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20. April 2018

'Wild Guys. The Boss' von L. C. Silver

Kindle (unlimited)
Verspiele nie dein Herz in Sin City - das Casino gewinnt immer

Die junge FBI-Agentin Savannah wird in Las Vegas eingeschleust, um die Wild Guys zu entlarven. Doch sie folgt einem eigenen Plan, von dem niemand wissen darf. Als sie dem Boss begegnet, ändern sich die Regeln des Spiels. Bereits bei ihrer ersten Begegnung kann sie seiner Anziehungskraft nicht widerstehen. Aber darf sie sich auf die Liebe einlassen, wenn sie weiß, dass sie ihn verraten wird?

Zachary ist der geheimnisumwitterte Boss eines Casinos, der sein Leben genießt. Der sexy Womanizer steht auf Abenteuer mit den Wild Guys, unverbindlichem Sex mit heißen Frauen und einen Job, der ihn fordert. Als Savannah als Dealer in seinem Casino anfängt, ändert das sein Leben von einem Tag auf den anderen. Warum geht sie ihm dermaßen unter die Haut, obwohl er der Liebe abgeschworen hat?

Ein mitreißender Liebesroman, der in Las Vegas spielt und explizit beschriebene Liebesszenen enthält - für kurze Zeit zum Einführungspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Savannah
Die Interstate 15 zieht sich lang und gerade vor mir dahin. Nur noch wenige Meilen und ich werde Las Vegas erreichen. Sin City, die Stadt der Sünden – für Millionen Menschen ist die Stadt jedes Jahr der Ort, an dem sie ihre Träume verwirklichen wollen. Mir beschert Vegas nach all der Zeit immer noch Albträume.
Gestern Abend bin ich in Los Angeles angekommen, habe mir dort die Schrottkarre gekauft, die zu meiner neuen Identität passt.
Summer Wolfe, Highschool abgebrochen, Gelegenheitsjobs, immer kurz vor der Pleite, immer auf der Suche nach der großen Chance, die sie aus ihrem Elend herausholt. Falls irgendjemand nach mir suchen sollte, bin ich im System erfasst.
Ein paar kleinere Konflikte mit dem Gesetz: Ladendiebstahl, Gelegenheitsprostitution, Drogen. Nichts wirklich Gefährliches, das die Wild Guys davon abhalten könnte, sich mit mir abzugeben, aber genug, um deutlich zu machen, dass ich eher der dunklen Seite zugeneigt bin.
Für den Mugshot, das Polizeifoto, haben sie mich bleich geschminkt, die Haare waren strähnig und ich habe mich beinahe selbst nicht erkannt. Aber so wirkt es echt. Niemand sieht auf einem Mugshot gut aus. Okay, fast niemand. Jeremy Meeks hat uns allen das Gegenteil bewiesen. Heute ist er Model, glaube ich. Alles nur, weil Polizeifotos öffentlich zugänglich sind.
Je näher ich Vegas komme, desto heißer wird es. Meine Tarnidentität hat kein Geld und mein Auto keine Klimaanlage. Also fahre ich rechts ran und kurbele alle Fenster herunter. Der Fahrtwind bringt ein bisschen Erleichterung. Dann stelle ich das Radio an und suche einen Sender, der Musik spielt, die Summer hören würde. Erst bleibe ich bei Country hängen, aber nein, dafür ist Summer zu jung und cool. Also suche ich nach einer Station, die Pop spielt.
Endlich werde ich fündig und drehe voll auf, als Taylor Swift »Shake it off« singt. Aus vollem Hals gröle ich mit und schüttele mit jeder Meile, die ich zurücklege, mehr von Savannah Frost ab. Selbst mein Akzent klingt jetzt mehr nach Kalifornien als nach Ostküste.
Ein Straßenschild informiert mich, dass ich die Grenze von Nevada erreicht habe. Ein letztes Mal atme ich tief durch. Ja, ich will das durchziehen, auch wenn ich mir manchmal wünsche, alles vergessen und hinter mir lassen zu können.
Um mich abzulenken, singe ich wieder die Songs mit, die mein Radio spielt und bin überrascht, von wie vielen ich den Text kenne. Summer und Savannah haben wohl mehr gemeinsam, als ich dachte.
Ein weiteres Schild weist mich darauf hin, dass gleich die Seven Magic Mountains auftauchen. Riesige bunte Steintürme, eine Kunstinstallation mitten in der Wüste. Savannah würde anhalten, um sie sich anzusehen. Und Summer?
Ich beschließe, dass Summer noch ein paar Fotos auf ihrem Handy brauchen kann und fahre rechts ran. Anscheinend bin ich nicht die Einzige, die sich für die Skulptur interessiert. Sie ist auch wirklich beeindruckend, etwa 30 Fuß hohe Steinblöcke in schreiend bunten Farben, mitten im Nirgendwo. Nur Wüste, niedrige Büsche und im Hintergrund die Berge.
»Wow«, quietscht Summer und schießt ein Selfie nach dem nächsten. Dann scrollt sie durch ihre Fotos. Alles Bilder von jungen, hübschen Frauen, die Party machen und ihr Leben genießen. Die meisten der Fotos sind in den vergangenen fünf Tagen in Quantico entstanden und von den IT-Jungs mit unterschiedlichen Daten versehen worden. Beeindruckend, was alles zu einer neuen Identität dazugehört.
Mit der Hand wische ich mir Schweiß von der Stirn. Vielleicht wäre es klüger gewesen, nicht ausgerechnet im Juni nach Las Vegas zu fahren. Die trockene Wüstenhitze ist nichts für mich, ich bin ein Mensch für mittleres Wetter. Hoffentlich habe ich die Mission abgeschlossen, bevor die Temperaturen hier explodieren.
Verdammt! Ich hätte in eine Klimaanlage investieren sollen. Zum Glück sind es nicht einmal mehr zehn Meilen bis Las Vegas, ein paar mehr bis nach North Las Vegas, wo ich ein extrem billiges Apartment in einem extrem gesichtslosen Haus gemietet habe.
Mein Herzschlag wird schneller, als ich die unverkennbare Silhouette von Sin City erkenne. Ich verlasse den breiten Las Vegas Freeway und biege ab auf den Las Vegas Boulevard, weil ich mich von meiner Kollegin Lizzie dazu habe breitschlagen lassen.
Welcome to Fabulous Las Vegas – ich steuere auf den Parkplatz vor dem Schild, das sicher zu den meistfotografierten der Welt gehört. Dort stehen bereits zwei Busse und einige Autos, aus denen Menschen strömen, die das Schild fotografieren. Geduldig warte ich, bis ich an der Reihe bin. Fünf Bilder, vier Selfies, langsam füllt sich Summers Fotoalbum.
Obwohl es mir die Kehle zusammenschnürt, in dieser Stadt zu sein, kann ich mich ihrer Faszination nicht entziehen, dem Neonlicht, dem Glitzer, den unglaublichen Hotels. Alles hier ist künstlich, extrem, überdimensional – und hat trotzdem irgendwie Charme. Wie werde ich wohl in ein paar Wochen über die Stadt denken?
Immer wieder fahre ich rechts ran, um Bilder zu machen. Von den Palmen, die hier mitten auf dem Boulevard wachsen, von der unglaublich riesigen schwarzen Pyramide des Luxors, die für mich aussieht, als wären Außerirdische hier gelandet. Ein im Vergleich zur Pyramide nahezu winziger Obelisk steht direkt an der Straße, den Namenszug Luxor auf seiner Seite. Dahinter hockt die gewaltige Sphinx. Ich weiß nicht, ob ich staunen oder lachen soll angesichts dieses unglaublichen Bauwerks.
Doch es kommt noch besser: Bald folgen das Excalibur, Las Vegas‘ Vorstellung davon, wie das Rittertum ausgesehen hat, und New York, New York. Nachdem ich Dutzende von Fotos geschossen habe, beschließe ich, dass es damit für heute genug ist. Ich werde bestimmt noch Zeit finden, die Sehenswürdigkeiten zu knipsen, nur um die Kollegen damit zu ärgern.
Als ich an der billigen Wohnung angekommen bin, bin ich durchgeschwitzt. Ich wusste, dass Vegas im Juni heiß ist, aber das hier ist lächerlich. Als ich meine Kartons aus dem Kofferraum hebe, kommt ein Windhauch auf, der mir heiß ins Gesicht schlägt und die Haare durcheinanderwirbelt. Ich brauche unbedingt eine Klimaanlage, oder muss mich an diese unglaublichen Temperaturen gewöhnen. Noch weniger kann ich kaum anziehen.
Für jemanden wie mich, der an der Ostküste geboren und aufgewachsen ist, ist diese Stadt wie ein permanenter Fön ins Gesicht. Ich komme aus dem Teil des Landes, wo die Temperaturen sich im normalen Bereich bewegen. Hier ist alles überdimensional: die Hotels, die Casinos, das Klima. Selbst die Straßen sind gewaltig, gesäumt von Palmen, meterhohen Bäumen, die exotisch und wild wirken. Werde ich dem allen hier wirklich gewachsen sein?
Nur einen Moment lasse ich die Schwäche zu, dann erinnere ich mich wieder daran, warum ich unbedingt diesen Job wollte, warum mein ganzes Leben seit damals auf diesen Punkt zugelaufen ist. Ich werde hier klarkommen, ich werde meinen Plan in die Tat umsetzen und danach endlich frei sein.

