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17. Oktober 2017

'In guten wie in schlechten Zeiten' von E.M. Tippetts

Chloe hat alles: Sie führt eine glückliche Ehe mit Hollywood-Superstar Jason Vanderholt, ihr erstes gemeinsames Kind ist unterwegs und bald steht die Hochzeit ihrer besten Freundin Lori an, bei der sie die Trauzeugin sein wird. Die Belastungen der vergangenen Jahre liegen hinter ihr … beinahe.

Denn Chris Winters, Chloes Halbbruder, ist immer noch auf freiem Fuß, obwohl er der Hauptverdächtige in einem Doppelmord ist. Die Polizei hat nicht genug Beweise, um ihn zu überführen, aber Chloe ist sich sicher, dass er es war. Schließlich hat er auch versucht, sie umzubringen, als sie noch ein Kind war.

Als Chris anfängt, Lori zu verfolgen, ist Chloe außer sich und setzt alles daran, ihn ein für alle Mal hinter Gitter zu bringen. Sie hat das beste Sicherheitsteam, das man für Geld bekommen kann und trotzdem hat sie das Gefühl, dass ihnen etwas entgeht – und Fehler können in diesem Geschäft tödlich sein. Doch je gründlicher sie nachforscht, desto weniger passen die Puzzleteile zusammen.

Chloe bleiben nur wenige Wochen, um herauszubekommen, wie sie ihre beste Freundin schützen, die Hochzeit vor einer Katastrophe bewahren und Chris zurück ins Gefängnis schicken kann. Sie muss das Rätsel unbedingt lösen, bevor er erneut zuschlägt.

Gleich lesen: In guten wie in schlechten Zeiten (Nicht mein Märchen 5)

Leseprobe:
Während ich in einem Wohnwagen saß und nach draußen über das isländische Hochland blickte, fühlte ich mich, als wäre ich auf dem Mond. Die Einheimischen hatten mir versichert, dass sich unter der trostlosen Decke des Januarschnees eine bezaubernde Hügellandschaft verbarg, gesprenkelt mit großen Felsbrocken, die die Gletscher vor sich hergeschoben hatten. Im Moment war das einzige Anzeichen für Wärme jedoch der Dampf, welcher in der Ferne aus Vulkanschloten emporstieg.
Die Kälte schien durch jede Ritze des Wohnwagens zu kriechen, obwohl dieser alle möglichen Zusatzisolierungen und andere winterfeste Eigenschaften hatte. Die Innenausstattung war hingegen auch nicht anspruchsvoller als das, was eine normale amerikanische Familie in ihrem Campingwohnwagen hatte. Es gab keinen Luxus, nur die beiden Standardbänke, die sich gegenüber standen, zwischen ihnen ein an die Wand geschraubter Tisch, eine Küche, die gleichzeitig als Flur diente, ein Schlafzimmer, das für gewöhnlich leer war und eine Spültoilette – der luxuriöseste Bestandteil des gesamten Gefährts.
Die Luft war feucht und muffig und die Heizung gab einen chemischen Geruch ab, bei dem sich mir der Magen umdrehte, wenn ich mich zu sehr darauf konzentrierte.
Ich wollte nicht launisch sein. Ich tat mein Äußerstes, um meine Stimmungsschwankungen im Zaum zu halten, aber ich war auch im siebten Monat schwanger – und dieser Zustand war das Einzige, was mich hier warm hielt. Auf die Sitzbank gezwängt, die Schultern nach vorne gebeugt, damit mein Babybauch unter den Tisch passte, konnte ich es mir beim besten Willen nicht bequem machen. Ich hatte die Wahl, entweder so zu sitzen oder mich zur Seite zu drehen, die Beine auf der Bank auszustrecken und mich mit dem Rücken an die kalte, unergonomische Wand zu lehnen.
Aber ich saß Jason Vanderholt gegenüber, der im echten Leben genauso heiß aussah, wie auf der Leinwand. Er hatte die blauen Augen geschlossen und seine Lippen bewegten sich stumm, während er im Kopf seinen Text durchging. Dann atmete er tief durch und wurde ruhig. Er schlüpfte in seine Rolle und ich wollte den Prozess nicht stören. Kurz darauf spielte er mit den Fingern seiner rechten Hand an seinem Ehering herum. Das war ein Tick, der mir bei ihm bis jetzt noch nicht aufgefallen war.
Draußen unterhielten sich gedämpfte Stimmen und jemand trug ein Boom-Mikrofon am Fenster vorbei. Normalerweise arbeitete Jason in Studioproduktionen mit riesigem Budget, aber das hier war eine kleine Indie-Produktion, daher auch der aufs Wesentliche reduzierte Wohnwagen. Es fühlte sich wie ein Campingausflug mit Kameraequipment an.
„Es schneit wieder!“, rief jemand.
Das hier war ein irrsinniger Ort, um einen Nostalgiestreifen über einen Mann zu drehen, der seiner verstorbenen Tochter nachtrauerte. Und eigentlich war es unter den gegebenen Umständen auch eine ziemlich makabere Entscheidung von Jason, einen Film über den Verlust einer Tochter auszusuchen. Unser ungeborenes Baby war ein Mädchen. Aber ich hatte gelernt, dass dies dazugehörte, wenn man mit einem Typen verheiratet war, der seinen Lebensunterhalt mit Kunst verdiente. Wahrscheinlich würde er noch des Öfteren emotional düstere Rollen spielen, die im Kontrast zu seinem idyllischen Leben standen.
In diesem speziellen Fall war es die Drehbuchautorin und Regisseurin gewesen, wegen der er sich für dieses Projekt entschieden hatte. Ihr Name war Priya Singh und er war davon überzeugt, dass sie der nächste große Star sein würde. Sie hatte Island aufgrund einer Reihe von filmästhetischen Gründen gewählt, die ich nicht ganz verstand, Jason aber befürwortete – also, waren wir hier. Das wenige Geld, das zur Verfügung stand, wurde dazu genutzt, die Schauspieler und die Crew warm zu halten, anstatt ihnen andere Annehmlichkeiten zukommen zu lassen.
Ein Klopfen an der Tür kündigte die Lieferung des Mittagessens an. Der Großteil der Crew aß vom Catering, aber Jason hatte einen Privatkoch engagiert, um für die Schauspieler zu kochen, damit sie ihre perfekt ausbalancierten Mahlzeiten essen und ihre muskulösen, fettfreien Körper behalten konnten.
Ich schob mich mühsam von meiner Bank, um die Tür zu öffnen und in der Tat fiel mal wieder reichlich Schnee. Ich dankte der Produktionsassistentin, die mir das dampfende Tablett überreichte und sie grinste mich an, bevor sie wieder im Schneegestöber verschwand.
Jetzt fühlte es sich wie eine Expedition in die Arktis an.
Jason hatte die Augen wieder geöffnet und lächelte, als ich das Tablett an den Tisch brachte.
„Was ist los?“, fragte er.
„Nichts. Ich bin nur eine mies gelaunte, schwangere Lady, das ist alles.“
„Auf einer Skala von eins bis zehn, wie gelangweilt bist du hier?“
Ich schob sein Gericht zu ihm herüber und zog meines näher an mich ran. Es war Vollkornreis mit gedünstetem Gemüse und gegrilltem Hühnchen – wieder mal.
„Langeweile ist gut“, sagte ich. „Bald werde ich keinen freien Moment mehr haben, um mich zu langweilen, nicht wahr?“ Ich zeigte auf meinen Babybauch.
„Du darfst dich ruhig beschweren, weißt du.“
„Muss ich aber nicht, wenn ich nicht will. Du kannst mir nicht sagen, was ich zu tun habe.“
Da entschied unser Baby, aufzuwachen und mir einen ordentlichen Schlag gegen meine unteren Rippen zu verpassen. Ich fuhr zusammen.
„Verprügelt sie dich wieder?“
„Ist nicht schlimm.“
„Hey da“, befahl er. „Hör auf, deiner Mama weh zu tun, okay? Hier spricht dein Vater.“
Das Baby beruhigte sich.
„Oh, na klar“, sagte ich. „Hör auf ihn, aber nicht auf mich.“
Mein Smartphone klingelte und der Name meiner Freundin Lori erschien im Display. Ich blinzelte überrascht und hob ab. Sie lebte in New Mexico, wo es gerade fünf Uhr morgens war.
„Hey, alles in Ordnung?“, fragte ich.
„Tut mir leid, dich zu stören.“
„Du störst doch nicht, sei nicht albern. Ich sitze in einem Wohnwagen mitten im isländischen Hochland. Apropos, es könnte sein, dass die Verbindung zwischendurch weg ist.“
Am Filmset gab es einen Handysignalverstärker, ebenfalls von Jason zur Verfügung gestellt. Doch bei einem Schneesturm funktionierte er nicht immer zuverlässig.
„Chris war gestern Abend hier.“
„Was? Und du rufst mich jetzt erst an?“
Die Verbindung brach ab.
Ich unterdrückte einen Fluch und wählte ihre Nummer, hatte aber keinen Empfang.
„Alles in Ordnung?“, fragte Jason.
„Mein gemeingefährlicher Bruder hat Lori einen Besuch abgestattet, also nein.“

