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23. Januar 2018

'Der Miami-Vice-Faktor' von Peter Waldbauer

Ein Buch für Leser, die sich gerne der alten Zeiten erinnern, die schwelgen wollen in der Nostalgie der Achtziger, der ausschweifenden Disco-Nächte, des „Saturday-Night-Fevers“ und der endlosen Exzesse.

Aber auch für jene, die der Unterschied interessiert zwischen den unzähligen Betriebstypen der Gastronomie. Was unterscheidet Bistro und Bar, Restaurant und Bistrorante, Resto-Bar und Café-Restaurant? Wo verläuft die klare Trennung zwischen Pinte und Pub, Kneipe und Beisl, Taverne und Spelunke? Wer die Feinheiten kennt und alle Untertypen der Betriebsart Discothek frei aufsagen kann, gewinnt vielleicht eines Tages bei Jauch die Million. Falls nicht, hat er immerhin erfahren, warum er nie am Türsteher vorbeikam und sich dabei gut unterhalten.

Die wilden Jahre der Achtziger. Ja, es war eine schöne Zeit. Über allem schwebte der Hauch von Miami Vice, jener Erfolgsserie mit Don Johnson und Philip Michael Thomas. Für die vielen Nachahmer damals bedeutete dies nicht nur kesse Sprüche, sondern auch das passende Outfit: Sonnenbrille und Stoppelbart, Sportwagen (am liebsten Ferrari) und pastellfarbenes Sakko. Vor allem galt es, jene Lässigkeit an den Tag zu legen, die leicht zum Lotterleben ausarten kann, in jedem Fall zum Hedonismus. Die grenzenlose Lust am Ausgehen – dafür war in den Achtzigern gesorgt.

Gleich lesen: Der Miami-Vice-Faktor: Erinnerungen an die goldenen Gastronomie-Jahre der Achtziger

Leseprobe:
Das goldene Zeitalter
Dieses Buch ist entstanden aus einer ungeordneten Sammlung von Aufzeichnungen, zahllosen Notizzetteln, Dutzenden von Restaurantbelegen, unzähligen Papierservietten, etc. Ein Wust an plötzlichen Einfällen, Assoziationen und Träumereien. Der Blick schweifte zurück in die Vergangenheit, versuchte längst Vergessenes zu erinnern. Nicht alles ist selbst erlebt, manches wurde erzählt, also überliefert. Auf Vollständigkeit darf dabei nicht gehofft werden.
Dreh- und Angelpunkt ist das goldene Gastronomiezeitalter in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Was sich so asbach-uralt anhört, dürfte indes einigen noch gut im Gedächtnis präsent sein. Vor allem jener Generation, die heute zwischen fünfzig und sechzig Jahre alt ist.
Nach der Fresswelle der 1950er und 60er, der Bau- und Möbelwelle der 70er, bescherten uns die 1980er Jahre die Gastronomie- und Feizeitwelle. Erstmals geriet Ausgehen zum Mittelpunkt der privaten Lebensführung. Einfach deshalb, weil man alles andere mehr oder weniger schon hatte: Auto und modische Kleidung, schicke Wohnung mit teurer Stereoanlage und Videorekorder und erst recht einen sicheren Verdienst. So blieben die bevorzugten Interessen unter der Woche das Fitneß- und Sonnenstudio, an den Wochenenden die Discotheken und Kneipen und zwei- bis dreimal im Jahr der Urlaubstrip ins europäische Ausland, vorzugsweise nach Italien oder Spanien.
Möglich war dies durch einen allgemeinen und kräftigen Wirtschaftsaufschwung, der Anfang der Achtziger begann, jenes Jahrzehnt durchgängig anhielt und gegen Ende mit der Öffnung der Mauer noch einmal einen zusätzlichen Schub bekam bis zur Rezession 1992/93.
Fast zehn Jahre lang boomte die Industrie- und Exportnation Deutschland und mit ihr der Wohlstand der Mittelschicht. Die konnte es sich bald leisten, das Ausgehen nicht nur aufs Wochenende zu beschränken, sondern begann auch unter der Woche fleißig zu feiern. Neben dem „Platzhirsch“ Samstag und dem nur wenig schwächeren Freitag, bürgerte sich bald der Donnerstag als fester Ausgehtag ein, da er nahtlos ans Wochenende anschloss. Viele Discotheken weiteten ihre Öffnungszeiten auch auf den Mittwoch und Sonntag aus, womit fast die ganze Woche abgedeckt war. Vereinzelt gelang es manchen Betreibern sogar dienstags Gäste anzulocken, wenn auch unterstützt durch stark reduzierte Getränkepreise.
Ein neues Zauberwort machte die Runde: Erlebnisgastronomie. Dazu gehörten Aktionen wie Modeschauen und Misswahlen, Autogrammstunden und Showauftritte von Künstlern, 24-Stunden-Partys und Gewinnspiele, bei denen man Getränke- und Warengutscheine, Urlaubsreisen oder sogar ein Auto gewinnen konnte. Es war eine Zeit der grenzenlosen Partystimmung.
In den Neunzigern flaute diese Stimmung allmählich ab, der Zeitgeist wurde schnelllebiger, die Kommunikationsindustrie lockte mit PC, Handy, DVD, Nintendo und Internet. Hinzu trat ein demografischer Faktor. Die jungen Erwachsenen zwischen 18-25 Jahren wurden zahlreicher und die zahlungskräftigen 25-40 Jährigen wurden weniger. Eine neue Generation gewann die Oberhand.
Heute, Ende des zweiten Jahrzehnts im dritten Jahrtausend, ist die Situation verworren wie noch nie und keiner kann sicher sagen, wohin die Reise geht. Die Wirtschafts- und Finanzkrisen tun ein Übriges und drückt auf die Partystimmung. Ähnliche Zeiten, wie wir in den Achtzigern erlebten, erlebt heute wohl, wer in Shanghai und anderen „Boomtowns“ wohnt. Fest scheint nur zu stehen, dass die goldenen Achtziger unwiederbringlich vorüber sind. Grund genug also, noch einmal nostalgisch und sentimental zurückzublicken.

Der Scotch Club in Aachen – Die erste Discothek der Welt
Die erste Discothek der Welt wurde 1959 in Aachen gegründet. Als ihr Erfinder gilt der österreichische Kaufmann Franzkarl Schwendinger, der sein exklusives Speiselokal Scotch Club (am Dahmengraben, Peterstraße gelegen) in eine Discothek umwandelte. Die Schallplatte als „tote“ Musik sollte durch einen Diskjockey lebendig gemacht werden. Vorbild hierfür war der Rundfunk, denn dort wurden schon seit geraumer Zeit Musiktitel von den Discjockeys anmoderiert.
Um den ersten Deejay im Aachener Scotch Club rangt sich eine schöne Anekdote. Der für die Eröffnung engagierte Mann, ein Kölner Opernsänger, entpuppte sich als großer Reinfall, da er sich nicht traute, einen Kontakt zum Publkum herzustellen und wortlos eine Platte nach der anderen auflegte. Inhaber Schwendinger wurde es langsam peinlich. Um sich vor der eingeladenen Presse nicht völlig zu blamieren, fragte er nonchalant denjenigen der anwesenden Journalisten, der sich am meisten darüber mokierte, ob er nicht selbst einmal eine Ansage am Mikrofon probieren wolle, um so zur Animation der Gäste beizutragen. Bei dem Angesprochenen handelte es sich um den 19-jährigen Volontär Klaus Quirini, der für die Aachener Zeitung über die Eröffnung berichten sollte.
Quirini war nicht lange verlegen und legte munter los mit den Worten: „Meine Damen und Herren, wir krempeln die Hosenbeine hoch und lassen Wasser in den Saal, denn ein Schiff wird kommen mit Lale Andersen!“ (Gemeint war der gleichnamige Hit der Sängerin Lale Andersen, die 1939 mit Lili Marleen einen Welthit landete.) Quirinis Art der Moderation war ganz nach Schwendingers Geschmack und wurde auch von den Gästen begeistert aufgenommen. Am Ende des Abendes wurde er als Discjockey engagiert für umgerechnet 400 Euro DM, zu jener Zeit ein fürstliches Salär und das fünfzehnfache seines Zeitungsgehalts.
Um seine Familie mit seinem neuen Job nicht in Verlegenheit zu bringen, legte sich Quirini den Künstlernamen „Heinrich“ zu. Rückblickend erzählt er: „Ich war vertraglich verpflichtet, in weißem Hemd mit Krawatte zum Dienst zu erscheinen, andernfalls drohte die fristlose Kündigung!“
So wurde Klaus Quirini, mit neunzehn damals eigentlich noch minderjährig, der erste moderierende Disc-Jockey im Scotch Club, der damals noch Jockey-Tanz-Bar hieß. Die strenge Kleiderordnung galt natürlich auch für die Gäste. Männer mussten Krawatte und Jacket tragen, Damen in Hosen fanden erst gar keinen Einlass. Quirini ist übrigens noch heute der Meinung, dass die Kleiderordnung, die eine Discothek vorschreibt, wesentlich dazu beiträgt, die Zusammensetzung des Publikums zu steuern.
Auch wenn die Verhältnisse im Scotch Club aus heutiger Sicht nostalgisch erscheinen mögen (die Gäste klatschten noch nach jeder Ansage des Moderators), liegt hier die Urzelle der modernen „Discothek“. Ein Begriff, der sich wenig später in der breiten Bevölkerung durchsetzte.
Das Konzept des Scotch-Clubs wurde für viele Gastronomen zum Vorbild und breitete sich über Westfalen, Belgien und die Niederlande nach und nach in die ganze Welt aus. Aachen wurde zur Discotheken-Hochburg Deutschlands mit zeitweise 42 Discotheken. In den USA entstand diese Betriebsart erst 1974.
Quirini wurde bundesweit bekannt, galt fortan als Pionier einer neuen Branche und gründete mehrere Verbände: die Deutsche Disc-Jockey Organisation (DDO, 1963) , den Verband der Deutschen Discotheken-Unternehmer (DDU, 1970) und den Verband Deutscher Musikschaffender (VDM, 1974). Im Jahr 1968, fast zehn Jahre nach seinem Debüt im Aachener Scotch Club, war Quirini wieder der Vorläufer, diesmal als erster Disc-Jockey der Schweiz, im Züricher Lokal Playground. Der berühmte Aachener Scotch Club ist seit 1992 geschlossen.

