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19. September 2017

'Behemoth 2333 - Band 1: Das Jupiter Ereignis' von Joshua Tree

Das Jahr 2333: Die einzige Kolonie der Menschheit im fernen Archimedes System ist in Aufruhr.

Der Kontakt zur Erde ist abgebrochen und seit Jahrzehnten erschüttern mysteriöse Entführungswellen die Gesellschaft. Als ein Wurmloch inmitten der Kolonie auftaucht, sieht sich die Unions Navy einer uralten Gefahr gegenüber. Während ein erbarmungsloser Krieg das gesamte System ins Chaos stürzt, wird Captain Jeremy Brandt mit der UNS Concordia durch das Wurmloch geschickt, um sich dem mysteriösen Feind zu stellen.

Heliosphere 2265 trifft Shadowrun trifft Commonwealth Zyklus. Für alle Fans von politischen Intrigen, intergalaktischen Konflikten und krachenden Weltraumschlachten.

Gleich lesen: Behemoth 2333 - Band 1: Das Jupiter Ereignis

Leseprobe:
Forschungsstation Saturas, Orbit um den Gasriesen Zeus II, Archimedes System, 21. November 2333, 01:22 Uhr.
„Okay Marly“, sagte Federigo gut gelaunt und gesellte sich zu seiner Kollegin vor die äußere Kompositwand der Station. „Dann wollen wir doch mal schauen, was wir heute an interessanten Daten erhalten.“
„Ich bin nicht auf DeGaulle geboren worden, nur um meinen wunderbaren Namen von einem Bismarcker wie dir verschandeln zu lassen“, schnaubte Dr. Marlène DeVries zur Antwort und warf ihm einen gespielt bösen Blick zu. „Außerdem versuchst du doch nur, das Ganze spannender zu machen, als es ist. Ich schätze, das ist auch der einzige Grund, weshalb du deinen Studenten mitgebracht hast?“
Sie machte mit ihrer zierlichen Hand eine vage Geste in Richtung des jungen Mannes, der auf einem der drei Sessel aus Nanoschaum hinter ihnen saß. Seinem leeren Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war er in den zentralen Quantencomputer der Station, den KI-Kern, eingeloggt.
„Ach, die armen Jungs kommen doch sonst nie aus der Uni heraus“, gab Federigo zurück und hob die Schultern. Mit einem kurzen Gedankenbefehl öffnete er eine Verbindung zu der Robotersonde, die gerade von ihrem dreimonatigen Flug durch die unteren Atmosphärenschichten des Gasriesen zurückkehrte. Als er keine Antwort erhielt, befahl er der nanonischen Kompositwand vor sich, transparent zu werden.
Aufgrund ihrer Nähe zu dem Planeten war die Helligkeit, die von dem jovianischen Riesen ausging, enorm und sein NeuroSmart, ein winziger Computer an seinem Hirnstamm, dämpfte automatisch die Reizübertragung seiner strapazierten Sehnerven. Was nach den angesprungenen Filtern blieb, war ein wunderschönes Gemälde aus atmosphärischen Superstürmen, die in Äquatornähe wüteten und die vorherrschenden Gelb- und Rottöne ständig ineinander verschoben.
„Es gibt schon schlimmere Arbeitsplätze als diesen hier“, stellte er zufrieden fest.
„Du meinst schlimmer als ein Jahr am Stück immer gleiche Messdaten zu empfangen?“, schnaubte Marlène und rieb sich mit einer Hand über die grauen Stoppeln ihres rasierten Kopfes. „Wir sind doch ohnehin bloß hier, um den Ort des ehemaligen Jupiter Tunnels nicht gänzlich der Human Corporation oder Schmugglern der Steineklopfer auf den Asteroiden zu überlassen.“
„Zeus II mag momentan noch nicht im Interesse der Union liegen“, stimmte Federigo ihr zu und sandte ihr über SenseNet die letzten Daten von der Zusammensetzung der Atmosphäre, die gerade von der Robotersonde in den KI-Kern der Station geladen wurden. „Aber wenn von Zeus I erst einmal sämtlicher Wasserstoff abgesaugt wurde, wird sich das schnell ändern und Zeus II plötzlich der interessanteste Punkt des Archimedes Systems sein.“
„Und das ist wann? In fünftausend Jahren?“
„Genießen wir einfach den Ausblick“, gab der Professor milde zurück, als er eine Warnmeldung vom KI-Kern erhielt, die als aufdringliches, rot blinkendes Dreieck in sein Sichtfeld projiziert wurde.
Mit hochgezogenen Brauen öffnete er die Meldung und eine wahre Flut von Diagrammen und Daten aus der oberen Sensorphalanx überflutete sein Sichtfeld.
„Seltsam“, sagte er leise und aktivierte sämtliche Analyseprogramme aus seinen Memoryzellen, um die Daten in ein verdauliches Maß umzuwandeln. Nach zwei Sekunden hatten sie ihre Arbeit getan und sein Mund wurde staubtrocken. Ungeduldig schob er den Datenwust beiseite und klinkte sich in die optischen Sensoren der Station ein, verschmolz mit den Teleskopen.
Über das lokale SenseNet spürte er die Präsenz von Marlène und Martin, die es ihm scheinbar ohne Zögern gleichgetan hatten.
Hastig zoomte er zu den etwa vierhunderttausend Kilometer entfernten Koordinaten der ehemaligen Subraumanomalie des Jupiter Tunnels heran. Was vor Jahrzehnten noch ein rätselhaftes Mikrowurmloch gewesen war, das sie mit dem heimischen SOL System verbunden hatte, war heute nur noch langweiliger Normalraum. Die vier halbverwaisten Forschungsstationen der Human Corporation hingen wie reglose Zeugen des Vergessens rings um die Koordinaten im Vakuum. Nicht mehr als Prestigeobjekte einer gierigen Megacorporation, die heute von Schmugglern, FMN-Sympathisanten und Systemfeinden kontrolliert wurden.
„Energiespitze bei Point Zero!“, dröhnte Marlène über das SenseNet.
Er vergrößerte erneut, bis seine sensorgestützten Augen direkt in einen grellen Photonensturm harter Strahlung blickten, der die ihn umgebenden Stationen der Human Corporation gefährlich rot aufglühen ließ. Nach dem Lichtblitz wurde der Normalraum zwischen ihnen gewaltsam aufgerissen und offenbarte seinen Sensoren einen flüchtigen Blick in die beunruhigende, schwarze Unendlichkeit des Weltraums. Das kugelförmige Gebilde aus vollkommener Schwärze schwoll rasend schnell an, wölbte sich wie ein Ballon kurz vorm Platzen und spuckte dann etwas aus, bevor es wieder in sich zusammenfiel.
„Bei Gott was ist das?“, raunte Martin heiser.
Federigo überflog hastig die Daten: Das Raumschiff, das durch den Ereignishorizont gesprungen war, hatte eine Länge von über zwei Kilometern und besaß an der breitesten Stelle einen Durchmesser von dreihundert Metern. Das war deutlich größer als ein Schlachtschiff der Unionsnavy und damit gewaltiger als alles, was er jemals gesehen hatte.
„Marlène, was machst du aus den Daten der Passivsensorik?“, fragte er die Analystin mit sich überschlagender Stimme und wartete ungeduldig darauf, dass die optischen Sensoren wieder hochfuhren. Sie hatten nach dem initialen Lichtblitz des sich öffnenden Wurmloch Terminus abgeschaltet, um nicht in dem folgenden Orkan aus Gammastrahlung zu vergehen.
„Niederfrequente elektromagnetische Strahlung, kein Plasmaschweif, aber ich empfange eine SenseNet Übertragung“, antwortete die Wissenschaftlerin direkt in sein Bewusstsein.
„Über SenseNet?“, fragte er ungläubig. „Das ist doch vollkommen unmöglich!“
„Kein Zweifel!“, beharrte sie und ihre von Angst getragene Aufregung durchdrang das Netz der Station mit einer solchen Intensität, dass seine emotionalen Filterroutinen aktiv wurden. Schnell beruhigte er sich.
„In Ordnung. Kanal öffnen!“
Er hielt die Luft an, während er auf die Nachricht des fremden Schiffes wartete.
Ist das ein wirklicher Erstkontakt?, dachte er fieberhaft und fühlte sich wie in einem Traum. Solche Dinge passierten anderen, Männern und Frauen, die in die Geschichte eingingen. Ganz sicher aber passierten sie nicht ihm, Federigo Meyberg, der diesen unterdurchschnittlichen Arbeitsplatz seinen noch unterdurchschnittlicheren Forschungsergebnissen verdankte. Ein Wurmloch. Ein echtes Wurmloch! Doch so lange er auch wartete, es geschah nichts. Keine Nachricht. Keine außerirdische Stimme aus dem Äther, die nach ihnen rief. Keine kryptischen, mathematischen Formeln, keine Lichtsignale. Einfach nichts.
Doch, da war etwas.
„Der KI-Kern wird angegriffen!“, schrie Marlène mit einem Mal.
„Was?“
„Bei dem Signal scheint es sich um eine Art Virus zu handeln, das die Firewalls des KI-Kerns angreift. So einen Code habe ich noch nie gesehen“, sagte sie atemlos.
Die optischen Sensoren waren wieder hochgefahren und Federigo zögerte keine Sekunde. Er klinkte sich erneut in die Teleskope ein und befahl ihnen, sich direkt auf das fremde Schiff auszurichten.
„Das ist kein Schiff!“, stammelte er kurze Zeit später fassungslos und leitete die Telemetriedaten an Marlène weiter.
Bei dem Eindringling handelte es sich um ein riesiges Lebewesen, dass sich am ehesten noch mit einem irdischen Wal vergleichen ließ, wie er ihn aus den SenseNet Dokumentationen über die Erde kannte: Eine massige, stromlinienförmige Kreatur, an deren Flanken kiemenartige Löcher klafften, durch die sie den Daten zufolge interstellaren Wasserstoff aus dem Vakuum saugte. Auf dem Rücken befanden sich hornartige Fortsätze, die sich von dem gedrungenen Kopf mit seinen unzähligen Augen und Tentakeln bis zum abgeflachten Ende entlangzogen. Eine glänzende Haut aus massivem braunen Polyp überzog das Wesen, das sich gemächlich aber zielstrebig auf sie zu bewegte.
„Ein verdammtes Weltraummonster?“, fluchte Marlène leise. „Das soll doch wohl ein Witz sein!“
„Das ist der Behemoth!“, sendete Martin hysterisch über das SenseNet.
„Behemoth?“, fragte Marlène irritiert. „Fang mir jetzt nicht mit irgendeinem Gefasel aus der Bibel an!“
„Das ist ein Monster aus dem Buch Hiob“, erklärte Federigo und umfasste instinktiv das Kruzifix, das er um seinen Hals trug. „Aber Behemoth ist in der Bibel ein Landlebewesen. Wenn überhaupt ist das hier ein Leviathan!“
„Können wir vielleicht mit der verfluchten Bibelstunde aufhören und uns darauf konzentrieren, was zur Hölle wir jetzt machen?“, drängte Marlène ungeduldig. „Was auch immer das für ein Ding ist, es hat beinahe die Firewalls des KI-Kerns überwunden.“
Nichts kann die Firewall eines Stufe vier KI-Kerns überwinden, dachte er, bevor er sich wieder den Daten der Sensorphalanx zuwandte. Die Forschungsstationen der Human Corporation, Bohr, Newton, Einstein und Clarke, hatten sich in dichte Trümmerwolken verwandelt. Die Explosion aus harter Strahlung und Hitze bei Öffnung des Wurmlochterminus hatte sie einfach zerrissen und mit ihnen die über zweihundert dort arbeitenden Wissenschaftler. Und Schmuggler.
Das Wesen beschleunigte mittlerweile mit 3g direkt auf sie zu und sog dabei jedes Wasserstoffmolekül innerhalb von fünf Astronomischen Einheiten in sich auf.
„Martin!“, blaffte er über SenseNet. „Speicher alle Daten, die wir bisher gesammelt haben und sende sie über die nächste Kommunikationsboje an das Unionsnetz!“
„Soll ich…“, setzte der Student nervös an, doch Federigo fuhr ihm ungehalten dazwischen: „Sofort, Mann!“
„Federigo!“, rief Marlène alarmiert.
„Was ist jetzt?“
„Öffnung eines Hyperraum Fensters zwei Klicks unterhalb unserer Längsachse!“
„Was?“ Er öffnete die von ihr übersandten Daten und kniff irritiert die Augen zusammen. Durch den wirbelnden Sturm aus exotischer Strahlung inmitten des Hyperraumfensters schoss ein kleines Raumschiff der Elsass-Klasse auf sie zu und ging in einen Annäherungsvektor über.
„Laut Transpondercode ist das die UNS Dassault“, stellte Marlène fest. „Aber das ist nicht möglich! Raumschiffe können keine Hyperraum Fenster öffnen!“
„Genau so wenig wie es möglich ist, Wurmlöcher größer als einen Stecknadelkopf zu erschaffen?“, gab er lakonisch zurück. „Hier und heute ist scheinbar nichts unmöglich.“
Sein NeuroSmart wertete die vorliegenden Sensordaten über die angebliche UNS Dassault aus und sandte ihm eine Zusammenfassung in sein Blickfeld, die er hektisch überflog.
„Sieh dir den Energieausstoß an!“, rief er seiner Analystin zu. „Das Ding fliegt mit Antimaterie!“
„Jesus!“
„Selbst wenn es sich um Piraten oder FMN Aktivisten handelt“, sagte er eilig und übermittelte der UNS Dassault die exakten Anflugvektoren für die primäre Luftschleuse. „Beide Varianten sind mir lieber als dieses riesige Weltraummonster, das uns in weniger als vier Minuten erreichen wird!“
Marlène antwortete nicht.
„Marlène!“, schrie er und packte sie mit beiden Händen. „Zur Luftschleuse! Jetzt!“
Als erwache sie aus einem Traum, schüttelte die Wissenschaftlerin von DeGaulle ihren Kopf und nickte mit blassem Gesicht.
Als sie das gedrungene Analysezentrum durchquert hatten, zerrten sie den vom Schock erstarrten Martin aus seinem Sessel und liefen den engen Flur in Richtung Aufzug entlang.
„Die erste Firewall ist zusammengebrochen!“, rief Marlène atemlos. „Erste Systeme fallen aus.“
Gerade als sie die letzten Worte gesprochen hatte, ging ein Ruck durch die sie umgebenden Kompositwände und die ewige Rotation der zylindrischen Forschungsstation setzte aus. Federigos Stiefel hoben augenblicklich vom Boden ab. Sein Magen begann zu rebellieren und drohte sich jeden Moment zu entleeren, während er hastig nach den Haltegriffen zu seiner Linken tastete.

