gegenseitig, nur um besser und größer zu sein? Warum ist der Egoismus so vordergründig und das Schicksal des anderen interessiert nicht? Es zählt nicht das gleiche Recht für alle, sondern nur das Recht, das einzelne für sich beanspruchen. Warum bringen erst schlimme Erfahrungen die Menschen zum Umdenken - und warum erinnern wir uns nicht daran, dass wir alle gleich sind - wenn wir geboren werden und auch im Tod? Genau diese Überlegungen haben mich veranlaßt "Tränen gibt es überall" zu schreiben, um einfach einmal zum Nachdenken anzuregen.

Gleich lesen:
Für Kindle: Tränen gibt es überall
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Als er das Polizeigebäude verlassen hatte, betrat er eine in der Nähe befindliche Telefonzelle und bestellte sich erneut ein Taxi, von dem er sich zum St. Bernwardkrankenhaus bringen ließ.
Hier angekommen kaufte er an einem Blumenstand, der auf dem Krankenhausgelände aufgebaut war, einen Strauß aus roten Gerbera und gelben Rosen. So bestückt trat er an den Informationsschalter des Krankenhauses.
„Guten Tag, ich möchte gern zu Frau Karina Bellings. Können Sie mir bitte sagen auf welcher Station und in welchem Zimmer sie liegt?“ fragte er höflich.
„Sind Sie verwandt mit Frau Bellings?“ kam es zurück.
Verdutzt antwortete er:
„Nein, nur bekannt.“
„Melden Sie sich bitte in der Unfallchirurgie, Station eins. Dort wird man Ihnen weiterhelfen.“
Walter bekam noch eine kurze Wegbeschreibung und verließ die Information.
Er bekam ein schlechtes Gewissen wegen seiner Aussage, er sei mit Karina Bellings bekannt, aber etwas anderes fiel ihm spontan nicht ein. Er konnte ja schlecht sagen, dass er der Verursacher war und sie hierher gebracht hatte. Obwohl, bekannt waren sie ja jetzt auf eine tragische Weise und er war sich sicher, dass Karina liebend gern auf diese Bekanntschaft verzichtet hätte.
Doch nun beendete er dieses Gedankenspiel und konzentrierte sich wieder auf den bevorstehenden Krankenbesuch.
Auf der Station traf er Oberschwester Beate, der er sein Anliegen vortrug.
Hier verschwieg er nichts und erzählte ihr, wie wichtig es ihm wäre, Frau Bellings zu sehen und ihr mitzuteilen, wie sehr er alles bedauere.
Schwester Beate schaute ihn nur abschätzend an und dann erklärte sie, dass er wohl wenig Chancen hätte sich zu entschuldigen, da Frau Bellings seit dem Unfall nicht ansprechbar war.
Außerdem durfte sie ihn nicht zu ihr lassen, da es strikt verboten war Besucher, die nicht verwandt mit den Patienten waren, zu ihnen zu lassen oder Auskünfte zu erteilen. So etwas könnte sie ihren Job kosten.
Blass wurde Walter Becker und er begann zu zittern. Damit hatte er nicht gerechnet. Seine Hoffnung, dass alles eine gute Wende nahm, schwand dahin.
Mitleiderregend stand er da. Leid tat er nun auch Schwester Beate und sie entschied sich, trotz aller Vorschriften und in der Hoffnung, dass niemand davon erfährt, ihn doch zu Karina zu bringen.
„Ich werde Sie zu Frau Bellings lassen“ sagte sie zu ihm.
„Allerdings müssen Sie mir gestatten im Zimmer zu bleiben.“ Benommen nickte Walter Becker mit dem Kopf und folgte der Schwester bis zum Zimmer 24.
Als beide das Zimmer betraten, starrte Walter Becker auf das Bett, in dem eine wunderschöne junge Frau lag. Mit geschlossenen Augen lag sie da. Er drückte der Schwester den Blumenstrauß in die Hand, stellte sich vor das Bett und Tränen liefen ihm über sein Gesicht. Er sackte auf einen Stuhl, der sich neben dem Bett befand, ohne seinen Blick von Karina zu lassen. Er befand sich wieder in einem Schockzustand, aber dieses Mal heftiger als beim Unfall.
Ungefähr nach drei Minuten begann er plötzlich zu sprechen.
„Es tut mir so leid, so unendlich leid. Wäre doch nur ich an Ihrer Stelle. Warum ist mir nichts passiert? Warum bin ich nicht tot? Ich wollte das doch nicht. Ich bin doch nur gefahren, damit ich meiner kleinen Tochter, die Leukämie hat, ihren größten Wunsch erfüllen kann, damit sie einmal ins Disneyland nach Florida kommt. Ich wollte doch nur ein guter Vater sein. Nun bin ich ein Versager und vielleicht sogar ein Mörder. Ihnen hab´ ich großes Leid zugefügt und meine Tochter stirbt vielleicht und ich kann ihren Traum nicht wahrmachen, denn das Geld für die Reise bekomme ich nie zusammen.
Mein Chef hat mich rausgeschmissen und recht hat er, ich tauge zu nichts und mache nur Scherereien. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen und alles ungeschehen machen.“
Nach diesem Redeschwall schwieg er wieder und hatte während der ganzen Zeit nicht aufgehört zu weinen.

Im Kindle-Shop: Tränen gibt es überall
Für Tolino: Buch bei Thalia

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18. Januar 2012

'Im Schatten des Engels' von Eva Markert

Nach einem Autounfall steht Sarah Norden dem Todesengel gegenüber, der ihr eine zweite Chance gewährt: Sarah darf ins Leben zurückkehren, um lieben zu lernen. Ein Jahr ist ihr hierfür gegeben - ein Jahr, in dem sie versuchen will, ihrem Mann Robert die Liebe entgegenzubringen, die er ihrer Ansicht nach verdient.

Doch da ist auch noch der verheiratete Tierarzt und Vater zweier Kinder, Matthias Wulf, und es stellt sich die Frage, ob Sarah die Erwartungen des dunklen Engels letztlich erfüllen kann.

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Lesermeinung: Ein Buch, dass man nicht aus der Hand legen möchte, sondern in einem Rutsch durchliest.


Leseprobe:
Die Gestalt, die am Fußende des Bettes aufragte, war von einer Aura umgeben.
„Wer … wer bist du?“, stammelte Sarah.
„Du weißt es.“
Die Gesichtszüge des Engels waren ebenmäßig, von klassischer Schönheit wie die einer griechischen Statue. Sein
Antlitz wurde von tiefschwarzen Locken umrahmt. Er trug ein langes, schwarzes Gewand und hatte mächtige, schwarze
gefiederte Schwingen. Es war das schwärzeste Schwarz, das Sarah jemals gesehen hatte.
„Wer bist du?“, wiederholte sie.
„Du weißt es.“
Sarah schüttelte eigensinnig den Kopf, sie wollte es nicht wahrhaben.
Der Todesengel schwebte auf sie zu. Seine Füße, die unter dem langen Gewand hervorschauten, berührten den Boden
nicht. Das Licht, das aus seinen Nachtaugen brach, verströmte Wärme. Er streckte beide Hände aus. „Komm.“
Sein Anblick erfüllte Sarah mit einer unbestimmten Sehnsucht.
„Komm, Sarah.“
Dass er sie bei ihrem Namen nannte, machte sie aus irgendeinem Grund glücklich. Ja, sie wollte mit ihm gehen,
wohin er sie auch bringen würde. Wie von selbst hob sie beide Hände, um sie in seine zu legen.
In diesem Augenblick stöhnte Robert auf.
Sarah stockte und schaute zu ihm hin.
Er neigte sich über ihren Körper. Seine Brille saß völlig schief. „Sarah“, flüsterte er, „Spätzchen, bitte …“
Und dann sah sie, dass er weinte.

