13. Februar 2018

'Paragrafen und Grafen' von Brigitte Teufl-Heimhilcher

Während eines Urlaubs lernt die geschiedene Anwältin Irene den ebenso wortkargen wie charmanten Gutsbesitzer Theo kennen und findet ihn auf Anhieb sympathisch.

Auch Theo fühlt sich zu Irene hingezogen, doch die beiden haben wenig Zeit ihr junges Glück zu genießen, denn der Alltag bringt allerlei Ungemach. Da wären einmal Theos deutlich jüngere Stiefgeschwister um die er sich plötzlich kümmern muss, weil deren Mutter von einer Urlaubsreise nicht mehr zurückkehrt.

Dann taucht auch noch Theos Exfrau Katrin auf, die die Trennung von Theo längst bereut hat und nichts unversucht lässt, ihn wieder für sich zu gewinnen. Als dann auch noch Irenes Exmann sich hilfesuchend an Irene wendet, scheint das Chaos perfekt zu sein.

Ein turbulenter Roman um Beziehungen aller Art - und um die Liebe.

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Leseprobe:
Als Irene frühmorgens losfuhr, war prachtvolles Frühlingswetter. Sie freute sich auf etwas Bewegung in frischer Luft und war froh, dass ihre Freundin Sandra sie zu diesem Urlaub überredet hatte. Dabei hatte sie noch gestern das Gefühl gehabt, dieser Urlaub käme zur Unzeit – aber das hatte sie schließlich immer.
Noch war es ruhig auf den Straßen und obwohl sie die Hinweise auf der Autobahn „Gleiten statt hetzen“ beherzigt hatte, traf sie schon zwei Stunden später auf dem Stadler-Gut ein.
Der ehemalige Gutshof leuchtete in Kaisergelb, die Holzbalustra­den waren mit Blumenkästen geschmückt, aus denen bunte Früh­lingsblumen lachten, und der mächtige Kastanienbaum im Innenhof stand in voller Blüte.
In ihren Teenagertagen war sie mit Sandra und deren Eltern einige Male hier gewesen, und vor einigen Jahren hatte sie das Hotel ge­meinsam mit ihrem Exmann wiederentdeckt.
Eigentlich hatte sie vorgehabt nie wiederzukommen. Aber Sandra hatte ja recht. Das Hotel und der Golfplatz waren wunderschön, warum sollte sie nicht auch ohne Jochen hier Urlaub machen?
Das Mädchen an der Rezeption teilte ihr mit, dass ihr Zimmer fer­tig sei, und sie war froh, bis zur Ankunft ihrer Freunde nicht untätig herumsitzen zu müssen.
Die kleine Suite war hübsch eingerichtet und hatte eine Terrasse Richtung Golfplatz. Irene konnte es plötzlich kaum erwarten, hier zu sitzen, zu lesen und zu träumen. Doch zuerst räumte sie ihre Klei­dung in den Kasten und ertappte sich dabei, bei jedem Polo-Shirt zu fragen, ob sie dieses bei ihrem Urlaub mit Jochen auch schon getragen hatte.
Um sich abzulenken, beschloss sie, die Zeit bis zu Sandras An­kunft im Pro-Shop zu verbringen, doch als sie sich auf den Weg ma­chen wollte, fuhr Günther, Sandras neuester Schwarm, seinen flot­ten Sportwagen schnittig in den Innenhof. Zu schnittig, wie Irene dachte.
Günther war nur ganz ausnahmsweise – und auch nur über das Wochenende – auf ihrer Mädelswoche geduldet.
Nach der Begrüßung nahmen die Drei einen leichten Imbiss, stie­ßen mit einem Glas Prosecco auf ihre Urlaubstage an und begaben sich auf die erste Golfrunde.
Am Abend saßen sie in der gemütlichen Gaststube, aßen mit gutem Appetit, tranken ein Glas Wein und beim Zubettgehen stellte Irene erstaunt fest, dass sie seit Sandras Ankunft zu be­schäftigt gewesen war, um an Jochen zu denken. Dankbar schlief sie ein.
Auch der nächste Morgen begrüßte sie mit Sonnenschein. Sie ge­nossen das ausgiebige Frühstück, eine neue Golfrunde und danach ein paar ruhevolle Stunden.
Nach dem Abendessen kam Frau Martens, die langjährige Ge­schäftsführerin des Club-Restaurants, an ihren Tisch, plauderte über dies und das und fragte nach Irenes Mann. Mit knappen Worten berichtete Irene, dass sie seit zwei Jahren geschieden war.
„Sie auch?“, fragte Frau Martens interessiert, schnappte sich ei­nen Stuhl, bestellte beim vorbeieilenden Kellner ein Glas Wein und wollte Genaueres wissen.
Genau davor hatte sich Irene gefürchtet. Wenn ihre Trennung auch schon bald zwei Jahre zurücklag, mied sie dieses Thema immer noch wie der Teufel das Weihwasser. Dennoch antwortete sie sachlich und, wie sie zu ihrer Überraschung feststellte, erstmals ohne jenen bohrenden Schmerz, der seit Jochens Abgang ihr ständiger Begleiter gewesen war.
Bewegung in frischer Luft ist eben auch gut für die Seele – der spritzige Wein aus der Südsteiermark mochte ein Übriges getan ha­ben, dachte Irene beim Zubettgehen.
Auch diesmal schlief sie gut und während sie am Morgen die Zähne putzte, ließ sie den Abend noch einmal Revue passieren. Frau Mar­tens hatte noch eine Runde vom heimischen Apfelschnaps spendiert und dabei erzählte, dass auch Graf Nestelbach, der Besitzer des Gu­tes, in der Zwischenzeit geschieden war.
Seine lebenslustige Frau war mit dem Buchhalter durchgebrannt und dieser hatte, wohl um seiner neuen Gefährtin den geeigneten Rahmen zu bieten, ein paar Sparbücher mitgenommen. Strafrecht­lich hatte man die Sache nicht verfolgt, denn die Ex-Ehefrau hatte in letzter Minute auf alle Ansprüche verzichtet.
Na dann, dachte Irene, wird es doch Liebe gewesen sein.
Dieser Graf musste aber auch ein komischer Kauz sein, vermutlich so eine Mischung aus altmodischem Familienoberhaupt und trocke­nem Geschäftsmann.