Im Kindle-Shop: Der Miami-Vice-Faktor: Erinnerungen an die goldenen Gastronomie-Jahre der Achtziger

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22. Januar 2018

'Azoren-Abenteuer: Ein Reise-Tagebuch' von Elisabeth Mecklenburg

Ein Reise-Tagebuch der besonderen Art. Ein Abenteuer, wie man es sicherlich nur sehr selten erlebt.

Faszinierende Eindrücke, atemberaubende Landschaften und einzigartige Augenblicke haben diese sieben Tage auf den Azoren für die Autorin zu etwas ganz Besonderem gemacht und sind in Text und farbigen Bildern festgehalten. Der Höhepunkt: Das Sichten von Walen und Delphinen.

Mitten im Atlantik gelegen, beeindrucken die Azoren mit ihrer wunderschönen, grandiosen Landschaft. Für Naturliebhaber bietet sich eine enorme Vielfalt an Aktivitäten, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Zudem ist die Inselgruppe, speziell auch Pico, weltweit bekannt für ihre fantastischen Whale-Watching-Touren.

Kommen Sie mit auf eine spannende Reise in eine fantastische Welt!

Gleich lesen: Azoren-Abenteuer: Ein Reise-Tagebuch über ein Erlebnis der ganz besonderen Art! Wale und Delphine in den Gewässern der Azoren "live" erleben

Leseprobe:
Die Finnwale waren eigentlich immer in Bewegung, die Pottwale hingegen lagen mehr oder weniger ruhig im Wasser. Oft ruhten sie sich an der Wasseroberfläche für ihren nächsten Tauchgang aus.
An diesem Tag war das Meer auch wieder ruhiger, oft schien auch die Sonne und die Fahrt war sehr angenehm, ja regelrecht gemütlich. Das leichte Schaukeln des Bootes, die Sonnenstrahlen die von oben kamen, alles perfekt für so einen Tag.
Nachdem die Finnwale wieder abgetaucht waren, fuhren wir in Richtung Küste der Insel Faial und trafen dort auf eine Gruppe von etwa 50 bis 60 kleine Schwertwale, auch bekannt als unechter Schwertwal, oder schwarzer Schwertwal, in manchen Gegenden wird er auch falscher Killerwal genannt.
Was für ein Erlebnis! Rechts und links unseres Bootes schwammen diese Tiere in einem recht hohen Tempo an uns vorbei. Auf einmal waren sie wieder vor uns, kurze Zeit später tauchten wieder weitere neben unserem Boot auf. Wir wussten gar nicht, „wohin“ wir zuerst schauen sollten. Kurz darauf waren wir auf einmal inmitten dieser großen Gruppe ...

Im Kindle-Shop: Azoren-Abenteuer: Ein Reise-Tagebuch über ein Erlebnis der ganz besonderen Art! Wale und Delphine in den Gewässern der Azoren "live" erleben

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19. Januar 2018

'DIE UN-VOLLENDETE' von Heike Adami

So nah und doch so fern.

In der Kindheit verbrachten sie gemeinsam Sommerferien auf arabischem Boden. Jahre später sehen sie sich wieder. Auf jüdisch/palästinensischem Territorium. Der arabische Student Bashar und sein Cousin Jonah, der israelische Soldat. Zwei Cousins - Zwei Religionen. Der uralte Konflikt im Nahen Osten hält Einzug in eine Familie.

Eine Familiengeschichte, die Ihre Perspektive neu justieren kann! Stellen Sie sich vor, Sie haben einen jüdischen und einen muslimischen Enkel oder Cousin. Wie würden Sie über den Nahostkonflikt denken?

Dieser Roman basiert auf meiner Familienkonstellation, mit jüdischen und muslimischen Enkeln. Intensive Recherche vor Ort verleiht dem Roman eine noch würzigere Authentizität.

Gleich lesen: DIE UN-VOLLENDETE

Leseprobe:
Mit einem Ruck zog Abdul die Tür auf und schaute in dunkle fremde Augen. „Ah, du musst Bashars jüdischer Cousin Jonah sein. Der Soldat im israelischen Militär.“ Wie wäre Jonahs Reaktion gewesen, hätte ich gesagt, dass er einer des Stammes Israel ist, der meinen Freund auf dem Gewissen hat? Abdul hielt seine wahren Gedanken zurück.
Die Musik aus der Bibliothek hatte sein Gemüt umschlungen. Donnernde Paukenschläge vertrieben langsam die Sonne am Himmelszelt. Abdul schaffte es, einen Sonnenstrahl einzufangen und setzte die Begrüßung mit angenehmeren Tönen fort. „Das ist Premiere. Ich beglückwünsche dich. Diese menschliche Kombi Jude und Soldat betrat noch nie unseren palästinensischen Boden.“