Im Kindle-Shop: Im Schatten des Engels

16. Januar 2012

Bücher sind Denkspiele

Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? Das ist auch ein beliebtes Denkspiel. Der praktisch Veranlagte wird möglicherweise an Angel, Axt und Zündhölzer denken, bei mir gehörten schon immer Bücher dazu. Lieblingsbücher, als Teenager auch Schallplatten, die ich nicht missen mochte. Weil jedoch der Platz begrenzt ist, muss man sich entscheiden, und in jeder Lebensphase fällt die Wahl anders aus. Die modernen Zeiten machen es endlich leicht. Mit dem Griff zum eBook-Reader ist die eigene Bibliothek eingepackt und es bleibt noch reichlich Platz in der Tasche für andere nützliche Dinge.

Und schon hat er sich eingeschlichen, der Denkfehler. Genauso, wie damals eine Schallplatte ohne Abspielgerät sinnlos war, wird heute ein Reader mit leerem Akku nicht viel Freude bereiten – von einem Kraftwerk auf der einsamen Insel ist eher nicht auszugehen. Also doch ein richtiges Buch, aus Pappe und Papier. Mit geneigtem Kopf stehe ich unschlüssig vor dem Regal, lasse den Blick über die Buchrücken streifen und halte die Lesebrille fest. Die Brille, fast hätte ich nicht daran gedacht, die muss inzwischen auch mit, wenn ich mich nicht nur am heimeligen Blätterrascheln erfreuen will.

Ich liebe Bücher, halte sie gern in der Hand und blättere immer wieder darin. Dabei ist es mir gleich, ob sie in Leinen gebunden oder Paperback sind. Ich finde es nicht schlimm, wenn der Schutzumschlag eingerissen, das Papier vergilbt oder der Einband abgegriffen ist. Das Buch ist nur ein Behältnis für die Geschichten und das Wissen, die darin aufbewahrt sind. In diese Gedankenwelten will ich versinken, wenn ich mir ein Buch kaufe. Ich will lesen, will Zeile für Zeile zu Denkspielen verführt werden. Es ist egal, ob sich das auf Seiten aus Papier oder auf einem elektronischen Display vollzieht – einem guten Buch, besser gesagt einem guten Autor, gelingt dieses Kunststück mit dem ihm eigenen Material: der Sprache.

Kommt es nicht allein darauf an? Mich verwundern die Bedenken, mit der technischen Entwicklung und der damit einhergehenden Verbreitung von eBooks gerate das Buch als Kulturgut in Gefahr. Ob gedruckt oder digital, es wird künftig beides geben. Jede Form, in der eine Geschichte mich erreicht, hat ihre Berechtigung. Es ist und bleibt der Inhalt, den ich mir erschließen will. Ich habe Klassiker der Weltliteratur in Reclam-Heftchen gelesen, die ich heute noch besitze. Ich habe Prosa in Prachteinbänden gelangweilt zur Seite gelegt. So lang es das Internet gibt, bin ich auf wunderbare Texte gestoßen, die ich mir als Dokument auf der Festplatte aufbewahre. Und nun ist es möglich, fast mehr Bücher im Speicher des eBook-Readers bei sich zu tragen, als ein einzelner Mensch im Leben zu lesen vermag.

Aus der Perspektive der Leser bringt diese Entwicklung nur Vorteile. Er kann noch freier entscheiden, was, wie und wen er lesen will. Auflage vergriffen? Egal, dann hole ich es mir digital. Statt Skepsis zu streuen, steht der Buchmarkt vor der Aufgabe, sich diesen Veränderungen anzupassen. Das Argument, das gebundene Buch in seiner Verarbeitung und Haptik sei als kulturelle Errungenschaft vom Untergang bedroht, ist denkbar schwach. Das Buch darf Papier sein oder Pixel. An den Gedanken, zu denen ein Buch einlädt, ändert sich ganz und gar nichts. Es geht um die Inhalte, die Denkspiele, nicht um das Trägermedium, auf dem sie sich materialisieren.

Um es noch einmal zu sagen: Ich mag gedruckte Bücher. Ich bewundere sie, wenn sie alt und kunstvoll sind. Ich halte ehrfurchtsvoll vor Handschriften und Inkunabeln den Atem an – einerseits, weil sie wunderbare Zeugnisse unserer Kultur sind; andererseits, damit die Scheibe der Vitrine nicht beschlägt, die das verletzliche Original im Museum vor mir schützt. Was in ihnen geschrieben steht, kann ich in modernen Nachdrucken bewundern. So wie all das, was wir von Steintafeln, Palmblättern und Papyrus übertragen haben. Wenn man bedenkt, wie viel im Laufe der Geschichte an Geschriebenem verloren gegangen ist, weil es auf vergänglichem Material gebannt war und leicht der menschlichen Dummheit, Willkür und Zerstörungswut zum Opfer fallen konnte.

Was für eine Innovation war da der Buchdruck, der Wissen vervielfältigen und Ideen verbreiten half. Wie fortschrittlich war es, als sich Bücher in ein kostbares Handelsgut verwandelten. Wie ungeheuerlich muss es angemutet haben, als Bücher nicht mehr nur auf Messen einer elitären, gebildeten Leserschaft, sondern auch auf gewöhnlichen Jahrmärkten feilgeboten wurden. Es ist spannend, diese historische Entwicklung einmal etwas genauer zu betrachten, auch mit Blick auf jene, die sich mit Index und Bücherverbrennungen der Freiheit des Wortes entgegenstemmten. Als Anfang des 18. Jahrhunderts Maschinen die Handarbeit ablösten, wurden Bücher auch für ein breites Publikum erschwinglich und erst jetzt konnten sich Buchhandel und Verlagswesen im modernen Sinne entfalten. Wieder stand eine technische Weiterentwicklung am Anfang und ganz bestimmt wurden Stimmen laut, die den Untergang der abendländischen Kultur nahen sahen. So können wir, mit dem sinnbildlichen Finger auf einem imaginären Zeitstrahl, bis ins Heute verfolgen, wie neue Entwicklungen den Buchmarkt, die Literatur und das Lesen verändert haben. Kino, Fernsehen, Computer und Internet haben dem Buch nicht geschadet. Bei genauer Betrachtung geschah genau das Gegenteil, weil immer auch Barrieren abgebaut, Kommunikation beschleunigt und Interessen genährt wurden.

