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18. Mai 2018

'Mordsfinale. Ostfrieslandkrimi' von Ulrike Busch

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Ein mysteriöser Todesfall sorgt im idyllischen Greetsiel für Schlagzeilen. In der Seniorenresidenz „Haus Friesenglück“ wird eine ältere Dame leblos in der Badewanne aufgefunden. Ein Föhn lag im Wasser, und schnell diagnostiziert der Arzt des Hauses Selbstmord. Doch es gibt viele Unstimmigkeiten, Fenna Stern und Tammo Anders von der Kripo Greetsiel ermitteln.

Schon bald finden sie heraus: Es war nicht der erste rätselhafte Tod im „Friesenglück“. Immer mehr Indizien deuten auf Mord, doch wer hat ein Motiv? Spielt eine der Seniorenbegleiterinnen Schicksal? Oder steckt gar Seniorenheim-Besitzer Pinkas von Finkenstein dahinter? Das neuere und luxuriösere „Friesenglück“ ist eine unerwünschte Konkurrenz für seine „Residenz Frisia“. Die Kommissare haben keine Zeit zu verlieren, denn niemand weiß, wann der nächste Mord geschieht.

Band 5 der Ostfriesland-Krimireihe ‚Kriop Greetsiel ermittelt‘

Leseprobe:
Hilke wurde in einem Nebenraum bewacht, während Eggo Katt im Verhörzimmer Platz nahm. Der Bericht von Gerhild Linnenbrügger war inzwischen in der Mailbox beider Ermittler eingetroffen. Sie überflogen ihn, dann gingen sie in den Verhörraum. Ein anderer Kollege hatte bereits mit Katt die Formalitäten erledigt, sodass sie gleich mit der Befragung beginnen konnten.
»Herr Doktor Katt.« Fenna nahm den Verdächtigen ins Visier. »Sie haben zweimal eine Todesursache attestiert, die so weit von der Wahrheit entfernt ist wie die Amöbe vom Homo sapiens. Wie erklären Sie sich selbst und wie erklären Sie uns, wie das passieren konnte?«
Katt gab sich völlig verblüfft. »Wieso zweimal? Bei Frau Niemeyer sind Sie zu einem anderen Schluss gekommen als ich. Die Frau Kollegin aus der Rechtsmedizin hatte aber auch eindeutig bessere Chancen als ich, sich über die Todesursache Gewissheit zu verschaffen.«
Der feuchte Film auf der Oberlippe des Arztes signalisierte der Kommissarin, dass der Mann sich durchaus seiner heiklen Situation bewusst war. Sie durfte jetzt nicht lockerlassen. Es war vorauszusehen, dass sie mit ihm ein leichtes Spiel haben würden. Ohne Zweifel war Katt einer Konfrontation mit der Kripo nicht gewachsen. »Ich weise Sie nochmals darauf hin, dass Sie einen vermeintlichen Suizid, den Sie für einen echten hielten, gegen die Vorschriften nicht bei der Polizei gemeldet haben.«
Katt wand sich. »Ich habe Ihnen doch schon erklärt, was ein Selbstmord für den Ruf des Hauses bedeutet hätte.«
»Was glauben Sie«, mischte Tammo sich ein, »was es für den Ruf des Hauses bedeuten wird, wenn die Tageszeitungen demnächst bundesweit von zwei Fällen berichten werden, bei denen Sie natürliche Todesursachen attestiert haben, die aber schlicht und ergreifend unter die Rubrik Mord fallen?«
»Da wird sich so manch ein Leser und manch ein potenzieller Interessent der Wohnanlage dieselbe Frage stellen, wie wir: Welche Rolle spielte der Arzt vom Haus Friesenglück bei diesen Morden?«
»Hören Sie.« Katt wand sich auf seinem Stuhl. Endlich knickte er ein. »Mir ist kürzlich etwas passiert, was niemals hätte passieren dürfen.« Seine Miene wirkte zerknirscht.
Fenna schenkte Wasser in ein Glas und reichte es ihm. »Dann erzählen Sie mal.«
Katt berichtete von dem Medikamentenschrank, den er offengelassen hatte, als er zu der Notfallpatientin gerufen wurde. »Leider hatte ich auch die Terrassentür nicht verschlossen und als ich zurückkam ...« Er sah Fenna flehentlich an, doch sie erlöste ihn nicht.
»Nun?«, drängelte Tammo. »Was war, als Sie zurückkamen?«
»Es fehlte ein Medikament. Eine Packung mit hundert Insulintabletten.«
»Wem haben Sie das gemeldet?«, fragte die Kommissarin.
»Gemeldet?« Katt guckte sie an, als hätte sie gerade von ihm erwartet, dass er den Verlust eines Täfelchens Traubenzucker bei der Kriminalpolizei angezeigt hätte. »Niemandem.«
»Sind sie nicht auf die Idee gekommen, dass mit dem Medikament Missbrauch getrieben werden könnte?«
Katt zuckte mit den Schultern.
Fenna nagelte ihn mit ihren Blicken fest. »In welcher Beziehung stehen Sie zu Frau Ukena?«
Die Hände des Arztes suchten nach irgendetwas, womit sie sich beschäftigen konnten. Sie umklammerten schließlich das Wasserglas.
»Es ist besser, Sie sagen uns gleich die Wahrheit«, warf Tammo ihm zu. »Wir finden sie sowieso heraus.«
Katt guckte ihn verstohlen an. »Sie ahnen es doch schon.« Er rutschte auf seinem Stuhl herum. »Hilke ... Frau Ukena und ich, wir sind ein Paar.«
»Seit wann?«
»Seit sie das erste Mal zu einem Gespräch in meine Praxis kam. Sie hat sich in ihrer Eigenschaft als Seniorenbegleiterin bei mir vorgestellt. Da ja zu erwarten war, dass sie im Rahmen dieser Tätigkeit gelegentlich Bewohner unseres Hauses zur Sprechstunde begleiten würde, wollte sie mich einmal unter vier Augen sprechen, um ein Vertrauensverhältnis zwischen uns aufzubauen.«
»Das mit dem Vertrauensverhältnis ist Ihnen dann offensichtlich perfekt gelungen«, meinte Tammo.
Katt zuckte mit den Schultern. »Wo die Liebe hinfällt ...«
»Hat Frau Ukena freien Zugang zu Ihrer Praxis?«
Eggo Katts Gesicht verschloss sich. »Ich habe es Ihnen doch bereits erzählt: Meine Praxis ist immer verschlossen. Nur ich habe den Schlüssel. Ohne mich kommt niemand hinein.«
Tammo lehnte sich weit über den Tisch. »Wie man gesehen hat, als die Packung Insulintabletten verschwand.«
Katt verbarg sein Gesicht in den Händen.
»Herr Doktor Katt.« Fenna versuchte es in mütterlichem Ton. »Kann es sein, dass Frau Ukena die Packung entwendet hat?«
Der Arzt wich ihrem Blick aus. Er bewegte den Kopf in alle Richtungen. Ob es ein Nicken oder ein Kopfschütteln sein sollte, war nicht zu erkennen. Vermutlich war es einfach nur ein Ausdruck der Verzweiflung und Hilflosigkeit. »Sie war an dem Abend bei mir, aber sie hat meine Praxis verlassen, als ich zu dem Notfall gerufen wurde.«
»Kann sie zurückgekommen sein?«
»Ich weiß es nicht. Wirklich nicht.«
»Halten Sie Hilke Ukena für fähig, Ilse Büttner und Marga Niemeyer getötet zu haben?«
Erschrocken blickte Katt die Kommissarin an. »Sie ist meine Lebensgefährtin!«
Fenna atmete durch und schaltete das Aufnahmegerät aus. »Wir beenden das Gespräch für heute. Wir werden uns jetzt noch mit Frau Ukena unterhalten.«
Ein uniformierter Kollege führte Katt in einen anderen Raum und brachte anschließend Hilke Ukena ins Verhörzimmer. Die Ermittler klärten sie über ihre Rechte auf und Fenna sagte ihr ihre Vermutung auf den Kopf zu.
»Frau Ukena, Sie stehen im Verdacht, aus dem Medikamentenschrank in Doktor Katts Praxis eine Packung mit hundert Insulintabletten entwendet zu haben.«
Hilke reagierte unerwartet aggressiv. »Hat Eggo das etwa behauptet? Dann soll er es mir ins Gesicht sagen.«
»Sie bestreiten, dass Sie das Medikament an sich genommen haben?«
Hilkes Lippen wurden schmal und Fenna merkte, dass die Seniorenbegleiterin den Tränen nah war. »Wenn ich das geahnt hätte«, presste sie hervor, »hätte ich mich niemals, niemals im Leben bereit erklärt, mich für Senioren zu engagieren.«
Fenna schwieg und beobachtete ihr Gegenüber. Wäre Hilke fähig, ältere Menschen heimtückisch mit Medikamenten zu töten? Wäre sie dazu in der Lage, eine hilflose Frau in der Badewanne zu ertränken? War sie ein barmherziger Engel, eine Mutter Theresa, oder war sie eine Blenderin, die sich als Herrscherin über Leben und Tod aufspielte?
Hilke hatte während der Gesprächspause, die sich eingestellt hatte, wieder zu sich gefunden. »Wissen Sie, wenn Sie mich verhaften wollen, dann tun Sie das. Aber wundern Sie sich nicht, wenn es weitere Tote gibt.«
War Hilke Ukenas Gelassenheit Ausdruck ihrer inneren Sicherheit, die auf dem Wissen basierte, dass sie schuldlos war, oder war es ein Beweis ihrer Eiseskälte und Erbarmungslosigkeit?
Fenna warf Tammo einen verstohlenen Blick zu. An seiner skeptischen Miene erkannte sie, dass er genauso zwischen den Extremen schwankte wie sie.
»Mehr sage ich nicht. Nicht ohne Anwalt«, schob Hilke hinterher.
Fenna sah keine andere Möglichkeit. Im stummen Einverständnis mit Tammo beendete sie die Befragung. »Sie können jetzt nach Hause fahren. Aber bis auf Weiteres verlassen Sie die Krummhörn bitte nicht, ohne uns darüber zu informieren, wohin Sie gehen. Und, Frau Ukena ...« Fenna stockte.
»Ja?« Hilke sah sie herausfordernd an.
»Bitte halten Sie sich in der nächsten Zeit vom Haus Friesenglück fern. Lassen Sie Ihre Tätigkeit als Seniorenbegleiterin ruhen, bis wir den Fall Marga Niemeyer aufgeklärt haben. In Ihrem eigenen Interesse.«

