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Bücherkarussell
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25. Mai 2018

'Der Notenjäger' von Rita Hausen

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Der Komponist Simon Leidbrecht ist wegen einer anhaltenden Schaffenskrise verstimmt und will die neueste Erfindung seines Freundes Leo Bernstein nutzen, um sie zu überwinden. Diese Erfindung ist eine Zeitmaschine, mit der er in vergangenen Epochen Noten aufstöbern will, die nicht überliefert wurden, um sie als eigene Werke auszugeben.

Die erste Zeitreise führt die Musiktherapeutin Mitternacht und einen Physikstudenten ins Mittelalter, danach begeben sich Leidbrecht und Mitternacht ins 18. Jahrhundert.

Wie es ihnen da wohl ergeht? Ob sie ihre Vorhaben und Ideen verwirklichen können?

Leseprobe:
Die Zeitmaschine
Leidbrecht hatte die Gabe, Schönheit und Harmonie zu erfassen und zu genießen. Er war sensibel und begabt, doch irgendetwas hinderte ihn in letzter Zeit, etwas zustande zu bringen. Vielleicht war es die Versessenheit darauf, von anderen bemerkt und geschätzt zu werden. Er wollte etwas Besonderes sein und sehnte sich danach, die Welt und das Leben in einem Kunstwerk zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Er glaubte daran, dass die Welt durch Schönheit verbessert werden könnte. Da ihm jedoch nichts mehr gelang, kam ihm das Leben unerträglich und sinnlos vor. Er fühlte sich zudem als Außenseiter und von niemandem verstanden.
Er liebte die Musik, sie war sein Lebenselixier. Sie tröstete ihn, zerriss ihn aber auch zuweilen innerlich. Ihre Schönheit tat manchmal weh und verleitete ihn zu einer Melancholie, die er insgeheim jedoch auch genoss. Er weidete sich an seinem Unglücklichsein. Sein Seelenzustand war geprägt von einer Fülle von Gefühlen, nicht nur Schmerz, Elend und Schrecken. Was ihn zur Verzweiflung trieb, war der Umstand, dass er das Übermaß seiner Gefühle schon seit längerem nicht mehr in Musik umsetzen konnte. Er rang darum, Schönheit und Verzweiflung in Noten zu bannen, aber es gelang ihm nicht. Er rettete sich manchmal in eine Art von Komposition, die Ähnlichkeit mit der Mathematik hatte. Er spielte mit Noten, unterzog sie einer Permutation oder algebraischen Transformation. Setzte sie rückwärts oder gespiegelt. Das Ergebnis hatte Ähnlichkeiten mit der Zwölftonmusik, die er aber eigentlich nicht mochte. Dann fragte er sich: Wozu noch Musik schreiben im einundzwanzigsten Jahrhundert? Wo Bach und Mozart im achtzehnten schon alles ausgedrückt hatten, und zwar unübertrefflich und gültig für alle Ewigkeit. Alle späteren Meister wiederholten doch nur das längst Erdachte.
Leidbrecht trat ans Fenster und betrachtete die untergehende Sonne. Aus seinem CD-Player erklang Musik. Sie begann mit einem einzelnen Ton, schwebte durch den Raum wie ein Lichtstrahl, der sich in die Finsternis vortastet. Die lange ausgehaltene Note endete in einem Motiv, kurze Töne, hingeworfen wie Murmeln in den Sand. Dann folgten eine Wiederholung und ein neuer Anlauf. Das Motiv wurde auf einer höheren Stufe wiederholt, glitt weich und anmutig dahin. Viele andere Stimmen setzten nach und nach ein, ein Gewebe von Klängen wuchs und wurde kraftvoller. Leidbrecht war überwältigt von der Schönheit dieser Musik.
Als die Fuge verklungen war, setzte er sich ans Klavier und spielte einige Akkorde, griff dann hastig zu Stift und Notenpapier und fing an zu schreiben. Schon bald brach er seufzend ab. Tief enttäuscht begann er, wie so oft, mit sich und seinem Schicksal zu hadern. Die Qual der Vergeblichkeit zerriss ihn und öffnete Dämonen die Tür. Er wünschte sich sehnlich, dass seine Lebensreise zu Ende ginge.
Er ließ sich in seinen Sessel fallen und starrte bekümmert vor sich hin.
Das Telefon läutete und riss ihn aus seiner Starre. Doch er war nicht fähig, aufzustehen, er starrte auf den Apparat, bis er verstummte. Dann nahm er schwerfällig ein Notenblatt vom Boden und zerknüllte es. Musik ertönte in seinem Innern: Eine hohe Frauenstimme sang einen Text, den ein befreundeter Dichter geschrieben hatte. Er selbst hatte die Musik dazu komponiert. Das Lied war ganz gut geraten, doch schon einige Jahre alt. Er seufzte.
Das Telefon schrillte erneut und holte ihn aus seiner Versunkenheit. Er stand auf und drückte die Annahmetaste. Die Stimme legte los: „Wir haben es geschafft! Stell dir vor. Die Kompression des Lichts ist gelungen. Willst du nicht kommen, es dir ansehen?“
„Bernstein“, murmelte Leidbrecht verwirrt.

Wenig später stand er im Labor des Physikers und betrachtete das Wurmloch, dessen Sog auch hinter der Spezialscheibe noch zu spüren war. „Eine wundervolle kosmische Architektur“, rief Bernstein aus und trat zum Differenziator.
„Wie habt ihr das hinbekommen?“, fragte Leidbrecht.
„Es ging darum, den Teilchenbeschleuniger auf Überlichtgeschwindigkeit zu steigern. Sofort sprangen virtuelle Photonen in eine zeitweilige Existenz, wirbelten um ein Elektron herum, Protonen und Neutronen wurden zerstäubt und zu einer Blase …“
„Moment, Moment“, rief Leidbrecht aus, „Überlichtgeschwindigkeit gibt es doch nicht.“
„Ja, hat Einstein behauptet. Aber das ist überholt. Der Physiker Burkhard Heim entwarf eine einheitliche strukturelle Quantenfeldtheorie der Materie und Gravitation, die als Erweiterung der Relativitätstheorie gelten kann. Sie enthielt in der ursprünglichen Fassung sechs Dimensionen. Heim wurde international bekannt, als er ein neues Antriebssystem für die Raumfahrt vorschlug. Es beruht auf einer Energie, die ein extrem starkes Magnetfeld erzeugt. Dieses wiederum ruft ein Gravitationsfeld hervor, das den Schub liefert. Werden bestimmte Feldstärken überschritten, schlüpft das Raumschiff in eine höhere Dimension, in der die kosmische Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gilt, es kann also überlichtschnell fliegen. Wird das Magnetfeld abgeschaltet, fällt das Schiff in unser normales Raumzeit-Kontinuum zurück.“
Leidbrecht unterdrückte ein Gähnen und nickte zerstreut. Bernstein fuhr fort: „Aber uns interessiert die Überlichtgeschwindigkeit ja nur insofern, als sie uns das Gluon-Plasma liefert. Das sind energiereiche Bruchstücke, in die Protonen und Neutronen zerstäubt werden. Dieses Plasma wird erhitzt und komprimiert, bis ein winziges schwarzes Loch entsteht, das mit Materie von negativer Energiedichte gefüttert werden muss. Man kann den ganzen Vorgang auch als Kompression des Lichts bezeichnen.