Im Kindle-Shop: In guten wie in schlechten Zeiten (Nicht mein Märchen 5)

Mehr über und von E.M. Tippetts auf ihrer Website.



16. Oktober 2017

'Die Mino-Saga' von O.E. Wendt

Dieses dreiteilige Epos aus längst vergangenen Zeiten lässt Drachen erwachen, Elfen fliegen, Magier ihre Wunder wirken und das Schwache gegen das Starke kämpfen. Mit dem ersten Teil „Mino und die Elfenherrin“ lag O.E.Wendt im letzten Jahr beim Storytelleraward von Amazon bei den Kundenbewertungen unter den besten zehn von über 2.000 Titeln.

Boshaftigkeit, verborgen in dunklen Bergwälder, finstere Mächte, aus den Tiefen der Erde kriechend und Wesenheiten, vielfältiger sie kaum sein können; wunderbare Lichtgestalten, böse und gute Hexen, aber Kreaturen auch, die uns noch nie begegnet sind. Sie alle sehen sich bedroht durch einen von Menschen beschworenen Dämon, der das Licht scheut und seine Kraft einzig aus Leid und versiegendem Leben schöpft, aus dem Tod. Nur der junge Mino ahnt, dass seine Wanderung das Verlöschen aller Hoffnung zu verhindern vermag.

Gleich lesen: Die Mino-Saga (Reihe in 3 Bänden)

Leseprobe:
Elrado hatte nur ein kleines Feuer entfacht. Als es beinahe verloschen war, wachte Mino wieder auf. Er wusste nicht, was genau ihn geweckt hatte, ein Geräusch oder ein Traum? Neugierig lugte er aus seiner Schlafhaut und lauschte. Für eine so finstere Nacht war dieser Wald laut. Ge­zirpe und Gesumme, Knacksen im Geäst und Gurren in den Zweigen über ihnen. Nein! Geräusche waren es wohl nicht, die ihn weckten. Er blickte zu den anderen hinüber. Sein Vater und Kumrado schliefen tief und fest. Die letzten Holzstückchen knackten in der Glut vor sich hin und durch die Feuchtigkeit des Waldes konnte er überall Tropfen zu Boden oder auf große Blätter platschen hören. Der ganze Wald lebte unheimlich, als hätte er einen eigenen Atem. Kein Mond, kein Stern war zu sehen und besonders weit bot die Glut nun auch keine Sicht mehr. Mino zündete eine kleine Windlampe an. Aufstehen wollte er jedoch nicht. Noch nie hatte er woanders geschlafen, außer bei den Kumrados. Und besonders heimelig war es gerade nicht. Sein Vater hatte ihm gesagt, dass sie morgen Abend die Mitte erreichen würden und dummerweise genau hindurch mussten. Hätten sie das erst hinter sich, kamen sie angeblich in das Gebiet der Elfen. Dort leb­ten sie und man erzählte sich, dass es wunderschön an diesem Ort sei. Mino stellte es sich vor und bemerkte dann, wie viele Zikaden in die­sem Wald umherschwirrten. Viel mehr als draußen auf den Wiesen. Wenn er genau darauf achtete, kam es ihm wie ein gigantisches Kon­zert vor oder wie ein wichtiger Wettkampf, den die Tierchen ausführ­ten. Ständig hatte er das Gefühl, etwas krieche in seine Schlafhaut oder nestelte in seinen Haaren herum. Er wollte sich nun aber zusammen­reißen und führte sich vor Augen, dass dies gerade der erste Tag war, an dem er von zu Hause fort war. Und wäre er nun auf seinem Jugendpfad, hätte er diese Nacht völlig alleine durchste­hen müssen. Im Übrigen war es letztlich nur ein Wald, redete er sich ein. Natürlich hatte er viele Geschichten über ihn gehört, wie über fremde Länder auch. Aber die Welt bestand nicht nur aus Zauber und geheimnisvollen unerklärlichen Begebenheiten.
Aber es gibt sie, flüsterte eine feine Stimme in seinem Ohr. Mino drehte sich erschrocken um. Es war niemand zu sehen.
„Ich habe eine Mädchenstimme gehört“, sagte er leise und schaute zu sei­nem Vater und Kumrado hinüber. Sie schliefen noch immer. Es mochte Mitternacht sein. Ihm war, als sei jedes Geräusch um ihn herum plötzlich erstickt.
„Ist da jemand?”, flüsterte er. Seine Augen traten ängstlich hervor. Er hörte ein Kichern, dann ein Surren und wieder ein Kichern. Diesmal aus einer anderen Richtung. Alles andere war still. Mino hockte sich hin, versuchte etwas zu sehen im Schein seines Windlichtes, konnte jedoch nichts erkennen. Ihm kam es nun wirklich sehr warm vor. Aber er wusste, dass es nicht an der Schlafhaut lag, die Kumrados Frau so liebevoll zusammengenäht hatte. Da war das Surren wieder. Es kam direkt hinter dem Felsen hervor. Mino schaute vorsichtig um die Ecke, verließ aber seine Schlafhaut nicht und fiel deshalb hin. Er­neut wurde gekichert und als Mino aufschaute, sah er ein kleines We­sen, sehr filigran, nur bienengroß, umgeben von einem Schimmer und Glanz wie Millionen kleiner Goldpartikel, die von seinen kleinen Flügelchen herzurühren schienen. Erst als er genauer hinsah, er­kannte Mino diese zarten Flügelchen und das wunderschöne Antlitz eines winzigen Mädchens.
„Ein Elfenmädchen“, flüsterte er, ließ den Mund danach offen stehen. Das Wesen tänzelte hin und her und lächelte. Sie kicherte noch ein­mal kurz und flüsterte dann: „Komm zu mir rüber, Mino, komm rüber! Pssst! Sei leise, wir wollen doch niemanden wecken!”
Ohne überhaupt nachzudenken, ob es eventuell ein Trug oder die Falle eines verschlagenen Trolls sein könnte, kroch Mino aus seiner Schlafhaut und folgte dem Mädchen. Überall, wo sie entlangflog, zog sie einen feinen Duft und eine leichte golden schimmernde Glanz­spur nach sich. Auf der anderen Seite des Felsens schwebte sie auf der Stelle.
„Hier können wir bleiben. Dort drüben hätten wir sonst jemanden unnötig aufgeweckt.“
„Bist du eine Elfe?”, wollte Mino sich vergewissern. „Pssst! Nicht so laut, Mino.“ Sie legte sich einen Finger vor den Mund. „Ja, du hattest schon ganz Recht, ich bin ein Elfenmädchen und dürfte eigentlich gar nicht hier bei dir sein.“ Verstohlen schaute sie um sich.
„Was tust du dann hier?”, fragte Mino.
„Ich war neugierig und wollte dich sehen.“
„Mich sehen?“ Das konnte Mino nicht verstehen. Was sollte an ihm besonderes sein? Er war ein Junge von sechzehn, der wahrhaftig nicht glorreich genug für den Inhalt einer ihm vorauseilenden Ge­schichte war. Warum kannte sie ihn?
„Unsere Herrin hat uns von dir erzählt. Tatsächlich bist du wirklich ein hübscher Bengel. Aber das habe ich auch früher schon bemerkt.“
Mino war so fasziniert von ihrer Erscheinung, dass er kaum darauf achtete, was sie sagte. Sie tänzelte immer noch hin und her, schim­merte und glitzerte wie ein kleiner Goldregen. „Sie hat uns einiges über dich erzählt. Ich hoffe wirklich sehr, ihr werdet euren Brüdern und Schwestern helfen können. Eigentlich bin ich mir ganz sicher, dass ihr das könnt. Schließlich ist das erst der Anfang.“
„Ich verstehe das nicht so ganz“, sagte er. „Was hat eure Herrin denn erzählt? Anfang von was?“
„Na, ich spreche von diesem fiesen Habier, der die ganzen Leute aufge­wiegelt und unter seinen Einfluss gebracht hat. Er kommt nicht aus dieser Gegend und ist ganz gewiss kein Mensch wie du und deine Brüder es seid.“
„Dann weißt du, was drüben vorgeht?”, fragte er sie.
„Oh, ja. Natürlich. Uns Elfen entgeht nichts, was diesen Wald betrifft. Er gehört uns von Anbeginn.“
„Kannst du es mir nicht erzählen? Ich weiß nicht viel über diesen Ha­bier. Nur das, was mein Vater mir schon erzählt hat“, meinte er ohne auch nur einen Moment den Blick von ihr zu lassen.
„Deshalb bin ich ja hergekommen. Auch wenn es gar nicht erlaubt ist. Ich habe dich schon manches Mal beobachtet und fand dich immer sehr nett. Und genau deshalb wollte ich dir ein wenig helfen.“
„Aber warum helfen die Elfen nicht direkt den Mädchengesegneten? Wenn ihr uns helfen könnt, dann denen drüben doch auch“, entgeg­nete Mino.
„Du magst ein Stück weit Recht haben“, antwortete sie. „Doch in die­sem Fall handelt unsere Herrin ja nicht nur für euch. Sie würde gleichzei­tig gegen jemand anderen handeln. Und dieser Jemand kommt nicht aus unserem Land. Er ist gar nicht fassbar. Und bedroht uns ja nicht unmittelbar. Deshalb kann sie nichts tun. Zumindest nicht viel.“
„Aber du hast eben gesagt, du möchtest mir helfen“, widersprach er.
„Ich helfe dir nicht mit Elfenzauber. Ich sage Dir nur wie es ist“, sagte sie, weiterhin tänzelnd.
„Selbst wenn es nicht erlaubt ist“, meinte Mino. „Ihr könntet doch eine Ausnahme machen.“
„Oh, das würden wir alle gerne tun. Ich bin mir sicher, ein jedes Elfen­kind hat schon versucht gegen die Gebote unserer Herrin zu handeln, sei es aus Spaß, Unbesonnenheit oder einfach nur Unwissen­heit. Doch selbst wenn wir noch so sehr Gutes tun möchten, es gibt leider Grenzen.“

