Blogticker

Bücherkarussell
Auswahl mit Klick auf ein Cover

17. Januar 2017

'Michael Lindqvist: Im Schatten der Nacht' von Jo Hess

WEHE DEM, der vom rechten Weg abkommt.
Vier Freunde verfahren sich und werden in einen schrecklichen Unfall verwickelt. Auf der Suche nach Hilfe entdecken sie ein Dorf. Sie scheinen gerettet. Doch die Einwohner hüten ein dunkles Geheimnis. Und mit einem Schlag geht es für alle um Leben und Tod …

WEHE DEM, der zu nah ans Wasser geht.
Eine Mutprobe an einem Teich, um den sich düstere Mordgeschichten ranken, hat einen Jungen fast das Leben gekostet. Das schwarze Wasser droht jeden, der ihm zu nahe kommt, in seinem schrecklichen Sog zu verschlingen ...

WEHE DEM, der zu Fremden ins Auto steigt.
Immer wieder verschwinden Kinder spurlos. Die einzige Verdächtige ist ein junges Mädchen, mit dem all die Vermissten vorher gesehen wurden. Doch bald schon kommt heraus, welch abscheuliche Bestie tatsächlich hinter all den Entführungen steckt ...

WEHE DEM, der sich unvorbereitet auf die Suche nach einer Bestie begibt.
Eine Serie grausamer Morde geschieht in Neuseeland. Ohne Waffen müssen sich unsere Helden das erste Mal ohne die Rückendeckung dem Kampf gegen einen bestialischen Killer stellen ...

Gleich lesen:
Für Kindle: Michael Lindqvist - Sammelband 1: Im Schatten der Nacht
Für Tolino: Buch bei Thalia



Sammelband der ersten fünf Teile der Horror-Buchserie um Michael Lindquist {ML}.

Michael Lindqvist ist ein Student, der sich nach einem tragischen Schicksalsschlag dazu entschließt, neben seinem Studium Monster zu jagen. Erzählt werden seine Abenteuer in jeweils abgeschlossenen Geschichten. Dabei geht es um die Jagd nach dem Werwolf Karsten Berghoff, dem Michael im ersten Band begegnet. Michael kämpft gegen klassische Monster wie Werwölfe, Vampire, Geister und Dämonen.


Im Kindle-Shop: Michael Lindqvist - Sammelband 1: Im Schatten der Nacht
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Jo Hess auf seiner Website zur Buchreihe.



16. Januar 2017

'Das Geheimnis der Ronneburg' von Jörg Olbrich

Nach dem Tod seiner Mutter macht sich Julius Meyer auf die Suche nach seinem Vater. Diese führt ihn zur Ronneburg, die ein furchtbares Geheimnis birgt. Menschen werden bestialisch ermordet. Julius wird schnell in die beängstigenden Geschehnisse hineingezogen. Doch was haben die mit dem Verschwinden seines Vaters zu tun? Kann es ihm gelingen die dunklen Geheimnisse seiner Vergangenheit zu lüften?

Stück für Stück wird das tödliche Puzzle zusammengesetzt und Julius gerät in einen Abgrund von Leidenschaft, Gewalt und Hass.
Und dann erkennt er die Wahrheit.

Historischer Krimi von Jörg Olbrich.

Gleich lesen: Das Geheimnis der Ronneburg

Leseprobe:
Julius Meyer zog die Wirtshaustür auf und kam sich auf einmal klein wie ein Zwerg vor.
»Was willst du?«, brummte der Koloss, der vor ihm stand, und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Ich suche ein Quartier für die Nacht.« Hatte Julius gerade noch ein Durcheinander von Stimmen gehört, so sprach jetzt keiner der Anwesenden mehr ein Wort.
»Wir haben geschlossen«, sagte der Wirt. Die Männer standen so nahe beieinander, dass sie sich fast berührten.
»Der Raum ist voller Gäste. Wie kann da geschlossen sein? Ich bin gerade hier angekommen und möchte die Nacht nicht draußen im Nebel verbringen.«
»Das ist dein Problem. Für Fremde haben wir keinen Platz.« Der Wirt stank nach Alkohol und Schweiß. Er wich keinen Millimeter von seinem Platz, sodass Julius nicht einmal in den Raum sehen konnte.
Julius erinnerte sich an die Reaktion des Leichenwagenkutschers, der ihn hier abgesetzt hatte. Als er ihm sagte, dass er im Gasthaus „Zur Krone“ übernachten wollte, hatte der nur gelacht, sich umgedreht, war weggefahren und hatte ihn alleine auf der Straße zurückgelassen.
»Was ist denn das für ein Wirtshaus, in dem Reisende nicht bewirtet werden?«
»Schmeiß den Kerl endlich auf die Straße, dann ist Ruhe«, ertönte eine Männerstimme aus dem Schankraum.
»Ja, Josef«, rief ein Zweiter. »Du redest doch sonst nicht rum. Zeig dem Bürschchen, wer der Herr des Hauses ist.«
»Raus!«, sagte Josef. »Und zwar augenblicklich.«
Der Wirt trat einen Schritt vor, und Julius wich zurück.
»Könnt Ihr mir bitte erklären, was das soll?«
Ohne zu antworten, zog Josef die Tür ins Schloss und verriegelte sie von innen.
»Sind denn alle hier verrückt?« Julius ging auf ein Fenster des Wirtshauses zu, das zur Straße zeigte. Bevor er aber einen Blick in den Schankraum werfen konnte, wurden die Vorhänge zugezogen. Er drehte sich um. Der Ort wirkte wie ausgestorben. Nur im Wirtshaus brannte Licht. Es war still. Ungewöhnlich still.
Ärgerlich wischte sich Julius einen Regentropfen von der Nase. Er ging ein paar Schritte, und als er gerade die Hausecke erreichte, hörte er ein Geräusch von der anderen Straßenseite.
Eine Gestalt kam auf das Wirtshaus zu. Gehörte sie zu den Männern im Schankraum? War es möglich, dass der Wirt ihn beim Aussteigen aus dem Leichenwagen beobachtet hatte, und deshalb so schnell an der Tür gewesen war? Anders konnte es sich Julius nicht erklären, dass ihn der Koloss direkt an der Tür abgefangen hatte. Kam jetzt die Person, die Josef und die anderen eigentlich erwartet hatten?
Der Schatten erreichte die Eingangstür und klopfte.
»Ich habe dir doch gesagt, dass du verschwinden sollst!«, hörte Julius von innen.
Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Josef glaubte offenbar, dass er einen zweiten Versuch unternehmen würde, ins Gasthaus zu kommen.
»Ich bin es, Eva.«
Was macht eine Frau alleine mitten in der Nacht vor einem Wirtshaus? Die Situation wurde immer verwirrender. Julius hörte, wie sich die Tür öffnete.
»Was willst du?«
»Lass mich rein, Josef.«
»Verschwinde. Das hier ist nichts für Frauen und besonders nichts für dich. Ich habe dir gestern schon gesagt, dass ich mich um alles kümmern werde. Hör endlich damit auf, dich einzumischen.«
»Die Sache geht mich genauso viel an wie euch. Lass mich rein.«
»Nein. Es gibt nichts, was du jetzt tun kannst. Denk daran, was mit deinen Eltern geschehen ist. Geh nach Hause.« Hatte die Stimme von Josef gerade noch ärgerlich geklungen, so hörte er sich jetzt an, als würde er mit einem kleinen Kind sprechen.
»Ich denke an nichts anderes«, zischte Eva. »Und ich habe ein Recht darauf zu erfahren, was ihr da drinnen plant.«
»Mach, dass du verschwindest. Noch einmal warne ich dich nicht.« Wieder fiel die Tür ins Schloss. Eva blieb im Regen zurück und hämmerte noch einmal mit beiden Fäusten gegen das Holz. Vergeblich.

