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30. Mai 2017

'Bitterblutige Wahrheit' von Ilona Bulazel

»Wie eine lebende Fackel drehte sich Nadja im Kreis, als könnte sie sich so aus den schmerzhaften Klauen des Todes winden – doch dieser trieb ein grausames Spiel mit der Sterbenden und schien die Darbietung zu genießen, bevor er sich endlich erbarmte und dem kräftigen Herz in Nadjas Brust gestattete, das wilde Hämmern einzustellen.«

Max von Bernau hat alles genau geplant. Die Neueröffnung seines Luxushotels muss unbedingt ein Erfolg werden, sonst ist er ruiniert. Doch dann bricht ein Unwetter biblischen Ausmaßes über den Schwarzwald herein und die Anlage ist von der Außenwelt abgeschnitten. Noch in der gleichen Nacht beginnt das grausame Morden und nicht nur die Gäste müssen um ihr Leben bangen.

Einzig Oberkommissar Müller, der die Abgeschiedenheit des Hotels nutzen wollte, um sich seinen Dämonen zu stellen, kann den Täter aufhalten. Der fordert ihn mit weiteren Bluttaten heraus und der Polizist erkennt, dass nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Umgeben von tiefem Hass, Gier und dem Wunsch nach Rache macht er sich auf die Suche nach der bitterblutigen Wahrheit …

Gleich lesen: Bitterblutige Wahrheit: Kriminalroman

Leseprobe:
Das Gebäude war verloren. Die Flammen loderten in den Nachthimmel, versuchten, so schien es, die Sterne zu berühren, und erhellten die Dunkelheit auf gespenstische Weise. Die Löschzüge der Feuerwehr erreichten viel zu spät das imposante Hotel, das seit fast hundert Jahren hier oben auf einer der kargen Bergspitzen des Schwarzwaldes thronte, um stressgeplagte Städter mit verwöhnten Gaumen zu beherbergen.
All die Jahre hindurch hatte man sich dort unermüdlich um die Sorgen und Nöte der Gäste gekümmert. Und stets, bis auf ein paar unbelehrbare Ausnahmen, waren die Besucher nach ihrem Urlaub mit gelösten Gesichtszügen und zugegeben auch drastisch geleerten Geldbeuteln abgereist. Trotz aller Bemühungen ließ sich allerdings nicht kaschieren, dass das Familienhotel seine besten Tage bereits hinter sich hatte. Die Gäste eilten nicht mehr so zahlreich herbei wie in den Jahren zuvor, und die Konkurrenz, die mit modernen und schicken Gebäuden aufwarten konnte, ließ die Übernachtungszahlen der Herberge stetig sinken.
Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr, denn es würde sowieso nichts von dem altehrwürdigen Haus übrig bleiben. Die Flammen schossen aus den Fensteröffnungen, hatten sich längst durch den Dachstuhl gekämpft und beschlossen, alles dem Erdboden gleichzumachen.

Nadja schlief tief und fest. Die Achtzehnjährige hatte gerade einen wunderschönen Traum: Sie lag an einem exotischen Strand in den Armen eines Filmstars und spürte die Sonne auf der Haut. Doch plötzlich wurde ihr die Wärme unangenehm, die Traumbilder zerflossen vor ihrem geistigen Auge und sie schrak auf.
Für einen Moment war sie orientierungslos, dann fiel es ihr wieder ein. Berni, einer der Azubis, hatte ihr den Schlüssel zur Romantiksuite besorgt, nachdem sie sich bei ihm über ihre Mitbewohnerin beklagt hatte. Ein nettes, übergewichtiges Mädchen, das genau wie Nadja ein Praktikum im Hotel absolvierte, im Angestelltentrakt wohnte und die leidige Angewohnheit hatte, wie ein Bär zu schnarchen.
Berni hatte versucht, sich mit seinem Regelverstoß bei Nadja beliebt zu machen. Sie wusste, dass er sehr an ihr interessiert war. Sie hatte schon früh bemerkt, wie hilfreich ihr gutes Aussehen und ein bisschen weibliche Raffinesse sein konnten, um das zu bekommen, was man wollte. Zwar war sie deshalb häufig in Schwierigkeiten geraten, hatte sich aber doch immer wieder herauslavieren können. Nur ihre ältere Schwester ließ sich nicht um den Finger wickeln.
Sie hatte ihr ein Ultimatum gesetzt: »Entweder du bekommst dein Leben in den Griff, oder wir gehen getrennte Wege!«
Die Worte waren sehr wohl ernst gemeint gewesen und Nadja hatte sich besonnen. Sie wollte auf keinen Fall den einzigen Menschen verlieren, dem sie etwas bedeutete. Ihre Eltern waren bereits tot und so hatten die Schwestern nur einander.
Nadja hatte mit viel Glück diese Praktikumsstelle ergattern können und eventuell winkte anschließend ein Ausbildungsvertrag, aber so richtig ernst nahm sie ihren Job nicht. Und deshalb hatte sie sich auch darauf eingelassen und Bernis Angebot – ohne an die Konsequenzen zu denken – angenommen.
Das Bett der Romantiksuite war so kuschelig gewesen und sie hatte sofort tief und fest geschlafen; doch jetzt war Nadja hellwach. Sie bekam kaum noch Luft, atmete schwer, hustete und hievte sich umständlich von der dicken Matratze. Überall war dieser Nebel ... Und dann endlich verstand sie: Das war kein Nebel, sondern Rauch!
Panik ergriff sie und ließ sie aus dem Schlafzimmer zur Eingangstür eilen. Automatisch umschloss ihre Hand den goldfarbenen, altmodischen Knauf, nur um im nächsten Augenblick schmerzvoll aufzuschreien. Sie riss ihre Hand mit einem Ruck zurück, die Haut klebte an dem heißen Metall fest. Jetzt sah sie den hellen Schein unter der Tür, der Flur musste bereits in Flammen stehen. Der beißende Rauch waberte immer dichter durch den Raum. Nadja hielt sich die Hand vor den Mund und flüchtete in Richtung der Fenster, während ihr Tränen über das Gesicht liefen. Sie hatte gerade die Mitte des Salons erreicht, als eine gewaltige Explosion das Gebäude zu zerreißen schien. Die Fenster zersprangen und scharfe Glasscherben ergossen sich über den Körper der jungen Frau. Sie dachte an ihre Schwester, sah deren zartes Gesicht vor sich, auf dem sich stets eine kleine Sorgenfalte zwischen den Augen bildete, und wusste, dass sie sterben würde.
Im nächsten Moment verschlang die Feuerwalze Nadjas Körper. Sofort verschmolz das billige Polyesternachthemd mit der Haut der jungen Frau und ließ sie in Flammen aufgehen. Wie eine lebende Fackel drehte sich Nadja im Kreis, als könnte sie sich so aus den schmerzhaften Klauen des Todes winden – doch dieser trieb ein grausames Spiel mit der Sterbenden und schien die Darbietung zu genießen, bevor er sich endlich erbarmte und dem kräftigen Herz in Nadjas Brust gestattete, das wilde Hämmern einzustellen.

Wieder ließ eine heftige Explosion die Mauern erzittern, lange konnte das Gebäude dieser Gewalt nicht mehr standhalten. Der Einsatzleiter der Feuerwehr schrie seinen Männern zu, sich zurückzuziehen. Sie hatten bereits ein Opfer in den eigenen Reihen zu beklagen, seine Entscheidung war daher die einzig Richtige. Alle hatten ihr Bestes gegeben und doch versagt. Mit rußgeschwärzten Gesichtern und Schweiß auf der Stirn standen sie nun da und mussten dem Feuer den Sieg überlassen.
Es waren noch Menschen in dem Gebäude. Die Rettungskräfte hatten die Schreie der Unglücklichen gehört und würden diese vermutlich nie vergessen können. Obwohl das Hotel zügig evakuiert worden war, hatten es doch nicht alle geschafft.