Im Kindle-Shop: Mordsfinale. Ostfrieslandkrimi (Kripo Greetsiel ermittelt 5).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



17. Mai 2018

'Wenn Hoffnung stirbt' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Wer liebt, verzeiht. Wer es nicht tut, wird es ein Leben lang bedauern.«
Janette John

Als am 14. Februar in Konstanz eine junge Frau unerwartet stirbt, geraten die Bewohner der Stadt in Panik, weil ihr Tod in einem der sozialen Netzwerke angekündigt worden ist. Schon wenig später liest man von einem weiteren Opfer.

Allzu schnell ist ein Verdächtiger gefasst. Doch ein Motiv lässt sich nicht finden. Nachdem sich die Nachricht bewahrheitet und man seltsame Zeichnungen an den vorausgesagten Toten findet, beginnt die Jagd nach einem Phantom.

Die Konstanzer Polizei steht vor einem Rätsel. Wer steckt hinter den Morden, die scheinbar miteinander verflochten sind?

Der 8. Fall der Kripo Bodensee.

Leseprobe:
Voller Ungeduld und im Glauben, die Bilder sofort in ihrem E-Mail-Account zu wissen, rutschte Nadine unruhig auf ihrem Stuhl umher. Der Tag war lang genug gewesen und sie wollte noch vor Feierabend die Kollegen darüber informieren. Beleidigt verzog sie das Gesicht und murmelte: »Mann, wie lange braucht der denn?« Zudem vernahm sie Hufnagels Stimme, der sich lauthals verabschiedete, weil er noch etwas Wichtiges zu erledigen hatte.
»Was ist los?«, fragte Selzer, dem ihr Verhalten nicht entgangen war. »Was wollte Schröder so Dringendes von dir?«
Nadine, die nervös auf den Schreibtisch trommelte, sagte: »Genau das möchte ich euch zeigen. Aber dieser ...«, sie verkniff sich den Ausdruck, der ihr im Kopf herumschwirrte, und gab stattdessen zur Antwort: »Schröder lässt sich mal wieder Zeit.« Unentwegt starrte sie auf den Bildschirm, in der Hoffnung, eine Nachricht zu finden. Als sie dann kam, schnaufte sie hörbar durch.
Selzer ging an ihren Tisch und schaute auf die eingegangene Mail. Ein paar Sekunden verstrichen, bis der Anhang sich öffnete und diverse Fotos zeigte. »Also das wollte er dir zeigen.«
Nadine brummte zustimmend.
»Weiß man, wer der andere ist?«, fragte Selzer interessiert nach und erkannte Matuschek.
Die Kollegin nickte, vermutete in dem Mann, der mit dem Rücken zum Fenster stand, Kurt Nissen, den sie gewillt war, nun damit zu konfrontieren.
»Und du meinst, er gibt bereitwillig zu, dass er ein Verhältnis mit diesem Matuschek hatte, gerade jetzt, wo er tot ist?« Selzer presste die Lippen aufeinander und schüttelte ungläubig den Kopf. »Vergiss es!«
»Mensch, Daniel, irgendwo müssen wir ansetzen. Wenn er bei seiner Gattin nicht mit uns kooperieren wollte, dann vielleicht bei seinem Geliebten. Wenn das stimmt«, sie wies mit dem Kopf auf die Fotos, »waren die beiden ein Paar. Er muss doch daran interessiert sein, den Täter zu finden.«

Im Kindle-Shop: Wenn Hoffnung stirbt (Kripo Bodensee 8).
Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



'Jolene: Zauber des Westens' von Katie S. Farrell

Kindle (unlimited) | EyeDoo Publishing | Taschenbuch
Die attraktive Jolene leitet eine Ferienranch, was ihr nicht leicht gemacht wird: Ein ungeklärter Mordfall, die unerwiderte Liebe zu dem schweigsamen Raine und eine Gruppe traumatisierter Jugendlicher stellen ihr Leben auf den Kopf.