Im Kindle-Shop: Der Notenjäger.
Für Tolino: Buch bei Weltbild
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24. Mai 2018

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut
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'Thassas Geschichte: Der Attaché des Kaisers' von Devon Anderson und Suzanna LeMonde

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Korea, 1943
Die junge Thassa wird von Anwerbern der Kaiserlich Japanischen Armee verschleppt. Zusammen mit Mina, einem Mädchen, das ein ähnliches Schicksal teilt, wird sie einem Trosthaus zugeteilt, in dem sie den Soldaten zu Diensten sein soll. Takeo Nakamuro, ein ambitionierter Offizier, verbindet mit ihr nach einer schmerzvollen Erfahrung in der Vergangenheit all seine Hoffnungen und Sehnsüchte für die Zukunft. Aufmerksam, liebevoll und privilegiert verschafft er ihr scheinbar selbstlos eine Atempause. Doch nur sein vermeintlicher Tod kann sie jetzt noch retten.

Thassa flieht, schwanger mit seinem Kind. Als sie das Schicksal erneut zusammenführt, muss er feststellen, dass der Preis, den er dafür zahlen muss, nichts Geringeres als seine Seele ist.

Ein Offizier, der unerbittlich seinen Weg geht.
Ein junges Mädchen, das zu lieben gelernt hat.
Ein mächtiger Mann, der zu manipulieren versteht.
Sie alle können ihrem Schicksal nicht entkommen.

Leseprobe:
Thassa blickte aus dem Fenster des Zimmers im Goldenen Drachen, das sie nun für eine unbestimmte Zeit mit Takeo bewohnen sollte. Unten im Hof zur Rückseite mühte sich Quân mit einem großen Korb ab, von dem sich noch ein zweiter auf einem Handkarren befand, der dort bereits seit dem Morgengrauen stand. Nachdem er ihn in das Innere des Hauses gebracht hatte, holte er auch den zweiten Korb und schloss die Tür hinter sich. Thassa zuckte zusammen, als Takeo hinter ihr zu sprechen begann.
„Ich kann zwar nicht behaupten, dass meine Motive, dich hierher zu bringen, edel gewesen sind“, sagte er leise, „aber das Schicksal der anderen Mädchen bleibt dir zumindest vorerst erspart.“ Auch er hatte über ihre Schulter hinweg aus dem Fenster geblickt. Thassa nahm ihren ganzen Mut zusammen.
„Ich bin nicht so unschuldig wie Sie denken, Tono Nakamuro, und glauben Sie nicht, ich wüsste nicht, warum Sie mich hierhergebracht haben.“ Sie schob trotzig ihr Kinn vor und ihre Augen blitzten. Takeo brach gutmütig in schallendes Gelächter aus und nahm sie um die Taille. Ihre Reaktion strafte ihre Worte Lügen. Schnell wie eine Katze drehte sie sich aus seinem Griff und lief zur Tür. Sie fühlte sich zitterig und elend.
„Es ist abgeschlossen“, sagte Takeo. „Aber wenn ich dir so sehr zuwider bin, bringe ich dich selbstverständlich sofort zurück zu Madame Liu. Sie ist sicher gerade dabei, den Mädchen zu erklären, welche Vorkehrungen sie zu ihrem Schutz treffen sollen, bevor heute und all die nächsten kommenden Tage und Wochen, vielleicht Monate, Soldat um Soldat zu ihnen kommt, um sie, ganz legitim im Dienst für das Japanische Kaiserreich natürlich, auf jede nur erdenkliche Art und Weise zu vergewaltigen.“
Thassa schnappte nach Luft. Madame Lius Schimpftirade fiel ihr ein. Du bist seine verdammte Hure! Merk dir das! Du bist nichts wert! Nicht den Schmutz unter seinem Fingernagel! Und er wird dir nicht dein kleines, vor Liebe schwellendes Herz brechen! Nein, das wird er nicht! Er bricht dir dein Genick, bevor, während oder nachdem er dich in alle deine Körperöffnungen gebumst hat! Tatsächlich hatte er zumindest in der vergangenen Nacht weder das eine noch das andere mit ihr getan. Gleich nebenan befand sich ein sehr edel eingerichtetes Badezimmer, wo sie sich hatte waschen dürfen. Er hatte sie eingeschlossen und auch die Dauer bestimmt, doch die Zwischenzeit genutzt, um eine Mahlzeit für sie auf das Zimmer bringen zu lassen. Thassa jedoch saß zu Tode verängstigt regungslos auf dem Stuhl und hatte keinen Bissen hinuntergebracht, den Blick starr auf den Teller vor sich gerichtet. Irgendwann hatte die Müdigkeit sie übermannt, daran erinnerte sie sich noch, bevor sie heute im Morgengrauen im Bett hochgeschreckt war. Er hatte am Tisch gesessen, beschäftigt mit einigen Papieren, die sehr dienstlich aussahen. Zugelächelt hatte er ihr. Thassas Verwirrung war von Minute zu Minute gewachsen.
„Und?“ fragte er sie nun. Eine Kerze brannte und gab ein schwaches Licht. „Möchtest du zurück?“ Thassa blieb still. Schließlich trat Takeo ungeduldig auf sie zu. „Nun“, sagte er und verzog ärgerlich das Gesicht. „Ich habe dich nicht dort herausgeholt, damit dich jetzt doch andere Männer benutzen können. Also vergiss die Frage.“ Die Sekunden tropften dahin und die Gedanken in Thassas Kopf rasten. „Mina“, flüsterte sie plötzlich und brach unvermittelt in Tränen aus. Takeo zog sie in seine Arme und sie war zum ersten Mal nicht voller Abwehr. „Es tut mir leid, Thassa“, sagte er aufrichtig bedauernd. „Ich werde sehen, was ich tun kann, um es ihr leichter zu machen, ich verspreche es dir.“ Ihre Finger gruben sich in seine Arme und ihr Gesicht war tränennass. Sie nickte wild. „Ich tue alles, was du willst“, weinte sie.