Im Kindle-Shop: Bitterblutige Wahrheit: Kriminalroman

Mehr über und von Ilona Bulazel auf ihrer Website.



29. Mai 2017

'Moringa – Quelle der Energie' von Michaela Burgmeister

Die Gesundheit ist unser höchstes Gut, aber dafür müssen wir auch etwas tun. Hektik und Stress im Alltag fordern ihre Tribut. Sie nagen an uns wie der Zahn der Zeit. Das Zauberwort heißt Moringa. Die Moringapflanze ist reich an vielen Nährstoffen.

Als Superfood bietet sie alles was Ihr Körper benötigt, Mineralstoffe, Vitamine, Proteine und Antioxidantien & Co, halten Ihren Körper gesund und fit. In dieser Hinsicht stellt Moringa manche anderen Superfoods in den Schatten.

In diesem Buch finden Sie viele Anregungen zur Verwendung von Moringa. Zudem wird das erfolgreiche Projekt MoringaGarden vorgestellt. Hier besteht sogar die Möglichkeit, in Moringabäume zu investieren.

Gleich lesen: Moringa – Quelle der Energie

Leseprobe:
Ein kurzer Blick auf die Geschichte
Bei einem Baum von einer Geschichte zu sprechen ist gar nicht so einfach, denn tatsächlich zeigt sich hier die Problematik, dass die Geschichte erst in dem Moment beginnt, wo der Baum und seine Wirkung durch den Menschen entdeckt wurden. Beim Moringa Baum geht diese Entdeckung weit zurück. Die ersten Erwähnungen fanden rund um die Zeit um etwa 4.000 vor Christus statt. Teilweise konnte auch den Schriften in Sanskrit entnommen werden, dass der Moringa hier vor rund 5.000 Jahren entdeckt wurde. In diesen Schriften wird er als Sigru bezeichnet und kommt schon in der ayurvedischen Medizin zum Einsatz. Wird der Blick in Richtung Ägypten gerichtet, dann wurde hier der Baum noch nicht ganz so zeitig entdeckt. Es wird „erst“ 2475 vor Christus davon gesprochen, dass das Öl der Samen, welches als Behenöl bezeichnet wird, zum Einsatz kommt und zwar handelte es sich hierbei um einen Import aus Asien.

Interessant ist ein Blick auf die Bereiche, für die Blätter vom Moringa Baum eingesetzt wurden. Dies ist in den verschiedenen Ländern durchaus unterschiedlich. Während in Indien die Einsatzgebiete breit gefächert sind, kamen die Blätter in Malaysia lediglich bei Wurmbefall zum Einsatz. In Indien dagegen wurden sie bei Anämie eingesetzt, bei Verunreinigungen des Blutes, bei Fieber und Durchfall sowie bei hohem Blutdruck und Kopfschmerzen. Bei Hautinfektionen haben sie in Guatemala ihr Einsatzgebiet. Auf den Philippinen wird gerne bei Mandelentzündungen zu Moringa gegriffen, aber auch bei der Milchbildung nach einer Schwangerschaft. Gerne wird er auch für die Ernährung von Kindern eingesetzt, die Probleme mit dem Wachstum haben und etwas Kraft brauchen. Auf den Philippinen wird der Moringa Baum und seine Eigenschaften gerne als „mothers best friend“ bezeichnet.

Oft kommt Moringa in Form von Nahrungszusätzen zum Einsatz. Das Pulver lässt sich einfach einsetzen und wird von den Kindern meist nicht einmal bemerkt. Gerade für Erwachsene wird es aber auch gerne in Kapselform angeboten, damit das Pulver besser dosiert werden kann. Fakt ist: Die Geschichte rund um den Moringa Baum geht lange zurück und bereits seit Jahrtausenden ist seine besondere Wirkung bekannt, sodass er sich über die Zeit hinweg einen sehr guten Ruf erarbeitet hat. Bis heute wird Moringa auch in der ayurvedischen Medizin verwendet.

Im Kindle-Shop: Moringa – Quelle der Energie



26. Mai 2017

'Das forensische Gemetzel' von A.C. Scharp

Nichts ist mehr sicher, wenn die Normalen zum Problem werden.

Der Alltag der forensischen Psychiatrie in Frackhausen ist beschaulich, bis sich ein Serienmörder entschließt, wieder in seine Heimat zurückzukehren.

Der muss weg! Da sind sich die Ehemänner seiner Opfer einig. Leider greifen sie zu Mitteln, die den Chefpsychologen der Klinik in arge Bedrängnis bringen. Der versucht, in einer Welt der Selbstdarsteller und Egomanen seine brüchige Fassade aufrechtzuerhalten.

Der Leser bleibt mit der Frage zurück: Sitzt die Gefahr wirklich nur hinter den hohen Mauern? Die forensische Psychiatrie, in der es etwas anders zugeht.

Für Liebhaber der burlesken Absurdität.