Bashar hörte Abduls Worte. Im schnellen Schritt lief er zur Tür, um Schlimmeres zu verhindern. Er ahnte Ungutes. Bashar dachte nicht, dass Abdul dieses Thema in seinem Willkommensgruß aufnehmen würde. Doch beim nächsten Atemzug kamen seine Ohren in den Genuss, freudenvollere Worte zu hören.
„Aber lass dich nicht aufhalten und komm herein.“ Abdul hatte sich im Griff. Seine Stimme schwang zart wie Engelsflügel. Inzwischen erreichte Bashar die Tür. Neugierig auf Jonahs Reaktion, schaute er über Abduls linke Schulter in das Gesicht seines halbjüdischen Cousins.
Jonah zeigte nicht die von ihm bekannte felsenfeste Haltung. Dennoch behielt er seine militärische Ausstrahlung.
„Hallo, mein lieber Cousin, lass dich begrüßen“, rief Bashar ihm mit einem Lächeln zu. Er wollte aufkommende Wogen glätten, bevor große Wellen das Boot kippen könnten. Bashar drängelte sich neben Abdul zwischen Tür und Wand. Abdul ging automatisch zur Seite. Bashar reichte Jonah fröhlich die Hand. Erleichterung trat in Jonahs Gesicht.
„Die Sonderübung scheint noch immer in deinen Knochen zu stecken.“ Bashar musterte Jonah wie ein Feldwebel.
„Nicht nur das“, antwortete Jonah frustriert.
„Weißt du, Abdul“, Bashar blickte zwischen beiden hin und her, „Soldat Jonah Segal musste eine Sonderübung ausführen, weil er an der Grenze den Dienst verweigerte.“ Bashars Worte klangen süffisant. Abduls Augen hingen nachdenklich an Bashars Gesicht.
„Der Schuss an der Grenze“, wiederholte Bashar. „Der Schuss in den Ball, der mein Leben rettete.“ Bashars Mimik zeigte amerikanische Lockerheit. Ein glanzvolles Lächeln sollte die unterkühlte Situation aufwärmen. „Abdul, ich weiß, an was du denkst, aber wir können hier nicht dem schwarzen Kater freien Lauf geben.“
Abduls Gesicht verzog sich zu einer schiefen Grimasse. „Meinst du, den schwarzen Peter weitergeben?“ Bashar nickte. „Nein, Bashar, das können und wollen wir nicht, aber mich überflog das Gefühl, den schwarzen Peter verbal zurückgeben zu müssen.“ Abdul wandte sich wieder seinem halbjüdischen Gast zu. „Jonah, ich bin Abdul. Komm erst einmal herein, bevor wir dich vergraulen und du es vorziehst, gleich wieder zu gehen“, forderte er Jonah auf und schloss hinter ihm die Tür, nachdem dieser eingetreten war.
„Nein, das glaube ich nicht. Eure tolle Einladung ist eine wunderbare Abwechslung zu den letzten Tagen. Außerdem habe ich heute Sonderurlaub.“ Jonahs schneeweißen Zähne erhellten seine Gesichtszüge. In seiner Zivilkleidung mit Jackett über einem weißen Hemd und anliegender Leinenhose kam sein Körper pfiffig zum Vorschein. Kurze Haare, zwei Millimeter fehlten zur Glatze. Gebräunte Haut durch die Sonnenstrahlen, die Israel und Palästina erwärmten, verhalf den jungen Männern zu extra Sexappeal. Jonahs athletische Figur verriet den sportlichen Typen. Die Summe daraus konnte die Herzen aller Frauen brechen. Und sicherlich nicht nur innerhalb der sogenannten „jüdischen Großfamilie.“
In der Lounge hielt Bashar inne. „Wie war deine Sonderübung?“
Jonah wedelte mit der Hand, als wolle er den Rauch eines Feuers vertreiben. „Es war ein Horrortripp. Ich musste in glühender Mittagshitze auf Pappgesichter schießen. Der karrieregeile Vorgesetzte wollte mich mit allen Mitteln davon überzeugen, wieder zur Terroreinheit zu gehen. Aber ich will das nicht.
Auf Unschuldige schießen ist nicht mehr mein Ding. Ich habe nochmals den Dienst verweigert und musste zum Chef.“
„Das klingt nicht nach einem Spaziergang mit schlecker-lecker Eis“, sagte Bashar und grinste.
„Du hast ja keine Ahnung!“ Jonah zog eine Miene, die nach Glaubersalzgeschmack aussah. „Vergessen wir das Thema“, sagte Jonah resigniert. „Lassen wir uns die gute Laune nicht verderben.“ Jonah warf flehende Blicke in die Dreierrunde.
„Stimmt“, sagte Abdul und ging endgültig vor ins Musikzimmer.
Obwohl sich Jonah im Hause des Gegners befand, zeigte er seine Nervosität mit keinem Wimpernschlag. Das war eines der Ziele der Armee. Aufrechte Haltung und fester Blick in die Augen des Feindes zeigten dem Aggressor, wer das Feld beherrscht. Doch an diesem Abend ging es für Jonah nicht um Macht. Heute hatte er die ehrenvolle Aufgabe, Vertrauen und entgegengebrachte Freundschaft zu vermitteln. Das war es, was er in seinem Herzen fühlte.

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18. Januar 2018

'Die Magie der Glanzlichter (Lichtertanz 1)' von Isabella Mey

Wenn das Herz nicht will, wie es soll
und der Verstand von Gefühlen überrollt wird
dann wird es Zeit, in sich zu gehen, um das zu sehen, was wahr ist.


1912, Atlatica wird vom grausamen Lord Sorbat beherrscht. Abseits der großen Straßen, am Rande der Zone der Monster, kämpft sich Leanah als Tochter eines Schafbauern durch ihren harten Alltag. Sorbats Magier sind bei der einfachen Bevölkerung verhasst, nicht nur deshalb versucht Leanah, ihre magische Begabung, vor allen zu verbergen. Ihr Leben gerät jedoch vollkommen aus den Fugen, als sie auf die Burg des Lords gebracht wird, um dort zu dienen.

In Frankfurt am Main ahnt Silas, der Sohn eines Arztes, nichts von den Lords oder Atlatica. Erst nachdem seine Eltern entführt werden und er selbst ins Visier der Verfolger gerät, muss er sich nicht nur den Gefahren einer fremden Welt voller Magie stellen, sondern auch seinen Gefühlen für eine Frau, die nicht für ihn bestimmt ist. Wird das Schicksal die beiden letztendlich zusammenführen?

"Die Magie der Glanzlichter" ist der erste Teil der Lichtertanz-Trilogie. Die Geschichte spielt in der Welt des Flammentanzes, kann aber unabhängig davon gelesen werden.

Gleich lesen: Die Magie der Glanzlichter (Lichtertanz 1)

Leseprobe:
Schweigen. Lediglich unsere Atemgeräusche durchdringen die Stille.
»Was muss ich tun?«, fragt er tonlos.
»Lass mich frei!«
»Wirst du mich lieben, wenn ich dich freilasse?«
»Nein, aber dann würdest du aus Liebe handeln und hättest meinen Respekt und meine Achtung. Liebe knüpft keine Bedingungen, sie ist oder sie ist nicht, ganz gleich, ob der andere sie erwidert.«
Abermals Schweigen.
»Ich kann nicht …«, sagt er.
Jetzt höre ich, wie er aufsteht. Zwei Schritte, dann folgt ein metallenes Geräusch, als ob ein Gitter geschlossen und ein Schlüssel umgedreht wird. Die Schritte verhallen, bis ich von absoluter Stille und Finsternis umgeben bin. Es ist kalt. Ich fröstele. Sowohl mein Geist als mein Körper fühlen sich taub an. Immerhin haben sich meine Fesseln mit der Zeit ein wenig gelockert. Vielleicht kann ich mich davon befreien ...

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17. Januar 2018

'Geliebter Feind: Die Schützin im Reisfeld' von Devon Anderson und Suzanna LeMonde

Vietnam, 1967. Über der Erde tobt im ganzen Land ein erbarmungsloser Krieg. Doch unter der Erde, in den Tunneln, dem sogenannten Ho-Chi-Minh-Pfad, der vom Norden Vietnams bis in den Süden reicht, organisiert sich der Widerstand. Kim Lys Bruder Nhut nimmt den gefahrvollen Weg auf sich, Mutter und Schwester in Sicherheit zu bringen, doch als er länger braucht als erwartet, macht sich Kim Ly mit einem Freund auf ins Ungewisse, um nach ihm zu suchen. In einem verlassenen kleinen Dorf treffen sie nicht nur auf ihn, sondern auch auf JiâSun, ein eigensinniges, impulsives und starrköpfiges junges Mädchen, so ganz anders als die zurückhaltende, schüchterne Kim Ly.

Auf der anderen Seite stehen die US- Soldaten Zack und Scott, deren Wege sich immer wieder mit denen der beiden jungen Frauen kreuzen. Und schon nimmt das Leben aller eine unerwartete Wendung.

JiâSun, widerborstig, unbelehrbar und tollkühn, kämpft jedoch ihren ganz eigenen Krieg. Ihr Verhalten sorgt nicht nur innerhalb der Gruppe für Anspannung, sondern auch für offene Abneigung der eigenen Landsleute. Kim Ly geht es besonnener an. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten kommen sie den Soldaten näher.

Eine Liebe entbrennt, inmitten von Krieg, Elend und dem schwierigen Leben zwischen den Kulturen, begleitet vom Tod und dem Wunder neuen Lebens.

Gleich lesen: Geliebter Feind: Die Schützin im Reisfeld

Leseprobe:
JiâSun verbrachte nun schon etliche Stunden auf dem Baum und ließ die letzten Tage Revue passieren, als in einigen hundert Metern ein Schwarm bunter Vögel aufflog. Das konnte natürlich mehrere Ursachen haben, andere Tiere etwa, gerade hier in der Nähe des Flusses, aber JiâSuns Instinkt mahnte sie zur Vorsicht. Jede überflüssige Bewegung vermeidend, wechselte sie in der Astgabel die Position und schob ihren schmerzenden Körper den dicken Ast entlang, soweit sie konnte, ohne dass der Ast unter ihr brach, aber doch weit genug, um nach unten und in weiterer Ferne gute Sicht zu haben. Die Stelle, an der die Vögel aufgeschreckt waren, lag auf der anderen Flussseite. Die Minuten verstrichen, ohne dass sie etwas sah oder hörte. Sie beschloss, noch einige Minuten in dieser Position auszuharren, als sich die wogende grüne Wand am anderen Ufer an einer Stelle teilte, und etliche US-Soldaten hervortraten. Sie sicherten vorsichtig nach allen Seiten ab.
Über JiâSuns Gesicht lief ein böses Lächeln. Ihr könnt noch so viel sichern, dachte sie, es wird euch nichts nützen. Langsam legte sie den Sicherungsflügel der M16 mit ihrem Daumen um. Dann stellte sie das Gewehr auf Einzelschuss. Einer der Soldaten holte nun eine Karte hervor und beriet sich mit einem anderen, als JiâSun einen weiteren Soldaten, der sich am Flusswasser erfrischte, anvisierte. Sie drückte sich noch etwas enger an den Stamm des Astes, den Lauf des Gewehres geschützt in der Armbeuge. Sie zog den Finger bis zum Druckpunkt durch. Einen Moment wollte sie noch warten, bis sie den Soldaten erschoss. Eiseskälte hatte ihr Inneres erfasst.