»Jolene« ist der Auftakt zur Reihe über die Dawson-Geschwister und ihre Freunde, deren Bücher unabhängig voneinander gelesen werden könnten, verspürte man nicht Lust darauf, die Geschichten der anderen Hauptpersonen zu erfahren. Die Stories im Stil von Nora Roberts sind in der Nähe von Boulder, Colorado angesiedelt.

Leseprobe:
Der Abend war nicht allzu lang geworden, da alle müde von der ungewohnten, frischen Bergluft waren und früh zu Bett gingen.
Erin und ich saßen aber noch ein Weilchen zusammen, da Rosie Dawson netterweise in der Zwischenzeit Teddy heimgebracht und ins Bett gesteckt hatte. Sie passte noch ein Weilchen auf ihn auf, um Erin ein wenig Freizeit zu gönnen.
Erin nahm einen letzten Schluck Rotwein, bevor sie Wasser in ihr Glas nachfüllte. Ihre schmale Hand spielte mit dem Kelch, während sie mich angrinste und neugierig befragte:
»Wie findest du denn die Neuen, Jo?«
Ich zuckte die Achseln und antwortete in Gedanken versunken:
»Kann ich so schnell nicht sagen, Erin. Gib mir ein bisschen Zeit.«
»Tststs! Erzähl mir nicht, dass du noch keine Meinung zu dem hübschen Doktor hast, der dir die ganze Zeit interessierte Blicke zuwirft.«
Ich setzte mich ein bisschen gerader hin und beugte mich zu ihr hinüber und fragte leise:
»Ich habe es mir also nicht eingebildet?«
Erin kicherte, dann hickste sie.
»Nein, hast du nicht. Also, wie findest du ihn?«
Ich musste lachen.
»Erin, jeder Fünfjährige verträgt Wein besser als du. Bleib doch beim Wasser!«
Sie drohte mir immer noch grinsend mit dem Zeigefinger.
»Ich vertrage ihn ganz sicher besser als mein Sohn. Nur weil ich einen Schluckauf bekomme …«
»Nein, weil du dann Unsinn quatschst, Erin!«
»Deine Meinung über den Doc. Komm schon! Ich muss dann rein, Rosie muss ja noch heimfahren.«
Ich seufzte theatralisch.
»Na gut. Ein gutaussehender Mann, vielleicht ein bisschen zu schmal für meinen Geschmack, aber viel höflicher als der Rest der Männer, mit denen ich Umgang pflege.«
Sie beugte sich vor, legte ihre Hand auf meine und versuchte mir im Halbdunkel der Kerze tief in die Augen zu blicken, worauf ich wieder zu prusten begann.
»Jolene, sei mal ernst. Du musst aufhören, jeden an Raine zu messen. Raine ist klasse, aber so wie er sich verhält, hat er nicht verdient, dass du immer noch auf ihn wartest. Such dir einen Loverboy und hab Spaß. Vielleicht wacht Raine dann auch mal auf«, fügte sie mit einem bösen Knurren in der Stimme hinzu, was mich wunderte.
Eigentlich mag Erin Raine wie alle Menschen, die ich kenne. Aber sie weiß nur zu gut, wie sich meine Herzschmerzen anfühlen und darf nichts zu ihm sagen, weil ich sie zum Schweigen verpflichtet habe.
Wenn Raine mich nicht will, dann werde ich mich ihm sicher nicht an den Hals werfen. Vor allem nicht, wenn sich ständig die zickige Apothekersgattin an diesen kräftigen, attraktiven Hals hängt.
Apropos, Savannah und Sarina haben mich gebeten morgen früh mit ihnen kurz nach Boulder zu fahren: zur Apotheke!
Kann ein Tag besser anfangen?

Am nächsten Morgen saßen die beiden Mädchen schon am Frühstückstisch, als ich vom morgendlichen Pferdefüttern zurückkehrte.
Da hörte ich, wie Ethan gerade durch die Zähne pfiff und erschüttert sagte:
»Meine Güte, und so etwas passiert in einem Kaff wie unserem. Und wer braucht bei uns schon einen Privatdetektiv?«
Diese letzte Frage meines Pferdewirts, was die moderne Bezeichnung für Stallbursche mit fundierten Pferdekenntnissen ist, ließ mich stehen bleiben und auf den Fernseher starren, da ich zum Beispiel jemand war, der einen Privatdetektiv beschäftigte.
Dies wäre für Ethan wahrscheinlich noch unglaubhafter, als wenn ich mich für den Posten eines Senators beworben hätte, aber dennoch wahr.
Und ich sah mit Entsetzen, was ich befürchtet hatte:
Das Foto, das soeben auf dem Fernsehmonitor erschien, zeigte tatsächlich das Konterfei meines Detektivs, Avery Lennox.
»Was ist mit ihm passiert?«, fragte ich hastig und trat näher.
Die beiden starrten weiter fassungslos auf den Fernseher und Ben antwortete geistig abwesend:
»Ist ermordet worden, der arme Kerl. Bei dem wär ich auch nie auf diesen Beruf gekommen, sieht ja total unscheinbar und ungefährlich aus. Wer bringt denn so einen um?«

Meine Gedanken hätten seine Frage beantworten können:
Jemand, der gemerkt hat, dass diese Unscheinbarkeit Voraussetzung für den Job ist und der möglicherweise etwas zu verbergen hat, vielleicht sogar das, nach dem Lennox für mich gesucht hat: Eine Spur meiner Mutter!

Im Kindle-Shop: Jolene: Zauber des Westens (Die Dawsons 1).
Beim Verlag: EyeDoo Publishing
Mehr über und von Katie S. Farrell auf ihrer Website.



16. Mai 2018

'Omega - Der Engel Gottes' von Mark Bannstorm

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Während 50.000 Wesen aus einer anderen Dimension den Zugang zur Welt der Menschen suchen, bricht zwischen dem Inselstaat Samica und dem Dschungelreich Carthe Krieg aus.