Im Kindle-Shop: Behemoth 2333 - Band 1: Das Jupiter Ereignis

Mehr über und von Joshua Tree auf seiner Website.



18. September 2017

'Bruchstücke des Glücks' von Xenia Hügel

Die Lyrikerin Xenia Hügel präsentiert mit ihrem im Oktober erscheinenden Poesie-Werk "Bruchstücke des Glücks" ein Buch voll glücklicher Momente.

Die neuen Gedichte befassen sich auf emotionale Weise mit dem schönsten Streben der Welt. Eine individuelle Wahrheit und reale Wirklichkeit. Xenia Hügel vermittelt die Konzentration auf das Glück. Man subtrahiere die Angst und das Glück bleibt. Das Denken und Fühlen sollte auf das Positive ausgerichtet sein. Die Leserinnen und Leser können die Glücksgefühle, die Wahrheit, nachempfinden und sind versucht, dem Glück entgegen zu gehen. Xenia Hügel zeigt in gefühlten Bildern das kleine und große Glück, kommen Sie mit auf diese Reise.

„Bruchstücke des Glücks“ ist eine Weiterentwicklung zu Hügels Erstlingswerk „Meine Wege“, welches sich noch befreit und nach dem Warum fragt.

"Bruchstücke des Glücks" erscheint bei PYRAMIDIS Audio – Sound & Media.
Überall erhältlich ab Oktober 2017.
Buch: ISBN 978-3-9503956-3-1
eBook: ISBN 978-3-9503956-4-8
Hörbuch: ISBN 978-3-9503956-5-5

Gleich vorbestellen: Bruchstücke des Glücks - Neue Lyrik

Leseprobe:
Mein Wasser

Ozeangleich ist deine Liebe.
Täglich möchte ich darin ertrinken.

Dein klares Wasser, zum Verlieben,
vertraue dir, bis in alle Ewigkeit.

Jeden Tropfen bewahre ich im Herzen.
Alles zieht in meine Haut.

Jeder Schluck die Köstlichkeit von Wahrheit.
Ohne dich vertrockne ich.

Termine:
Lesung mit Musik mit Xenia Hügel (Poesie) und Dani Arnold (musikalische Begleitung)

15. Oktober 2017 | 15 Uhr
LYRIK, SAND & MEER
Miltenberg (Bayern), Bootsverleih am Yachthafen

30. Oktober 2017 | 19 Uhr
LYRIK & LIKÖR
Beuchen (Bayern), Edelobstbrennerei Bauer

1. November 2017 | 20 Uhr
LYRIK IM KERZENSCHEIN
Eberbach (Baden-Württemberg), Strand-Gut

16. November 2017 | 18:30 Uhr
LYRIK AN DER MÜHLE
Laudenbach (Bayern), Pötzl Mühle

26. November 2017 | 17 Uhr
LYRIK AM KULTURGLEIS
Offenbach (Hessen), Waggon am Kulturgleis

1. Dezember 2017 | 19 Uhr
LYRIK & DAS GLÜCK
Lauffen (Baden-Württemberg), Am alten Schützenhaus

3. Dezember 2017 | 11 Uhr
ADVENT IM GLÜCK – Lyrik zum Frühstück
Eberbach (Baden-Württemberg), Strand-Gut

11. Januar 2018 | 19 Uhr
LYRIK IM BEGINEN-KLÖSTERLE
Buchen (Baden-Württemberg), Beginen-Klösterle

Gleich vorbestellen: Bruchstücke des Glücks - Neue Lyrik

Mehr über und von Xenia Hügel auf ihrer Website.



8. September 2017

'FeuerSeele: Chroniken von Quiliaris 1' von Caris McRae

„Du kannst deinen Dämonen nicht entfliehen, Sheba An-Pyr. Deine Bestimmung wird dich finden, egal, wie weit du läufst, Kind. Es gibt eine Zeit im Leben aller, in der man sich einer Herausforderung stellen muss, in der man einer Niederlage mit Tapferkeit begegnet – und die ist für dich jetzt gekommen. Es ist an der Zeit, dass du dich über den Krieger, der du schon immer warst, erhebst und zum Hashisin im wahrsten Sinne des Wortes wirst.“

In Quiliaris gelten Macht und Stärke als das höchste Gut und Sheba An-Pyr, die Prinzessin des Feuers, besitzt keines von beiden. Verachtet von ihrer Familie und ihrem Volk, und gejagt von einem mörderischen Verräter, verbringt sie ihr Leben im Schatten. In dem Versuch, unerkannt und am Leben zu bleiben, reist sie mit ihrem Hashisin Vormund als dessen Magd durch die vier Königreiche des Landes. Erst als dieser zu den Prüfungen seiner Krieger-Gilde gerufen wird, um einen Schüler zu wählen, beginnt sich das Blatt zu wenden und es beginnt eine Zeit der Veränderung. Dank dem Eingreifen der Götter wird aus der Magd ein Teilnehmer an der Prüfung, und mit jeder Aufgabe, die sie meistert, nähert sie sich dem Ziel: sich selbst und ihrer Bestimmung. Denn ohne sie wäre Quiliaris dem Untergang geweiht.

Eine uralte Prophezeiung, manipulierende Götter, arrogante Krieger und eine Prinzessin, die sich von den Ketten ihrer Vergangenheit löst und so zu einer wahren Kriegerin wird – FeuerSeele nimmt sie mit auf eine unvergessliche Reise in ein Land voller Magie, in dem eine junge Frau das Schicksal der Welt in ihren Händen hält.