*

Benny Rhodes wollte sich am Wasser etwas erfrischen. Seine Einheit wollte hier Rast machen und dann weiter westwärts gehen und das Gebiet nach Vietcong durchkämmen. Er hatte noch vierzehn Tage vor sich, dann würde er endlich nach Hause zurückkehren können. Zwölf Monate Vietnam lagen hinter ihm und das war seine letzte Tour. Sein Lieutenant hatte ihm persönlich versichert, das er unversehrt daheim bei seiner Familie in New Jersey ankommen würde. Er hielt diesen letzten Einsatz für komplett überflüssig. Seit sie vor zwei Tagen von einem Helikopter des Camps im Dschungel abgesetzt worden waren, hatten sie nicht einen Vietcong zu Gesicht bekommen. Ein paar Kilometer noch, dann würde der Helikopter sie wieder einsammeln und zurück ins Camp fliegen. Und das Thema Vietnam war so gut wie erledigt für ihn. Er freute sich schon auf Sally, seine Frau. Seit fünf Monaten hatte er sie nun nicht mehr gesehen. Er wollte sich gerade aus der Hocke wiederaufrichten, als er von einer unsichtbaren Faust nach hinten geschleudert wurde. Ein heißer Bolzen drang in sein Gehirn. Der einsame Schuss durchbrach trocken die Stille und scheuchte ein paar Wasservögel auf. Dann herrschte wieder absolute Ruhe. JiâSun in ihrem Versteck hoch oben auf dem Baum nahm mit tiefer Genugtuung wahr, wie die anderen Soldaten links und rechts in den Büschen am Ufer des Flusses Deckung suchten. Bei ihnen herrschte absolute Aufregung über die Frage darüber, wo der Heckenschütze, der Rhodes im Fluss erwischt hatte, lag. Ferngläser wurden hervorgeholt. Meter für Meter tasteten die Männer mit den Augen das andere Ufer ab, aber sie sahen nichts. JiâSun jedoch hatte schon ihr nächstes Opfer im Visier. Einen Soldaten, der etwas abseits stand und nun steif vor Angst versuchte, rückwärts in den rettenden Dschungel zurückzuweichen. Gnadenlos sah sie zu, wie er Schritt für Schritt zurückwich, und wusste doch, dass er ihr nicht entkommen würde. Sie zählte dann langsam, ganz für ihr eigenes Vergnügen, bis drei, der Finger krümmte sich erneut. Dann peitschte der Schuss. Er traf Private Jackson, der erst vor vier Tagen im Camp angekommen war, in die Brust. Er fiel ohne einen Laut nach hinten in das hohe Gras. Der nächste, den es erwischte, war der Funker, der gerade auf den Weg in den Fluss war, um Rhodes zu bergen. Wieder bellte ein einsamer Schuss durch den Dschungel. Defort kippte zur Seite und fiel mit dem Gesicht ins Wasser. Sollte er noch nicht tot gewesen sein, so würde er spätestens jetzt ertrinken, mutmaßte JiâSun emotionslos. Mit mitleidigem Lächeln sah sie zu, wie die drei restlichen Soldaten sich in den Dschungel zurückzogen.

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'Finanz-Chaos?: So bekommen Sie Ihre Geldsorgen in den Griff' von Elisabeth Mecklenburg

Ist bei Ihnen am Ende des Geldes noch viel vom Monat über? Schreiben Sie Jahr für Jahr rote Zahlen und wissen nicht, wie Sie dieses Desaster bewältigen sollen? Dann sind Sie nicht alleine!

In diesem Buch finden Sie Tipps, Anregungen und Ideen, um aus den roten Zahlen schwarze zu machen, sodass Sie in Zukunft Ihre Geldsorgen in den Griff bekommen können.

Geldprobleme können viele Ursachen haben. Der eine lebt über seine Verhältnisse, indem er mehr ausgibt, als er zur Verfügung hat, der andere verdient nicht genug in seinem Beruf und wieder ein anderer lebt vielleicht sogar von Hartz IV und sieht keinen Ausweg.

Hier setzt dieses Buch an – mit dem Ziel, in einem überschaubaren Zeitraum seine Finanzen in den Griff zu bekommen. Mittel und Wege zu finden, eine Verbesserung der Situation zu erreichen und somit auch wieder mehr Lebensqualität zu erlangen.

Es richtet sich an den sogenannten Otto-Normal-Verbraucher – egal, ob Sie Hartz-IV-Empfänger/in sind, im Angestellten- oder Arbeitsverhältnis stehen, selbstständig oder Hausfrau sind oder nur nach einfachen, praktischen Lösungen suchen, um Ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Personen, die sich vielleicht nur einen Überblick über ihre Finanzen verschaffen möchten finden hier Anregungen, es liefert ihnen aber auch eine komplette Anleitung für die Erstellung eines Haushaltsbudgets oder Finanzplanes.

Ebenso finden hier Menschen, die verschuldet sind, Tipps, wie sie ihre Unterlagen sortieren können, wenn sie beabsichtigen ein privates Insolvenzverfahren einzuleiten oder die Abzahlung ihrer Verbindlichkeiten selbst in die Hand nehmen möchten.