Im Kindle-Shop: Die Mino-Saga (Reihe in 3 Bänden)

Mehr über und von O.E. Wendt auf seiner Website.



13. Oktober 2017

'Kellerasseln: Kommissar Braunagels fünfter Fall' von Carmen Mayer

In einem Ingolstädter Innenhof wurde ein Zuhälter erschossen: Benno Krüger. Walter Braunagel und seine Kollegin Maxi Wöhrl zweifeln daran, dass es sich um einen Mord ‚im Milieu‘ handelt.

Maxi Wöhrl beschäftigt zudem ein privates Problem. In der Schule ihres Sohnes gibt es handgreifliche Auseinandersetzungen mit schwerwiegenden Folgen.

Die Kommissare werden zu einem neuen Fall gerufen: drei tote Neugeborene. Eines steht fest: Der tote Zuhälter war eng mit ihrer Mutter verwandt. Fast gleichzeitig finden sie heraus, dass Benno Krüger hinter den Schlägereien an Ingolstadts Schulen steckt. Ein anonymer Hinweis führt die beiden Kommissare auf die Spur von Bennos Schwester.

Gleich lesen:
Für Kindle: Kellerasseln: Kommissar Braunagels fünfter Fall (Krimi 41)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Sie packte das tote Baby in ein Handtuch, ging in den Schuppen und begann, ein Loch in die Erde zu graben. Darin versenkte sie das Bündel, klopfte die Erde darüber fest, stellte das beiseitegeschobene Regal darüber und wankte zurück zum Haus. In ihrem Zimmer zog sie mechanisch eine neue Spritze auf und setzte sich einen weiteren Schuss. Dann vergaß sie alles um sich herum.

