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Bücherkarussell
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16. Februar 2018

'Die Reservefrau' von Karoline Gellauer

Egal, ob 17 oder 70, was das Herz begehrt, wird der Verstand wohl nie begreifen.

Mit 17 verliebt sich Bärbel in Ihren Biologielehrer Bernd. Sie beginnen eine Affäre. Die dauert ein Schuljahr und endet schmerzhaft für Bärbel. Nach 40 langen Jahren begegnen sie sich erneut beim Klassentreffen. Bald sind die alten Gefühle wieder da; genauso verwirrend, so intensiv, so gefährlich. Allerdings sind ihre Motive unterschiedlich. Als Bärbel das erkennen muss, eskaliert die Situation ...

Gleich lesen: Die Reservefrau

Leseprobe:
„Solche tiefgreifenden Emotionen hatte ich nie.“

Sie startet einen erneuten Versuch per Mail:

Lieber Bernd, seit 50 Jahren beeinflusst du mein Leben. Zunächst durch eine romantische Jugendliebe, die sehr schmerzhaft für mich endete. Interessiert es dich, was ich empfand, als mich Achim zu dir ins Bett trug? Willst du wissen, wie es mir danach ging? Ich glaube nicht! In den folgenden Jahren benutzte ICH die Männer. ICH beendete die Beziehungen, wenn es MIR passte. Stets war ich misstrauisch, voller Vorurteil – konnte mich einfach nicht mehr so bedingungslos verlieben – dein Verdienst! Bis ich meinen Mann kennen- und schätzenlernte. Ich kam zur Ruhe. Andere Probleme traten in den Vordergrund. Dann trittst du wieder in mein Leben, suchst meine Nähe und erfährst erneut, wie hilflos ich dir gegenüber bin – wie emotional ausgeliefert. Ich habe nicht bedacht: Wer Emotionen zeigt, macht sich verletzbar. WARUM bist du mir wieder so nahegekommen? Deine Entwicklung in dieser Zeit von „Ich mag dich.“ bis „Kein Kommentar!“ Du kannst jetzt nicht das Rad zurück drehen und erwarten, dass ich mit dir über das Wetter plaudere! Zeig endlich Charakter und stell dich einem Vier-Augen-Gespräch. Ich möchte endlich Klarheit zwischen uns und auch über das „Warum?“.
Es tut so weh, dass unsere ??? diese Entwicklung genommen hat! Vielleicht hast du ja noch eine Antwort für mich?

Im Kindle-Shop: Die Reservefrau



15. Februar 2018

'Der Todesbote' von Axel Berger

Eine Leiche wird gefunden. Die Todesursache: ein Schuss in den Hinterkopf. Der einzige Hinweis auf den Täter: eine Tätowierung im Nacken des Opfers, mit einem Datum – dem Todesdatum. Erste Spuren führen die Ermittler in Oldenburgs Rotlichtmilieu und die Rockerszene, doch ansonsten fehlt jede Spur von dem Mörder.Dann erschüttert ein weiterer Mord an einem Anwalt die Stadt an der Hunte. Als Nächstes wird ein Steuerberater verschleppt – und mit einem tätowierten Datum im Nacken wieder freigelassen. Die Ermittler haben 24 Stunden, um ihn zu retten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt ...

Werden sie den eiskalten Killer zur Strecke bringen und den Mann retten, oder wird der Todesbote ihnen auch diesmal zuvorkommen? Doch dies sind nicht die einzigen Probleme der drei Kommissare.

Wird Anke Frerichs endlich die Nachfolge ihres Vorgesetzten antreten?
Können Enno Melchert und Werner Vollmers ihr dunkles Geheimnis bewahren?
Und wer ist eigentlich die geheimnisvolle neue Frau an Ennos Seite?

Gleich lesen: Der Todesbote: Der vierte Fall für Werner Vollmers, Anke Frerichs & Enno Melchert

Leseprobe:
Die Leiche von Gerd Hennings lag direkt neben den verrosteten Eisenbahnschienen mit dem Gesicht nach unten im Dreck. Schwärme von Fliegen und anderem Ungeziefer flogen und krabbelten umher.
Torben Kuck von der kriminaltechnischen Abteilung Wilhelmshaven kniete neben dem etwa einsfünfundachtzig großen und lediglich siebzig Kilo schweren Leichnam und untersuchte seine sterblichen Überreste nach Spuren und eventuellen Hinweisen auf den Täter oder die Täterin.
Hauptkommissar Werner Vollmers und Enno Melchert vom Oldenburger Fachkommissariat 1 standen schweigend daneben und beobachteten den Kollegen von der Spurensicherung geduldig bei seiner Arbeit. Um sie herum herrschte hektisches Treiben, das von gelegentlich vorbeisausenden Zügen und dem Geklingel der sich noch von Hand hebenden und senkenden Schranken am Bahnübergang Ofenerdiek, Am Stadtrand, begleitet wurde. Über die Schienen hinweg streckte sich der Turm der Thomaskirche, unbeeindruckt vom Trubel auf dem gegenüberliegenden Edeka-Parkplatz, in die Höhe. Die Uhr an der Ofenerdieker Straße bei der großen Eiche zeigte kurz vor zehn Uhr morgens. Die Sonne stach bereits erbarmungslos vom Himmel, es war noch untypisch heiß für diese Jahreszeit.
Kuck wischte sich mit dem Handrücken ein paar Schweißtropfen von der Stirn. Etwas hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er wandte seinen Blick von der kreisrunden Einschussstelle am Hinterkopf des Toten ab, ergriff behutsam das Handgelenk und drehte den Arm des Opfers vorsichtig etwas nach außen, um besser erkennen zu können, was dort stand.
Eine achtstellige, blutverkrustete, dunkelblaue Zahl, gelegentlich unterbrochen von einem Punkt, zierte seinen rechten Unterarm. Eine frische Tätowierung. Ein Datum. Er schaute zur Kontrolle auf seine Uhr. Es war das Datum von vorgestern – der vermutete Todestag. Dem Grad der Verwesung entsprechend und dem sonstigen Zustand der Leiche nach zu urteilen, hatte Torben Kuck den Todeszeitpunkt bereits grob auf diesen Zeitpunkt eingrenzen können, Genaueres würde die spätere Untersuchung im Rechtsmedizinischen Institut der Stadt Oldenburg in der Pappelstraße 4 ergeben. Er freute sich schon insgeheim, nachher dort noch vorbeischauen zu können, um dort seine neue Freundin Irena Barkemeyer zu treffen, die dort seit einigen Monaten in der Abteilung von Elena Braun als rechtsmedizinische Assistentin arbeitet.
Sie waren sich vor ein paar Monaten auf dem Gertrudenkirchhof an einem Tatort zum ersten Mal begegnet und nun, nach ein paar anfänglichen Startschwierigkeiten, ein Liebespaar geworden.
Für Kuck fühlte es sich an, als ob er in der studierten Rechtsmedizinerin seine Seelenverwandte gefunden hatte. Irena Barkemeyer empfand ähnlich. Es lief perfekt zwischen den beiden, auf allen Ebenen. Sie dachten bereits darüber nach, in absehbarer Zeit zusammenzuziehen, um mehr Zeit miteinander verbringen zu können, denn ihre Arbeit fraß sehr viel Zeit von ihrem Alltag, und nun stand auch schon wieder ein neuer Fall an. Er zog sein Smartphone aus der Tasche und schaute auf das Display, von dem aus ihm eine lächelnde Irena Barkemeyer entgegen blickte. Versunken in ihr Antlitz stahl er sich für ein paar Sekunden von diesem Ort des Todes fort – in eine heile Welt, voll Liebe und Geborgenheit, weit abseits des alltäglichen Grauens, das die beiden Beamten jeden Tag in ihrem Job zu erdulden hatten.
Ein vorbeirasender Güterzug, dessen Ziel mit Sicherheit der Jade-Weser-Port in seiner Heimatstadt Wilhelmshaven sein würde, riss ihn aus seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Er steckte sein Handy wieder ein und blickte sich um. Ein Kribbeln in der Magengegend machte sich unangenehm bemerkbar.
Irgendein unbestimmtes, in Torben Kuck gärendes Gefühl ließ ihn vermuten, dass hier irgendwas mächtig nach Ärger stank und der Tote, der hier vor ihm im Dreck lag, möglicherweise nicht der letzte bleiben würde ...