Im Kindle-Shop: Wild Guys. The Boss.
Mehr über und von L. C. Silver auf ihrer Facebook-Seite.



19. April 2018

'15 Tage' von Rosemarie Benke-Bursian

Kindle Edition | Amazon | Thalia
Dieser Krimi entstand unter Mitwirkung der Coautoren Jonas Höbenreich und Veronika Otto.

Der fast sechzehnjährige Leo Förster aus Tutzing ist verschwunden. Aus heiterem Himmel. Einfach weg.

Was ist geschehen? Ist er weggelaufen? Ist ihm etwas zugestoßen? Sagt sein Freund David die Wahrheit oder verschweigt er etwas? Und wer ist diese geheimnisvolle Person, mit der Leo sich angeblich vor seinem Verschwinden getroffen hat? Gibt es sie überhaupt?

Immer wieder stecken die Polizistin Abby und der Hauptkommissar Georg hoffnungslos fest. Je mehr sie über Leo erfahren, umso rätselhafter erscheint sein Verschwinden. Da meldet sich ein weiterer Zeuge …

Zwei Wochen spannungsgeladener Suche halten die Ermittler in Atem, bis schließlich an Tag 15 auch das letzte aller Rätsel gelöst ist.

Leseprobe:
Frau Förster stürmte so aufgewühlt in das Starnberger Polizeirevier, dass sie das Schiebefenster im Vorraum vollkommen übersah. Erst die Tür zum eigentlichen Eingangsbereich stoppte ihren Lauf. Die zwei Beamten hinter dem Tresen blickten sie fragend an. Der jüngere der beiden kam zum Schalter und schob das kleine Fenster auf. »Wie können wir Ihnen helfen?«
»Mein Sohn ist weg! Sie müssen ihn bitte sofort suchen!«
Der Beamte betätigte den Türöffner und ließ Frau Förster in das Vorzimmer eintreten. »Was meinen Sie denn mit weg?«, fragte er.
»Weg halt. Verschwunden! Nicht im Bett.«
»Beruhigen Sie sich erst mal, gute Frau. Und dann erzählen Sie der Reihe nach, was passiert ist«, mischte sich nun der ältere Polizist ein.
»Leo wollte sich gestern Abend mit seinem Freund David treffen und ist nicht mehr nach Hause gekommen. Sein Bett war unberührt.«
»Wie alt ist denn Leo?« Der jüngere Beamte hatte einen Telefonhörer in die Hand genommen.
»Fünfzehn. Wie David.« Sie machte eine kurze Pause. »Nächsten Monat wird er sechzehn.«
Der Polizist legte den Hörer aus der Hand. »Fünfzehn? Kann es nicht sein, dass er einfach bei David übernachtet hat?«
»Da habe ich natürlich zuerst angerufen. Da ist er nicht. David hat keine Ahnung. Leo ist gar nicht zum Treffen gekommen.«
Der Beamte schien einen kurzen Moment zu überlegen: »Haben Sie schon im Krankenhaus angerufen? Vielleicht hatte er einen Unfall?«
»Ja, beim Tutzinger Krankenhaus. Aber da ist er nicht.«
»Dann starte ich mal kurz einen Rundruf in die umliegenden Kliniken, um sicherzustellen, dass er nicht dort irgendwo eingeliefert wurde. Wie ist ihr Familienname?«
»Förster. Aber ich kann mir nicht denken, dass Leo aus Tutzing raus ist. Nicht freiwillig.«
»Verstehe«, sagte der Beamte und hackte heftig auf die Computertastatur ein, »trotzdem kann er in einem anderen Krankenhaus liegen. Hier im Landkreis sind die Betten ja schnell gefüllt, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert. Dann bringt ein Rettungswagen ihren Jungen notfalls sogar nach Murnau oder München.« Der Beamte schaute Frau Förster freundlich an. »Die Jungs fahren so lang, bis sie eine Klinik gefunden haben.«
»Natürlich.« Leos Mutter schaute mit flackerndem Blick zum Computer, dessen Bildschirm für sie nicht einsehbar war. Unschlüssig senkte sie den Kopf. »Und wie lange dauert das? Bis Sie Bescheid wissen, meine ich?«, fragte sie schließlich.
»Da können wir jetzt drauf warten. Bei einer polizeilichen Anfrage reagieren die sofort.«
Frau Förster fixierte ihre Fingernägel, an denen sie herumzupfte.
Der Polizist schaute auf den Bildschirm. Offensichtlich trafen schon die ersten Antworten ein. »Nein, in einem der abgefragten Krankenhäuser liegt er nicht«, sagte er schließlich und griff abermals zum Hörer: »Ich rufe Ihnen jetzt mal meine Kollegin Smith. Bei der können Sie eine Vermisstenanzeige aufgeben.«
Die herbeigerufene Kollegin stellte sich als Abbygail Smith vor und reichte Leos Mutter die Hand.
»Förster«, sagte diese und folgte der Polizistin in einen kleinen kahlen Raum mit einem Tisch und zwei Stühlen.
»Setzten’S sich«, sagte Frau Smith und legte eine schwarze Mappe und einen Laptop auf den Tisch. »Möchten’S ein Glasl Wasser oder einen Kaffee?«
Frau Förster schüttelte den Kopf. »Nein, nein. Suchen Sie lieber meinen Sohn.«
»Jetzt nehm ich erst mal eine Vermisstenanzeige auf und dafür bräucht ich von Ihnen ein paar Angaben.«
Während die Polizistin alle Daten zu Leo und seinem Verschwinden aufnahm und fragte, ob er noch bei anderen Freunden sein könnte, ob es Ärger in der Schule oder zu Hause gab, oder ob er schon öfter über Nacht fortgeblieben war, wurde Leos Mutter zusehends ungeduldiger. »Nein, nein. Er ist noch nie einfach fortgeblieben. Ihm ist bestimmt was passiert!« »Wann ham’S ihn denn zuletzt gsehn oder gsprochn?«
»Warten Sie mal. Das war …« Frau Förster legte eine Hand aufden Mund. »Das war so gegen vier Uhr, glaube ich. Oder war es doch schon fünf? Ich hatte noch ein bisschen Kuchen übrig, aber den wollte er nicht. Wollte sich mit seinem Freund David treffen.« Frau Förster schlug sich erneut die Hand vor den Mund. »Ist fort, ohne noch mal was zu essen. Bitte fangen Sie doch mit der Suche an!«, flehte sie und ihre Augen wurden wässrig.
»Bleibn’S ruhig. Fast alle verschwundenen Kinder und Jugendlichen tauchen innerhalb von vierazwanzg Stunden wieder auf.«
»Aber … aber so lange können Sie doch nicht warten!« Frau Förster schnappte nach Luft, erhob sich ein Stück vom Stuhl, um sich zu Frau Smith hinüberzubeugen, ihre Stimme überschlug sich.
»Natürlich warten wir net so lang, auch wenn viele Leut glauben, die Polizei würd erst nach vierazwanzg Stunden anfangen zum suchen. Des ist natürlich ein Schmarrn. Unsre Suche richtet sich nach der möglichen Gfahr und den Hinweisen. Bei kleinen Kindern suchen wir immer. Sofort«, sagte Frau Smith, mit Betonung der beiden Wörter immer und sofort. »Bei Erwachsenen suchen wir dagegen oft gar net. Die haben nämlich die Freiheit, einfach zu verschwinden.«
»Leo ist aber nicht erwachsen!« Frau Förster hatte sich wieder gesetzt, kramte in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch und tupfte sich die Augenwinkel.
»Na, aber der ist fast sechzehn. Bei Jugendlichen müssen wir abwägen. Die überschreiten gern Grenzen. Ist ja auch net verkehrt, die müssen sich ausprobiern.«
»Leo würde niemals freiwillig von zu Hause wegbleiben! Niemals!« Frau Förster legte beide Hände vor sich auf den Tisch und lehnte sich erneut weit zu der Polizistin hinüber.
»Ihr Junge wird bstimmt bald wieder zurückkommen«, versuchte diese zu beschwichtigen. »Natürlich darf der sich net einfach aufhalten, wo er möcht. Ich nehm Ihre Sorge schon ernst. Er hat doch sicher ein Handy dab…«
»Da geht immer nur die Mailbox ran. Und das ist auch ganz ungewöhnlich.«
»Na ja, möglicherweise ist ja nur der Akku leer, das hat ja nix zum sagen. Wir werden jetzt auf jeden Fall eine Handyortung und eine Fahndung veranlassen. Dafür bräucht ich aber auch noch ein Foto. Ham’S zufällig eins dabei? Möglichst aktuell?«
Frau Förster stutzte. Dann griff sie in ihre noch geöffnete Handtasche. »Ich habe ein paar Bilder von unserem letzten Ausflug aufs Hörnle in meiner Tasche. Das war zwar im Herbst, Leo hat sich aber seitdem kaum verändert.«
»Zeign’S mal. Wir bräuchten natürlich eins, worauf man den Leo gut erkennt.«
Frau Förster reichte Abbygail Smith die Fotos über den Tisch.
»Ach, des ist gut. Können wir des nutzen?«
»Ja, ja! Nehmen Sie nur. Alles, was Sie brauchen. Hauptsache Sie finden Leo.«
»Ich werd mich jetzt mit meinen Kollegen besprechen.« Frau Smith legte das Foto in die schwarze Mappe und verließ den Raum. »Warten’S einen Moment, ich hol schnell das Protokoll aus dem Drucker.«
Während Frau Förster wartete, nahm sie die restlichen Fotos in die Hand. Von einem strahlte ihr Leo fröhlich entgegen. Rasch verstaute sie das Bild, Leos Lachen war mehr als sie in dieser Situation ertragen konnte. Beinahe dankbar registrierte sie, dass die Polizistin zurückkam.
»Gehen’S am besten erst mal nach Haus«, sagte diese aufmunternd lächelnd, als Frau Förster zu ihr aufsah. »Vielleicht ist der Leo ja schon wieder daheim.«