Im Kindle-Shop: Das Geheimnis der Ronneburg

Mehr über und von Jörg Olbrich auf seiner Website.



14. Januar 2017

'Homali Sagina: Wie die Viecher' von Marie Wigand

Es passiert jeden Tag. Mütter werden ihrer Babys beraubt. Ohne Betäubung werden sie kastriert und gerupft. Sie leben in ihrem eigenen Dreck. Dicht an dicht. Ohne jede Privatsphäre. Sie werden bei vollem Bewusstsein gehäutet, geschlachtet und ausgenommen. Ich rede von den Tieren auf der Erde? Ja... aber dieses Mal rede ich auch von den Menschen auf Homali Sagina.

Nachdem immer mehr Menschen aus Lindas Umfeld vermisst gemeldet werden, ist auch eines Tages ihre Mutter spurlos verschwunden. Linda macht sich auf die Suche nach ihr und verliert plötzlich das Bewusstsein. Als sie wieder aufwacht, befindet sie sich in einem stinkenden Käfig. Ausgerechnet zusammen mit ihrem widerlichen Vorgesetzten Dr. Tristan Schönbeck. Nur Zufall, oder steckt da mehr dahinter?

Gleich lesen:
Für Kindle: Homali Sagina: Wie die Viecher
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Linda fühlte sich ziemlich benebelt. Dennoch öffnete sie zögerlich die Augen. Sie hätte sie ebenso gut geschlossen lassen können, denn es war stockfinster. Verwirrt versuchte Linda ihre Gedanken zu sammeln. Sie erinnerte sich, dass sie im Schrebergarten umgefallen war. Vermutlich war sie wegen nervlicher Überlastung zusammengebrochen. Die Mitglieder von Jasons Detektivtruppe mussten Linda gefunden und den Krankenwagen gerufen haben. Das war es! Sie lag vermutlich im Krankenhaus und es war Nacht! Das würde die Dunkelheit erklären.
Allmählich wurde Linda etwas klarer im Kopf und sie stellte fest, dass sie in einem reichlich unkomfortablen Krankenhaus gelandet sein musste. Das Bett war alles andere als kuschelig und nirgends war ein leuchtender Schwesternrufknopf zu sehen. Ja! Linda wollte die Schwester rufen und wissen was passiert war. Etwas ungelenk drehte sie ihren Kopf in alle Richtungen, konnte aber einfach keinen roten Knopf erkennen. Vielleicht war sie ja auch erblindet?
„Hallo? Ist da jemand?“, fragte Linda etwas zögerlich.
Keine Antwort. Was war das überhaupt für ein komisches Material auf dem sie da lag? Es fühlte sich an, als würde sie auf einem Linoleumboden liegen. Wo war die verdammte Bettdecke? Linda fror ein bisschen und tastete nach allen Seiten. Überall konnte sie nur dieses hartgummiartige Material erspüren.
„Manno!“, maulte Linda und erhob sich auf alle Viere.
Vorsichtig krabbelte sie ein Stück nach vorne. Rums! Linda hatte sich den Kopf gestoßen.
„Autsch!“
Sie tastete was ihr da den Weg versperrte. Es war eine Wand. Ebenfalls aus dem hartgummiähnlichen Material. Linda verstand die Welt nicht mehr. Sie krabbelte kurz nach rechts an der Wand entlang, bis sie wieder auf eine Wand stieß. Auch dieser Wand folgte sie und stieß erneut auf eine Wand. Nachdem sie eine Weile tastend herumgekrabbelt war, ging ihr auf, dass sie im Kreis kroch und dass sie sich vermutlich in einem viereckigen Hartgummibett mit hohen Seiten befinden musste.
„Die hatten wohl Angst, dass ich herausfalle.“, überlegte Linda.
Sie stand auf. Kurz bevor sie sich gänzlich aufgerichtet hatte, stieß sie hart mit dem Kopf an eine Decke!
„Was ist das hier für ein verdammter Scheiß!?“, brüllte sie wütend.
Sie bemerkte, dass sie leicht hysterisch klang. Mit eingezogenem Kopf blieb sie stehen und tastete mit den Händen nach der Decke über ihr. Nirgends war ein Ausstiegsloch. Nun drückte sie mit aller Kraft gegen die Decke. Vielleicht war es ja ein Deckel? Der vermeintliche Deckel bewegte sich keinen Millimeter. Plötzlich kam ihr ein scheußlicher Gedanke! Möglicherweise war sie ja für mehrere Tage lang scheintot gewesen! Jetzt lag sie irgendwo lebendig begraben in einem Sarg! Ganz tief unter der Erde! Linda fing an so laut sie konnte nach Hilfe zu schreien. Wieder und wieder. Immer hysterischer. Sie warf sich gegen alle Seiten ihrer seltsamen Behausung, in der Hoffnung, dass sich irgendetwas bewegen würde. Linda weinte und jammerte dabei wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Irgendwann war sie völlig ausgepowert, heiser und sämtliche Knochen schmerzten. Resigniert ließ sie sich auf ihren Hintern fallen und begann erneut zu grübeln. Wahrscheinlich war das doch kein Sarg! In welchem Sarg konnte man schon fast aufrecht stehen? Und die wenigen geöffneten Särge die Linda bisher gesehen hatte, waren weitaus gemütlicher als ihre aktuelle Behausung! Meistens waren sie innen mit Seide verkleidet. Viel mehr als herumliegen konnte man darin auch nicht! Und in dieser komischen Kiste hier hatte Linda seltsamerweise relativ viel Bewegungsfreiheit.
Plötzlich fiel Linda auf, dass sie keinen BH trug. Ihre Brüste baumelten etwas mehr als gewöhnlich herum. Und überhaupt! Was war das für ein komischer Fetzen, den sie da am Körper trug? Fühlte sich an wie ein Nachthemd mit Spagettiträgern. Sehr grober Stoff. Ein bisschen wie ein Kartoffelsack. Mit großem Unbehagen wurde Linda klar, dass sie außer diesem Stofffetzen nichts anhatte. Keine Schuhe, keine Strümpfe, keine Unterhose!
Wo zum Geier war Svens Handy?! Wieso kam sie erst jetzt auf die Idee einfach jemanden anzurufen? Sie tastete ihren merkwürdigen Umhang ab, fand aber nichts was auf das Handy hindeutete. Linda stieß einen gotteslästerlichen Fluch aus. Ihre letzte Hoffnung war dahin. Sie fühlte sich völlig verloren und hatte keine Ahnung was das alles bedeuten sollte. Als sie erneut zu heulen anfangen wollte, ging ein Ruck durch die Kiste. Was würde jetzt passieren? Linda konnte sich nicht daran erinnern, sich jemals so allein und hilflos gefühlt zu haben.
Plötzlich wurde ihre Behausung an einer Seite angehoben und Linda rutschte nach unten gegen eine Wand. Die Wand gab nach und Linda kullerte heraus.
Sie riss den Kopf hoch und schaute sich argwöhnisch um. Linda befand sich in der Mitte eines orangefarbenen Raumes. Der Boden war aus irgendeinem Metall, jedenfalls glänzte er silbrig und fühlte sich kalt an. An einer Stelle zwischen den orangenen Wänden befand sich eine milchige Glaswand. Ungefähr zwei Meter breit. Linda drehte sich nach ihrer Kiste um. Sie war dunkelgrün und vom Material her wie Knete. Richtige Knete konnte es aber auch nicht sein. Es hatte sich sehr hart angefühlt. So wie Linda darin gewütet hatte, müsste die Kiste ziemlich verbeult sein, wenn sie aus Knete gewesen wäre. War sie aber nicht.
Da tauchte hinter der Kiste eine orangefarbene Gestalt in einem leuchtend blauen Gewand auf. Sie flog förmlich auf die Wand zu und drückte sie einfach auseinander. Blitzschnell war die Gestalt verschwunden und die Wand verschloss sich unverzüglich wieder von selbst. Linda starrte eine gefühlte Ewigkeit die Wand an der Stelle an, wo soeben dieses merkwürdige Wesen geisterhaft verschwunden war. Jetzt reichte es ihr aber endgültig! Wo zur Hölle war sie und was wurde hier gespielt? Träumte oder fantasierte sie etwa? Das konnte die einzig plausible Erklärung sein. Sie biss sich kräftig auf den Finger. Da es höllisch schmerzte verwarf Linda die Traum-Theorie wieder. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie am ganzen Körper zitterte wie Espenlaub. Linda hörte ein Kichern. Hysterisch und grell. Es dauerte eine ganze Weile bis sie verstand, dass das Kichern von ihr selbst kam. Warum zur Hölle lachte sie? Aufgrund der abstrusen Situation? Konnte man vor Angst lachen? Denn Angst war das Einzige, was Linda momentan empfand. Auf einmal ertönte ein Summen, eine Wand aus blauem Licht erschien und bewegte sich langsam auf Linda zu. Ihr Kichern verstummte. Was würde wohl passieren, wenn die Lichtwand sie berührte? Linda bekam noch mehr Angst, soweit das überhaupt möglich war. Sie sprang auf und versteckte sich hinter der großen Kiste. Ihr Herz raste so schnell, als wolle es ihr gleich aus der Brust springen. Lindas ganzer Körper war von Angstschweiß bedeckt. Die Lichtwand hatte sie jetzt fast erreicht. Vielleicht konnte Linda ja durch die orangene Wand entschlüpfen wie das merkwürdige Wesen von vorhin? Sie rannte auf die Wand zu und drückte sich dagegen. Nichts passierte. Mit ihren Händen versuchte Linda einen Spalt zu finden, den sie packen und aufziehen konnte. Nichts! Die Lichtwand erschien direkt hinter ihr. Linda drehte sich um und die Lichtwand ging durch sie hindurch. In diesem Moment ertönte ein kurzer schriller Ton. Sonst passierte nichts. Linda konnte sich auf ihren Puddingbeinen nicht mehr halten und ließ sich wieder auf ihr Hinterteil fallen. Noch einmal ertönte der schrille Ton. Als ein perfektes Abbild von Linda auf der Glaswand erschien, traute sie ihren Augen kaum!