Drei junge Erwachsene geraten in den Strudel der Ereignisse um den Engel Gottes und einem uralten Amulett. In einer Gesellschaft, die Samicaner hasst und Frauen unterdrückt, muss eine junge Samicanerin beweisen, wer der wahre Engel Gottes ist.

Der erste Band der Omega-Chroniken beginnt in einer mittelalterlichen Welt vor dem Hintergrund eines Konflikts zweier unterschiedlicher Gesellschaften und der Gefahr fremder Wesen aus einer anderen Dimension.

Leseprobe:
Es kann nicht mehr weit sein. Ich spüre das Blut deutlich.Der Boden stieg zuerst sanft, dann immer steiler an. Sie erlebte einen nie gekannten Kräfteverfall. Keuchend musste sie ihr Tempo zu einem Gehen drosseln. Der dichte Bewuchs und Lavabrocken zwangen sie zu höchster Konzentration. Ihr anfangs vorhandener instinktiver Umgebungssinn schien verschwunden.
Geblendet vom Mondlicht trat sie aus dem Wald. Sie stand vor einem riesigen erstarrten Lavafeld, das in einem Kilometer Entfernung zu einem erloschenen Vulkankegel anstieg. Auf dem zerklüfteten Lavaboden veränderte sich die weiße Farbe ihrer Uniform und die grüne Tarnfarbe kam zum Vorschein.
Ich bin im Reich der Schwarzen. Gott beschütze mich vor dem Bösen. Nach Luft schnappend kämpfte sie sich Schritt für Schritt voran. Teilweise kletterte sie mit Händen und Füßen über die Geröllbrocken.
Ich muss es schaffen. Ein dumpfer Schmerz fraß in ihren Eingeweiden. Sie hielt inne und ließ ihren Blick über die trostlose Mondlandschaft schweifen. In der Ferne schien ein hüpfender Schatten über der Lava zu schweben. Er kam aus der Richtung, in der sie ihren Dolch fühlte, und hielt auf den Waldrand zu. Von einem Moment zum anderen verschwand er.
Sie schleppte sich mühsam weiter, angetrieben von dem Willen, ihr Ziel zu erreichen. Was dann geschehen sollte, wusste sie nicht. In ihrem Zustand würde sie kaum Laras Mörder gegenübertreten können. Sie musste auf Gott vertrauen. Er würde seinen Engel beschützen. Sie begann auf allen vieren zu krabbeln. Da spürte sie eine Gegenwart und hob ihren Kopf.
Eine pechschwarze Silhouette blockierte den Nachthimmel. Die Hosenbeine und Ärmel flatterten im Wind. Die raue Oberfläche der Kleidung verschluckte das Mondlicht. Ein schwarzes Tuch verbarg das Gesicht unterhalb der kalten blauen Augen. Sie erstarrte. Zehn endlose Sekunden musterten sie die Augen.
„Kur'sa elena har'thu“, mit diesen Worten holte die Gestalt drei etwa fünfzehn Zentimeter lange Riegel aus der Jackentasche und warf sie vor ihr auf den Boden. „Du hast Hunger. Du musst essen“, sprach der Unbekannte mit einem fremdländischen Akzent.
Bei dem Gedanken an Essen fing sie an zu zittern. Das war der Schmerz in ihren Eingeweiden! Die Erschöpfung und der bohrende Hunger ließen sie alle Vorsicht vergessen. Sie hob die Riegel auf. Ein köstlicher Geruch von Nüssen und Honig stieg in ihre Nase. Ihr Verstand schaltete ab.
„Danke.“ Nach dem ersten Bissen gab es kein Halten. Gierig verschlang sie die drei Riegel. Das Gefühl von Nahrung in ihrem leeren Magen tat so gut. Der Fremde beobachte sie dabei unentwegt. Er schien auf etwas zu warten. Erst als sie den letzten Rest des dritten Riegels heruntergeschluckt hatte, wandte er sich wortlos ab. Leichtfüßig schritt er über die Lavabrocken auf den Waldrand zu.
Auch wenn ihr schlimmster Hunger gestillt war, blieb die Gier nach Essen. Sie trank aus der Feldflasche und holte die Notration aus ihrer Gürteltasche. Das in Minzblättern eingewickelte getrocknete Fleisch war zäh. Sie riss mit den Zähnen Stücke ab und schluckte sie ohne zu Kauen herunter. Allein das wohlige Völlegefühl im Bauch zählte.
Angenehme Wärme und der Wunsch auszuruhen erfüllten sie. Sie setzte sich auf einen Lavafelsen, zog die Knie an und stützte ihren Kopf darauf. Nur einen Moment, damit ich zu Kräften komme.
Am Rande des Schlafs spürte sie ein Brennen überall im Körper. Der Schmerz wuchs, jeder Zentimeter der Haut stand in Flammen. Sie ächzte. Ein Blitz fuhr in ihren Schädel. Sie schrie. Mit jedem Pochen ihres Herzens pulsierten Haut und Muskeln in unerträglichen Schmerzen. Jemand schlug mit einem Hammer auf ihren Hinterkopf. Sie wimmerte, schrie und wälzte sich auf dem Boden. Gott, was habe ich getan? Bitte hilf mir. Lass mich nicht sterben.
Am Waldrand hielt der schwarz gekleidete Fremde neben seinem zurückgelassenen Pferd inne und lauschte den Schreien. Die schwollen erst an, gingen in ein Wimmern über und verstummten. Kurz überlegte er, ob er sich vom Tod der Frau überzeugen sollte, aber das wäre Zeitverschwendung. Niemand überlebte drei Sarka Riegel nach einem Kurthuan. Alles was er vorfinden würde, wäre eine blutige Masse. Er hatte den Traditionen genüge getan. Jeder Jäger bekam nach seinem Kurthuan drei Sarka Riegel. Den dritten Riegel nicht zu essen war die Prüfung des Willens und natürlich konnte eine Frau diese Prüfung nicht bestehen.

Im Kindle-Shop: Omega - Der Engel Gottes (Omega-Chroniken 1).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Mark Bannstorm auf seiner Website.



15. Mai 2018

'Seelensplitter: Zwischen Schuld und Begehren' von Stephanie Pinkowsky

Kindle (unlimited)
Welche Wege sucht sich ein Herz, wenn die Seele zu Eis gefriert?

Die erfolgreiche Schauspielerin Helene, die zugunsten des Ruhmes in eine selbstzerstörerische Rolle gedrängt wurde, erstarrt innerlich immer mehr. Vor dem Mann, den sie liebte, verbirgt sie ein tragisches Geheimnis. Nur in den Armen einer besonderen Frau fühlt sie sich noch lebendig.