Im Kindle-Shop: 15 Tage - Krimi.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Rosemarie Benke-Bursian auf ihrer Website.



18. April 2018

'Filins Reise: Der böse Blick' von Siiri Saunders

Kindle (unlimited)
Filin hat getötet - schon wieder!
Der Feenelf flieht aus dem Königshaus, das niemals seine Heimat wurde.

Auf seiner Reise in die Einsamkeit trifft er auf einen Marienkäfer und ein Menschenmädchen - die beide nicht in seiner Welt sein dürften! Anstatt sie und den auffälligen Käfer sofort zu verlassen, verirrt er sich in einem Labyrinth aus Lügen, Mitgefühl, Betrug und gefährlicher Liebe!

Seine Welt zwingt ihn bald zur Wahl: Liebt er eine Ausgestoßene, deren Anwesenheit das Ende der Elementewelt bedeutet? Oder akzeptiert der Thronfolger den Untergang seines Volkes?

Der Auftakt zu einem Fantasy-Dreiteiler für Jugendliche und junge Erwachsene. Eine Reise in eine Welt, in der der Mond rosa scheint und die Welten eng miteinander verknüpft sind. Zu eng.

Leseprobe:
»Du kannst nicht vor deinen Problemen weglaufen, Amélie! Wenn ich dich noch einmal einfangen muss, binde ich dich an mich. Ob dir das gefällt?« Filín gluckste spöttisch. Als sie nicht reagierte, schaute er nach ihr. Eingelullt in Fichtenzweige und Blätter, fixierte sie die Dunkelheit.
»Bist du eingeschlafen?«
»Nein, nein.« Sie schniefte. »Ich dachte an meinen Daddy. Ich vermisse ihn sehr.«
»Wen?«
»Mein Vater. Also der, der mich gemacht hat. Mein …«
»Schon gut, schon gut. Ich habe es verstanden.«
»Ich frage mich, wie mein Dad zurechtkommt. Ohne mich. Ob er regelmäßig isst und auch mal spaziert.«
»Müsst ihr eure Eltern beaufsichtigen?«
Amélie grinste. »Nein. Mein Dad ist … Vergesslich.«
»Aha. Und du glaubst, er hat dich vergessen, weil du ihm nichts zu essen gibst?«
Das Lagerfeuer knisterte. Filín schaute vom Sternenhimmel in ihr Gesicht. Rosafarben strahlte das Licht sie an.
Sie schmunzelte, schüttelte mit dem Kopf und öffnete den Mund leicht: »Es ist so unnatürlich und doch ... die ganze Welt wirkt nachts warm und freundlich. Einladend, wie eine Bonbonfabrik.«
Das Wasser am Bach plätscherte.
»Wie?« Filín beobachtete Amélie. Sie verrenkte sich den Hals, um einer Hirschkuh beim Trinken zuzusehen. Ihre Hörner funkelten in der Nacht, das Fell schimmerte samtig. Das war auch für Filín ein besonderer Anblick.
»Romantisch. Ich frage mich, wie mein Vater auf mein Verschwinden reagiert hat.«
»Er vermisst dich sicherlich.«
Sie fuhr sich durch das Haar und zappelte mit den Füßen, dabei verschob sie ihr mühsam aufgebautes Lager. Nach einigen Versuchen, es zu richten, stand sie auf und setzte sich zu Filín. Sie starrten eine Weile in das Lagerfeuer. Das trockene Gras raschelte.
Amélie tippte mit dem Fuß. »Hast du eine Freundin?«
Filín fixierte sie.
»Ihr habt mich auch solche Sachen gefragt, also darf ich das jetzt auch.«
»Naja. Es gab da mal ein Katzenmädchen …« Filín stockte. »Ist dir nicht gut? Du bist plötzlich so blass.«
Sie rieb ihre Beine und rückte ihr Shirt zurecht. »Alles bestens.«
»Es ist vorbei. Es war nichts Ernstes. Ich hatte noch nie ... Egal.« Verblüffung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Über seine Frauenwahl? Zu Recht.
»Ich auch nicht«, fügte sie kleinlaut hinzu, hob ein Steinchen vom Boden auf und warf es, sodass es fünf Mal über das Wasser hüpfte.
»Das sind Dinge, die Jungs tun.« Filín lachte etwas zu laut und grinste, als er Amélies trotzige Miene sah.
»Auch Mädchen können jungenhaft sein.«
Sie plauderten über befremdliche Tatsachen und stellten Ähnlichkeiten zwischen den Welten fest.
»Ich verstehe diese Elektrizität oder die Computer und deine Kühlschränke nicht.« Er runzelte die Stirn.
Amélie schmunzelte. »Für mich ist die Idee seltsam, dass ihr eure Wäsche nicht in die Trommel werft und sie sauber rausholt. Oder, dass ihr jagen geht und ein König euch herumkommandiert.«
Das Lagerfeuer fiel knisternd in sich zusammen. Amélie saß nah bei Filín, sie gähnte und ihr entfuhr ein langanhaltendes »aaahh«.
»Psst!«
»Lass uns ein anderes Mal darüber sprechen.« Sie rieb ihre Arme, lächelte keck und legte die dünne Decke über ihren Oberkörper. »Du kannst mich ja beschützen.«
»Du wirst dich umdrehen und bist morgen erfroren.« Er schob ihr ein paar zusätzliche Gigantumblätter unter die Hüfte, deckte ihren Hals mit langen Zweigen ab und zauberte zum Schluss eine wärmende Decke aus seinem Beutel.
Er betrachtete sein Werk zufrieden und kuschelte sich auf seine Lagerstätte.
Das Schnarchen des Marienkäfers hielt ihn wach. Amélie seufzte. Ob er auch sie wachhielt?
»Filín? Filííín!«
Noch bevor er antworten konnte, wuchtete Mick seinen Körper auf die Seite und platschte auf den Bauch.
Filín unterdrückte ein Lachen.
Der Marienkäfer torkelte schlaftrunken zu Amélie.
»Was ist?«
»Irgendetwas brennt in meinem Auge. Es pocht.«
Er brummte und bewegte seine Flügel auf und ab. »Lass mal sehen.« Mit seinem Beinchen stocherte er ihr im Gesicht herum.
»Das ist, als würdest du mich mit einem Streichholz kitzeln.«
Filín krabbelte auf allen vieren zu ihnen. »Was ist los?«
»Ihr Auge brennt.«
Etwas zischte.
»Ich sehe weiße Punkte.« Amélie stockte: »Hier riecht es wie …«