Im Kindle-Shop: Homali Sagina: Wie die Viecher
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Marie Wigand auf ihrer Website.



13. Januar 2017

'Lasst mich doch einfach leben …' von Cornelia Harz

Lisa Lindtal verliert alles: ihre Glaubwürdigkeit, die Liebe ihres Mannes und ihre Freiheit.

Die BlutGruppe2000, eine Organisation, die zahlungskräftigen Gästen eine Bühne für ihre perversen Fantasien bietet, hält sie gemeinsam mit anderen Opfern gefangen. Auf Lisa warten Schmerz und Tod. Wird sie es schaffen, sich aus dem Netz dieser Verbrecher zu befreien?

Ein spannender und emotionaler Psychothriller.

Gleich lesen: Lasst mich doch einfach leben … (Psychothriller)

Leseprobe:
„Frau Lindtal, ich brauche Ihre Hilfe!“
„Wie soll ausgerechnet ich Ihnen helfen?“
Sein Gesicht rückte näher an meines. „Haben Sie Zugang zu den Filmen der BlutGruppe2000?“
„Was haben denn diese Filme mit Ihrer Frau zu tun?“
„Ich weiß von einer Kollegin, dass alle Filme der BlutGruppe2000 reale Misshandlungen und Morde zeigen.“
Meine Cola blockierte meine Luftröhre. Ich musste husten. „Mein Mann hat sämtliche Filme zu Hause. Ich hab nicht viele davon gesehen. Mir sind die zu …“
„Zu grausam, das kann ich mir vorstellen.“
„Und Sie meinen, Sie finden auf den DVDs den Mord an Ihrer Frau?“
„Ich habe nur wenig Hoffnung, dass sie noch lebt.“
„Was hat denn Ihre Kollegin erzählt? Woher weiß sie das mit den Filmen?“
„Sie wissen doch bestimmt, dass Ihr Vorgänger ausgewandert sein soll.“
„Sie sprechen von Jonas Sklav, so heißt er doch, oder?“
„Genau. Aber von meiner Kollegin weiß ich, dass er nicht ausgewandert ist. Die BlutGruppe2000 hat ihn ermordet. Sein Tod soll auf der DVD Nummer 388 sein. Was, glauben Sie, sind das für Knochen unter der Glasplatte Ihres Schreibtischs?“
„Das ist nicht lustig! Das sind natürlich Kunststoffknochen!“
„Und die Initialen JS, die am rechten Tischbein eingeritzt sind?“
„Das ist die Firma, die diese Tische anfertigt! Also Herr Wüstenscheidt, ich bitte Sie wirklich –“
„Wir stellen diese Stücke selbst her. FaktSanum oder besser: die BlutGruppe2000.“
Ich sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
„Wenn ich wenigstens diese eine DVD hätte und einen der Knochen aus Ihrem Schreibtisch, könnte ich zur Polizei gehen.“
„Natürlich kann ich mal nachsehen. Wie sieht denn dieser Jonas Sklav überhaupt aus?“
Heiko Wüstenscheidt kramte in seiner Jacke und zog ein Stück Papier heraus. „Das ist ein Ausschnitt von unserer Betriebszeitung. Hier, der Dritte von rechts.“ Er schob mir den Zettel unter die Nase.
Ich sah einen grinsenden Mann, mein Alter etwa, mit zotteligen schwarzen Haaren. Er sah glücklich aus.
„Herr Wüstenscheidt, ich weiß grad ehrlich nicht, ob ich Angst haben oder herzhaft lachen soll.“
„Sie sollten auf sich aufpassen, Frau Lindtal! Und wir brauchen so schnell wie möglich Beweise, sonst …“
„Sonst? Sonst bin ich auch tot?“ Ich legte ein paar Münzen auf den Tisch und stand auf, ohne mich zu verabschieden.
Unterwegs versuchte ich mir pausenlos einzureden, dass ich meinen Meister im Spinnen gefunden hatte. BlutGruppe2000, alles Mörder, so ein Schwachsinn!
Zu Hause kniete ich mich sofort vor das Regal mit den DVDs. Jakob hatte sie perfekt geordnet. Da war sie: BlutGruppe2000 – Teil 388. Mein Herz pochte laut und stark und schnell. Ich fragte mich, wie lange meine Rippen diesem Hämmern noch standhalten würden. Meine Hände zitterten, mir glitt die DVD zu Boden. Wenn diese Geschichte stimmte, war mein Leben vorbei, ich war vorbei, für immer.
Es half nichts. Ich breitete das Bild von Jonas Sklav vor mir aus und startete den DVD-Player. Zuerst war es wieder dunkel. Dann der Schriftzug BlutGruppe2000 – Teil 388. Danach wieder diese Dunkelheit. Ich drückte auf Pause. Und auf Start. Und auf Pause. Und auf Start. Und da hing er: Jonas Sklav, gekreuzigt, blutend an Händen und Füßen, in irgendeiner Kirche. Er schrie! Er schrie wieder und wieder: Neeeiiiin, bittteeee! Doch sie schlugen immer mehr Nägel durch seinen halb nackten Körper. Ich sah seine Kräfte schwinden. Seine Stimme, sein Flehen wurden leiser. Bis er nach einiger Zeit komplett verstummte und sein Kopf leblos nach vorne kippte.