Mit dem eBook vollzieht sich gerade wieder so ein tiefgreifender Wandel. Die Lesegeräte werden kleiner, leichter und leistungsfähiger. Die Technik ermöglicht es, die Reader den Bedürfnissen und Gewohnheiten der Leser anzupassen. Es wäre doch mehr als töricht, diese Möglichkeiten und Chancen nicht zu nutzen. Mit den eBooks haben sich die Bücher einen neuen Freiraum erobert, sind schneller und näher bei ihren Lesern. Der Zweck eines Buches besteht nicht darin gedruckt, sondern gelesen zu werden. Wenn das Denkspiel zwischen den realen oder virtuellen Seiten fesselnd, spannend und aufregend ist, wird man an das Geräusch des Papiers beim Umblättern ohnehin keinen Gedanken verschwenden.

Und allen Bedenkenträgern zum Trotz: Wie sich mehr und mehr herumspricht, lesen die Besitzer von eBook-Readern heute eifriger als vor dessen Erwerb – sogar 600-Seiten-Romane, mit einer Hand gehalten zwischen Daumen und Zeigefinger, stehend in der U-Bahn, geschlagene 20 Minuten lang.

Lutz Schafstädt


'Steinige Lebenswege' von Sigrid Wohlgemuth

Fünf Geschichten über fünf Frauen an Wendepunkten auf einem steinigen Lebensweg. Das Schicksal schlägt zu, das Leben verändert sich und jede (er)trägt es auf ihre Weise. Gibt es am Ende Hoffnung?

Lesermeinung: Sigrid Wohlgemuth gelingt es, Situationen und Schicksale in einfühlsame, komprimierte Szenen zu fügen, die noch lange im Leser nachklingen.

Gleich lesen: Steinige Lebenswege

Leseprobe aus "Sofias Baum"
„Die Katzenfrau!“, hörte Sofia die Nachbarn aus der Ferne rufen. Sie ließ sich davon nicht aufhalten. Sofias Schritte führten sie zu ihrem alten Freund, der vor sechsundachtzig Jahren, am Tag ihrer Geburt gepflanzt wurde.
„Mein armer Freund.“ Sanft streichelte sie ihm über die trockene Rinde.
„Hätten wir im Frühjahr mehr Regen gehabt und unser Brunnen wäre nicht ausgetrocknet, dann würde es dir nun besser gehen. Mir fehlt die Kraft das Wasser zu dir zu schleppen. Du musst durchhalten, jeden Tag kann sich das Wetter schlagartig ändern, dann kannst du deine Wurzeln vollsaugen.“ Obwohl sie täglich hoffte, dass bald der Himmel seine Pforten öffnete, so wartete Sofia seit Wochen vergebens. Die Hitze hatte das Land eingenommen, es gab immer weniger Regentage.
„Gib’ jetzt bloß nicht auf!“ Behutsam kniete sie und legte den Kopf auf seine Wurzeln. Die ihr gefolgte Katzenschar ließ sich im Gebüsch nieder.
"Steinige Lebenswege" im Kindle-Shop

'Kai - Der Auserwählte' von R.D.V. Heldt

Ein Jugendbuch für alle Fans von Fantasy, Sagen und Geschichten.

Der 10-jährige Kai Hellsing lebt mit seinen Eltern in der Stadt, bis sie durch eine Erbschaft ein Bauernhaus in einem Dorf beziehen. Kai muss mit der Trennung von seinem besten Freund, einem Schulwechsel und einer völlig neuen Umgebung fertig werden. Dies fällt ihm überhaupt nicht leicht, darum flüchtet er sich immer öfter in einen, an das Haus angrenzenden Wald. Hier fühlt er sich wohl.

Als er eines Tages gedankenverloren im Wald herumirrt, gelangt er auf wundersame Weise in das Elfenreich und trifft Serafina. Bis er aber ein Auserwählter der Elfen wird, verlangen die Regeln, dass es für ihn noch einige Rätsel zu lösen gibt.

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Leseprobe:
Ein 10jähriger Junge begreift schon alles was man ihm mitteilt, aber nimmt viele Dinge hin, ohne sich hinterher noch großartig damit zu befassen. Anders Kai. Kai legte sich erst einmal auf sein Bett, schloss die Augen und dachte an Tante Resi, an ihren schönen kleinen Hof, den Blumengarten und den nahegelegenen Wald, in dem sie immer Spaziergänge unternommen hatten. Auch an den warmen Apfelstrudel, den wohl niemand so gut backen konnte wie Tante Resi. Kai hatte all die Dinge vor Augen und empfand nun auch eine Traurigkeit darüber, dass Tante Resi nicht mehr am Leben war.

Inzwischen war es 19.00 Uhr geworden und ihm fiel ein, dass er ja noch bei Markus anrufen wollte. Da er neben einem Computer auch einen eigenen Telefonanschluß in seinem Zimmer hatte, griff er zum Hörer und wählte Markus Nummer. Am anderen Ende meldete sich die Mutter und Kai verlangte bitte mit Markus sprechen zu dürfen.
„Markus, Kai ist am Apparat“, hörte er die Mutter rufen und bald war er mit seinem Freund verbunden.
„Markus, ich verreise morgen. Das war es, was meine Eltern mir sagen wollten. Unsere Tante Resi ist gestorben.“
„Musst du nicht in die Schule?“ fragte Markus.
„Nein, meine Mutter hat mich bis zu den Ferien freistellen lassen.“ „Und wann kommst du wieder?“
„Weiß ich noch nicht, aber nach den Ferien bin ich bestimmt wieder da.“
„Schade, dann bist du ja auch über Ostern weg“, bedauerte Markus.
„Ja, aber es lässt sich nicht ändern.“
„Meldest du dich gleich wieder bei mir, wenn du da bist?“
„Na logo, als Erstes.“
„Alles klar, dann mach´s gut.“
„Ja, du auch.“
Damit verabschiedeten sich die beiden und Kai ging gleich ins Bad um sich die Zähne zu putzen und anschließend legte er sich schlafen. Es dauerte eine Weile bis er einschlafen konnte, denn die Gedanken ließen ihn nicht los.

Pünktlich um 4.00 Uhr in der Früh, strich seine Mutter ihm mit der Hand übers Haar und sagte: “Aufstehen mein Schatz, es ist Zeit.“
Kai reckte sich in seinem Bett, wischte sich den Schlaf aus den Augen, gähnte ausgiebig und kam so langsam aus dem Traumland zurück. Er konnte sich aber an keinen Traum erinnern und nach und nach fiel ihm wieder der Anlass ein, warum er so früh geweckt wurde. Er verließ sein Bett und ging im Schlafanzug in die Küche, wo seine Mutter ein Frühstück bereitete und sein Vater bereits, fertig angezogen, am Tisch saß. Kai wünschte einen Guten Morgen und ging zunächst ins Badezimmer um sich zu waschen, bevor er sich anzog und dann ebenfalls am Frühstückstisch Platz nahm. Die drei aßen eine Kleinigkeit und sprachen über die Fahrt und wie der Verkehr wohl auf der Autobahn sein würde. Kais Mutter packte inzwischen auch noch für alle drei ein paar Sachen zusammen, die sie für die Fahrt und den Aufenthalt benötigten. Nachdem die Wohnung in Ordnung gebracht war, traten sie die Fahrt an.