»Verbrannt«, stellte Filín fest.
Sie schnüffelte: »Ja. Irgendetwas brennt hier.«
Filín fragte: »Hast du etwas Komisches gemacht?«
»Wenn rumliegen und versuchen zu schlafen in deiner Welt komisch ist. Dann ja.«
Der Marienkäfer brummte und flatterte aufgeregt. »Was ist das?« Er kehrte den beiden den Rücken. Niemand sprach.
»Nun sagt schon.«
»Dein … Panzer qualmt. Ist das auch etwas, das Marienkäfer hier können?«
»Waaas?« Er drehte sich mehrmals um die eigene Achse, um seinen Rücken zu begutachten.
Filín rief: »Wir müssen hier sofort weg.«
Amélie gähnte. »Ist das einer deiner lustigen Tricks?«
Er zog sie an der Hand hinaus. »Komm schon.«
Mick trabte hinter ihnen her.
Filín lief in Richtung des Wassers. »Das sind Fieberblumen. Die sind gefährlich! Ernsthaft. Wasch deine Augen aus und du, nimm ein Bad.«
»Es ist so kalt …«, murmelte Mick und fächerte mit seinen Flügeln.
»Wascht euch das Gift vom Körper. Sofort!«
Mick watete hinein und kugelte umher. Als er herauskam, schüttelte er sich und breitete die Flügel aus. Dabei erzeugte er ein flirrendes Geräusch.
Filín betrachtete den Schaden: »Das sind klitzekleine Brandflecken.«
Amélie trocknete ihr Gesicht mit ihrem Shirt und drehte sich zu ihm. »Jetzt noch einmal von vorne.« Sie schaute ihn durch das linke Auge an. »Was ist das?«
»Fieberblumen wachsen an Bäumen. Sie hängen mit dem Kopf nach unten und sondern ein Gift ab, das … Alles nicht Insektenmäßige reagiert darauf wie auf ... Ameisenpipi!«
Amélie strahlte: »Das kenne ich.«
»Na, das wäre geklärt.«

Im Kindle-Shop: Filins Reise: Der böse Blick (Teil 1).
Mehr über und von Siiri Saunders auf ihrer Website.



'Fritzi Flitzeflink: Vorlesegeschichten' von Marit Bernson

Kindle Edition | Taschenbuch | Thalia
Tief im Zweiflüssewald in einem Loch hoch oben auf einem Tannenbaum lebt Fritzi Flitzeflink. Was sie für ein Wesen ist, weiß niemand. Sie ist kein Tier, aber auch kein Mensch. Vielleicht ein Kobold?

Sie hat dichtes, wuscheliges Fell und spielt am liebsten den ganzen Tag mit ihren Freunden. Und sie kann zaubern. Oder eigentlich kann sie es nicht, aber sie tut es trotzdem. Sie sprüht dann Funken aus ihren Fingern, gelb, weiß und golden. Doch wenn man diese Funken sieht, sollte man sich schleunigst verdrücken, denn Fritzi zaubert meist nicht das, was sie will.

Zwölf Vorlesegeschichten für Kinder mit 25 Farbillustrationen von Corinna Arauner - für kurze Zeit zum Einführungspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
„Ich habe heute Geburtstag“, sagte Fritzi eines schönen Herbsttages.
„Was, schon wieder?“, fragte Mauli.
Und Mira verdrehte die Augen. „Fritzi, wir haben dir schon hundertmal erklärt, dass man nur einmal im Jahr Geburtstag hat“, sagte sie.
„Ja, aber ich weiß nicht genau, wann meiner ist.“
„Du darfst dir ja gerne einen Tag dafür aussuchen. Aber du kannst ihn nicht ständig ändern. Letztes Jahr hast du viermal Geburtstag gefeiert. Dieses Jahr hast du schon im Frühling gefeiert.“
„Aber an meinem Frühlingsgeburtstag hat es furchtbar geregnet. Wir haben die ganze Zeit in meinem Baumloch gesessen und konnten nichts Lustiges machen.“
Mira seufzte. „Und was war mit Tanzen, Becherdrehen, Nüssewettessen?“
„Ich verspreche, dass ich zum letzten Mal meinen Geburtstag ändere. Von jetzt an habe ich nur noch im Herbst Geburtstag.“
„Ach, lass sie doch!“, sagte Schneck. „Wenn sie verspricht, dass sie von jetzt an den Geburtstag nicht mehr verlegt.“
Mauli stimmte ihm zu. „Ich hätte mal wieder Lust auf eine Geburtstagsfeier.“
„Aber von mir gibt es nur ein kleines Geschenk.“ Mira grinste.
Fritzi hüpfte vor Freude. „Ich gehe nach Hause, und ihr kommt später vorbei zum Feiern. Sagt ihr den anderen auch Bescheid?“ Sie wartete gar keine Antwort ab, sondern drehte sich schnell um und lief nach Hause, um erst mal ihr Baumloch aufzuräumen. Doch Fritzi räumte nicht besonders gerne auf. Deshalb fegte sie alles, was auf dem Boden zerstreut lag unter das Bett. Auf diese Weise verschwand auch gleich der Staub vom Fußboden.
Als sie das geschafft hatte, merkte sie, dass auf dem Tisch und den Stühlen noch Teller, Essensreste und Spielzeug lagen, und sie ärgerte sich. Sie hätte alles vor dem Fegen auf den Boden kippen sollen. Dann seufzte sie und räumte diese Sachen doch noch ordentlich weg. Die Essensreste verstaute sie im Mülleimer. Wenigstens konnte Mira nicht wieder sagen, dass es beim Bett komisch riechen würde.

Im Kindle-Shop: Fritzi Flitzeflink: Vorlesegeschichten.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



17. April 2018

'Brandopfer' von Klaas Kroon

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Unter einer Eisenbahnbrücke an der Ilmenau in Lüneburg verbrennt ein Obdachloser. Für die schockierende Tat gibt es zunächst weder Motiv noch Verdächtige. Da verbrennt am Bahnhof der nächste Obdachlose. Ist es eine Serie?

Kommissarin Marie Gläser und ihr vergesslicher Chef Stephan Weide untersuchen in ihrem zweiten gemeinsamen Fall zwei Morde, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Oder doch? Ihre Ermittlungen führen sie von obskuren Neo-Nazis bis in die feine Lüneburger Gesellschaft und werfen ständig neue Fragen auf.