Im Kindle-Shop: Thassas Geschichte: Der Attaché des Kaisers.
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23. Mai 2018

'Lust auf Schoki' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
SCHOCKVERLIEBT UND SCHOKIGLÜCKLICH

Es ist eine lieb gewonnene Geburtstags-Tradition: Jedes Jahr laden sich drei Cousinen gegenseitig zu einem besonderen Event ein. Unternehmensberaterin Sanna hat diesmal ein Schokoladen-Wein-Seminar ausgesucht. Die glücklich verheiratete Bürokauffrau Iris und Livia, Single, Kellnerin und glühender Harley-Davidson Fan, freuen sich auf genussvolle Stunden.

An diesem Abend lernen sie den attraktiven Lennard näher kennen. Er wird die Gefühle von Sanna und Livia mächtig durcheinander wirbeln – und die Mädels müssen erkennen, dass die Liebe oft seltsame Wege geht.

Das Lesevergnügen geht weiter:
Im Juni erscheint die Fortsetzung 'Livias Träume'.
Leseprobe:
Sanna dachte daran, wie dieser Abend zustande gekommen war.
Sie arbeitete in einer Unternehmensberatung. Ihr Kollege Guido hatte Geburtstag, er war ein ganz Süßer und liebte Schokolade über alles. Also entschied man sich, eine Schokoladentorte für ihn zu bestellen. Persönlich sollte das Geschenk sein, daher ließen sie seinen Namen darauf schreiben.
Merle, die ebenfalls an diesem Tag ihren Geburtstag feierte, sollte mit einem Parfüm bedacht werden.
Aber der Teufel ist gemäß Sprichwort manchmal ein Eichhörnchen, der schöne Plan ging nicht auf. Am Geburtstagsmorgen passierten zwei Dinge gleichzeitig. Die Torte wurde geliefert und Guido meldete sich mit schwacher Stimme und einem Magen-Darm-Problem krank.
Etwas bedröppelt standen vier Kolleginnen im Kreis um die glänzende Schokoladentorte herum. »Was nun?«, fragte Sanna etwas ratlos. »Die Torte können wir ja nicht aufheben. Blöderweise steht Guido drauf, sonst könnten wir sie einfach Merle schenken, wenn sie heute Mittag vom Auswärtstermin zurückkommt. Das Parfüm wird ja nicht schlecht, ich bezahle es privat und verschenke es anderweitig.«
Es gab einen kurzen Moment des Überlegens, dann haute Jessica raus: »Ich hab’s!« Sie hüpfte vor Aufregung auf der Stelle. »Wir ergänzen noch MARIA KRETSCHMER! Merle ist doch ein riesiger Fan von Guido Maria Kretschmer. Die wird Augen machen!«
Die Frauen kreischten begeistert los – und der Plan wurde sogleich in die Tat umgesetzt.
Kurzerhand schnappte sich Sanna die Torte und trat den Weg eine Straße weiter in das Café an, wo die Köstlichkeit hergestellt worden war.
Dort amüsierten sich die Angestellten über diese geniale Idee, die sie dann mit viel Spaß gekonnt realisierten.
Glücklich kehrte Sanna mit einer völlig veränderten Torte zurück. Man hatte den Schriftzug sogar noch mit einer Fondant-Handtasche samt Fondant-Lippenstift aufgepeppt.
Stolz präsentierte sie ihren Mitwisserinnen das geniale Werk. Jetzt hieß es, auf Merle zu warten. Als diese zwei Stunden später im Büro eintraf, war sie zu Tränen gerührt. »Dass ihr das für mich habt fertigen lassen – was für eine tolle Idee! Ich bin total geflasht. Danke, danke, danke!« Jede Kollegin wurde innig umarmt. Die Schenkenden indes warfen sich bedeutsame Blicke zu – und behielten die Entstehung dieses höchstpersönlichen Geburtstags-Knallers für sich.
Auch als Merle fragte: »Wo ist denn Guido? Ist eigentlich seine Torte schon geliefert worden?«, hielten alle dicht.
»Die konnten wir noch abbestellen. Guido hat sich krankgemeldet. Magen-Darm.« Sanna schummelte gekonnt und beruhigte sich damit, dass es ja nur halb gelogen war.
»Passt doch«, freute sich Merle ahnungslos. »Sonst hätten wir heute zwei Torten. Ich koche Kaffee, holt Teller, Mädels! Wir gönnen uns jetzt erstmal ein Stückchen.«
Und wenige Minuten später knabberte Merle innig an der kleinen grünen Fondant-Handtasche. »Die muss ich vorab schnabulieren!«, gluckste sie beseelt.

Im Kindle-Shop: Lust auf Schoki (Lust auf Schoki 1).
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'Blauer Tod: Im Netz des Terrors' von Ute Bareiss

Kindle (unlimited)
Ein Alex-Martin-Thriller

Eine Weltverbesserer-Sekte, Delfine, die als Waffen eingesetzt werden, und eine Behörde mit düsteren Geheimnissen – erneut ein hochexplosiver Thriller um Alex Martin, der sein eigenes Leben aufs Spiel setzen muss, um unzählige andere zu retten.

Nach einer Epidemie werden in Kenia ganze Dörfer niedergebrannt. Über der sudanesischen Wüste verschwindet ein Flugzeug mit einer tödlichen Ladung vom Radar. In Europa werden Wissenschaftler entführt. Weltweit häufen sich mysteriöse Ereignisse. Als im Roten Meer nach einer Terrorankündigung verstümmelte Delfine auftauchen, wird der Meeresbiologe Alex Martin zu einer verdeckt ermittelnden Spezialeinheit hinzugezogen.

Er stößt auf eine Verschwörung globalen Ausmaßes. Millionen von Menschenleben droht höchste Gefahr.

»Schickt Ute Bareiss ihre Romanfigur Alex Martin los, garantiert dies nicht nur atemlose Spannung, es werden auch heikle, umweltpolitsche Themen schonungslos offen gelegt. Ein Thriller mit hohem Unterhaltungswert, der gleichwohl zum Nachdenken anregt – was will man mehr!« Spiegel-Beststeller-Autor Luís Sellano