Im Kindle-Shop: Lasst mich doch einfach leben … (Psychothriller)



12. Januar 2017

'Von Worten berührt' von J. Vellguth

Penny hat einen Traum: Schriftstellerin werden. Das ist aber gar nicht so leicht, wenn man nicht nur eine verdammt gute Mutter für einen dreijährigen Wirbelwind sein möchte, sondern auch noch seine Brötchen als Assistentin eines bärbeißigen Bestseller-Autors verdienen muss, der einen die meiste Zeit als Fußabtreter benutzt.

Aber manchmal braucht das Schicksal nur einen kleinen Schubs, eine U-Bahn und einen Mann in Tweed.

Eine romantisch-moderne Geschichte über die Liebe, das Leben und die Macht der Worte.

Gleich lesen: Von Worten berührt: Liebesroman


Leseprobe:
Abenteuer
Ein Buchladen ist wie ein eigenes, kleines Universum. Hunderte von Welten reihen sich aneinander und bilden ein farbenfrohes Streifenmuster – den Strichcode des Lebens.
Ungeduldig warten diese Schöpfungen nur darauf, den nächsten willigen Leser mit aller Macht in ihr Gravitationsfeld zu ziehen und ihn mit ihren Worten fortzureißen, durch wilde Strömungen, plätschernde Seen und glitzernde Wasserfälle. Nur, um ihn am Ende der Reise völlig erschöpft und voller neuer Erinnerungen wieder in die Welt hinauszuspucken und ihn in sein eigenes großes Abenteuer zu entlassen.
Eric stand vor dem Eckregal in dem kleinen Laden, ließ die Finger über das sanfte Wellenmuster der Buchrücken streifen und lauschte den zarten Klängen des Klaviers hinter sich.
Amy trat neben ihn. »Heute so unentschlossen? Kann ich dir helfen«, fragte sie. Ihr blonder Bob glänzte im Schein der Frühlingssonne.
Automatisch setzte Eric sein Autorenlächeln auf und funkelte sie vielsagend an. »Eigentlich bin ich nur auf der Suche nach etwas … Inspiration.«
Sie lachte. »Heb dir deinen Charme lieber für deine Fans auf.«
»Hey, ich muss im Training bleiben, die nächste Signierstunde ist noch über eine Woche hin.« Er fuhr sich demonstrativ durch sein eigenes dichtes, blondes Haar und zwinkerte ihr zu. »Ryan wird schon nichts dagegen haben.«
Der junge Mann am Klavier, mit löchriger Jeans und Lederjacke, schien irgendwie gar nicht in den schicken Laden zu passen. »Das hab ich gehört«, rief er über die Schulter und ließ seine Finger stürmisch über die Tasten springen.
»Wir unterhalten uns nur ein bisschen«, schäkerte Eric. »Spiel du lieber weiter Musik.«
Diesmal bekam er einen gefährlichen Seitenblick zugeworfen und das Klavierspiel wurde noch etwas temperamentvoller.
Eric seufzte theatralisch. »Ich hab von Büchern gesprochen, okay? Von Büchern als Inspiration.« Damit zog er ein schwarzes heraus und legte es demonstrativ auf den Stapel, den er neben sich auf dem Fußboden gebildet hatte und der ihm mittlerweile fast bis zum Knie reichte. Sich mit Fans zu unterhalten war einfacher als mit normalen Menschen. Fans mochten es, wenn er mit ihnen flirtete, obwohl er es selten richtig ernst meinte.
Leider war Amy kein richtiger Fan. Sie mochte generell alle Bücher und hatte gelegentlich etwas von einer Enzyklopädie, was das anging, sie sah nur etwas hübscher aus. Natürlich kam sie nicht an die kleine Schwarzhaarige heran.
»Was macht eigentlich deine Freundin aus der U‐Bahn?«, fragte Amy, als könnte sie Gedanken lesen. Viel zu beiläufig griff sie nach dem Buch, das Eric gerade willkürlich auf seinen Stapel gelegt hatte.
»Sie ist nicht meine Freundin«, antwortete er viel zu hastig.
Jetzt bereute er, die mysteriöse Unbekannte überhaupt vor Amy erwähnt zu haben. Aber sein Bruder hätte nur falsche Schlüsse gezogen und seine Mutter wäre ihm wochenlang damit auf dem Keks gegangen.
Seine Lieblings‐Buchhändlerin ins Vertrauen zu ziehen, hatte damals nach einer guten Idee geklungen. Nur, um herauszufinden, was das andere Geschlecht von so einer Beziehung hielt, natürlich.
Jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob das wirklich so eine gute Idee gewesen war und wünschte sich, er hätte damals bloß seine Klappe gehalten.
Amy strich über ihren bunt gemusterten Rock. »Habt ihr euch immer noch nicht vorgestellt?«
»Nein«, sagte er knapp und zog einen blauen Wälzer aus dem Regal.
»Aber ihr sprecht immer noch jeden Morgen miteinander?«
Jetzt konnte er die Neugier in ihren Augen funkeln sehen, als wäre sie auf der Suche nach einer Geschichte. Nicht nach einer, die sie weitererzählen konnte, dafür war sie zu diskret. Aber nach einer Geschichte, wie man sie sonst nur in Büchern finden kann.
Das musste er im Keim ersticken. Also blieb er kurz angebunden. »Ja. Über Bücher. Sonst nichts«, das Buch aus seiner Hand wanderte ungesehen auf den Stapel. Amy sammelte es ein und betrachtete es skeptisch.
»Aha.« Sie kräuselte die Lippen. »Wenn das stimmt, dann frage ich mich nur, warum deine Leseauswahl so … eigenwillig ausfällt, während du darüber sprichst.« Sie hob eine Mützenstrickanleitung und einen Reiseführer in die Luft.
»Ich sag doch, ich suche nur nach Inspiration«, er schnappte ihr beide Bücher aus der Hand, erkannte, dass es sich um einen Reiseführer für Thailand handelte und legte trotzdem beides wieder auf seinen Stapel.
»Also, ich finde, du solltest sie nach ihrem Namen fragen«, sagte Amy.
Er seufzte beim Gedanken an die mysteriöse Unbekannte. Mehr als einmal hatte er das Thema vorsichtig angeschnitten, aber sie war immer ganz elegant ausgewichen. Hatte ihr glänzend schwarzes Haar hinter ihr Ohr gestrichen, verlegen zur Seite geblickt und das Thema gewechselt.
»Was hab ich denn davon? Höchstens ein neues Fangirl. Danke, aber davon gibt’s schon genug.«
»Nicht jede Frau, die dich nett findet, wird gleich zum schmachtenden Groupie.«
Ryan stoppte mitten im Spiel und grunzte. »Das will ich aber auch schwer hoffen.«
Schnell trat Amy hinter ihn und drückte ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange.
Wenigstens wurde sie so vom Thema abgelenkt. Es gab sowieso nicht mehr viel zu sagen. Denn Eric wusste selbst nicht so genau, was er mit der jungen Frau aus der Bahn anfangen sollte.
Er wollte ganz sicher keine feste Beziehung. Allein bei dem Gedanken bohrte sich eine lange, glühende Stricknadel in seinen Hals, durch seine Lunge hindurch bis hinunter in seinen Magen.
Nein, Danke.
Allerdings bewies allein die Tatsache, dass Amy von der dunkelhaarigen Schönheit wusste, dass er viel zu oft über sie nachdachte.
Vielleicht war es tatsächlich an der Zeit, sie sich aus dem Kopf zu schlagen.
Dafür könnte er natürlich einfach eine andere Bahn zur Arbeit nehmen. Schließlich legte er seine Zeiten selber fest. Das wäre wohl die einfachste Variante gewesen. Oder aber, er könnte das Praktische mit dem Angenehmen verbinden.
Die Nadel in seiner Brust begann zu glühen.
Auf die eine oder andere Weise war es auf jeden Fall Zeit für eine Veränderung.