Im Kindle-Shop: Kai - Der Auserwählte

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13. Januar 2012

'Felix - Held in Ausbildung' von Matthias Czarnetzki

Im Angesicht des feuerspeienden Drachens fragte sich Felix, ob es klüger gewesen wäre, an diesem Morgen in die Schule zu gehen und die angekündigte Matheklausur zu schreiben. Die Wahl zwischen Held + Königreich + Prinzessin und Mathe schien leicht. Leider hatte zu dem Zeitpunkt niemand feuerspeiende Drachen, Seeungeheuer, tödliche Abgründe und das unsäglich Böse selbst erwähnt - ansonsten hätte sich Felix auf jeden Fall anders entschieden.

Denn die Prinzessin ist nett - aber gleich für sie sterben klingt nur in Gedichten oder Brian-Adams-Songs gut. Doch zum Glück lassen sich die meisten Probleme einer Märchenwelt mit der Intelligenz und Logik eines cleveren Zwölfjährigen lösen - zumindest hofft Felix das.

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Leseprobe:
Entschuldigung des Fehlens von Felix Krollman am Freitag, den 17. November
Sehr geehrter Herr Lehrer,
sicher haben Sie bemerkt, dass ich am Freitag nicht im Unterricht war und dadurch leider die angekündigte Mathematikklausur versäumt habe. Ich könnte jetzt eine halbwegs glaubwürdige Ausrede erfinden oder ein gefälschtes ärztliches Attest vorlegen, aber Sie sagen ja immer, die Wahrheit wird von Ihnen am wenigsten bestraft und kommt sowieso ans Licht. Deshalb will ich möglichst genau schildern, welche Ereignisse mein Erscheinen verhinderten.
Wie Sie sich bestimmt erinnern, war dieser Freitag relativ kühl und es nieselte. Da mir am Vorabend beim Weckerstellen ein Fehler in der Disposition bezüglich der Weckzeit unterlaufen war, wurde es sehr eng mit der Zeit. Nun hätte ich es mit einer geringfügigen Verspätung doch noch zur Schule schaffen können, aber wie gesagt, es war kühl. Und meine Mami sagt immer, wenn es kühl ist, nimm einen Schal. Den hatte ich in der Eile meines Aufbruches glatt vergessen, deshalb musste ich noch einmal umkehren, schließlich bin ich gut erzogen und kann die Anweisung meiner um mich besorgten Mami nicht einfach ignorieren. Deshalb konnte ich nicht wie gewohnt mit meinen Freunden zur Schule gehen.
Zu Hause war leider niemand mehr da, denn, wie Sie wissen, arbeiten meine Eltern beide, obwohl meine Mami nur halbe Tage. Ich musste deshalb allein nach dem Schal suchen, den ich nicht gleich fand, weil meine Mami am Tag zuvor aufgeräumt hatte. Ich finde übrigens nie etwas von meinen Sachen, wenn meine Mami aufgeräumt hat. Vollkommen unvermutet hatte Mami den Schal gut sichtbar an der Flurgarderobe aufgehängt. Deshalb dauerte die Suche auch etwas länger. Danach verließ ich schnurstracks das Haus, um nicht zuviel vom Unterricht zu versäumen. Ich schloss gerade die Haustür zu, als ich hinter mir eine Stimme hörte. Da sie schon einige Hausbesuche bei uns gemacht haben, wissen sie ja, dass unser Haus etwas abseits in einer kleinen Buschoase liegt. Ich vermutete, dass sich eine kriminelle Gestalt in diesem Gebüsch versteckte und auf die Gelegenheit wartete, ein schwaches, wehrloses Kind zu überfallen und den Hausschlüssel zu rauben. Ich drehte mich also blitzschnell um und wollte dem Gegner durch einen speziell trainierten Kampfschrei Angst einjagen. Doch als ich Auge und Auge mit dem Unhold stand, blieb mir der Schrei im Hals stecken. In diesen Sekunden wiederholte das Wesen seine Frage.
"Could you please helping me?" Ich habe mir von meinem Papa später sagen lassen, dass das in einem grammatikalisch unzulässigen Englisch so etwas wie "Kannst du mir bitte helfen?" heißen sollte, aber selbst wenn ich Englisch so gut könnte, hätte mir das im Moment kaum geholfen. Ich war nämlich völlig baff. Denn vor mit stand ein ausgewachsener Troll!
Glauben Sie nicht, dass das nur ein Produkt meiner Phantasie war oder ich Ihnen was vorschwindeln will! Nein, da war wirklich ein Troll! Ich wusste sofort, dass das einer ist, obwohl ich vorher noch nie einen gesehen hatte. In diesem Moment war ich mir aber nicht der Einzigartigkeit meines Erlebnisses bewusst sondern eher dessen, dass die gewaltige, gut anderthalb Meter lange und mindestens hundert Kilo schwere Keule, die er über seiner Schulter trug, mir im Ernstfall empfindlich weh tun könnte. Und genau in diesem Moment nahm er das Ding von der Schulter und mir wurde schwarz vor Augen. Naja, Urglat (das ist sein Name) hat später beteuert, dass er die Keule nur absetzen wollte, um mir die Hand zu geben. Ehrlich gesagt, er ist auch ganz anders als die Trolle, von denen man sonst so liest. Er ist nett, freundlich und vollkommen harmlos, wenn er genug gegessen hat.
Das Nächste, was ich mitbekam, war, dass mich Urglat wie eine Feder hoch hob (er ist furchtbar stark, falls ich das noch nicht erwähnt hatte) und in die Büsche trug. Dort sah ich etwas, was mich an einen Riss in unserem Raum-Zeit-Kontinuum erinnerte. Ich spürte ein eigenartiges Kribbeln vom Scheitel bis zur Sohle, als mich Urglat durch diesen Riss trug, so, als würde man in eine Wasseroberfläche eintauchen, nur dass hinter der Oberfläche kein Wasser, sondern ein anderes Universum war. Die Erkenntnis, in ein Paralleluniversum verschleppt, in der Gewalt eines übermächtigen Feindes zu sein und nur geringe Hoffnungen zu haben, nach Hause zurückzukehren, waren zuviel für meine empfindliche Psyche. Mit anderen Worten, ich fiel in Ohnmacht. Schon wieder.
Als ich zu mir kam, sah ich nur weiß. Ich lag bäuchlings auf einem weißen Marmorfußboden in einem Zimmer mit weißen Marmorwänden, dessen weiße Marmordecke von weißen Marmorsäulen gestützt wurde. Die Architektur war nicht schlecht, nur die Farbgestaltung etwas eintönig - meiner bescheidenen Meinung nach.

Im Kindle-Shop: Felix - Held in Ausbildung
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12. Januar 2012

'Das Feuerpferd' von drei Autorinnen

Ein Fantasy-Roman, geschrieben als Gemeinschaftsprojekt von Sabine Abel, Annemarie Nikolaus und Monique Lhoir. Lesermeinung: Die drei Autorinnen verstehen es wunderbar, mich in höchster Spannung zu halten bis zum Finale.