Getrieben von Sehnsucht und Schmerz beginnt eine schicksalhafte Affäre. Gestohlenes Glück, das von der Last der Schuld überschattet wird und jederzeit enden kann. Helene und ihre Geliebte sind untrennbar miteinander verbunden, nicht nur durch ihre Leidenschaft. Eine quälende Wahrheit, deren Verleugnung unmöglich ist.

Leseprobe:
„Was habe ich nur getan?“ Helene betrachtete ihre schlafende Geliebte und versuchte, ein Schluchzen zu unterdrücken. Wie war sie bloß in diesen Strudel aus Schuld, Geheimnissen und verbotenem Begehren geraten? „Mein Liebstes.“ Sie strich ihr sanft mit dem Handrücken über die Wange. Die junge Frau atmete leise und gleichmäßig, noch immer umspielte ein glückliches Lächeln die kirschroten Lippen. Helene gab ihr einen zärtlichen Kuss, von dem sie nicht aufwachte. „Bitte verzeih mir.“ Ihre Kehle schnürte sich zu, die Last ihres Gewissens zwang sie mit einer Brachialgewalt in die Knie. „Ich liebe dich so sehr.“ Die Stimme klang wie ein gehauchter Schwur. „Doch gerade darum hätte ich das niemals zulassen dürfen.“
Die Geliebte schlug plötzlich die Augen auf, ein Schleier der Traurigkeit legte sich über ihr Gesicht. „Diese Nacht mit dir war aber alles, was ich mir je gewünscht habe.“
„Ich weiß“, seufzte Helene und blinzelte die Tränen fort. „Und trotzdem werde ich mir das nie vergeben können.“
„Diese Nacht und die Erinnerungen werden immer nur uns gehören. Nur dir und mir. Es gibt weder Kläger noch Richter.“
Die junge Frau hatte sich mittlerweile aufgesetzt und nach den Händen der weinenden Geliebten gegriffen. Diese blickte sie nun ernst aus ihren saphirblauen Augen an.
„Vielleicht wirst du eines Tages bereuen, was zwischen uns geschehen ist.“ Der Kloß in ihrem Hals schnürte Helene nun beinahe den Atem ab, sie presste die Worte stoßweise hervor. „Aber nun ist es zu spät. Auch du wirst jetzt damit leben müssen. Für immer.“

Im Kindle-Shop: Seelensplitter: Zwischen Schuld und Begehren.
Mehr über und von Stephanie Pinkowsky auf ihrer Website.



14. Mai 2018

'Bühnenzauber' von Martin Danesch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Julian Hesse, ein Loser in Beziehungen, begibt sich auf die innere Reise zu sich selbst. Er lernt, das Universum zu verstehen und findet in der Liebe neue Wege.

Giuliano kapiert einfach nicht, weshalb seine Beziehungen stets im Desaster enden, ihn seine jeweilige Partnerin hintergeht. Ist er denn so langweilig, öde, nichtig? Auf einer Motorradtour erzählt ihm sein bester Freund von dem mystischen Einsiedler Odysseus. Erst skeptisch, besucht Giuliano diesen dann öfters und erfährt von universellen Zusammenhängen. Parallel ist er auf dem Weg, in seine sechste unglückliche Beziehung zu schlittern. Doch das bei Odysseus Erlebte wirkt sich zunehmend auf seine Wahrnehmung aus. So erregt in der Firma auf einmal eine Kollegin seine Aufmerksamkeit, obwohl sie so gar nicht dem Typ entspricht, dem er bisher auf den Leim ging. Gemeinsam kommen die beiden auf eine Gaunerei im Betrieb und sich dabei auch näher. Dank Odysseus sieht es aus, als lernte Giuliano, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch dann macht er einen verheerenden Fehler.

Eine anfixende Crossover-Geschichte in einer neuen Mischung aus Liebe, Spannung und spiritueller Weisheit.

Leseprobe:
Ende und Anfang
Als ob sie mich mit einem Schmetterlingsnetz gefangen hätte, so dicht waren die Maschen ihres Dufts. Ihre linke Hand lag auf dem Bistrotisch, von ihrem Weinglas kaum entfernt und zwei Handbreit von meiner Rechten, zu der sie schon seit Wochen nicht mehr fand. Nicht nur ihr Duft, sondern - wie schon immer - wirkte auch ihr Äußeres auf mich wie eine eingeschaltete Kochplatte auf den Teekessel, der auf ihr stand. Sie trug ein schwarzes Top unter der bunten Tunika, der es selbst im schummrigen Dämmerlicht des Lokals nicht gelang, ihre Kurven zu verbergen. Jedes Mal spürte ich ein Ziehen im Bauch, wenn sich mein Blick nach rechts wegstahl: Der schwarze Bob, die großen dunklen Augen und die dunkle Tönung ihrer Haut - sie hatte etwas Zigeunerhaftes, Aufreizendes. Diese Augen ... und wie sie leuchteten!
Aber ich wusste, dass sie das nicht für mich taten. Auch nicht für die Band, die auf der kleinen Bühne spielte, eine Vierer-Combo aus Piano, Gitarre, Percussion und einer Frau, die sowohl sang, als auch Saxofon spielte, eine unglaublich sexy Mischung, wie ich fand. Nein, Amandas Augen blitzten immer wieder zu dem Kellner hinüber - unter genügend verhangenem Blick, wie sie wohl annahm. Aber ich merkte es. Wenn nämlich einer Beziehung erst einmal die selbstverständliche gegenseitige Vertrautheit abhandenkommt und sich ihrer statt das Misstrauen einzunisten beginnt, dann hört man das Gras wachsen, wenn es darum geht, was hinter dem Rücken geschehen könnte. Und ich hatte diesbezüglich ohnehin ein feines Ge­spür, sogar dann, wenn es gar nichts zu spüren gab.
Hie und da kam er herüber zu uns, der widerliche Gigolo mit seinem Grinsen, das zwar ihr und mir in gleicher Weise galt, nur dass es mir in meine Richtung wie eine Farce vorkam. Nein, eigentlich wie ein unverblümter Schlag direkt ins Gesicht! Ob alles in Ord­nung wäre - was für eine Fra­ge! - und ob wir noch etwas bräuchten. Viel­leicht ein Baguette? Hau ab, dachte ich mir, bevor ich dir eine aufs Maul hau. Aber nach außen grinste ich wie er, denn anmerken wollte ich mir diese Schmach keinesfalls lassen. Manchmal richtete ich ein paar Worte an Amanda, die sie zwar beantwortete, aber so spärlich wie irgend möglich, bis hinunter zu Ja und Nein.
Ich war froh, als der Abend vorüber war, und nicht nur einmal hatte ich mich gefragt, welcher Teufel mich geritten haben mochte, als ich ihrem Vorschlag folgte, das kleine Konzert zu besuchen. Hatte ich gedacht, dass vielleicht alles noch einmal ins Lot käme? Dass noch eine Chance bestünde? Dabei wusste ich doch aus eigener Erfahrung längst, was innere Kündigung bedeutet. Man konnte in so einem Zustand niemanden mehr zurückgewinnen; ich war ja auch schon in der umgekehrten Lage gewesen. Doch wenn solche Überlegungen mich selbst betrafen, war ich blind wie ein Maulwurf. Als Belohnung dafür, dass ich mein Bauchgefühl ausgelacht hatte, das mir mit seinem wohlbekannten Ziehen nichts Gutes verhieß, wusste ich nun nicht nur, dass definitiv etwas im Busch war, sondern auch, wer hinter ihm saß.