Leseprobe:
3. Kapitel
Marie hatte ein zwiespältiges Verhältnis zu Menschen, die auf der Straße lebten. Zum einen taten sie ihr leid, klar. Sie fragte sich bei so manchem jungen Punk aber auch, ob der sich nicht ein besseres Leben erarbeiten könnte, wenn er nur wollte.
Früher, als junge Polizistin bei der Streife, hatte sie mehr mit Stadtstreichern zu tun und auch eklige Situationen erlebt. Besonders bizarr fand sie das Verhalten der Rettungsdienste mit den oft völlig betrunkenen Obdachlosen. Einmal musste sie einen, der in einem Einkaufszentrum total weggetreten Leute angegriffen hatte, im Rettungswagen begleiten. Er hatte sich selbst verletzt und blutete. Der Sanitäter ging nicht besonders zimperlich mit seinem Patienten um, als er ihn auf der Trage in den Wagen schob. Und als der alte Mann sich übergeben musste, reagierte der Sanitäter schnell, riss ihm das Hemd auf und drückte ihm den Kopf auf die Brust. Nun ergoss sich die stinkende Brühe auf seinen Bauch. Der Sanitäter schloss die Jacke des Mannes und ließ ihn mit seiner eigenen Kotze auf dem Bauch auf der Trage liegen.
Marie sah ihn entsetzt an, aber er sagte nur: »Glaubst du, ich habe Lust, kurz vor Schichtende die ganze Karre zu putzen? Sollen die sich im Krankenhaus mit dem Dreck herumschlagen.«
Das war lange her und die Begegnungen zwischen dem Zentralen Kriminaldienst, dem Marie inzwischen angehörte, und Lüneburger Stadtstreichern waren selten. Als Täter fielen sie gelegentlich als Ladendiebe und Dauerschwarzfahrer auf. Zu Opfern wurden sie noch seltener.
Marie ging dorthin, wo sie die meisten Obdachlosen am Mittag vermutete, zur ›Chance Salzstraße‹, einer Einrichtung, die sich um die Wohnungslosen in der Umgebung kümmert. Jeden Tag konnten die Menschen hier, mitten in der historischen Lüneburger Altstadt, zwei Stunden lang Kaffee trinken, essen, duschen und sich bei den Sozialarbeitern Rat für alle Lebenslagen holen.
Marie betrat einen großen, hellen Aufenthaltsraum. Neue Möbel, eine gepflegte Küchenzeile mit Tresen. Es sah fast aus wie in einem schicken Szene-Café. Sechs Menschen saßen an den Tischen. Fünf Männer und eine Frau. Nur zwei Männer saßen zusammen, alle anderen schlürften für sich allein schweigend ihren Kaffee oder ihre Suppe. Misstrauisch sahen die Leute Marie an. Noch bevor sie etwas sagen konnte, kam hinter dem Tresen eine schlanke, gepflegte Frau um die sechzig hervor und ging zügig auf Marie zu.
»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte sie und ihr Ton ließ vermuten, dass Menschen, die offensichtlich nicht obdachlos waren, hier mit Vorsicht behandelt wurden. Marie zückte ihren Ausweis.
»Marie Gläser, Kriminalpolizei Lüneburg, wir ermitteln ...«
»Ja, ist mir schon klar, was Sie ermitteln. Haben wir ja alle mitbekommen. Hier finden Sie den Täter nicht. Das sage ich Ihnen gleich. Die Leute zünden sich nicht gegenseitig im Schlaf an.«
»Entschuldigung, ich habe Ihren Namen nicht verstanden «, parierte Marie die unfreundliche Begrüßung.
»Elisabeth Oppermann, ich leite die Einrichtung. Ehrenamtlich. «
»In Ordnung, Frau Oppermann. Wir vermuten hier auch nicht den Täter. Wir wären ja froh, wenn wir schon mal wüssten, um wen es sich bei dem Opfer überhaupt handelt. Haben Sie eine Ahnung?«
»Haben Sie ein Foto?«
»Das würde Ihnen nicht weiterhelfen. Der Tote ist nicht mehr zu erkennen. Einen Ausweis oder Ähnliches haben wir nicht gefunden.«
»Ja, das wird schwierig.«
»Hey«, rief nun einer der Männer aus dem Raum. »Was hat er denn angehabt?«
Marie ging auf den Mann zu. Frau Oppermann schien das nicht zu gefallen. Sie sah es offenbar als ihre Aufgabe an, ihre Gäste zu beschützen.
»Seine Kleidung ist verbrannt. Aber er hatte ein paar Plastiktüten mit Sachen drin.«
»Was denn?«
Marie zögerte, sagte aber dann: »Eine kleine Angel haben wir gefunden, sind aber noch nicht sicher ...«
Der Mann unterbrach sie: »Helmut, der Angler.« Die anderen nickten stumm.
Marie setzte sich zu ihm. Er war sicher nicht über fünfzig, das sagten seine Augen. Aber sein grauer, zotteliger Bart, seine ungepflegten, langen grauen Haare und die faltigen, zitternden Hände ließen ihn älter erscheinen.
»Sind Sie sicher, Herr ...«
»Kurt, einfach Kurt. Ein Herr bin ich schon lange nicht mehr.«
»Okay. Kurt. Helmut heißt er, sagen Sie?«
»Jo. Der hatte immer so ’ne kleine Angel.«
Marie rief Walter an und bat ihn, ein paar Fotos der am Tatort gefundenen Sachen zu schicken.
Kurz darauf brummte ihr Handy ein paar Mal kurz hintereinander. Walter hatte sechs Fotos per WhatsApp geschickt. Sie zeigten die Angel und den Inhalt der Plastiktüten, ausgebreitet auf hellen Tischen in den Räumen der KTU. Eine Jeans, ein paar T-Shirts, eine Wolldecke, zwei Frotteehandtücher. Ein paar Schuhe. Ein kleiner Beutel, daneben der Inhalt: eine Zahnbürste, Zahnpasta, eine Flasche Duschgel, eine rostige Nagelschere. Die Bilder schaffen es, dachte Marie, aus dem Handy heraus modrigen Gestank zu verbreiten. Vielleicht kam der aber auch von dem Mann neben ihr oder dem Kerl vom Nebentisch, der aufgestanden war und sich über Maries Schulter beugte, um die Bilder zu betrachten.
Kurt betrachtete das Foto der Angel und nickte zufrieden: »Ja, so ein Ding hat er gehabt. Hat manchmal sogar was gefangen. So kleine Fische, die hat er dann überm Feuer gegrillt. Hier durfte er die nicht braten.«
Ein anderer Mann zeigte nun mit dem langen, dreckigen Fingernagel seines Zeigefingers auf ein anderes Bild.
»Die Schuhe da. Mach die mal größer.«
Marie gehorchte. Der Mann nahm ihr das Handy aus der Hand und hielt es sich nah vor die Augen.
»Lisa«, rief er, ohne das Bild aus den Augen zu lassen, »gib mal deine Brille.«

Im Kindle-Shop: Brandopfer.
Mehr über und von Klaas Kroon auf seinerWebsite.



16. April 2018

'Ein Diamant macht noch keine Liebe' von Lisa Torberg

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Matthys Vandermeer ist tot – und die Diamantenminen sind ihr Erbe. Ab sofort müssen sie das Familienunternehmen gemeinsam leiten. Ausgerechnet sie beide!