Im Gestüt am Schattensee wird in einer Gewitternacht ein weißes Fohlen geboren. Mit seiner Geburt in der Welt der Sterblichen entschwindet die Kraft des Feuers aus dem Schattenreich und der Insel Seoria droht der Untergang. Der "alte Grint" versucht, diesen Moment der Schwäche zu nutzen, um das ganze Schattenreich zu unterwerfen.

Seorias Herrscherin, die Zauberfürstin Moghora, muss nun in beiden Welten um ihre Macht kämpfen. Die Bewohner des Gestüts und eines benachbarten Weinguts sehen sich gezwungen, Partei zu ergreifen und entscheiden am Ende über den Ausgang des Kampfes zwischen Moghora und dem alten Grint.

Gleich lesen: Das Feuerpferd

Leseprobe:
Zwei kräftige Hände packten Lybios und hielten ihn brutal fest. In seinem Kopf drehte sich alles.
Dies war nicht Moghoras Turm, zu dem er sich zurückzaubern wollte. Beim Zauberspruch am Schattensee musste ihm ein Fehler unterlaufen sein.
Man band ihm die Hände auf dem Rücken zusammen. Geruch von verdorbenem Fleisch drang in seine Nase und ließ seinen Magen krampfen. Langsam öffnete er die Augen und starrte direkt in das knubbelige Gesicht eines Twehts, den Dienern des alten Grint. Auf dem Kopf ragten zwei daumengroße Hörner in die Höhe und orangefarbene Pupillen flackerten auf. Der Tweht reichte ihm gerade bis zum Bauch. In der Klaue hielt er eine spitze Lanze, die Lybios weit überragte.
Lybios schluckte. Er war Moghoras Erzfeind in die Hände gefallen! Und seine Zauberkräfte funktionierten hier nicht, denn trotz aller Anstrengungen: Die Fesseln blieben fest.
„Steh auf!“ Der Tweht zog ihn auf die Beine.
Die Beule an Lybios’ Hinterkopf klopfte schmerzhaft. Seine letzte Erinnerung war der schrille Schrei der Sterblichen. Er schien immer noch in seinen Ohren zu klingen.
Jetzt befand er sich in einer Höhle. Stickige, feuchte Luft umgab ihn und es fiel ihm schwer zu atmen.
Ein zweiter Tweht versetzte Lybios von hinten einen Stoß. „Los, beweg dich!“
Lybios strauchelte und folgte dann dem vorausgehenden Tweht. Sie liefen in einen schmalen Gang hinein. Auf dem glitschigen Boden verlor er mehrmals das Gleichgewicht und musste aufpassen, dass er nicht ausrutschte. Nach einem kurzen Stück verzweigte sich der Weg und wenig später gelangten sie an einen unterirdischen See. An den Wänden hingen vereinzelt riesige Glühwürmer, die die Felsen spärlich beleuchteten und sich im Wasser spiegelten. Von hier aus gingen mehrere Gänge ab, einige davon durch Felsbrocken halb versperrt. Seine Bewacher führten ihn weiter in das Labyrinth hinein. Lybios suchte an jeder Abzweigung nach einem Anhaltspunkt, um sich den Weg einzuprägen.
Die Twehts bewegten sich problemlos in den schmalen Gängen. Lybios jedoch musste nach einer Weile geduckt weiterlaufen, um nicht an die Decke zu stoßen. Jedes Mal, wenn sie über herumliegende Kadaver stiegen, scheuchten sie ein paar Morps auf, die zwischen abgenagten Knochen schliefen. Die rattenähnlichen Tiere traten daraufhin quietschend die Flucht an.
Irgendwann fielen Lybios fremdartige Symbole an den Wänden auf, die zu einem Teil in die dunklen Felswände hineingekratzt und an anderen Stellen in weißer und gelber Farbe aufgezeichnet waren. Die Wege wurden breiter. Lybios konnte wieder aufrecht gehen. Dann bogen sie in einen Gang ein, dessen Wände aus elfenbeinfarbenen Marmorblöcken bestanden. Sie spiegelten das grünlich glimmende Licht der Glühwürmer und er konnte nun viel weiter sehen.
Lybios suchte nach markanten Punkten, an denen er sich orientieren könnte. Vergeblich. Die Marmorwände wiesen keinerlei Unregelmäßigkeiten auf, er entdeckte nicht den kleinsten Kratzer. Er prägte sich die Anzahl der Abzweigungen ein, aber nachdem sie zehn Mal in unterschiedliche Richtungen abgebogen waren, verlor er den Überblick.
Die Twehts gingen unbeirrbar weiter und der Tritt ihrer Krallenfüße hallte durch die Gänge. Je tiefer sie in das Labyrinth eindrangen, desto dünner wurde die Luft. Sicherlich schleppten sie ihn zum alten Grint, dem die Twehts seit Jahrhunderten dienen mussten. Lybios hoffte dennoch, dass sie ihn zuerst woanders hinbrachten. Innerhalb der Marmorstadt wirkten seine Zauberkräfte nicht und er war auf Moghoras Hilfe angewiesen.
Sie bogen ein weiteres Mal ab und blieben vor einer schweren Eisentür stehen.Nach ein paar Klopfzeichen wurde sie geöffnet. Lybios’ Herz begann zu rasen.
„Los, rein da!“
Lybios stolperte zwei Stufen hinauf und blinzelte. Mit einem leisen Schleifgeräusch schloss das schwere Tor hinter ihm. Die frische Luft im Raum ließ Lybios erleichtert durchatmen.
An den Wänden hingen mehrere Lanzen und zwei große Säbel in goldenen Halterungen. Neben den schlitzartigen Fensteröffnungen standen Statuen, die weibliche Gestalten in aufreizenden Posen zeigten.
Ein Mann, nur wenig älter als Lybios, erhob sich hinter einem schweren Holztisch und musterte ihn lange. Lybios hielt seinem Blick stand. Wer war dieser Kerl? Der Grint auf keinen Fall, denn der Alte lebte bereits seit Hunderten von Jahren. Langsam ballte Lybios seine Hand, um zu prüfen, ob seine Zauberkräfte vorhanden wären. Plötzlich bekam er von hinten einen Tritt und einer der Twehts drückte ihn zu Boden. Blitzschnell wollte er sich wieder aufrichten.
Im Kindle-Shop: Das Feuerpferd



10. Januar 2012

"Immer diese Menschen" von Annette Paul

Sechs Tiergeschichten für Leseanfänger ab 7 Jahre. Illustrierte Neuauflage.

„Was denkt der eigentlich von mir? Ich bin doch nicht blöd, sondern passe schon selbst auf mich auf.“ Der Goldhamster wünscht sich mehr Auslauf. Außerdem will er am Tag in Ruhe schlafen.

In sechs kurzen Geschichten für Erstleser erzählen Goldhamster, Wellensittich, Pony, Katze, Hund und Frosch von ihrem Leben. Nicht immer sind sie von den Menschen begeistert. Manchmal reißen sie auch aus und erleben Abenteuer. Sie sind nämlich kein Spielzeug, sondern Lebewesen mit eigenen Wünschen.

Lesermeinung: Das kleine Büchlein für Erstleser vermittelt den Kindern auf vergnügliche Weise neue Einsichten in die Bedürfnisse ihrer Tiere.