Im Kindle-Shop: Von Worten berührt: Liebesroman

Mehr über und von J. Vellguth auf ihrer Website.



'Grundlagen der Programmierlogik' von Marcus Pérez

Programmiersprachen unterscheiden sich in ihrer Ausdrucks- und Schreibweise, die Konzepte dahinter sind jedoch meist sehr ähnlich. Daher ist es zunächst wichtig, die grundlegende Logik zu verstehen, welche alle gängigen Programmiersprachen miteinander gemein haben.

Die Programmierlogik bildet den Grundstein, um die Struktur von Computer-Programmen planen und entwickeln zu können. Erst wenn das Konzept steht, erfolgt die Umsetzung in einer sprachenspezifischen Schreibweise.

Unabhängig von einer speziellen Sprache dient dieses Buch als Vorbereitung zum Erlernen der ersten Programmiersprache. Ein wichtiges Hilfsmittel hierfür ist der Programmablaufplan, mit dem sich die logische Struktur leicht verständlich und nachvollziehbar darstellen lässt.

Gleich lesen: Grundlagen der Programmierlogik

Leseprobe:
Was ist eigentlich Programmierung?

Definition Programmierung (Informatik):
In der Informatik versteht man unter der Programmierung die Planung, Entwicklung und Umsetzung (Codierung) eines (Computer-)Programms.

Sicher stellt die Aussage, dass mit Programmierung das Erstellen eines Programms gemeint ist, keine besonders neue Erkenntnis für Sie dar. Allerdings gehört zur Programmierung mehr als nur das Eintippen von Computerbefehlen. Zwischen dem zu lösenden Problem und dem fertig ausführbaren Programm liegen viele Schritte. Grob lässt sich das in Planung, Entwicklung und Umsetzung gliedern. Zur Planung kann man die Problembeschreibung und -analyse, zur Entwicklung den Lösungsentwurf und deren Verbesserung zählen. In der Umsetzung wird daraus dann ein fertiges Programm. Doch was ist eigentlich genau ein (Computer-) Programm?

Definition (Computer-)Programm:
Ein Programm ist eine Folge von Befehlen, die dem Computer mitteilen, wie er eine Aufgabe zur Problemlösung abarbeiten soll.

Ein Programm ist folglich eine Beschreibung für die Vorgehensweise, um zu einer Lösung für ein bestimmtes Problem zu kommen. Wir selbst begegnen im Alltag ständig solchen Beschreibungen, die wir abarbeiten, wie z.B. in Form von Rezepten oder Wegbeschreibungen.
Nehmen wir an, Sie möchten zum Bahnhof und fragen einen Passanten, wie Sie dorthin kommen. Sie erhalten folgende Beschreibung:
▪ Fahren Sie die Straße bis zur 3. Ampel, dort biegen Sie links ab
▪ Nach 300m kommt ein gläserner Bürokomplex, hier rechts abbiegen
▪ Noch ein paar Straßen, dann sehen Sie auf der linken Siete den Parkplatz vom Bahnhof
Diese Beschreibung stellt im Prinzip eine Folge von Befehlen dar, mit deren Abarbeitung man das definierte Problem lösen kann. Folgen Sie den Anweisungen, löst dies Ihr Problem – nämlich wie Sie zum Bahnhof kommen. Doch ist es in der Form kein (Computer-) Programm, sondern eher ein Algorithmus.

Definition Algorithmus:
Ein Algorithmus ist die präzise und eindeutig verfasste endliche Folge von Anweisungen zur Lösung einer gegebenen Aufgabe bzw. eines Problems.

Anders formuliert: Ein Algorithmus ist die Beschreibung einer begrenzten Anzahl von Arbeitsschritten, die den Zweck erfüllen eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Er muss äußerst präzise und eindeutig sein.
Dabei ist „präzise und eindeutig“ leicht differenziert zu betrachten. Ein Algorithmus ist erst einmal eine Art Bedienungsanleitung, z. B. ist ein Rezept eine Form von Algorithmus. Es erklärt uns in einer Folge von Anweisungen, wie wir zur Lösung unseres Problems gelangen, z. B. einen Kuchen backen. Ein Rezept erfüllt auch die Vorgabe, dass es endlich ist. Bleibt noch das „präzise und eindeutig“.
Beispiel: Nachdem wir alle Zutaten vorbereitet haben, steht in unserem Rezept: „Bei 200° für 60 Minuten in den Backofen geben“. Für uns ist das relativ präzise und eindeutig, zumindest ausreichend, um die Anweisung erfolgreich auszuführen. Vor allem können wir u. U. auf einen passenden Erfahrungsschatz zurückgreifen, wenn das nicht unser erster Kuchen ist. Möglicherweise fehlt uns die Information, ob wir den Backofen auf Ober-/Unterhitze oder Umluft stellen sollen, letztlich würden wir aber selbst eine Entscheidung treffen (können).
Der Computer kann das nicht und steht da wahrscheinlich schon vor einem Problem, denn: Computer sind dumm!
Computer können nicht selbstständig denken oder interpretieren, das heißt Sie müssen für den Computer jeden Schritt genau definieren und mögliche Hindernisse oder Probleme berücksichtigen. Jeder Tippfehler führt zu Fehlern.
Wenn wir einen geschriebenen Text lesen, der Fehler in der Grammatik oder Rechtschreibung enthält, dann werden wir diese teilweise überlesen oder zumindest den Inhalt dennoch korrekt interpretieren können. Ein Computer kann das von Haus aus nicht, allenfalls, wenn es ihm von einem Programmierer beigebracht wurde. Er arbeitet lediglich die vorgegebenen Befehle akribisch Schritt für Schritt ab. Entsprechend genau muss das Programm jede mögliche Situation berücksichtigen.
Zurück zu unserem Kuchenbeispiel: der Computer dürfte hier noch ganz andere Probleme haben, denn für ihn ist das alles viel zu unpräzise. Wenn wir dem Computer den Befehl geben würden, den Kuchen in den Ofen zu stellen, dann würde er das blind ausführen oder zumindest versuchen auszuführen.
Doch was ist, wenn die Ofentür geschlossen ist? Vermutlich würde er an der Aufgabe scheitern oder ggf. den Kuchen durch die Glasscheibe drücken. Wir müssten dem Computer also viel konkreter erklären, was er tun muss, damit am Ende der Kuchen im Backofen landet.
Zunächst müsste er nachsehen, ob die Ofentür geöffnet oder geschlossen ist und dann ggf. öffnen. Außerdem müssten wir ihm dann noch sagen, was er nehmen soll, wo er es findet und wohin es genau gebracht werden muss. Zum Schluss müssten wir ihm noch mitteilen, dass er die Ofentür schließen soll.
Das waren jetzt nur die Anweisungen für „in den Ofen schieben“, für den ganzen Rest wären genauso präzise Anweisungen nötig. Der Computer braucht also eine Schritt-für-Schritt-Anweisung, um korrekt arbeiten zu können.
Die Beschreibung „Jeder Einzelschritt muss für sich so einfach und so exakt beschrieben sein, so dass es keinen Zweifel über seine Abwicklung gibt.“ trifft den Punkt ziemlich gut, denn ein Computer kann mit zweifelhaften Anweisungen nicht umgehen.
Das Gute ist, das Programmiersprachen viel Arbeit abnehmen können, da typische Aufgaben bereits programmiert wurden. Man muss also nicht mehr alles von Grund auf programmieren, sondern kann auf bestehende Funktionen zurückgreifen und diese nach eigenem Bedarf kombinieren.