Zu Hau­se kam ich auf einen perfiden Gedanken. Es musste doch möglich sein, ihre Mailbox zu hacken, um Gewissheit zu erlangen? Von den sieben Jahren des Beisammenseins wusste ich schließlich, wie sie tickte. Also sollte auch das Passwort herauszufinden sein. Mit Geburtstag oder derlei Scherzen probierte ich es erst gar nicht, denn dass das keine gute Idee war, las man ja allenthalben. Also was tat sie gerne? Sie kochte für ihr Leben gern, was es ihr auch unmöglich machte, wirklich schlank zu sein. Denn was sie kochte, schmeckte ihr selbst ebenfalls. Dafür wiederum gelang es ihr unverschämt gut, eine Figur zu bewahren, bei der, wie man sagt, die Kurven an der richtigen Stelle saßen. Ich bin sicher, dass sie um dieses Geschenk der Gene von vielen Frauen beneidet wurde, denn es wuchs nicht irgendein Körperteil übermäßig in die Gegend, der Hintern oder die Schenkel, sondern Zunehmen war bei ihr, als ob sie eine weitere Haut umlegen würde. Schnell fing ich meine verlangenden Gedanken wie­der ein und konzentrierte mich auf mein Vorhaben. Tiramisu? Zu simpel. Pesto? Ebenfalls. Und dann probierte ich es einfach durch. Chennah, Galgant - sie liebte Gewürze - Kurkuma, Habanero, sogar Tellicherry-Pfeffer ließ ich nicht aus. Schon oft hatte ich mich gefragt, wie Leute wie Mac­Gyver, auch noch unter Druck, es zuwege brachten, mit spätestens dem dritten Versuch solche Probleme zu lösen. Und dann - ich konnte es nicht glauben - war ich drin. Mit Couscous.
Meine Euphorie war von kurzer Dauer, etwa so wie das Leben einer Biene, die sich von einer Blüte in einem Anflug von Verwegenheit auf die andere Seite der befahrenen Straße aufmachte. Es wäre besser gewesen, nicht drin zu sein. Denn hier breitete sich in großzügiger Vielfalt meine Befürchtung vor mir aus: Ein munterer und - noch viel ernüchternder - durchaus gegenseitig zugetaner Schriftverkehr zwischen Amanda und Schorsch, dem Kellner des Lokals, das ich eben verlassen hatte. Manchmal verwünschte ich meine Gabe, Dinge zu erahnen. Mit der Verbissenheit, mit der man sich mitunter kratzt, auch wenn es schon blutet, gab ich mir eine Mail nach der anderen. Die älteste davon war drei Monate her. Täglich durchaus auch schon vier bis fünf Mailwechsel. Es war nach Mitternacht, als ich fertig war, die Flasche Rotwein leer und, mangels Nachschub an Wein, der Eierlikör auch. Eine Wirkung allerdings hatte meine Beharrlichkeit gehabt: Meine Übelkeit hatte sich von der psychischen auf die körperliche Ebene verlagert.

Im Kindle-Shop: Bühnenzauber.
Mehr über und von Martin Danesch auf seiner Website.



'Rebellen (Die Traumwandlerin-Saga 1)' von Ainoah Jace

Kindle (unlimited) | EyeDoo Publishing | Taschenbuch
Vier Länder, die einander fürchten, leben unter der grausamen Herrschaft des Eiskönigs Shahatego und seiner Eiswölfe.

Die junge, verängstigte Nell neigt zu Alpträumen, in welchen sie auf der Suche nach etwas Ungewissem schlafzuwandeln beginnt. Sie flieht vor ihrem missmutigen und untreuen Verlobten Shane aus der Sandstadt Maroc und fällt dem unheimlichen Trupp der »Schwarzen Reiter« in die Hände. Kann sie sich Wolf, dem zurückhaltenden Anführer der Rebellen, anvertrauen?

In seiner Gegenwart beschleunigt sich ihr Herzschlag, aber auch bei einem Treffen mit ihrem Verlobten Shane knistert es zwischen den beiden, die sich eigentlich nicht einmal leiden können.