Gleich lesen: FeuerSeele: Chroniken von Quiliaris 1

Leseprobe:
Das Mädchen genoss die Stille und die beinahe märchenhafte Atmosphäre, geschaffen vom Mond, der ihre Umgebung in einen sanften ätherischen Schimmer hüllte, wie man ihn sonst nur aus Büchern kannte.
Sie fühlte sich ausgeglichen und gut ausgeruht und beschloss einen Spaziergang zu machen, denn die Berge im Norden von Aliaenar hatten ihr Interesse geweckt. Sie waren ein Teil der Calae Berge und die drei höchsten Gipfel des Landes – das Auge Gottes, das Schwert des Königs und der Thron der Königin – hielten stolz Wache über die Festung und das Herz von Quiliaris; an so manchen Nebeltagen konnten sie aber auch durchaus bedrohlich wirken.
Sheba ging entlang des Hauptweges zum Nord-Tor. Es fühlte sich an, als ob die Berge sie riefen, als ob ein gewaltiger Schatz am Ende ihrer Reise auf sie warten würde. Sie war neugierig, ob dieses Gefühl von majestätischer Würde, das sie in dieser Richtung wahrnehmen konnte, anhielt, und was sie dort vorfinden würde.
Kurz vor dem Tor hielt sie an und suchte nach einem Pfad; irgendetwas, das sie in die richtige Richtung führen würde. Sie wusste bereits, dass auf dem Weg, auf dem sie nach Aliaenar gekommen waren, kein Pfad in diese Berge angelegt war. Sheba bat ihre Göttin um Unterstützung und sandte ihre Macht aus, um sich mit ihrer Umgebung vertraut zu machen, in der Hoffnung, dass ihr Feuer vielleicht etwas entdecken würde, was sie übersehen hatte. Und sie hatte Glück, sie fand, was sie suchte: zu ihrer Linken, ein paar Meter vom Tor entfernt, sah sie den Anfang eines schmalen, fast zugewachsenen Trampelpfades sich den Berg hinaufwinden. Sich dessen bewusst, dass sie von einer göttlichen Macht geleitet wurde, verneigte sie sich dankbar vor Nyx und begab sich auf Entdeckungsreise.
Wie eine Berglöwin folgte sie dem lange nicht benutzten und steilen Pfad mit katzengleicher Geschmeidigkeit und erklomm in müheloser Leichtigkeit sicher die schwierigsten Felsen. Ihre Feuer-Macht erwärmte die Luft um sie herum, um ihren Aufstieg zu erleichtern und verbesserte ihre Nachtsicht. Es war ein weiteres Merkmal der Idris, ein gut gehütetes Geheimnis, dass Nyx’ Kinder die Gabe hatten, die Nacht, in die sie hineingeboren waren, ungehindert zu durchstreifen.
Zwei Stunden später machte Sheba schließlich eine Pause und sah, dass sie bereits zwei Drittel des Aufstiegs geschafft hatte und sich unweit einer Kreuzung befand. Instinktiv wusste sie, dass sie nun sehr sorgfältig ihren weiteren Weg wählen musste. Schicksalhaft war das einzige Wort, das ihr einfiel, um die Situation zu beschreiben.
Sie überlegte, was sie über die Gipfel über ihr wusste, und schloss sofort den höchsten, das Auge Gottes, aus. Es schien ihr nicht angemessen, dort hinaufzuklettern und sich auf eine Stufe mit den Göttern zu stellen. Sheba hatte gehört, dass es besonderer Stärke und Macht bedurfte, um ihn zu erklimmen; deswegen auch der Verweis auf die Götter und der Grund dafür, warum jeder Eleve (anscheinend waren diese Berge etwas wie eine Mutprobe unter den Kriegern), der versuchte diesen Berg zu bezwingen, bisher unweigerlich scheiterte.
Sie fühlte tief in ihrem Inneren, dass sie diesen Grad an innerlicher und äußerer Größe noch nicht erreicht hatte, wenn sie ihn überhaupt je erreichen würde. Um Seite an Seite mit den Göttern zu stehen, musste man frei von jeglichen menschlichen Empfindungen sein; sein Fokus musste auf dem Gesamtwohl der Menschheit liegen und sich nicht auf Alltäglichkeiten oder Gefühle des Einzelnen konzentrieren. Sie hatte noch zu viel Menschlichkeit in sich, um jene, die sie liebte, einfach zu ignorieren; zu viele Gefühle, die sie an diese Ebene der Existenz banden und die sie noch nicht gewillt war, hinter sich zu lassen. Das Auge Gottes stand daher außer Frage, was ihr nur noch das Schwert des Königs und den Thron der Königin zur Auswahl ließ.
Beide waren schwierig zu erklimmen. Das Schwert des Königs war nach seiner scharf in die Luft reichenden Spitze benannt, die sich über Zeitalter hinweg geformt hatte. Der Versuch, sie zu bezwingen, konnte ebenso gefährlich und tödlich sein wie die meisterhaft geführte Klinge eines Hashisin, die, genau wie der Berg, Aliaenar und damit auch den Hochkönig vor seinen Feinden beschützte. Neben der Initiation durch das Kri-Amra, das heilige Brandmal der Hashisin in Form eines Schwertes, war es eine Bedingung für die Elitekrieger, diesen Gipfel wenigstens einmal in ihrem Leben zu besteigen.
Da sie nicht das Talent dazu hatte, ein Hashisin zu werden, entschied sie sich auch gegen das Schwert des Königs. Sie würde auf keinen Fall die heilige Tradition derer, die ihr Leben in den Dienst Quiliaris‘ stellten, entehren.
Damit blieb nur noch der Thron der Königin. Sheba seufzte und blickte auf den Gipfel zu ihrer Linken. Während das Schwert des Königs zumindest von beiden Seiten aus zu besteigen war, schien der Thron der Königin, welcher die Form eines Herrschersitzes hatte, unbezwingbar – ein Plateau, das einer Sitzfläche ähnelte, ging in einen steilen Anstieg über, der die Lehne formte und einer rasiermesserscharfen Schneide glich. Welch eine Ironie, dachte Sheba, war diese Unbezwingbarkeit doch das genaue Abbild der Realität: so wie es keine Hochkönigin in Quiliaris gegeben hatte, noch es wahrscheinlich war, dass es je eine geben würde, so gab es auch keinen Thron, den es zu besteigen möglich war.
Wegen der Aussichtlosigkeit des Unterfangens und wahrscheinlich auch wegen des Hinweises auf die weibliche Gattung, hatten nur wenige der ambitioniertesten Krieger jemals einen Aufstieg versucht – und dabei ihren Tod gefunden. Niemand konnte sich erinnern, dass es jemals irgendjemandem gelungen war, den Thron der Königin zu besteigen. Doch gab es eine alte Prophezeiung, die besagte, dass einmal, in Zeiten großer Not, ein Auserwählter der Götter den Thron besteigen und Quiliaris retten würde.
Großartig, damit schied auch der Thron der Königin aus. Da es bereits spät und Sheba nicht mehr in der Stimmung für eine andere allzu anspruchsvolle Aufgabe war, beschloss sie, einfach weiterzugehen und zu sehen, wie weit sie wohl kommen würde.
Also nahm sie den Pfad zu ihrer Linken, sich insgeheim immer noch über die Ironie des Ganzen und die darin enthaltende Wahrheit amüsierend. Eine Prinzessin ohne Talent, die niemals eine Königin sein würde, maßte sich an, nach den Sternen zu greifen; die ganze Sache war schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Sie lachte bitter. Doch im Großen und Ganzen hatte sie sich damit abgefunden, wer und was sie war zu sein.
Nach ihrem Streit mit Aris hatte sie über alles, was sie ihm vorgeworfen hatte, und auch über seine Antworten nachgedacht. Und obwohl sie seine Worte getroffen hatten, so hatte er doch nur die Wahrheit gesprochen; am Ende hatte er sich mit seinem eigenen Los um einiges leichter abgefunden, als sie sich mit ihrem. Also hatte sie sich zurückgezogen und versucht, es ihm gleich zu tun und sich mit ihrem eigenen Schicksal auszusöhnen – diesmal allerdings richtig.
Sie hatte erkannt, dass es einen Teil in ihr gab, der immer noch darauf hoffte, dass sie den Verlauf ihrer Zukunft ändern könnte, ihr Leben selbst bestimmen könnte; aber sie musste einsehen, dass diese Hoffnung vergeblich war. Sie wusste, wie ihr Leben aussehen würde und das Beste, auf das sie hoffen konnte, war ein umgänglicher Gefährte. Verdammt, diese Erkenntnis schmerzte immer noch. Aber wenn Aris ein Leben als ewiger Sündenbock und Prügelknabe ertragen konnte, dann würde wohl auch sie das ihr zukünftig vorbestimmte Leben als notwendiges Übel akzeptieren können.
Auch wenn einem das Leben ein schlechtes Blatt zuteilte, musste man es trotzdem, so gut man konnte, ausspielen. Oh ja, sie würde ihr Leben darauf verwetten, dass der Mensch, der für diese unglaubliche Weisheit verantwortlich zeichnete, stets ein Glückskind gewesen war, dachte sie sarkastisch.
Während sie den Berg hinaufstieg, fühlte sie, wie Rayza nach ihr suchte und beruhigte ihn durch ihren Bund. Insgeheim freute sie sich, dass er sie in der ganzen Hektik um die Aufnahmeprüfung nicht vergessen hatte. Sie wusste, dass er bei den Vorbereitungen dabei sein musste und auch, dass er sich die Teilnehmer ansehen wollte. Wegen seiner Fähigkeit, ein Schutzschild über längere Zeit aufrechterhalten zu können, war er für die ‚Kuppel‘ verantwortlich, wie das Energieschild über der Kampfarena genannt wurde. In der Arena lernten die Hashisin ihre Macht offensiv im Kampf einzusetzen – ohne diesen Schild wäre Aliaenar längst nur noch ein Haufen Schutt und Asche. Ein Teil von ihr wünschte sich, auch einmal dort zu stehen und ein Schwert zu führen, aber das war ein weiterer ihrer hoffnungslosen Träume – denn der Zutritt war nur Mitgliedern der Gilde gestattet.
Sie war so tief in Gedanken versunken gewesen, dass sie kaum bemerkte, dass sie das Plateau erreicht hatte. Als sie schließlich anhielt, wurde sie völlig von dem überwältigenden Anblick, der sich ihr bot, überrascht. Vor ihr tauchte der Mond die Festung und deren Umgebung in sein sanftes Licht – sie konnte von hier sogar die Wüste sehen. Mit einer Mischung aus tiefster Sehnsucht und unglaublicher Freude blickte sie auf ihre Heimat. Sie hörte den Ruf der hell schimmernden Dünen, die von der Hitze und dem Feuer des Tages und der dunklen Kälte der Nacht, von den Tieren, geboren im Sand der Wüste, und von den Menschen, die diese ihre Heimat nannten, erzählten. Ihre Seele, ihr gesamtes Sein antwortete diesem Ruf, trauerte um den Verlust ihres Herzschlags, der zugleich der Herzschlag der Wüste war, sprach vom Exil und ihrer Sehnsucht, sich wieder ganz fühlen, wieder eins mit ihrer Heimat zu sein.
Während ihres Klageliedes fand eine Träne ihren Weg über ihre Wangen und tropfte schließlich auf die Erde unter ihr; Sheba bemerkte es nicht, gefangen in ihrem Schmerz und ihrer Trauer, die aus den Tiefen ihrer Seele emporstieg und sich weigerte, dorthin zurückzukehren. Dann fiel auch die letzte der Mauern, die ihre Gefühle unter Verschluss hielten. Ein Schrei voller Verzweiflung, durchdrungen von Wut, entsprang ihrer Kehle, sein Echo hallte bis zu den Gipfeln der mächtigen Berge. Als er schließlich verklang, hörte Sheba plötzlich eine sanfte Stimme in ihrem Geist.
„Verzage nicht, mein Kind. Du wirst in deine Heimat zurückkehren und sie wird dich als eines ihrer Kinder willkommen heißen: die Wüste hat dich nie vergessen, Kind ihres Herzens, das du bist“, spendete die Göttin ihr Trost. „Du hast noch einen langen Weg zu gehen, Tochter des Feuers, aber du hast dich heute hier bewiesen und dafür will ich dich belohnen. Höre meine Worte, Kind der Flammen: Es wird eine Zeit kommen, dein Herz, deine Seele rein von allen menschlichen Empfindungen, in der du dich erheben und deinen gerechten Platz einnehmen wirst, in der du dein Schicksal, deine Bestimmung, erfüllen wirst. Bis dahin mögen die Flammen des Lichts dich leiten und dich vor Unheil schützen. Empfange meinen Segen, Prinzessin von Pyr, denn du hast mein Herz mit Freude erfüllt!“

Im Kindle-Shop: FeuerSeele: Chroniken von Quiliaris 1

Mehr über und von Caris McRae auf ihrer Website.