Gleich lesen: Finanz-Chaos?: So bekommen Sie Ihre Geldsorgen in den Griff

Leseprobe:
Wie bekomme ich meine Finanzen in den Griff?
Viele Menschen nehmen ein Buch wie dieses in die Hand, denken und hoffen, mit dem Lesen fänden sie das Patentrezept, seien alle Probleme gelöst und sind dann enttäuscht, dass sich am Ende des Buches nichts an ihrer Situation geändert hat.
Mit großen Hoffnungen, Plänen und Zielen lesen sie eifrig Seite für Seite, bis sie zu der Erkenntnis kommen, dass sie auch selbst etwas dafür tun müssen. Hier ist dann der Punkt erreicht, wo sich entscheidet, wer wirklich etwas mit diesen Informationen erreichen will und wer nur auf der Suche nach einfachen Lösungen ohne jegliche Anstrengung ist.
Das Buch „Finanz-Chaos?“ ist aus der Idee heraus entstanden, Ihnen, lieber Leser, liebe Leserin, einen Weg aus der Praxis aufzuzeigen, den jeder umsetzen kann. Es liefert Ihnen bewährte Tipps, Ideen und Lösungsansätze aus den unterschiedlichsten Bereichen zum Thema „Geldprobleme“.
Was am Ende dabei herauskommt, wenn Sie mit diesem Buch arbeiten, hängt einzig und allein davon ab, wie ernst es Ihnen mit Ihrer finanziellen Situation ist, und überhaupt damit, etwas in Ihrem Leben zu verändern.
Ganz sicher ist dies kein „Schönreden-Buch“ welches Ihnen rät, alles beim Alten zu belassen oder immer die Schuld bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst zu suchen.
Des Weiteren ist es nicht geeignet für Menschen, die denken, dass von heute auf morgen alle ihre Probleme im finanziellen Bereich gelöst werden. Geldsorgen und Schulden entstehen oft über Jahre, sind eine sich immer mehr nach oben drehende Spirale – oftmals sogar ohne Ende!
In diesem Buch geht es darum, dieses Dilemma, vor allem aber auch das eigene Verhaltensmuster zu durchbrechen, neue Wege zu finden und zu gehen.
Ein neues, anderes Leben zu beginnen, mit dem Ziel, in einem angemessenen Zeitraum Ihre finanzielle Situation in einen machbaren Plan umzuwandeln. Falls vorhanden, Schulden nach und nach abzubauen – schuldenfrei zu werden und gleichzeitig Geld anzusparen.
Hierbei geht es um Konsumschulden, nicht um Schulden von geschäftlicher Natur (denn das sind oftmals tatsächlich „vernünftige“ Verbindlichkeiten). Das Tempo, die vorhandenen Möglichkeiten und den erforderlichen Zeitraum bestimmen Sie dafür selbst.
Sie halten dieses Buch in den Händen, sicherlich aus den unterschiedlichsten Gründen, mit den unterschiedlichsten Hoffnungen und auch Erwartungen, aber sicherlich alle mit dem gleichen Ziel. Wenn Sie Erfolg in Ihrem finanziellen Bereich haben wollen, bedeutet dieser Weg in erster Linie zunächst Entscheidungen und Veränderungen für Sie.
Veränderung im persönlichen Bereich, im beruflichen, im privaten, vor allem aber im finanziellen – kurz gesagt: Wenn Sie sich mit den Ursachen Ihrer Finanzmisere befassen, kann sich schlagartig auch in allen anderen Lebensbereichen etwas verändern.
Wie hoch auch möglicherweise Ihre Verbindlichkeiten heute sein mögen, werfen Sie die Flinte nicht ins Korn. Bringen Sie den Mut und auch die Energie auf, diese Situation für sich selbst ins Positive zu wenden. Gerade finanzielle Sorgen und Nöte können einem die ganze Energie rauben und ein erhebliches Maß an Lebensfreude nehmen. Alleine schon aufgrund Letzterem sollten Sie Ihr Ziel in Angriff nehmen!
Ich hoffe, Sie finden hier Hilfestellungen, Anregungen und Arbeitstechniken, die Ihnen diesen Weg ein bisschen erleichtern können. Ebenso hoffe ich, dass Sie stets die Motivation haben, immer „am Ball“ zu bleiben, bis Sie an Ihrem Ziel angekommen sind.
Lesen Sie zunächst einmal alles durch und verschaffen sich einen Überblick. Dann fangen Sie wieder von vorne an und setzen die einzelnen Arbeitsschritte, die für Sie machbar sind, in die Tat um. Lesen Sie auch die Kapitel, die Sie nicht direkt betreffen – hier finden Sie vielleicht auch noch den einen oder anderen Tipp, den Sie möglicherweise anderweitig nutzen können.
Ganz wichtig ist auch: Denken Sie nicht darüber nach, ob Sie das alles schaffen. Fangen Sie einfach an und erledigen Sie die Schritte „step by step“ – alles andere kommt von alleine und ergibt sich oft aus der jeweiligen Situation heraus.

Im Kindle-Shop: Finanz-Chaos?: So bekommen Sie Ihre Geldsorgen in den Griff

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16. Januar 2018

'Leben ist Kampf' von Reinhard Skandera

Der vierzehnjährige Franz muss mit dem Vater am Hochofen schaffen, um den vier Brüdern eine Schulbildung zu ermöglichen. Seine eigenen Träume auf ein besseres Leben fernab der Heimat lösen sich in Wohlgefallen auf.

Er lernt Ariane, die einzige Tochter des Fabrikbesitzers kennen. Die ist Rochus von Malotki, Sohn des Polizeipräsidenten, dem glänzende Karrierechancen bei der Kriminalpolizei offen stehen, versprochen. Franz und der Vater verlieren die Arbeit. Ein furchtbares Unglück stellt das Leben auf den Kopf. Franz schließt Freundschaft mit Maik, der ihm einen Ausweg zeigt ...

Für Freunde des historischen Romans eine Geschichte, die im deutschen Kaiserreich Wilhelms des Zweiten während der bewegten ersten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts spielt.

Für kurze Zeit zum reduzierten Aktionspreis erhältlich.