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Leseprobe aus "Goldhamster Goldi":
Das Mädchen zerrt an dem Käfig. Vorsichtshalber flüchte ich in meine Höhle. Ängstlich spähe ich hinaus. Sie zieht den Käfig aus ihrem Zimmer hinaus. Jetzt stehe ich in einem Raum ohne Fenster, aber mit ganz vielen Türen. Das Mädchen verschwindet wieder und bald darauf ist es ruhig. Trotzdem warte ich noch eine Weile, bis ich mich hinaustraue. Misstrauisch schaue ich mich um. Erst als alles ruhig bleibt, steige ich wieder in das Rad und laufe noch ein paar Kilometer. Ich will schließlich meine schlanke Linie behalten. Irgendwann, die Nacht muss schon vorbei sein, werde ich müde und verkrieche mich in meine Höhle.

Im Kindle-Shop: Immer diese Menschen

Mehr über und von Annette Paul auf ihrer Website.



9. Januar 2012

'Verrat' von Brigitte Tholen

In diesen Kriminalgeschichten dreht sich alles um den Verrat durch Personen, die die Liebe und das Vertrauen missbraucht haben.

Lesermeinung: "Es macht Spaß, die Geschichten zu lesen und man ist tatsächlich in jeder Story so gut gefangen, dass man einen Moment braucht, bis man wieder da ist."

Anais Nin sagt: „Die Liebe stirbt nie einen natürlichen Tod. Sie stirbt, weil wir das Versiegen ihrer Quelle nicht aufhalten, sie stirbt an Blindheit und Missverständnissen und Verrat. Sie stirbt an Krankheiten und Wunden, sie stirbt an Müdigkeit. Sie siecht dahin, sie wird gebrechlich, aber sie stirbt nie einen natürlichen Tod. Jeder Liebende könnte des Mordes an seiner eigenen Liebe bezichtigt werden.“

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Leseprobe:
Aus "Das Labyrinth der Puppen"

Es sah wie getrocknetes Blut aus neben der Klinge, die zwischen den Schulterblättern steckte. Tim wich einen Schritt zurück. Beates Mundwinkel zuckten leicht. Sie trug einen lilafarbenen Hut, der über und über mit rosa Blüten besetzt war. Das Kleid wiederholte in quadratischen Mustern beide Farben.
"Alles wirkt so echt." Tim starrte noch immer auf die lebensgroße Puppe.
"An dieser Figur arbeite ich gerade. Zum Schluss wird der fertige Körper mit Latex besprüht." Sie hob den Arm der Puppe hoch. "Die Gliedmaßen sind beweglich angesetzt."
"Du hattest damals schon die verrücktesten Einfälle."
"Ich bin Künstlerin." Sie zeigte in die Runde. Das Labyrinth ist das Ergebnis einer eintägigen Performance, an der viele aus dem Ort teilgenommen haben. Tausende von Berberitzen habe ich dafür gekauft." Beate strich sanft über die Seiten der Hecke. "Als Kulisse für meine Werke."
"Verstehe. Hast du noch mehr schauerliche Dinge in deinem Labyrinth?"
"Da vorne, die Dame im Abendkleid. Sie war mein erstes Exemplar. Ist sie nicht entzückend?"
Eine zierliche, rothaarige Frau in hautengem, schwarzem Kleid stand dort. Ihr Gesicht war von Sommersprossen übersät, und die blauen Augen blickten den Besucher an. Der schmale Mund war leicht geöffnet. Die linke Hand lag auf der Hüfte.
Zwischen den Fingern der rechten steckte eine Zigarette, als warte die Dame darauf, dass man ihr Feuer reiche. Unter dem Daumen klebte ein Pfennig.
Tim konnte sich nicht sattsehen. "Warum hat sie die Münze in der Hand?"
Beate spielte mit ihrem Ohrring. "Vor Jahren, als es die D-Mark noch gab, habe ich Glückspfennige gesammelt, jetzt sind sie mein Markenzeichen."
"Originell. Die Frau erinnert mich an jemanden."
"Tatsächlich?"
"An…"
"An wen?"
"Ach, niemand Besonderen."
Beate wickelte eine Locke ihres blonden Haares um den Finger. "Natürlich erkennst du sie, nicht wahr? Hieß sie nicht Kia?" Tim senkte den Kopf und sah zu Boden. "Es ist lange her. Du hast mir immer noch nicht verziehen? Als du anriefst, habe ich mich gefreut, ich dachte, wir könnten …"
Beate sah ihn ruhig an. "Komm weiter."
Stumm gingen sie durch das Labyrinth, die Berberitzenhecken entlang, deren Früchte in der Abendsonne blutrot leuchteten. Es duftete herb nach dem Grün des Dorngebüsches.
Es war vielleicht doch keine gute Idee, hierher zu kommen, dachte Tim.
Sie hatten einen Platz erreicht, auf dem eine Holzbühne stand. Auf dem Podium saßen drei junge Frauen, die sich zu langweilen schienen. Beate blieb stehen, während Tim sich ihnen näherte.
"Die Drei, erinnerst du dich? Du kannst sie nicht vergessen haben."
Tim drehte sich ihr zu. "Was soll das, Beate? Hast du auch eine Nachbildung von mir?"
"Ich arbeite daran."
"Warum machst du das? Warum nimmst du gerade uns als Vorlagen?"
Beate lächelte.

Im Kindle-Shop: Verrat: Kriminalgeschichten

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6. Januar 2012

'Vanoras Fluch (The Curse 1)' von Emily Bold

Ein Liebesroman in schottischer Kulisse: Ein Jahrhunderte alter Fluch, ein geheimnisvolles Amulett und eine junge Liebe, die eine längst erloschene Blutfehde neu entfacht.

Leser sagen: "Großes Kino" und "Ein Fluch mit Suchtfaktor".

Die Außenseiterin Samantha findet im Nachlass ihrer Großmutter ein altes Amulett. Wenig später führt ein Schüleraustausch die Siebzehnjährige nach Schottland. Kaum bei ihrer Gastfamilie angekommen, wird sie bereits von den Sagen und Mythen des Landes in den Bann gezogen. Als sie dann auch noch den attraktiven Schotten Payton kennenlernt, gerät ihre Welt vollends aus der Bahn. Der mysteriöse Highlander erobert Sams Herz im Sturm. Im Strudel der Gefühle bemerkt sie nicht, in welcher Gefahr sie schwebt, denn was sie nicht ahnt: Paytons Vergangenheit birgt ein dunkles Geheimnis. Ein Geheimnis, das die Schicksale ihrer beider Familien seit Jahrhunderten untrennbar miteinander verbindet und welches nun auch Sam in Lebensgefahr bringt.