7. September 2017

'The Choice: Mut zur Liebe' von Monica Bellini

Sein Name ist Yves Latour, sein Beruf Strafverteidiger. Die Pariser Richter und Staatsanwälte nennen ihn »Avocat Pitbull«. Doch sosehr er sich in seinen Gegnern festbeißt, so wenig tut er es bei Frauen. Deren Anhänglichkeit ist ihm ein Gräuel, daher hält er sich an die Escorts der Agence O. Jedes Mal eine andere. Als Stammkunde kann er ohnehin jede haben. Bis auf eine. Seraphine, die ihn zappeln lässt wie einen Fisch an der Angel …

Miranda Rosen ist die Muse der bedeutendsten französischen Couturiers. Die entwerfen traumhafte Kreationen für sie, die sie auf mondänen Events trägt – und die Paparazzi stehen Schlange. Mit ihren dunklen Augen, den sinnlichen Kurven und der schwarzen Mähne ist sie der Inbegriff der Femme fatale. Und unnahbar, wie all die Männer wissen, die sich an ihr die Zähne ausbeißen und nichts von ihrem Geheimnis ahnen. Als Seraphine führt sie ein Doppelleben. Und ausgerechnet dieser Yves Latour kommt dahinter.

Er will sie. Nur für eine Nacht. Und er ist bereit, eine horrende Summe dafür zu bezahlen. Aber Mirandas Radar schlägt Alarm, und sie tut alles, um ihm aus dem Weg zu gehen. Was nur nicht so einfach ist, da sein bester Freund ihre beste Freundin heiratet …

Neuerscheinung - für kurze Zeit zum Einführungspreis von 99 Cent.

Gleich lesen: The Choice: Mut zur Liebe

Leseprobe:
Die Dachterrasse des exklusiven Restaurants füllt sich an diesem Spätsommerabend nach und nach mit Menschen. Plaudernd und Champagner schlürfend stehen sie an der dem Meer zugewandten gläsernen Brüstung, um einen Blick auf die beeindruckenden Jachten im Hafenbecken von Monte Carlo zu werfen, bevor sie sich der Auswahl der Speisen widmen. Zwei ältere Damen haben jedoch den ruhigeren Winkel gewählt, fernab vom Gedränge und den immer noch glühenden Strahlen der sinkenden Sonne. Die beiden Amerikanerinnen besuchen Monaco nicht zum ersten Mal. Im Gegenteil. Jedes Jahr verbringen sie den Todestag der Fürstin Gracia Patricia am gleichen Ort. Genau hier und in stummer Eintracht. Am Vortag waren sie bereits am Ortseingang von Cap D’Ail an der Kurve der Route de la Turbie, dem Unfallort. Am 13. September 1982 stürzte die von ihnen bewunderte frühere Schauspielerin Grace Kelly mit ihrem Wagen von dort vierzig Meter in die Tiefe und starb am Tag darauf. Jetzt gleiten die Blicke der beiden Freundinnen über die weniger strahlende Seite des Fürstentums der Grimaldi, die steil zum Meer abfallenden Felsen, dorthin, wo sie sich am Nachmittag ein Appartement angesehen haben. Sie werden nicht jünger und das milde Mittelmeerklima ist ihnen zuträglicher als die feuchte Hitze Floridas.
Die eine deutet mit ausgestrecktem Zeigefinger auf einen Punkt etwas oberhalb der Moyenne Corniche. »Dort, siehst du das rote Dach zwischen den anderen grauschwarzen? Das ist es. Ein Juwel in traumhafter Lage und zu einem durchaus akzeptablen Preis, findest du nicht?«
Ihre Freundin kneift die Augen hinter den Brillengläsern zusammen und reckt ihr spitzes Kinn noch ein wenig vor, als ob die paar Zentimeter ihre Sicht verbessern könnten. Offenbar nicht. Denn sie reißt Kopf und Schultern nach hinten, öffnet den Mund und stößt einen schrillen Schrei aus.
Die Anwesenden auf der Dachterrasse wenden ihre Aufmerksamkeit den beiden eleganten Damen zu und folgen der ausgestreckten Hand der einen. Eine dunkle Rauchsäule steigt von der Panoramastraße Richtung Himmel. Eine laute Explosion durchdringt den frühen Abend und ein riesiger Feuerball weiter unten am Hang zieht alle Blicke auf sich. Es besteht kein Zweifel, dass dort soeben ein Fahrzeug explodiert ist und ein zweites brennend in einer Haarnadelkurve steht. Nur wenige Meter vom todbringenden Abgrund entfernt.
»Dieser Tag scheint verdammt zu sein.« Mit diesem Satz durchbricht ein hochgewachsener, distinguierter Franzose mit schlohweißem Haar das entsetzte Schweigen aller Anwesenden. Er ist nicht der Einzige, der sich bekreuzigt – bevor er sich wieder seinem Cocktail widmet.

[...]

»Ich verstehe das nicht«, flüstere ich Sarah zu, als sie die Heckklappe ihres Jeeps öffnet. »Sie ist plötzlich fromm wie ein Lämmchen, hat sich sogar von mir hineinsetzen lassen.« Ich lege den Koffer in den Wagen, richte mich auf und sie nähert ihren Mund meinem Ohr.
»Vielleicht hat sie endlich begriffen, dass sie es allein nicht schafft und wir es gut mit ihr meinen. Du wirst sehen, es wird nicht lange dauern, bis sie die ersten Schritte tut.«
»Ich kann euch hören!« Mirandas Stimme lässt uns auseinanderfahren. Sie sitzt auf dem Beifahrersitz und justiert den Rückspiegel, um uns zu beobachten. Ich hebe die Reisetasche in den Kofferraum, Sarah Mirandas Beautycase.
»Das glaube ich nicht«, flüstere ich kopfschüttelnd. »Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie gar nicht mehr gehen will.«
»Quatsch!«, ruft Sarah aus und wirft die Heckklappe mit einem lauten Knall zu. »Sie wird doch nicht auf ihr Jetset-Leben verzichten wollen. Oder gar auf ihre erotischen Abenteuer als Seraphine.«
Ich reiße Sarah an der Schulter herum.
»Du weißt es?« Ich starre sie konsterniert an.
»Allerdings. Und ich habe es ihr vorhin auch gesagt.«
Mich bringt nichts so leicht aus der Fassung. Vor Gericht habe ich mit Gegnern zu tun, die jede noch so kleine Schwäche zu Gunsten ihrer Klienten ausnutzen. Aber das ... Marcel hat nie erwähnt, dass Sarah von Mirandas Doppelleben weiß. Wie kann das sein, frage ich mich, laut hingegen: »Wie hat sie reagiert?«
»Gar nicht. Ich habe dich gerufen, du hast die Tür aufgestoßen und sie war abgelenkt.«
Merde. Die kommenden Tage versprechen ausgesprochen interessant zu werden.
Sarah geht zur Fahrertür und öffnet sie. Ich folge ihr.
»Ich bleibe in Paris. Du brauchst mich ohnehin nicht ...«
»Du kommst mit, Yves«, schneidet sie mir das Wort ab. »Wie besprochen.«
»Was?« Miranda schreit auf. »Reicht es dir noch nicht, dass du mich gegen meinen Willen auf dein verdammtes Schloss verschleppst? Dass mich deine Kinder so sehen sollen?« Sie deutet hektisch auf ihre Beine. »Jetzt soll ausgerechnet auch noch er mitkommen?«
Ich lege die Hand auf das Autodach und beuge mich in den Fahrzeugraum. Meine Stimme ist eisig. »Definiere ausgerechnet.«
Sie streckt ihren Arm aus, fuchtelt mit dem Zeigefinger in meine Richtung. »Du ... Du ...« Schnaubend bricht sie ab.
Ich fange meinen Autoschlüssel aus der Hosentasche und lasse ihn am Schlüsselring von meinem Finger baumeln.
»Wir sehen uns in Sancerre.« Ich hebe lässig die Hand und drehe mich um. Mirandas Schnauben aus dem Inneren des Jeeps verfolgt mich noch, als ich in meinen Bugatti Chiron steige. Sarah öffnet das Tor der Tiefgarage und lässt mir die Vorfahrt. Eine Viertelstunde später bin ich auf der A6 und gebe Gas. Der 1500-PS-Motor röhrt erfreut auf. Aber heute ist das Fahrgefühl, das mir mein sündteures Spielzeug vermittelt, nur die zweitstärkste Emotion. Miranda in den kommenden Tagen in meiner Nähe zu wissen, schlägt sie bei Weitem.

[...]