Leseprobe:
PROLOG
"Die Maschine hat an Höhe verloren und ist vom Kurs abgewichen. Wir haben keinen Funkkontakt mehr.“
„Transpondersignal?“
„Negativ.“
Es dauerte einige Sekundenbruchteile, bis die Nachricht in die Köpfe der Umstehenden eingedrungen war. Mit einem Schlag endete das geschäftige Treiben und es wurde totenstill, als hätte jemand den Lautstärkeregler abgedreht, das Summen der Computerlaufwerke erschien übernatürlich laut.
Dreiundzwanzig Augenpaare starrten auf die Leitbildwand, auf der nun der bisherige Kurs der Challenger 650 in Großaufnahme zu sehen war. Die Flugstrecke mit Ziel Rom hatte von Marsabit im Norden von Kenia über Äthiopien geführt und auch im Sudan war der Jet noch mehr als hundert Meilen der ursprünglich geplanten Route gefolgt. Warum dieser Höhenverlust? Und warum flogen sie nun zehn Grad weiter östlich?
Eisige Kälte kroch in Special Agent Jonathan Bennetts Glieder und er zuckte zusammen, als die Stimme von Direktor Adams durch die Zentrale schallte: „Ich will die Satellitenbilder auf den Monitor. Simpson, Sie überprüfen, ob es seitens Khartums Gründe für die Kursabweichung gibt. Probleme im Luftraum oder dergleichen. Richards, vergleichen Sie auf dem Radar mit den Transpondersignalen der anderen Flugzeuge und starten Sie eine Abfrage.“ Er wandte sich nach rechts. „Lincoln, Sie checken jeden Schritt des Ladevorgangs. Besteht die Chance, dass jemand außer unseren Leuten an Bord sein könnte?“
Außer unseren Leuten, hallte es in Jonathans Ohren nach. Drei seiner besten Agenten begleiteten das als Rückkehr eines Hilfsgütertransports getarnte Flugzeug. Nur wenige Ein­geweihte wussten, welche tödliche Ladung der Learjet transportierte. In seiner gesamten Laufbahn als Specialagent und späterer Abteilungsleiter bei der CIA hatte er noch nie solch eine strenge Geheimhaltungsstufe erlebt wie bei der Operation Blue.
Mit zu Fäusten geballten Händen fixierte er das Flugzeug, als könnte er damit die Flughöhe oder den Kurs beeinflussen, doch es sank stetig mit einer Abweichung um weitere zehn Grad nach Osten.
Gab es technische Probleme, die den Piloten zu einer Notlandung zwangen? Ein Komplettausfall der Elektronik, was den Ausfall von Funk und Transponder erklären würde? Das Flugzeug war noch nicht lange in der Luft – Kraftstoff konnte nicht das Problem sein, zumal der Flieger über zusätzliche Treibstofftanks verfügte, die seine normale Reichweite von viertausend Meilen um nochmals fünfzig Prozent erhöhten. Auch wenn sich die Windverhältnisse zu ihren Ungunsten geändert hatten, sollte mehr als genug Sprit vorhanden sein.

Die Minuten rasten vorbei und mit jedem verlorenen Höhenmeter und jedem Grad Kursabweichung stieg die Spannung im Raum. Man konnte die Luft fast greifen, so dick war sie inzwischen.
„Wir haben auf dem Radar ein Flugobjekt mit einem geänderten Transpondercode. Es korrigiert den Kurs zunehmend und baut Höhe ab“, berichtete Richards mit gepresster Stimme.
„Ich habe den kompletten Ladevorgang überprüft. Wenn derjenige keinen Tarnumhang getragen hat, kann niemand außer unseren Leuten in der Maschine sein“, übertönte Lincolns tiefer Bass das Stimmengewirr. Unverzüglich besaß er die gesamte Aufmerksamkeit.
Allen war klar, was dies zu bedeuten hatte: In ihrer Mitte befand sich ein Verräter. Beziehungsweise saß er an Bord der Challenger.
„Miller, rufen Sie den Verteidigungsminister an.“ Die Stirnfalten des Direktors standen der Bügelfalte seiner Hose an Schärfe in nichts nach. „O’Donnell, Sie geben uns detaillierte Satellitenbilder aus der Gegend auf die Wand.“
Der Jet flog aktuell in sechsundzwanzigtausend Fuß Höhe über ein Wüstengebiet, Tendenz weiter sinkend. Meilenweite Öde, nur Sand und Felsen. Der nächste offizielle Flughafen lag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Doch etwas sagte Jonathan, dass, sollte der Flieger tatsächlich landen wollen, er keinen offiziellen Flughafen ansteuern würde.
„Wir müssen nach sämtlichen Landemöglichkeiten Ausschau halten.“
Sie konnten sich ersparen zu fragen, wer trotz höchster Geheimhaltungsstufe Interesse an dem Virus haben könnte. Es wäre für jeden Staat die tödlichste Waffe, die man sich vorstellen konnte. Wo immer das Virus sich verbreitete, würde es eine verheerende Pandemie auslösen, die geradezu einem Genozid gleichkam.
Die Auswirkungen, die er in Kenia miterlebt hatte, drängten sich in sein Gedächtnis. Menschen, die schreiend vor Schmerzen elend verreckt waren, während ihnen das Blut aus allen Körperöffnungen geschossen war.
„Wir haben in Flugrichtung zwei Militärflughäfen und etwas bislang Unbekanntes, das durchaus ein Hangar sein könnte.“ O’Donnell beamte die Luftaufnahme eines Wüstenareals auf die Leinwand und zoomte in einen Fleck, der sich zuerst kaum von der rotbraunen Umgebung abhob. Erst bei der näheren Betrachtung konnte man eine riesige Halle – gut getarnt in Erdfarben – erkennen. Der Überwachungsspezialist deutete mit einem Laserpointer auf die breiteren Spuren, die deutlich als Reifenabdrücke erkennbar waren. „Diese stammen von einem oder mehreren Geländefahrzeugen und die anderen“, der rote Punkt markierte schmalere vierspurige Einbuchtungen im Sand, „könnten sehr gut von einem Flugzeug stammen.“ Er vergrößerte eine ebene braune Fläche. „Vermutlich liegt darunter eine Landebahn verborgen.“
„Kendall, versuchen Sie, Fluggenehmigungen von der sudanesischen Regierung zu erhalten, damit unsere Leute schnellstmöglich sämtliche potenzielle Landemöglichkeiten überprüfen können.“ Der Direktor presste die Lippen für einen Moment zusammen, bevor er sich räusperte. „Das Flugzeug darf jedoch keinesfalls landen.“
Auch wenn sie sich alle von Anfang an der Konsequenzen bewusst gewesen waren, schwebten die Worte wie ein bleierner Dunst im Raum.
„Malcolm ist gerade Vater von Zwillingen geworden, eine Frühgeburt. Er hat seine Söhne noch nicht mal gesehen“, murmelte Connor, ein schlanker Blonder mit schütter werdendem Haar. „Es hätte sein letzter Einsatz werden sollen.“
Direktor Adams reagierte nicht auf den Einwurf, doch an den zuckenden Wangenmuskeln, die aus dem hageren Gesicht hervorstachen, war zu erkennen, dass er ihn sehr wohl gehört hatte.
Unwillkürlich drängte sich auch Jonathan das verschmitzte Lächeln von Malcolm ins Gedächtnis. Die dunkle Haarsträhne, die ihm immer ins Gesicht fiel und einen jungenhaften Ausdruck verlieh. Was er wohl gerade dachte?
Er würde seine Söhne niemals kennenlernen.
„Wie viel Zeit bleibt uns noch, Direktor?“ Am liebsten hätte Jonathan dieses Flugzeug auf der Leitbildwand festgehalten – doch das Unvermeidbare ließ sich nicht aufhalten.
Ein stechender Blick traf ihn. „Nur wenige Minuten.“
Nur. Wenige. Minuten. Dann wäre das Leben von zwölf tapferen Männern ausgelöscht. Mit ziemlicher Sicherheit waren elf davon rechtschaffene Menschen, die ihr Fleisch und Blut nun der Sinnlosigkeit opferten.
Was hatte diesen einen Menschen dazu getrieben, das Leben seiner Freunde und Kameraden aufs Spiel zu setzen? Die Gier nach Geld? War es eine gut verborgene politische Überzeugung? Auch wenn keiner der Männer an Bord von der Sprengladung im Flieger wusste – der Verräter hätte sich doch denken können, dass er damit nicht durchkommen würde.
Jonathan blickte in die Gesichter der anderen. Schmerz, Fassungslosigkeit und Trauer paarten sich mit Wut. Jeder von ihnen könnte jetzt dort oben sitzen. Die Züge des Direktors schienen in Stein gemeißelt. Jonathan wollte nicht mit ihm tauschen. Den Befehl zu geben, zwölf seiner eigenen Leute zu töten, weil ein Verräter in ihrer Mitte war, kostete Kraft. Doch dagegen standen Millionen von Menschenleben, wenn das Virus in falsche Hände geriete.