*

Da es am Sonntagmorgen regnete, machten sie nach dem Frühstück einen Spaziergang zum Wehr und sahen zu, wie die Wassermassen der Mur donnernd in die Tiefe stürzten. Dann folgten sie einem asphaltierten Weg und landeten gegen Mittag beim Jaga-Wirt. Nach einer herzhaften Jause hatte es zu regnen aufgehört, so dass sie den Heimweg bei Sonnenschein zurücklegen konnten. Als Irene es sich danach auf der Couch bequem machte, dachte sie: Ich habe Sandra schon lange nicht so gelöst und glücklich erlebt. Hoffentlich wird sie eines Tages nicht ebenso enttäuscht wie ich. Irgendwie war die­ser Günther fast zu perfekt. Vielleicht sollte sie ihm einmal auf den Zahn fühlen.
Beim Abendessen brachte Irene das Gespräch auf die Kindheit. Günther erzählte, er habe seinen Vater kaum gekannt und seine Mutter hatte ihn die längste Zeit bei den Großeltern geparkt. Der Großvater sei längst verstorben, die Großmutter hätte er in einem hübschen Seniorenheim untergebracht und mit der Mutter stünde er ständig vor Gericht, einer Immobiliensache wegen. Als Anwältin hätte Irene gerne mehr gewusst, aber die Stimmung war so heiter und unbeschwert, dass sie das Thema nicht weiterverfolgte. Ihr Miss­trauen gegen ihn hatte sich in den letzten Stunden ohnehin gelegt und nach seinen heutigen Erzählungen dachte sie, es sei vielleicht kein Wunder, dass er immer etwas kühl und distanziert wirkte.

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