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Leseprobe:
Schottland, 1740
Der Mond tauchte die sanften Hügel des schottischen Hochlands in sein silbernes Licht. Cathal Stuart zog seine blutige Klinge aus dem leblosen Körper seines Gegners. Der Kampf war gewonnen.
Mit einem schnellen Blick schätzte er die Situation der anderen ein, ehe er vom Wehrgang in den Burghof sprang. Zwei seiner Kämpfer hielten sich gegenseitig den Rücken frei und waren ihren Gegnern kräftemäßig überlegen. Der Rest seiner Leute war in den steinernen Hauptturm der Burg eingedrungen.
Sein Blick fiel auf die einzige Frau in diesem Gefecht, seine ungestüme Schwester. Sie war im Umgang mit dem Breitschwert beinahe so geübt wie er selbst. Allerdings konnte ihr auf dem nassen Pflaster des Burghofes jeder Schritt zum Verhängnis werden. Trotz der Sorge um sie verkniff er sich ein Lächeln, denn sie bot einen wahrlich erheiternden Anblick.
Nathaira hatte für den Kampf ihre Röcke eingeschnitten, und in ihrem moosgrünen Mieder klaffte ein tiefer Riss. Das pechschwarze Haar wehte ihr um den Kopf. Jeder andere Kämpfer wäre davon beeinträchtigt, doch sie schien das nicht einmal zu bemerken. Ihr Gegner, gut einen Kopf größer und bestimmt doppelt so schwer wie sie, hatte alle Hände voll zu tun, ihrer scharfen Klinge zu entgehen.
Obwohl Cathal keinen Zweifel daran hatte, dass Nathaira siegen würde, beschloss er, ihr zu Hilfe zu kommen. Sie stieß ein kehliges Lachen aus, als sie ihn kommen sah. Gemeinsam jagten sie den Unterlegenen mit schnellen, harten Schlägen erbarmungslos vor sich her. Metall klirrte, die Kämpfer stöhnten vor Anstrengung.
Die Geschwister trieben ein tödliches Spiel mit ihrem Gegner. Immer zeitgleich hieben sie auf ihr Opfer ein und fügten ihm so bei jeder Attacke eine neue Verletzung zu. Dessen ehemals braunes Hemd hing in blutigen Fetzen herab, und schon bald konnte er seinen Schwertarm kaum mehr gebrauchen. Ein weiterer Hieb, und das Schwert flog dem deutlich Unterlegenen aus der Hand. Sekundenbruchteile später sank er überrascht zu Boden. Sein glasiger Blick heftete sich auf die blutige Wunde in seinem Bauch. Das Letzte, was er sah, bevor er starb, war das zufriedene Lächeln der Frau, die ihm jubilierend ihre Waffe in den Leib getrieben hatte. Cathal lobte seine Schwester und reinigte ihre Klinge am Gewand des Getöteten.
Als sie danach gemeinsam über den verlassenen Burghof gingen, erklang nur noch vereinzelt das Geräusch kämpfender Männer. Der Nachthimmel schluckte das Klirren ihrer Waffen ebenso wie die Schreie der Sterbenden. Der Boden war blutgetränkt, die Bewohner der Burg alle tot. Am Tor zum Turm hinauf lag der leblose Körper einer Frau. Sie trug ein einfaches Nachtgewand, und ihr Haar war ordentlich unter einer weißen Haube versteckt. Man hatte ihr die Kehle durchgeschnitten.
Cathal pfiff durch die Finger und sammelte dadurch seine Männer um sich. Einer seiner Leute brachte einen verwundeten, um Gnade winselnden Knappen herbei. Der eiskalte Blick des Anführers ließ den Burschen erzittern. „Wir gewähren heute keine Gnade. Schafft ihn weg.“
Der Knappe wehrte sich und schlug wild um sich, als man ihn davon führte, seinem sicheren Tod entgegen. Ein anderer von Cathals Leuten, etwas jünger als die restlichen Krieger, trug einen etwa siebzehnjährigen Jungen in seinen Armen. Jeder erkannte sofort, dass dieser tot war. Bestürzt eilte Cathal auf die beiden zu und legte dem Leichnam seine Hand auf die blutige Brust.
„Was ist passiert?“
Beinahe anklagend wartete er auf die Erklärung des Mannes, der den Jungen noch immer im Arm hielt. Dieser zuckte resigniert mit den Schultern.
„Eine Axt. Von der Seite in die Beuge zwischen Schulter und Hals. Kenzie war sofort tot.“
„Nein!“, donnerte Cathal. Sein Blick war voller Hass.
„Wie konnte das passieren? Wo warst du, als man meinem Bruder das hier angetan hat?“
Zärtlich nahm Cathal den Leichnam an sich und legte ihn behutsam vor sich ab. Dann baute er sich drohend vor seinem Gegenüber auf. Dieser verteidigte sich:
„Ich weiß nicht, was du dir denkst, Cathal? Wunderst du dich allen Ernstes darüber, dass diese Menschen hier …“, der junge Kämpfer deutete auf die vielen toten Burgbewohner, „… um ihr Leben gekämpft haben? Du hast uns hierher geführt. Das ist dein Kampf, nicht meiner – und trotzdem war ich an Kenzies Seite. Ich konnte es nicht verhindern!“
Traurig warf er einen letzten Blick auf den verwüsteten Burghof und kehrte dann diesem Ort des Todes den Rücken. Ohne ein weiteres Wort zu Cathal schwang er sich auf sein Pferd und galoppierte davon.

Im Kindle-Shop: Vanoras Fluch (The Curse, Band 1)
Mehr über und von Emily Bold auf ihrer Website.

5. Januar 2012

'Kein Herz und eine Seele' von Eva Markert

Der schwule Hauptkommissar Jochem Brandtner und sein Freund und Kollege, Kommissar Thorsten Johanning, bekommen es diesmal mit den Studenten Max und Marla Gebhardt zu tun, die ein perverses Spiel um Sex und Mord spielen. Wie viele Menschen müssen sterben, bis es Brandtner und seinem Partner gelingt, die abgebrühten Geschwister dingfest zu machen?

Außerdem haben die beiden Kommissare private Probleme: Während Brandtner bestrebt ist, ihre Liebe geheim zu halten, möchte Thorsten, dass sie sich offen dazu bekennen. In dieser Situation ist Thorstens Hang zur Eifersucht wenig hilfreich, und es stellt sich die Frage, ob ihre Beziehung letztlich daran zerbrechen wird.

Gleich lesen: Kein Herz und eine Seele (Ein Brandtner-Johanning-Krimi 2)