Gleich lesen: Das forensische Gemetzel

Leseprobe:
Mike Sanger sagte niemals laut, dass er sich auf der Arbeit wohler fühlte als zu Hause. Er mochte die Belegschaftsbesprechungen nicht, aber das war noch lange kein Grund, sich nach seinem Zuhause zu sehnen. Er fand es nur ziemlich unsinnig, hier mindestens eine Stunde Plattitüden auszutauschen.
Offiziell waren diese Besprechungen wichtig, da es sonst kaum möglich war, sich vernünftig auf dem Gang miteinander zu unterhalten, obwohl man sich mehrmals täglich über den Weg lief. Allerdings bekam das gesprochene Wort und die damit verknüpfte Meinung überhaupt nur Gewicht, wenn es in diesem Raum stattfand.
Das Besprechungszimmer war so bewusst nichtssagend gehalten, dass die Veranstaltung mehr Charakter gehabt hätte, wenn sie auf dem Klo stattgefunden hätte. Falls es einen Ort gab, der dazu geeignet war, mit seinen Gedanken nicht abzuschweifen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, dann war es hier. Heute jedoch gab es eine Lockerungskonferenz, was zumindest so viel Zündstoff versprach, dass Mike nicht gegen seine zufallenden Augen ankämpfen musste, wie das sonst regelmäßig passierte.
Lockerungskonferenz, das bedeutete nichts anderes, als darüber zu entscheiden, ob ein Bewohner seine Prognose insoweit verbessert hatte, um ihm kleine – aber sehr begehrte – Zugeständnisse an die Güte seines Aufenthaltes machen zu können. So hieß die offizielle Version. Im Klartext bedeutete das einfach, ob einer der Bewohner so weit aus seiner Station herauskam, um an Programmen teilzunehmen oder anderen Bewohnern an den Hintern fassen zu können. Da sie jahrelang nur Männer um sich hatten, verfiel man schon einmal auf solche Gedanken. Vor allen Dingen, wenn man es gewohnt war, Frauen nach dem Sex ins Jenseits zu befördern.
»Ich halte es nicht für vernünftig«, sagte Dr. Monika Berg, die Chefärztin des ärztlich-therapeutischen Dienstes. Mike zwang sich, wieder zuzuhören.
»Warum nicht?«, widersprach Ralf Stockschneider, Psychiater und gleichzeitig Oberarzt, nebenbei noch Freund von Mike. »Er hat sich wirklich gemacht. Die Medikamente haben ihm echt geholfen.«
»Die Medikamente haben ihm nicht geholfen, die halten ihn nur ruhig«, erwiderte Berg. »Ich weiß sowieso nicht, wie es einem Menschen helfen soll, Psychopharmaka gegen seine Veranlagung zu einzunehmen.«
Mike wusste das ehrlich gesagt auch nicht. Paul Kluge war als homosexueller Transsexueller in einem Männerkörper geboren, was von seinen Eltern mit einigem Entsetzen aufgenommen wurde. Sein Vater behandelte lieber nach der guten alten rezeptfreien Methode und versuchte, diese revolutionären Gedanken aus ihm herauszuprügeln, was einiges an Erfolg brachte, wenn auch nicht den, den man sich gewünscht hätte. Paul begann, sich selber zu hassen und kompensierte das auf die für ihn einzig vernünftige Weise. Er vergewaltigte und tötete Frauen. Als Souvenir nahm er ihre Haare mit, hielt es aber für einleuchtender, sie direkt zu skalpieren, als ihnen diese nur abzuschneiden. Mike fand in seinen Gesprächen später heraus, dass er einen Skalp besser gebrauchen konnte, quasi als Direkt-Toupet. Seine Eltern hatten ihm konsequent verboten, sich seine Haare einfach wachsen zu lassen, was das Problem vielleicht weniger blutig gelöst hätte.
Trotzdem war noch nicht konsequent logisch geklärt, warum er als Transsexueller Frauen vergewaltigen musste. Daher eindeutig für verrückt erklärt, bekam er Tabletten, damit er sich auch selber diesbezüglich keine Fragen mehr stellen musste.
»Ich meine nur, dass ich es nicht für sinnvoll halte, ihn wieder mit seinem Trauma zu konfrontieren«, sagte Berg. »Wer weiß, wie er sich verhält, wenn er langhaarige Frauen sieht. Auf Frau Goldschmidt reagiert er auch immer sehr negativ.«
»Wobei ich der Meinung bin, dass das eher an Frau Goldschmidt liegt«, erwiderte Ralf. »Wenn sie etwas hübscher und weniger nervig wäre, gäbe sich das vielleicht.«
»Mumpitz«, sagte Monika Berg. »Er steht doch nicht auf Frauen, wie sollte sich das dann geben?«
Mike fragte sich indes, wie man über Lockerungen für einen Patienten nachdenken konnte, wenn man noch nicht einmal verstand, was in seinem Inneren vorging. Er verlagerte sein Gewicht auf die andere Hälfte seines Hinterns und schlug die Beine übereinander.
»Fragen wir doch Herrn Sanger, wie er die Verfassung von Paul Kluge einschätzt.« Ralf wandte sich zu ihm. Alle Augen starrten ihn erwartungsvoll an.
»Nun ja.« Mike räusperte sich, hauptsächlich, um Zeit zu schinden. »Die Frage ist doch, soll er eine Lockerung bekommen, weil wir das wollen oder weil er das will.«
»Genau!«, rief Dörte Heckmann, die kleine, rundliche Oberschwester, in deren Nähe er sich immer ein bisschen fühlte wie auf einem schwankenden Kutter. Frauen, die ihn als sexuell begehrenswertes Wesen sahen, irritierten ihn. Daher traute er ihrem begeisterten Urteil weniger, als ihr lieb gewesen wäre und ignorierte den Zwischenruf zumindest fürs Erste.
»Nur weiter«, sagte Monika Berg aufmunternd.
»Ich meine, er ist glücklich hier«, fuhr Mike fort. »Er lebt in seiner kleinen Welt, in der man ihn weder verurteilt noch auslacht. Er hat nie den Wunsch geäußert, diese Klinik zu verlassen. Warum diskutieren wir jetzt darüber?«
»Weil wir überbelegt sind«, sagte Ralf betont geduldig. »Und weil er die anderen Männer angrapscht.«
»Davon habe ich nichts gehört«, warf Monika Berg dazwischen.
»Wie auch?«, entgegnete Ralf. »Welcher Mann erzählt denn seiner Ärztin oder irgendeiner anderen Frau, dass ihm im Dunkeln die Eier massiert werden?«
»Das halte ich jetzt nicht für so schlimm«, sagte Hud Maimun Maroun, der pädagogisch-pflegerische Leiter, bei dem für Ralf alleine für diese Kombination seines Namens mit dem Titel – auf den er übrigens großen Wert legte – eine Eiermassage durch Paul Kluge angemessen erschien.
»Nicht, wenn es meine Eier sind«, schnappte Ralf.
»Dann bleibt das Problem wenigstens überschaubar«, erwiderte Hud gelassen.
»Meine Herren!« Dr. Monika Berg klopfte nachdrücklich auf den Tisch. »Ich finde im Übrigen, Herr Sanger hat recht. Wir diskutieren hier über etwas, was vom Patienten weder gewollt noch gewünscht ist.«
»Das wird Dr. Mäuchel aber nicht freuen«, sagte Ralf. »Er hofft auf ein paar Entlassungen. Wie sollen die aber möglich sein, wenn wir für einen Patienten noch nicht mal ein paar Lockerungen beschließen können.«
»Wir besprechen das ein anderes Mal.« Monika Berg erhob sich halb von ihrem Stuhl und machte damit deutlich, dass die Sitzung für sie beendet war.
»Aber da gibt es doch sicherlich noch mehr Zeit zu verschwenden.« Ralf war angepisst, das konnte Mike deutlich sehen. »Wie viele Lockerungskonferenzen muss ich noch anregen, bis meiner Empfehlung einmal entsprochen wird?«
»So viele, bis ein vernünftiger Vorschlag kommt«, erwiderte Monika Berg und verließ den Raum, ohne sich noch einmal umzusehen.
Ralf machte hinter ihrem Rücken eine obszöne Geste, die von Dörte Heckmann mit Kopfschütteln geahndet wurde. Normalerweise konnte allerdings keine der Schwestern lange auf ihn böse sein, da er seinen durchaus vorhandenen Charme sehr freizügig an sie verteilte, was in Mikes Augen umso bewundernswerter war, da es sich zum Teil um Frauen handelte, die nicht nur im landläufigen Sinne nicht hübsch, sondern durchaus erschreckend waren.
Mike klappte seine Mappe zu und verließ gleichzeitig mit Dörte den Raum, was an der Tür eine kleine Kollision zur Folge hatte, die sie mit Kichern und einem neckischen Blick quittierte. Mike hoffte nur, dass er ihr nicht zu viel Futter für ihre Fantasie geliefert hatte, und eilte Ralf hinterher.

Im Kindle-Shop: Das forensische Gemetzel

Mehr über und von A.C. Scharp auf ihrer Website.



25. Mai 2017

'Verliebt in einen Zwerghirschsaurier' von Cornelia Harz

Wovon träumt man, wenn man seiner Mutter beibringen muss, dass der neue Freund Sexspielzeug entwickelt?

Wovon träumt man, wenn man mit seinem Neffen ein Referat über Dinosaurier geschrieben hat, aber während einer Dokumentation über Hirsche einschläft?

Wovon träumt man, wenn sich die Sorgen des Alltags mit den Verrücktheiten des Lebens vermischen?