Im Nebenbereich, der nur durch eine Glasscheibe abgetrennt war, brach hektisches Treiben aus. Der Einsatz für die Streitkräfte, die zum Landeplatz beordert werden sollten, wurde koordiniert.
Der Funkspruch „Airplane on position fifteen point eight five three degrees north, thirty-four point five one niner degrees east, do you read me? SQUAWK ident“, hallte wie ein Mantra durch den Raum, doch nicht einmal ein Rauschen kam zur Antwort.

Jeder einzelne seiner Mitarbeiter an Bord des Flugzeugs schien Jonathan im Geiste vorwurfsvoll anzustarren und ihn um Beistand anzuflehen, während die Challenger Fuß um Fuß an Höhe abbaute. Brennende Wut schnürte seinen Magen zusammen.
Die Unsicherheit, ob nicht doch ein technisches Problem im Hintergrund stand, machte es nicht besser. Auch wenn keiner der anderen sich etwas anmerken ließ, war er sich sicher, dass es seinen Kollegen ebenso erging.
Immer weiter näherte sich die Challenger dem Boden. Der Sinkflug war zu kontrolliert, als dass er auf ein technisches Problem zurückzuführen wäre. Und immer mehr zeichnete sich ab, dass die anvisierte Landebahn dieser verborgene Platz in der Wüste war. Noch geschätzte sieben Minuten bis zur Landung. Sieben Minuten, die so lang und doch so kurz sein konnten. Das Leben der Männer würde maximal eine Zigarettenlänge dauern. Die ersten Abfangjäger waren gestartet, die Satellitenüberwachung auf diese Gegend ausgerichtet. Noch zeigte sich keinerlei Aktivität auf dem potenziellen Landefeld.
Die Anspannung konnte man mit den Händen greifen. Saurer Schweißgestank mischte sich unter die stickige Luft, in der bislang Kaffeeduft, menschliche Ausdünstungen und der metallische Geruch geschlossener Computerräume dominiert hatten.
Auf einmal erfüllte hektische Betriebsamkeit einen der Monitore. Ameisengleich wuselten Menschen über das Bild, rollten eine Plane beiseite und wie von Zauberhand zeigte sich eine Landebahn.

Die Gewissheit legte sich schwer wie ein Munitionsgurt auf Jonathans Schultern.
Lass ein Wunder geschehen!
Doch Wunder zeigten sich selten, wenn man sie am dringendsten brauchte.
Der Direktor wartete, bis die Challenger 650 sich auf fünf­zehnhundert Fuß Höhe im Landeanflug befand. Dann nickte er abgehackt.

Als ein Feuerball die Leitbildwand erhellte, froren sämtliche Bewegungen im Raum ein. Die Flammen spiegelten sich im Schweiß, der die versteinerten Gesichter überzog.

Im Kindle-Shop: Blauer Tod: Im Netz des Terrors (Alex-Martin-Thriller 3).
Mehr über und von Ute Bareiss auf ihrer Website.



22. Mai 2018

'Lauf, wenn der Moorwolf heult' von Gabriele Popma

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Ein Schrei riss sie herum. Atemlos sah sie, wie Patrick einige Meter hinter ihr ins Gras stürzte. Dann streifte sie ein eiskalter Windhauch, der sie erzittern ließ. Wieder hörte sie das unheimliche Heulen und dieses Mal klang es triumphierend.

Die schüchterne, 16-jährige Nela verbringt die Ferien bei ihrer Tante auf dem Land und befürchtet, vor Langeweile zu sterben. Die Aussichten bessern sich, als sie auf den attraktiven Patrick trifft. Der aber hat mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen Nela zu Beginn nicht ganz klar kommt. Doch dann jagt eine geisterhafte Erscheinung ihr eine Heidenangst ein. Kann sie ergründen, was es mit dem unheimlichen Phänomen, von dem sie unerbittlich verfolgt wird, auf sich hat?

Eine Geschichte über Ängste und Probleme, über Mut, Hoffnung und die erste Liebe.