Leseprobe:
„He!“ Max blickte verwundert von seiner Zeitung hoch. „So früh stehst du doch sonst nie auf!“
„Guten Morgen, klei... Spikey.“ Marla gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Ich habe heute einiges zu tun. Aber erst mal brauche ich Kaffee.“
„Willst du etwa zur Uni?“
Kreischend mahlte der Vollautomat frische Bohnen. Marla erhob ihre Stimme, um den Lärm zu übertönen. „Du weißt: Ich gehe nie zu Vorlesungen. Wozu auch? Die Profs stellen ja alle Skripte ins Internet.“
„Was hast du denn vor?“
Kaffee floss schäumend in Marlas Tasse. „Das musst gerade du mich fragen.“
Sie setzte sich zu ihm an den Tisch und rückte ihren Stuhl zurecht, sodass sie das Fenster im Auge behalten konnte. Über den Rand der Tasse hinweg schaute sie ihren Bruder an. „Warum hast du ausgerechnet sie ausgewählt, Spikey?“
Max fuhr sich durch seine schwarzen Haare, die in gegelten Stacheln von seinem Kopf abstanden und denen er seinen Spitznamen verdankte. „Warum sollte ich sie nicht ausgewählt haben?“, gab er zurück. „Hast du was dagegen?“
„Hat es vielleicht etwas damit zu tun, dass sie sich früher immer so aufgeregt hat, wenn du mal wieder in die Hose gemacht hattest? Und dass du mit nacktem Hintern herumlaufen musstest, bis sie alles gewaschen und getrocknet hatte?“
„Hör auf!“
„Ich erinnere mich noch, wie ihre Söhne sich immer über dich lustig gemacht haben und wir alle an deinem ‚Pipimann‘ ziehen wollten“, fuhr Marla gnadenlos fort. „Zu allem Überfluss hat die Gärtner es jedes Mal brühwarm Mama erzählt. Die dir dann ebenfalls einen Klaps auf den bloßen Hin...“
„Halt auf der Stelle den Mund!“, fuhr Max seine Schwester an. Er sprang auf, nahm seinen Teller und kippte das angebissene Marmeladenbrötchen in den Mülleimer. „Das alles hat heute keine Bedeutung mehr für mich. Meine Wahl hat nur einen einzigen Grund: Ich wollte es dir erst mal relativ einfach machen. Nur deshalb habe ich mich für die Gärtner entschieden.“
„Wer’s glaubt ...“
„Das kannst du ruhig glauben. Ich bin nämlich fair.“ Er strebte in Richtung Tür.
„Warum denkst du, dass es nicht schwer sein wird?“
Max hielt inne. „Weil wir inzwischen stark geworden sind. Stärker als sie. Außerdem: Guck sie dir doch an. Sie ist das prädestinierte Opfer.“ Damit warf er die Tür hinter sich ins Schloss.

Im Kindle-Shop: Kein Herz und eine Seele (Ein Brandtner-Johanning-Krimi 2)

'Albtraum der gestohlenen Gefühle' von Annette Paul

Sieben nachdenkliche und sensible Kurzgeschichten.

Ist es wirklich so wunderbar, ewig zu leben? Ein Nachbarschaftsstreit bringt Unheil über die Beteiligten. Wie lebt es sich in einer Gesellschaft, in der es keine Gefühle mehr gibt? Sind Menschen, die perfekt funktionieren, wirklich glücklich?

Der Mehrzahl der enthaltenen Geschichten wurde in Anthologien erstveröffentlicht und ist in diesem eBook erstmals als Sammlung erhältlich.

Gleich lesen: "Albtraum der gestohlenen Gefühle"



Leseprobe:
Verzaubernde Welt
Die ganze Stadt hatte den Jahrmarkt mit all seinen Händlern, Possenreißern und Gauklern schon sehnsüchtig erwartet. Zu selten gab es eine Abwechslung vom harten Alltagsleben. Endlich war es soweit.
Jung und Alt vergnügten sich auf dem Markt, feilschten mit Händlern um Haushaltsgegenstände, bestaunten den Zwerg und die Frau mit den drei Augen. Besonderen Zuspruch fanden die Gaukler. Dieses Jahr war ein besonderer Künstler dabei. Die Leute bejubelten ihn. Er jonglierte mit brennenden Fackeln, turnte und verrenkte sich, als ob er keine Knochen im Leibe hätte.
Ein kleiner Junge konnte sich gar nicht lösen. Als abends die Händler wieder einpackten, stand er immer noch bei den Gauklern.
„Na, Kleiner, willst du nicht nach Hause?“, fragte der Künstler.
„Nein, ich will mit euch ziehen. Wie bist du Gaukler geworden?“
„Ich bin, solange ich denken kann, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt gezogen. Ich habe schon als kleines Kind angefangen.“
„Das will ich auch“, sagte der Junge.
Der Gaukler zeigte ihm, wie er mit drei Bällen jonglieren könne.
„Wenn wir nächstes Jahr wiederkommen, zeigst du mir, was du gelernt hast. Kannst du es, zeige ich dir weitere Kunststücke, und wenn du groß bist, kannst du mit uns mitkommen. Aber du musst jeden Tag üben“, sagte der Gaukler.
Der Junge versprach es.
„Wo kommt du her?“, fragte er weiter.
„Vom roten Stern“, antwortete der Fremde.
„Und wo gehst du hin?“
„Zum blauen Mond.“
Der Gaukler packte seinen Sack, warf ihn über seine Schulter und machte sich auf den Weg. Kräftig schritt er aus, stieg in die Luft und immer weiter aufwärts dem Mond entgegen.
Die anderen Menschen sahen ihn nicht, nur der kleine Junge beobachtete ihn staunend.

Im Kindle-Shop: Albtraum der gestohlenen Gefühle

Mehr über und von Annette Paul auf ihrem Blog.



4. Januar 2012

'Fristende' von Matthias Czarnetzki

Eine Science Fiction-Geschichte: Sozialverträgliches Frühableben begann als Unwort des Jahres und wurde zum staatlich regulierten Instrument gegen Überbevölkerung, Hunger und Armut.

Dreißig Jahre. Nicht weniger - und mehr nur für den, der es sich leisten kann. Gestern war Franks dreißigster Geburtstag. Und heute ist der Tag, an dem er stirbt.

Lesermeinung: Mit einer solchen Spannung hat der Autor die Geschichte aufgebaut und beendet, dass es einem den Atem verschlägt. Anschaulich, bildlich und so real, obwohl doch Science Fiction.

"Fristende" im Kindle-Shop

'Magische Geschichten' von Annemarie Nikolaus

Vier Geschichten zum Schmunzeln und Nachdenken. Magie und Klugheit, Wirklickeit und Legende verbinden sich für eine kleine Zauberin, ein magiebegabtes Häschen, ein Wassergeist und eine gute Hexe.

Für Leser ab 8 Jahre.

Die Geschichten "Der Bach" und "Kork" sind vor einigen Jahren in Anthologien der "Story-Olympiade" veröffentlicht worden. Die Weihnachtsgeschichte ist in italienischer Sprache erschienen.

Lesermeinung: Die "magischen Geschichten" sind im wahrsten Sinne des Wortes ein Buch für die ganze Familie. Die vielseitigen Texte eignen sich für Kinder verschiedener Altersstufen und machen auch Erwachsenen Spaß.

"Magische Geschichten" im Kindle-Shop

3. Januar 2012

'Der gestreifte Spanier' von Marion Pletzer

Eine Sammlung mit neun Tiergeschichten: Amor bringt sein Frauchen zur Verzweiflung, Banjo muss baden und Clarissa entführt ihre Besitzerin in die Welt eines Hühnervolkes.

Die Geschichte "Geister der Nacht" hat 2009 den 2. Preis beim EGON-Naturgeschichtenwettbewerb gewonnen. Die Geschichte "Shamo und der Hut" gewann bei der Leverkusener Buchwoche 2011 (LevLiest) ebenfalls den 2. Preis.

Lesermeinung: Die Autorin hat gewiss viel Erfahrung mit Tieren und deren Verhaltensweisen - und zudem hat Marion Pletzer ein großes Gespür fürs Erzählen.

"Der gestreifte Spanier" im Kindle-Shop