Im Kindle-Shop: Grundlagen der Programmierlogik

Mehr über und von Marcus Pérez auf seiner Website.



11. Januar 2017

'Michael Lindqvist: Den Tod im Blut' von Jo Hess

Band 5: Eine Serie grausamer Morde führt Michael und Konstantin nach Neuseeland. Ohne Waffen und mit der Ungewissheit, ob ihr Freund Ben hinter allem steckt, oder ob sie wieder auf ihren Erzfeind, den Werwolf Karsten Berghoff treffen, müssen sie sich das erste Mal ohne die Rückendeckung des Priesters Henry Cavill dem Kampf gegen einen bestialischen Killer stellen.

Die Horror-Serie {ML}
Michael Lindqvist {ML} ist ein Student, der sich nach einem tragischen Schicksalsschlag dazu entschließt, neben seinem Studium Monster zu jagen. Die Buchserie ist in einzelne, jeweils in sich abgeschlossene Geschichten unterteilt. Nebenher existiert ein fortlaufender Handlungsstrang, der sich durch alle Bände zieht.

Gleich lesen:
Für Kindle: Michael Lindqvist: Den Tod im Blut - Band 5 {ML}
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Nachricht von Emma
„Wie bekomme ich das verdammte Ding an?“
Hilflos starrte ich auf das Display, das mir drei Nachrichten anzeigte. Hektisch tippte ich auf die Mitteilungen. Nichts geschah.
„Ich hasse Technik.“
Frustriert schleuderte ich Konstantins iPad auf die Couch. Ich sah mich schuldbewusst um, obwohl ich wusste, er war nicht zu Hause. Ich wählte seine Nummer und trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte.
„Mensch, Konsti, warum gehst du so lange nicht ran?“, begrüßte ich ihn ungeduldig.
„Ich bin mit Julian bei meinem Bruder. Wir haben mit ihm einen Film angesehen“, sagte er und ich fühlte mich gleich schuldig, weil ich ihn so angefahren hatte.
„Wie geht es Korbinian?“
„Gut. Als ich mit ihm gesprochen habe, hatte ich den Eindruck, als würde er mir wirklich zuhören. Zumindest eine Zeitlang.“
Korbinian lag nun schon seit über einem Jahr in der Reichmann Klinik. Er machte nur langsame Fortschritte und wir waren nicht sicher, ob er jemals wieder ein normales Leben würde führen können. Ich war schon lange nicht mehr bei ihm gewesen. Jedesmal, wenn ich ihn besuchte, erinnerte mich das an meinen Bruder. Und deshalb suchte ich immer nach einer anderen Ausrede, um Konstantin nicht begleiten zu müssen.
„Hör zu, Konsti, es gibt da etwas, bei dem ich deine Hilfe brauche. Emma hat angerufen. Es gibt Neuigkeiten aus Neuseeland. Kannst du nach Hause kommen?“
Ich hörte den Fernseher im Hintergrund leiser werden und eine Tür zufallen.
„Erzähl es mir am Telefon, ich würde gerne noch etwas bleiben.“
Ich dachte, ein paar Stunden mehr oder weniger, würden nichts ändern.
„Ich möchte es dir lieber sagen, wenn du hier bist. Komm, sobald du kannst.“
Ich beendete das Gespräch mit Grüßen an Korbinian und Julian, warf dem iPad einen finsteren Blick zu und ging auf mein Zimmer.