"Wenn meine Liebe für Paps nicht so immens wäre – ich würde die einundfünfzig Prozent eines der bedeutendsten Unternehmen Südafrikas auf der Stelle verkaufen. Denn das Einzige, was ich in meinem zukünftigen Leben absolut nicht vorgesehen habe, ist ein Zusammentreffen mit Christien Vandermeer.“

Als Mitglied der millionenschweren Vandermeer-Dynastie müsste Annalie nicht arbeiten. Doch sie liebt die Diamanten aus den südafrikanischen Minen ihrer Familie – und ihr Job lenkt sie ab. Sie will nie mehr an den schrecklichen Vorfall in ihrer Heimatstadt Johannesburg denken, den Grund, weshalb ihr Vater mit ihr überstürzt nach Antwerpen zog. Und schon gar nicht an den Mann, den sie für immer verloren hat. Aber dann stirbt Paps, und sie hat keine andere Wahl, als seinen letzten Wunsch zu erfüllen und in die alte Heimat zu fliegen. Nach elf Jahren ist eine Begegnung mit dem Adoptivsohn ihrer Tante unausweichlich …

Das Forbes Magazine bringt ihn auf die Titelseite und Christien Vandermeer wird seines Lebens nicht mehr froh. Von Frauen begehrt zu werden ist eine Sache, Stalking eine andere. Priscilla Huntington unterscheidet sich von allen. Sie ist erfrischend und reizt ihn, da sie ihre Unschuld erst in der Hochzeitsnacht verschenken wird. Es fehlen nur noch wenige Wochen bis zur Hochzeit, als die Vergangenheit in Form seiner Cousine Annalie über ihn hereinbricht …

Ein Roman, der vor der spektakulären Kulisse Südafrikas und seiner Diamantenminen spielt, und mit einer Prise Abenteuer und einer Handvoll Geheimnis garniert ist. Für die Lektüre empfiehlt sich eine Packung Taschentücher in Reichweite. Wer Romantik nicht mag, legt das Buch besser weg. Wer denkt, dass prickelnde Szenen zu einer Liebesgeschichte einfach dazugehören, der liest hingegen rasch weiter und bereitet sich auf eine schlaflose Nacht vor.

Dieser Roman ist in sich abgeschlossen. Hier gibt es garantiert keinen Cliffhanger, der auf der letzten Seite eine Fortsetzung verspricht – dafür aber ein Happy End.

Leseprobe:
Habe ich jemals einen Menschen mehr geliebt als sie? Annalies Finger gleiten durch meine Haare, berühren meinen Hals und lösen einen wohligen Schauer aus. Sie atmet an meiner Brust, und trotz des Stoffes, der uns trennt, berührt mich jeder Atemhauch, als ob ich nackt wäre. Ich ziehe die Haarnadel aus dem dicken, locker aufgesteckten Knoten, schiebe sie in meine Tasche und fahre mit gespreizten Fingern durch ihre seidigen Haare, die in weichen Wellen fast bis zur Taille fließen. Sie hat sie nicht abgeschnitten! Ich lächle – und erhasche Zandres grinsenden Blick und seinen hochgehobenen Daumen über Annalies Kopf hinweg. Mein Freund deutet auf seine Bürotür, dreht sich um und verschwindet. Ich versenke meine Nase in Annalies goldblondem Haar. Ich kann es tun, da sie keine Absätze trägt – nicht wie damals im letzten Schuljahr, als sie immer noch meinte, dass sie den Ratschlägen meiner Mutter folgen sollte. »Eine Vandermeer trägt keine zerrissenen Jeans und offene Turnschuhe. Egal in welchem Alter und in welcher Situation.« Marieke Vandermeer betrieb keinen Sport und hatte keinen Sex. Beides lehnte sie vehement ab – mit Taten und Worten. Als Teenager war ich überzeugt, dass sie selbst beim Schlafen nicht auf das perfekte Make-up, eines ihrer eleganten Tailleurs und die Pumps mit Absatz verzichtete. Anders kannte ich sie nicht, habe sie nicht ein einziges Mal in einem Nachthemd oder Pyjama gesehen, wie es in einer normalen Familie der Fall gewesen wäre. Aber meine Mutter war nicht normal – in keiner Hinsicht. Nachdem sie Annalie nach dem Tod »dieser schrecklichen Person«, wie sie die Frau ihres Bruders auch noch nach deren Tod bezeichnete, unter ihre Fittiche nehmen konnte, versuchte sie, aus diesem zauberhaften Geschöpf ein Abbild ihrer selbst zu machen. Und wer weiß besser als ich, dass meine Cousine wirklich versuchte, ihr alles recht zu machen.
Fast alles. Denn hätte Annalie sich nicht in dieser einzigen Sache gegen ihre Tante gestellt, wäre es nie zu dem schrecklichen Vorfall gekommen, der unser Leben zerstörte. Annalies, meines und das von Onkel Matthys.

Die Wellen, die ihre Anwesenheit immer vorausschickten, trafen mich vorhin an der Bar, und haben mich einen Moment lang abgelenkt. Mandy oder Mindy, wie auch immer sich die Frau nannte, die mich mit ihrem lasziven Lippenlecken und dem Augenaufschlag beim Betreten des Clair de Lune angezogen hatte wie den ausgehungerten Bären ein Topf Honig, hatte ihre Hand auf meiner wachsenden Beule, als ich diesen Lufthauch spürte, der mich an Annalie erinnerte. Ich habe die Augen geschlossen und mich einen Trottel geschimpft. Eine Frau, die nicht nur vom Erscheinungsbild genau mein Typ war, sondern auch annehmbar roch und genau wusste, wie sie ihre Finger einsetzen musste, sendete eindeutige Signale in meine Richtung aus. Ich habe seit Monaten keinen Sex mehr gehabt – wenn nicht mit meiner Hand –, und meine Verlobung mit Priscilla habe ich, zumindest geistig, bereits beendet. Der Rest würde unangenehm sein, war aber in Stein gemeißelt und würde nicht mehr lang auf sich warten lassen. Aber ... anstatt mich fallen zu lassen, wo ich doch so knapp vor dem Ziel stand, überfiel mich genau in diesem absolut unpassenden Moment wieder der Gedanke an meine Cousine, die ich nicht erreichen konnte, obwohl ich es versucht hatte.
Idiotisch! Ich wollte Sex!
Energisch nahm ich ihre Hand von meinem Hosenstall, half Mindy-Mandy vom Hocker und dirigierte sie nach oben in den VIP-Bereich. Ich schob sie auf eine der weich gepolsterten, halbrunden Bänke vor der hüfthohen Brüstung zum darunterliegenden Barbereich, öffnete zwei weitere Knöpfe ihrer Bluse und ließ meine Hand unter den Stoff gleiten. Dann machte ich mich daran, die Hürde des seidigen BHs zu überwinden, um an ihre Haut zu gelangen. Meine Lust war riesig – aber statt ihr nachzugeben, blockierte ich mich. Das konnte nicht sein! Ausgerechnet jetzt, kurz vor dem Ende monatelanger sexueller Abstinenz, allein mit einer durchaus attraktiven und willigen Frau, litt ich an Halluzinationen. Diese sanfte, warme Stimme, die ich unter Abermillionen immer heraushören würde, auch wenn sie reifer und eine Spur tiefer klang, war ihre! Ich hätte nicht einmal aufstehen, mich vorbeugen und nach unten sehen müssen, um Gewissheit zu haben. Dieses unsichtbare Band, das uns immer verbunden hat, lenkte meinen Blick direkt auf sie. Das blonde, zum Knoten gedrehte Haar, der elegante Schwung ihres Halses, die Tatsache, dass sie sich mit Zandre unterhielt ...
Keine Ahnung, was ich zu Mindy-Mandy sagte, die mich zuerst stirnrunzelnd, dann definitiv verärgert ansah. Was auch immer es war, sie antwortete und streckte den Arm aus, die Handfläche zeigte nach oben. Es dauerte nicht lang, bis ich die Geldbörse zog, hineingriff und ihr ein paar Scheine zusteckte. Verblüfft stellte ich fest, dass mein Frauenradar seit dem Tag, an dem ich Priscilla über den Weg lief, stark beschädigt sein muss. In meinem ganzen Leben ist es mir noch nie passiert, dass ich eine Halbprofessionelle nicht meterweit gegen den Wind roch. Wie auch immer. Sie stakste vor mir die Treppe nach unten, und ich hatte keinen Blick für ihren aufreizenden Hüftschwung, sondern nur einen Gedanken: Annalie.