Lassen Sie sich nach Dinognom entführen, in die Heimat der Zwerghirschsaurier. Seien Sie dabei, wenn Rebekka die Welt mit den Augen ihrer großen Liebe Hansi von Saurus sieht, lachen Sie über den sexuellen Erfindergeist eines Junggesellen und verfallen auch Sie dem Charme dieser herzlichen Riesen. Doch Vorsicht! Genau wie im wahren Leben läuft auch in einem Traum nicht alles perfekt. Der gemeine Bürgermeister Bestius hat vor vielen Jahren die Gemeinschaft der Zwerghirschsaurier zerstört und ihnen unverzeihliches Leid angetan. Hansi und seine Freunde kämpfen um Gerechtigkeit.

Humor, Fantasy und Liebe – ein Spaßbüchlein für zwischendurch, das polarisiert.

Gleich lesen: Verliebt in einen Zwerghirschsaurier: Ein schräger Fantasy-Traum

Leseprobe:
Ich saß an einem kleinen Bistrotisch in meinem Lieblingscafé im Stadtpark und sah durch die große Fensterfront nach draußen. Die Sonne strahlte, die Blumen leuchteten in ihren hellsten Farben und die Vögel flatterten vergnüglich umher und jagten nach den letzten Brotkrumen auf dem Boden der Terrasse. Ich nippte an meinem Kaffee, lauschte den Liedern aus den Boxen über mir und die Schmetterlinge in meinem Bauch tanzten dazu im Takt. Er war schon wieder zu spät, aber das machte nichts. Seit fünf Wochen waren wir nun zusammen und ich hatte es diesmal nicht gefunden, das berühmte Haar in der Suppe. Er war einfach perfekt.
»Hallo Rebekka!« Plötzlich ertönte seine tiefe Stimme hinter mir.
Er riss mich kurz aus meinem Tagtraum, aber ich landete sanft in meinem echten Traum, meinem echten Leben, meiner Liebe.
»Hallo«, sagte ich und küsste seine weichen Lippen.
Hans roch wieder so gut. Ich inhalierte den Duft seines süßlichen Parfüms gemischt mit einer Prise frischem Männerschweiß. Er setzte sich neben mich und die Bedienung brachte ihm auch eine Tasse Kaffee.
»Ich würde dir gerne meine Mutter vorstellen«, platzte es aus mir heraus. Nein, so ein Mist! Rebekka, erst denken, dann reden.
»Na klar, wann denn?«, fragte er souverän.
»Das war nur so eine Idee. Ich hab auch noch gar nicht mit ihr gesprochen, wahrscheinlich ist es viel zu früh.«
Er drückte mir seinen Zeigefinger auf die Lippen. »Es kann nie zu früh sein, seine Schwiegermutter kennenzulernen«, sagte er zärtlich.
Ich schob seinen Finger zur Seite. »Seine Schwiegermutter?«, kreischte ich.
In dem Café war es auf einmal ganz still.
»Ja, warum nicht? Also ich finde, du hast deine Probezeit bestanden.«
Ich grinste und bekam dieses blöde Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht. Eigentlich hatte ich nie heiraten wollen, aber da waren sie wieder, diese Schmetterlinge und dieser Duft, diese klitzekleinen Pheromone, die sich durch meine Nase direkt in …
»Also, was meinst du?«, hakte er noch mal nach.
»A-ber«, stotterte ich, »aber ich weiß noch fast gar nichts von dir.«
»Gut, was möchtest du wissen?«, fragte er.
»Willst du Kinder?« Die Frage der Fragen, auf die ich nicht mal selbst eine Antwort wusste.
»Warum nicht? Du?«
»Keine Ahnung. Und angenommen, wir würden tatsächlich heiraten: Würdest du zu mir ziehen oder ich zu dir?«
»Ich finde, wir sollten uns eine neue Wohnung suchen. Dann fangen wir beide zusammen ganz von vorne an, ohne den Ballast unserer Vergangenheit.«
Seine Antwort gefiel mir. Ich hatte es immer gehasst: im Bett zu schlafen, in dem auch die Ex gelegen hatte. Auf dem Sofa zu kuscheln, auf dem auch die Ex gekuschelt hatte. Auf dem Klo zu sitzen, auf dem auch die Ex – lassen wir das. »Ich denke, da könnten wir uns einig werden. Wo arbeitest du überhaupt?« Es war verrückt, aber es hatte sich in den paar Wochen wirklich noch nicht ergeben, ihn das zu fragen.
»Hmmm, ja, also, du bist doch eine moderne Frau?«
Ich lächelte. »Was kommt jetzt? Betreibst du ein Bordell?«
Er lachte. »Nein, nicht direkt, aber …«
»Jetzt raus mit der Sprache!«
»Ich bin Produktentwickler für Sexspielzeug.« Er wurde etwas leiser. »Vibratoren, Latex-Vaginen und so.«
Ich kugelte mich und schlug ihm auf den Arm. »Komm, jetzt mal im Ernst.«
»Das ist mein Ernst«, sagte er.
Meine Gesichtszüge entgleisten, ich war in diesem Thema wirklich nicht gerade auf dem neuesten Stand. Vor einigen Jahren hatte ich es aufgegeben, diese Läden zu betreten, mein Kopf hatte schon vor der Schwelle stets stärker geleuchtet als alle Glühbirnen zusammen. Und seitdem ich festgestellt hatte, dass der diskrete Versand dieser Waren Werbung in absolut unauffälligen knallbunten Umschlägen nach sich zog, hatte ich es irgendwann ganz sein lassen.
»Du hast sicherlich kein Problem damit, oder?«, fragte er.
»Nein, gar nicht«, antwortete ich und verstummte.
Am Abend saß ich alleine bei mir auf dem Sofa. Es war ein seltsames Date gewesen. Dieser Heiratsantrag, waren wir jetzt verlobt oder nicht? Und sein Job! Ich konnte ihn meiner Mutter nicht vorstellen. Niemals.
Ich schaltete den Fernseher an und ging zum Barfach. In der Glotze lief so eine Doku über Hirsche. Ich hatte den Sender noch eingestellt, weil ich meinem Neffen bei seinem Referat über Dinosaurier geholfen hatte. Mit einer Flasche Whiskey und einem Glas in den Händen setzte ich mich an den Couchtisch und goss mir einen tüchtigen Schluck ein. Er entwickelt Sexspielzeug. Ich trank. Zum Geburtstag würde er meiner Tante Gitta sicherlich einen … Ich trank. Bestimmt müsste ich neue Erfindungen mit ihm ausprobieren. Ich trank. Meine Mutter, die flippt aus! Ich trank und glotzte auf die Hirsche. Was ging denn jetzt ab? Der riesige Hirsch mit seinem riesigen Geweih – schon war er drauf auf der Hirschkuh. Ich füllte mein Glas wieder auf.
Zwischen meinen Gedanken nahm ich immer einen Schluck Whiskey, starrte auf die Mattscheibe, nahm wieder einen Schluck Whiskey. Und irgendwann schlief ich ein und träumte …

»Und eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht! Und eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht!« Amsel Frieda saß in einer Baumkrone und feuerte pfiffig den Zwerghirschsaurier Max bei seiner Morgengymnastik an.
»Autsch, mein Rücken!« Knack, knack. »Das war gut!« Max kroch zufrieden aus seinem Laubhaufen.
»Du wirst doch nicht schon schlappmachen, alter Zwerghirschsaurier? Sieh mich an!« Frieda gab so sehr mit ihrem eigenen Fitnessprogramm an, dass sich die Äste bogen. Zuerst dehnte sie ausgiebig ihre Beine. Danach beugte sie ihre Flügel, als wäre sie ein Bodybuilder mit Hanteln, und anschließend berührte sie mindestens zwanzig Mal mit dem Kopf ihre Füße. »So geht das!«
»Ach, halt bloß den Schnabel, du blöde Kuh!«
»Ich bin keine Kuh! Ich bin ein Vogel!«
»Dann geh vögeln, aber lass mich in Ruhe!«

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24. Mai 2017

'Roter Ozean: Im Fahrwasser der Macht' von Ute Bareiss

Ein Feuerball erhellt das Tyrrhenische Meer. Aus den Trümmern der explodierten Motorjacht rettet der Meeresbiologe Alex einen Verletzten. Damit beginnt ein Kampf ums Überleben. Denn der Gerettete Sergio ist Journalist und besitzt brisantes Recherchematerial zu einem Mord in den höchsten Politkreisen Italiens. Alex gerät in einen Sumpf aus Macht und Intrigen – bis er selbst von Polizei und skrupellosen Verbrechern verfolgt wird. Es bleibt nur ein Ausweg:
Der Gejagte muss selbst zum Jäger werden.