Im Kindle-Shop: Der Todesbote: Der vierte Fall für Werner Vollmers, Anke Frerichs & Enno Melchert

Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



14. Februar 2018

'Zissa: Psychothriller' von Cornelia Harz

Vertraue niemals blind, denn du könntest es bitter bereuen.

Zissa glaubt seit vielen Jahren, ihr Vater wäre ein herzensguter, sozial engagierter Mensch, der Arbeitslosen bei einem Neueinstieg ins Leben hilft. Doch in Wahrheit missbraucht er sie nur als Opfer für seine wirklichen Seminarteilnehmer, Führungskräfte, die ihre Beißhemmung verlieren sollen, indem sie lernen, ohne Skrupel zu foltern und zu töten. Zissas Vater ist eiskalt. Um die Kontrolle über seine Tochter nicht zu verlieren, steht für ihn fest: Auch ihr Freund Markus muss sterben.

Gleich lesen: Zissa: Psychothriller

Leseprobe:
»Und jetzt stichst du zu«, sagte Zissas Vater. »Es ist ganz leicht.«
Sein Schüler, ein Mann Anfang dreißig, saß dem Opfer am Tisch direkt gegenüber. Er sah Herrn von Waldschildt mit großen Augen an und zupfte an seinem Hemdkragen.
»Nur keine Hemmungen!« Zissas Vater lachte und umrundete die beiden mit ganz langsamen Schritten. »David, wenn du später Entscheidungen treffen sollst, kannst du es dir auch nicht leisten, ewig zu zögern.«
Die Lampe flackerte. Es drang nur ganz wenig Tageslicht durch die vergitterten Kellerfenster, aber auch die Sonne hätte den kühlen Raum nicht wärmer erscheinen lassen. In der Mitte stand dieser schwere, rustikale Holztisch. Eine Ecke des Raums war weiß gefliest, oben ein Duschkopf, direkt darunter ein Abflussgitter. Und über die kompletten Wände erstreckten sich große Regale, in denen die verschiedenen Folterutensilien einsortiert waren.
Das Opfer kauerte auf seinem Stuhl. Der Mann war hager, schien ohne jegliche Kraft. Seine zusammengefallenen Tattoos ließen es nur erahnen, was für ein muskulöser Kerl er mal gewesen sein musste. Er war an dem Stuhl festgebunden und seine Hände steckten in Lederriemen, die sie hilflos auf dem Tisch fixierten.
Herr von Waldschildt verdrehte seine Augen und seufzte. Jedes Mal wieder hatten die Neuen Probleme, diesen ersten Schritt zu tun. Kaum zu glauben, alle waren danach zu viel grausameren Taten fähig, aber dieser erste Schritt, er fraß von fast jedem Einzeltraining die meiste Zeit. »Du musst nur eine kleine Stecknadel nehmen und sie ihm in den Handrücken rammen«, sagte Zissas Vater. Er nahm eine Stecknadel aus dem Plastikkästchen, drehte sie in seinen Händen und stach sie dem Opfer ganz plötzlich unter die Haut.
Der Mann schrie, erst ganz laut, dann immer leiser werdend.
Herr von Waldschildt beobachtete ihn. »Siehst du?«, fragte er David. »Genau da wollen wir ihn haben, klein und wimmernd.« Er spuckte dem Opfer ins Gesicht.
Schweißperlen rannen an der Stirn seines Schülers hinunter. »Ich kann das nicht!«, protestierte er. »Ich kann niemanden verletzen.«
»Dann wirst du beruflich nicht viel Erfolg haben, schade. Das Studium, jahrelange Schinderei …« Herr von Waldschildt seufzte erneut. »Alles umsonst, weil du zu weich bist«, ergänzte er deutlich und laut.
David, er hätte das Spiegelbild seines Opfers sein können. Auch er saß nun zusammengesackt auf seinem Stuhl und starrte stumm auf die Tischplatte.
»Du kannst es dir aussuchen: Entweder du bist in diesem Leben Opfer oder Täter. Und ich denke nicht, dass du so eine armselige Kreatur werden willst wie unser Freund hier.« Zissas Vater blieb hinter dem Opfer stehen und machte eine Pause. »Aber vielleicht hast du ja auch nicht das Potenzial …« Er beobachtete sein imaginäres Messer, das sich ganz tief in das Ego seines Schülers gebohrt hatte. Mit diesem Spruch hatte er schon jeden dazu gekriegt, seine Hemmschwelle zu überwinden.
Und tatsächlich griff auch David in die kleine Plastikbox, nahm eine Stecknadel heraus und pikste damit seinem Opfer in den Handrücken.
»Oh mein Gott, welcher Schmerz«, spottete das Opfer und lachte.
»Siehst du, genau das passiert dir, wenn du nicht gradlinig deine Ziele verfolgst. Du wirst verspottet, die Rollen haben sich verschoben. Dieser kleine Wicht hier meint nun tatsächlich, er wäre stärker als du.« Zissas Vater nahm nun zwei Stecknadeln heraus und rammte sie noch stärker in die Handrücken des Opfers, eine links und eine rechts.
Das Opfer verzog das Gesicht und gab keinen weiteren Ton von sich.
»Dann hätten wir das ja geklärt«, sagte Herr von Waldschildt und wandte sich wieder an seinen Schüler. »Skrupel, Zögern, Mitgefühl, das alles bringt dich nicht weiter. Du entscheidest und handelst. Ohne Handeln sind Entscheidungen nur leere Worte.«
»Herr von Waldschildt, ich schätze Sie sehr, aber dennoch bin ich mit Ihren Methoden nicht einverstanden«, sagte David und sah ihn nun wieder direkt an.
»Und darf ich erfahren, warum?«
Der Schüler richtete sich auf. »Ich bin sehr gut ausgebildet und ein Teil meiner Ausbildung war die Vermittlung von Sozialkompetenz.«
Zissas Vater grinste. Jetzt kam ihm schon wieder einer mit dieser ausgelutschten Sozialkompetenz. »Ihr habt das alle nicht begriffen.« Er schüttelte den Kopf. »Das richtige Wort müsste heißen: Scheinsozialkompetenz. Oder glaubst du wirklich, dass man erfolgreich eine Abteilung oder gar ein Unternehmen führt, weil man ständig die sozialen Belange berücksichtigt? Du musst Gewinn erzielen. An der Breite des Lächelns deiner Mitarbeiter wirst du nicht gemessen, an deinen Zahlen schon.«
»Aber wir sind Menschen und keine Monster«, entgegnete David.
»Wenn du ein Mensch sein willst, steht es dir frei zu gehen«, sagte Herr von Waldschildt trocken. »Wenn du Erfolg haben willst, bleibe und lerne.«