Jetzt hebt sie ihren Kopf, lässt ihre Arme sinken, legt die Handflächen auf meine Brust und schiebt mich von sich. Ihre Augen wandern über meinen Körper, und es ist, als ob sie mich berühren würden. Das leichte Brennen in meinen Lenden nimmt zu. Ich beuge mich vor und meine Lippen nähern sich ihrem Ohrläppchen, streichen sanft darüber – und ich stehe in Flammen. Mein Schwanz presst sich mit aller Macht gegen den Reißverschluss. Es passiert einfach, ich kann nichts dagegen tun. Annalie zuckt zurück, ihre Augen weiten sich, die Pupillen verschwimmen mit dem Blau ihrer Iriden, werden eins.
»Nicht, Christien.« Sie flüstert nur, doch die beiden Worte bohren sich wie ein Schwert in meine Brust.
»Warum?« Ich hebe die Hand, will sie berühren, aber sie weicht mir aus.
»Wir müssen die Vergangenheit ruhen lassen«, murmelt sie. Ihr Blick flackert. Suchend dreht sie sich um, greift nach der Tasche, die auf dem Tresen liegt, presst sie an ihre Brust. Dann nimmt sie die Jacke, die auf dem Haken darunter hängt, macht einen Schritt zur Seite, geht an mir vorbei – und prallt gegen eine Mauer aus Muskeln.
»Du gehst schon?« Zandre packt sie an den Oberarmen.
Sie sieht zu ihm auf. »Schon?«, fragt sie mit gicksender Stimme, räuspert sich, spricht weiter. »Es ist spät, ich habe einen langen Tag hinter mir – und einen noch längeren vor mir.«
»Was hast du zu ihr gesagt?« Ohne Annalie loszulassen, wirft mir mein Freund einen fragenden Blick zu.«
»Gar nichts ...«, antworte ich.
»Er hat gar nichts gesagt«, fällt sie mir ins Wort.
»Ihr solltet reden!«
»Das werden wir«, erwidert Annalie und entwindet sich mit einem seitlichen Schritt Zandres Griff. Dann dreht sie sich zu mir um. »Morgen, in deinem Büro, Christien. Zehn Uhr ist okay?«
Ich quäle mich aus dem Nebel der Verwirrung. »Nein!«
»Um neun? Später geht es nicht, ich muss mittags raus aus Johannesburg. Mein Zeitplan ist knapp.«
»Dein Zeitplan?«
»Natürlich. Dachtest du, ich komme planlos hierher? Zeit ist Geld, Christien, und die Firma in Antwerpen ist führungslos, wenn ich nicht da bin. Ganz im Gegensatz ...«
»Deshalb bist du hier? Wegen der Firma?« Dass ich geschrien habe, wird mir erst klar, als jemand laut zischt. Mein Blick erhascht ein Pärchen – das einzige, das sich noch im Lokal befindet und das ich offenbar beim Knutschen gestört habe.

Im Kindle-Shop: Ein Diamant macht noch keine Liebe.
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'Blackfin Boys - Warmes Blut auf weißem Sand' von Flynn Todd

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Die Teenager Toby, Roland und Mark treiben über vierzig Stunden hilflos und völlig erschöpft auf einer Rettungsinsel in den Weiten des Meeres. Wie von Geisterhand gesteuert, landet das schlauchbootartige Gefährt auf einer einsamen Insel. Der dortige Süßwassersee und einige Früchte retten die Jungs vor dem Hungertod.

Als die drei Gestrandeten die tropische Insel erkunden, stoßen sie auf eine entstellte Leiche in einem Ski-Anzug. Mit List und Taktik, aber auch mit Harpune, Messer und Pistole, nehmen sich die Jungs vor, den grauenhaften Dingen auf den Grund zu gehen ...

Leseprobe:
HILFLOS
Toby war bleich im Gesicht. Seine haselnuss-braunen Augen umrandet von einer finsteren Leere, übergab er sich praktisch im Minutentakt. Durch seine nassgeschwitzten dunkelbraunen Haare sah er noch bleicher aus, als er es ohnehin schon war. Die vielen kleinen Leberflecke auf seiner Haut wirkten dadurch besonders dunkel, fast schwarz. Quälende Krämpfe ließen seinen Körper nur noch wenige Tropfen Galle absondern. Kein Wunder, denn Toby hatte vor über vierzig Stunden die letzte feste Nahrung zu sich genommen. Doch seine Übelkeit ließ einfach nicht nach. Der unruhige Seegang ließ die kleine, frei treibende, sechseckige Rettungsinsel nicht zur Ruhe kommen. Die Wellen waren nicht hoch und auch nicht bedrohlich, reichten aber aus, um das schlauchbootartige Gefährt, auf das sich Toby und seine Freunde gerettet hatten, im Einklang mit den Wellen unangenehm auf- und abzusenken. Toby versuchte verzweifelt, das Gute an dieser Situation zu sehen. Das Wetter war schön – nicht eine Wolke am Himmel ‒, die Sonne schien warm und freundlich. Der angenehme Geruch der Meeresluft erinnerte ihn an seinen letzten Badeurlaub, der fast ein Jahr zurücklag. Toby hielt sich an dieser Erinnerung fest, denn er merkte schnell, dass sie Balsam für seine Seele war. Er schloss die Augen und sah, wie er mit seinen Freunden im flachen Wasser in Strandnähe tobte. Sie versuchten, sich gegenseitig unterzutauchen und lachten laut. Sorglos und ausgelassen. Toby wusste noch genau, wie kaputt und müde er nach diesen Tobereien gewesen war. Er und seine Freunde hatten sich nach ihren kräftezehrenden Wasserschlachten durch die schweren Wassermassen des Meeres zurück zum Strand geschleppt, um der nächstgelegenen Pommesbude einen Besuch abzustatten. Eine extragroße Pommes mit Majo und dazu eine eiskalte, prickelnde Cola. Das bestellten sie sich. Jedes Mal, wenn Toby mit seinen Freunden auf ihren Fahrrädern zum Baden an den Strand fuhren, gab es Pommes und Cola. Toby wünschte sich sehnlichst, jetzt dort zu sein. Aber er fühlte sich, als hätte er gerade eine mehrstündige Operation hinter sich und würde in diesem Moment aus der Narkose erwachen. Keine leckeren Pommes und keine erfrischende Cola, nur das scheinbar endlose Blau des Ozeans. Die Situation schien Toby hoffnungslos. Er dachte daran, dass er vielleicht nie wieder Essen und Trinken bekommen, dass er und seine Freunde hier verdursten würden. Dass er einen fetten Sonnenbrand im Nacken und an den Unterarmen hatte, nahm er kaum wahr. Längst hatte er sich an den stechenden Schmerz gewöhnt, der die ganze Zeit da war. Der drahtige, ein Meter achtzig lange Körper des Neunzehnjährigen war ausgedorrt und er fühlte sich zu schwach, um seine Position zu verändern. Zu schwach, sich einfach nur umzudrehen, um seine verbrannte Haut vor der Sonne zu verstecken.
Toby drehte seinen Kopf ein wenig zur Seite. Undeutlich und verschwommen sah er die zwei atmenden, aber regungslosen Körper seiner besten Freunde neben sich. Da war zum einen Roland – achtzehn Jahre alt. Er lag ausgestreckt am Boden, sein Kopf ruhte auf seinen kräftigen Oberarmen. Roland lief praktisch jeden Tag ins Fitnessstudio, um Gewichte zu stemmen. Er war ein gutmütiger Typ mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Seine kurzen blonden Haare sahen aus, als wären sie eben gerade erst geschnitten worden. Aufgrund seiner stattlichen Größe von 1,92 Metern wurde er auch liebevoll der sanfte Riese von seinen Freunden genannt. So kräftig, so athletisch – und jetzt doch so hilflos wie Toby selbst.
Dicht neben Roland lag Mark, ein kleiner, schmächtiger Jugendlicher. Er war erst sechzehn Jahre alt, aber bereits die rechte Hand seines Vaters in dessen Flugzeugbetrieb. Die Firma transportierte überwiegend Spenderorgane per Flugzeug und Hubschrauber. Mark machte die beißende Sonne aufgrund seiner hellen Haut besonders zu schaffen. Dass er von seinen Freunden stets Kleiner gerufen wurde, lag eher an seinem manchmal etwas kindlichen Auftreten als an seinem Alter. Seine Augenbrauen waren außergewöhnlich dunkel, seine Augen leuchtend blau, groß und aufgeschlossen. Man hatte ständig das Gefühl, ihn beschützen zu müssen. Seine dichten hellbraunen Haare wehten im Wind wie ein Kornfeld, über das ein tief fliegendes Flugzeug hinwegzog. Bekleidet waren die Jungs nur mit kurzen, knielangen Hosen und T-Shirts. Wenn man die beiden da so liegen sah, hätte man annehmen können, dass der kleine Mark einfach nur Schutz und Geborgenheit bei seinem großen Freund Roland suchte. Toby schmunzelte leicht bei dieser Vorstellung, denn Roland und Mark waren meist unterschiedlicher Meinung und stritten ziemlich oft, egal um was es ging. Doch jetzt schienen sie ausnahmsweise einmal das gleiche Ziel zu haben – einfach nur schlafen und hoffen, dass sie irgendjemand aus dieser schein-bar ausweglosen Situation rettete.