»Ein extrem spannender Wettlauf um Leben und Tod.«
Kölner Rundschau.

»Fesselnd und spannend bis zum Schluss.«
Divemaster Magazin.

»Sehr lebendig und spannungsreich.«
Cannstatter Zeitung

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Leseprobe:
Prolog
Etwas stimmte nicht.
Die Köchin richtete sich in ihren Kissen auf. Der Geruch nach verbranntem Fleisch hing in der Luft. Madre Mia! Die Reste des Saltimbocca alla Romana vom Vorabend standen abgedeckt auf dem Herd. Hatte sie etwa vergessen, das Gas abzuschalten? So etwas passierte ihr in letzter Zeit öfter.
Sie schüttelte den Kopf, strich sich die grauen Haarsträhnen aus dem Gesicht und stand auf. Ein Stechen fuhr durch ihre Glieder – die vermaledeite Arthritis. Zum Anziehen blieb keine Zeit, eine Wollstola musste ausreichen.
Der Flur lag ausgestorben da, nur in den Nischen lauerten schwarze Schatten.
Im Haus herrschte Stille.
Sie eilte in Richtung Küche, nur das Klappern ihrer Pantoffeln auf den Terrakotta-Fliesen übertönte das heftige Klopfen ihres Herzens. Ein ungutes Gefühl beschlich sie und verursachte ein Prickeln, das sich zwischen ihren Schulterblättern bis in den Nacken ausbreitete. Sie hielt inne. Mochte vieles nicht mehr so funktionieren wie früher, ihr Geruchs- und Geschmackssinn arbeiteten noch einwandfrei. Es roch eindeutig verbrannt.
In der Küche war kein Glimmen unter dem gusseisernen Topf auf dem Gasherd zu sehen, der wie eine Insel in Küchenmitte thronte. Was für ein Glück, sie hatte nichts vergessen!
Doch durch die Gardine fiel ein Flackern, das die Konturen beinahe gespenstisch erhellte. Sie hastete zum Fenster und spähte hinaus. Auf die Entfernung konnte sie nur vage tanzendes Licht ausmachen. Hatte etwa einer der Olivenbäume Feuer gefangen? Der Sommer war bislang viel zu trocken gewesen. Kleine Schweißperlen traten auf ihre Oberlippe. Sollte sie Hilfe rufen?
Warum brachte Daniele ausgerechnet heute die Signora mit den beiden Bambini für die Sommerferien zu den Großeltern nach Terracina? Schließlich war er für die Bäume zuständig. Sollte sie den Signore wecken? Nein, sie würde selbst nachsehen, bevor sie falschen Alarm schlug.
Beim Öffnen der Hintertür schlug ihr der penetrante Geruch mit voller Wucht entgegen. Sie drückte sich ein Ende der Wollstola vor die Nase und zog sie enger um ihre Schultern. Trotz der lauen Nachtluft fröstelte sie. Sie musste sich zwingen, einen Fuß vor den anderen über die unebene Wiese in Richtung des Lichtscheins zu setzen. Eine Windböe blies ihr warme Luft zu. Warme, nach verbranntem Fleisch riechende Luft. Beißender Qualm trieb ihr Tränen in die Augen. Sie blinzelte. Blinzelte nochmals.
Dio mio!
Sie schrie, laut und gellend. Als ihre Kehle den Ton versagte, schrie sie stumm weiter. Der Anblick des Menschenkörpers, der an einem Holzkreuz hing, eingehüllt in einen Mantel aus Flammen, die ihm das Fleisch von den Knochen leckten, brannte sich in ihr Gedächtnis.

1
Ein Schweißtropfen bahnte sich seinen Weg von der Schläfe über die Wange und tropfte auf den Neoprenanzug. Alex schloss widerwillig den Reißverschluss. Es wurde Zeit, ins Wasser zu kommen. Selbst für Anfang August war es noch ungewöhnlich warm. Kein Windhauch bewegte die blank polierte See des Golfe de Porto Vecchio, die Lichter der Häuser am Ufer spiegelten sich darin.
Alex gab Jean-Luc das Zeichen zum Abtauchen. Langsam ließen sie sich in die Tiefe sinken. Die Konturen der Pecorella schälten sich aus der Schwärze des Meeres. Ein angenehmes Kribbeln lief Alex den Rücken hinauf, als das gesunkene Schiff immer größer wurde, fast bedrohlich auf ihn zukam. Gespenstisch huschte der Strahl ihrer Tauchlampen über das Wrack, das aufrecht auf dem Grund stand. Wie Rubine leuchteten die Augen zweier Langusten auf dem Kabinendach auf, bevor sie rückwärts flüchteten.
Das Äußere des Wracks war mit leuchtend gelben Krustenanemonen übersät, die ihre Knospen in der Nacht allesamt zu eindrucksvollen Blütenkelchen geöffnet hatten, und das Steuerhaus wie ein sonnenblumenfarbiger Teppich überzogen, nur unterbrochen von Tupfen orange- und lilafarbener Schwämme.
Ein Barrakuda schoss aus dem Dunkel, um die vom Lampenschein angezogenen kleinen Fische und Krebse zu jagen. Alex erschrak und musste grinsen. Hatte er dem Fisch ein Abendessen spendiert? Der pfeilförmige Körper des Tieres funkelte wie mit Silberglitter überzogen, dennoch konnte dies nicht von den messerscharfen Zähnen ablenken, die hervorstachen, als der Barrakuda nach einer Sardine schnappte.
Durch Handzeichen verständigte sich Alex mit Jean-Luc, ins Wrackinnere zu tauchen. Ihre Atemgeräusche wirkten zugleich beruhigend und unheimlich in der Düsternis des engen Wracks. Vor ihnen teilte sich ein Schwarm Sardinen wie ein Vorhang, als sie hindurchtauchten. Alex’ Lampenstrahl huschte über den Grund, kreuzte sich manchmal mit dem von Jean-Luc. In der Ecke funkelte etwas. Er ließ sich absinken, es war ein herzförmiger Strass-Anhänger, wie sie oftmals an Badekleidung angenäht waren. Achtlos steckte er ihn in die Tasche seines Tauchjackets und deutete fragend zum Ausgang.
Jean-Luc bestätigte.
Die Laderaumluke wurde fast vollständig von einem Meeraal blockiert, der sie neugierig anstarrte. Seine bei Tag dunkelgrau erscheinende Haut schimmerte bläulich irisierend, als er sich davonschlängelte und ihnen den Weg freimachte.
Plötzlich hallte ein lauter Knall durch die Tiefe. Alex zuckte zusammen. Was war das?
Die Schallwellen drückten gegen seinen Brustkorb und pressten sich schmerzhaft auf sein Trommelfell. In Jean- Lucs weit aufgerissenen Augen spiegelte sich sein eigener Schreck wider. Gleichzeitig zeigten ihre Daumen zur Wasseroberfläche. So schnell es möglich war, schossen sie nach oben. Ein mächtiger Feuerball erleuchtete unweit nördlich von ihnen in der Cala Rossa den Horizont, Funken stoben in die klare, schwarze Luft.
„Sieht aus, als wäre ein Boot explodiert!“ Alex hustete.
„Merde! Lass uns bloß hoffen, dass es unbewohnt war“, sagte Jean-Luc und traf damit genau Alex’ Gedanken.