Gleich lesen: Leben ist Kampf

Leseprobe:
1. Himmlisch Ribnei
Der Chef, Gott, hatte keinen Lesestoff mehr. Er beauftragte den besten Mann, mich, ihm einen schönen Roman zu schreiben. Ich war zu Lebzeiten auf Erden ein berühmter Autor, den Sie kennen. Der Name tut hier nichts zur Sache. Auf der Suche nach einem jungen Helden, für den das Leben Prüfungen bereithält, solche Geschichten mag der Meister, springt mir ein Bergdorf ins Auge. Himmlisch-Ribnei liegt im Sudetenland, genauer gesagt im Adlergebirge, das wiederum Teil des Riesengebirges ist. Woran ist der Herrscher interessiert? An der Erfolgsgeschichte eines irdischen Führers? An einem Märchen? Oder amüsiert ihn ein Liebesroman? Ein Engel weiß Rat. Der Kampf der Menschen im Laufe ihres Erdendaseins, aus der Armut, die gottgegeben ist, zu entfliehen. Der Schöpfer zerbricht sich oft den Kopf, warum das die Kinder Gottes motiviert, besondere Anstrengungen zu unternehmen. Damit es nicht langweilig wird, garniere ich die Handlung mit familiären Konflikten, fabelhaften Erfindungen, Bewegung und Aktion sowie enttäuschter Liebe. Um die Story zu verstehen, müssen sie wissen, dass der Weltenlenker mir die Fähigkeit verlieh, sämtliche Gedanken der beteiligten Personen zu kennen.
Im genannten Dörfchen ist die Familie Unfried zu Hause. Josef und Marie, die Söhne Franz, Fritz, Heiner, Ladislaus und Ulrich, in der Reihenfolge ihrer Geburt. Der Protagonist meines Buches ist der Älteste. Vierzehn Lenze, schlaksiger Blondschopf, ein Naturbursche, der gerne durch die Wälder der Heimat streift. Begleitet wird er vom besten Freund, dem Mischlingshund Bongasch. Das Tier liebt Franz abgöttisch. Gott privilegiert die Sieben, sie sind bettelarm. Josef ist ein Häusler. Er besitzt 0,5 Hektar Boden, dessen Erträge er verwerten darf. Zum Sattwerden reicht es. Sie pflanzen auf ihrem Land Gemüse an. Möhren, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Salat sorgen für Abwechselung auf dem Speiseplan. Die Wintermonate überbrücken sie mit Eingekochtem. An Tagen, an welchen die Mutter beschäftigt ist, die frisch geernteten Früchte der Erde zu konservieren, ist sie nicht ansprechbar. Zu anstrengend ist die Arbeit. Auf dem Grundstück wachsen ein Kirschbaum und ein Apfelbaum. Die Ziege gibt Milch. Marie produziert daraus einen köstlichen Käse. Fleisch liefern die Kaninchen. Zwei Dutzend von ihnen pflegen Franz und Fritz. Der Vater brachte den beiden das Schlachten bei. Grund und Boden, den ein Großbauer gegen einen Anteil am Ertrag an sie verpachtete, ernährt sie, soeben. An Winterabenden sprechen die Eltern davon, sie wollen, dass es den Kindern einmal besser geht. Auf die Fragen der Kinder was sie meinen, geben sie keine Antwort.
Unsere Geschichte beginnt in der Silvesternacht des Jahres 1903. Das Sudetenland ist Bestandteil des Königreiches Preußen. Preußen gehört zum Deutschen Kaiserreich, bestehend aus den Königreichen Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen. Aus den Großherzogtümern Baden, Mecklenburg-Schwerin, Hessen, Oldenburg, Sachsen-Weimar-Eisenach und Mecklenburg-Strelitz. Die Herzogtümer Braunschweig, Sachsen-Meiningen, Anhalt, Sachsen-Coburg, Gotha und Sachsen-Altenburg sind ebenfalls dem Reich zugehörig. Ebenso die Fürstentümer Lippe, Waldeck, Schwarzburg-Rudolfstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Reuß jüngere Linie, Schaumburg-Lippe und Reuß ältere Linie. Die Freie und Hansestadt Hamburg und Lübeck, die freie Hansestadt Bremen und das Reichsland Elsass-Lothringen komplettieren das Reich. Regiert wird Deutschland 1903 von dem Kaiser Wilhelm dem Zweiten und dem Reichskanzler Bernhard von Bülow. Die Hauptstadt ist Berlin. Was geschah sonst noch in diesem Jahr? Die Wahlen zum Reichstag enden mit folgendem Ergebnis. Sozialdemokraten 31,7 Prozent, Zentrum 19.8, Deutsch-Konservative 10,0 und Nationalliberale 13,9 Prozent. Anno 1903 pachten die Vereinigten Staaten von Kuba die Bucht von Guantánamo als Marinestützpunkt für einen jährlichen Preis von zweitausend Dollar. Henry Ford gründet in Detroit, Michigan, die Ford Motor Company, die im Gründungsjahr ihr erstes Auto, das Modell „A“ herausbringt. Das Osmanische Reich erteilt der Anatolischen Eisenbahn die Konzession, die Bagdadbahn zu bauen und zu betreiben. Maggie Walker gründet für den „Grand United Order“ die „St. Luke Penny Savings Bank“. Sie ist die erste Frau in den USA, die eine Bank gründet, sowie die erste Afroamerikanerin, die ein Bankhaus leitet. Reinhold Burger erhält in Deutschland ein Patent auf die Isolierkanne, die unter dem Namen Thermoskanne in Serie produziert wird. Die Brüder Wright heben mit dem „Wright Flyer“ zum ersten gesteuerten Motorflug ab. Edwin S. Porter dreht den ersten Western der Filmgeschichte. „Der große Eisenbahnraub“ dauert zwölf Minuten. Heinrich Mann veröffentlicht den Roman „Die Göttinnen“. In Berlin wird Hugo von Hofmannsthals Drama „Elektra“ uraufgeführt. Die Stadtpolizei Stuttgart stellt die erste Polizistin Deutschlands, Henriette Arendt, ein. Die erste Tour de France findet statt. Sie führt über 2.482 Kilometer quer durch Frankreich. Der Friedensnobelpreis geht an den Engländer William Randal Cremer, den Gründer der „Interparlamentarischen Union für internationale Schiedsgerichtsbarkeit“. Der Abend wird Franz nichts Gutes bringen. Marie Unfried steht vor dem Haus, in dem sie leben, in der Hand trägt sie eine Gaslampe. Die Kate liegt an einem Hang am Waldesrand. Die Felder, die sie bewirtschaften verlaufen abschüssig. Der nächste Nachbar wohnt einen Kilometer entfernt. Sie späht in die schwarze Nacht. „Wo steckt der verdammte Kerl nur schon wieder? Franz, Franz,“ ruft sie in den Forst hinein. Wiederholt schimpft sie auf ihren Sohn. Franz liebt den Tann, liebt es, mit Bongasch durch den Hain zu streifen. Er kennt die Umgebung, findet sich auch im Dunklen bestens zurecht. Franz vergisst alles Andere, wenn er Abschnitte des Gehölzes erkundet. Das Licht und die Geräusche sind überall verschieden. Manch einer empfindet den Wald eintönig. Auf Franz trifft das nicht zu. Er entdeckt jedes Detail, jegliche Besonderheit. Da draussen ist er sicher vor dem Vater. Der züchtigt ihn bei jeder Kleinigkeit, die der Junge sich nach dem Urteil des Erzeugers zu Schulden kommen lässt. Zwischen Josef und Marie kommt es deshalb regelmäßig zu Streit. Nicht nur aus dem Grund. Josef besucht gerne das einzige Wirtshaus im verschlafenen Himmlisch-Ribnei. Es wird betrieben von einem zwielichtigen Wirt. Aus den umliegenden Dörfern besuchen Gäste die Gaststätte, mangels Gelegenheit in ihrem Ort. Er trifft sich mit den Kumpanen, um Pfennigskat zu dreschen. Marie ärgert sich, weil er einen Teil des kärglichen Einkommens, das er als Gelegenheitsarbeiter verdient, verspielt. Er ist kein cooler Spieler, sondern Emotionen verführen ihn zu hohem Risiko bei den Partien. Seine Ehefrau mag die Spielleidenschaft des Gatten nicht. Sie kritisiert Josef heftig, was zu schlechter Stimmung führt. Franz mischt sich ein. Der Sohn ergreift die Partei der Mutter. Josef reagierte darauf gewalttätig. Er schlägt Franz mit dem Siebenstränger. Das ist in der Zeit ein verbreitetes Erziehungswerkzeug. Es besteht aus einem etwa zwanzig Zentimeter langen Holzgriff, an dessen Ende sieben einzelne Lederriemen befestigt sind. Da Franz die Wirkung des Folterinstruments zu spüren bekam, ängstigt er sich vor dem Peiniger. Zwischen den Eheleuten gibt es Auseinandersetzungen über den Einsatz der Riemen. Nach Maries Ansicht ist Schlagen keine geeignete Methode der Erziehung. Josef hält das nicht davon ab, ihn einzusetzen.
Marie nähert sich der Tür und schüttelt den Kopf. In dem Moment taucht der Ehemann aus der Dunkelheit auf. Er bewegt sich unsicher, torkelt. Die Laune der Frau sinkt. Der Sohn ungehorsam, der Mann ein Trunkenbold, denkt sie düster. Ein wunderschöner Silvesterabend. Ihr Göttergatte sieht die Chance, die Rolle des Sündenbocks loszuwerden. „Treibt der Mistkerl sich im Dunklen draussen herum? Na warte, lass den nach Hause kommen.“ Wie gerufen tauchen Franz und Bongasch ohne jedes Licht aus der finsteren Wand auf. Josef rennt in die Wohnung. „Weg, er holt den Siebenstränger,“ presst Marie besorgt heraus. In Franzens Miene ist Angst zu sehen, gepaart mit einer Portion Trotz. Der Erzeuger kommt wild entschlossen aus der Tür, den Siebenstränger in der Hand. Der Junge flieht, entgeht den Schlägen nicht. Er spürt den Schmerz, den das Leder auf den Armen und dem Rücken verursachen. Dennoch schreit er nicht. Er flüchtet in das Haus. Marie beschwört Josef, er möge aufhören zu hauen. Die Wut ist in dem Augenblick zu groß. Er glaubt, schwindende Autorität in der Familie durch Gewaltausübung zu festigen. Der bedauernswerte Knabe sucht unter dem Küchentisch Zuflucht, zusammen gekauert zu einem Häuflein. Die Küche ist ein karger Raum, in dem neben dem hölzernen Tisch ein gusseiserner Herd zur Ausstattung gehört. Die Herdplatten bestehen aus einem Ring, sodass das Kochloch an die jeweilige Topfgröße anzupassen ist. Der Peiniger kennt den Rückzug, er stürmt herein. Der Platz unterhalb der Tafel ist nicht groß genug, um zu verhindern, dass Franz getroffen wird. Die Mutter ist in der Zwischenzeit in der Kochstube angekommen. Sie stellt sich zwischen den Schläger und das Opfer. Es geschieht sehr schnell. Der nächste Hieb trifft die Frau. Auf einmal herrscht Stille. Das Schreien und Fluchen hört auf. Josef begreift, was er angerichtet hat. Statt die Autorität zu stärken, verliert er an Respekt und Ansehen. Den Dreien wird das schlagartig klar. Maries Blick sagt alles. Der ist vernichtend für Josef. Er wirft den Siebenstränger auf den Boden. Rennt aus dem Zimmer. „Das ist allein Franzens Schuld. Wenn er nicht ungehorsam gewesen wäre, wäre das nicht passiert.“
Nach dem Ereignis an Sylvester geht Franzla dem Vater, wann immer es geht, aus dem Weg. Er entdeckte mit Bongasch einen Ort im Wald, von dem aus er in die Ferne sieht. Dorthin führt sie die Wanderung, falls er keine Pflichten auferlegt bekommt oder die Schule besucht. Alle schulpflichtigen Kinder des Dorfes besuchen die aus einer einzigen Klasse bestehende Dorfschule. Lehrer Himmelmann ist für ungerechtes Verhalten, das er zumindest sämtlichen Lernenden ohne Unterschied zukommen lässt, berüchtigt. Unnachgiebige Strenge ist das Prinzip der Erziehung, davon ist er überzeugt. Jede Abweichung von den Regeln, die er aufstellt, wird durch Strafarbeit bestraft. Bei groben Verstößen wendet er die Prügelstrafe an. Entweder der Sünder muss stumpfsinnig Text zigmal abschreiben oder im Schulgarten Unkraut jäten. Im Klassenraum über der Tafel hängt ein Porträt des Kaisers Wilhelm. Zu Beginn einer Schulstunde rufen die Kinder im Chor: „Unser allergnädigster und geliebter Kaiser, er lebe hoch.“ Dreimal ist Pflicht. Ordnung, Disziplin, Vaterlandsliebe, Verehrung des Militärischen und des Kaisers bilden die Schwerpunkte der schulischen Erziehung. Unerwünscht sind eigenständiges Denken, kritisches Hinterfragen und das Vertreten einer eigenen Meinung. Ungehorsam ist die schlimmste Verfehlung, die ein Schüler begeht. Die Prügelstrafe ist Bestandteil der Erziehungsmethode. Sieben Schläge mit dem Stock für Jungen, die eigensinnig handeln, sind vorgesehen. Aus Kindern sollen Soldaten werden, die blinden Gehorsam zeigen und begeistert in den Krieg ziehen. Franz besitzt eine gute, schnelle Auffassungsgabe. Er ist wissbegierig. Das interessiert den Lehrer Himmelmann nicht im Geringsten. Er weiß, dass Franz Unregelmäßigkeiten unterlaufen. Er spielt zum Beispiel im Schulhof Fußball, was strengstens verboten ist. Himmelmann riecht Gelegenheiten, die es ihm ermöglichen, Sanktionen auszusprechen. Vor versammelter Klasse maßregelt er Franz, der einer der Älteren in der Gruppe ist. Er stellt ihn als negatives Vorbild dar. „Werdet nicht so, wie er ist,“ impft er den anderen Kindern ein. Nach einer Rüge, die Franzla in einer Pause kassiert, sagt er zu Mitschülern, dass der Himmelmann ein Dummkopf sei. In der auf die Unterbrechung folgenden Stunde steht ein Klassenkamerad auf. Er denunziert Franz. Ein Lächeln erscheint auf dem Gesicht des Paukers. Er merkt an, dass ein solches Verhalten typisch für den Unfried ist. Die Bestrafung, die er sich ausdenkt, zeigt den mangelnden Respekt des Schulsystems und seiner Erfüllungsgehilfen, den sie den Schülern entgegenbringen. Franz muss sich auf einen Stuhl stellen. Himmelmann spricht vor: „Wo müsste man dich aufhängen?“ Franz hat zu antworten: „Am höchsten Kirchturm.“ Dass der Junge der Begabteste der Klasse ist, spielt keine Rolle. Erst kommen die Ordnung, die Diziplin und der Gehorsam, dann der Verstand.
Franz ist glücklich über jeden Moment, den er mit Bongasch an ihrem Sehnsuchtsort verlebt. Die beiden liegen aneinander gekuschelt im Gras und blicken in die Ferne. Franz träumt davon, Bücher zu schreiben. Er will ein Zimmer besitzen, in dem Regale an den Wänden stehen, vollgestopft mit Wälzern. Das einzige Druckwerk des Hauses Unfried ist die Heilige Schrift, die Marie in die Ehe einbrachte. Josef interessiert sich nicht für Schmöker, er spielt viel lieber Karten beim Schmorotzer, dem Wirt, in der Schenke. Die Mutter liest den Kindern regelmäßig aus der Bibel vor. Manches Wort Gottes versteht Franz nicht. Marie weiß nicht immer eine Antwort auf die Fragen, die ihr der Sohn stellt. Warum Jesus Christus rät Feinde zu lieben, ist ein Punkt, den Franz nicht kapiert. Franz hat zwar im Dorf keinen Feind, wenn er einen hätte, würde er den sicher nicht lieben. Einen kann Franz nicht leiden, den Lehrer Himmelmann. Er hasst ihn aber nicht. Was kann der dafür, dass er ein Dummkopf ist? Den Himmelmann zu lieben, nein, das geht nicht. Er will mehr über diesen Jesus erfahren, der solch seltsame Ratschläge erteilt. Warum kommt er auf die Idee, Feinde zu lieben.
Im Unterricht erwähnt der Pauker die Geschichte „Die Abenteuer des Huckleberry Finn.“ Das sei das beste Buch der Welt. Das gibt es nur in Amerika, nicht in Deutschland. Amerika liegt vier Wochen entfernt. Man erreicht es per Schiff. Franz ist bisher einmal aus Himmlisch-Ribnei heraus gekommen. Mit der Eisenbahn nach Rokitnitz. Die Mutter hatte dort zu tun. Für Franz war es ein schöner Tag. Er genoss die Gespräche während der Fahrt, saugte die vorbei fahrende Landschaft in sich auf. Die Reise wird er niemals vergessen. Von den viel aufregenderen Ereignissen, die vor ihm liegen, ahnt er damals noch nichts. In Rokitnitz sieht er zum ersten Mal im Leben ein Fahrrad. Ein solches Gefährt gibt es in Ribnei nicht. Noch spannender findet er die Litfaßsäule, die den Jungen derart faziniert, dass die Mutter Mühe hat, ihn von der Anschlagsäule wegzubekommen. Die Nachrichten aus Afrika, Russland und Amerika zogen ihn in ihren Bann. Marie ist glücklich, ihren talentierten Nachwuchs zu beobachten. Sie drängt zur Eile, denn nur ein Zug fährt zurück nach Himmlisch-Ribnei. Eine Pferdekutsche ist die Alternative, die sie sich nicht leisten können.