Im Kindle-Shop: Zissa: Psychothriller

Mehr über und von Cornelia Harz auf ihrer Amazon-Autorenseite.



'Mafia Sisters. Never kiss your enemy' von Monica Bellini

Candida kann es nicht fassen – Angelo Prizzi, der gefürchtete Mafioso aus New York, hat sie entführt! Doch dieser Mann, der seit Wochen in Sizilien sein Unwesen treibt, ist nicht nur ein schamloser Verbrecher, sondern unglaublich sexy, heiß und über alle Maßen attraktiv …

Und auch Angelo spürt, dass diese Begegnung etwas Besonderes ist. Candida Corsini, die älteste der drei Töchter des verstorbenen Mafiabosses Don Bartolo, ist die erste Frau, die ihn nicht fürchtet und seinem Blick nicht ausweicht. Sie ist eiskalt, verachtet ihn – und zugleich zieht sie ihn an wie noch nie eine Frau zuvor. Aber Angelo hat einen gefährlichen Auftrag zu erledigen, und Candida ist die Schlüsselfigur in dieser ganzen Geschichte. Er kann sich keine Komplikationen leisten. Sich auf sie einzulassen, und sei es nur für eine Nacht, steht absolut nicht zur Diskussion …

Gleich lesen:
Für Kindle: Mafia Sisters. Never kiss your enemy
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Leseprobe:
Verdammt soll ich sein! Sie hat Angst. Ihr Blick flackert, und doch presst sie die Lippen zu einer trotzigen Geste zusammen und senkt ihn nicht. Würde sie ahnen, in was für einen Aufruhr sie mich mit diesem Ausdruck versetzt und welchen meiner Instinkte sie damit anstachelt – sie würde aus dem Wagen springen und schreiend davonlaufen. Wenn sie könnte. Aber die Kindersicherung blockiert die rückwärtigen Türen, wie sie bemerkt, als sie die Hand ausstreckt und am Riegel zieht. Ich lache auf – sie faucht.
»Disgraziato!«
»Mistkerl? Das höre ich nicht zum ersten Mal.«
»Kein Wunder bei Ihrem Benehmen. Sie haben sich mir nicht einmal vorgestellt, Sie ungehobelter Neandertaler.«
Amüsiert ziehe ich die Augenbrauen nach oben und grinse sie an. »Wo Sie recht haben, haben Sie recht, Contessa.« Ich drehe mich auf dem Sitz herum, nehme die Smith & Wesson aus der Türablage und steige aus. Mit der Waffe in der linken Hand umrunde ich den Wagen, um ihr zu öffnen. Dass ich mich in den Augen anderer lächerlich mache, erkenne ich an Pasquales Grunzen, als ich mich mit einer ehrerbietigen Geste des Armes verbeuge wie ein mittelalterlicher Lehensherr.
»Angelo Prizzi, Signora Contessa. Zu Ihren Diensten.«
Ich strecke die Hand aus, um nach ihrer zu fassen, aber sie stößt sie weg. Candida Corsini schwingt ihre endlos langen gebräunten Beine aus dem Fond und richtet sich auf den hohen Absätzen ihrer eleganten Peeptoes auf.
»Sie benehmen sich wie ein Hofnarr, Prizzi.« Sie sticht mit ihrem ausgestreckten Zeigefinger gegen meine Brust, und zwar genau in der Mitte. Der rot lackierte Fingernagel bohrt sich in meine Haut über meinem Brustbein und ich mache unweigerlich einen Schritt zurück.
»Mistkerl und Hofnarr, Contessa? Bedenken Sie all Ihre Mitmenschen, die nicht Ihrem Stand entsprechen, mit solchen Ausdrücken?«
Ihre Augen funkeln und zwischen den Augenbrauen bildet sich eine steile Falte, als sie sich zu Schlitzen zusammenpressen. »Nur solche, die mich mit einer Pistole bedrohen.« Ohne mir einen weiteren Blick zu gönnen, streicht sie ihren Rock glatt, zieht die tailliert geschnittene Jacke, deren Ärmel nur knapp über ihre Ellenbogen reichen, über ihren Brüsten zusammen und beugt sich in das Wageninnere, um nach ihrer Tasche zu greifen. Dabei spannt sich der Stoff wieder aufreizend um ihren perfekt geformten Arsch – und mein Schwanz nimmt Habt-Acht-Stellung ein. Ich stecke die Pistole in den rückwärtigen Hosenbund, lege die Hand an den Stoff zwischen meinen Beinen und ziehe ihn zurecht, als sie sich mit einem Ruck umdreht und diese absurd flache Tasche mit beiden Armen vor ihre Brust presst. Wie ertappt hebe ich den Arm und fahre mir mit gespreizten Fingern durch die Haare, schiebe sie aus der Stirn.
Ihre Augen verfolgen meine Geste. Sie hebt das Kinn an, drückt es vor, wie jemand, der zu allem bereit ist. Diese Frau ist absolut nicht mein Typ. Ich mag sie kleiner, handlicher, runder. Sie reicht mir trotz meiner eins neunzig bis zur Stirn, was natürlich an den Absätzen liegt – aber das ist es nicht, was sie ausmacht. Candida Corsini ist schlank und rank, ihre Brüste sind nicht größer als Äpfel, ihr bemerkenswerter Arsch wohlgeformt, aber alles an ihr ist eine Spur zu klein, zu fest, zu muskulös. Und doch zieht es in meinen Lenden, und ich danke dem Herrgott, dass sie ihren Blick nicht senkt, sondern mit meinem kreuzt.
»Also, was ist, Signor Prizzi? Ich bin Ihre Gefangene, Sie mein Entführer. Um dem Klischee zu entsprechen, sollten Sie nun wieder nach Ihrer Pistole greifen, Sie mir an die Schläfe halten und mich in meine Zelle führen.«
Pasquales grölendes Lachen unterbricht mein fassungsloses Starren. »She’s absolutely right, Angelo«, gluckst er mit dem ihm typischen Grunzen und wechselt damit zum ersten Mal seit Wochen wieder ins Amerikanische.
Wie gut, dass er mich ablenkt. Mit einem Ruck wende ich mich ihm zu. »Italiano, Pasquale. In Sizilien sprechen wir Italienisch, you remember?«
»Was nichts daran ändert, dass die Contessa recht hat«, meint er grinsend, die Arme lässig über der Brust verschränkt. »Du solltest sie in ihre Zelle führen.« Er malt Gänsefüßchen in die Luft. »Oder soll ich das tun?«
»Kümmere dich lieber um ihren Porsche«, schnaube ich ihn an. »Bring den Wagen hierher, bevor auffällt, dass sie verschwunden ist. Und nimm Carmen mit. Sie will ohnehin einkaufen gehen, und es ist besser, wenn sie in den nächsten Stunden nicht hier ist.«
Candida zuckt bei meinen Worten zusammen – und einen Augenblick lang genieße ich es, dass sie Furcht zeigt. Sie hat den Kopf gesenkt und ein paar Strähnen haben sich aus ihrem aufgesteckten Haarknoten gelöst, kringeln sich um ihren schwanengleichen Hals. Gott, diese Frau löst so viele Vorstellungen von Szenarien in mir aus, dass ich den Zustand ihrer Angst ausnutzen will, solange er anhält. Ich nicke Pasquale zu, packe Candida fest am Arm und dirigiere sie um das Haus herum an die Rückseite zu dem Stall. Sie möchte spielen? Gerne.