»Was haben wir denn mit Drogendealern zu tun?«
Maxi Wöhrl signalisierte Walter Braunagel mit den Augen, was sie von dem Telefongespräch hielt, für das sie sich offenbar nicht zuständig fühlte. Doch dann stand sie plötzlich auf.
»Ah ja. Okay, wir sind unterwegs.«
»Was ist?«, fragte Braunagel über den Bildschirm seines Computers hinweg. Ihm war viel zu heiß an diesem Vormittag, als dass er Lust gehabt hätte, sich mehr als unbedingt notwendig zu bewegen.
»In der Altstadt wurde die Leiche eines Zuhälters gefunden. Erschossen«, erklärte die Kommissarin, die bereits zur Tür gegangen war. »Kommen Sie mit?«
»Ein Zuhälter.« Braunagel strich sich mit der Hand über die Augen. »Und weiter? Was ist mit dem Drogendealer?«
»Erschossen.«
Braunagel schaute sie irritiert an.
»Der Zuhälter oder der Dealer?«
»Der Typ war dem Kollegen zufolge«, sie zeigte in die Richtung ihres Telefons, »Zuhälter und hat außerdem mit Drogen gedealt.«
»Von mir aus können die sich …«
»… was auch immer. Ja, können sie«, unterbrach Maxi Wöhrl ihn. »Hat wohl einer in die Tat umgesetzt, Ihre Idee. Macht Sie schon mal schwer verdächtig. Was ist, kommen Sie jetzt?«
Braunagel war inzwischen auch aufgestanden und folgte seiner Kollegin zur Tür.
»Frechheit, sowas.«
Maxi Wöhrl zuckte nur die Schultern. Auf was oder wen auch immer Braunagels Bemerkung sich bezogen haben mochte: Sie stand darüber.
»Es hat gefühlte zweihundert Grad im Schatten da draußen. Wer erschießt denn bei den Temperaturen einen Zuhälter auf offener Straße?«, knurrte er. »Das erledigen die doch für gewöhnlich nachts in finsteren Gassen und verscharren dann die Leiche irgendwo im Gemüsebeet.« Er zog die Bürotür hinter sich zu. »Da ist es auch nicht so verdammt warm.«
»Nicht auf der Straße«, korrigierte ihn seine Kollegin nach einem abgrundtiefen Seufzer. »Es ist ein Innenhof im Bereich der Altstadt.«
»Das macht natürlich einen deutlichen Unterschied.« Braunagel krempelte seine Hemdsärmel hoch. Er mochte den Sommer, aber er hasste Temperaturen über 23 Grad. Weil er dann schwitzen musste und sich in seinen Klamotten unbehaglich fühlte.
Wer sagt eigentlich, dass man keine Schwitzflecken haben darf?, grübelte er. Die Kosmetikindustrie, die ihre übermäßig parfümierten Mittelchen dagegen verkaufen will. Alle riechen nach dem Zeug. Das verbiegt einem ja die Nase.
Wie gesagt: Ihm war einfach viel zu heiß.
»Schon.«
»Wie?«
Er hatte völlig den Zusammenhang verloren.
»Es macht einen deutlichen Unterschied … Ach, vergessen Sie’s.«
Die Kommissarin hielt die Glastür zum Treppenhaus für ihn auf.
»Wie kommen Sie eigentlich auf Gemüsebeet?«, wollte sie wissen, und ging vor ihm die Treppe hinunter. »Lief das in Würzburg so?«
»Nicht unbedingt«, gab er zu und warf einen sehnsüchtigen Blick auf die Lifttür. »Das wäre meine Vorstellung davon, sie zu entsorgen. Dann wären sie wenigstens noch zu irgendwas nützlich.«
Maxi Wöhrl warf einen Blick über die Schulter. Als sie Braunagels schiefes Grinsen sah, tippte sie sich an die Stirn.
»Muss einem auch erst mal einfallen: Gemüsebeet«, sagte sie. »Ich möchte nicht Ihr Opfer sein, Braunagel.«
»Dann rate ich Ihnen, sich in jeder Situation daran zu erinnern, wer Ihr Chef ist.«
»Verstanden, Chef!« Maxi Wöhrl legte die Rechte an einen imaginären Mützenrand. »Wer fährt, Chef?«
Braunagel winkte ab und ging auf die Beifahrertür zu.
Als sie im Auto saßen, betrachtete er nachdenklich ihr Profil. Sie hatte ihre dunkelblonden Haare wie üblich mit einem Gummiband zu einem Pferdeschwanz gebunden, der heute aber im Gegensatz zu sonst ziemlich zerfleddert aussah.
Braunagel hatte sie anfangs gar nicht so richtig wahrgenommen, als er nach Ingolstadt kam. Sie war einfach da gewesen, hatte ihre Arbeit im Innendienst erledigt, und war nach Dienstschluss wieder verschwunden.
Bevor sein damaliger Kollege Engelbert Stiegler sich in den Ruhestand verabschiedete, hatte er Braunagel auf sie aufmerksam gemacht. Da Engelbert bislang eher indifferent schien, was die Kolleginnen und Kollegen betraf, schenkte Braunagel seinen wenigen Worten über ‚die Maxi‘ seine ganze Aufmerksamkeit.
»Ich heiße einfach nur Maxi, nicht Maximiliane oder so«, hatte sie ihm erklärt, als er sie darauf ansprach.
Er beobachtete ‚die Maxi‘ in der Folgezeit etwas genauer und stellte fest, dass sie genau die Person war, die er an seiner Seite haben wollte.

Im Kindle-Shop: Kellerasseln: Kommissar Braunagels fünfter Fall (Krimi 41)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Carmen Mayer auf ihrer Website.



12. Oktober 2017

'Im Meer des Glücks' von Rachel Parker

Der tragische Tod ihres kleinen Bruders wirft Emma aus der Bahn. Kurz vor ihrem Staatsexamen geht die angehende Ärztin nach Kalifornien, dort will sie einen Neuanfang wagen. Während der Reise lernt sie den attraktiven Rechtsanwalt Michael kennen. Sie erliegt seinem Charme und stürzt sich in eine heiße Affäre.

Emma beendet ihre Ausbildung und fühlt sich zu ihrem Kollegen Paul hingezogen. Doch diese Freundschaft steht unter keinem guten Stern; eine belastende Vergangenheit, dunkle Familiengeheimnisse sorgen immer wieder für Unruhe und stellen Emmas Welt auf den Kopf. Wird sie in Kalifornien bleiben und ihren Weg alleine gehen, oder findet sie das, wonach sie immer gesucht hat, eine Liebe fürs Leben?

Ein Liebesroman - gefühlvoll und prickelnd, tragisch und leidenschaftlich.

Gleich lesen: Im Meer des Glücks

Leseprobe:
Der Anflug auf San Francisco versetzte mich in Hochstimmung. Strahlend blauer Himmel. Das Meer glitzerte wie kleine Kristalle im Sonnenlicht. Die Stadt schmiegte sich an die Hänge und erstreckte sich entlang der gesamten Küste. Deutlich erkannte ich bereits die Golden Gate Bridge – welch ein atemberaubender Anblick! Ich rutschte ungeduldig auf meinem Sitz herum. Endlich kam ich meinem Ziel näher und konnte auf diese große imposante Stadt im Süden Kaliforniens blicken. Die Autos schlängelten sich wie Spielzeuge durch die Straßen. Vereinzelt erkannte man nun Menschen; wie Ameisen wuselten sie zwischen den Häusern umher. Nach der Ansage des Kapitäns, landeten wir wenige Minuten später auf dem Flugrollfeld und er parkte unser Flugzeug an einer der Gangways. Sofort setzte Hektik ein, alle drängten gleichzeitig zum Ausgang der Maschine, um sich kurz darauf an der Gepäckausgabe zu treffen. Immer das gleiche Spiel, dachte ich genervt und setzte mich auf meinen Kofferwagen. Die empfundene Hochstimmung wich der Realität.

Mein Handy klingelt immer dann, wenn ich beschäftigt bin! So auch jetzt. In diesem Moment wurde ich wütend. Fast alleine stand ich am Gepäckband 10 des San Francisco International Flughafens und merkte, dass mir ein Koffer fehlte. Ich fror, denn wie in allen öffentlichen Gebäuden in Amerika zeigte das Thermometer Richtung Gefrierpunkt. Menschen verschiedener Nationalitäten hasteten vorbei, ein Mix aus allen Sprachen der Welt zog an meinen Ohren vorbei und es herrschte mehr Basar-Atmosphäre als Flughafen-Flair. Aber meine Sinne täuschten mich sicherlich, denn ich war übernächtigt und nervös. Was würde mich in dieser Metropole und an meinem neuen Arbeitsplatz erwarten? Das Display zeigte mir meine Mutter an.
»Hey, Mama«, begrüßte ich sie. Ich war genervt, oh, ja, das war ich wirklich.
»Emma, ich wollte nur fragen, ob du gut gelandet bist? Du hättest mir doch eine Nachricht schicken können … «
Immer diese Vorwürfe meiner Mutter! Oft unterschwellig aber dieser Vorwurf kam mal wieder sehr direkt.
»Mama, ich bin vor Kurzem gelandet und habe andere Sorgen, als dir zu schreiben. Einer meiner beiden Koffer fehlt.«
»Ach, Kind, du weißt doch, wie ich mir Gedanken mache. Aber das mit dem Koffer schaffst du. Der wird schon noch auftauchen. Vielleicht ist er der Letzte. Habe doch etwas Geduld, sei nicht immer so negativ. Melde dich bald mal.«
Die Leitung wurde unterbrochen. Na toll, erst Vorhaltungen machen und dann einfach auflegen. Wie ich das hasse. Aber so war sie, meine Frau Mama. Immer taff, um keine Antwort verlegen und desinteressiert, was mich betraf. Frei nach dem Motto: Das wird meine Tochter schon selber meistern. Ich sah sie bildlich vor mir, mit ihrem breitkrempigen Strohhut, den sie im Sommer so gerne trug und auch in ihrer Galerie nie absetzte. Egal welche Jahreszeit, meine Mutter setzte immer einen Hut auf, mal sportlich, mal elegant. Ihre dunkelbraunen Haare trug sie meistens hochgesteckt. Sie hatte eine schlanke Figur wie ich auch, das Einzige, was ich augenscheinlich von ihr hatte.
Ansonsten ähnelte ich meinem Vater, der ein besonnener und herzlicher Mensch war, immer für andere da, eher zurückhaltend und er drängte sich niemandem auf. Wir standen beide nicht gerne im Mittelpunkt, ganz anders als meine Mutter. Ihr oder besser gesagt mein Glück war es, dass uns nun Tausende von Kilometern trennten. Und damit auch ein gemeinsames Erlebnis vor Jahren, das unsere Familie entzweite.
»Vermissen Sie auch Ihren Koffer?«
Ein junger Mann, etwa in meinem Alter, war neben mich getreten. Gedankenverloren wie ich vor mich hin starrte, hatte ich ihn gar nicht bemerkt. Ich blickte mich um. Wir waren mittlerweile die letzten Passagiere, die auf ihr Gepäck warteten.
»Mir fehlt noch ein großer Koffer. So ein Mist aber auch. Und nun?« Frustriert richtete ich meine Frage an den Unbekannten, was gar nicht meine Absicht war. Genau in diesem Moment wurde das Förderband abgestellt. Eigentlich nicht meine Art, aber ich fühlte mich verloren und schob meinen Ausbruch auf die Übermüdung vielmehr der Erschöpfung nach einem Langstreckenflug zurück. Ich band meine langen blonden Haare mit einem Gummiband locker zusammen. Dies tat ich immer, wenn ich erschöpft übermüdet und angespannt war. »Das kann doch alles nicht wahr sein!«
»Kommen Sie, ich hatte das schon zweimal und weiß, wo man sich hinwenden muss.«
Dankbar und müde schloss ich mich ihm an.
»Übrigens, ich heiße Michael Metzler.« Freundlich reichte er mir seine Hand. Jetzt schaute ich ihn mir näher an und blickte in funkelnde blaue Augen. Er war etwas größer als ich und von schlanker Gestalt. Auf jeden Fall wirkte er frischer als ich; als käme er gerade aus einem Bürotag hierher, aber ohne jede Spur von einem Langstreckenflug über den Atlantik.
»Ich bin Emma Ritter.«