Leseprobe:
Sie warteten ruhig ab, keiner sprach, kein Pferd bewegte einen Muskel. Da flackerte der Schein einer Fackel im Wald auf der anderen Seite auf.
Wolf gab den leisen Befehl:
»Steigt auf, es ist so weit! Wir reiten in schnellem Schritt, kein Trab, kein Galopp; das hören die Wölfe sofort. Aber ich sage euch ehrlich: Ich glaube nicht, dass sie dreizehn Pferde im Schritt überhören werden. Wenn ich es sage, müsst ihr sofort in voller Geschwindigkeit bis in den Wald hineinreiten. Bei der Fackel beginnt ein Weg, auf welchem ihr runterbremsen könnt, dort passen zwei Pferde nebeneinander. Bereit?«
Einer nach dem anderen erhob die Hand, und Wolf schwang sich hinter Nell in den Sattel und übernahm die Zügel.
»Lockerbleiben, Drake, lockerbleiben«, mahnte er leise.
Sie reihten sich, wie von Wolf befohlen, auf und ritten los.
Wolf und Nell waren ganz hinten.
Nell blickte ebenso wie Wolf immer wieder nach links zurück, hinüber zum Wald der Eiswölfe.
Sie sah nur Dunkelheit und sie hatten die Hälfte der Strecke bereits hinter sich gebracht. Dann erkannte sie kleine rote Lichter, die sich rasch näherten: Die Augen der Eiswölfe!
»Wolf, sie kommen!«, brachte sie mit Mühe heraus.
»Ja, ich sehe sie. Ganz ruhig und die Knie ans Pferd, Drake! Leute, reitet wie der Teufel, die Wölfe kommen!«
Er hatte seinen Schrei noch nicht beendet, da brachen die Wölfe aus dem Wald und Nell holte tief Luft.
Waren das riesige Biester! Die Augen glühten und sie näherten sich mit durchdringendem Geheul in hohem Tempo.
Sie zwang sich nach vorne zu sehen, als Wolf das Pferd zu einem rasenden Galopp antrieb. So schnell war Nell noch nie geritten, ihre Augen tränten vom Wind und die Muskeln des Pferdes bebten unter ihren Knien.
Wie eine große schwarze Wolke jagten sie dahin in Richtung des rettenden Waldes von Boscano.
Die Eiswölfe fielen zurück und bevor sie den Wald erreichten, drosselten die Schwarzen Reiter das Tempo, schossen aber dennoch in den Waldweg hinein.
Hier mussten sie die Tiere sehr schnell abbremsen und sahen sich nach ihrem Halt etwa zwanzig Bogenschützen mit gespannten Bögen gegenüber.
Wolf und Nell hatten noch fünfzig Meter vor sich, da blickte Nell zurück und sah, dass sich die Wölfe zurückzogen.
Wolf ließ das Pferd in einen ruhigen Trab fallen und sie hatten beinahe den Waldrand erreicht, als ihnen mit einem Satz ein Eiswolf in den Weg sprang. Wo war er plötzlich hergekommen?
Geduckt, mit fletschenden Zähnen stand er sprungbereit zwischen ihnen und dem sicheren Unterschlupf.
Wolf fluchte, sprang ab und zog sein Schwert. Er rief ihr zu: »Reite in den Wald, treib ihn an, los mach schon!«
Nell war unschlüssig. Sie sah, wie die anderen Wölfe kehrtmachten und zurück auf sie zuliefen.
Wolf versetzte dem Pferd einen Schlag, so dass es in Richtung Wald sprang und Nell konnte es gerade noch unter Kontrolle bekommen.
Da liefen ihr zwei Bogenschützen entgegen und riefen ebenso: »Reite weiter! Wir übernehmen das, wir helfen ihm!«
Nell ritt in den Weg hinein und wendete sofort das Pferd, um sehen zu können, was mit Wolf geschah.
Der Eiswolf sprang gerade ab, um sich auf Wolf zu stürzen, als dieser mit seinem gestreckten Schwert das riesige Tier in die Brust stieß. Das Raubtier fiel mit einem abgehackten Jaulen zu Boden, zuckte kurz und blieb leblos liegen.
Die beiden Bogenschützen hatten sich neben Wolf postiert und schossen ihre Pfeile treffsicher auf die herannahenden Eiswölfe ab. Einer nach dem anderen ging zu Boden, der letzte drehte ab und lief unverletzt Richtung Wald davon. Wolf fluchte. Die Bogenschützen lachten und der eine schlug Wolf auf die Schulter.
»Na komm, Freund, lass den einen sausen. Das war doch ein guter Schnitt.«
Wolf schüttelte den Kopf.
»Er wird zu Shahatego laufen und es melden.«
»Können die Viecher sprechen?«, fragte der zweite Bogenschütze spöttisch. Wolf seufzte.
»Hört sich verrückt an, aber ich weiß, dass sie ihm Mitteilungen bringen können. Ich muss eine Taube nach Maroc schicken. Vielleicht kann ihn mein Bruder abfangen, wenn er vorbeikommt.«
»Kann er diesen Wolf von anderen unterscheiden?«
»Ja, unsere Wölfe wagen sich aus gutem Grund nicht auf die Ebene. Und dort muss er vorbei, wenn er auf diesem Weg über die Furt zum Eiskönig will.«
Die beiden sahen ihn abschätzend an.
»Dann komm erst einmal weiter. Deine Taube kannst du in fünf Minuten auch noch schicken, sie ist weitaus schneller als der Wolf!«
Wolf nickte und folgte den beiden Bogenschützen auf dem Weg hinein in den Wald.
Nell stand ganz vorne auf dem Weg, das Pferd am Zügel und Wolf konnte sehen, wie die Hand, die den Zügel hielt, zitterte.
»Alles in Ordnung?«, fragte sie leise.
Er nickte und wandte sich den beiden Männern zu.
»Einen kleinen Moment, wir folgen euch gleich.«
Die beiden nickten und gingen auf die Schwarzen Reiter und ihre Freunde zu. Nell sah Wolf mit großen Augen an, als er sagte: »Es ist Zeit, die Tücher abzunehmen und mir ist lieber, die Boscaner sehen deine Reaktion an deinem Gesicht nicht, wenn ich es tue!«
Nell schluckte. Ihre Kehle war wie ausgedörrt.
Was meinte er damit? Sah er so furchterregend aus?

Im Kindle-Shop: Rebellen (Die Traumwandlerin-Saga 1).
Beim Verlag: EyeDoo Publishing
Mehr über und von Ainoah Jace auf ihrer Website.



12. Mai 2018

'Der Tod wird dich vermissen' von Mark Franley

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Es ist sein Keller und es sind seine Regeln. Füge dich oder sie wird leiden.

Jacob lebt in seiner eigenen verstörenden Welt, unauffällig und unbemerkt. Doch einmal im Jahr holt er sich zurück, was ihm genommen wurde.

Als ihm bewusst wird, dass er mit Kommissarin Sabrina Faust eine schlechte Wahl getroffen hat, macht er das Beste daraus – er verwertet sie. Im Glauben, nun seinen eigentlichen Plan durchführen zu können, hat er die Rechnung ohne Sabrinas frühere Kollegen gemacht. Während der Ermittlungen wird eine weitere Frau als vermisst gemeldet. Nun wird klar, es geht um mehr, als nur um den Ruf der Kommissarin.

Halten die alten, aber schwer belasteten Freundschaften diesem Druck stand?

Leseprobe:
Kai war nicht unbedingt ihr Typ, und sie hatte nicht vor, ihm wirklich näherzukommen. Es war schlicht und einfach schön, endlich jemanden kennenzulernen, dem es so ging wie ihr selbst. Frisch getrennt bestand die Welt gleichermaßen aus alten, schmerzhaften Erinnerungen und der Hoffnung auf neue Erfahrungen.
Sie redeten, tranken und beschlossen irgendwann, das Hotel gegen eine der kleinen Bars einzutauschen. Es war eine traumhaft warme Sommernacht, und der Anblick des im Mondlicht glitzernden Meeres erzeugte ein Gefühl der Freiheit. Beschwingt schlenderten sie die Uferpromenade entlang. Bald setzten sie sich in eine Strandbar und redeten über Gott und die Welt. Unschlüssig, was sie danach tun sollten, wurden sie wenig später von rhythmischer Musik in eine kleine Disco gelockt. Nach ein paar weiteren Drinks schaffte es Sabrina, endlich einmal wieder aus sich herauszugehen.