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'Trugbild der Schatten: Erster Teil der Aedon-Vohrn Trilogie' von Helmut Aigner

Aus Verbündeten werden Verräter - Freunde zu gnadenlosen Feinden, in einer Welt, in der das Wirken von Magie ein unsagbares Verbrechen darstellt.

Ein einfacher Auftrag gerät für eine Söldnerin aus Courant zu einem Desaster. Ein fanatischer Ritterorden macht Jagd auf eine Gemeinschaft von Verstoßenen. Und die letzte Elfenzivilisation Aedon-Vohrns steht kurz vor ihrem endgültigen Zerfall. Sie alle sind verbunden durch den Konflikt alter Mächte.

Einer Fehde der Gefallenen.

Gleich lesen: Trugbild der Schatten: Erster Teil der Aedon-Vohrn Trilogie

Leseprobe:
Wer durchschreitet blind die Nacht?
Hält dir als Letzter die Totenwacht?
Verkleidet Fluch in edle Pracht?
Baut sein Reich auf Niedertracht?
Bis alle Feuer hell entfacht!
König Mord, in finstrer Tracht.

1
Andauernd, jede Nacht, plagten sie düstere Albträume. Es blieb falsch, egal wie oft sie es durchlebte.
Unerklärliche Bilder verblassten nach dem Erwachen, mit rasendem Herzen suchte sie nach einer Erklärung.
Im Schlaf wurde Etaila zu jemand anderem, einer Frau, die in Furcht lebte vor ihren Verfolgern.
Sie rannte durch einen dichten Wald, gehetzt von einem Jäger, einen Mann ohne Gesicht, der sie drohte einzuholen.
Doch wenn sie sich umdrehte, war da nichts, nichts außer der Kälte zwischen den Ästen, dünnem aufsteigendem Rauch und purer Einsamkeit. Sie landete an einem anderen Ort, herausgerissen aus der verstörenden Vergangenheit.
Grübelnd sah die Träumerin eine Siedlung, klein, friedlich und abgelegen in den Bergen, die sie nie bereist hatte. Sie erspähte eine alte Frau mit sorgenvollem Blick, die Sorgfalt galt allein dem Schicksal der Besucherin- Etaila.
Der Tod kam in die kleine Siedlung.
Die Vorsteherin wurde erstochen von einem Mann bewaffnet mit schlichtem Dolch. Er wechselte sein Angesicht, war erst jung, später alt und wieder umgekehrt.
Doch das war nur der Beginn, die Eindrücke änderten sich rasch, sie konnte kaum folgen.
Sie sah ein Heer von Angreifern, keine Menschen, sie brachten das Leid in die entlegenen Täler des Grenzlandes der Thärden, den kriegerischen Clansleuten und verhassten Nachbarn der Elfen.
„Es sind Orks, flieht, wenn Ihr sie bemerkt, sonst ist es um Euch geschehen", flüsterte eine leise ängstliche Stimme ihr in den Nächten zu.
Diese Warnung flößte ihr Angst ein und machte sie panisch.
Wieder befand sie sich in dem lichtlosen Wald unter schiefen Baumreihen. Sie zitterte vor Angst und Kälte, und als sich Etailas anderes Ich umwandte, stand jener, der seine Form wechselte, hinter ihr, mit gezogenen Dolchen und einem frostigen, mordgierigen Glitzern in den Augen.
Die ängstliche Stimme in ihr begann zu sprechen. Sie flüstere nur einen Namen. Es war derselbe, den die alte Frau kurz vor ihrem Tod gehaucht hatte. Ein mächtiger Name, so althergebracht wie die Sagen ihres Volkes „Viondars".
Dann wachte sie auf, den Klang ihres eigenen Schreies in den Ohren. Der wirre Traum riss sie aus dem Schlaf. Sie setzte sich auf ihre einfache Schlafstätte, Säcke, gefüllt mit Stroh.