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13. April 2018

'Forever Yours - Gefangen. Sein.' von Morgan Stern

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Mira und der aufstrebende Rockstar Ryan lernen sich im Internet kennen. Aus anfänglicher Sympathie wird tiefe Vertrautheit, welche beide genießen.

Doch dann wird Ryans Band über Nacht berühmt und die Geheimnisse, die er Mira anvertraut hat, drohen, die hart erarbeitete Karriere zu zerstören. Er fühlt sich gezwungen zu handeln. Mira muss WEG – ein Profikiller soll ihm dabei helfen.

Aber dann ereilen Ryan Zweifel, muss es denn gleich ihr Tod sein?
Beflügelt vom Gedanken der Macht und Kontrolle über sie, schmiedet Ryan einen perfiden Plan.
Er will sie besitzen, ganz und gar.
Für immer. Sein.

Leseprobe:
Mira
„Wohin fahren wir?“ Ich wiederholte meine Frage in einer Stimmlage, die nicht annähernd das ausdrückte, was ich empfand. So schwach war ich nämlich gar nicht und vor allem auch nicht so eingeschüchtert.
Er ignorierte mich, sofern man es so nennen konnte, denn, auch wenn er mir die gewünschte Antwort nicht gab, so starrte er mich dennoch ununterbrochen an.
„Hallo? Ich rede mit dir!“ Ich wagte einen erneuten Versuch, mit mehr Nachdruck meinerseits.
Ein genervter Seufzer – ich bildete mir ein, darin eine Portion Schadenfreude zu hören – drang zu mir durch, während er ein gleichgültiges „Ruhe!“ von sich gab.
Mein Herz schlug schneller und ich fühlte, wie sich Unverständnis und vor allem Wut in mir ausbreiteten. Was sollte das ganze Theater hier? Er konnte mich nicht einfach so behandeln, wie er es gerade tat. Das würde ich mir nicht gefallen lassen.
„Hör mir mal zu. Was auch immer das hier werden soll, ich mache definitiv nicht länger mit, bevor du nicht meine Fragen beantwortet hast!“ Einen Moment lang war ich richtig stolz darüber, wie normal ich trotz meiner aktuellen Gefühlslage geklungen hatte, aber letztendlich hoffte ich nur, dass es eine Wirkung hatte.
Er lehnte seinen Kopf ein wenig zur Seite.
„Magst du keine Spielchen? Du darfst auch das Spielzeug sein.“ Er hielt einen Augenblick inne, in seinem Blick spiegelte sich eine gewisse Zufriedenheit. „Aber seit wann stellen Spielzeuge denn Fragen?“
Das war zu viel, er hatte damit jegliche Grenzen überschritten und meine Geduld war am Ende.
„Sag mal, hast du sie nicht mehr alle?“, schrie ich, während ich meine Hände links und rechts neben mir auf den Boden presste, um schneller aufstehen zu können.
„Du …“ Plötzlich spürte ich etwas tief in mir, eine Stimme, eine Warnung, ein Gefühl, welches langsam von meinem Magen aus nach oben schlich. Ich fragte mich, ob ich gleich ohnmächtig werden würde, aber dann verstand ich, dass es wohl am Adrenalin lag, das gerade durch meinen Körper schoss und dazu führte, dass mir schwindelig wurde.
Weder sein Gesicht noch das breite Grinsen in diesem schienen mehr wichtig, meine Augen waren nur auf das fixiert, was er in seiner Hand hielt. Eine schwarze Pistole, direkt auf mein Gesicht gerichtet.
„Sei still!“ Er sprach ruhig und voller selbstgefälliger Ernsthaftigkeit. „Und wage es ja nicht, dich zu bewegen.“ Ich lehnte mich zurück, legte meinen Kopf an die Wand und versuchte, den Mann zu ignorieren, der mich weiterhin mit einer Waffe bedrohte. In Gedanken versuchte ich zurückzugehen, etwa 15 Minuten, an den Zeitpunkt, an dem dies alles begonnen hatte.
Es war ein ganz gewöhnlicher Nachmittag, relativ spät zwar schon, aber ich hatte mir gerade überlegt, dass ich ein bisschen einkaufen gehen könnte. Ein paar Läden durchstöbern, Menschen beobachten und Kaffee trinken, das verbesserte meine Laune meist binnen kürzester Zeit.
Beim Verlassen meines Hauses fiel mir der alte blaue Transporter, der gegenüber parkte, auf. Ich wohnte nicht gerade in einer besonders belebten Gegend, jeder kannte jeden und jeder noch so kleine Schritt wurde von irgendwelchen Nachbarn bemerkt und gleichermaßen ver- oder zumindest beurteilt. Es war eben ein reines Wohngebiet und der Transporter fügte sich nicht ins übliche Bild ein. Erneut warf ich einen Blick auf das Auto, sah den Fahrer, der offensichtlich keine Eile hatte, sondern etwas gelangweilt in einer Zeitung zu blättern schien. Ein Mann mittleren Alters, vielleicht machte er Pause.
Plötzlich war ich entsetzt über mich selbst – wie erbärmlich war das denn? Hatte ich mir eben wirklich Gedanken über ein Auto in meiner Straße gemacht? Es sollte mir egal sein, schließlich verabscheute ich Leute, die dauernd alles im Blick haben mussten und sich allzu gern als Sheriff aufspielten.
Kopfschüttelnd schloss ich das Gartentor hinter mir und schlenderte auf mein Auto zu. Ein leises Klicken öffnete die Zentralverriegelung und das Licht im Innenraum leuchtete auf.
„Hallo!“ Eine Stimme aus dem Nichts erschreckte mich und sofort wendete ich mich ihr zu.
Ich traute meinen Augen nicht. War er das wirklich? Mein ehemaliger Bekannter Ryan? Ryan aus Irland? Spontan beschloss ich, meine Gedanken erst mal zu ordnen, bevor ich weiter abdriften würde und ihn stattdessen einfach zu fragen.
„Ähm … Hallo“, antwortete ich höchst sinnvoll, „habe ich eine Halluzination, oder stehst du wirklich vor mir?“
Er lächelte etwas verlegen, dann verdunkelte sich sein Gesichtsausdruck leicht.
„Können wir reden?“
„Reden?“ Ich war skeptisch. „Worüber willst du denn reden?“
Natürlich war mir klar, dass ich log, denn es gab mehr als genug, worüber wir hätten reden können und sollen und ich wollte das ja eigentlich auch. Wie oft hatte ich schließlich die letzten Monate vergeblich versucht, ihn zu erreichen, aber er war regelrecht abgetaucht. Nun stand er vor mir, in Fleisch und Blut. Ich war mir unsicher, ob mich das freuen sollte oder meine Verwirrung darüber im Vordergrund stand.
„Über uns. Es gibt so vieles, was ich dir sagen will.“

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