Im Kindle-Shop: Im Meer des Glücks

Mehr über und von Rachel Parker auf ihrer Website.



11. Oktober 2017

'Dessous mit Sahne' von Lisa Torberg

Sam – die rothaarige, grünäugige Chocolatière und ihr „Sam’s Sweet & Spicy“ …

Patrick – Sam‘s „ER“, der die ersten Gewitterwolken am siebten Himmel aufziehen sieht …

„KM“ – Londons Dessous-Queen, die auf Sam und ihre Pralinen trifft …

Horace – Sam’s Freund, Yul-Brynner-Typ und Flair-Bartender, der sich Hals über Kopf verliebt …

UND die heißeste Lingerie-Week, die London je gesehen hat!

Fazit: Mit sexy Dessous, akrobatischem Flair und Schokolade in den siebenten Himmel.

DESSOUS MIT SAHNE ist das dritte Buch der Reihe "Sam's Sweet & Spicy" und für kurze Zeit zum Schnäppchenpreis von 99 Cent erhältlich.

Gleich lesen: Dessous mit Sahne (Sam's Sweet & Spicy 3)

Leseprobe:
»Ach Horace, ich bin so unglücklich!«, seufzte sie mit belegter Stimme.
»Nicht nur du«, erwiderte er mit einem zaghaften Lächeln.
»Du auch? Aber warum denn?« Erstaunen lag auf ihrem Gesicht.
»Wie kommst du darauf, dass ich von mir spreche?«
»Von wem denn ...« Sie schien zu begreifen. »... sonst?«, setzte sie leiser hinzu.
»Ihr seid zwei irische Dickschädel, Sam. Und wenn ich nicht euer Freund wäre, würde ich sie euch einschlagen!«
»Du hast mit ihm gesprochen?«, wisperte sie.
»So kann man das eigentlich nicht nennen. Ich bin gar nicht zu Wort gekommen!«
»Wann denn?«
»Gestern Abend. Ich hatte Weine und Spirituosen bei McDermotts bestellt und mit Isaac vereinbart, dass ich sie selbst von der Grocery McDermott abholen würde. Wir packten die letzten Kisten in den Lieferwagen, als plötzlich Patrick aus dem Lager kam und mich fragte, ob ich Zeit für ein Bier hätte. Aus dem einen wurden mehrere, mit denen wir im Waxy’s eine Riesenportion Sticky Ribs mit Ofenkartoffeln begossen, und am Ende des Abends musste ich ein Versprechen geben.«
»Ein Versprechen?«, hauchte Sam mit hoffnungsvollem Blick.
»Ja. Ich soll dir auf den Zahn fühlen.«
»Inwiefern?«
»Patrick will wissen, ob du immer noch böse auf ihn bist.«
»ICH auf IHN?« Ihre Stimme überschlug sich. »Ich dachte, er sei auf mich böse! Immerhin ist er einfach verschwunden und hat seinen Schlüsselbund auf den Boden geworfen!«
»Weil du dich im Badezimmer eingeschlossen hattest.«
»Aber erst, nachdem er mich am Arm festgehalten und angeschrien hatte!«
»Was ihm leidtut, auch wenn er verletzt ist.«
»Er? Ich habe ein riesiges Hämatom! Willst du sehen?« Sie krempelte den Ärmel des Shirts hoch, doch Horace legte seine Hand auf ihre und hielt sie fest.
»Du hast ihm vorgeworfen, dass er dich mit Almosen abspeist und seine Firma größer ist als deine. In seinen Ohren klang das so, als ob du ihm vorwerfen wolltest, kein einfacher Durchschnittsverdiener, sondern ein erfolgreicher Unternehmer zu sein.«
»Das ist Quatsch! Ich bin stolz auf ihn! Aber manchmal behandelt er mich so, als ob mein Beruf nur ein Hobby wäre, er hingegen ein gewichtiger Unternehmer.«
Horace schüttelte langsam den Kopf hin und her.
»Ich sage es ja! Irische Dickschädel! Ihr seid einander unheimlich ähnlich! Nicht nur, was eure Arbeit betrifft, sondern vor allem charakterlich. Was Engstirnigkeit miteinbezieht. Ihr seht den Wald vor lauter Bäumen nicht, vor allem in diesem Fall. Miteinander, liebe Samantha, habt ihr ein Potenzial, das ihr geschäftlich nutzen solltet. Anstatt euch gegenseitig beweisen zu wollen, wer von euch der oder die Bessere und Erfolgreichere ist. Und ganz ehrlich: Dass zu alledem auch noch eure ausufernde Liebe hinzukommt, ist fast zu viel des Guten!«
»Wie meinst du das?«, flüsterte sie.
»Ganz einfach! Ihr habt das Komplettpaket an Glück und tretet es mit Füßen, während andere nicht einmal ein Krümelchen davon abbekommen.«
Sam schluckte. Horace hatte recht mit allem, was er sagte, und er wirkte plötzlich todtraurig.
»Es tut mir leid«, sagte sie und strich ihm über die Wange.
»Wofür, Samantha? Für das kindische Getue zwischen Patrick und dir oder dafür, dass ihr mich in diese Sache hineingezogen habt?«
»Das sowieso. Und ich danke dir dafür - von Herzen! Aber vor allem bin ich traurig, dass du es bist.«
»Lass gut sein, Sam!«, winkte er ab. »Im Grunde genommen geht es mir doch blendend. Ich will nicht wissen, wie viele Menschen mein Leben sofort gegen ihres eintauschen würden. Aber beruflicher Erfolg ist eben nicht alles ...«
Wie gut sie ihn verstand! Immerhin war auch sie jahrelang allein gewesen so wie er. Denn die Liebe einer Großmutter war nicht mit der zwischen Mann und Frau gleichzusetzen. Und sie hatte sie beinahe weggeworfen! Mit einem Stoßseufzer zog sie Horace an sich und flüsterte ihm ins Ohr.
»Kannst du dich erinnern, was Granny Beth immer sagte? Zu jedem Topf passt ein Deckel ...«
Er nickte und hielt sie an den Schultern von sich.
»Aber sie sagte auch, dass es verlorene Liebesmüh wäre, ihn zu suchen, wenn er sich am anderen Ende der Welt befindet!«

Im Kindle-Shop: Dessous mit Sahne (Sam's Sweet & Spicy 3)

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



10. Oktober 2017

'In diesem heißen Sommer' von Eva-Maria Farohi

Die junge Kleo hält sich für wenig attraktiv, nicht nur, weil sie nach einem Unfall immer noch gehbehindert ist. Sie beschließt, ein Jahr lang ihren Traum zu leben und im Süden zu malen.