Irritiert schaue ich Marcel nach, der Miranda aus der Küche trägt. Sie hat ihre Arme um seinen Hals geschlungen – dabei sollten sie um meinen liegen. Ich will ihre Brust an meiner spüren und ihren Duft einatmen. Die Erinnerung an ihren Körper in meinen Armen, als ich sie in der Tiefgarage aus dem Rollstuhl hob und in Sarahs Wagen setzte, lässt mich aufseufzen.
»Hast du weh?« Emilies piepsendes Stimmchen unterbricht mein Kopfkino.
»Nein, alles in Ordnung«, erwidere ich, ohne sie anzusehen, und erhasche einen letzten Blick auf Mirandas Locken, bevor mein Freund mit ihr aus meinem Blickfeld verschwindet.
»Gut, ich will spielen.« Sosehr ich die Kinder mag, Emilies bestimmte Ansage und das darauffolgende Jauchzen ihres Bruders deuten darauf hin, dass ihre Pläne für das Wochenende nicht den meinen entsprechen.
Wenig später finde ich mich auf allen vieren auf dem flauschigen Teppich vor dem Kamin im Wohnzimmer wieder. Bastien reißt an meinen Haaren, an denen er sich festklammert wie in der Mähne des Pferdes, auf dem er in seiner Fantasie gerade reitet. Fehlt nur noch die Peitsche, denke ich, als Emilie mit der flachen Hand auf meinen Hintern schlägt und »Allez Hop!« ruft.
»Sind Sie der Marquis?« Die mir unbekannte weibliche Stimme klingt belustigt. Mit einem Ruck richte ich den Oberkörper auf und Bastien rutscht zu Boden und zetert los. Was er noch nicht in Worte fassen kann, macht er mit seinem Geschrei klar. Mit einem raschen Blick vergewissere ich mich, dass er weich gefallen ist und sich nicht wehgetan hat, und sehe nach oben.
Sie ist – anders. Rote Haare, grüne Augen und stark ausgeprägte Sommersprossen, obwohl der Winter dem Ende zugeht. Das alles garniert mit einem amüsierten Lächeln.
»Nein. Das ist Yves Latour, der älteste Freund meines Mannes.«
Ich werfe Sarah einen giftigen Blick zu. Ich bin kein Tattergreis und Marcel ist sogar drei Monate älter als ich.

Im Kindle-Shop: The Choice: Mut zur Liebe

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



'Emma: Wer ist der Wahnsinn?' von Emma Stoned

Woran merkt man, ob man in die Gesellschaft passt? Was ist der Sinn des Lebens? Wie funktioniert Freundschaft?

Ich weiß es nicht, aber lass es uns zusammen rausfinden! Begleite mich auf meinem Weg des Erwachsenwerdens (wie lange dauert das eigentlich?!) und finde deinen Sinn des Lebens.

Gleich lesen: Emma: Wer ist der Wahnsinn?

Leseprobe:
Sprung auf Seite 98:
"... durch unsere Schnabeltassen wunderbar kleckerfrei vorm Fernseher essen konnten. Dazu tranken wir – Standard – Chai Vanille und kuschelten uns in unsere Spießerdecke. Wir freuten uns sehr, aber nur so sehr wie es unsere Mittwochsspießigkeit zuließ auf Donnerstag, weil da unser Hippietag war, den wir normalerweise mit Bear in Zentralafrika verbrachten, zu Besuch bei einigen wilden Eingeborenenstämmen. Donnerstags waren wir routinemäßig bei den Wollnys zu Besuch, wodrauf der Kerl sich besonders freute. Ich machte das nur ihm zu Liebe, weil ich eigentlich nicht viel von Großfamilien halte, bei denen alle Kinder zusammen lustigere und mehr Namen haben als ich. Dafür leistet er mir freitags immer Gesellschaft beim Übungsschießen in Pakistan, nachdem wir unser Leergut zu Rewe gebracht haben, weil Leergut voll besser ist. Wochenends modeln wir für Bears Modelabel, was aufgrund unserer natürlichen Sexyness rekordverdächtige Verkaufszahlen ansteuerte. Wir wurden so reich, dass wir Palästina kauften."

Im Kindle-Shop: Emma: Wer ist der Wahnsinn?

Mehr über und von Emma Stoned auf ihrer Amazon-Autorenseite.



6. September 2017

'Letzte Chance Mond' von O.E.Wendt

Das Jahr 2097. Die junge Professorin Stella übernimmt die Leitung der beiden amerikanischen Mondbasen. Wenige Monate später tauchen drei mysteriöse Flugobjekte aus dem All auf, die sich unvorstellbar schnell dem Innern des Sonnensystems nähern. Eine Kollision mit der Erde scheint unausweichlich.

Doch zunächst manipulieren die Objekte die Crew des Raumschiffs Nightstar, auf dem auch Stellas Bruder Carl arbeitet. Keinerlei Kommunikationsbereitschaft ist seitens der Objekte zu erkennen und die Erde, der besiedelte Mars und die Farout-Stationen wappnen sich. Jedoch sabotiert die fanatische Sekte der Christlichen Propheten jegliches Raumfahrtprojekt durch zahllose Terrorakte. Auch die Mondbasen sind betroffen und gemeinsam mit General Walker will Stella die Krise bewältigen.

Aber wo lauert nun die eigentliche Gefahr? Im All oder auf der Erde? Löscht sich der Mensch womöglich noch vor Ankunft der Objekte selbst aus? Die überforderten Staatenlenker resignieren. Alleine die Abwehr der Abermillionen Klimaflüchtlinge, der Massen an Armen und Hungernden, die vor den Grenzen der reichen Länder stehen, kostet sie ihre letzte staatlichen Kraftreserven.

Während Stella auf dem Mond kämpft, beißt sich der Vorarbeiter Martin auf dem europäischen Weltraumbahnhof in der Nordsee durch und sucht verzweifelt nach einer Chance, seine kleine Tochter vor der prognostizierten Katastrophe zu bewahren. Es heißt, die Nordamerikanische Union organisiere Evakuierungsflüge nach Luna.

Ein recherchenintensives und aufwühlend packendes Werk, mit dem der Autor all die Versäumnisse der zivilen Menschheit, den Planeten in das Unvermeidliche führt. Schon 2016 war O.E.Wendt mit seiner Fantasy-Trilogie „Die Mino-Saga“ beim Storytelleraward in der Rubrik "Kundenbewertungen" unter den besten zehn Titeln. Mit diesem Roman nun bewirbt er sich erneut und freut sich auf viele begeisterte Leser.

Gleich lesen: Letzte Chance Mond

Leseprobe:
01 – Eine unglaubliche Entdeckung
Luna, Selene I, Mondstation der IAA, PST 23.05.2097