Ich stoße sie in den Raum, der mit Stroh ausgelegt ist, und die schwere Holztür fällt hinter uns zu. Sie stolpert und streckt haltsuchend die Arme vor. Ihre Tasche gleitet zu Boden. Ich strecke die Hand aus, erwische einen Zipfel ihrer Jacke und ziehe sie an mich. Schwer atmend lehnt sie mit dem Rücken an meiner Brust. Sie zittert am ganzen Körper, bebt, wimmert. Sanft streiche ich über ihre Schultern, gleite mit den Fingern über den Stoff. Ich kann ihren rasenden Herzschlag spüren und den Duft ihrer Haare. Sie riecht nach Pfirsich – und Angst. Und sie zieht mich an. So sehr, dass ich vergesse, dass ich der böse Entführer bin. Langsam senke ich mein Gesicht und küsse sie auf den Scheitel. Bebend wie ein Vögelchen, das aus dem Nest gefallen ist, verharrt sie bewegungslos. Nur unser Atem ist zu hören. Bis sie sich in meinen Armen umdreht, ohne den Kontakt zu lösen, den Kopf in den Nacken legt und mich mit tränenverhüllten Augen ansieht.
»Was wollen Sie von mir?«, fragt sie flüsternd.
Dich, nur dich. Die Antwort liegt mir auf der Zunge, aber ich spreche sie nicht aus. Stattdessen ziehe ich sie an mich, lege die Hand auf ihren Hinterkopf, bis sie ihr Gesicht an meiner Brust vergräbt. Langsam wird sie ruhiger und ihr Zittern lässt nach. Ich will sie einfach nur festhalten, ihr sagen, wie die Dinge liegen, nichts für mich behalten – aber ich kann nicht. So wie ich ihr nicht erklären kann, warum mein Schwanz hart wie Stahl ist und ich Mühe habe, mein Becken weiterhin von ihrem fernzuhalten und nicht vorzuschieben und sie spüren zu lassen, was sie mit mir anstellt.
Sie ist die Falsche.
Der Moment ist es.
Die Situation ist es.
Das, was seit unserem Zusammentreffen zwischen ihr und mir geschieht, ist unlogisch, absolut irrsinnig, vor allem aber nicht geplant. Und es gibt nichts, was mich hier und jetzt davon abbringen darf, das durchzuziehen, was ich mir vorgenommen habe. Nichts. Mit einem Ruck löse ich mich von ihr, trete einen Schritt zurück und sehe mich um.

Im Kindle-Shop: Mafia Sisters. Never kiss your enemy
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



13. Februar 2018

'Paragrafen und Grafen' von Brigitte Teufl-Heimhilcher

Während eines Urlaubs lernt die geschiedene Anwältin Irene den ebenso wortkargen wie charmanten Gutsbesitzer Theo kennen und findet ihn auf Anhieb sympathisch.

Auch Theo fühlt sich zu Irene hingezogen, doch die beiden haben wenig Zeit ihr junges Glück zu genießen, denn der Alltag bringt allerlei Ungemach. Da wären einmal Theos deutlich jüngere Stiefgeschwister um die er sich plötzlich kümmern muss, weil deren Mutter von einer Urlaubsreise nicht mehr zurückkehrt.

Dann taucht auch noch Theos Exfrau Katrin auf, die die Trennung von Theo längst bereut hat und nichts unversucht lässt, ihn wieder für sich zu gewinnen. Als dann auch noch Irenes Exmann sich hilfesuchend an Irene wendet, scheint das Chaos perfekt zu sein.

Ein turbulenter Roman um Beziehungen aller Art - und um die Liebe.