Zwei Stunden später ließen sich Konstantin und sein Freund auf das Sofa fallen und mein Cousin drückte mir einen Pappbecher mit heißem Kaffee in die Hand.
„Lebkuchen-Latte. Mit Grüßen von der grünen Meerjungfrau“, sagte er.
Mit einem Blick auf das Logo des Pappbechers erklärte ich:
„Wusstest du, dass Sirenen ursprünglich nicht die Kuschel-Meerjungfrauen waren, die Disney so gerne zeigt, sondern mörderische Vixen, die durch die obszöne Position ihrer Beine, also in dem Fall, ihrer Schwänze, Seefahrer in ihr Verderben locken wollten? Legenden nach hat dieses grüne Fräulein zahlreichen Fischern das Leben gekostet.“
„Mein Cousin ist das wandelnde Wikipedia für unnützes Wissen.“
„So unnütz ist das gar nicht“, sagte Julian und Konstantin sah ihn stirnrunzelnd an.
„Ach?“
„Wenn man Seefahrer ist“, vollendete er den Satz und lachte.
„Ha-Ha, ihr seid so komisch“, nuschelte ich.
„Also“, sagte mein Cousin und klopfte mir auf den Oberschenkel, „was gibt’s?“
Der Besuch bei seinem Bruder hatte ihm sichtlich gut getan und es tat mir leid, ihm die Stimmung verderben zu müssen. Ich nahm einen Schluck von der Papp-Vixe und schloss für einen Moment die Augen. Der süße Geschmack des Winters füllte meinen Mund aus.
„Schon wieder fast Weihnachten. Die Zeit fliegt dahin“, sagte ich und hörte mich dabei an, wie meine Mutter.
„Michael?“, sagte mein Cousin gedehnt.
„Was?“
„Was sind die Neuigkeiten?“
Ich seufzte, trank noch einen Schluck und sagte:
„Emma hat erzählt, es gibt eine Mordserie, die sich von der Südinsel hinauf auf die Nordinsel zieht. Sie hat mir einen Artikel geschickt. Der geht nur nicht auf.“
Ich nahm das iPad und legte es meinem Cousin auf den Schoß.
„Alter, du bist so Neunzehnhundertneunzig. Ich meld dich mal im Apple Laden für einen Workshop an.“
„Leck mich, Mann. Ich brauch das Technikzeug nicht.“
“Das merkt man. Auch wenn du es nicht willst, mein Freund, die Welt will es.“
„Jetzt lass ihn in Ruhe, Konstantin und mach die Nachrichten auf“, mischte sich Julian ein. Ich war immer noch skeptisch, ob es eine gute Idee gewesen war, Julian in unser geheimes Leben als Monsterjäger einzuweihen. Mir wäre es lieber gewesen, Konstantin hätte ihn nach Hause geschickt. Aber ich hielt den Mund. Mein Cousin rief die Nachricht von Emma auf und hielt sie mir unter die Nase. Der Artikel zeigte ein Bild von einem wundervollen Strand. Nicht so wundervoll waren die zwei schwarzen Planen, unter denen die Opfer lagen.
„Whatipu’s Blood Tragedy, two victims still unidentified. Killer leaves no trace.
Grace McKnetta, a long term resident at Whatipu Beach and both owners of the camping side, Ella Neal and Piatu Gogona are in a state of shock: `They should have been save here`, Gogona said," las Konstantin in etwas eingerostetem Englisch vor.
„Das bedeutet, es gab zwei Tote am Strand, die nicht identifiziert werden können und es gibt keine Spuren vom Killer“, fasste ich nochmal zusammen.
„Note eins“, sagte Julian.
Ich ignorierte seinen Kommentar.
„Du denkst, das war Berghoff, oder?“, fragte Konstantin und ich nickte.
„Emma denkt das auch. Allerdings weiß sie nicht, dass Ben damals von Berghoff verwundet wurde und auch infiziert sein könnte. Und ich wollte es ihr nicht am Telefon sagen. Sie meint, die Morde begannen schon vor einigen Monaten auf der Südinsel und zogen sich immer weiter hinauf. Die beiden Opfer in Whatipu sind scheinbar die letzten von elf Toten. Die Polizei vertuscht alles, so gut es geht. Emma konnte über Kontakte einiges über den Zustand der Opfer in Erfahrung bringen und geht davon aus, dass es ein Werwolf war.“
„Emma hat Kontakte, die in Polizeiunterlagen Einsicht haben? Wow. Na los“, sagte Konstantin, „lass uns buchen. Das Wetter hier ist sowieso beschissen. Und in Neuseeland ist im Moment Sommer, richtig?“
Verwundert sah ich meinen Cousin an. Normalerweise gerieten wir immer in Streit, sobald ich Berghoff nur erwähnte.
„Julian sagt, man kann vor seinen Problemen zwar davonlaufen, jedoch holen sie einen immer wieder ein. Daher ist es besser, man bereitet sich darauf vor und stellt sich ihnen.“
„Aha. Tut dir gut, dein Julian.“
Der küsste meinen Cousin stolz auf die Wange. Ich schmunzelte, schloss die Augen und trank meinen Kaffee.
„Hör auf so dämlich zu grinsen“, sagte Konstantin selber grinsend.
„Werdet ihr euch nicht vermissen? Wir werden wahrscheinlich lange fort sein.“
„Darüber haben wir schon gesprochen. Wenn es sehr lange dauert, komme ich in den Weihnachtsferien nach.“
„Ich halte das für keine gute Idee“, warf ich ein.
„Natürlich nicht“, murmelte mein Cousin und verdrehte die Augen.
„Es ist viel zu gefährlich für ihn.“
„Wenn wir Berghoff sofort finden und kalt machen, bleiben wir sowieso nicht lange.“
Verliebt sah er Julian an. Eifersucht loderte in meinem Inneren. Auf die Liebe, die ich zwischen den beiden spüren konnte und darauf, wie viel Zeit sie zusammen verbrachten. Und nun war Julian sogar ein Teil von Korbinians Leben. Mehr als ich. Dabei war das meine eigene Schuld.
„Es könnte auch Ben sein“, sagte ich, um das Thema wieder auf den Punkt zu bringen. „Wir wissen nicht, ob er von Berghoff angesteckt wurde. Was ist übrigens mit Anna?“, fragte Konstantin unerwartet und ich verschüttete fast meinen Kaffee.
„Was?“
„Du hast schon verstanden. Du kannst ihn schlecht mitnehmen.“
Damit spielte er auf den Knochen an, den ich seit Monaten als Talisman mit mir herumtrug. Ich hätte ihn längst verbrennen müssen, damit Anna’s Seele endlich erlöst wurde und von dieser Erde verschwinden konnte. So oft hatte ich mir vorgenommen, zurück zum Teich zu fahren, in dem Anna festsaß, mich bei ihr zu entschuldigen und den Knochen zu vernichten. Nur kam mir jedes mal etwas dazwischen oder ich vergaß es. Außerdem spendete mir der Knochen eine Art von Geborgenheit, die ich nicht erklären konnte. Von außen betrachtet war ich ein verrückter Perverser. Niemand konnte nachvollziehen, wie es sich angefühlt hatte, als ich Anna’s Geist in mir beherbergte, und wie einsam ich mich fühlte, seit sie wieder fort war. Mit dem Knochen hatte ich das Gefühl, nicht allein zu sein. Wenigstens ein bisschen.
„Du bist noch immer in Anna verknallt, oder?“
„So ein Quatsch, Alter. Ich bin nicht in einen Geist verliebt“, sagte ich und spürte, wie ich rot wurde.
„Genau, ganz offensichtlich nicht. Du weißt schon, dass sie dich in eine weiße Jacke stecken, wenn sie dich am Flughafen mit einem Knochen in der Tasche erwischen und du ihnen sagst, dass er der Liebe deines Lebens gehört?“
„Halt die Klappe, Mann.“
„Ist sie eigentlich hier?“
„Was? Nein, wieso?“
„Der Knochen hielt sie in dem Teich. Wenn du ihn hast, müsste sie demnach hier sein.“
Mein Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken daran, wobei Anna mich schon beobachtete haben würde, wenn sie tatsächlich immer bei mir war. Konstantin bog sich vor Lachen und machte Wichs-Bewegungen mit seiner Hand.
„Wovon sprecht ihr da eigentlich?“, fragte Julian.
„Gar nichts“, sagte ich und sah Konstantin finster an, „buch lieber unsere Tickets.“
Ich lief in mein Zimmer und schloss die Tür. Seufzend setzte ich mich aufs Bett und holte meinen Talisman aus der Hosentasche. Ich drehte den kleinen Knochen hin und her, atmete tief ein und legte ihn neben mich.
„Anna?“
Eine Gänsehaut breitete sich auf meinen Armen aus. Nichts geschah.
„Anna, wenn du hier bist, zeig dich bitte. Es tut mir leid, dass ich deinen Knochen behalten habe. Wenn du sauer bist, versteh ich das. Bist du hier?“
Aus dem Wohnzimmer ertönte ein Poltern und ich zuckte heftig zusammen. In meinem Zimmer bewegte sich nichts. Erleichtert und gleichzeitig enttäuscht, steckte ich den Knochen wieder ein. Zurück bei den anderen setzte ich mich schmollend auf das Sofa.
„Ach, komm schon. Sei doch nicht beleidigt“, sagte Konstantin und legte mir einen Arm um die Schultern.
„Ist ganz normal mit einem Knochen zu mastur…“
„Konstantin, Schluss damit“, schalt ihn Julian.
Mein Cousin sprang auf, salutierte vor ihm und rief:
„Ja, Herr Lehrer.“
„Du bist ein schlimmer Junge.“
Spielerisch zog Julian ihn am Ohr und ich musste schmunzeln.
„Hast du die Tickets bekommen?“, fragte ich.
„Yes, Sir. Wir fliegen in zwei Tagen.“
„Also seid ihr Weihnachten definitiv nicht hier“, meinte Julian.
Konstantin nahm ihn in die Arme und küsste seine Stirn.
„Wenn wir solange bleiben müssen, kommst du wie besprochen nach.“
Mir war Weihnachten egal. Früher waren unsere Familien immer schon vormittags zusammen gekommen und hatten miteinander gekocht. Wir hatten oft die ganzen Feiertage zusammen verbracht. Doch seit Nick ermordet worden war und Korbinian in der Klinik lag, gab es kein Weihnachten mehr für uns. Ich war froh, wenn ich nicht bei meinen Eltern am Tisch sitzen und in traurigem Schweigen eine vertrocknete Gans herunterwürgen musste.
Niedergeschlagen sah ich aus dem Fenster. Ich betrachtete die graue Wolkendecke und den feinen Nieselregen. In ein paar Tagen würde ich in der Sonne stehen, in einem Land am anderen Ende der Welt. Ob ich die Sonne würde genießen können, stand jedoch noch keineswegs fest. Immerhin waren wir auf der Suche nach einem Mörder. Und entweder würden wir dabei erneut auf Berghoff treffen oder der beste Freund meines toten Bruders war ebenfalls ein Werwolf und killte irgendwelche Leute. Ich hatte kein Problem damit Berghoff kalt zu machen. Nur was ich tun würde, wenn Ben sich als der gesuchte Killer herausstellen sollte, das wollte ich mir nicht vorstellen.