Kai übertrieb nichts, und doch schmolz die anfängliche Distanz zwischen ihnen unmerklich dahin. Aus flüchtigen Berührungen wurde ein Flirt, und aus dem Flirt erwachte eine neue Lebenslust. Wie in Trance folgten sie den Klängen der Musik, die den emotionalen Stau der letzten Wochen in Luft auflöste.
Vom Alkohol beschwingt half Sabrina ihrer Urlaubsbekanntschaft dabei, die schüchterne Zurückhaltung aufzugeben. Ein kleiner Tanzschritt nach hinten genügte, um seinen Körper an ihrem Rücken zu spüren. Kai nahm die Aufforderung an, legte seine Hände an ihre Hüften und stellte sich auf ihren Takt ein. Die bewusste Berührung mit den Händen stellte eine neue Stufe der Intimität her. Was bis jetzt nur flüchtig erschien, wurde zu einem Gefühl der Verbundenheit und der Lust auf mehr. Sabrina spürte die Hitze seines Körpers, der sich nun dicht an sie drängte. Im Rausch der Bässe und des Lichts wurde die Umgebung unwichtig. Für einen langen Augenblick gab es nur noch diese beiden Körper mit dem unbedingten Wunsch, sich noch näher zu kommen.

Der lang gezogene Schrei einer Seemöwe kündigte den Morgen an, denn nur um diese Zeit stiegen die Vögel bis zu den kargen Gipfeln unweit der Küste hinauf. Sabrina versuchte, an den süßen Erinnerungen festzuhalten, doch der Traum ging, und damit erwachte das Grauen. Ihr trockener Mund zeugte von zu viel Alkohol und der steife Rücken von einer unbequemen Schlafstätte.
Sie versuchte, sich an den Ausgang des Abends zu erinnern, doch irgendetwas schien ihre Gedanken zu blockieren. Ihr Hirn arbeitete quälend langsam. Mühsam folgte eine Erinnerung der nächsten, und selbst das Erwachen schien sich Zeit zu nehmen.
Im ersten Moment schob sie ihre Bewegungsunfähigkeit auf diesen Zustand der Lethargie, bis sie endlich die Augen aufschlug und plötzlich überhaupt nichts mehr verstand. Dass sie sich in einem Auto befand, war dabei noch die harmloseste Feststellung. Warum direkt über ihrem Gesicht eine kleine Kamera sowie ein durchsichtiger Plastikschlauch hingen, konnte sie sich dagegen erst erklären, als sie versuchte, ihre Hände zu bewegen. Die Handschellen gewährten ihr nur wenige Zentimeter Bewegungsspielraum und klimperten bei jeder Bewegung. Eine Hand links oben neben ihrem Kopf, die andere rechts, lag sie da, wie Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Sie versuchte, ihre Beine anzuziehen, doch im Grunde ahnte sie es bereits: Die Fesseln ließen eine leichte Drehung ihres Körpers zu, mehr aber auch nicht.
Sie spürte die aufkeimende Panik, die schließlich ihr Nervensystem erreichte. Angst, Beklemmung und das Gefühl völliger Hilflosigkeit vermischten sich zu einem gefährlichen Cocktail. Ihr Puls begann zu rasen, und gleichzeitig verweigerten ihre Lungen, das Blut mit genügend Sauerstoff anzureichern. Schwindel und Weinkrämpfe brachten sie an den Rand einer erneuten Ohnmacht. Ihre Arme und Beine rissen und zerrten an den Fesseln, doch die Gepäcksicherungsösen des Autos hielten diesen Kräften mühelos stand.
Der Anfall endete mit einem kraftlosen Schrei und dem kurzen Aussetzen ihres Verstandes. Sekunden vergingen, reihten sich zu Minuten, in denen sie versuchte, eine Erklärung zu finden.
Was war geschehen, was war heute Nacht nur passiert, sie wusste es einfach nicht.
»Alles gut … Ich lebe, also ist alles gut«, flüsterte sie irgendwann leise in die Stille ihres Gefängnisses. Nach der dritten Wiederholung dieses Satzes öffnete sie erneut die Augen und versuchte, ihre Situation analytisch anzugehen. Sie war nicht irgendwer, sie war Polizistin und hatte gelernt, mit Stress umzugehen. Das redete sie sich so lange ein, bis es tatsächlich wirkte.

Sabrina atmete so ruhig wie möglich und erfasste zunächst das, was sie aus dieser Position erkennen konnte. Sie blickte auf das Dach eines Autos, der Größe nach vermutlich eine Art Minibus oder Transporter, denn für einen Kombi war das Dach zu hoch. Die Deckenverkleidung war schmutzig und wies einige Kratzspuren auf. Direkt über ihrem Kopf hing ein durchsichtiger Schlauch von der Decke, den sie eventuell mit dem Mund erreichen konnte. Dreißig Zentimeter weiter zum Heck hin, in Höhe ihrer nackten Brust, klebte ein Kameraauge, dessen Linse auf ihren Kopf gerichtet war. Die Innenraumbeleuchtung war ausgeschaltet und das Fenster auf der linken Seite einen kleinen Spalt weit geöffnet. Das Licht, das von außen hereinschien, wurde immer heller und war natürlichen Ursprungs, folglich stand der Wagen im Freien. Nun drehte sie den Kopf in Richtung des offenen Fensters und glaubte, einen kühlen Luftstrom wahrzunehmen, der ein wenig nach Lavendel roch.

Die Welt hinter der Scheibe war wenig aufschlussreich. Da waren die obersten Zweige eines dieser dürren Bäume, wie es sie hier in Südspanien überall gab. Dahinter das milchige Blau des Himmels, das den Beginn eines neuen Tages ankündigte.
Das Geräusch kam so unvermittelt, dass Sabrina einen leisen Schrei ausstieß. Steif vor Angst lag sie einfach nur da, hielt den Atem an und lauschte. Klack, klack, es schien direkt über ihr zu sein. Nach einem kurzen Augenblick der Stille, dieser absoluten Stille, ertönte es wieder, dieses leise Klack-klack-klack.
»Wer ist da?«, fragte sie leise und mit kehliger Stimme.
Keine Antwort.
»Hallo?«, fragte sie in Richtung des offenen Fensters und fügte hinzu: »Bitte, ich brauche Ihre Hilfe.«
Nichts geschah.
Das plötzliche Kreischen. ging ihr durch Mark und Bein. In einem neuen Anfall von Panik schnitten sich die Handschellen noch tiefer in ihre Haut. Verzweifelt brüllte sie: »Nein, nein, nein … Hören Sie auf damit!« Dann sah sie den Grund für die Geräusche und brach in Tränen aus.
Die Seemöwe stieß sich ab, breitete ihre großen weißen Schwingen aus und erhob sich anmutig und frei in die Luft. Dort drehte sie noch eine Runde über dem Baum und verschwand schließlich aus ihrem Blickfeld. Sabrina blieb alleine zurück, und das Gefühl absoluter Einsamkeit durchströmte sie wie eiskaltes Wasser.

Im Kindle-Shop: Der Tod wird dich vermissen.
Mehr über und von Mark Franley auf seiner Website.