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Für Kindle: Paragrafen und Grafen
Für alle anderen Reader: Buch bei BookRix

Leseprobe:
Als Irene frühmorgens losfuhr, war prachtvolles Frühlingswetter. Sie freute sich auf etwas Bewegung in frischer Luft und war froh, dass ihre Freundin Sandra sie zu diesem Urlaub überredet hatte. Dabei hatte sie noch gestern das Gefühl gehabt, dieser Urlaub käme zur Unzeit – aber das hatte sie schließlich immer.
Noch war es ruhig auf den Straßen und obwohl sie die Hinweise auf der Autobahn „Gleiten statt hetzen“ beherzigt hatte, traf sie schon zwei Stunden später auf dem Stadler-Gut ein.
Der ehemalige Gutshof leuchtete in Kaisergelb, die Holzbalustra­den waren mit Blumenkästen geschmückt, aus denen bunte Früh­lingsblumen lachten, und der mächtige Kastanienbaum im Innenhof stand in voller Blüte.
In ihren Teenagertagen war sie mit Sandra und deren Eltern einige Male hier gewesen, und vor einigen Jahren hatte sie das Hotel ge­meinsam mit ihrem Exmann wiederentdeckt.
Eigentlich hatte sie vorgehabt nie wiederzukommen. Aber Sandra hatte ja recht. Das Hotel und der Golfplatz waren wunderschön, warum sollte sie nicht auch ohne Jochen hier Urlaub machen?
Das Mädchen an der Rezeption teilte ihr mit, dass ihr Zimmer fer­tig sei, und sie war froh, bis zur Ankunft ihrer Freunde nicht untätig herumsitzen zu müssen.
Die kleine Suite war hübsch eingerichtet und hatte eine Terrasse Richtung Golfplatz. Irene konnte es plötzlich kaum erwarten, hier zu sitzen, zu lesen und zu träumen. Doch zuerst räumte sie ihre Klei­dung in den Kasten und ertappte sich dabei, bei jedem Polo-Shirt zu fragen, ob sie dieses bei ihrem Urlaub mit Jochen auch schon getragen hatte.
Um sich abzulenken, beschloss sie, die Zeit bis zu Sandras An­kunft im Pro-Shop zu verbringen, doch als sie sich auf den Weg ma­chen wollte, fuhr Günther, Sandras neuester Schwarm, seinen flot­ten Sportwagen schnittig in den Innenhof. Zu schnittig, wie Irene dachte.
Günther war nur ganz ausnahmsweise – und auch nur über das Wochenende – auf ihrer Mädelswoche geduldet.
Nach der Begrüßung nahmen die Drei einen leichten Imbiss, stie­ßen mit einem Glas Prosecco auf ihre Urlaubstage an und begaben sich auf die erste Golfrunde.
Am Abend saßen sie in der gemütlichen Gaststube, aßen mit gutem Appetit, tranken ein Glas Wein und beim Zubettgehen stellte Irene erstaunt fest, dass sie seit Sandras Ankunft zu be­schäftigt gewesen war, um an Jochen zu denken. Dankbar schlief sie ein.
Auch der nächste Morgen begrüßte sie mit Sonnenschein. Sie ge­nossen das ausgiebige Frühstück, eine neue Golfrunde und danach ein paar ruhevolle Stunden.
Nach dem Abendessen kam Frau Martens, die langjährige Ge­schäftsführerin des Club-Restaurants, an ihren Tisch, plauderte über dies und das und fragte nach Irenes Mann. Mit knappen Worten berichtete Irene, dass sie seit zwei Jahren geschieden war.
„Sie auch?“, fragte Frau Martens interessiert, schnappte sich ei­nen Stuhl, bestellte beim vorbeieilenden Kellner ein Glas Wein und wollte Genaueres wissen.
Genau davor hatte sich Irene gefürchtet. Wenn ihre Trennung auch schon bald zwei Jahre zurücklag, mied sie dieses Thema immer noch wie der Teufel das Weihwasser. Dennoch antwortete sie sachlich und, wie sie zu ihrer Überraschung feststellte, erstmals ohne jenen bohrenden Schmerz, der seit Jochens Abgang ihr ständiger Begleiter gewesen war.
Bewegung in frischer Luft ist eben auch gut für die Seele – der spritzige Wein aus der Südsteiermark mochte ein Übriges getan ha­ben, dachte Irene beim Zubettgehen.
Auch diesmal schlief sie gut und während sie am Morgen die Zähne putzte, ließ sie den Abend noch einmal Revue passieren. Frau Mar­tens hatte noch eine Runde vom heimischen Apfelschnaps spendiert und dabei erzählte, dass auch Graf Nestelbach, der Besitzer des Gu­tes, in der Zwischenzeit geschieden war.
Seine lebenslustige Frau war mit dem Buchhalter durchgebrannt und dieser hatte, wohl um seiner neuen Gefährtin den geeigneten Rahmen zu bieten, ein paar Sparbücher mitgenommen. Strafrecht­lich hatte man die Sache nicht verfolgt, denn die Ex-Ehefrau hatte in letzter Minute auf alle Ansprüche verzichtet.
Na dann, dachte Irene, wird es doch Liebe gewesen sein.
Dieser Graf musste aber auch ein komischer Kauz sein, vermutlich so eine Mischung aus altmodischem Familienoberhaupt und trocke­nem Geschäftsmann.

*

Da es am Sonntagmorgen regnete, machten sie nach dem Frühstück einen Spaziergang zum Wehr und sahen zu, wie die Wassermassen der Mur donnernd in die Tiefe stürzten. Dann folgten sie einem asphaltierten Weg und landeten gegen Mittag beim Jaga-Wirt. Nach einer herzhaften Jause hatte es zu regnen aufgehört, so dass sie den Heimweg bei Sonnenschein zurücklegen konnten. Als Irene es sich danach auf der Couch bequem machte, dachte sie: Ich habe Sandra schon lange nicht so gelöst und glücklich erlebt. Hoffentlich wird sie eines Tages nicht ebenso enttäuscht wie ich. Irgendwie war die­ser Günther fast zu perfekt. Vielleicht sollte sie ihm einmal auf den Zahn fühlen.
Beim Abendessen brachte Irene das Gespräch auf die Kindheit. Günther erzählte, er habe seinen Vater kaum gekannt und seine Mutter hatte ihn die längste Zeit bei den Großeltern geparkt. Der Großvater sei längst verstorben, die Großmutter hätte er in einem hübschen Seniorenheim untergebracht und mit der Mutter stünde er ständig vor Gericht, einer Immobiliensache wegen. Als Anwältin hätte Irene gerne mehr gewusst, aber die Stimmung war so heiter und unbeschwert, dass sie das Thema nicht weiterverfolgte. Ihr Miss­trauen gegen ihn hatte sich in den letzten Stunden ohnehin gelegt und nach seinen heutigen Erzählungen dachte sie, es sei vielleicht kein Wunder, dass er immer etwas kühl und distanziert wirkte.

Im Kindle-Shop: Paragrafen und Grafen
Für alle anderen Reader: Buch bei BookRix

Mehr über und von Brigitte Teufl-Heimhilcher auf ihrer Website.