Sie mietet sich auf der Finca des Malers Yves Dubois ein. Dieser ist zwar genial, aber auch schwierig und von Kleos Anwesenheit alles andere als begeistert. Dennoch kann er sich Kleos naivem Zauber und ihrer natürlichen Art auf Dauer nicht entziehen. Eine leidenschaftliche Affäre ist die Folge, und Kleo verliebt sich in den faszinierenden Mann. Dann erhält Yves eine neue berufliche Chance und geht fort.

Anfangs verzweifelt, wird Kleo zunehmend selbstbewusster und beginnt, auf eigenen Beinen zu stehen. Auch andere Männer bemühen sich um sie: Da sind ihr neuer Mitbewohner Jorge – und der charmante Angel. Doch kann sie Yves vergessen?

Gleich lesen: In diesem heißen Sommer

Leseprobe:
Sein Federkleid war blendend weiß. Der orangerote Schnabel mit dem schwarzen Nasenhöcker spiegelte sich in der glatten Oberfläche des Wassers und wetteiferte darin mit dem Blau des Himmels.
Seit über einer Stunde schon saß Kleopatra in dem Bistro etwas abseits des Garageneingangs und beobachtete den Schwan, der in dem Becken vor der Kathedrale majestätisch seine Runden zog. Immer wieder wanderte ihr Blick zu der mächtigen Kirche hinauf, dem Wahrzeichen von Mallorcas Hauptstadt.
Als der Kellner mit einem bezeichnenden Blick auf die längst schon leere Espressotasse wieder einmal am Tisch vorbeikam, sagte Kleo in bemühtem Spanisch: „La cuenta por favor.“
Er machte sofort kehrt. Wie aus der Pistole geschossen nannte er den Preis, und Kleo, die man nur dann Kleopatra nennen durfte, wenn man sie langfristig zu verärgern beabsichtigte, reichte ihm einen Zehn-Euro-Schein, sicher, damit keinen Fehler zu begehen, obwohl sie nicht verstanden hatte, welchen Betrag er forderte.
Kleo hasste Fehler ebenso, wie sie ihren Namen hasste. Denn wer hieß schon freiwillig Kleopatra Bienenstock?
Es war dies ein Geschenk, das sie ihren Eltern verdankte. Ihrer Mutter, um genau zu sein. Denn die war seinerzeit von den Erlebnissen ihrer Hochzeitsreise nach Ägypten dermaßen beeindruckt gewesen, dass ihre Obsession lange nach der Rückkehr ins heimatliche Österreich anhielt – zumindest jene neun Monate lang, nach deren Ablauf Kleo das Licht der Welt erblickte.
Zum Glück für den weiteren Nachwuchs blieb es bei dieser einen Reise, und Kleos Eltern verbrachten fortan ihr Leben wie bisher auch in dem überschaubaren Weinort nahe der Hauptstadt, ohne jemals wieder den Wunsch nach der großen weiten Welt zu verspüren.
So erhielt denn Kleos jüngerer Bruder den vergleichsweise harmlosen Vornamen Friedrich. Friedrich Bienenstock war auch der Name von Kleos Vater, ebenso wie der ihres Großvaters.
Friedrich Bienenstock stand daher in altmodisch rundlichen, ehemals vermutlich goldenen Lettern über dem Laden zu lesen, in dem die unterschiedlichsten Heilbehelfe angeboten wurden – jedoch nicht mehr ausschließlich.
Seit nämlich Kleos Vater im Geschäft das Sagen hatte, was zufälligerweise nicht nur zeitgleich mit seiner Eheschließung, sondern auch mit dem Ableben des bisherigen Firmenchefs zusammenfiel, hielt dort Kleos Mutter das Heft in der Hand.
Obwohl nach ihrem Schulabbruch ohne Berufsausbildung, wusste sie doch ziemlich genau, was sie von ihrem Leben erwartete. Mit Friedrich Bienenstock hatte sie es erreicht. Ab sofort war sie Geschäftsfrau.
Eine ihrer ersten Innovationen bestand darin, die goldenen Lettern über dem Geschäftsportal um einige weitere Buchstaben zu ergänzen, sodass künftig auch ihr Name dort stand: Elfi und Friedrich Bienenstock – und zwar genau in dieser Reihenfolge.
Als Nächstes beschloss sie, ihre Berufsausbildung nachzuholen.
Da ihr allerdings die Zeit, die sie in eine solide Bandagistenlaufbahn hätte investieren müssen, als überzogen lang erschien, erstand sie mehrere Eimer Kartoffeln und übte so lange, bis sie imstande war, mit dem skalpellartigen Messer nicht nur deren Schale, sondern auch die Hornhaut an den Füßen ihrer Kunden zu entfernen, ohne dass es zu unliebsamen Zwischenfällen gekommen wäre.
In weiterer Folge expandierte das altehrwürdige Unternehmen: Man bot fortan Fußpflege an – mit unerwartet großem Erfolg. Mehr und mehr erwies sich Elfi Bienenstock als tüchtige Geschäftsfrau. Sie hatte das erheiratete Unternehmen ebenso fest im Griff wie ihren Ehemann, die Angestellten und die beiden Kinder.
Da sie obendrein von leidenschaftlicher Sparsamkeit war, wuchs der Wohlstand der Familie im selben Ausmaß, in dem Fröhlichkeit und Herzenswärme abnahmen.
Nur ein einziger Punkt machte Elfi Bienenstock zu schaffen: Ihre Vernarrtheit in Friedrich Junior, ihren Sohn, in dem die sonst so praktisch veranlagte Frau ihren Meister gefunden hatte.
War sie Kleo gegenüber von kühler Strenge, wurde Friedrich alles nachgesehen. Bekam Kleo bei der kleinsten Bitte ein Ich habe kein Geld für so etwas zu hören, las die Mutter Friedrich jeden noch so ausgefallenen Wunsch von den Lippen ab, oft sogar noch früher, als er ihn überhaupt äußern konnte.
Dass sich unter diesen Umständen zwischen den Geschwistern eine tiefe Zuneigung entwickelte, grenzte an ein Wunder.
Doch Kleo hing mit hingebungsvoller Verehrung an ihrem jüngeren Bruder.
Er wurde ihr Beschützer, ihr Spielkamerad, ihr Freund. Und nicht nur einmal sorgte er dafür, dass Kleos Strafen, die sie selbst für die kleinste Verfehlung erhielt, auf seine Fürsprache hin ausgesetzt wurden – was bei Friedrichs ungleich schwerwiegenderen Missetaten unnötig war, da sie von selbst dem Vergessen anheimfielen.
Sosehr Kleo auch an dem Bruder hing, war sie dennoch nicht blind gegenüber der Entwicklung, die er nahm. Von Vater und Mutter gleichermaßen verzogen, wurden ihm niemals Grenzen aufgezeigt. Gewohnt, alles tun zu können, begann er, das Maß des Erlaubten immer öfter zu überschreiten, je älter er wurde.
Als der Kellner Kleo jetzt das schwarze Plastiktellerchen mit dem Wechselgeld brachte – an dem auch der Rechnungsbeleg säuberlich festgeklemmt war, damit ihn der Wind, der beständig vom Meer herüberwehte, nicht forttragen konnte –, wischte er so lange über den mittlerweile fleckenlos glänzenden Tisch, bis Kleo ihm einen Teil der Münzen zuschob.