Die Söldnerin benötigte eine Weile, um frei durchatmen zu können. Es waren nur Spukbilder gewesen, sagte sie sich. Und doch war sich Etaila unsicher. Sie hatte eine völlig andere Person gemimt, jemanden mit anderer Vergangenheit, mit sensiblem Charakter, das komplette Gegenteil ihrer selbst.
Anfangs grübelte sie über den Irrsinn nach, den sie empfand, dann betrachtete sie die junge aufgehende Sonne durch die geöffnete Dachluke. Und der Traum der vergangenen Nacht verschwand im hintersten Winkel ihres Unterbewusstseins.
Es gab Wichtigeres zu tun. Sie sprang auf und kleidete sich an. Hose, Gürtel, Wams - einfache Kleidung zum Arbeiten, geeignet für viele Berufe in Courant, ihrer erwählten und ebenso schäbigen Heimatstadt. Berufe, bei denen das Schwert das wichtigste Werkzeug darstellte.
Sie wusch sich das Gesicht in einer hohen Schüssel gefüllt mit eiskaltem Wasser.
Zum Frühstück setzte sie sich an einen schiefen Tisch, der kaum sein eigenes Gewicht tragen konnte. Es gab Haferbrei zum Essen, schal wie üblich, zu mehr reichte das Geld kaum aus.
Man konnte nicht behaupten, dass sie in Luxus schwelgte.
Jetzt, so früh am Morgen, lag der kleine Raum fast in völliger Dunkelheit, ihr Ruhelager, ein schiefer Schrank und eine Truhe, alles war nur spärlich beleuchtet. Ein Kienspan spendete ein wenig Helligkeit, damit die junge Frau sich im Inneren zurechtfand.
Sie bereitete sich auf ihren neuen Arbeitstag vor.
Die Eskorte von Händlern und anderen Kunden war im unruhigen Süden keine Seltenheit. Einige Abgesandte aus der örtlichen Händlergilde hatten sie angeworben, als Begleitung zum Schutz ihrer Leben und ihrer Waren.
Ihr guter Ruf war ausschlaggebend gewesen. Sie wurde als Söldnerin zu den wenigen gerechnet, die an untätigen Tagen nicht schon am frühen Mittag betrunken in ihrem eigenen Erbrochenem lagen.
Sie nahm ihr Handwerk ernst.
Sie würde stundenlang neben einem Kutschbock sitzen und einige Dutzend Fässer bewachen; Abenteuer sahen anders aus.
Dafür gab es dann am Ende des Tages einige Münzen.
Das war besser als mit knurrendem Magen schlafen zu gehen, dachte sie nüchtern. Es gab in Courant als Frau nur zwei Möglichkeiten: Entweder man wurde die Ehefrau eines Halsabschneiders, oder selbst einer. Das hatte ihr Vater ihr einst als Rat mitgegeben. Sie machte es anders. Denn sie hatte schon viele Halsabschneider gesehen, die am Strick endeten.
Sie ging einige Schritte, griff in die Dunkelheit hinein.
Aus der Truhe nahm sie ihr Kopis heraus, einen Schildbrecher, der Rundschilde mit Wucht durchdrang und zu Kleinholz verarbeitete. Eine gut geschmiedete Waffe, wenn man bedachte, dass ihr alter Herr, der Hufschmied eines Dorfes nah der Marschen, es damals aus Altmetall hergestellt hatte. Fieber in Winter hatte ihr den Vormund geraubt, ihre Mutter kannte sie kaum, sie war noch während ihres Kindesalters fortgegangen.
Nicht ungewöhnlich; das raue Land um Courant raffte jedes Jahr genug Menschen dahin.
Das Schwert war das einzige Erinnerungsstück, das von ihrem Vater blieb, und es hatte ihr in ihrer Jugend genügend ausgehungerte Wölfe aus den Bergen vom Leib gehalten.
Sie hatte es gestern Abend vorsorglich geschliffen.
Alles war vorbereitet. Die einfache Schutzkleidung, in der sie steckte, war vor einer Woche geflickt worden. Sie fuhr in einem Wagen heraus aus dieser großen Ansammlung von heruntergekommenen Hütten, die sich eine Stadt nannte. Vielleicht kam sie sogar für längere Zeit heraus.
Sie machte sich Mut für die Zukunft, als sie ihr Häuschen verließ und in den grauen morgendlichen Himmel hinaus spähte.
Die Sonne blieb eine kleine matte Scheibe am Horizont, die heute kaum Licht gab.
Die Straßen sollten zu dieser Uhrzeit menschenleer sein, selten hatte einer der Bewohner einen Grund so früh seine Behausung zu verlassen. Diesmal war es ähnlich. Nur Irna die alte Vettel, die auf der Veranda ihrem Haus gegenübersaß, war schon wach und reckte sich in einem Schaukelstuhl. Ihre Vermieterin, ein schrecklich geiziges Weib, das sie am ausgestreckten Arm verhungern ließe, nur um sich ein paar Geldstücke zu sparen. Sie grüßte das böse Weib und erntete aus der Entfernung ein herablassendes Grinsen, fehlte nur die Aufforderung, die Miete rechtzeitig zu begleichen.
Aber sie suchte kein Ärger mit ihr, die Anwohnerin bezahlte bisher immer pünktlich und machte selten Schwierigkeiten. Die Söldnerin grinste zurück, fluchte in Gedanken laut auf und ging die matschige Straße entlang.
Alte Schlampe, soll dich doch der Teufel holen.
Ein bis zwei Wochen nicht hier zu sein, würden ihr gut tun.
Etaila, die junge Frau mit dem hübschen Gesicht, dem blonden Haar und der frischen Erscheinung, ging an einem verschlammten Tümpel vorbei, passierte eine schmale Brücke, nur ein breites Brett über einen schlammigen Weiher. Die Wolkendecke am Firmament färbte sich weiter grau, ein leichter Schauer kündigte sich an. Kaum ungewöhnlich in dieser Ecke der Welt, die raue See der Frostbanninseln brachte reichlich schlechtes Wetter in den Süden.
Entfernt hörte sie Reiter, sie besaß kein Pferd und durfte nicht zu spät zur Handelsstation gelangen, man würde nicht wegen einer einzelnen Person die Karawane warten lassen. Zeit war Geld und sie nahm die Beine in die Hand.
Sie rannte an weiteren, immer gleich aussehenden Rundhütten vorbei, jederzeit darauf bedacht, nicht im Schlamm oder Pferdemist auszurutschen oder stecken zu bleiben.
Großartig, der Tag begann mit einem Sprint, hoffentlich war sie nicht überfällig, so einfache Arbeit gab es in den nächsten Tagen nicht erneut.
Sie hörte das Gebrüll hinter sich, ein Bote spornte sein Ross zu mehr Geschwindigkeit an und nahm dabei keine Rücksicht auf Fußgänger. Die junge Frau wurde beinahe über den Haufen geritten, nur durch Haaresbreite entkam sie den ausscherenden Hufen, ein Sprung zum Wegrand in eine Pfütze rettete sie zumindest vor einer schmerzhaften Verletzung. Sie kroch ein Stück voran und wischte sich den Schlamm aus dem Gesicht. Sie hörte lautes Gelächter. Der Reiter hatte Freude an seinem Sprung gehabt.
Wenig später erreichte sie den Handelsposten, zu früh. Die Händler dachten gar nicht daran, überstürzt aufzubrechen, Etailas Hosen und Mantel waren von Matsch verkrustet und ihre Laune war, morgendlich, bereits verdorben.
Ein alter Mann mit langem grauem Bart und einer erstaunlich intensiven Bierfahne empfing sie vor dem Kutschbock.
„Ihr müsst Etaila sein.“ Ihm war dies klar, weil sie die einzige Frau auf der Reise sein sollte.
„Wer sonst", war ihre knappe Antwort.
Man blieb trotzdem höflich zu ihr und übergab, wie vereinbart, drei Silbermünzen als Vorschuss.
Wenigstens sind die Pfeffersäcke nicht knickrig. Sie haben wohl Muffensausen die große Fahrt mit zu Wenigen anzutreten.
Dachte sie beim Aufsitzen auf einen Karren, der mit bauchigen Fässern beladen wurde. Eine Gruppe weiterer Bewaffneter begrüßte sie wortkarg, sie brummte ein Hallo zurück. Das reichte, mehr Worte musste man innerhalb der Zunft nicht wechseln.
Währenddessen verstaute man Bier, eine wichtige Handelsware für viele Dörfer im Umkreis von Meilen.
Jemand reichte ihr einen Becher mit dunklem Gerstensaft. Sie nahm einen Zug. Nicht das schlechteste Zeug.
Vielleicht wird der Tag ja, doch noch vernünftig, sie versuchte sich Mut zu machen.

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