12. Februar 2018

'Die Saat des weißen Drachen' von Uwe Eckardt

Hast du dich schon mal gefragt, woher die Märchen und Legenden über Drachen, Trolle und all die anderen sagenhaften Geschöpfe eigentlich kommen? Was wäre, wenn sie nicht nur der Fantasie der Geschichtenerzähler vergangener Zeiten entsprungen sind? Was, wenn uns nur ein dünner Schleier von einer magischen Welt voller wundersamer Wesen trennt?

Hättest du den Mut, ihn zu zerreißen?

Um sein Leben zu retten, bleibt Finn keine Wahl. Er muss den Sprung durch den Schleier wagen und stolpert sogleich in ein turbulentes Abenteuer, von dessen Ausgang nicht weniger als die Zukunft einer ganzen Welt abhängt. Und als ob das nicht schon genug wäre, muss er sich auch noch mit den magischen Kräften auseinandersetzen, die überraschend in seinem Inneren erwachen. Ganz zu schweigen von dem weißen Drachen, der für seine Hilfe eine sonderbare Gegenleistung erwartet ...

Gesamtausgabe der beliebten Fantasy-Reihe 'Die Savanten'.

Gleich lesen: Die Saat des weißen Drachen: Fantasy-Epos (Gesamtausgabe: Die Savanten)

Leseprobe:
Finn schlang seine Arme um Schey, sah ihr tief in ihre smaragdgrünen Augen und wollten sie gerade küssen, als ein markerschütterndes Brüllen aus Richtung des nahegelegenen Luftschiffs die Ruhe zerriss.
Erschrocken wirbelten sie herum. Ein Teil der Backbordseite der Drachenhaut verwandelte sich mit einem knirschenden Krachen in einen Schauer aus splitternden Holztrümmern, die wie Geschosse auf die umliegenden Schiffe prasselten. Finn und Schey hechteten in letzter Sekunde hinter einen Stapel Kisten in Deckung.
In der klaffenden Öffnung erschien das Haupt des weißen Drachen. Die eiserne Maske war verschwunden und zwischen den gewaltigen Kiefern hing eine schlaffe Gestalt.
»Ken!«, brüllte Finn verzweifelt und machte Anstalten, auf den Drachen zuzustürmen, aber Schey hielt ihn mit Mühe zurück.
Die Bestie ließ die leblose Hülle achtlos fallen und spie ein derart markerschütterndes Brüllen in die Nacht, dass die beiden ihre Hände auf die Ohren pressen mussten. Dann bahnte sich das furchteinflößende Wesen mit den klauenbewehrten Flügeln einen Weg durch die zertrümmerte Schiffswand. Dabei legte es die Schwingen eng an den schlanken Körper, um durch das klaffende Loch zu passen. Mit einer letzten Anstrengung schob der Drache seinen weißen Leib ins Freie.
Er streckte die gewaltigen Schwingen aus und bewegte sie zögerlich, aber er flog nicht davon. Offenbar war er nach Jahren der Gefangenschaft nicht mehr in der Lage dazu. Einen Moment schaute er sich suchend um, den langen Hals in alle Richtungen reckend. Schließlich stieß er sich vom Luftschiff ab und tauchte wie ein riesiger Eisvogel ins dunkle Wasser, wo er in der Tiefe verschwand. Gewaltige Wellen schlugen auf die Anlegestelle und durchnässten Finn und Schey bis auf die Knochen.
Den Wachposten auf der Mauer war die spektakuläre Flucht des Drachen natürlich nicht entgangen. Die hektischen Alarmschläge des großen Gongs hallten durch die nächtliche Stadt, kaum dass die Wogen sich geglättet hatten.
Finn sprang auf die Füße und rannte die Kaimauer entlang, auf der das Luftschiff ruhte. Ken konnte, nein, er durfte nicht tot sein! Schlitternd kam er vor den Trümmern der Schiffswand zum Stehen. Auf dem schmalen Streifen unter dem klaffenden Loch lag eine leblose, teilweise zerfetzte Gestalt in einem See aus Blut.
Es war Lomar, der Drachenmeister.

Im Kindle-Shop: Die Saat des weißen Drachen: Fantasy-Epos (Gesamtausgabe: Die Savanten)

Mehr über und von Uwe Eckardt auf seiner Lovelybooks-Autorenseite.



9. Februar 2018

'Cold Case – Spurlos' von Sandra Hausser

Seit Hannahs neuer Vorgesetzter krank ist, ist nicht viel los im Rüsselsheimer Polizeipräsidium. Deshalb beschäftigen sich die Kommissarin und ihre Kollegen mit einem Cold Case, einem alten Fall, der nie gelöst wurde.

Ein Junge ist auf dem Weg zur Schule spurlos verschwunden, einziges Indiz: sein auf einem Spielplatz zurückgelassenes T-Shirt. Dank neuester Technik können die Polizisten nun die DNA-Spuren auf dem Kleidungsstück genauer unter die Lupe nehmen. Sie machen eine erstaunliche Entdeckung. Und plötzlich sind ihre Ermittlungen aktueller und gefährlicher denn je …