Leseprobe:
»Pass gut auf dich auf«, ermahnte Frau Merkert sie noch. »Bei einem solchen Wetter kann es in dieser Gegend gefährlich sein.«
Nela nickte nur und fuhr los. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was die Frau gemeint hatte. Gefährlich war es auf diesem kurzen Stück Weg gewiss nicht. Trotzdem ging ihr Frau Merkerts besorgter Blick nicht aus dem Sinn.
Sie ließ sich Zeit. Der Himmel bot ein faszinierendes Schauspiel, wie sie es noch nie gesehen hatte. Oder sich noch nie die Zeit genommen hatte, zu beobachten. Zwischen vielschichtigen grauen und schwarzen Wolkenbergen schimmerten hellgrüne Streifen Tageslicht hindurch und erhellten die schnell vorbeiziehenden Wolken wie von innen heraus. Nela genoss die Fahrt und die klare Luft und konnte wirklich nichts Beunruhigendes dabei finden.
Doch plötzlich hörte sie ein Geräusch. Zuerst dachte sie, es käme von ihrem Fahrrad. Aber als sie anhielt und abstieg, vernahm sie es immer noch. Es klang wie das laute Hecheln eines Hundes. Sie sah sich um, konnte aber nichts Ungewöhnliches erkennen. Wo war dieser Hund? Etwas mulmig war ihr schon, so allein auf der Landstraße bei diesem seltsamen, diffusen Licht. Es war allerdings hell genug, um zu sehen, dass sie wirklich allein war. Ganze zwei Autos hatten sie während der Fahrt überholt.
Das Hecheln wurde lauter. Nela hatte das Gefühl, als würde sich ein großer Hund in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Sie ging zur anderen Straßenseite hinüber und sah über die Böschung. Etwa fünfzig Meter entfernt lief unterhalb der Straße ein Feldweg parallel, aber auch dort war niemand unterwegs. Bei diesem Wetter führte doch keiner seinen Hund spazieren. Sie suchte mit den Augen die angrenzenden Wiesen ab, aber es war alles friedlich. Trotzdem hörte sie immer noch das Hecheln. Es musste etwas anderes sein. Aber was? Nichts in der Umgebung konnte ein solches Geräusch hervorbringen. Während sie wieder zu ihrem Fahrrad lief, sah sie sich aufmerksam um. Es musste ein Hundehecheln sein, doch wo war der Hund dazu? Duckte er sich vielleicht ins Gras und war so klein, dass sie ihn nicht sah? Aber so hörte es sich nicht an. Es war ein lautes Geräusch, das irgendwie deplatziert wirkte. Plötzlich war das Hecheln genau vor ihr, als würde ein unsichtbarer Hund direkt neben ihrem Vorderrad stehen. Eine Gänsehaut kroch über Nelas Rücken, als sie hastig auf ihr Fahrrad stieg. Das war ihr nun doch einen Tick zu unheimlich. Sie wollte nur noch weg von hier. Aber so schnell sie auch fuhr, das Hecheln blieb bei ihr. Es wurde sogar noch lauter. Und dann durchdrang ein Heulen den düsteren Nachmittag. Ein schauriges, gespenstisches Heulen, das sie bis ins Mark erschreckte. So mussten sich Wölfe anhören, bevor sie ihre Opfer anfielen. Aber hier gab es doch keine Wölfe. Oder etwa doch? Sie schluckte trocken. Es konnte ja wohl nicht sein, dass sie hier zwischen zwei Ortschaften von einem Wolf angegriffen wurde.
»Nela, du fängst an zu spinnen«, sagte sie laut. Der Klang ihrer Stimme beruhigte sie etwas. Dennoch klopfte ihr Herz wie rasend. Nach dem Heulen hörte sie wieder das Hecheln und nun erneut genau hinter sich. Gehetzt warf sie einen Blick zurück und wäre fast gestürzt, als sie dabei den Lenker verriss. Nur mit Mühe konnte sie sich auf der Straße halten. Der scharfe Wind trieb ihr Tränen in die Augen, als sie so schnell in die Pedale trat, dass ihr Herz zu zerspringen drohte. Etwas war hinter ihr her. Ganz deutlich hatte sie zwei gelbe Lichter gesehen. In der Form von Augen. Augen, die wild glühten. Sonst nichts. Da war kein Körper, nur Glutpunkte in der Luft, die sie zu verfolgen schienen. Es war unheimlich. Und immer wieder ein Heulen wie von einem großen Hund. Ihr Verstand sagte ihr, dass das alles nicht sein konnte, dass Geräusche nicht aus dem Nichts entstehen konnten und Augen ohne Körper unmöglich waren, doch ihr Instinkt ließ sie panisch reagieren. Nun hörte sie auch noch das Tappen von Pfoten auf der nassen Straße, das hohl und schaurig widerhallte. Auch sehr große Hundepfoten machten keinen solchen Krach. Das Tappen klang, als würde der Hund durch tiefe Pfützen auf der Straße platschen. Nela traute sich nicht mehr, sich umzudrehen. Keuchend vor Anstrengung spornte sie ihre Beine zu noch schnellerem Treten an. Sie versuchte, sich zu beruhigen, indem sie sich laut vorsagte, dass ihr nichts passieren konnte, doch ihre Panik ließ sich durch keinen noch so vernünftigen Grund beschwichtigen. Egal, was das hinter ihr war, es war einfach nur unheimlich. Warum kamen denn keine Autos mehr? Warum war hier kein einziger Mensch unterwegs? Nela fühlte sich mutterseelenallein. Allein mit diesen geisterhaften Geräuschen, die immer näher kamen. Sie wollte sich die Ohren zuhalten, um das schaurige Heulen nicht mehr hören zu müssen, doch sie wagte es nicht, den Lenker loszulassen. In wahnsinniger Fahrt raste sie die leicht abschüssige Straße hinunter und doch schien es Ewigkeiten zu dauern, bis sie das Ortsschild von Langenfelden erreichte. Und in diesem Moment hörte der Spuk auf. Das Hecheln verstummte und das nervenzerfetzende Tappen der Pfoten verschwand. Totenstill war es plötzlich. Unheimlich still. Nela hielt an, nahm ihren ganzen Mut zusammen und drehte sich um. Beinahe erwartete sie, dass ein wildes Tier genau hinter ihr stand, bereit, sie zu fressen, wie sie es schon oft im Fernsehen in diversen Thrillern gesehen hatte. Doch da war nichts außer der verlassenen Straße und grünen, idyllischen Wiesen. Nirgendwo war auch nur die Spur einer Bewegung, geschweige denn eines Tieres zu sehen. Zitternd atmete sie tief durch und versuchte vergeblich, ein Frösteln zu unterdrücken. Sie hätte schwören können, dass sie die ganze Zeit von einem großen Hund verfolgt worden war. Von einem Hund ohne Körper, aber mit zwei bedrohlich glimmenden Augen.
Sie hatte nicht mehr die Kraft, auf das Fahrrad zu steigen. Langsam schob sie es neben sich her, während sich ihr Herz und ihre Atmung wieder beruhigten. Auch ihre Gedanken wurden wieder rationaler. Es konnte ja schlecht ein Geist gewesen sein. Vielleicht hatten sich Jugendliche einen Spaß erlaubt. Mit der heutigen Technik dürfte es nicht schwer sein, Abspielgeräte so in der Wiese am Straßenrand zu deponieren, dass Fußgänger und Radfahrer meinten, von einem wilden Tier verfolgt zu werden. Wahrscheinlich lagen irgendwo in sicherer Entfernung ein paar Halbwüchsige im Gras und lachten sich über ihre Panik halb tot. Nela nickte bekräftigend. Genau so musste es sein. Deshalb hatte das Hecheln und Heulen auch so hohl und dumpf geklungen. Weil es von einem Abspielgerät kam, vielleicht von einem alten Kassettenrekorder. Auch die tanzenden Lichtpunkte ließen sich sicher irgendwie erklären. Bestimmt gab es entsprechende Apps für Smartphones. Nela kam sich plötzlich unglaublich dumm vor, dass sie so bereitwillig in die Falle getappt war. Am liebsten wäre sie umgedreht, um die Übeltäter zu suchen. Doch dafür hatte sie keine Zeit. Sagte sie sich zumindest, denn es bestand ja immerhin eine geringfügige Chance, dass es doch ein Geist gewesen war.