Im Kindle-Shop: In diesem heißen Sommer

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9. Oktober 2017

'Verloren in Ägypten und Dubai' von Melanie Schumacher

Melanie ist Hausfrau und Mutter dreier prächtiger Jungs. Eines Tages schenkt ihr Mann ihr ein Laptop und verändert damit ihr ganzes Leben. Sie entdeckt die große weite Welt und fängt an, mit Männern aus fernen Ländern zu chatten.

Es wird zur Sucht und die virtuelle Beziehung zu dem Ägypter Mohamed aus Dubai zum Verhängnis. Sie glaubt an seine Liebe, wird ihm hörig und entschließt sich, zu ihm zu ziehen. Völlig devot folgt sie allen seinen Anweisungen. Zwei Monate lebt sie mit ihm in Port Said und folgt ihm anschließend nach Dubai. Aber das Leben dort ist alles andere als schön. Mohamed hat nicht nur sie, sondern auch ihr Bankkonto im Griff. Als nichts mehr da ist, ist sie gezwungen, nach Belgien zurückzukehren. Doch Zuhause ist nichts mehr so, wie es einmal war und schon kurze Zeit später fällt sie erneut auf einen Araber herein, dem sie monatlich Geld zukommen lässt. Wieder in der Hoffnung eines Tages, ein gemeinsames schönes Leben mit ihm führen zu können. Doch auch das ist eine trügerische Illusion.

Schonungslos offen und mutig erzählt die Autorin ihre wahre Geschichte.

Gleich lesen:
Bei Alaria.de kaufen: Verloren in Ägypten und Dubai: Mein devotes Leben mit arabischen Männern
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Zum Zeitpunkt meiner Scheidung war ich 37 Jahre jung und 14 Jahre lang verheiratet. Unsere Ehe war in den letzten Jahren ein ständiges Auf und Ab. Die Liebe war uns abhandengekommen und wir hatten uns wohl ziemlich auseinandergelebt. Unseren Kindern zuliebe hielten wir aber zusammen.
Wir lebten in einem sehr ruhigen, beschaulichen Dorf mit nur einem kleinen Lebensmittelgeschäft. Ich hatte mit den Dorfbewohnern am Anfang nicht viel Kontakt, der ergab sich erst als meine Jungs in den Kindergarten gingen und Spielkameraden brauchten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass wenn im Dorf Feste wie Kirmes, Karneval oder Schulfeste gefeierte wurden, ich meistens ausgegrenzt wurde, obwohl ich die Gespräche zu den Leuten suchte. Selbst bei den Landfrauen im Dorf fand ich nicht den rechten Anschluss. Jeder lebte für sich, es wurde nicht viel nach einem gefragt.
Ich bin Mutter von drei Jungs. Damals zur Trennungszeit waren sie 6, 13 und 15 Jahre alt. Bis zum letzten Ehejahr konnte ich mich als gute, fürsorgliche, liebevolle und aufopfernde Mutter beschreiben. Meine Kinder waren mein Ein und Alles. In meinem Leben drehte sich alles nur um sie. Sie waren das Wichtigste für mich und die meiste Zeit verbrachte ich nur mit ihnen. Ich war immer für sie da und hatte sie nur selten allein gelassen. Alles was das Leben lebenswert machte, teilte ich mit ihnen. Ich gab ihnen alles was ich geben konnte. Das Wichtigste was ich ihnen immer gab, war meine Liebe. Daher konnte auch niemand verstehen, wie es so weit kommen konnte, dass ich sie dann später wegen eines fremden, arabischen Mannes verlassen würde. Ich selbst kann es im Nachhinein auch nicht mehr nachvollziehen. Ich erkläre es mir so, dass dieser Mann mich so manipuliert hatte, dass ich nicht mehr ich selbst war.
Vielleicht ist mein Verhalten auch auf meine Kindheit zurückzuführen, die bedingt durch die Krankheit meiner Mutter auch nicht immer einfach war.
Meine Mutter war zum Zeitpunkt meiner Scheidung 72 Jahre. Sie war immer eine gute, liebevolle und fürsorgliche Mutter. Jedoch hatte sie ihr ganzes Leben lang unter schlimmen Depressionen gelitten. Als wir Geschwister klein waren, musste sie oft ins Krankenhaus. In dieser Zeit musste mein Vater sich allein um uns Kinder kümmern, obwohl er ganztags als Maurer arbeiten ging. Wenn er arbeiten war, wurden wir getrennt bei Verwandten untergebracht. Später holte er sich eine Familienhelferin ins Haus, damit wir Kinder zusammen bleiben konnten, wenn er zur Arbeit ging.
Es vergingen einige Jahre bis meine Mutter nicht mehr stationär behandelt werden musste und sich wieder um uns kümmern konnte. Sie hatte mich und meinen Bruder nie ganz losgelassen und behandelte uns noch im Erwachsenenalter wie kleine Kinder. Sie bestimmte und kontrollierte unser Leben. Meine Schwester hingegen wurde von meiner Mutter anders erzogen. Sie konnte als Erwachsene selbständig ihr Leben führen, ohne dass Mama sich in ihr Leben einmischte. Nach meiner Scheidung ist das Verhältnis zu ihr noch schlechter geworden. Wir haben kaum Kontakt zu einander, aber sie hatte immer einen guten Draht zu meinen Söhnen und sorgte sich um sie, was ich ihr hoch anrechne.
Wegen meiner lieben Schwester hatte ich oft Auseinandersetzungen mit meiner Mutter und kein gutes Mutter-Tochter-Verhältnis. Erst Jahre später nach meiner Scheidung bemerkte sie, dass ich nicht mehr von ihr bestimmt und kontrolliert werden wollte.
Mit meinen Bruder Christoph konnte ich nie ein inniges Verhältnis aufbauen, auch wenn ich es mir sehr gewünscht hätte. Er hat zwei Seiten. Zum einem ist er ein hilfsbereiter und freundlicher Mensch, zum anderen kann er aber auch aggressiv und zornig werden. Ich denke, dass dies mit seiner Zuckerkrankheit zu tun hat, unter der er schon seit seinem 17. Lebensjahr leidet.
Meinen Vater sah ich immer als einen guten und liebevollen Menschen. Er war zu der Zeit 66 Jahre alt. Er war und ist auch heute noch eine starke Persönlichkeit. Egal was ihm auch im Leben widerfuhr, er wurde mit jeder Situation fertig und meisterte sein Leben immer sehr gut. Er ertrug sehr vieles mit Humor, war immer sehr fleißig und hatte sein ganzes Leben lang hart gearbeitet. Mein Vater und auch meine Mutter hatten nach meinen „arabischen“ Fehltritten alles für mich getan, damit ich in meinem Leben wieder Fuß fassen konnte.
Während meiner Ehe war ich immer ein sehr verständnisvoller, freundlicher und umgänglicher Mensch. Leider war ich sehr unselbstständig, unsicher und ängstlich. Ich getraute mich nicht einmal Auto zu fahren, weshalb mein Mann mich überall hinfahren musste. Die meiste Verantwortung schob ich meinen Mann zu, tat auch gerne was er sagte und kümmerte mich hauptsächlich nur um die Kinder.
Wir hatten viele schöne gemeinsame Jahre. Aber wie es so oft in Ehen vorkommt, lebten wir uns irgendwann auseinander, hatten uns nicht mehr viel zu sagen. An seiner Liebe zu den Jungs zweifelte ich nie. Er war immer ein sehr fürsorglicher und guter Vater.
Um die Geburtszeit meines zweiten Sohnes fing auch mein Leidensweg mit den Depressionen an, welche mich mal mehr, mal weniger auf meinem weiteren Lebensweg begleiteten. All die Jahre bis zum heutigen Zeitpunkt hielt ich mich mit Antidepressiva im Gleichgewicht – das hatte meine Mutter mir vererbt.
2007 als unsere Ehe auf der Kippe stand, schenkte mein Ehemann mir ein Laptop und meinte ich könne meine Zeit ja damit verbringen, wenn ich nicht ausgelastet sei. Nun wusste ich wieder etwas mit mir anzufangen, wenn die Kinder in der Schule waren. Ich entdeckte so viel Neues, surfte was das Zeug hielt und war dankbar über all die wunderbaren Informationen, die mein Leben von nun an bereicherten.
Irgendwann entdeckte ich die Partnerbörsen und Live-Chats. Ich war eigentlich nicht auf Suche nach einer Internetbekanntschaft, aber es ist dann doch passiert.
Niemand hatte mich darüber aufgeklärt, dass im Netz auch Gefahren lauern. Im Chat lernte ich einen gutaussehenden, sehr charmanten, arabischen Mann namens Mohamed kennen, der in Dubai lebte.
Die virtuelle Beziehung zu Mohamed, die von Tag zu Tag intensiver wurde, zog sich ein gutes Jahr hin. Ich war sehr schnell von ihm fasziniert und er zog mich wie ein Magnet magisch in seinem Bann. Ich war ihm irgendwie hörig und verhielt mich unterwürfig. Mit seinen schönen Worten und Verführungskünsten konnte er mich sehr beeinflussen und manipulieren. Das lag wohl daran, dass ich schon lange nicht mehr so umschwärmt wurde. Ich war so auf ihn fixiert, dass mein Ehemann, meine Kinder und meine Familie mich irgendwann nicht mehr erreichten. Nur für Mohamed war ich noch zugänglich, all die lieben Mitmenschen um mich herum waren einfach nicht mehr da, ich ließ es zu, dass dieser Ägypter in Dubai mein Leben und meine Familie zerstörte.
Aus weiter Ferne hatte dieser Mensch eine unheimlich große Macht über mich. Ich war süchtig nach ihm und habe täglich viele Stunden mit ihm im Chat verbrach. Ich musste noch lernen mich mit ihm auf Englisch zu unterhalten, denn ich konnte bis dahin kein Wort sprechen. Er hatte es mir dann auf sehr lustige und verständliche Art und Weise beigebracht. Es machte mir viel Freude die englische Sprache mit ihm gemeinsam zu lernen. Er brachte mir auch den Islam, die Kultur und die Traditionen seiner Heimat näher, damit ich eine Ahnung davon bekam, was mich später erwartete, wenn ich Mohamed im realen Leben treffen würde.
Ich war einfach nur überglücklich, Mohamed im Netz gefunden zu haben. Im Gegensatz zu meinem Mann nahm er sich viel Zeit für mich, redete mit mir, und zeigte sehr viel Verständnis für mich.
Natürlich blieb es meinem Ehemann nicht verborgen, dass ich eine Internetliebschaft pflegte. Einmal hatte er ein Telefongespräch zwischen mir und Mohamed abgehört. Das hat ihn so erschreckt, dass er wieder das Gespräch mit mir gesucht hat, um mich zurück zur Familie zu führen. Aber es war wohl zu spät, die Gespräche haben nicht gefruchtet. Daher suchten wir ein zweites Mal die Eheberatung auf. Es stellte dich allerdings schnell heraus, dass ich nicht mitarbeitete und so schlug auch dieser Versuch fehl.
Danach sollte ich eine Tagesklinik aufsuchen, welche ich nur einige Male besuchte und dann selber abgebrochen hatte. Egal was ich machte, ich war nur körperlich anwesend. Geistig war ich weit weg, weit in der Ferne bei Mohamed.