„Ich muss eine definitive Bestätigung haben, Professor Svensøn, ob die Angaben, die sie uns übermittelt haben, keine Zweifel lassen. Wie deutlich sind ihre Beobachtungen und wie groß ist die Chance, dass sie sich irren? Ich gehe ja nicht davon aus, dass es sich um einen schlechten Scherz handelt.“
Sie konnte nicht glauben, dass er das in Erwägung zog und blickte fragend in den Screen Frame, der sich an einem Kunststoffarm befestigt vor ihr befand und das Konterfei eines genervten und gehetzten Mannes zeigte, der auf die Neuigkeiten, die sie ihm mitgeteilt hatte, alles andere als erfreut reagierte.
Peter Trade sah blass aus und bot eher den Typ des langweiligen Buchhalters, was er jedoch mitnichten war. Er bekleidete vielmehr die Funktion eines der Vorstandsmitglieder des Konzerns und war außerdem Direktor der Hauptbasis der International Astro Agency in Seattle. Daher sprach Stella in dieser Angelegenheit direkt mit ihm und nicht mit einem der Operatoren, mit denen sie sonst zu tun hatte.
Sie rollte mit den Augen. Als ob sie bei einer solchen Angelegenheit scherzen würde. Seit über zwei Monaten schon leitete sie die beiden Mondbasen der IAA und doch gelang es gewissen Herren in Seattle nicht, dies zu akzeptieren. Genauso war es ihr ergangen, als sie ihre erste Professur bereits mit zweiundzwanzig erworben hatte und atemberaubend schnell die Karriereleiter hinaufgeklettert war. Und das auch noch relativ mühelos. Ihren jetzigen Posten auf dem Mond hatte sie nun mit siebenundzwanzig errungen – attraktiv, erfolgreich und weiblich. Diese Attributskombination stellte für viele dieser Art von Männern eine ungeheure Provokation dar, gegen deren Reaktionen sie sich lächerlicherweise immer wieder zur Wehr setzen musste.
Ihre Leidenschaft für die Raumfahrt war es, die ihr stets die Kraft gab, derartigen Anfeindungen und Neidgefühlen entgegenzuwirken. Sie blieb fokussiert und zielstrebig und ließ sich auch jetzt nicht beirren. Typen wie Trade warteten doch nur darauf, dass sie einen Fehler machte, damit sie ihr verkrustetes Weltbild bestätigt sahen.
Stella rollte also mit den Augen. Da sie in diesem Modul der Station unterhalb der Mondoberfläche den ganzen Tag alleine Dienst tat und mit hohem Besuch kaum zu rechnen war, trug sie lediglich einen einfachen grauen Trainingsanzug mit dem Emblem der Firma und eine alte Baseballmütze ihres Vaters, die ihre dichten dunkelblonden Haare größtenteils versteckte. Trotz aller Bewunderung für den Erdtrabanten war sie kein Fan der Mikroschwerkraft und auch einige andere Besonderheiten hier oben waren durchaus verzichtbar. Sie wollte ihre Monate auf Luna rasch absolvieren und dann weiterziehen. Denn der Mond sollte nicht ihre Endstation werden und sie hatte auch nur für diesen Posten gekämpft, um ihn baldmöglichst wieder loszuwerden. Sie benötigte die Erfahrungen und war sehr an einem entsprechenden Eintrag in ihrem Lebenslauf interessiert, um sich für eine der kommenden Jupitermissionen zu bewerben. Dort lagen ihre eigentlichen Ziele.
„Hören sie, Mr. Trade“, sagte sie schließlich, stieß sich leicht von ihrem Schreibtisch ab und griff, langsam durch den Raum gleitend, nach einem weiteren Screen Frame, der an einer anderen Wand hing. Sie aktivierte ihn beiläufig, tippte etwas hinein und landete sanft mit ihrem Sessel auf dem Boden, während die Übertragung des anderen Frames die Verbindung zu ihrem Gesprächspartner aufrechterhielt. „Ich habe meine Beobachtungen mehrmals überprüft und von Professor Fukur von Selene II bestätigen lassen. Es bestehen keinerlei Zweifel. Außerdem hat die vierzehntägige Nacht auf der erdabgewandten Seite des Mondes soeben begonnen. Fukur hat also einen idealen Blick auf das Geschehen. Nennen sie es Zufall oder nicht. Sie werden jedenfalls in genau vierunddreißig Minuten selbst sehen können, dass es sich um keinen Irrtum handelt.“
„Das will ich für sie hoffen!“, sagte er, in einem vollkommen unangebracht herrischen Tonfall. Er bemerkte selbst seine zu offensichtlich abweisende Ansprache, räusperte sich kurz und fuhr fort: „Aber wie auch immer, Professor, ich wollte mir in jedem Fall ein persönliches Bild machen, bevor ich die Sache weiter verfolge und einige Stellen höher leite. Wie sie sicherlich wissen, müssen wir bei bestimmten Rahmenbedingungen der Regierung Meldung machen und da gehe ich gerne auf Nummer sicher.“
„Mr. Trade, das ist vollkommen verständlich und liegt ganz und gar in ihrem Ermessensspielraum. Ich hingegen erledige hier seit meinem ersten Tag sehr gewissenhaft meinen Job und teile ihnen korrekt mit, was ich beobachte. Aber da sie es schon ansprechen: Wenn in den letzten Jahren eine Beobachtung Wert gewesen ist, an Regierungskreise weitergeleitet zu werden, dann wahrscheinlich diese hier. Im Übrigen werden sie in kürzester Zeit von sämtlichen bedeutenden Observatorien der Erde die Bestätigung erhalten – und zwar sobald diese auf die entsprechenden Himmelskoordinaten ausgerichtet sind. Außerdem werden sich mit Sicherheit noch die Vertretungen von Mars und den Jupiterstationen melden.“ Auf dem anderen Frame ging sie parallel die zuletzt gesammelten Daten noch einmal durch und ließ den Zentralcomputer zum x-ten Mal berechnen, um wie viele Einzelobjekte es sich handelte und welchen Kurs sie nahmen. Und so sehr es ihr auch nicht behagte, alles deutete darauf hin, dass es sich nicht um natürliche Phänomene handelte, denn dazu flogen die Objekte in einer zu willkürlich gesteuerten Bahn. Nichts Natürliches hätte Richtung und Geschwindigkeit derart ändern oder beeinflussen können.
„Sie werden bald wieder von mir hören, Professor Svensøn.“
Stella fasste diesen Satz als Drohung auf und hatte nur bedingt Verständnis für Trades Verhalten. Sie schätzte seine Abneigung ihr gegenüber vollkommen richtig ein. Sicherlich spielte auch der Druck, dem er gegen diverse Autoritäten standhalten musste, eine Rolle, aber es müsste ihm klar sein, dass sie nichts für die Umstände konnte und die Letzte war, die an seinen Problemen Schuld hatte.
Trade beendete die Verbindung kurzerhand und Stella glitt kopfschüttelnd mit ihrem Sessel zurück an den Schreibtisch und rief Mohamed Fukur an. Personalführung und Taktgefühl jedenfalls gehörten nicht zu Trades Fachkompetenzen. Noch nie hatte sie unseriöse oder zweifelhaft recherchierte Informationen weitergegeben. Und derart ungewöhnliche Erscheinungen überprüfte sie nicht nur einmal, bevor sie überhaupt mit jemandem darüber sprach. Ganz davon abgesehen, dass so etwas noch nie in der Geschichte der Raumfahrt, in der Geschichte der menschlichen Beobachtung von Himmelskörpern überhaupt, vorgekommen war. Fukur unterstützte sie und nachdem sie der Basis ihre Mitteilung gemacht hatte, stand sie ununterbrochen mit den Operatoren in Verbindung und widmete sich ausschließlich der neuen Beobachtung.
Fukur beschäftigte sich ebenfalls mit nichts anderem mehr. Er brütete über die Herkunft dieser Erscheinungen, die sich mit solch hoher Geschwindigkeit dem Sonnensystem genähert hatten, dass sie urplötzlich in den rückseitigen lunaren Teleskopen erschienen. An einem noch unbekannten Punkt mitten im äußeren Sonnensystem waren sie aufgetaucht, kurz darauf hatten sie ihre Geschwindigkeit enorm gedrosselt und mehrere Kursänderungen vorgenommen. Das war bisher das Einzige, was Stella und Fukur an Details hatten feststellen können.
Auf der ereignislosen erdabgewandten Mondbasis Selene II, dem Pendant zu Selene I, hatte der ägyptische Professor ausreichend Zeit, um sich unterschiedlichsten Studien zu widmen. Obwohl er bereits vor Jahren viele interessante und hoch bezahlte Jobs hätte antreten können, entschied er sich ganz bewusst in Ruhe den Interessen nachzugehen, die ihn ganz persönlich faszinierten. Der Mond zählte zwar auch dazu, aber extraterrestrische Planeten und potentielle Entwicklung von Leben darauf wesentlich mehr. Entsprechend elektrisiert war er daher auch aufgrund der neuesten Ereignisse. Er wertete pausenlos alle bisherigen Daten aus, als Stella ihn anrief.
„Stella, was kann ich für sie tun? So häufig wie heute haben wir in der gesamten Zeit ihres Aufenthaltes auf Luna nicht miteinander gesprochen.“ Er mochte die junge Wissenschaftlerin, wenngleich sie beide auch aus zwei vollkommen unterschiedlichen gesellschaftlichen Welten stammten. Stella sah in das von Lachfalten gezeichnete und nachdenkliche Gesicht des meist gelassenen, aber an diesem Tag sehr aufgeregten Professors auf ihrem Screen Frame.
„Hallo, Mohamed, ja das stimmt wohl. Ich habe gerade mit Trade gesprochen. Er tut so, als machten wir einen Scherz über diese Sache.“
„Ich habe nichts anderes erwartet, Stella. Der Mann ist hoffnungslos überfordert mit seinem Job. Aber alle großen Observatorien sind jetzt dabei, ihre Teleskope auf die Objekte auszurichten und selbst unsere Farout-Stationen auf Ganymed und Europa werden bemerkt haben, dass dort draußen etwas vorgeht. Ihre Nachrichten sind bloß noch nicht bis zu uns vorgedrungen. Wer das nicht mitbekommt, ist entweder blind, taub, beides oder unzurechnungsfähig – mit Verlaub. Es würde mich schon sehr wundern, wenn der Präsident nicht längst von den Ereignissen in Kenntnis gesetzt worden wäre. Die Regierung ist nämlich auf die IAA nicht wirklich angewiesen, um so etwas zu erfahren. Aber es ist ja auch nichts Neues, dass Leute wie Trade uns unser Prestige hier oben nicht gönnen.“ Mit seinem gepflegten schwarzen und spitz zulaufenden Bart und den buschigen Augenbrauen hätte Fukur einen guten Zauberer aus dem Morgenland abgegeben.
„Ich hatte eigentlich gehofft, in ein paar Tagen das Versorgungsshuttle für einen Heimattrip zu nehmen. Daraus wird wohl jetzt nichts werden“, meinte Stella und wusste noch nicht, ob sie der Enttäuschung darüber oder aber der brennenden Neugierde auf die rätselhaften Objekte nachgeben sollte.
„Sehen sie es doch mal von einer anderen Seite, Stella! Wir hier oben auf dem Mond haben die Logenplätze. Und alles, was wir herausfinden, kann ihren persönlichen Plänen für die Zukunft doch nur förderlich sein."
„Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob das der richtige Weg ist. Ich bin skeptisch. Und nach allem, was wir bisher ausgewertet haben, handelt es sich bei den Flugobjekten um unnatürliche und durch einen zielgerichteten Mechanismus gesteuerte Konstrukte. Sie erscheinen mir nicht berechenbar, Professor. Und Unberechenbares liegt mir nicht.“

Im Kindle-Shop: Letzte Chance Mond

Mehr über und von O.E. Wendt auf seiner Website.



5. September 2017

'Kysano: Geheimnisse und Illusionen' von Beatrice Hiu

Außergewöhnliche Fantasy in einer magischen Welt voller Illusionen.

- Ein Artefakt, das nicht gefunden werden soll
- Eine Prophezeiung, die den Untergang oder die Rettung bringt
- Ein Mädchen, das nicht ist, wofür es gehalten wird
- Freundschaften, die allen Widrigkeiten trotzen
- Bündnisse, die tödlich enden können

Leeza und Jizahan sind durch das Portal in die Illusion der Erdmagier gelangt, um dort nach dem Erdschlüssel zu suchen. Da die Prophezeiung nur spärliche Details preisgibt, begegnen ihnen auf ihrem Weg schier unüberwindbare Hindernisse und tödliche Gefahren. Nach vielen Täuschungen, Rätseln und Kämpfen erreichen die beiden Mädchen endlich den Ort, an dem der Schlüssel vor hunderten von Jahren verborgen wurde, und wähnen sich am Ziel ihrer Mission, nur um festzustellen, dass schon wieder nicht alles so ist, wie es scheint. In der Schule der Lichtmagier werden währenddessen Feinde ausgeschaltet, geheime Pläne verfolgt und Allianzen gebildet.

Band 2 der Kysano-Reihe.