Im Kindle-Shop: Michael Lindqvist: Den Tod im Blut - Band 5 {ML}
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Jo Hess auf seiner Website zur Buchreihe.



10. Januar 2017

'Mein Vater, der Astronaut' von Frank Moulin

»Auf dem Mond erkennt Leon, was wahres Glück für ihn bedeutet. Doch es liegt in unerreichbarer Ferne. Können ihm seine ungewöhnlichen neuen Freunde dabei helfen, es zu erreichen?«

Leon ist Astronaut und liebt das Leben auf dem Mond. Doch er liebt auch seine Frau und seinen Sohn Ben, die auf der Erde geblieben sind. Um ihnen seine Zuneigung zu zeigen, lässt er sich etwas ganz Besonderes einfallen: Alle vier Wochen lässt er den Mond hell erstrahlen. Mit den Jahren wird die Sehnsucht nach seiner Familie jedoch übermächtig. Da stellt Leon entsetzt fest, dass er mit seinem Raumschiff nicht mehr zur Erde zurückkehren kann. Er ist verzweifelt – und erlebt die größte Überraschung seines Lebens …

Eine phantasievolle und berührende Erzählung rund um Abenteuer, Freiheit, Liebe und Freundschaft für Kinder (6–8 Jahre) und Erwachsene. Als E-Book in Ausgaben mit und ohne farbige Illustrationen erhätlich.

Aktion vom 16. bis 22. Januar: Kostenloser Download der eBook-Version mit Illustrationen (statt 9.99 €)

Gleich lesen:
Bei Amazon: Mein Vater, der Astronaut
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Leseprobe:
Als ich vier Jahre alt war, trat mein Vater, der Astronaut, seine große Reise in eine ferne, unbekannte Welt an. Er landete auf dem Mond und war von dessen Anblick dermaßen überwältigt, dass er sich augenblicklich in ihn verliebte. Ab da gab es für ihn kein Zurück mehr. Er beschloss, dort zu bleiben – da oben in diesem dunklen, unendlichen Universum.
Ich begriff damals vieles noch nicht. Doch ich war traurig, denn ich vermisste meinen Vater.

Meine Mutter erzählte mir schließlich, was es mit dem Vollmond auf sich hatte. Damit wollte mein Vater meiner Mutter und mir eindrucksvoll zeigen, wie intensiv er an uns dachte. Die Batterien in seinem Raumschiff konnten für ein bis zwei Tage eine sehr hohe Leistung erbringen. War die Energie verbraucht, dauerte das Aufladen fast vier Wochen. Und so geschah es, dass er einmal im Monat alles, was in und an seinem Raumschiff Licht abgeben konnte, zum Leuchten brachte.
Die Menschen auf der Erde waren jedes Mal fasziniert von diesem runden, hellen Mond, der die Landschaft, die Dörfer und Städte in ein silbrig schimmerndes Licht hüllte. Manche jedoch wurden unruhig, konnten nicht schlafen oder verhielten sich gereizt. Was so ein Raumschiff alles bewirken konnte!

Viele Jahre später – mittlerweile war ich ein junger Mann – erzählte ich nahezu allen Menschen, die ich kennen lernte, diese Geschichte. Spätestens dann, wenn sie fragten, was meine Eltern so machten. Stolz berichtete ich ihnen, dass mein Vater, der Astronaut, auf dem Mond lebe. Und nur durch ihn könnten wir uns jeden Monat an diesem unglaublich schönen Vollmond erfreuen.
Manche Leute schauten mich mit großen Augen an, schüttelten den Kopf oder lächelten milde. Andere wiederum drehten sich um und gingen fort. Nur wenige fanden meine Geschichte vom Vollmond glaubhaft. Diese begeisterten sich allerdings so sehr an der Vorstellung eines Mannes auf dem Mond, dass sie alles ganz genau wissen wollten und gar nicht mehr aufhören konnten zu fragen. Das war, ganz ehrlich, ein bisschen nervig.
Und so wurde die Nacht des Vollmonds zu einer außergewöhnlichen – der Nacht meines Vaters.

Dann geschah etwas, das ich mir nach der langen Zeit gar nicht mehr hatte vorstellen können. Der Monat neigte sich dem Ende entgegen und meine Mutter und ich warteten sehnsüchtig auf den Vollmond, auf das Zeichen meines Vaters. Doch es blieb aus. Zuerst dachten wir an eine Verzögerung, aus welchem Grund auch immer. Tage vergingen. In dem unendlichen Sternenhimmel fehlte der leuchtend weiße Mond.
Voller Sorge standen wir Nacht für Nacht vor unserem Haus und blickten erwartungsvoll nach oben. Nichts war mehr wie zuvor und wir konnten nichts dagegen tun. Wir glaubten fest an den Vollmond und schickten unsere Gedanken und guten Wünsche durch das Weltall zu meinem Vater.
Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass er verzweifelt auf und ab ging. Die Batterien hatten mit einem Mal aufgehört, die Energie und somit den Strom für das Licht im Raumschiff zu speichern.
Er saß nun traurig vor seinem Raumschiff, stützte den Kopf in seine Hände und überlegte, was er noch tun konnte. Er hatte bereits alles versucht. Die Batterien hatten wohl ihr Lebensende erreicht. Lediglich die Notbeleuchtung im Raumschiff funktionierte noch, doch die konnte auf der Erde niemand sehen.

Gebannt schaute er zum blauen Planeten. Er hatte das Gefühl, er könnte unsere Gedanken spüren und die Erde würde ihn regelrecht anziehen. Ihn überkam tiefe Sehnsucht. Eine innere Stimme sagte ihm, dass nun die Zeit gekommen war, die Rückreise anzutreten. In diesem Augenblick wurde meinem Vater plötzlich klar, dass er mit seinem Raumschiff nicht mehr zur Erde zurückkehren konnte …

Was er nicht bemerkte, war, dass die Sterne in seiner Nähe ihm bereits eine ganze Weile zugeschaut hatten. Sie unterhielten sich mit besorgter Miene und beschlossen, den Mann auf dem Mond zu besuchen.

Im Kindle-Shop: Mein Vater, der Astronaut
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Mehr über und von Frank Moulin auf seiner Website.