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6. Oktober 2017

'Crossroads' von Jürgen Albers

Norcott hatte das Gefühl, als öffne sich ein Abgrund zur Hölle. „Wer zum Teufel treibt denn so selbstsichere Spielchen mit uns?“

Juni 1940: Der Frühsommer erstrahlt über der britischen Kanalinsel Guernsey. Für den erfahrenen Londoner Inspektor Charles Norcott scheinen die beschaulichen Inseln im Ärmelkanal keine Herausforderung bereit zu halten. Doch das freundliche Sonnenlicht ist trügerisch und beleuchtet die Leiche einer jungen Frau. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, als sich bereits neues Unglück zusammenbraut. Die deutsche Wehrmacht hat Frankreich überrannt und besetzt nun auch die britischen Kanalinseln in einem Handstreich. Nach einem zweiten Mord überschlagen sich die Ereignisse.

Auf einer kleinen Insel, abgeschnitten und besetzt vom Feind, muss Norcott erkennen, dass er es mit mehr als einem Gegner zu tun hat. Scheinbare Grenzen verwischen sich und die Welt scheint voller Masken. Auch im hellen Sonnenschein bleibt die entscheidende Frage: Hinter welcher Maske steckt ein Freund, hinter welcher der Gegner?

Gleich lesen:
Für Kindle: Crossroads: Ein Inspektor Norcott-Roman
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Die Mittagsstunden in Norcotts Büro zogen sich quälend langsam dahin. Das Telefon schwieg und auch sonst kamen weder gute noch schlechte Nachrichten. Der Chief Inspector saß an seinen Schreibtisch und machte wieder einmal einen neuen Ansatz, um dem ungeliebten Papierberg auf seinem Schreibtisch zu Leibe zu rücken.
Es war gegen halb zwei, als ihm der Geduldsfaden riss. Er beschloss, den Eltern William Henleys einen Besuch abzustatten. Vielleicht würde er von ihnen etwas mehr über Nora und William Henley erfahren. Die verborgenen Zimmer, wie Mrs. O'Meare es genannt hatte, der beiden Henleys beschäftigen Norcott. Irgendjemand in dieser Familie musste doch zum Reden zu bringen sein. Er nahm seinen Hut vom Haken, öffnete schwungvoll die Bürotür und wäre fast mit Constable Haydon zusammengestoßen, der davor stand.
Wenn nicht schon sein triumphierendes Gesicht Bände gesprochen hätte, so behielt er die gute Nachricht nicht lange für sich: »Ich hab sie! Sie ist auf der verdammten Liste. Sie wollte weg und ihn verlassen.«
»Und er ist nicht auf der Liste?«
Haydon war Feuer und Flamme und noch ganz außer Atem. »Entschuldigung, Sir … ich … muss erst mal wieder Luft bekommen.« So atemlos er war, so sehr strahlte er die Zufriedenheit des Anglers aus, wenn nach zähem Warten der Fisch an der Angel hing. »Nein, Mr. Henley ist sicher nicht auf den Listen. Alle, die sich evakuieren lassen wollten, mussten ausdrücklich angeben, ob und welche Familienangehörigen sich ebenfalls evakuieren lassen wollten. Und sie hat angegeben, dass sie allein geht. Und ich habe auch alle anderen Listen doppelt kontrolliert. Aber …« Er musste wieder nach Luft schnappen und Norcott war sich nicht sicher, ob immer noch der Dauerlauf vom Hafen die Ursache war oder die Neuigkeiten. »Aber das ist sowieso nicht der Knaller! Die Leute mussten auch angeben, ob sie Verwandte oder Freunde haben, wo sie in England unterkommen können oder ob sie sonst wie versorgt sind. Und jetzt lesen Sie mal, Sir, was die kleine ...«, er schluckte das Wort herunter. »Ich wollte sagen, was Mrs. Henley geschrieben hat!« Er hielt Norcott den Registerbogen hin.
Norcott las den Eintrag. Dann ging er wortlos zu dem Stahlschrank in seinem Büro, schloss ihn auf und nahm seine Dienstwaffe samt Holster heraus. »Nehmen Sie Ihre auch mit, wir gehen jetzt Mr. Henley besuchen!«

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