Gleich lesen: Kysano: Geheimnisse und Illusionen

Leseprobe:
Leeza starrte entsetzt auf die Stelle, wo eben noch das Portal gewesen war, durch welches sie und ihre Freundin Jizahan aus der Welt Kysano hierhergekommen waren. Da sie bereits einmal durch ein solches Weltentor gegangen war, als sie mit Syvenia, der Freundin ihrer Mutter, nach Kysano gekommen war, wusste sie sofort, dass hier etwas nicht stimmte. Sobald sie nämlich in der Illusion der Erdmagier angekommen waren, gab es sie nicht einfach frei, sondern schleuderte sie mit einem Knall regelrecht hinaus. Dann gab es eine gewaltige Explosion und das Portal zerbarst in tausend Stücke.
Sie rappelte sich benommen auf und fragte, ohne ihren Blick von der Zerstörung abzuwenden: „Bist du in Ordnung, Jizahan?“
„Ja schon, aber irgendwie habe ich mir das etwas anders vorgestellt. Ich meine, der Anfang war ja noch okay mit dem farbigen Kreis, der sich über einen senkt, und dann die seltsamen Stimmen, die man hört, während sich der Kreis dreht. Auch das Gefühl des Fallens war an sich in Ordnung. Aber ich hätte doch erwartet, dass der Sturz am Schluss abgebremst und man nicht mit voller Wucht hinauskatapultiert wird“, beschwerte sich Jizahan und klopfte sich den Schmutz von den Kleidern.
Leeza antwortete nicht, sondern starrte unverwandt auf die Stelle, wo das Portal sich hätte schließen sollen. Dort waren statt einem allmählich verschwindenden schimmernden Bogen nur einzelne Farbfragmente zu sehen, die zu Boden rieselten und sich nach und nach auflösten.
„Was ist denn los?“, fragte Jizahan, alarmiert durch Leezas seltsames Verhalten.
Leeza schüttelte bestürzt den Kopf. „Das war eben nicht normal. Üblicherweise landet man sanft auf dem Boden, und der Kreis gibt einen dann frei. Es dürfte weder einen Knall geben, noch sollte man hinausgeschleudert werden. Außerdem müsste sich das Portal, wenn es geschlossen wird, fließend auflösen und nicht explodieren.“
Jizahan sah Leeza mit ihren großen smaragdgrünen Augen erschrocken an. „Was denkst du, was passiert ist?“
„Ich weiß es nicht, aber ich befürchte, es war nichts Gutes. Jedenfalls würde ich sagen, das Portal wurde soeben demoliert.“
„Aber geht das denn überhaupt? Ich meine, kann das einfach so zerstört werden?“
„Ich denke schon. Vermutlich braucht es dazu einfach die richtige Art von Magie.“
„Aber wer würde so etwas tun und wieso?“
„Da bin ich überfragt. Vielleicht wurde Kymetos angegriffen, als er das Portal schließen wollte, und es explodierte aus diesem Grund. Falls es tatsächlich so war, hoffe ich, dass wenigstens er in Ordnung ist.“
„Das ist er bestimmt“, erwidert Jizahan zunächst beruhigend, stutzte kurz und fragte dann mit leichter Panik in der Stimme: „Aber laut Lestre war dies unser einziger Weg zurück. Ohne das Portal kommen wie nie mehr von hier weg. Was sollen wir denn jetzt nur tun?“
Leeza fuhr sich nachdenklich durch ihr blondbraunes Haar. „Ich habe keine Ahnung, aber da wir nichts zur Lösung des Problems beitragen können, sollten wir uns auf unsere Aufgabe konzentrieren und darauf vertrauen, dass Lestre und Kymetos einen anderen Weg finden werden. Immerhin sind sie mächtige Lichtmagier.“
Leeza riss ihren Blick von der Stelle los, wo immer noch farbige Partikel zu Boden fielen und sah sich um.
Sie befanden sich auf einer kleinen Waldlichtung, die genauso aussah wie diejenige, auf der sie damals mit Syvenia in Kysano angekommen war, und sie fragte sich unwillkürlich, ob wohl alle Portale auf solche Lichtungen führten.
Jizahan atmete tief durch, sah sich dann ebenfalls um und sagte: „Na gut, du hast ja recht, Panik hilft uns jetzt gar nichts. Hast du eine Ahnung, wo wir sind?“
Leeza zuckte ratlos mit den Schultern. „Wir sind irgendwo in der Illusion der Erdmagier, aber wo, weiß ich auch nicht. Ich fürchte, wir müssen einfach auf gut Glück losgehen.“
„Dann lass uns von hier verschwinden. Ich habe das Gefühl, wir sollten mit unserem Aufbruch nicht zu lange warten.“
Leeza nickte und suchte mit den Augen den Rand der Lichtung ab, in der Hoffnung, irgendwo einen versteckten Weg zu entdecken. Zuerst sah sie nichts, aber dann fand ihr Blick etwas, das wie ein schmaler Pfad aussah. Sie stieß Jizahan in die Seite und wies in die Richtung. „Schau mal. Ich glaube, da können wir lang.“
Jizahan folgte mit dem Blick Leezas Finger. „Tatsächlich ein Weg. Der ist mir vorher überhaupt nicht aufgefallen.“
„Vermutlich ist er eben erst aufgetaucht und er könnte genauso schnell wieder verschwinden. Also sollten wir uns beeilen“, erwiderte Leeza, schob ihren Rucksack zurecht und ging entschlossen voraus.
Sobald sie den Pfad betreten hatten, schloss sich die Öffnung, und die Lichtung, auf der sie angekommen waren, war nicht mehr zu sehen. Als sie die Bewegung der Bäume hinter sich hörte, blickte Jizahan sich erstaunt um. Sie kannte dieses Prinzip zwar vom Garten der Schule der Lichtmagier, aber dass es auch hier so war, verblüffte sie jetzt doch. Als sie wieder nach vorn sah, bemerkte sie, Leeza war schon ein ganzes Stück vor ihr. Anscheinend war das alles nicht neu für sie.
Jizahan schüttelte verwirrt die kupferroten Locken, beeilte sich sie einzuholen, und fragte dann: „Sag mal, findest du das alles nicht seltsam?“
„Was meinst du denn? Die Sache mit dem zerstörten Portal oder die mit dem sich schließenden Durchgang?“
„Ach, ich weiß nicht, eigentlich beides.“
„Nun, die Sache mit dem Portal beschäftigt mich schon, aber was immer da geschehen ist, wir können nichts daran ändern, und die plötzlich auftauchenden und verschwindenden Durchgänge und Pfade kennen wir vom Garten in unserer Schule.“
Jizahan blieb abrupt stehen und hielt Leeza am Arm fest. „Moment mal, du bist früher schon durch so ein Tor gegangen, nicht wahr?“
Leeza sah Jizahan entschuldigend an. „Ja, das bin ich. Es tut mir leid, dass ich dir das nicht eher sagen konnte. Ich werde es dir später erklären, aber jetzt müssen wir wirklich weg von hier.“
Jizahan ließ Leezas Arm zögernd los. „Du erklärst es mir aber wirklich, oder?“
„Ganz bestimmt. Vertrau mir.“ Leeza drückte kurz Jizahans Hand und lächelte sie beruhigend an. Die Freundin wirkte ernst und die sonst so fröhlich wirkenden Sommersprossen um ihre Nase waren blasser als üblich.
Weiterhin folgten die Mädchen dem Pfad, der sich vor ihnen durch den Wald schlängelte. Leeza fragte sich, ob sie ihm wohl wirklich trauen konnten. Als sie damals mit Syvenia von ihrem früheren Zuhause durch das Portal der Welten nach Kysano gekommen war, war alles ganz anders gewesen. Erstens war das Portal nicht in tausend Stücke zerborsten, stattdessen hatte Syvenia es geschlossen, und zweitens war da kein Pfad gewesen. Die Lichtmagierin hatte sie bloß quer durch den Wald geführt, ohne einem Weg zu folgen.
Sie erinnerte sich daran, dass Syvenia etwas von dunklen und hellen Wäldern gesagt hatte. Damals hatte sie nicht verstanden, was damit gemeint war, und hatte die Frage auf einer ihrer imaginären Listen notiert. Nun bedauerte Leeza, vor ihrem Aufbruch nicht danach gefragt zu haben, aber es war alles so schnell gegangen und ganz andere Dinge waren im Vordergrund gestanden. Sie hoffte, dass die Beantwortung dieser Frage hier nicht wichtig war, denn immerhin waren sie nicht in Kysano, sondern in einer Illusion, die von den Erdmagiern vor sehr vielen Jahren erschaffen worden war, um den Erdschlüssel zu schützen. Und jetzt waren sie und Jizahan hier, um genau den Schlüssel zu finden, weil eine uralte Prophezeiung ausgerechnet sie beide für diesen Job ausgesucht hatte. Zwei unerfahrene Jungmagierinnen von siebzehn Jahren waren gemäß dieser Prophezeiung anscheinend mehr geeignet, ihn zu entdecken, als mächtige Lichtmagier wie Kymetos oder Lestre, der Großmagier. Obwohl sie die Dinge, die geschehen waren, seit sie nach Kysano gekommen war, nicht verstand, hatte sie sich bereit erklärt, die Bestimmung anzunehmen, damit Kysano nicht zerstört wurde. Allerdings fragte sie sich jetzt, ob die Entscheidung richtig gewesen war. Sie selbst konnte ja nicht einmal Magie anwenden, weil ihre Mutter Lyzea ihre magischen Fähigkeiten blockiert hatte, und es Lestre nicht gelungen war, die Blockade vor ihrem Aufbruch aufzulösen. Was, wenn Jizahans Magie nicht ausreichte, um die Aufgabe zu lösen? Nein, so etwas durfte sie nicht denken. Jizahan war eine gelehrige Jungmagierin, sicher würden ihre Fähigkeiten reichen.
Wie es wohl außerhalb dieses Waldes aussah? War es eine Kopie von Kysano mit Blumenwiesen, schönen Wäldern und Bergen oder etwas völlig anderes? In Kysano gab es prachtvolle magische Pflanzen und bestimmt auch viele Tiere. Sie hatte zwar außer Vögeln und Insekten noch nicht viel von der Tierwelt in Kysano mitbekommen, aber wenn sie an die Wunschbienen dachte, war sie sich sicher, dass dort noch viele andere magischen Tiere lebten. Was gab es hier wohl an Flora und Fauna? Bis jetzt hatte sie noch keine Anzeichen von anderen Lebewesen gesehen, aber irgendwelche würde es wohl geben. Vielleicht lebten hier irgendwo sogar Menschen, die ihnen helfen konnten. Leeza dachte an die Illusion, in welcher sie jahrelang mit ihrer Mutter gelebt hatte, bevor Syvenia sie nach Kysano geholt hatte, konnte sich aber keine Einzelheiten mehr ins Gedächtnis rufen. Sie fragte sich, ob die Erinnerung daran irgendwann zurückkommen würde. Kymetos hatte gesagt, dass der Verlust davon damit zusammenhing, dass die Illusion sich nach und nach auflöste, nachdem sie sie verlassen hatte, und dies sprach leider eher dagegen.
Wo ihre Mutter jetzt wohl war? Sie hatte damals gesagt, sie habe etwas Wichtiges zu erledigen und könne deshalb nicht mit ihr nach Kysano kommen. Was sie wohl damit gemeint hatte? Weder Kymetos noch Lestre hatten darauf eine Antwort für Leeza gehabt. Sie dachte an die Nacht in Kysano, als ihr ihre Mutter erschienen war, um ihr einen Ratschlag zu geben. Immerhin schien es ihr soweit gut zu gehen und das war im Moment das Einzige, woran sie sich festhalten konnte.
Sie war dermaßen in ihre Gedanken vertieft, dass sie die Kreuzung erst bemerkte, als Jizahan sie anstupste und ziemlich ratlos fragte: „Wo geht es denn nun weiter?“
Leeza betrachtete die beiden Pfade, von denen der eine nach Nordwesten, der andere nach Nordosten führte, und war genauso ratlos wie Jizahan. Sie schalt sich eine Närrin. Während sie vorhin dem Pfad gefolgt waren, hätte sie besser darüber nachgedacht, wie sie hier handeln sollten, anstatt über Dinge, die sie sowieso nicht ändern konnte.

Im Kindle-Shop: Kysano: Geheimnisse und Illusionen

Mehr über und von Beatrice Hiu auf ihrer Facebook-Seite.