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'KEMET: Der Fluch (Teil 2)' von Hanna Julian

David hat dem Bösen unwillentlich Tür und Tor geöffnet. Sein Leben gleicht inzwischen einem Albtraum. Er muss alles daran setzen, den tödlichen Fluch zu bekämpfen, der von ihm und seinem Freund Linus Besitz ergriffen hat.

Auch seine Mitstreiter geraten immer tiefer in die Machenschaften eines grauenhaften Dämons. David muss all seine Kraft aufwenden und einen möglichst kühlen Kopf bewahren, denn wenn Linus überleben soll, gilt es herauszufinden, warum der Dämon aus dem alten Ägypten es ausgerechnet auf schwule Liebespaare abgesehen hat.

Zweiter Teil der Gay-Mystery-Reihe "KEMET Der Fluch".

Gleich lesen: KEMET: Der Fluch (Teil 2) - kostenlos ausleihen mit KindleUnlimited oder Prime.

Leseprobe:
David fuhr, als wäre der Teufel hinter ihm her. Und in der Tat hielt er das für gar nicht mal so unwahrscheinlich. Irgendetwas Seltsames, Fremdes – etwas Bedrohliches – war in sein und Linus' Leben getreten. Es war wirklich beängstigend!
David führte ein riskantes Überholmanöver aus und ignorierte das empörte Hupen des anderen Fahrers. Er ahnte, dass es nichts nutzen würde, viele Kilometer zwischen sie und den Ort der letzten Ereignisse zu bringen, und doch siegte der Fluchtinstinkt.
Linus war auffällig still, und David bemerkte, dass sich die Finger des Freundes tief in dessen eigenes Bein krallten. Ob Linus sich darüber überhaupt bewusst war? Als er eine Ampel bei Rot überfuhr, bekam David einen Schreck, der ihn endlich dazu brachte, den Fuß etwas vom Gas zu nehmen. Sie hatten Glück, dass die Gegenseite noch kein grünes Licht bekommen hatte. Glück – davon konnten sie jetzt offensichtlich eine ganze Menge brauchen!
»Wirst du mir jemals verzeihen können?«, fragte Linus plötzlich. David nahm den Blick nicht von der Straße, als er erwiderte: »Ich weiß es nicht. Aber darum geht es im Moment auch überhaupt nicht.«
»Nicht?«
»Nein, Linus. Es geht hier um weitaus mehr, wie ich fürchte. Denn wenn ich dir glauben soll, dass du praktisch von diesem … wie hieß der Typ nochmal? Dieser Kollege, der dich in der Pension regelrecht überfallen hat.«
»Veysel. Er heißt Veysel. Und ich verstehe wirklich nicht, wie er das alles geschafft hat.«
David lachte bitter. »Du verstehst nicht, wie er dich verführen konnte? Das kann ich dir ganz einfach erklären, Linus. Du bist ein notgeiler Bock! Deshalb!«
David nahm die Kurve etwas zu schwungvoll und musste stark gegenlenken, um nicht den Lastwagen zu touchieren, der auf der anderen Straßenseite fuhr.
»Ich habe dir doch gesagt, dass so etwas zuvor noch nie passiert ist.«
»Du hast auch gesagt, dass es nicht passiert wäre, wenn ich von Anfang an mitgekommen wäre. Hörst du eigentlich nicht selbst, wie lächerlich das klingt? Ich muss dir vertrauen können, Linus. Und das kann ich leider nicht mehr.«
Eigentlich erwartete David, dass sein Freund sofort dagegenhalten würde, aber Linus schwieg. Sie fuhren eine ganze Weile, ohne dass einer von ihnen ein Wort sagte. Erst nach einiger Zeit durchbrach Linus die Stille.
»Setz mich dann am Best Western ab. Ich nehme mir ein Zimmer, damit du deine Ruhe vor mir hast.«
Linus hatte es mit einer Entschiedenheit gesagt, die David überraschte.
»Du kommst mit nach Hause«, erwiderte er ebenso fest.
»Ne, lass mal. Ich kann verstehen, wenn du keine Lust hast, in meiner Nähe zu sein. Ich meine … um ehrlich zu sein, würde ich gerade selbst gerne nicht in meiner Nähe sein müssen. Aber mir bleibt da wohl keine große Wahl.« Er lachte unbeholfen.
»Du hast schon genug für die Pension bezahlt. Wir raufen uns halt irgendwie zusammen, bis wir die Dinge geklärt haben.«
»Was für Dinge möchtest du denn klären?«
David warf Linus einen Seitenblick zu, sah dann aber wieder auf die Straße, als er antwortete: »Wie es mit uns weitergeht. Ich denke, wir brauchen etwas Zeit, um das zu entscheiden.«
»Zeit – und eigentlich auch Abstand, oder siehst du das wirklich anders?«
»Nein, ich sehe das nicht anders. Es wäre gut, wenn wir jetzt Abstand halten könnten. Aber ich fürchte, es ist sicherer, wenn wir erst mal zusammenbleiben.«
»Sicherer? Glaubst du, Veysel könnte seine Drohungen wahrmachen und mich umbringen?«
David presste kurz die Lippen aufeinander, dann sagte er mit bemüht ruhiger Stimme: »Im Moment glaube ich, dass alles möglich ist. Und daher ist es wichtig, dass ich über einige Dinge Klarheit erlange. Doch dazu brauche ich Zeit, und bis dahin möchte ich dich möglichst im Auge behalten.«
Sie fuhren über eine Landstraße, die von Birken gesäumt war. In der Ferne drehten sich die Flügel von Windkraftanlagen und schienen den Himmel zerschneiden zu wollen. Zu den Seiten erstreckten sich Wälder, die zum Wandern einluden. David kam wieder in den Sinn, wie sehr er sich auf das Wochenende gefreut hatte. Wenn nicht alles so schrecklich verquer wäre, dann läge er jetzt sicher mit Linus nach einem ausgedehnten Spaziergang am Pool und würde sich auf ein leckeres Abendessen freuen. Inzwischen war ihm der Appetit allerdings gründlich vergangen.
»Wie kommst du darauf, dass alles Mögliche passieren könnte? Und wieso hattest du eigentlich plötzlich diesen Sinneswandel? Ich meine, es war ja gerade erst ein paar Minuten her, dass du mir gewünscht hast, ich möge verrecken. Und dann forderst du mich auf einmal auf, mit dir zu fliehen. Versteh mich nicht falsch, ich bin sehr froh, dass du das getan hast, denn es ist mir echt ein Rätsel, wie Veysel es geschafft hat, wieder ins Zimmer zu kommen, aber deine Reaktion kann ich ebenso wenig verstehen.«
David überlegte, was er ihm erzählen sollte. Er wusste nicht, ob es sinnvoll war, Linus noch mehr in Panik zu versetzen. Andererseits war es leichtsinnig, ihm zu verheimlichen, dass zuvor bereits seltsame Dinge vorgefallen waren.
»Du hast gesagt, du hast Veysel nicht gesehen als er wieder in dein Zimmer kam?«
»Ja, stimmt, ich habe nicht gesehen, dass er wieder ins Zimmer kam.«
»Aber du hast ihn zuvor gesehen, als ihr es miteinander getrie…«
»Klar, habe ich ihn da gesehen! Du stellst echt seltsame Fragen«, unterbrach Linus ihn. »Worauf willst du eigentlich hinaus?«
»Ich will wissen, ob er dir beim Sex wie ein Mensch vorkam.«
David konnte Linus' Blick spüren – er schien sich regelrecht in ihn zu bohren.
»Was ist hier eigentlich los, David? Kannst du mir vielleicht mal erklären, was diese dämliche Frage soll?«
»HAT ER SICH WIE EIN MENSCH ANGEFÜHLT?«, schrie David nun. Er wusste selbst nicht, woher diese seltsame Form von Aggression plötzlich kam. Sicher, Linus' Fremdgehen hatte ihn in Rage gebracht, aber seine Stimme hatte sich nicht nur zornig angehört, sondern die gleiche Panik beinhaltet, wie die von Linus zuvor am Telefon. Er versuchte, sich wieder zu beruhigen. Sein Herz pochte ihm bereits schmerzhaft gegen die Rippen, vor seinen Augen begann es zu flimmern. Er lenkte den Wagen an den Straßenrand, hielt an und tastete halb blind nach dem Schalter für das Warnblinklicht.
»Alles okay bei dir?« Linus legte ihm die Hand aufs Bein und David konnte spüren, dass er sich zu ihm beugte.
»Bleib weg von mir und antworte gefälligst!«, fauchte David. Sofort verschwand die Hand – sie hinterließ jedoch ein Gefühl wie nach einer Verbrennung. David atmete tief durch. Das war nur Einbildung – alles nur Einbildung ... dennoch strich er mit seiner eigenen Hand vorsichtig über die Stelle; nun war nichts mehr zu spüren.
»Er hat sich wie ein Mensch angefühlt. Ich wüsste auch nicht, wie es anders möglich sein sollte. Aber ...«