Gleich lesen:
Für Kindle: Cold Case – Spurlos: Kriminalroman (Rhein-Main-Krimi 2)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
21. Mai 1982
Matthias blieb abrupt stehen, als er den Jungen auf der Schaukel erblickte. Er blinzelte und schaute ein zweites Mal. Keine Frage, es handelte sich um Roberts Sohn Christopher. Er wohnte also jetzt in Raunheim.
Augenblicklich kamen ihm die Worte des letzten Gespräches mit seinem Cousin in den Sinn.
»Bernie verweigert mir den Umgang mit dem Kind. Stell dir vor, sie ist heimlich umgezogen, damit ich ihn nicht finden kann. Ich habe bei all ihren Freunden angerufen und sie gelöchert. Niemand rückt raus mit der Sprache. Die halten absolut dicht, was den Aufenthaltsort meines Sohnes betrifft. Dabei ist es für Christopher doch besser, dass er mit seinem Vater in Kontakt bleibt, oder?« Robert hatte flehend geschaut, bevor er weitersprach. »Klar sind viele Dinge geschehen, und die Schuld lag oft bei mir. Bernie hat Recht, wenn sie sauer wegen ihrer Töchter ist. Sie wollte, dass wir eine echte Familie werden. Aber ich konnte die Mädchen einfach nicht behandeln, als wären sie leibliche Kinder. So sehr ich auch versucht habe, ihren Erwartungen zu entsprechen, es ist mir nie gelungen.«
Matthias verstand nicht, was sein Cousin Robert an Bernie fand. Wegen ihrer achtunddreißig Jahre und der zwei Töchter aus erster Ehe hatte er immer gedacht, dass sie nur deshalb an Robert interessiert war, weil er ihr ein sicheres Nest bot. Nach Christophers Geburt waren bald Streitigkeiten und Unmut in den Alltag der Patchworkfamilie eingezogen. Da die beiden nicht verheiratet waren, hatte dieses Frauenzimmer seine Machtposition gegenüber Robert ausgenutzt. Sie hatte sämtliche Freiheiten in Anspruch genommen und sich nie dazu bewegen lassen, mit ihrem Partner an einem Strang zu ziehen.
»Wenn ich nur herausbekommen könnte, wo mein Sohn jetzt wohnt. Ich will ihn sehen, zumindest aus der Ferne, solange wir keine Einigung erzielt haben«, hatte Robert ihm sein Leid geklagt.
Matthias betrachtete den Cousin als armes und verweichlichtes Würstchen, weil er sich von dieser Frau derart abspeisen ließ. An seiner Stelle hätte er längst aufgeräumt und der Tussi gezeigt, wer der Herr im Hause ist und das Sagen hat. Ohne einen Hauch von Verständnis, und falls nötig auch mit körperlicher Gewalt.
Robert wird mich in den Himmel heben, wenn ich ihm anvertraue, dass ich weiß, wo Christopher ist. Erneut warf er einen Blick auf den Jungen, der nun kopfüber an einem Klettergerüst hing. Ein herrlicher Jungenkörper, schlank und muskulös. Die Arme baumelten über dem Sand unter dem Gerüst. Auf seinem Gesicht, das wegen der Körperhaltung und vor Aufregung gerötet war, leuchtete ein glückliches Lächeln. Die grünen Augen strahlten vor Freude und fixierten einen Punkt auf der Wiese, auf der eine Gruppe Löwenzahn stand.
Matthias ahnte, was Christopher als Nächstes plante, und blieb am Beobachtungspunkt stehen. Der Knabe kletterte vom Gerüst und ging mit flinken Schritten auf die Grasfläche.
»Dachte ich mir. Himmel, wie wunderschön er ist!«, flüsterte Matthias leise.
Er schloss die Augen und versuchte, sich den Großcousin unbekleidet vorzustellen. Ein Stöhnen entfuhr ihm, und er wusste, dass er Robert die Entdeckung verschweigen würde. Zu gewaltig flammte das Verlangen in ihm auf.
Langsam ging er auf den Jungen zu und rief ihn beim Namen. Zufrieden registrierte er, dass Christopher ihn zu erkennen schien. Ohne Argwohn kam der Junge auf ihn zu und streckte ihm einen Löwenzahn entgegen.
»Schau mal, Onkel Matthias, da vorne gibt es noch viel mehr. Wollen wir sie zusammen wegpusten?«
In seiner Familie nannte man alle männlichen erwachsenen Männer seit jeher Onkel, während die weibliche Verwandtschaft mit ihren Vornamen gerufen und das Wort Tante vermieden wurde. Eine Gewohnheit, die Matthias nie verstanden oder hinterfragt hatte.
»Sehr gerne«, antwortete er mit schmeichelnder Stimme. »Weißt du, ich finde Pusteblumen klasse. Wir sollten sie in alle Winde verteilen, damit wir im nächsten Jahr ein Meer aus ihnen bestaunen können, was meinst du?«
Christopher schaute einen Moment verlegen, bis die Worte bei ihm ankamen. »Heißt das, aus jeder, die wir wegpusten, bekommen wir neue Blumen?«
»Ja, sicher, was dachtest du?«
»Eigentlich habe ich noch nie darüber nachgedacht. Aber wenn das so ist, nichts wie los«, antwortete Christopher und lachte laut auf. Er zerrte Matthias an seiner Hand zum Löwenzahn.

9. März 2014, Restaurant Golden Panda, Rüsselsheim
Das Golden Panda lockte zur Mittagszeit viele Arbeiter aus dem Gewerbegebiet Hasengrund in Rüsselsheim an. Das Angebot des Mittagsbuffets wurde gerne in Anspruch genommen, die reiche Auswahl und der faire Preis hatten sich rasch herumgesprochen. Hannah, Jens und Çetin mussten einen Moment am Eingang warten, bevor ein Tisch am Fenster frei wurde.
»Ich vermute, dass alle Ganoven in den Winterurlaub gefahren sind, weil hier der Frühling bereits Einzug hält«, spekulierte die Kommissarin sarkastisch und ließ ihren Blick über die Auswahl an dampfenden Speisen schweifen. Ihr Magen knurrte laut, denn heute Morgen war sie zu spät aufgestanden, um noch Gelegenheit zum Frühstücken zu haben. »Wir können uns also Zeit lassen und in Ruhe das Buffet plündern.«
»Klasse Idee, allerdings ist ordentlich was los hier. Die Frau kommt kaum mit dem Auffüllen hinterher«, antwortete Çetin und hob anerkennend den Daumen.
»Strategisch günstiger Ort eben. Jeder ist froh, in der Mittagspause etwas Warmes in den Bauch zu kriegen. Und wenn man sich auch noch vom Buffet bedienen kann und wenig Wartezeit hat, ist das doppelt praktisch, oder? Von mir aus können wir anfangen«, erklärte Hardy. Er stand auf und nickte seinen Kollegen aufmunternd zu.

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Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Sandra Hausser auf ihrer Website.



8. Februar 2018

'Die sieben Helden' von Pascal Wokan

Sieben Helden. Zwei Zeitalter. Ein Geheimnis

Tausend Jahre regierte einst ein unsterblicher Herrscher über das Land Endur. Doch einem letzten Bündnis mutiger Helden gelang es unter vielen Opfern, ihn in einer gewaltigen Schlacht zu bezwingen. Zwanzig Jahre danach herrscht Frieden und die Erinnerungen an den Ewigkrieg beginnen zu verblassen. Ein letztes Mal wollen die glorreichen Helden zusammenkommen, um über das Schicksal des Landes zu entscheiden. Während die Vergangenheit immer mehr ans Tageslicht tritt, müssen sie schon bald erkennen, dass die Zeit tiefe Narben hinterlassen hat und der Frieden zu einem sehr hohen Preis erkauft wurde …

»Gut oder böse, schwarz oder weiß, richtig oder falsch. Das sind alles nur Sichtweisen.« - Slade Seelenlos, Legende des Ewigkriegs

Gleich lesen: Die sieben Helden

Weitere Bücher von Pascal Wokan.