Im Kindle-Shop: Lauf, wenn der Moorwolf heult.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Gabriele Popma auf ihrer Website.



'Das Koma: Mein größtes Glück' von Reinhard Belser

Kindle Edition | tredition | Taschenbuch
Nach einer Überdosis Heroin fiel Reinhard Belser in der Silvesternacht 2006 ins Koma. Die Ärzte sahen ihn bereits tot – aber er überlebte.

Doch niederschmetternde Diagnosen und Prognosen wie gelähmte Beine, geistige Verwirrung, versagende Organe und anderes mehr, machten ihn zum hoffnungslosen Fall. Therapien wurden nicht vorgesehen, er kam zum Sterben in ein staatliches Pflegeheim.

Dies wollte Reinhard Belser jedoch nicht akzeptieren. Mit Willenskraft, Geduld und Zuversicht kämpfte er sich Schritt für Schritt ins Leben zurück. Inzwischen ist er vollständig geheilt.

Leseprobe:
2007
Der lange Weg zurück ins Leben

Als ich zu Bewusstsein kam und die Augen öffnete, war da nur Leere. Wo ich war, woher ich kam, wie viel Zeit vergangen war – keine Ahnung. Es war seltsam, aber ich war mir mit dem Erwachen meiner Existenz im wirklichen wie auch im metaphysischen Sinne bewusst, aber viele Erinnerungen an die Vergangenheit fehlten. Selbst meinen Namen wusste ich nicht mehr.
Schleichend formte sich aus vermeintlicher Leere eine weiße Wand, die ich wahrnahm. Auch machten sich erste Schmerzen im Rücken bemerkbar, die zunehmend stärker wurden. Noch hatte ich keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen, um sie wenigstens ein bisschen zu lindern, denn ich konnte weder sprechen noch meine Glieder auch nur im Geringsten bewegen.
Seltsame Geräusche ließen mich meine Schmerzen vergessen. Ich versuchte, diese Geräusche zu orten, was allerdings nicht gelang. Immerhin vermochte ich, zwischen Dunklem und Hellem zu unterscheiden. Ob die Helligkeit von Sonne oder elektrischem Licht herrührte, konnte ich nicht erkennen.
Im Laufe der nächsten Tage erkannte ich dann sogar die Stimme meiner Ehefrau Sandy, die mich regelmäßig in der Klinik besuchte. Ich glaubte, mit einem Lächeln darauf reagiert zu haben. Später erzählte mir Sandy, dass ich sogar versucht hätte, mit ihr zu reden.

Während der langen Schlafperioden haben mich fürchterliche Albträume heimgesucht, von denen etliche haften geblieben sind, wie zum Beispiel dieser:
Verschwommen – wie durch schmutzige Brillengläser – erblickte ich eine Wiesenlandschaft mit einem sich dahinter erstreckenden dunklen Waldstrich, in dessen Innerem sich ein Gebäude erhob. Ich ging auf das Gebäude zu und betrat es durch eine breite Tür. Das Innere erinnerte an eine Musikkneipe, in der eine Party stattfand. Unter den Gästen erkannte ich einige mir bekannter Menschen, die ich als ehemalige Kollegen meiner letzten Arbeitsstelle identifizierte. Plötzlich saß ich mit ihnen um einen Tisch: Wir plauderten miteinander, hörten gemeinsam Musik und tranken dazu. Jäh wurde die heitere Stimmung der Gruppe durch das Erscheinen meines ungeliebten Vorgesetzten gestört. Wie aus dem Nichts kam er mit erhobener Pistole in der Rechten. Er trat stumm auf mich zu, hielt die Waffe gegen meine Schläfe und sagte: »Jetzt knall ich dich ab!« Und dann drückte er tatsächlich eiskalt ab. So verwirrt wie ich war, hielt ich es für real, nicht für einen Traum, und rechnete mit dem Schlimmsten. Ich war geschockt, die Zeit stand still und ich wusste nicht, ob ich noch lebte oder bereits tot war. Es herrschte unheimliche Stille; da war nichts mehr. Es dauerte eine Weile bis ich mich von diesem furchtbaren Schock erholt hatte und realisierte, dass ich noch lebte. Diese mir ungeheure angsteinflößende Szene wiederholte sich noch öfter. Und jedes Mal, nachdem mein Vorgesetzter den Abzug der Pistole gedrückt hatte, war ich wiederholt in dem Zustand, dass mir für wenige Augenblicke nicht klar war, ob ich noch lebte oder schon tot war – eine äußerst befremdende Situation. Aber dann ließen der unglaublich hohe Druck und die extreme Anstrengung, die dieser Albtraum in meinem Kopf verursacht hatte, nach und ich wurde innerlich ruhiger, konnte weiterschlafen. Eines wurde mir jedenfalls bei diesem Traum bewusst: dass ich zwischen Leben und Tod zu unterscheiden vermochte. Und ich fühlte mich froh, noch am Leben zu sein.
Rückblickend bezieht sich dieser Albtraum auf eine wahre Begebenheit: Vor meinem Zusammenbruch übte ich tatsächlich einen Bürojob in einer amerikanischen Firma aus. Ich hasste sowohl die Firma als auch meinen Job. Zu allem Überfluss traf ich auch noch auf einen Vorgesetzten, der Mobbing perfekt beherrschte und es liebte, Intrigen in die Welt zu setzen. Man konnte ihm die Freude förmlich ansehen, die er verspürte, wenn er seine Mitmenschen quälte und leiden sah. Sein Führungsstil zeichnete sich durch maßlose Arroganz und Ignoranz in ganz besonderer Weise aus. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass ich zu ihm ein gestörtes Verhältnis pflegte und ihn nicht ausstehen konnte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine regelrechte Aversion gegen ihn, die Firma und den Job, eine Aversion, die wohl tiefer in mein Unterbewusstsein eingedrungen war, als ich mir das je hätte vorstellen können.