Im Kindle-Shop: KEMET: Der Fluch (Teil 2)

Mehr über und von Hanna Julian auf ihrer Website.



23. Mai 2017

'Kreta: Erinnerungen an eine Reise' von Hermann Markau

Ich erlag dem einzigartigen Charme Kretas. Wenn man meinem Versuch, diese eine Reise zu beschreiben, eine Absicht unterstellen wollte, dann wäre es die, dem Leser diesen Charme nahezubringen, ihn teilhaben zu lassen an der ganz besonderen Atmosphäre, die ich dort erlebt habe, dieser außergewöhnlichen Mischung aus liebenswürdiger Direktheit und überbordender Gastfreundschaft seiner Bewohner.

Gleich lesen: Kreta: Erinnerungen an eine Reise

Leseprobe:
Außer mit dem Taxifahrer in Athen bzw. Piräus hatten wir bisher noch mit keinem Griechen Kontakt gehabt. Dass sollte sich innerhalb der nächsten Viertelstunde ändern: Als wir nämlich einen Fahrradladen passierten, blieb Karin stehen und zupfte mich am Ärmel:
»He! Ich hab´s«, rief sie. »Bleib stehen!«
Ich blieb also stehen und drehte mich zu meiner Frau um, die die paar Meter zu besagtem Laden bereits zurückgegangen war.
Als ich die Fahrräder sah, die da nicht nur zum Verkauf, sondern auch zum Verleih angeboten wurden – wie auf einer Werbetafel in englischer Sprache geschrieben stand – wollte ich zuerst nicht glauben, was Karin uns da zumutete.
»Du meinst doch nicht im Ernst …« fing ich an, als sie mich unterbrach;
»Nicht mit dem Rad! Wir müssen fragen, ob er auch Roller vermietet. Und dann mieten wir uns einen. Du fährst, und ich hinten drauf.«
»Roller – okay. Aber ich bin noch nie Roller gefahren«, warf ich ein.
»Ach was«, erwiderte Karin, »stell dich nicht an! Das ist ganz einfach.« Wir rein ins Geschäft. Da stand er also, der Grieche, mit dem wir den ersten engeren Kontakt hatten. Er konnte deutsch. Hatte einen Schnauzbart. Deutlich älter als wir. Und er war freundlich. Wir hatten sofort das Gefühl, willkommen zu sein. Er lächelte uns wie gute alte Bekannte an und beantwortete Karins Frage.
»Ja. Ich habe zwei Roller.«
Wir schauten uns an.
»Siehste!«, sagte sie.
Sie wandte sich wieder dem Griechen zu und meinte: »Wir wollen nur einen. Er fährt«, dabei zeigte sie mit dem Daumen auf mich, »und ich sitze hinten.«
»Okay«, kam die Antwort, »dann kommen sie mit vors Haus. Eine Probefahrt.«
Oh, Mann! Musste das sein. Ich war doch noch nie gefahren. Vielleicht hätte ich erst ein paar Übungsstunden haben sollen. Ich allein. Ohne Zeugen. Stumm ergab ich mich meinem Schicksal und folgte den beiden nach draußen.
Er hievte den Roller vor die Tür und bedeutete mir, das Steuer zu übernehmen. Er erklärte mir die Funktion der wenigen Schalter und Hebel.
Dann verlangte er: »Fahren sie einmal um diesen Block!«, wobei er eine weitausladende Halbkreisbewegung mit seinem Arm vollführte.
Nicht viel überlegen! Los also. Der Start war holperig. Genau genommen etwas mehr als das. Aber letzten Endes kam ich von der Stelle, und die Fahrt begann. Ich fand, dass ich das ganz gut machte. So schwer war das auch wirklich nicht. Karin hatte ganz recht.
Als ich die letzte Kurve gemeistert hatte, sah ich die Beiden in einiger Entfernung am Bordstein stehen. Ich war richtig zufrieden mit mir und meinen Fahrkünsten und zuversichtlich, dass wir unsere Reise mit dem Roller ganz easy schaffen würden.
Ich stoppte, stellte mein Bein ab und blickte unseren neuen Freund erwartungsvoll an. Als der seine Stirn in Falten legte und seine Handbewegungen ein klein wenig anzudeuten schienen, dass es ihm leid täte, und er dazu noch ganz entschieden seinen Kopf schüttelte, war mir alles klar.
»Kein Roller«, meinte er, zeigte gleichzeitig hinter sich und setzte seine Rede fort:
»Für jeden ein Mofa. Okay?«,

Im Kindle-Shop: Kreta: Erinnerungen an eine Reise

Mehr über und von Hermann Markau auf seiner Website.



22. Mai 2017

'Mord ohne Grenzen' von Elke Schwab

Tanja Gestier, Kriminalkommissarin und alleinerziehende Mutter einer vierjährigen Tochter, wird zu einem ungewöhnlichen Fall gerufen: Ihre Freundin Sabine Radek, ebenfalls alleinerziehende Mutter einer vierjährigen Tochter, hat in dem 200-Seelen-Dorf Potterchen im Krummen Elsass überraschend ein Haus geerbt. Als sie ihr Erbe antreten will, verschwindet ihre Tochter spurlos. Sie bittet Tanja um Hilfe.