'Im Glashaus gefangen zwischen Welten' von Devakumaran Manickavasagan

Das Buch bietet einen Einblick in das Leben von Migranten, die ihre Heimat verlassen haben, um im Exil einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Am Beispiel der Jugend der in Deutschland lebenden Exil-Tamilen, zu denen er selbst gehörte, beschreibt der Autor Probleme und Hindernisse, die mögliche Gründe für eine verfehlte Integration sind. Von der einen Kultur in die andere gestoßen und in ihren Gefühlen verletzt, wissen sie oft nicht, wie ihr weiterer Weg verlaufen soll. Der Blick hinter die Kulissen ermöglicht betroffenen Migranten eine andere Sichtweise auf die Dinge und zeigt mögliche Wege auf.

Der Autor ist in Ratingen geboren und aufgewachsen und hat srilankische Wurzeln. Während der Flüchtlingskrise im Jahre 2015 war er Betreuer und später Leiter einer Notunterkunft für die neu in Deutschland angekommenen Menschen. Davor war er im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit aktiv.

Gleich lesen: Im Glashaus gefangen zwischen Welten: Ein Leben zwischen zwei Kulturen

Leseprobe:
Wer bin ich wirklich?
Wer bin ich wirklich? Diese Frage stellen sich manche Jugendliche und vermuten, die Antwort während ihres Wandelns zwischen den kulturellen Welten zu finden. Die wirkliche Antwort müssen sie jedoch direkt vor ihren Augen suchen, nämlich bei sich selbst!
Wie ich bereits erläutert habe, befindet sich das Individuum eines tamilischen Kindes in den Fesseln der Kultur beziehungsweise der Gesellschaft. Durch diese Gefangenschaft gelingt es dem Kind nicht, sich selbst zu finden, da es die meiste Zeit gedanklich damit beschäftigt ist, wie es der Kultur gegenüber gerecht werden kann. Sei es durch die Teilnahme an Feierlichkeiten, die Erfüllung bestimmter familiärer Pflichten, die Übernahme der Verantwortung für jüngere Geschwister oder die Erreichung eines bestimmten Berufsstandes, mit dem der junge Mensch den Namen seiner Familie in ein gutes Licht rückt. Dass dadurch das eigene Leben vernachlässigt wird, bemerken viele erst, wenn sie von den Fesseln befreit sind. Dies kann zum Beispiel durch einen Auszug aus dem Elternhaus geschehen.
Ich vermute, dass an dieser Stelle einige Leser darüber nachdenken, inwiefern dies auf sie zutrifft.
War oder ist man selbst Gefangener der Gesellschaft?
Wie lange hat man unbewusst die Rolle einer Marionette übernommen, nur um den Willen anderer zu erfüllen und sie glücklich zu machen?
Für Gefühle gibt es in der Gesellschaft wenig Platz, denn es gilt immer noch die Devise: „Was denkt die Gesellschaft darüber?“ Erlaubt sie Gefühle nicht, so sind sie einem, der sich in diesem System befindet, verboten. Ich konnte sehen, dass selbst Menschen, denen es finanziell gut ging, etwas in ihrem Leben fehlte, nämlich die Freude.
Umso schwerer ist es sicherlich für ein Kind, die materielle Freude der Eltern zu teilen, wenn es sich nach mehr Zuneigung und Wärme sehnt. Dieser Zwiespalt bewirkt im Innern des betroffenen Kindes eine tiefe Wunde, welche die Eltern ohne Weiteres nicht sehen, denn das Zeigen von Gefühlen ist in der Gesellschaft untersagt.
Hierzu kommt als weitere Belastung die unzureichende Kommunikation zwischen dem Kind und seinen Eltern. Während die Eltern sich gedanklich in ihrer heimatlichen Welt in Sri Lanka befinden, sind die Kinder in dem Zwiespalt zwischen der deutschen und der tamilischen Welt gefangen. Die Problematik entwickelt sich, wenn die Kinder den Eltern gegenüber die eigenen Wünsche erklären müssen.
Hierzu ein Beispiel: Es steht eine Party an, wo die gesamte Jahrgangsstufe aus der Schule eingeladen ist und man selbst auch gern hingehen möchte. Die erste Hürde ist die Erlaubnis der Eltern. Während sich die Freunde und die anderen auf die baldige Party freuen, meldet sich das Gewissen, welches die Vorfreude bremst. Mit einem „Nein“, das schon in Gedanken vorprogrammiert ist, macht man dennoch den Versuch, die Eltern um Erlaubnis zu fragen, denn schließlich ist die gesamte Jahrgangsstufe aus der Schule dort und der Freundeskreis geht hin. Dann die meist gestellte Frage, die von den Eltern kommt: „Wann fängt es an?“ Dass eine solche Party nicht zur Kaffee-und- Kuchen-Zeit beginnt, ist den meisten Jugendlichen klar, doch nicht vielen tamilischen Eltern. Die Uhrzeit, zu der eine Veranstaltung beginnt, ist Grund genug, den Kindern die Teilnahme zu verbieten. Trotz überzeugender und logischer Erklärungen ist es ihnen schwierig, das Einverständnis zu bekommen. Falls doch ein Elternteil zustimmen sollte, könnte dieser wiederum durch den anderen Elternteil umgestimmt werden.
In der Welt zu Hause ist man damit beschäftigt, die schulische Welt zu rechtfertigen. Schlussfolgernd kommt in den meisten Fällen das Resultat, dass die Eltern es nicht verstehen und man als junger Mensch an solchen Feiern nicht teilnehmen kann. Man zieht sich in sein Zimmer zurück und versucht, sich mit seinen verletzten Gefühlen selbst zu trösten.
Mit den kulturellen Erklärungen seitens der Eltern wird versucht, ein Aufbegehren der Psyche zu dämmen, sodass der innere Schrei nach Freiheit und Selbstbestimmung vorläufig gestoppt wird. In diesem Moment des Leidens bietet sich das Medium „Internet“ als weiterer Zufluchtsort an, um von den verletzten Gefühlen abzulenken und wenigstens anonym seine Gefühle äußern zu können.
Eines Tages stieß ich durch Zufall auf ein tamilisches kulturelles Forum, in dem unter anderem die von mir hier angesprochenen Themen diskutiert wurden. Erstaunt konnte ich feststellen, dass es dort eine Vielzahl von Mädchen gab, die in ihrem Zuhause mit all diesen Problematiken konfrontiert waren. Aus der Reihe der Jungen gab es nicht einen offiziellen Fall, der auch nur im Ansatz eine Konfrontation mit den Eltern angedeutet hätte. Der Grund dafür, vermute ich, liegt darin, dass es gerade den Männern in der Gesellschaft nicht erlaubt ist, über ihre Gefühle zu sprechen, ohne dabei auf irgendeine Weise abgestempelt zu werden.
Es gilt ja selbst auch in anderen Gesellschaften die Faustregel:
„Wer cool und hart ist, ist erst ein Mann.“
Ein weiterer Grund könnte sein, dass Jungen nach dem Gesellschaftsbild automatisch mehr Rechte bekommen als Mädchen.
Hier die folgende Regel, wonach sich die Gesellschaft richtet:
„Über einen Jungen kann gesprochen werden. Das würde der Familie nicht so viel Schaden zufügen, als wenn über ein Mädchen gelästert würde. Denn es wäre dann umso schwerer für dieses Mädchen, einen geeigneten Partner zu finden, da ihr Ruf bereits verschmutzt wäre.“
Die Angst, dass andere über sie sprechen könnten, bedeutet für viele Eltern, es um jeden Preis zu verhindern. Und dabei heißt es, etwaige „westliche Feierlichkeiten“ zu umgehen und die Tochter davor zu schützen. In solchen Fällen sind meist die Töchter in ihrem Zufluchtsort, dem Internet oder der Filmwelt, Gefangene ihrer eigenen Emotionen, aus denen sie meist nicht allein herauskommen können. Im genannten Beispiel ist ein betroffenes Mädchen in Erklärungsnot gegenüber Klassenkameraden und Freunden, die eine Erklärung der Eltern, basierend auf der kulturellen Ebene, nicht nachvollziehen können. Und auch hier folgt eine weitere Verletzung, nämlich die des Außenseiters. Auch wenn man in der Klasse ein unbeschriebenes Blatt ist, so stellt man sich in dem Moment durch die Nichtteilnahme an einer „westlichen Feier“ als Sonderling dar, und dies geht wieder zulasten der Psyche. In einer solchen Situation sind die betroffenen Jugendlichen auf sich gestellt und versuchen, den wiederkehrenden inneren Schrei nach „Freiheit und Selbstbestimmung“ zu unterdrücken. Eine gezwungene Identifikation mit der eigenen Kultur, indem man sich selbst einredet:
„Das hat alles seine Richtigkeit, es ist die tamilische Kultur – meine Kultur –, die die anderen nicht verstehen.“ Dabei ist es gerade die Kultur, die einem durch die Aufstellung der Fesseln innere Verletzungen zufügt. Obwohl manche betroffene Jugendliche es im Innern wissen, sind sie dennoch gezwungen, die tamilische Kultur vor der deutschen Kultur zu beschützen und diese als „gut“ beziehungsweise „perfekt“ und „schön“ zu präsentieren. Dieses „gut“ wird mit der Hinnahme solch feierlicher Blockaden akzeptiert. Man redet sich ein, dass das alles sein muss, da man sonst gleichzeitig in der eigenen tamilischen Kultur ein Außenseiter ist.
Betrachtet man das Beispiel ein wenig genauer, kann der Leser erkennen, dass betroffene Jugendliche sowohl in der eigenen Kultur als auch in der westlichen Kultur als Außenseiter gelten. Zu Hause im Zimmer mit den verletzten Gefühlen und in der Schule durch die fehlende Teilnahme am Gesellschaftsleben. Unbewusst schleppen diese jungen Menschen jahrelang Verletzungen ihrer Seele mit sich, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Dahingehend ist es für mich keinesfalls eine neue Entdeckung, dass das wirkliche Schätzen des Lebens vielen so schwer fällt. Gefangen zwischen den Welten, wandert die eigene Persönlichkeit eines tamilischen Kindes mal hierhin, mal dorthin, was zu einer fortwährenden Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit führt. Irgendwann wird auch der innere Schrei oder das Verlangen nach Freiheit und Selbstbestimmung von den betroffenen Jugendlichen aufgegeben, und manche geben ihr ganzes Leben in die Hände der anderen. Es ist eine Scheinwelt, in der sie leben und auch anderen etwas vorleben. Eine Welt, in der nach außen Glück und Freude herrschen, während im Innern genau das Gegenteil der Fall ist.
Die falsche Definition von Freude durch den Besitz materiellen Reichtums und Geldes ist eine mögliche Folge für die Isolation von der Gesellschaft. Es ist keine Seltenheit, dass sich betroffene Kinder im Laufe ihres Lebens, spätestens, wenn sie erwachsen sind, die Frage stellen: „Wer bin ich eigentlich wirklich?“

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