Zunächst setzte sich meine Welt jedoch nur langsam und Stück für Stück zusammen. Als ich dann irgendwann eine sanfte Stimme neben mir hörte, vermochte ich auf einmal meinen Kopf ein klein wenig zu drehen und blickte in ein Gesicht, welches mir völlig fremd war. Leicht irritiert versuchte ich zu verstehen, was vor sich ging. Es dauerte, bis ich das weibliche Gesicht zuordnen konnte. Wahrscheinlich zeigte ich eine Reaktion, denn die Frau begann zu lächeln und wirkte dabei sehr freundlich. Mit einfühlsamer Stimme sprach sie zu mir, doch was sie sagte, weiß ich nicht mehr. Mir wurde unbehaglich, als sie mit einer Hand an meinen Hals griff. Ich spürte, wie sie ein Pflaster wegriss. Im nächsten Augenblick beobachtete ich, wie sie mit einem Plastikröhrchen hantierte und damit an meinem Hals herumstocherte. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Darauf hörte ich zischelnde Geräusche, die sich anhörten, als würde Flüssigkeit abgesaugt – es tat weh. Ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Ich wollte etwas dazu sagen und stellte fest, dass ich kaum einen Ton herausbrachte, aber ich konnte nicht nachvollziehen, warum das so war. Die gesamte Prozedur war mir äußerst lästig und ich war froh, als die Frau damit fertig war und ging. Danach lag ich wieder teilnahmslos da, in der unendlichen Leere.

Während eines weiteren lichten Moments nahm ich dieselbe Frau erneut neben meinem Bett wahr, hörte ihre beruhigende Stimme und sah ihr Lächeln. Dabei fiel mir auf, dass sie grüne Kleidung anhatte, die ich irgendwo schon einmal gesehen hatte, aber wo? Wiederholt beugte sie sich über mich, riss mir ein Pflaster vom Hals und saugte Flüssigkeit mithilfe eines Plastikröhrchens ab. Als sie damit fertig war, beobachtete ich, wie sie das Plastikröhrchen, welches an einem Schlauch befestigt war, in einen Apparat steckte. Endlich begriff ich, dass ich in einem Krankenhausbett lag und die Frau eine Krankenschwester war. Vielleicht assoziierte ich mit den zischelnden Geräuschen und dem Plastikröhrchen Erinnerungen an vergangene Zahnarztbesuche. Diese ernüchternde Erkenntnis drang jedoch nur langsam zu mir durch und verunsicherte mich. Das alles wurde mir zu viel, ich schaltete ab und starrte die weiße Wand an.

Bei einem der täglichen Besuche meiner Ehefrau Sandy erkannte ich dann irgendwann nicht nur ihre Stimme, sondern nahm sie auch visuell wahr und bewegte dabei ein klein wenig meine Arme und Hände, verbunden mit einem zaghaften Lächeln. Fast gleichzeitig kam mir auch noch unsere kleine Tochter Evelin in den Sinn und ich sah sie bildlich vor mir – wunderbar. Beide, Sandy und Evelin, kamen mir vertraut und bekannt vor, mehr allerdings nicht. Mit einigen Fragen versuchte Sandy einen Kontakt zu mir herzustellen und ich antwortete darauf – ein gewaltiger Fortschritt. Dennoch standen meine Antworten und ihre Fragen in keinerlei Zusammenhang.

Unverhofft wurde mir eines Tages bewusst, dass ich an einem Fenster lag. Draußen schien die Sonne und die Sonnenstrahlen durchfluteten das Zimmer förmlich. Neben meinem Bett erblickte ich mehrere Infusionsflaschen, die an einem Metallständer hingen. Dann hörte ich die Geräusche von Monitoren, drehte meinen Kopf und erkannte einige technische Geräte. Jetzt dämmerte es mir allmählich, dass ich auf der Intensivstation lag und mir wurde unheimlich zumute. Ich drehte den Kopf zur anderen Seite und sah ein weiteres Krankenbett, ebenfalls mit technischer Apparatur.
Mein Kopfende war in erhöhter Position, sodass ich an der gegenüberliegenden Wand des Zimmers drei weitere Krankenbetten wahrnehmen konnte, die ebenso von Hightech-Geräten umgeben waren. Bei genauerem Hinsehen stellte ich fest, dass in jedem Bett ein Patient lag. Mir fiel auf, dass außer den Geräuschen der Geräte vollkommene Stille im Raum herrschte und sich auch niemand rührte. Die Atmosphäre kam mir unwirklich vor, kalt, unmenschlich, nur Technik. Es schauderte mich.
Das war wohl ganz schön knapp, kam es mir in den Sinn. Meine Gedanken drifteten ab und ich kam mir vor wie in einem Horrorfilm. In dieser skurrilen Umgebung schossen mir morbide Fantasien durch den Schädel, die ich nicht mehr kontrollieren konnte. Ich dachte an die Menschen, die in den Betten lagen und deren lebensnotwendigen Organe nur noch mithilfe von Geräten funktionierten. Für mich befanden sie sich in einer Art Schattenreich zwischen Leben und Tod. Dann ging die Fantasie endgültig mit mir durch und ich dachte, wenn die Maschinen abgeschaltet würden, stünden hier fünf Särge bereit, für den letzten Transport auf den Friedhof; mir blieb die Spucke weg. In jenem Moment kam ich mir bereits selbst vor wie eine Leiche, die aber immerhin das Gefühl verspürte, noch zu leben.
Als ich wieder bei Sinnen war, stellte ich mir Fragen: Was war passiert? Wie kam ich hierher? Wie viel Zeit war vergangen? Wo war ich? Auf keine einzige dieser Fragen hatte ich eine passende Antwort, geschweige denn eine vernünftige Erklärung und fühlte mich hilflos.

Im Kindle-Shop: Das Koma: Mein größtes Glück.
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21. Mai 2018

Ute Bareiss

Getreu dem Motto "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!" wurde Ute Bareiss Anfang des Millenniums zur Weltenbummlerin und verlegte ihr Schreib- und Übersetzungsbüro von Stuttgart an Bord ihres Segelkatamarans Taimada. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten erforscht sie die Welt über und unter Wasser. Ihre Spur zieht sich vom Mittelmeer über Afrika, die Karibik, Nord- und Südamerika, die Südsee, Ozeanien, Australien, Indonesien bis in den Fernen Osten, den Indischen Ozean, das Rote Meer – einmal um die ganze Welt.

Was könnte besser zum Abtauchen in andere Welten inspirieren als exotische Plätze und fremdartige Kulturen? Nicht nur in ihren Reiseberichten für diverse Magazine, sondern auch in spannungsgeladenen Thrillern und Jugendkrimis spiegeln sich aufregende Situationen ihres Alltags facettenreich wider.

Die Thriller-Reihe um den Meeresbiologen Dr. Alexander Martin startete im April 2015 mit „Roter Ozean - Im Fahrwasser der Macht". Bisher sind drei Bände erschienen. Zu ihren weiteren Veröfftenlichungen zählen die Jugendkrimi-Serie „Ein MORDs-Team“ und die maritime Anthologie "Aus Liebe zum Meer", an der sie mit zehn Autoren schrieb und die als Spendenprojekt für die „Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ publiziert wurde.

Ute Bareiss ist zudem als freie Lektorin und Übersetzerin tätig und engagiert sich ehrenamtlich in Schriftstellerforen und Autorenverbänden.

Weblink: ute-bareiss-autorin.de


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