Leseprobe:
Als der Fremde durch die Tür trat, wusste ich sofort, dass sich in diesem Augenblick mein ganzes Leben für immer verändern würde. Es war einer dieser Momente, in denen die Welt still und die Zukunft hell und klar vor Augen stand: Nichts würde mehr so sein, wie es einst war.
Der Fremde war ein großer Mann, mit langen blonden Haaren, einer blutroten, eng anliegenden Lederrüstung und einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Seine ganze Erscheinung vermittelte den Eindruck von Unbefangenheit, als könnte ihm nichts auf dieser Welt etwas anhaben. Das war natürlich eine Lüge und nur stolzes Gehabe, Niemand war in diesem Land vor den alltäglichen Bedrohungen gefeit. Das war aber nicht alles, denn der Mann verstand es wahrhaft, einen beeindruckenden Auftritt hinzulegen.
Die Tür fiel wieder ins Schloss und gleichzeitig verstummten alle Gespräche im Raum. In einem Gasthof unterhielt man sich nicht laut, es war eher ein stetes Gemurmel – darauf bedacht, kein größeres Aufsehen zu erregen. Dennoch kehrte schlagartig eine Stille ein, die so manchen unerschütterlichen Mann das Fürchten gelehrt hätte. Der Moment hielt an, während der Fremde seinen Blick in dem dichten Gedränge des Gasthofs umherschweifen ließ. Ehe ich mich versah, geschah das Unausweichliche: Unsere Blicke kreuzten sich und auf einen Schlag veränderte sich alles.
Das Lächeln des fremden Mannes wurde noch breiter und er stapfte mit weiten Schritten durch den gefüllten Raum. Unzählige, furchtsame Augen folgten ihm, denn jeder wusste, dass dieser Mann all das verkörperte, was ihnen allen den Kopf kosten könnte. Es war unübersehbar, der Fremde war ein Gabengeborener. Ein Mensch mit mächtigen Fähigkeiten und somit gleichzeitig Ziel und Opfer des dunklen Herrschers.
Als der Fremde am Tresen ankam, machte ich das, was ich bereits einige Sekunden früher hätte tun sollen: Ich ließ das Glas, das ich zuvor noch geputzt hatte, achtlos fallen, nahm meine Füße in die Hände und stürzte auf den Hinterausgang zu. Leider war ich zu langsam – oder vielmehr unterschätzte ich die Reflexe des Mannes – denn er griff mir von hinten an die Schürze, zog mich in seine Richtung und legte fast zärtlich einen Arm um meinen Hals. In jedem anderen Moment hätte ich mich darüber gefreut, eine freundschaftliche Umarmung zu bekommen, in diesem Moment hingegen verspürte ich nur nackte, kalte Furcht.
Der Fremde drückte einmal kräftig zu und ehe ich mich versah, hing ich in seinem Schwitzkasten. »Ah, wo wollen wir denn so eilig hin, Kumpel?«, wollte er wissen und kicherte dabei leise. »Ich habe mich doch noch gar nicht vorgestellt.«
»Das brauchst du auch nicht!«, presste ich mühsam zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Mir ging langsam die Luft aus, er drückte immer fester zu. Hilfesuchend sah ich mich im Gasthof um, alle Anwesenden aber wichen meinem Blick aus. So war das nun einmal in Endur, es ging immer nur darum, die eigene Haut zu retten. Wer ein Andersdenkender war, der wurde totgeprügelt oder öffentlich hingerichtet. Als Mahnmal, dass in diesem Land das Gesetz des dunklen Herrschers regierte.
»Oh, ich denke doch.« Der Druck ließ etwas nach, sodass ich erleichtert aufatmen konnte. »Ich möchte dir nichts tun. Es geht nur darum, dir eine einfache Frage zu stellen.«
Wenn er seinen Arm ein wenig mehr lockern würde, wäre es vielleicht möglich, herauszuschlüpfen und zu entkommen. Mir wurde aber im gleichen Augenblick bewusst, dass ich mich in den Fängen eines Gabengeborenen befand – keine gute Aussicht, um aus dieser misslichen Lage zu entkommen. Alleine die Tatsache, dass er sich in meinem Gasthof aufhielt, könnte schon die Schergen des dunklen Herrschers auf mich lenken.
Der Fremde beugte sich langsam zu meinem Ohr und senkte seine Stimme zu einem rauen Flüstern. »Ich werde dich jetzt loslassen. An deiner Stelle würde ich mir zweimal überlegen, ob du wirklich abhauen willst, Kumpel.«
»Wieso?«, keuchte ich.
»Weil mir eine ganze Meute Schergen des dunklen Herrschers auf den Fersen ist. Das heißt, bevor ich den Gasthof betreten habe.«
Mir wurde siedend heiß. »Was sagt Ihr da?«
»Bist du taub? Ich ziehe es vor, mich nicht zu wiederholen.«
»Was wollt Ihr von mir?«
»Das sagte ich doch bereits, ich möchte dir ein paar Fragen stellen.«
»Was für Fragen?« Ich sah mich hastig um, einige der anwesenden Gäste bewegten sich zaghaft auf den Ausgang zu. Wenn ich jetzt nicht schnell das Ruder rumriss, dann würden sie reden – und das könnte meinen sicheren Tod bedeuten.
»Ach, dies und das. Vertraust du mir?«
Ich drehte den Kopf ein wenig herum, sodass ich sein Kinn von unten betrachten konnte. »Euch vertrauen?«, fragte ich entgeistert. »Wollt Ihr mich auf den Arm nehmen?«
»Wohl eher in den Arm«, kicherte er und wurde wieder schlagartig ernst. »Nein, ich meine das, was ich sage. Ich weiß, was du über mich denkst, Kumpel. Und es stimmt: Ich bin ein Gabengeborener. Noch dazu ein ziemlich Bekannter.« Er grinste breit. »Du darfst dich nun geehrt fühlen.«
Der Fremde löste langsam den Druck und befreite mich aus dem Schwitzkasten. Ich hustete ein paar Mal kräftig und rieb mir den schmerzenden Nacken. Als ich mich soweit beruhigt hatte, verschränkte ich die Arme vor der Brust und funkelte ihn böse an. »Was hat das mit mir zu tun?«
»Sehr viel sogar«, entgegnete er.
Ich kniff die Augen zusammen. Irgendwoher kannte ich den Fremden. Zwar hatte ich ihn noch nie in meinem Leben gesehen, allerdings redeten die Leute viel – besonders in einem Gasthof. Als ich ihn schließlich erkannte, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter.
»Slade … Slade Seelenlos?«, fragte ich fassungslos.
Er warf seine langen Haare nach hinten und ließ stolz die Brust schwellen. »So wahr ich hier stehe!«
»Heilige Scheiße, ich bin am Arsch!« Ja, das war ich wirklich. Wenn sich Slade Seelenlos, der am meisten gesuchte Mann im Land in meinem Gasthof aufhielt, dann würde es nicht mehr lange dauern, bis ich ebenfalls auf der Abschussliste des dunklen Herrschers stand.

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