Die Kommissarin reist ins Elsass und arbeitet als Verbindungsbeamtin vor Ort. Währenddessen stellen ihre Kollegen auf der deutschen Seite eigene Ermittlungen an, die sie in die saarländische Weinregion Perl und nach Luxemburg führen. Tanja findet heraus, dass in dem kleinen, elsässischen Dorf vor zwei Jahren schon einmal ein deutsches Mädchen verschwunden ist. Von dem Kind gibt es bis heute keine Spur.

Was geschieht mit den Mädchen?

Gleich lesen: Für Kindle: Mord ohne Grenzen: Elsass-Krimi
Für Tolino: Buch bei Thalia


Leseprobe:
Sie wartete. Reglos. Ob er ihre Nähe spürte?
Ihre Atmung beschleunigte sich. Sie schlug ihre Hand vor den Mund. Verzweifelt versuchte sie, leiser zu sein. Dabei überkam sie große Angst zu ersticken. Hastig zog sie ihre Hand wieder weg und atmete tief und gierig ein. Die Luft war kalt und schmerzte in ihren Lungen. Außerdem roch sie eklig. Sie drückte sich tiefer in die nasse, kalte Nische. Wieder verhielt sie sich ganz still und lauschte. Nichts. War er noch da? Sie stieß den angehaltenen Atem aus.
Sollte sie sich ein Stückchen nach vorn beugen, um zu sehen, ob er noch dort war? Was, wenn er nur darauf wartete? Sie zitterte.
Sie schaute sich um, sah nur Dunkelheit. Das einzige Licht kam von oben. Dort musste er sein. Todesmutig wagte sie sich einige Zentimeter vor. Da erblickte sie ihn. Er trug eine schwarze Kapuze, die Gestalt breit, die Hände bereit, zuzupacken.
Hastig zog sie sich zurück. Ein Schluchzen entfuhr ihr.
Ganz fest schloss sie ihre Augen. Wenn sie ihn nicht sah, konnte er sie auch nicht sehen. Das Gefühl gab ihr Trost.
Lange verharrte sie so, bis die Neugier sie antrieb, die Augen wieder zu öffnen. Zitternd beugte sie sich nach vorn, um zu sehen, ob er immer noch dort stand. Aber sie sah nur noch ein helles Rund hoch über ihrem Kopf. Der Kapuzenmann war verschwunden.


Sabine Radek wähnte sich am Ende der Welt. Ihre Tochter saß im Fond des Wagens und nörgelte, was Sabines Nervosität noch steigerte. Was erwartete sie? Ihre Aufregung wuchs mit jedem Kilometer. Sie hatte eine Erbschaft gemacht, mit der sie niemals gerechnet hätte. Ein Onkel im Elsass, das klang wie der Titel einer Komödie aus dem Ohnsorg-Theater. Nach Lachen war ihr seitdem tatsächlich zumute.
Sabine Radek, die Erbin.
Wollen Sie das Erbe annehmen?
Wie sollte sie diese Frage beantworten, ohne ihr Erbe jemals gesehen zu haben?
Also fuhr sie ins Elsass – zusammen mit ihrer Tochter Annabel, die unbedingt hatte dabei sein wollen.
Die Entfernung betrug von Saarbrücken aus vierzig Kilometer. Sie verließ Lothringen und überquerte die unsichtbare Grenze zum Krummen Elsass. Nur noch zwei Orte. Die würde sie auch noch schaffen.
Endlich das Ortsschild: Potterchen.
Sabine bestaunte die schmale Straße, eingerahmt von dicken Stämmen der Kastanien, deren Blätter sich wie ein bunter Baldachin über der Allee ausbreiteten.
Am Ende der Allee lag das Dorf, in dem ihr Onkel gelebt hatte, ohne jemals mit ihr in Kontakt getreten zu sein.
Wer wusste schon, warum es gut war, erst nach seinem Tod von ihm zu erfahren? Sabine grinste. So hatte sie wenigstens keine negativen Erinnerungen an ihn.
Bis jetzt. Es sei denn, das Haus war die reinste Bruchbude … Dieser Gedanke kam Sabine, als sie das erste Gebäude erblickte. Es war ein Trümmerhaufen, dessen endgültiger Zerfall jede Sekunde bevorstand. Das nächste, ein leer stehendes Bauernhaus, war von einer Größe, die sie umgeworfen hätte, säße sie nicht in ihrem Auto.
Ihre anfängliche Begeisterung bekam erste Dämpfer. Sie fuhr langsam weiter. Doch was sie dann zu sehen bekam, entschädigte sie für alles. Der Kern des Dorfes war traumhaft – als sei die Zeit stehengeblieben. Alte, gut gepflegte Bauernhäuser, teils aus Sandstein, teils aus Fachwerk. Manche waren in Pastellfarben gestrichen, andere prangten in Naturstein. Scheunen, Ställe und Blumenkübel in allen Formen und Größen zierten die schmale Straße.
„Welches davon wohl unser Haus ist?“, fragte sie nach hinten, in Richtung ihrer Tochter.
Annabels Antwort fiel allerdings anders aus als erwartet. Laut schrie sie: „Pferde.“
Sabine schaute in die Richtung, in die der kleine Kinderfinger zeigte. Pferde grasten auf einer Koppel nahe an Bahngleisen, die das Dorf abgrenzten. Auf der anderen Seite der Schienen lagen Felder, soweit das Auge reichte.
„Ich vermute, wir sind zu weit gefahren.“ Sabine ließ ihren Blick nach links wandern. Dort wies ein Schild darauf hin, dass die Rue de la Gare weiterging. „Oder doch nicht.“ Sie bog ab.
Weiter reihte sich ein Bauernhaus an das nächste.
Dann sah sie es - Hausnummer zwölf.
Sie wusste nicht, ob sie sich freuen sollte oder nicht. Der Anblick ihres Erbes entfachte keine Liebe auf den ersten Blick. Vor ihr befand sich ein Bauernhaus mit Wohnung und Stall unter einem gemeinsamen Dach mit durchlaufendem First.
Annabel drängelte: „Darf ich zu den Pferden gehen?“
„Nein. Wir wissen doch gar nicht, wo die sind.“
„Doch. Ich habe den Stall gesehen.“
„Du wirst zuerst mit mir ins Haus gehen.“
Schmollen war die Antwort.
Sabine stellte ihren Daihatsu Cuore ab und stieg zusammen mit ihrer Tochter aus. Aus ihrer Tasche kramte sie den Haustürschlüssel hervor, dessen Form sie immer wieder in Staunen versetzte. So ein antikes Teil hatte sie noch nie in ihren Händen gehalten – groß, lang, von plumper Form, aus rostigem Eisen.
Kaum hatte Sabine die Tür hinter ihnen geschlossen, schien es ihr, als betrete sie eine andere Welt. Alles war geräumig, die Bauweise rustikal, die Decke hoch und aus massivem Eichenholz, der Boden mit Steinplatten belegt. Annabel schien es zu gefallen, denn sie stürmte neugierig durch die Räume, um alles zu erkunden.
Zu ihrer Rechten lag ein großes Wohnzimmer.
Sie hörte Annabel im Nebenraum rumoren. Langsam folgte Sabine ihrer Tochter durch einen Rundbogen. Der Raum dahinter war lang und schmal, er beherbergte eine geräumige Küche und das Esszimmer und nahm die gesamte Rückfront des Hauses ein. Nicht nur eine gläserne Balkontür, sondern gleich zwei nebeneinander ließen viel Licht herein und gaben den Blick auf einen großen, ungepflegten Garten frei. Annabel war nicht zu sehen.
Eine der gläsernen Türen schlug gegen den Rahmen. Wieso stand sie offen? Sofort bekam Sabine eine Gänsehaut.

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Für Tolino: Buch bei Thalia


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